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Spider-Man 1

Cover Spider-Man 1Im Juli beginnen bei Panini fünf neue Marvel-Heftserien mit Comics, die in den USA unter dem Motto „Marvel NOW!“ mit neuen Kreativteams neu gestartet wurden. Das Ziel: attraktive Einstiegspunkte für neue oder zurückkehrende Leser zu bieten und ein wenig frischen Wind ins Marvel-Universum zu bringen. Ob das gelungen ist, wollen wir uns in kurzen Rezensionen zu den fünf neuen Reihen ansehen. Heute: der, laut Heftumschlag, „neue, bessere Spider-Man“.

 

Worum geht’s?
Im letzten Heft der Vorgängerserie gab es einen Körpertausch zwischen Spider-Man und dem Schurken Otto Octavius alias Dr. Octopus, der im Sterben lag. Octavius‘ Geist war nun in Peter Parkers Körper und umgekehrt. Mit dem körperlichen Tod von Doc Ock starb also eigentlich Peter Parker, und der Bösewicht lebt im Körper des Helden weiter.

Hier setzt die neue Serie an – Octavius akzeptiert seine neue Rolle recht schnell und beschließt: Wenn er jetzt schon Spider-Man sein soll, dann will er ein noch besserer, effektiverer und erfolgreicherer Spider-Man sein als der alte. Wir haben es jetzt also mit einem Peter Parker bzw. Spider-Man zu tun, der eigentlich jemand anders ist – ist das nun ein Held, der ein bisschen was von einem Schurken hat oder umgekehrt? Jedenfalls, das wird schnell klar, ist Spidey irgendwie nicht mehr der Alte.

Wer schreibt?
Während bei den meisten Marvel-NOW!-Neustarts ein großes Stühlerücken bei den Autoren stattgefunden hat, blieb bei Spider-Man alles beim Alten: Dan Slott ist schon seit „Brand New Day“, dem letzten größeren Einschnitt in der Seriengeschichte von Spider-Man, mit an Bord – zunächst als Teil eines rotierenden Autorenteams, seit Ende 2010 dann als fester Hauptautor von Amazing Spider-Man. Er hat also selbst zu dem neuen Status Quo, der sich hier entfaltet, hingeführt (und musste dafür massive Anfeindungen seitens der Fans, bis hin zu Morddrohungen, hinnehmen).

Wer zeichnet?
Da Superior Spider-Man in den USA zweimal pro Monat erscheint, werden sich verschiedene Zeichner regelmäßig abwechseln. Spidey-Leser sind das gewohnt, hier gab es schon lange keine Phase mehr, in der die Hefte durchgehend vom gleichen Zeichner stammen. Die ersten Ausgaben kommen von Ryan Stegman (Scarlet Spider), dessen Strich sich irgendwo zwischen Humberto Ramos und Chris Bachalo einordnen lässt: immer ein wenig unruhig, manchmal auch unübersichtlich, dabei aber sehr dynamisch und modern. Weil sowohl Ramos als auch Bachalo zuletzt mehrere Story-Arcs für Amazing Spider-Man beigesteuert haben, passt das eigentlich sehr gut. Stegman wird sich künftig vor allem mit Guiseppe Camuncoli abwechseln, ebenfalls ein alter Bekannter für Spider-Man-Leser.

Seite aus Spider-Man 1Was taugt’s?
Glücklicherweise enthält die deutsche Ausgabe gleich zwei US-Hefte, was der Story sehr gut tut. Denn US-Heft #1 besteht fast ausschließlich aus reichlich Action, in der die neu formierten Sinistren Sechs als Gegner eingeführt werden. Erst im zweiten Teil nimmt sich Dan Slott dann Zeit, den Charakter des neuen Spider-Man zu beleuchten: Wie kommt Octavius mit seiner neuen körperlichen Hülle zurecht, wie schlägt er sich als wandkrabbelnder Superheld und wie sieht’s mit den Frauen aus? Und was zum Teufel ist mit diesem letzten kleinen Rest von Peter Parker, der immer noch in diesem Körper zu wohnen scheint? Damit liefert die Slott dann auch wieder das, was Spider-Man immer ausgemacht hat: eine Mischung aus Superheldenaction, Seifenoper und Komödie.

Das Problem an dem neuen Status Quo ist, dass die Titelfigur, die bislang einer der sympathischsten Superhelden der Welt war, plötzlich jemand ist, dem man als Leser eher keine Sympathie entgegenbringt. Das kann durchaus spannend sein, aber will man Monat für Monat die Abenteuer eines Comichelden lesen, den man nicht mag? Doch grundsätzlich lassen sich aus diesem Konzept durchaus einige Funken schlagen: Der Held ist nun eine schizophrene, innerlich zerissene Figur – äußerlich derselbe, innerlich ganz anders. Die immerwährenden Selbstzweifel, die ein Peter Parker stets mit sich herumtrug, sind Dr. Octavius fremd.

Einer über Jahrzehnte laufenden Endlosserie kann solch frischer Wind durchaus gut tun, und Dan Slott ist zuzutrauen, dass er aus dem neuen Status ein paar hübsche Erzählideen gewinnen kann, ohne die Figur dauerhaft zu beschädigen. Denn eins ist klar: dass Peter Parker eines Tages in seinen angestammten Körper zurückkehren und wieder „ganz der Alte“ sein wird, ist sicher. Wir sind hier schließlich in einem Superheldenuniversum, in dem bisher noch so gut wie jeder tote Superheld wieder auferstanden ist.

Der Auftakt wirkt indes noch ein wenig unausgegoren. In der zweiten Hälfte wird der neue Spider-Man von jemandem begleitet, der das Geschehen ständig genau verfolgt und kommentiert. Das sorgt zwar für den ein oder anderen netten Gag, dürfte aber langfristig eher störend und nervig werden. Mal sehen, ob und wie sich Dan Slott aus diesem Problem herausschreiben kann. 

Einsteiger-Faktor:
Naja. Die Geschichte beginnt zwar mit einem klaren Schnitt und ist auch für Neuleser problemlos verständlich. Trotzdem wird hier ganz klar das fortgeführt, was Dan Slott in den Jahren zuvor aufgebaut und erzählt hat, und es gibt reichlich Verweise in die Vergangenheit. Das ist schön für alle, die Wert auf Continuity legen, aber eher verwirrend für Leser, für die dieses Heft ihr erster Spider-Man-Comic ist.

Bester Moment:
Sehr hübsch ist die Seite, auf der Peter Parker mehrere Date-Anläufe mit Mary Jane Watson unternimmt und dabei nicht sonderlich erfolgreich ist. Schließlich steckt in seinem Kopf der hoffnungslos altmodische Octavius, der nicht so recht weiß, wie die jungen Leute von heute so ticken. 

 

Wertung: 6 von 10 Punkten

Der Auftakt des umgekrempelten Spider-Man kann noch nicht voll überzeugen, deutet aber sein Potenzial an

 

Spider-Man 1
Panini Comics, Juli 2013 
Text: Dan Slott
Zeichnungen: Ryan Stegman 
Übersetzung: Michael Strittmatter
52 Seiten, farbig, Heft 
Preis: 4,99 Euro
Leseprobe (PDF)

Abbildungen © Marvel, der dt. Ausgabe: Panini Comics

 

Links der Woche 25/13: Wenn der Papst katholisch wär‘

Unsere Links der Woche, Ausgabe 25/2013:

 

Die zerschnittenen Blutspuren
taz, Pascal Beucker 
Universität verteidigt Schließung der Ausstellung
tagesspiegel.de, Lars von Törne
Um den Eklat um die Comic-Ausstellung an der Uni Duisburg-Essen ging es bereits in den letzten Links der Woche. In den folgenden Tagen gab es weitere Presseberichte und Reaktionen, vor allem die Leitung der Hochschule erntete Kritik dafür, dass sie die Ausstellung sofort beendete (z.B. in diesem Artikel im Feuilleton der FAZ oder diesem Video-Kommentar von RTL West). Für die Hochschule ist der Fall nicht erledigt, es soll weitere Aufarbeitung stattfinden, u.a. in einem öffentlichen Kolloquium. Den umfassendsten und ausgewogensten Überblick geben die beiden oben verlinkten Artikel im Tagesspiegel und in der taz. Dem letzteren zufolge hatte die muslimische Studentin nicht, wie zuerst berichtet, ein Plakatmotiv mit Abbildungen aus Habibi von Craig Thompson zerstört, sondern eines mit Motiven aus Blutspuren der israelischen Zeichnerin Rutu Modan.

