Neueste Artikel

Es grünt so grün: Der Hulk im Kino und auf DVD

Der unglaubliche Hulk (1996)
Staffel 1, Volume 1

hulk_dvd.jpg Pünktlich zum zweiten Hulk-Kinofilm startet der Vertrieb rough trade Distribution seine DVD-Reihe der klassischen Marvel-Zeichentrickhelden mit dem Unglaublichen Hulk von 1996.

Ebenso wie die Geschichte auf der ganz großen Leinwand entspringt Marvels animierter Hulk der Neunziger dabei aber nicht dem Comic, sondern existiert in seiner ganz eigenen Welt, der Samstagmorgen-halbsieben-Welt, in der kleine Jungen früh aufstehen, um den Abenteuern ihrer Superhelden beizuwohnen. Aus dieser ganz eigenen Welt ließen sie sich nicht entreißen, auch wenn die Eltern zum Frühstück riefen. Meist wurden sie dann mit einem bereits beschmierten Toast oder einer Schüssel Cornflakes versehen, damit auch ja keine Minute mit den animierten Superhelden verpasst würde.

Nach dem Einlegen der DVD muss man sich den Weg erst durch eine Vielzahl von Trailern für die anderen Trickserien des Fernsehsenders Jetix bahnen, die nur einen kleinen Einblick in die Fernsehkultur der derzeitigen Jugend geben. Doch dann tauchen zwischen Sushi-Samurais und weiblichen Zeichentrickagentinnen bekannte Gesichter auf: Wolverine and the X-Men heißt das neueste Zeichentrickwerk aus der Ideenschmiede Marvel, für dessen Trailer sich das Angucken bereits gelohnt hat.

hulk_dvd05.jpg Bevor die Abenteuer des grünen Kolosses wirklich beginnen können, bekommt der animierte Hulk aber erstmal eine Frischzellenkur. Für die erste Staffel des Unglaublichen Hulk hat man sich des alten Materials angenommen und es „digital remastered“. Wie man bei dem einzigen wirklichen Bonusmaterial auf der ganzen DVD sehen kann, hat man den Hulk richtiggehend entstauben müssen. Eine kurze halbminütige Sequenz zeigt alte und überarbeitete Version im direkten Vergleich. Obwohl die neue Version über leuchtende Farben und besseren Kontrast verfügt, geht doch mit dieser Digitalisierung auch ein Teil des Samstagmorgen-Charmes verloren.

Die erste DVD der ersten Staffel besteht aus sechs 22-minütigen Folgen. Die Handlung jeder einzelnen Folge ist leicht zusammengefasst: Der verstrahlte Bruce Banner hängt dem Zuschauer und den Figuren in der Serie so lange über sein Schicksal in den Ohren, bis jemand die Güte besitzt ihm zu helfen. Scheinbar verfügt in jeder Folge zumindest eine Figur in der Welt des Marvel-Universums über ein geheimes Labor samt passendem Gamma-Strahler. Genauso viel Verlass wie auf die Wissenschaftler ist aber auch auf die Bösewichte, die jedes Mal vor der endgültigen Durchführung des Experiments die jeweilige Maschine zerstören. An dieser Stelle beginnt der Spaß, denn erst dann wird der wütende Banner zum Hulk.

hulk_dvd15.jpg Begleitet durch die Gastauftritte von Superhelden wie Iron Man und Ghost Rider (in der deutschen Übersetzung etymologisch korrekt als „Geisterreiter“ tituliert) entfachen Hulk und Konsorten ein regelrechtes Feuerwerk der Explosionen. Selbst Wände und Brücken explodieren, als seien sie mit C4-Sprengstoff beladen. Höhepunkt dieser Materialschlacht ist sicherlich der Kampf zwischen Iron Man und der Einsatztruppe der Hulkbuster. Doch nicht nur die Kampfszenen sorgen für grotesk anmutende Momente.

Während die englischsprachige Version (in 2.0- und 5.1-Sound verfügbar) mit Sprechern wie Mark Hamill (Star Wars) und Luke Perry (Beverly Hills 90210) aufwarten kann, zeichnet sich die deutsche Fassung in 2.0 sowohl durch herzergreifende Dialoge zwischen Betty, Rick und dem Hulk als auch durch komödiantische Streitgespräche zwischen Iron Man und Hulk aus: „Kleine Prinzen an die Wand geschleudert werden zu kleinen Fröschen. Also Vorsicht!“ Wünschenswert wäre neben einer größeren Auswahl an Extras auch die Übersetzung des Menüs für die deutsche Ausgabe gewesen.

