Monate: Juli 2010

Marvel Noir – Wolverine

 Dies ist der dritte Band der Marvel-Noir-Reihe. Nach Spider-Man und den X-Men wird diesmal Wolverine in die Welt des Noir-Genres adaptiert. Autor Stuart Moore hat sich hierfür mit dem Zeichner C. P. Smith zusammengetan. Nachdem der Spider-Man-Band aufgrund seiner bunten Ästhetik nicht auf ganzer Linie überzeugen, jedoch X-Men wegen dessen konsequenter Noir-Umsetzung umso mehr begeistern konnte, sind die Erwartungen an Wolverine hoch.

Gift

 Serienmörder und ihre Taten üben eine eigenartige Faszination auf uns aus. Verbrechen, die Jahrzehnte, manchmal gar Jahrhunderte zurückliegen, werden nicht vergessen und zu den Akten gelegt, sondern immer wieder thematisiert – und durch die Verarbeitung in Kino, Fernsehen oder Kriminalroman auch zu einem Stück Popkultur. Dass sich historische Serienmorde auch als Thema für Comics eignen, will der Autor Peer Meter beweisen, indem er gleich drei solche Stoffe zur Graphic Novels verarbeitet. Der erste davon erschien kürzlich bei Reprodukt: In Gift geht es um eine Frau namens Gesche Gottfried, die in den 1920er Jahren in Bremen insgesamt 15 Menschen vergiftet hatte und 1831 hingerichtet wurde.

Officer Downe (US)

Die erste Textbox im ersten Panel auf der ersten Seite gibt uns eine Ortsangabe: „Motherfuckin' L.A.“ – und setzt damit ganz nebenbei auch noch den Ton für diesen Comic. In Officer Downe drehen Autor Joe Casey und Zeichner Chris Burnham alle Regler auf 11 und präsentieren eine völlig irrsinnige Story, in der ein Über-Polizist gegen mehrere Über-Verbrecher antritt und nur ein Ziel kennt: Aufräumen, aber richtig. Officer Terrence Downe ist der beste und härteste Cop, den das L.A.P.D. hat. Wenn er mal im Einsatz tödlich verletzt wird, kann er in kurzer Zeit zusammengeflickt und wiederbelebt werden (wie das funktioniert, wird auf nette Weise erklärt, tut aber eigentlich nichts zur Sache). In dieser Geschichte mit dem treffenden Titel „Tough Shit“ bekommt er es mit dem Schurken Zen Master Flash zu tun. Casey und Burnham wollen nicht viel mehr als einfach die Sau rauslassen und, vor allem in Sachen Gewalt, alle Geschmacks- und Jugendschutzgrenzen überschreiten. Das erinnert ein bisschen an den Punisher, vor allem aber an Hard Boiled von Frank Miller und Geoff Darrow, was wohl auch zeichnerisch …

Heiligtum 1 – USS Nebraska

 Christophe Bec lässt es scheinbar ganz schön krachen. Denn mit dem ersten Heiligtum-Band „USS Nebraska“ ist bei Splitter nach Prometheus und Carthago seine dritte Albumserie gestartet. Doch bei dieser Science-Fiction-Mystery hat er das Schreiben an seinen Kollegen Xavier Dorison abgegeben. Splitter hat die etwas ältere Zusammenarbeit der beiden Franzosen aus dem Jahr 2001 anscheinend neu für sich entdeckt und nun für den deutschen Markt herausgebracht.

Red Button Boy

Ein weißer Raum, mittendrin ein Telefon auf einem Podest und ein kleiner Junge mit einem roten Knopf auf die Brust geschnallt. Das ist die spartanische Kulisse, vor der Zeichner Timo Decker sein charmantes (Comic-) Schauspiel ablaufen lässt. Warum der junge den Knopf trägt, warum er einen Helm auf hat? Man erfährt es nicht. Der Red Button Boy hat ohnehin nur die eine Daseinsberechtigung: Er muss unbedingt herausfinden, wofür dieser verdammte Knopf gut ist. Aber soll er das Drücken des Knopfes tatsächlich riskieren? Mahnende Worte erhält der verzweifelte Junge von der unbekannten Stimme aus dem Telefon, die scheinbar über vieles Bescheid weiß, aber gemeinerweise nur in Rätseln spricht. Richtig süß ist Deckers Figur geworden, wie sie auf kindlich-naive Weise experimentiert und hinter das Geheimnis des Knopfes zu kommen versucht. Sensationell, wie dem Künstler dabei die trickreiche Variation von Mimik und Körperbewegung leicht von der Hand zu gehen scheinen. Gute Voraussetzungen für einen amüsanten, lustigen und einfallsreichen Comic. Red Button Boy ist all das, ein echter Geheimtipp also. Entstanden ist diese gelungene Mischung aus Mangaanleihen und humoristischem Cartoon …