“Habibi” im Konflikt um Plakatausstellung an der Uni Duisburg-Essen
Reprodukt Blog, Jutta Harms
Unterdessen weist Reprodukt, der Verlag, bei dem Habibi auf Deutsch erschienen ist, darauf hin, dass die Plakate in der Ausstellung „What Comics can do“ entstanden, ohne dass Verlag oder Künstler darüber informiert wurden: „Auszüge aus der Graphic Novel sind aus dem Zusammenhang gerissen neu kollagiert worden, wodurch offenbar eine extrem provokante und zugespitzte Aussage erzielt wurde. Dabei ist das Urheberrecht von Craig Thompson komplett ignoriert worden.“

Second Costa Brava International Comic Award
mycomics.de-Blog
Zum zweiten Mal wird der Costa Brava International Comic Award ausgeschrieben, bei dem eine Veröffentlichung bei Panini sowie Preisgelder von 20.000 Euro winken. Dass sich die Teilnahme auch für deutschsprachige Künstler lohnen kann, bewies im letzten Jahr Martin Frei, dessen Comic Lanternjack 2012 den zweiten Platz belegte.

For the First Time, You Can Actually Own the Digital Comics You Buy
Underwire, Laura Hudson
Image Comics, nach Marvel und DC die Nummer 3 im amerikanischen „Direct Market“, kündigte auf seiner eigenen Veranstaltung „Image Expo“ nicht nur eine Menge neuer Serien von teils sehr namhaften Autoren und Zeichnern an, sondern bietet seit letzter Woche auch einen weiteren Weg, digitale Comics zu kaufen. Neben den gängigen Vertriebswegen wie ComiXology, Amazon oder iBooks, bei denen man stets DRM-geschützte Kopien erhält und letztlich nur ein Leserecht erwirbt, können die Comics nun auch direkt beim Verlag gekauft und im Format der Wahl heruntergeladen werden – ohne Rechtebeschränkung. Das gab es zwar vorher schon vereinzelt bei kleineren Verlagen, aber noch nie bei einer der Branchengrößen. Viele Beobachter werten das als wichtigen Schritt weg vom „digitalen Rechtemanagement“, das für viele potenzielle Kunden als Kaufhindernis gilt und illegale Angebote attraktiver macht, hin zu offenen Formaten. So, wie es die Musikindustrie vorgemacht hat, wo es nach langem Zögern mittlerweile selbstverständlich ist, Downloads im offenen MP3-Format zu verkaufen.

Comics Equity Project
comicsequity.blogspot.com, Gerry Conway
Der altgediente Comicautor Gerry Conway, der seit den 1970er Jahren Comics für Marvel, DC und andere Verlage geschrieben hat, wurde unlängst von Fans darauf hingewiesen, dass in der WB-Fernsehserie Arrow Figuren auftauchen, die er als Autor (mit-) erfunden hat. Eigentlich würde ihm dafür ein kleiner Anteil am Gewinn zustehen, weil DC seit 1975 die sogenannte „equity participation“ anbietet. Die gilt aber nur, wenn die Autoren und Zeichner vorab einen kleinen Vertrag unterzeichnen, in dem festgehalten ist, dass eine bestimmte Figur von ihnen geschaffen wurde. Das Problem ist laut Conway, dass er und viele Kollegen gar nicht mehr wissen, welche Figuren von ihnen ins Leben gerufen wurden. Daher fordert er die Comicfans auf, ihre Sammlungen zu durchforsten und damit den zahlreichen Autoren und Zeichnern zu helfen, Ansprüche auf von ihnen erfundene Figuren geltend zu machen.

Hulk è davvero cattolico?
Osservatore Romano
Das offizielle Organ des Vatikan fragt: „Ist der Hulk katholisch?“ Vielleicht verstehen Sie ja italienisch, dann wünschen wir viel Spaß mit diesem Artikel.

 

Fairest 1 – Wachgeküsst

Cover Fairest 1Jetzt noch etwas zu der meisterhaften Serie Fables zu berichten, in der die Märchenfiguren in unserer heutigen Zeit leben und einige Abenteuer bestehen müssen, wäre Eulen nach Athen tragen. Mittlerweile dürfte jeder Comicfan wissen, was man an der Serie von Bill Willingham hat. Mit Fairest gibt es nun ein Spin-Off, das zwar locker in der Chronologie der Hauptserie einzuordnen ist, aber dennoch ganz eigene Abenteuer erzählt, zu deren Verständnis man nicht zwingend die Ereignisse von Fables kennen muss. Ähnlich wie bei dem anderen Spin-Off Jack of Fables (2009-2012) also. Nun stehen, wie es der Titel „Fairest” schon andeutet, die Schönsten im Mittelpunkt. Also die Frauen. Hier sind es die Schneekönigin und Dornröschen, welche die zentrale Rolle spielen, außerdem einige Feen und in der Zweitstory noch die Schöne aus Die Schöne und das Biest.

Chronologisch ist der Start der neuen Serie nach dem Fall des bösen Gegners der Märchenfiguren einzuordnen. Gepetto und seine Armee konnten besiegt werden, als man Dornröschen in das Land der Fables schickte und sie in den Schlaf versetzte. Dadurch verfiel das ganze Königreich in Schlaf und die guten Fables hatten leichtes Spiel mit ihrem Gegner. Nun kommt der König der Diebe, Ali Baba, auf der Suche nach Reichtümern in das Land. Zunächst findet er nur eine Flasche inklusive Geist. Dieser gewährt aber keine Wünsche, sondern nur Wissen, was nicht immer angenehm ist. Zudem ist der Geist in Ausbildung sehr frech. Doch als Ali Baba endlich den Schatz entdeckt, kann er sich nicht entscheiden, denn der Reichtum besteht in gleich zwei schlafenden Frauen: Dornröschen natürlich, aber auch ausgerechnet die böse Schneekönigin. Ali Babas Entscheidung löst so einige Konflikte aus und bringt ein Weltbild ins Wanken.

Seite aus Fairest 1Das Märchen von Dornröschen, das hier noch einmal neu erzählt wird, weist alle klassischen Elemente auf und ist doch ziemlich modern, da gegen Ende einige generelle Überlegungen über die wahre Liebe angestellt werden. Die Erzählung enthält einige schöne Ideen, etwa wenn die Schneekönigin als süchtig nach Geschichten geschildert wird. Wie sonst soll man sich lange Winterabende in früheren Zeiten vertrieben haben als mit dem Erzählen von Märchen und Fabeln? Ein Schelm, wer anderes denkt, angesichts der hier versammelten schönen und erotischen Damen. Obwohl letzteres auch eine Rolle spielt – aber das geschieht eher nur nebenbei, wird also ausgeblendet, und dennoch wird das veraltete Liebesbild der klassischen Märchen hiermit aufs Korn genommen.

Die Story kommt erstaunlich unspektakulär daher, obwohl sie durchaus spannend und witzig ist und auch einiges an Action bieten kann. Der eigentliche Handlungsrahmen ist jedoch recht dürftig ausgefallen. Manchmal plätschert es etwas vor sich hin, aber die witzigen Dialoge (etwa der Flaschengeist mit seinem Slang) und die weiblichen Figuren voller Charme machen einiges wett. Und Bill Willingham und sein Co-Autor Matthew Sturges haben so manche Überraschung in petto, welche jede Seite zum Lesevergnügen machen. Vor allem die letzte, angesichts des geringen Umfangs durchaus als Bonus-Story zu bezeichnende Krimihommage, wird gerade für die Fables-Freunde eine faustdicke Überraschung bringen. Da soll noch nichts verraten werden, aber so viel sei gesagt: Es gibt einen unterhaltsamen, klassischen Noir-Krimi im Fables-Gewand, der das Verhältnis zwischen der Schönen und dem Biest auf den Kopf stellt.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Gelungenes Spin-Off, das zwar manchmal etwas dahinplätschert, aber einige neue Aspekte mit Witz, Charme und Action vermischt.