Insgesamt hinterlässt die DVD ein Gefühl von Nostalgie für all diejenigen, die am Samstagmorgen bereits viereckige Augen bekamen und dafür so manches Frühstück ausfallen ließen. Selbstverständlich fesseln die einzelnen Episoden nicht mehr so wie damals, aber es wird auch heute bestimmt keiner mehr die schauspielerische Darbietung beispielsweise vom „Hoffmeister“ als Michael Knight loben. Freuen wir uns einfach darüber, dass man in Zukunft nicht mehr um halb sieben aufstehen muss, um zu verfolgen, wie die Zeichentrickversionen der Marvel-Superhelden unseren Fernseher zu einer besseren Welt machen.

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

links.gif
Marvel-Zeichentrickserien bei Rough Trade
The Incredible Hulk bei toonzone.net

DVD-VERLOSUNG:
Mit freundlicher Unterstützung von Rough Trade Distribution verlosen wir 4mal die DVD The Incredible Hulk – Staffel 1, Vol.1.
Wer gewinnen möchte, schreibt bis 20. August 2008 eine E-Mail an hulk (at) comicgate.de und beantwortet die folgende Frage:

Wie heißen Autor und Zeichner des letzten Hulk-Großevents bei Marvel Comics, World War Hulk? (Gemeint ist die fünfteilige Kernserie, nicht die zahlreichen Tie-Ins und Nebenserien)

Siegfried 1

siegfried_cover.jpg „Geboren aus den Wikingersagen und der Musik von Richard Wagner“ verrät der Rücken dieses Albums und man kann sich bestens vorstellen, wie der Zeichner Alex Alice in stürmischer Nacht in seinem Atelier saß, die Stereoanlage mit Wagners musikalischer Vertonung des Nibelungenstoffs voll aufgedreht hatte und sein Zeichenstift Leben in die alten Sagen brachte. Die Bilder, die der französische Künstler schuf, sind – ganz dem Stoff angemessen – episch und kraftvoll. Da stöbern wild die Schneeflocken, wallt und wabert der Nebel und zucken die Blitze, dass es eine Freude ist.

Handlungstechnisch ist der erste Band der Siegfried-Comictrilogie nah an den ersten Aufzug der gleichnamigen dritten Oper aus Richard Wagners Ring der Nibelungen angelehnt, doch so wie schon der Komponist mit verschiedenen Motiven aus der Edda und dem Nibelungenlied jonglierte und teils sehr frei interpretierte, variierte auch Alice Elemente, fügte eigene Ideen hinzu und machte sich den Stoff somit zu eigen. Im Mittelpunkt steht das Heranwachsen des Waisenjungen Siegfried unter der Ägide des grantigen Nibelungen-Schmieds Mime, der in Alices Version aussieht, als sei er geradewegs aus Jim Hensons Kult-Puppenfilm „Der Schwarze Kristall“ entsprungen. Mime hofft, den Jungen zum Drachentöter heranziehen zu können, der den Lindwurm Fafnir erschlägt, aber Siegfried erweist sich, wie zukünftige Helden das so tun, als recht eigenwillig. Weitere dramatis personae sind der auf Ehrfurcht gebietende Art gezeichnete Göttervater Odin, eine Horde Walküren und ein paar mehr oder weniger freundliche Wölfe.

siegfried1_1.jpgDie Epik des Stoffes kommt dabei am stärksten in der Rahmenhandlung zur Geltung, in der eine der Walküren (ich vermute Brünhilde, die in der Sage noch eine wichtige Rolle spielt), die Norne Völva aufsucht, um mehr über Siegfried zu erfahren. Diesen Rahmen nutzt Alice, um dem Leser eine Kurzfassung der bisherigen Geschichte des legendären Rings aus Rheingold, der die absolute Macht verspricht, zu geben – unter anderem mit einem wunderschönen doppelseitigen Panorama, in dem das Schicksal des Golddiebs Fafnir beschrieben wird. Aber gerade bei derartigen Szenen wird schmerzlich klar, wie viel vom ursprünglichen Stoff Alice für seine Version eindampfte – beziehungsweise eindampfen musste. Angesichts der Tatsache, dass die Geschichte parallel zu den Siegfried-Comics auch in einer aufwändigen Zeichentrickfassung umgesetzt wird, war das wohl unumgänglich. Denn für einen Mainstreamfilm, der seine Produktionskosten wieder einspielt, braucht es eine geradlinige, für jeden nachvollziehbare Handlung, daher wohl auch die Konzentration auf den Helden Siegfried. Schade nur, dass dabei viel faszinierendes Sagengeflecht auf der Strecke bleibt. Hätte man dies nicht im Hinterkopf, würde einen dieser für sich allein stehend äußerst gelungene Comicband noch viel mehr begeistern. Aber das ist wohl die Kehrseite, wenn sich ein Zeichner eines derart bekannten epischen Stoffes annimmt.