Faust – Der Tragödie erster Teil

 Noch bevor Flix mit Held und dessen Nachfolgebänden seinen Durchbruch als Comiczeichner schaffte, hatte er bereits einen Comic bei Eichborn veröffentlicht, der mittlerweile längst vergriffen ist: Who the Fuck is Faust?, seine parodistische Version des großen deutschen Literaturklassikers. Im letzten Jahr kehrte Flix zurück zu diesen Wurzeln und widmte sich noch einmal dem Faust. Für die FAZ entstand ein 80-teiliger Fortsetzungscomic, der von Juli bis Dezember 2009 lief und nun als leicht überarbeitete Buchausgabe bei Carlsen vorliegt.

Die Bielefeld Verschwörung

 Es ist ein alter Scherz aus den Urzeiten des Internets, der sich bis heute gehalten hat: Bielefeld gibt es gar nicht. Alles was auf die Existenz dieser Stadt hindeutet, ist ein Gerücht, gestreut von bösen Mächten (wahlweise CIA, Illuminaten oder Außerirdische), die die Bevölkerung einlullen wollen, indem sie so tun, als würde es die Stadt wirklich geben. Mit dieser Satire, die sich weniger über Bielefeld lustig macht als vielmehr über die zahlreichen Verschwörungstheorien, die gar nicht krude genug sein können, beschäftigt man sich natürlich auch in Bielefeld selbst. An der dortigen Hochschule entstand vor kurzem der Film Die Bielefeld Verschwörung, begleitend dazu erschien auch ein Roman und eine Comic-Adaption.

R.I.P. Best Of 1985-2004

 Hand Made Quality – so verweist der Zürcher T.O.T.T. alias Thomas Ott völlig zu Recht mit breiter Brust auf seine außergewöhnliche Technik. Denn Ott zeichnet nicht. Nein, er entlockt seine bitterbösen Geschichten schwarzem Schabkarton – und durch Kratzen mit einem Rasiermesser! In der Edition Moderne sind regelmäßig Arbeiten des Ausnahmetalents wie Cinema Panopticum oder The Number 73304-23-4153-6-96-8 erschienen, mit R.I.P. Best Of 1985-2004 liegen seine Kurzgeschichten erstmals in einem Band vor.

Neukölln als Comic

Comicvorstellung in NeuköllnDer berüchtigte Berliner Stadtteil Neukölln feiert sein 650. Stadtjubiläum. Das Kulturamt Neukölln beauftragte zu diesem Anlass die Autorin und Filmemacherin Anna Faroqhi mit einem Comic über die Geschichte des Orts. Der im Dağyeli-Verlag erschienene Band trägt den Titel „Weltreiche erblühten und fielen – 650 Jahre Geschichte Rixdorfs und Neuköllns“ und hebt damit schon das Underdog-Image Neuköllns hervor. Wir waren bei der Vorstellung des Projekts anwesend.

Aliens: Nekropolis

Endlich gibts auch hierzulande neues Comicmaterial zu den bekanntesten Xenomorphen unserer Zeit. Diesmal, im Gegensatz zu den den drei bisherigen Aliens-Bänden von Cross Cult, in Farbe, im US-Format und neben der Hardcover-Version wahlweise auch als Softcover erhältlich. Leider kann der neue Einzelband „Nekropolis“ qualitativ nicht an den weitaus stylischeren Geschichten der Schwarz-Weiß-Reihe anknüpfen. Erzählt wird aus der Sicht des Wissenschaftlers David Sereda, der am Anfang des Comics über die Kultur der Aliens sinniert (als Prolog ist diese Szene auch Teil jenes Heftes, das Cross Cult zum Gratis-Comic-Tag besteuerte), bevor er sich an Bord des Raumschiffes Vidar in Richtung des Planeten Chione begibt. Dort haben Archäologen eine außerirdische Ruinenstadt ausgegraben. Welche tödliche Falle sich im Innern verbirgt, dürfte für den Leser kaum eine Überraschung darstellen. Verblüffender ist da schon die Verwandlung des unscheinbaren Sereda in einen coolen, schießwütigen Soldaten. Die ihm zur Seite stehende Gruppe Überlebender dezimiert sich freilich aufs Ende zu, der Rest ist Überlebenskampf und viel Ballerei. Natürlich ist das das vornehmliche Konzept des Franchise, einen über die Maßen anspruchsvollen Comic sollte man demnach …