 

Fairest 1 – Wachgeküsst
Panini Comics, Februar 2013
Text: Bill Willingham, Matthew Sturges
Zeichnungen: Phil Jimenez, Andy Lanning, Steve Sadowski, Mark Farmer, Andrew Pepoy, Shawn McManus
Übersetzung: Gerlinde Althoff
160 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 16,95 Euro
ISBN: 978-3-86201-492-7
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Panini Comics

Troll 1

Cover Troll 1Vor Jahren versuchte sich der (alte) Splitter-Verlag bereits an der tollen Albenserie Troll der Szenaristen Jean David Morvan (Sillage, Spirou und Fantasio) und Joann Sfar (Die Katze des Rabbiners, Klezmer) sowie des Zeichners Olivier Boiscommun (Das Buch von Jack, Pietrolino). Für mehr als zwei Ausgaben reichte es allerdings zur damaligen Zeit nicht. An eine Komplettveröffentlichung der aus sechs Alben bestehenden Serie wagt sich nun Finix Comics. Als Format wählte man eine Art „Integral light“, statt Einzelalben oder einem oder zwei dicken Sammelbänden sollen am Ende drei Doppelausgaben stehen. Der Hauptgrund: Mit dem aktuell erschienenen ersten Doppelband druckt man zuerst die beiden von Splitter vorgelegten Alben neu, bevor anschließend mit einem sauberen Schnitt zu deutschen Erstveröffentlichungen übergegangen wird. Ein guter Kompromiss, wie ich finde, da so kein Altleser gezwungen wird, Geschichten doppelt zu kaufen, aber trotzdem jeder die Chance geboten bekommt, am Ende eine einheitliche Gesamtausgabe im Regal stehen zu haben.

Aber worum geht es bei dem Comic mit dem schlichten Titel überhaupt? Die Handlung von Troll spielt in einer klassischen Fantasywelt, bevölkert mit Drachen, Zentauren, Kobolden und, klar, Trollen. Beherrscht wird dieses Reich vom „Großen Ritter”, einem mysteriösen Despoten. Als der Troll namens Mangog versehentlich den Finger eines Kobold verspeist, infiziert er sich mit einer Larve. Will heißen, Mangog wird quasi schwanger, er und der Kobold Albrecht werden Eltern.

Seite aus Troll 1Das klingt ungewöhnlich und das ist es nicht nur für den Leser, sondern auch für die beiden Hauptprotagonisten. Nach anfänglicher Panik nehmen sie jedoch ihre Elternrolle an und kümmern sich liebevoll um das Baby. Der grobschlächtige Troll und der winzige Kobold, beide nicht gerade Schönheiten – was für ein befremdliches Bild einer Patchwork-Familie. Gerade weil man diesem nichtsnutzigen Duo zu Anfang nichts zutraut, verliebt man sich in die zwischen“menschliche“ Beziehungsdynamik. So simpel der Titel der Reihe ist, so klischeehaft und altbekannt der Fantasy-Hintergrund, so überraschend anders ist der Plotkern.

Troll ist Fantasy der eher seltenen Sorte: Schwarzhumorig, skurril und mit einem zwinkernden Auge auf das Genre. Die Zeichnungen von Boiscommun tun ihr Übriges. Passend zur spaßigen Erzählung sind die Bilder nicht zu realistisch, aber dennoch sehr ausdrucksstark und mit viel Liebe gestaltet.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Fantasy mit Humor, einer Portion Absurdität und starken Illustrationen

 

Troll 1
Finix Comics, Mai 2013
Text: Joann Sfar, Jean David Morvan
Zeichnungen: Olivier Boiscommun 
Übersetzung: Oriol Schreibweis
96 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 19,80 Euro
ISBN: 9783941236806
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Finix Comics

Daffodil – Die Vampiragentin

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daffodil coverWer erwartet, dass Monster Allergy-Zeichner Giovanni Rigano hier eine lustige Vampirgeschichte für jüngere Leser vorlegt, sei gewarnt: Der vorliegende Band, der die drei in Frankreich erschienenen Alben um die Vampirin Daffodil beinhaltet, trieft geradezu vor Blut! Der rote Lebenssaft wird hier so reichlich vergossen, dass er gefühlt fast schon über die Panels schwappt, und ist zudem mit unzähligen abgetrennten Köpfen und Gliedmaßen garniert.

In der ersten blutigen Geschichte werden die Titelheldin und ihre beiden Kolleginnen Globuline und Achilles, allesamt Agentinnen im Auftrag des „Parlaments der Vampire“, in die Hafenstadt Addio-Colonnello geschickt, wo der abtrünnige Vampirlord Nosferatu mit seinen Anhängern Amok läuft und Bevölkerung wie auch herbeigeeilte Schutztruppen zerfleischt. Vor Ort finden die drei Blutsaugeragentinnen jedoch bald heraus, dass Nosferatu den Vampirangriff nur als Ablenkung von seinem eigentlichen, natürlich viel größeren und übleren Vorhaben inszeniert und auch der Kommandant der menschlichen Verteidiger eine unerwartete Rolle bei dem Ganzen spielt.

Zeichnerisch ist das Ganze äußerst schick umgesetzt und koloriert, nur will der allzu niedliche italo-disneyeske Stil nicht so recht zum Geschehen passen. Der extreme Gegensatz von Form und Inhalt ist beileibe nicht uninteressant, irritiert aber letztendlich mehr als dass er Spaß macht. Dies gilt auch für die Darstellung der Vampiragentinnen Daffodil, Achilles und Globuline als Mischung aus süßen, großäugigen Disneyprinzessinen und aufgesexten, brutalen Super-Lolitas.

Offenbar war auch Giovanni Rigano, den die vorausgegangene Arbeit an kindertauglichen Stoffen wie Monster Allergy und Comics zu Lilo & Stitch und Die Unglaublichen sichtlich geprägt hat, nicht ganz zufrieden mit dieser Optik, denn im Laufe der drei Geschichten wandelte er seinen Stil immens. Während er für Teil 2, der inhaltlich direkt an die erste Episode anschließt, nur ein leicht verändertes Figurendesign und einen noch größeren Detailreichtum einbringt, hat sich Rigano in der dritten, für sich stehenden Geschichte, schon ein ganzes Stück vom Disneylook entfernt. Leider wirkt sein „erwachsenerer“ Zeichenstil im Vergleich zur sehr gekonnten Cartoonoptik um einiges ungelenker und die drei Vampirinnen stehen oft wie steife Schaufensterpuppen in einem Gothicladen in der Gegend herum. Die manchmal eh schon arg unübersichtlichen Panels werden zudem durch den Versuch von Kolorist Lamanna, hier mit düsteren, hauptsächlich grün-braunen Farben Atmosphäre zu erzeugen, teils schwer entzifferbar gemacht.

daffodil 01Storytechnisch ist der Band leider genauso uneben geraten. Es scheint, dass Szenarist Brrémaud (alias Frédéric Brémaud) sich nicht ganz klar war, was genau er eigentlich erzählen will – und in welchem Ton. In den ersten beiden, zusammenhängenden Episoden „Adio-Colonnello“ und „Nosferatu“ werden viele, teils interessant erscheinende Ideen aufgegriffen und dann schnell wieder fallengelassen, z.B. die Bomben, welche die Agentinnen zwecks Überwachung(?) in sich tragen. Figuren, wie der hünenhafte Gefangene Nosferatus, werden eingeführt und dann mit einem Schlag aus der Handlung genommen, ohne wirklich geglänzt zu haben. Zudem wirken Handlungselemente oft mühsam konstruiert. Zum Beispiel halsen sich die drei Vampirinnen früh in der ersten Episode zwei niedliche Kinder als gar nicht wirklich benötigte „Geiseln“ auf, die sie fortan mit sich rumschleppen müssen – und dass offensichtlich nur, weil der Autor hier eine Chance für „comic relief“ sah. Die drei Hauptfiguren selbst bleiben zudem – schnarchige Vampirwitze mal beiseite – reichlich blass und ihre so unterschiedlichen Charaktere, die Rigano im angehängten Interview erwähnt, kann man mehr erahnen als dass sie wirklich durchscheinen.

