Monate: Januar 2012

Die besten Zeiten

Ich muss gestehen, dass mir der Name Andreas Dierßen bislang nicht geläufig war. Dabei zählt dieser zu den „alten Hasen“ der deutschen Comiclandschaft. Vor allem in den Neunziger Jahren war er aktiv, unter anderem mit Projekten bei Ehapa, Carlsen, fürs Schwermetall und bei Zwerchfell. Für den japanischen Verlag Kodansha schuf er unter anderem die Krimireihe Kunz, von der auch ein Band bei Carlsen vorliegt. Nach einigen Jahren Pause meldete er sich 2011 mit Die besten Zeiten zurück.

Links der Woche: Mit Piraten in Frankreich, Übersetzern im Radio und Science-Fiction in Berlin

Unsere Links der Woche, Ausgabe 4/2012: Französische Comic-Piraten scannen mehr als 30.000 Titel ein – Verlagsbranche profitiert davone-book-news.de, Ansgar WarnerFrance : 8000 à 10.000 titres BD piratés sont réellement accessiblesActuaLitté, Lea LavagenLaut einer Studie von Le MOTif (einer Organisation, die Marktforschung in der Buchbranche betreibt) wird in auch in Frankreich Comicpiraterie im großen Stil betrieben. Über 30.000 Comics gibt es als illegale Scans, davon sind etwa 8.000 bis 10.000 über einschlägige Quellen im Netz verfügbar. Eine wichtige Rolle spielen zum einen Scanlations von Manga, also von Fans selbst erstellte Übersetzungen japanischer Comics, die noch nicht auf Französisch erhältlich sind, zum anderen Scans von vergriffenen Comics, die nur antiquarisch im Handel zu bekommen sind. Beliebt sind aber auch und vor allem Bestseller und Klassiker wie Tintin, Largo Winch oder Naruto. Den größten Anteil haben ältere Comics, die aktuellsten Neuerscheinungen spielen nur eine geringe Rolle. 58% der illegal verbreiteten Comics gibt es nicht als legale digitale Kopie. Eine Übersicht über die Zahlen gibt es hier als PDF. Ob die Schlagzeile von e-book-news.de, („Verlagsbranche profitiert davon“) so korrekt …

Julia & Roem

Der Titel „Julia & Roem“ klingt nicht von ungefähr wie eine Anlehnung an Shakespeares Romeo & Julia. Denn eben jene tragische Geschichte von einer nicht gebilligten Liebschaft ist die Grundlage des neuesten Albums des französischen Künstlers Enki Bilal.

Kleines Wunder

altKleines Wunder ist das neueste Comicalbum aus Finix‘ Edition Solitaire, darin enthalten sind beide französischen Originalalben. Die Handlung spielt zwischen 1766 und 1794, begibt sich also mitten in die Französische Revolution hinein. Sehr prominent ist diese Epoche bis heute u.a. wegen des übermäßigen Köpfens von Verurteilten. Szenaristin Valérie Mangin (Die Geißel der Götter) greift diese Thematik auf und benutzt die Einführung der Guillotine als Vehikel für die Erzählung bislang unbekannter historischer Ereignisse.

Links der Woche: Mit Winsor McCay, digitalen Comics und sexy Superhelden

Unsere Links der Woche, Ausgabe 3/2012:   Digitale Comics – Eine BestandsaufnahmeSplashcomics, Bernd GlasstetterDie zunehmende Verbreitung von Tablet-Computern sorgt für Aufbruchsstimmung auf dem Gebiet der digitalen Comics. Während in den USA mittlerweile alle großen Verlage die meisten ihrer Comics auch digital anbieten (inzwischen auch überwiegend gleichzeitig mit der Print-Veröffentlichung), ist man in Deutschland noch relativ zurückhaltend. Trotzdem experimentieren inzwischen schon etliche Verlage mit digitalen Comics. Splashcomics hat bei 18 Verlagen nachgefragt, welche Aktivitäten sie auf dem neuen Feld betreiben oder planen. Unangenehme finanzielle Situation für FumettoDRS 1In Luzern will die konservative Schweizer Volkspartei (SVP) per Volksabstimmung den Haushalt der Stadt ablehnen. Teil davon ist ein Zuschuss von 190.000 Franken, mit dem die Stadt das traditionsreiche Comicfestival Fumetto unterstützt. Derzeit läuft eine Unterschriftensammlung, bis zu deren Abschluss im Februar das Geld gesperrt ist. Wer keine Angst vor Schwyzerdüütsch hat, kann sich auf der DRS-Website auch einen Audiobeitrag zum Thema anhören.  Der eine zahlt, der andere zeichnetFrankfurter Allgemeine Zeitung, Andreas PlatthausComics, Filme, TräumeDeutschlandfunk, Christian MöllerMit großem Medienecho begann in Troisdorf eine Ausstellung über Winsor McCay, dem wir …

Prinz Eisenherz Gesamtausgabe 16 – Jahrgang 1967/1968

Seit einiger Zeit hat es der Bocola-Verlag übernommen, alle 1788 Seiten von Prinz Eisenherz, die Hal Foster zwischen 1937 und 1971  schuf, auf Deutsch zu veröffentlichen. Dabei werden die Originalseiten digital restauriert und in den Originalfarben veröffentlicht. Die Gesamtausgabe der von Hal Foster allein gestalteten Bände geht mit großen Schritten ihrem Ende entgegen. Immerhin ist bereits der sechzehnte der 18 geplanten Bände erschienen.

Ganz allein

Woche für Woche fährt ein kauziger älterer Seemann mit einem kleinen Boot raus aufs Meer, stellt zwei Kisten vor dem Felsen eines anonymen Leuchtturms ab und fährt wieder zurück. Der Grund dafür liegt in einem Versprechen begründet, das der Seemann vor langer Zeit den ehemaligen Wärtern des Leuchtturms gab: Nach deren Tod solle er für die Versorgung ihres Sohnes sorgen, der seitdem allein dort lebt.

Die wahre Geschichte vom Untergang der Alexander Kielland

David Schraven und Vincent Burmeister nahmen ein reales Geschehen als Aufhänger für ihren Comic. Am 27. März 1980 kenterte die norwegische Bohrinsel Alexander Kielland und riss 123 der 212 Besatzungsmitglieder in den Tod. Als Unfallursache galten damals Ermüdungserscheinungen der Stützstreben, die brachen und damit eine fatale Kettenreaktion auslösten. Die beiden deutschen Comicschöpfer nehmen aber eine menschliche Ursache an und spinnen ein Garn von Einsamkeit und Verzweiflung.

Daddy

altAuf dem Frontcover der Rücken eines Mannes, auf dem ein weinender Jesus am Kreuz martialisch eingeritzt wurde, auf dem Backcover eine kleine Skizze, die einen Priester zeigt, der einem gebückten Kind sein Glied entgegenstreckt. Keine Frage, das neueste Comicalbum von Matthias Schultheiss ist nichts für zarte Gemüter. Einige Menschen würden es gar als geschmacklos bezeichnen, denn was der deutsche Ausnahmekünstler hier vorlegt, geht weit über sanfte Kirchenkritik hinaus. Schultheiss zündet nichts weniger ein blasphemisches Feuerwerk.