Die dritte, für sich stehende Episode „Das Monster“ hat einen merklich ernsteren und erwachseneren Ton und mit einigen wirklich gruseligen Szenen und Figuren durchaus Horrorpotenzial, frustriert jedoch neben dem manchmal schwer durchschaubaren Artwork mit einem furchtbar überhastet wirkenden und verwirrenden Finale und einem offenen Ende, das den Eindruck erweckt, der Autor sei selbst überrascht gewesen, dass die Geschichte plötzlich vorbei sei. Noch unbefriedigender erscheint dies angesichts der Tatsache, dass der letzte Daffodil-Band 2007 in Frankreich erschien und bis heute keine Fortsetzung geplant ist.

Der faire Preis und das Bonusmaterial, bestehend aus Zeichnerinterview und ausführlicher Künstlergalerie sowie die vorbildliche Verlagsprozedur, dem Käufer des Printcomics zugleich Anrecht auf eine digitale Kopie zu gewähren, können über all diese Kritikpunkte nur gelinde hinwegtrösten.


Wertung
: 4 von 10 Punkten

Die blutige „Drei Engel für Charlie“-Vampirvariante wird durch erzählerische Mankos leider ziemlich ausgebremst

 

Daffodil – Die Vampiragentin
dani books, Mai 2013
Text: Brrémaud
Zeichnungen: Giovanni Rigano
Übersetzung: Gerd Syllwasschy
192 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 14 Euro
ISBN: 978-3-944077-33-8
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Abbildungen © Giovanni Rigano & Frédéric Brémaud, der dt. Ausgabe: dani books

 

Swamp Thing Vol. 2 – The Family Tree (US)

Cover Swamp Thing Vol. 2Was bisher geschah: Der Wissenschaftler Alec Holland wird von Alpträumen geplagt, in denen er als Swamp Thing mit Monstern kämpft. Währenddessen werden andernorts Menschen in Zombies verwandelt, wobei ihr Kopf um 180° nach hinten verdreht wird. Außerdem startet der kleine William Arcane, ein Junge, der nur überleben kann, solange er nicht mit Chlorophyll in Kontakt kommt, einen Feldzug gegen alles Lebende. Er hat die Gabe, Krebszellen in Sekundenschnelle wuchern zu lassen und lässt seinen gutmütigen Arzt dessen Eingeweide kotzen. Schuld daran ist The Rot (= die Fäule), der böse Gegenpol der Naturmacht The Green. Swamp Thing, soviel ist bekannt, war schon immer der Champion des Grüns, den Mächten von Wachstum und Regeneration. Die Fäule ist das Gegenteil, der neue große Widersacher.

Kenner der alten Reihe merken schnell, dass das neue Swamp Thing ein ziemliches Mash-Up alter Motive der Reihe ist. Das Erwachen von Alec Holland und seine geträumte Monsteridentität kennt man von Mark Millars und Grant Morrisons Run 1996, die Killer mit den nach hinten gedrehten Köpfen und das massive Auftreten von Fliegen entstammen natürlich Alan Moores wegweisender Saga aus den Achtzigern. Aber auch die Fäule war bereits in leicht abgewandelter Form bei Doug Wheeler 1990 erstmals zu sehen. Damals hieß es noch The Grey und stand ebenfalls für Schimmel und Verfall, und schon damals äußerten sich die Leser auf den Leserbriefseiten befremdet, denn eigentlich ist Verfall und Fäule ja ein notwendiger Teil der natürlichen Kreisläufe mit ihrem Werden und Vergehen .

Panels aus Swamp Thing Vol. 2Aber auch von anderen Vorbildern leiht Scott Snyder sich recht freimütig Ideen aus. So wie schon Alan Moore bei Marvelman implantiert auch Snyder sämtliche früheren Swamp Thing-Geschichten als künstliche Erinnerung in Alec Holland, so dass die alten Geschichten tatsächlich erinnert werden, aber nicht wirklich so geschehen sind. Ein charmanter Kunstgriff, der so ähnlich auch von Jeff Lemire in der Schwesterserie Animal Man vorgenommen wird, der Reihe, deren Handlung sich gegen Ende des zweiten Buchs mit der von Swamp Thing verschränkt und ins Crossover „Rotworld“ mündet. Die Erzählhaltung orientiert sich am Horror der Neunziger und Nuller-Jahre. Jeder Effekt wird weidlich ausgekostet, Gewalt wird so gezeigt, dass das Zusehen wehtut, und keine Gelegenheit, Gore zu zeigen, wird ausgelassen.

Seite aus Swamp Thing Vol. 2Dabei ist Scott Snyder ein geschickter Erzähler, der das Horror-Genre derzeit bedienen kann wie kaum ein zweiter, und auch wenn mir nicht alle seiner Ideen gefallen, bin ich trotz allem der Meinung, dass die Reihe bei ihm in guten Händen ist. Von der unverkrampften Schlichtheit und der Poesie alter Tage lässt er allerdings nicht viel übrig. Während Swamp Things Erzfeind Anton Arcane in der ursprünglichen Erzählung nur ein durchtriebener alter Mann war, eine Art böser Dr. Frankenstein, ist er nun von Anfang an ein Dämon, der Menschen tötet und sich deren Haut anzieht. Aber mehr noch: Während früher ein Unfall und eine Explosion Alec Holland in das Swamp Thing verwandelt haben, hält nun Anton Arcane von Anfang an die Fäden in die Hand – es entspinnt sich ein düsterer Plot, in dem selbst Linda Holland eine neue Funktion zugewiesen wird. Aber auch Abigail Arcane, die treue Freundin des Swamp Things der alten Reihe, erhält eine neue, dämonische Identität, und so bleibt wirklich kein Element der alten Serie, das nicht auf verstörende Art und Weise gebrochen ist. Mehr Logik und Psychologie sind hingegen nicht zu erwarten.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Das neue Swamp Thing überzeugt, da moderne Splatterästhetik und die derzeitige Verliebtheit in Verschwörungen und doppelbödige Plots eine gut konstruierte Einheit bilden.

 

Swamp Thing Vol. 2 – The Family Tree
DC Comics, April 2013
Text: Scott Snyder

Zeichnungen: Yannick Paquette, Marco Rudy, Francesco Francavilla, Kano, Becky Cloonan, Andrew Belanger, Karl Kerschl
160 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 14,99 US-$
ISBN: 978-1401238438
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Abbildungen: © DC Comics

Enemigo

Cover EnemigoMit dem Namen Jiro Taniguchi verbindet der deutschsprachige Leser in erster Linie ruhige, nachdenkliche Comicgeschichten. So dürfte der aktuell erschienene Band Enemigo, ein Frühwerk des Japaners, für die meisten ein Schock sein. Die im Jahre 1984 nach einem Szenario der Künstlergruppe M.A.T entstandene Erzählung hebt sich stilistisch derart deutlich von Taniguchis späteren Werken ab, dass man erst einmal verblüfft ist. Nach eigener Aussage des Zeichners ist Enemigo ein purer Abenteuer-Action-Manga, der sich vor dem Hintergrund französischer Meister des Comics und des US-Kinos der 1980er Jahre erklärt. Als solcher bietet er aus heutiger Sicht ein ambivalentes Lesevergnügen:

Enemigo unterhält mit überbordenden Gefechtsszenen, toller Dschungelatmosphäre und schamloser Gewaltanwendung. Verpackt wird dies in einen Kriminalfall mit ökonomischen und politischen Implikationen. Yuji Seshimo, ein japanischer Unternehmer, der den Auftrag zur Urbanisierung des fiktiven südamerikanischen Staates Nascencio erhielt, wird im Urwald von Überbleibseln der diktatorischen Truppen entführt. Kenichi, New Yorker Privatdetektiv und Yujis Bruder, begibt sich schließlich im Alleingang auf Rettungsmission.

Seite aus EnemigoKenichi ist kampferprobt, erfahren und birgt schon von Berufs wegen eine gewisse Coolness in sich. Wenn dieser Stereotyp sich auch noch als Einzelkämpfer (mit einem Hund an seiner Seite!) durch den Urwald schlägt und in bester Rambo-Manier eine kleine Armee niedermetzelt, dann ist das recht spaßig und intensiv erzählt, aber ehrlicherweise kann man die Handlung nicht so richtig ernst nehmen.

Die Kehrseite des unterhaltsamen Action-Blockbusters ist (und das war zur damaligen Zeit wesentlich schlimmer als heute) eben dann auch eine gewisse Oberflächlichkeit, eine Reduktion auf die genretypischen Kernpunkte. Als ein solches dynamisches, geradliniges Genrestück, als Vertreter des Achtziger-Mainstreams funktioniert der Comic allerdings hervorragend. Vielleicht gerade weil man Taniguchi so einen Band nicht zugetraut hätte, nach allem, wofür er in den letzten Jahren hierzulande gerühmt wurde. Und nach dem ersten Schock ist man über die Abwechslung durchaus froh und weiß Enemigo aufgrund seiner eindrucksvollen Bilder und der intensiven, nie langweiligen Story wirklich zu schätzen.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Ein Frühwerk, das sich Klischees bedient. Aber trotzdem Popcorn-Kino auf nicht zu unterschätzendem Niveau

 

Enemigo
Schreiber & Leser, März 2013
Text: M.A.T
Zeichnungen: Jiro Taniguchi
296 Seiten, schwarz-weiß, Softcover
Preis: 16,95 Euro
ISBN: 978-3-943808-10-0
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Schreiber & Leser

Links der Woche 24/2013: Religion is a smile on a dog

Unsere Links der Woche, Ausgabe 24/2013:

 

Comic-Ausstellung an Uni Duisburg-Essen sorgt für Eklat
Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Martin Spletter
Seit gut einem Monat lief in der Unibibliothek in Essen die Ausstellung „What Comics can do! Recent Trends in Graphic Fiction“. Anglistik-Studenten hatten sich dafür einen Monat lang mit diversen Comics beschäftigt und präsentierten in der Ausstellung in Form von Collagen und Plakaten ihre Ergebnisse. Nun wurde die Ausstellung vorzeitig beendet. Der Grund: Eine muslimische Studentin hatte Anstoß an einem Plakat genommen, auf dem eine Sex-Szene aus Craig Thompsons Habibi zusammen mit dem Wort „Allah“ in arabischen Schriftzeichen zu sehen war. Die empörte Studentin hatte sich mehrfach beschwert und schließlich selbst das Plakat abgenommen und zerschnitten. Neben der lokalen Presse berichtet auch das WDR-Fernsehen in der Lokalzeit Ruhr:

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Verletzte Gebote, verletzte Gefühle
ak[due]ll, aGro
Die studentische Zeitung, die der AStA der Universität Duisburg-Essen herausgibt, kommentiert den Vorfall und erste Reaktionen darauf und setzt sich dabei auch mit dem Werk Habibi auseinander, das in Teilen durchaus kritikwürdig sei: „Ob Craig Thompsons Graphic Novel stereotypen Orientalismus und antimuslimischen Rassismus bestärkt oder stattdessen kritisch ausstellt, das ist eine Auseinandersetzung, die es wert wäre, geführt zu werden, auch an der UDE.“

Hitzige Debatte um Craig Thompsons Comic „Habibi“
diesseits.de, Thomas Hummitzsch
Auch Thomas Hummitzsch geht näher auf Habibi ein und kommt zu einem anderen Ergebnis: „Thompsons Werk rechtfertigt diesen Vorwurf in keiner Weise. Wer den Comic gelesen hat, kann über die Proteste und den vorauseilenden Gehorsam der Universität nur den Kopf schütteln, denn in Thompsons 700-seitigem Werk geht es nicht um Islamkritik, sondern um Ausbeutung und Unterwerfung am Beispiel einer jungen Muslima.“

Hilke Raddatz erhält den Sondermann 2013
Sondermann e.V., Leo Fischer
Der Comicpreis Sondermann, der seit 2004 auf der Frankfurter Buchmesse vergeben wurde, wird in der bisher gewohnten Form nicht mehr verliehen. Bei einem der Kooperationspartner, der krisengeschüttelten Tagsezeitung Frankfurter Rundschau, ist noch unklar, ob er weiter dabei sein wird. Daher setzt der Preis für ein Jahr aus und soll 2014 unter dem Namen „Deutscher Comicpreis“ wieder verliehen werden. Das gilt allerdings nur für die Publikumspreise, deren Gewinner per öffentlicher Abstimmung aus den bestverkauften Comics des Jahres ermittelt wurden. Die beiden von einer Jury bestimmten, mit Preisgeld dotierten Kategorien werden, auch 2013, weiterhin unter dem Namen „Sondermann“ vergeben, und zwar vom Verein Sondermann e.V. (dessen Vorstandsbesetzung sich wie das Titanic-Impressum liest). Der hat soeben auch bekanntgegeben, wer in diesem Jahr die Preisträgerinnen sein werden: Der Sondermann-Preis für Komische Kunst geht an Hilke Raddatz, die Illustratorin der Titanic-Rubrik „Briefe an die Leser“. Den Newcomer-Preis erhält Katharine Greve (Ein Mann geht an die Decke, Patchwork).

Fight! Jim Carrey vs Mark Millar over Kick-Ass 2 gun violence
The Beat, Heidi MacDonald
Jim Carrey, der eine größere Rolle in Kick-Ass 2 (Kinostart: 15. August) spielt, distanziert sich per Twitter von der Gewalt im Film. Seit dem Amoklauf an der Sandy-Hook-Schule in Newtown, der nach den Dreharbeiten geschah, denke er anders über das Thema. Mark Millar, Autor der Comicvorlage, antwortet darauf in seinem Forum.

DEFENESTRATION GAMES presents MASS MURDER OF STEEL
Kyle Baker
Comiczeichner Kyle Baker kommentiert den neuen Superman-Film Man of Steel in Form eines Browsergames: „Enjoy high-flying mass destruction as you ignore the hideous death screams of the millions you are pledged to save! Use your super powers to wage a never-ending battle for self-important allegorical bombast! Bludgeon your senses into numbed awe!“

Bob Mankoff: Anatomy of a New Yorker cartoon
YouTube, TEDtalksDirector
In einem sehr unterhaltsamen Vortrag aus der Reihe „TED Talks“ erklärt Bob Mankoff, der beim Magazin New Yorker als „cartoon editor“ für die Auswahl der im Heft abgedruckten Cartoons zuständig ist, wie und wann eine Witzzeichnung funktioniert (oder auch nicht).

Frisch aus der Druckerei: Mai 2013

altDer Juni ist schon fast wieder vorbei, wir sind euch aber noch die Novitäten des Vormonats schuldig, die wir hier schleunigst nachreichen möchten. Der Mai stand nicht nur im Zeichen von 30 neuen Kostenlos-Heften, die beim Gratis-Comic-Tag unters Volk gebracht wurden, sondern brachte auch eine erfreuliche Anzahl neuer Eigenproduktionen, was sicher auch mit am Comicfestival München lag, das in den letzten Maitagen begann.

HIGHLIGHT DES MONATS

SmileIn dem Zweig des amerikanischen Comicmarktes, der in Buchläden und nicht in Comicshops stattfindet, ist das sogenannte „Young Adult“-Segment, also Comics für ältere Jugendliche bzw. junge Erwachsene, inzwischen ein wichtiger Baustein. Bei uns sind Comics für diese Zielgruppe noch unterrepräsentiert, aber langsam tut sich auch hier etwas. Zum Beispiel mit dem preisgekrönten und in den Staaten sehr erfolgreichen Smile von Raina Telgemeier, einer autobiographischen Graphic Novel über das Erwachsenwerden einer Schülerin und die wichtige Rolle, die eine Zahnspange darin spielt. Die deutsche Ausgabe erscheint bei Panini als Hardcoverband zu einem freundlichen Preis [Leseprobe].

EIGENPRODUKTIONEN

TrabantenDer Münchner Zeichner Frank Schmolke veröffentlicht schon seit knapp 20 Jahren immer wieder kurze Comics (hauptsächlich Beiträge für Anthologien und Magazine), jetzt erschien bei Edition Moderne sein erster buchlanger Comic Trabanten. Der spielt im München der 80er Jahre und handelt von einem Häftling, der aus dem Gefängnis entlassen wird und schnell wieder in Schwierigkeiten steckt [Leseprobe]. Einen Einblick in die Produktion gibt es in einem eigenen Blog zum Comic.

Ebenfalls bei Edition Moderne gibt es einen neuen Comic von Matthias Gnehm (Die Bekehrung): Der Maler der Ewigen Portraitgalerie gehört zu Gnehms Projekt „Eternal Portrait Gallery“, in der sich jedermann zum Preis von 300 Euro verewigen lassen kann. Das Buch erzählt eine fiktive Geschichte rund um diese Galerie [Leseprobe].

Birgit Weyhe (Reigen) legt beim Avant-Verlag ihre zweite Graphic Novel vor: Für Im Himmel ist Jahrmarkt ging sie auf autobiografische Spurensuche in ihrer Familie und erzählt die Lebensgeschichte ihrer Großeltern [Leseprobe].

Riekes Notizen hieß einer der vermutlich letzten Fortsetzungscomics in der Frankfurter Rundschau. Nach Insolvenz und Übernahme durch den Verlag der FAZ erscheint die Tageszeitung zwar weiter, im Zuge der Umstrukturierungen verschwand jedoch der tägliche Comic aus dem Blatt. Den Strip von Barbara Yelin mit Alltagsepisoden einer Illustratorin, der von Oktober 2011 bis Mai 2012 lief, gibt es jetzt in einem Sammelband bei Reprodukt [Leseprobe].

Zum dritten Mal wurde beim Comicfestival München ein prominenter Comicveteran nicht nur mit Ausstellungen und Veranstaltungen geehrt, sondern auch mit einem Tributband bei Edition 52, für den die halbe deutsche Comicszene kurze Beiträge beisteuert. Nach Hansrudi Wäscher 2009 und Helmut Nickel 2011 gab es dieses Jahr A Tribute to Robert Crumb. Neben dutzenden deutschen Zeichnern sind diesmal auch internationale Gäste vertreten, z.B. R. M. Guéra, Joe Matt und Crumbs alter Kumpel Gilbert Shelton.

A propos Shelton: Auch der Vater der Freak Brothers war in München zu Gast und ist auch am Relaunch des Magazins U-Comix beteiligt. Zeichner aus dem Umfeld der Online-Community undergroundcomix.de, angeführt von Steff Murschetz, haben das Heft wiederbelebt, das in den 1970er und 80er Jahren vor allem Underground-Comics aus den USA und Frankreich nach Deutschland brachte und es immerhin auf 181 Ausgaben brachte. Zum Gratis-Comic-Tag erschien nun nach 16 Jahren Pause die Nummer 182 als kostenloses Heft, ein paar Wochen später folgte die erste reguläre Ausgabe der neuen U-Comix, die (bis auf wenige Ausnahmen) vor allem aus eigenen, nicht importierten Beiträgen besteht. Infos zu Heft und Zeichnern gibt’s auf u-comix.de.

Die Toten 4Mit der vierten Ausgabe der Zombiereihe Die Toten (Zwerchfell Verlag) wechselt die Farbe des Umschlags von schlichtem Weiß zu tiefem Rot – dies signalisiert den Beginn eines zweiten Zyklus. Während die Stories in den ersten drei Bänden wenige Wochen nach dem Ausbruch der Seuche spielten, sind die neuen Kurzgeschichten (diesmal von Henning Mühlinghaus und Laska, Christopher Tauber und Ingo Römling sowie Matthias Dinter und Herr M.) zwei Jahre später angesiedelt.

Die Ehapa Comic Collection legt einen weiteren dicken Sammelband mit Comics von Ralf König vor, der diesmal ausschließlich dem schwulen Pärchen Konrad und Paul gewidmet ist: Ist der Ruf erst ruiniert … sammelt die Schwarzweiß-Strips, die vor Jahren als Alben bei Carlsen erschienen sind, ergänzt um ein farbiges Comic-Vorwort [Leseprobe].

Noch ein nachgereichter Titel aus dem April, den man nicht unterschlagen sollte: Flughunde, eine Adaption des gleichnamigen Romans von Marcel Beyer, erscheint in der noch jungen GraNo-Reihe bei Suhrkamp und ist das zweite „große“ Werk von Ulli Lust nach ihrem internationalen Erfolg Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens. Im Mittelpunkt dieser Geschichte, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs spielt, stehen eine Tochter von Josef Goebbels und ein Akustiker in Diensten der Nazis. Da Geräusche und Klänge eine große Rolle spielen, kann Ulli Lust hier ausgiebig das Feld der Onomatopoesie ergründen [Leseprobe].

AUS NORWEGEN

Das Duo Lars Fiske und Steffen Kverneland beschäftigt sich mit Vorliebe mit anderen Künstlern, deren Werk und Leben sie in ihrem ganz eigenen, oft sehr komischen Stil aufarbeiten. Gemeinsam begaben sie sich auf die Spuren des Simplicissimus-Karikaturisten Olaf Gulbransson (Olaf G.), danach widmeten sie sich getrennt voneinander dem norwegischen Maler Edvard Munch und dem deutschen Avantgardekünstler Kurt Schwitters. Diese Comics veröffentlichten sie in Norwegen gemeinsam als Serie unter dem Titel Kanon. Der Avant-Verlag veröffentlicht die beiden Comicbiografien nun in zwei Sammelbänden: In Kvernelands Munch besteht der Text ausschließlich aus Originalzitaten von Edvard Munch und seinen Zeitgenossen [Leseprobe], Herr Merz von Lars Fiske konzentriert sich vor allem auf die Jahre 1937 bis 1940, die Dadaist Kurt Schwitters im Exil in Norwegen verbrachte [Leseprobe].

AUS SPANIEN

TyrexDer in Madrid ansässige Verlag Diábolo Comics wagt bei seinem Versuch, spanische Comics nach Deutschland zu bringen, auch Unkonventionelles: Tyrex von Mauro Entrialgo macht grafisch einen ebenso schrägen Eindruck wie inhaltlich: In den hier gesammelten kurzen Strips geht es um einen Proficatcher, der die Dinosauriermaske, die er im Ring trägt, wegen einer Geisteskrankheit nicht mehr abnehmen kann, und um seine nicht weniger seltsamen Mitbewohner [Leseprobe].

AUS ITALIEN

Es gibt ein Wiedersehen mit Monster Allergy, jener eigentlich ganz bezaubernden Serie um einen Jungen, der Monster sehen kann, die es aber auf dem deutschen Markt immer schwer hatte. Zuerst scheiterte 2003 bei Carlsen eine Veröffentlichung in Form einer Heftserie, später versuchte es Ehapa mit kompakten Taschenbüchern. Diese brachten es immerhin auf acht Ausgaben, doch im Original liegt doppelt so viel Material vor. Der Kleinverlag Dani Books (der ganz anders kalkulieren kann als die beiden großen) wagt nun einen neuen Versuch mit dickeren Sammelbänden. Wechselweise erscheinen bereits veröffentlichte (Band 1-4) und ganz neue (Band 5-8) Geschichten. Der Serie, die vom Künstlerteam Barbucci & Canepa (Sky Doll) konzipiert wurde und stilistisch sehr charmant Disney- und Mangaeinflüsse kombiniert, wäre es zu gönnen, dass sie sich dieses Mal duchsetzt [Leseprobe]. Hier ein „Hands-on“-Video inklusive Vergleich mit der ECC- und der Originalausgabe:

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AUS FRANKREICH UND BELGIEN

Dass Tokyopop längst kein reiner Mangaverlag mehr ist, weiß man inzwischen. Dass der Verlag nun eine Albenreihe aus Frankreich bei uns veröffentlicht, ist aber dann doch überraschend. Love heißt die Serie von Szenarist Brrémaud und Zeichner Federico Bertolucci. Gänzlich ohne Worte werden hier in äußerst detaillierten Bildern Geschichten aus der Tierwelt erzählt, im ersten Band steht ein Tiger im Mittelpunkt. Ein wenig erinnert das Konzept an Masashi Tanaka Gon, nur ohne frechen Babydinosaurier [Leseprobe].

Vom gleichen Autor wie Love stammt der Comic Daffodil – Die Vampiragentin. Hier geht es um eine Welt, in der Vampire versuchen, friedlich mit den Menschen zusammen zu leben. Klar, dass das nicht gutgehen kann und ein Trio von Vampiragentinnen den fiesen Blutsauger Nosferatu bekämpfen muss. Die Zeichnungen kommen vom Italiener Giovanni Rigano (der auch an Monster Allergy beteiligt war). Das Paperback von Dani Books sammelt alle drei französischen Originalalben sowie ein umfangreiches Artbook in einem Band [Leseprobe].

Die ÜbertragungBeim Avant Verlag erschien die neue Graphic Novel vom vielfach gefeierten italienischen Künstler Manuele Fior: Mit Die Übertragung begibt er sich in ein Science-Fiction-Setting und erzählt in Schwarz-Weiß eine Geschichte, die in der Zukunft angesiedelt ist. Zwar geht es auch um seltsame Zeichen am Himmel, aber im Kern ist dieser Comic keine klassische Genre-Story, sondern ein psychologisches Drama, bei dem es vor allem um die Figuren geht [Leseprobe].

Reprodukt bringt mit Die Amateure vom flämischen Künstler Brecht Evens den Nachfolger des vielfach gelobten Comics Am falschen Ort. Es geht, wieder in der typischen bunten Wasserfarb-Ästhetik, um die Künstlerszene und deren Marotten, Eitelkeiten und Probleme [Leseprobe].

Neben den oben erwähnten Comics aus Norwegen erschien im Mai noch eine weitere Künstlerbiografie: Pablo (Reprodukt) stammt von Julie Birmant und Clément Oubrerie, der mit Aya bekannt geworden ist, und ist gleich auf vier Bände angelegt, in denen aus dem Leben von Pablo Picasso (und seinen Musen) erzählt wird [Leseprobe].

Bei Edition 52 erscheint ein neuer Band von Baru, der auch in Frankreich gerade erst auf den Markt gekommen ist: Bleierne Hitze ist die Adaption eines Kriminalromans von Jean Vautrin aus den 1980er Jahren, in dem ein amerikanischer Gangster das friedliche Landleben in der französischen Provinz aufmischt. Andreas Platthaus meint: „Hier erreicht die Brutalität ein Niveau, das im Autorencomic ungewöhnlich ist.“ [Leseprobe]

In Der Narwal von Olivier Supiot und Boris Beuzelin (Carlsen Comics) geht es nicht um einen großen Meeressäuger, sondern um eine Tauchagentur, deren Besitzer den Namen Narwal tragen. Das Album ist eine Sammlung von 10 Kurzgeschichten, in denen Vater und Sohn abenteuerliche maritime Aufträge annehmen [frz. Leseprobe].

A propos maritim: Bei Splitter erscheint eine weitere Literaturadaption im „Books“-Format: Jack Londons berühmter Roman Der Seewolf aus dem Jahr 1904 wird hier vom Zeichner Riff Reb’s (An Bord der Morgenstern) in Comicform gebracht. Vor wenigen Wochen erhielt er dafür den erstmals ausgelobten Comicpreis der Buchhandelskette Fnac [Leseprobe].

Woman on the River heißt der neue Comic von Matthias Schultheiss (der zuerst in Frankreich erschien und daher hier nicht unter den Eigenproduktionen auftaucht). Darin versucht ein Ex-Auftragskiller nach langen Jahren im Gefängnis ein neues Leben anzufangen. Schultheiss-typisch gibt es wieder wüste Typen, begehrenswerte Frauen und mehr oder weniger tiefründige Philosphie [Leseprobe].

Ebenfalls bei Splitter erscheint ein weiteres Werk von Vielschreiber Jean Dufaux, gezeichnet von Philippe Xavier: Der Zweiteiler Conquistador erzählt eine Geschichte um den berüchtigten Eroberer Hernán Cortés, die sich jedoch eher nicht treu an historische Fakten hält, sondern mit mythischen und fantastischen Elementen spielt [Leseprobe].

Beim „alten“ Splitter Verlag erschienen Ende der Neunziger zwei Ausgaben der humoristischen Fantasyserie Troll, an dessen Szenario der damals noch kaum bekannte Joann Sfar, unterstützt von Jean-David Morvan, mitschrieb. Finix Comics bringt nun die komplette sechsteilige Reihe als Gesamtausgabe in Form von drei Doppelbänden [Leseprobe].

Neu in der „Noir“-Edition von Schreiber & Leser: Pigalle 62-27, ein nostalgisch angehauchter Krimi um einen Trickbetrüger von Zeichner Jean-Claude Götting und Zeichner Jacques Loustal [Leseprobe]. Und beim Label Alles Gute! startet die neue Albenserie Ghost Money von Thierry Smolderen (Gipsy) und Dominique Bertail, ein in der Zukunft spielender Thriller, der von den Verschwörungstheorien um 9/11 inspiriert ist [Leseprobe].

Wie wäre der Zweite Weltkrieg verlaufen, wenn die „Wunderwaffen“ aus Hitlers Millitärlaboren erfolgreich zum Einsatz gekommen wären? An diesem Szenario versucht sich Wunderwaffen von Richard D. Nolane und Maza (All Verlag) [Leseprobe]. Unser Rezensent Benjamin Vogt fand das ganz gut, auf mich persönlich macht das eher einen sehr seltsamen Eindruck, vor allem was diesen Trailer angeht:

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AUS DEN USA

Wann immer man über journalistische Comics oder Comicreportagen spricht, muss zwingend der Name Joe Sacco fallen, der mit Werken wie Gaza und Palästina diese Form der Berichterstattung vielleicht nicht erfunden, aber auf eine neue Stufe gehoben hat. Der Sammelband Reportagen (Edition Moderne) enthält zahlreichere kürzere Comicreportagen aus verschiedensten Teilen der Welt, die vor allem im Auftrag von Zeitungen entstanden sind [Leseprobe]. Eine ausführliche Besprechung der US-Ausgabe findet man in unserer Kolumne 2gegen1.

Reprodukt bringt unter dem Titel Kafka eine Neuausgabe des Buchs von David Zane Mairowitz und Robert Crumb, die bei uns erstmals 1995 als Kafka kurz und knapp bei Zweitausendeins erschien. Mit einer Mischung aus Comics und illustriertem Text behandeln die beiden das Leben Franz Kafkas und adaptieren Auszüge aus seinem Werk [Leseprobe].

Transmetropolitan 1Panini verschafft uns ein Wiedersehen mit einem ganz anderen Literaten, nämlich dem Journalisten Spider Jerusalem. So heißt die Hauptfigur in Warren Ellis‘ und Darick Robertsons Serie Transmetropolitan, die von 1997 bis 2002 zu den Aushängeschildern von DCs Vertigo-Label gehörte. Die SF-/Cyberpunkreihe war teils brillante Politsatire, teils düstere Zukunftsvision, teils einfach nur abgefahren und ein wenig albern und wurde bei uns von Speed Comics im damals populären Prestige-Format veröffentlicht. Nun gibt es auch auf Deutsch eine längst fällige Gesamtausgabe in dicken Sammelbänden im Hardcover [Leseprobe].

Superman fliegt als Man of Steel wieder in den Kinos, also haut Panini einen ganzen Schwung von Superman-Paperbacks raus: Superman 1: Die Männer aus Stahl ist der erste Sammelband der aktuellen „New 52“-Heftserie Action Comics von Grant Morrison und Rags Morales [Leseprobe], Kryptons letzter Sohn enthält eine Storyline aus den Jahren 2006/07, die Geoff Johns zusammen mit Richard Donner, Regisseur des ersten Superman-Films von 1978, schrieb [Leseprobe]. Superman: Der Mann von morgen sammelt den Run von Brian Azzarello und Jim Lee von 2004/05 [Leseprobe], und Superman Adventures enthält Comics zur TV-Zeichentrickserie aus den späten Neunzigern von Paul Dini und Rick Burchett.

Außerdem startete im Mai eine vierbändige Neuauflage der Saga um den Tod von Superman, mit der DC in 1992/1993 für weltweites Aufsehen und fantastische Verkaufszahlen sorgte, indem es den Urvater aller Comic-Superhelden tatsächlich (vorübergehend) sterben ließ [Leseprobe].

Die etwas weniger verkaufsträchtigen Serien aus DCs „New 52“-Programm gibt es bei Panini in Form von dicken „Megaband“-Sammlungen, die gleich einen ganzen Jahrgang einer Serie enthalten. Nach Hawkman im März gibt es nun einen Megaband von Red Hood und die Outlaws von Scott Lobdell und Kenneth Rocafort, wo es um ein vom ehemaligen Robin Jason Todd angeführtes (Anti-) Heldenteam geht [Leseprobe].

Ein etwas weniger düsterer, auch für jüngere Leser geeigneter Batman findet sich im ersten Band der Reihe The Batman, der Comics zur gleichnamigen Fernsehserie enthält, die zwischen 2004 und 2008 entstand und Bruce Wayne als jungen Helden zeigt, der das Fledermauskostüm noch nicht sehr lange trägt.

Unter dem Titel „Rebirth“ wurden im letzten Jahr die Top Cow-Serien Witchblade und The Darkness neu gestartet und mit neuen Kreativteams besetzt, damit sollten ausdrücklich auch Neuleser gewonnen werden. Panini hat nun die deutsche Ausgabe von Darkness Rebirth am Start, geschrieben von David Hine und gezeichnet von Jeremy Haun [Leseprobe].

AUS ASIEN

Manga-Bibliothek 1: Fünf Fälle für Sherlock HolmesBei Tokyopop startet eine Manga-Bibliothek, die aus Literaturadaptionen bekannter (westlicher) Jugendbuchklassiker besteht. Im ersten Band Fünf Fälle für Sherlock Holmes wird Sir Arthur Conan Doyle als Manga umgesetzt, später folgen Mark Twain (Tom Sawyer), Frances Hodgson Burnett (Die kleine Prinzessin Sara) und Louisa May Alcott (Eine fröhliche Familie). Die stark an Schulbücher erinnernden Cover lassen darauf schließen, dass man hier einen ähnlichen Ansatz fahren möchte wie bei den Brockhaus-Literaturcomics, die ja auch im Unterricht eingesetzt werden sollen [Leseprobe].

Als einen „besonders stylischen Horrorthriller“ preist EMA den neuen Manga Shi Ki an. Die 11-bändige Serie von Ryu Fujisaki basiert auf einem Roman von von Fuyumi Ono und wurde auch als Anime verfilmt. Es geht um eine mysteriöse Serie von Todesfällen in einem kleinen Dorf [Leseprobe].

Auch Carlsen Manga bringt mit dem Fünfteiler Ousama Game – Spiel oder stirb! von Hitori Renda und Nobuaki Kanazawa wieder einen Mysterythriller für ein eher älteres und männliches Publikum. Hier spielen Schüler ein Spiel mit tödlichen Konsequenzen, bei dem sie Aufgaben erfüllen müssen, die sie von einem Unbekannten per SMS erhalten [Jap. Leseprobe].

Ebenfalls neu bei Carlsen: Secret Service – Maison de Ayakashi von Cocoa Fujiwara, laut Verlag „eine der meistgewünschten Serien der deutschen Manga-Fans“. Das Maison aus dem Untertitel ist ein Haus, in dem Menschen zusammen mit Dämonen leben, streng bewacht von Geheimdienstagenten.

Kazé Manga bringt mit Magico eine neue Serie aus dem Magazin Shonen Jump, die neben viel Action und Komik auch Romantik und jede Menge Magie enthält, denn eine der Hauptfiguren ist ein Zauberer [Leseprobe].

SEKUNDÄRLITERATUR

Zum dritten Mal erscheint in der Edition Alfons der jährliche Comic Report, der neben einer Marktanalyse und vielen statistischen Details auch etliche große Themenartikel enthält. Es gibt ein Dossier zum 2012 verstorbenen Mœbius, Rückblicke zu runden Geburtstagen (100 Jahre Tarzan, 60 Jahre Diogenes, 20 Jahre Gringo Comics) und einiges mehr [Leseprobe].

Wunderwaffen 1 – Der Pilot des Teufels

Cover Wunderwaffen 1Gerade eben erst startete mit WW 2.2 eine Was-wäre-wenn-Comicserie über das Dritte Reich, schon legt auch der All Verlag eine vergleichbare Albenreihe vor. Auch hier wird reale Historie umgeschrieben, wenngleich unter anderen Vorzeichen. In WW 2.2 fiel Hitler einem Attentat zum Opfer, woraufhin sich der Zweite Weltkrieg, mit nur leichten Abweichungen, unter gemäßigter Führung von Reichskanzler Hermann Göring weiter hinzieht.

Die Prämisse von Wunderwaffen ist drastischer und stellt den Kriegsverlauf auf den Kopf: Im Jahre 1944 kommt die deutsche Offensive im Osten nicht zum Stoppen, gleichzeitig misslingt die Landung der Allierten in der Normandie. Adolf Hitler verliert bei einem Attentat seinen Arm und ist im Gesicht teilweise entstellt. 1946 ist der Krieg weiterhin in vollem Gange, die Deutschen sind nicht zuletzt durch eine Reihe tatsächlich fertiggestellter Wunderwaffen in aussichtsreicher Position, den Endsieg erlangen zu können.

Man muss nicht viel drum herum reden: Im Zentrum dieser neuen Comicreihe stehen die technischen Errungenschaften der Nazis. Diese werden erschöpfend in Szene gesetzt und sorgen für tolle und faszinierende Bilder von Luftschlachten. Hier darf Autor Richard D. Nolane (Millennium, The Flying Tigers) seiner Vorliebe frönen und dem Mythos um die von Joseph Goebbels versprochenen Waffen zur Wendung des Krieges Leben einhauchen. In Wunderwaffen wird das ursprünglich Surreale real. Dazu passt auch ein entstellter Hitler, dessen Dialoge nicht nur wegen der ungewohnten Optik einer unfreiwilligen Komik nicht entbehren.

Dass der Comic daneben allerdings durchaus seriöser und realistischer als z.B. WW 2.2 geraten ist, liegt einerseits an den überzeugenden Zeichnungen von Maza (Lady Spitfire), andererseits an dem abwechslungsreichen und mit vielen kleinen Informationen gespickten Szenario. So sieht man zwischen dominanter Flugschau eben auch die Erzählung von Major Murnau, dem „Piloten des Teufels“, welcher von Hitler kritisch beäugt wurde und seinerseits das Regime verabscheute, für die Öffentlichkeit jedoch als Fliegerheld herhalten muss.

Seite aus Wunderwaffen 1Natürlich, der Plot krankt hin und wieder an hölzernen Figuren, altbackenen bis peinlichen Sprech- und Gedankenblasen. Doch der Comic macht einfach Spaß (soweit man bei einem Werk über das Wirken der Nationalsozialisten, auch wenn dieses hier nicht glorifiziert wird, von Spaß reden kann/sollte). Man sieht Hitler und Eva Braun im Flugzeug sitzen, Göring im Luftfahrtministerium und Churchill in der Downing Street. Und spätestens mit den Anspielungen um die neu eingerichtete „spezielle Zone” von Auschwitz (hinter der offensichtlich eine noch nicht näher benannte Grausamkeit unbeschreiblichen Ausmaßes zu stecken scheint) mündet der Spannungsbogen in einem gelungenen Cliffhanger. Nicht zu vergessen die bereits weiter oben erwähnten eindrucksvollen Inszenierungen von Luftschlachten. In diesem ersten Album steckt mehr drin, als es auf den ersten Blick den Anschein hat.

Insgesamt schafft es Nolane, ein Bedrohungsszenario aufzubauen, für das die Wunderwaffen der Nazis die Grundlage bilden. Sie symbolisieren eine Übermacht, gegen die die Alliierten nicht anzukommen vermögen. Ein sechsseitiger Artikel im Anhang des Bandes klärt die Hintergründe der damaligen Wunderwaffen-Pläne auf und unterstreicht den Anspruch des Autors, mit seiner Comicerzählung möglichst nah an der Realität zu bleiben. Eine wirklich schöne Abrundung und Einordnung in den zeitgeschichtlichen Kontext.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Spannend und gut recherchiert, trotz kleinerer Mängel ein fantastischer Serienstart

 

Wunderwaffen 1 – Der Pilot des Teufels
All Verlag, Mai 2013
Text: Richard D. Nolane
Zeichnungen: Maza
Übersetzung: Saskia Funke
56 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 15,80 Euro
ISBN 978-3-926970-32-9
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: All Verlag