Positiv gesehen könnte man aber auch sagen, dass Alex Alice es geschafft hat, einen leichten, für jeden verständlichen Einstieg in die Nibelungen-Sage zu schaffen, die zwar an manchen Stellen ein wenig an der Disney-Grenze schrammt (Siegfried und die Wölfe…), aber letztendlich auf Spur und im Großen und Ganzen den ursprünglichen Motiven treu bleibt. Und eigentlich regiert die Form hier sowieso über den Inhalt: Alice ist ein hervorragender visueller Erzähler, der an den richtigen Stellen zu Recht auf Text verzichtet und auf die Kraft seiner Bilder vertraut. Und die haben es in sich, sind mit ihren archetypischen Motiven und durch gekonntes Spiel mit Licht und Schatten und den Motiven Feuer und Eis oft kleine, urwüchsig-atmosphärische Kunstwerke für sich. Gleichzeitig bleiben sie aber durch Alices gefälligen Zeichenstil immer zugänglich und massenkompatibel. Auch wenn der erste Siegfried-Band ein wenig wie 'Nibelungen-Light' daherkommt, machen die Schauwerte und tolle Atmosphäre einiges wett und schaffen Lust auf die Fortsetzung „Die Walküre“.

So gut wie garantiert ist, dass man in dieses Comicalbum wegen seiner optischen Reize mehr als einmal reinschauen wird – vorzugsweise an einem stürmischen Schlechtwettertag, begleitet von dröhnenden Wagner-Klängen aus der Musikanlage.

Neben der 72-seitigen Normalausgabe ist für 39,80 Euro auch eine Special Edition mit 80 Seiten Bonusmaterial, darunter Entwürfen für den Siegfried-Film, und einer DVD mit dem Filmtrailer erhältlich.

Siegfried 1
Splitter, Mai 2008
Text und Zeichnungen: Alex Alice
72 Seiten, farbig, 32 x 23 cm, Hardcover
ISBN: 978-3940864185
15,80 Euro
Leseprobe

Gelungene 'Nibelungen Light'-Variante mit tollen Schauwerten

Jetzt bei Comic Combo anschauen und bestellen!
Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Bildquelle: splitter-verlag.de

Amelia ist die Größte!

Cover von Amelia ist die GrößteNach Modern Tales hat der Brandenburger Verlag eidalon im Herbst 2007 ein weiteres Unterlabel ins Rennen geschickt. Während Modern Tales mit seinen Veröffentlichungen wie Queen & Country oder Wasteland das erwachsenere Publikum anspricht, dreht sich bei comikat alles um die Unterhaltung jüngerer Leser bzw. der ganzen Familie.

Mit der ersten Veröffentlichung hat man direkt einen dicken Fisch an der Angel: Die Serie Amelia Rules! von Jimmy Gownley ist in den USA für diverse hochrangige Auszeichnungen nominiert worden, so z.B. dreimal als „Bester Comic für jüngere Leser“ bei den Eisner-Awards sowie zweimal für „Beste Publikation im Bereich Humor“ bei den Harvey-Awards. Der dritte Band der Original-Reihe, „Amelia Rules Volume 3 – Superheroes“, gewann 2007 den Cybil-Award für die beste Veröffentlichung für Leser bis 12 Jahre.

Das ist eine beeindruckende Aufzählung, was steckt dahinter?
Zuerst einmal eine recht konventionelle Basisgeschichte: Amelia zieht nach der Trennung ihrer Eltern mit ihrer Mutter zu ihrer unkonventionellen Tante Tanner. Mit dem Wechsel von Manhattan in eine beschauliche Kleinstadt und der neuen familiären Situation sind natürlich etliche Probleme verbunden.
Seite aus Amelia ist die GrößteAnschluss hat sie zumindest schnell gefunden. Reggie ist ein cooler Junge, mit dem sie gerne herumhängt („aber nur so“). Dazu gibt es leider im Schlepptau Rhonda, die sie auf den Tod nicht ausstehen kann. Da Rhonda in Reggie verschossen ist, lässt sie sich aber nicht so einfach abschütteln, so dass sich die beiden Mädchen im Dauerclinch befinden und keine Gelegenheit auslassen, sich eins auszuwischen. Der Vierte im Bunde ist Pyjamaman, der kein Wort sagt, aber durch unterschiedliche Aufdrucke auf seinem schlafanzugähnlichen Kleidungsstück die jeweiligen Situationen kommentiert. Zusammen haben sie einen eigenen Superheldenclub gegründet, um sich gegen Gemeinheiten anderer Kinder zur Wehr zu setzen.

Obwohl der Grundtenor ein humoristischer ist und damit von der Konstellation her an Serien wie Die Peanuts erinnert, erlebt Amelia doch immer mal wieder ernstere Situationen. So hört sie einmal einen lautstarken Streit ihrer Mutter am Telefon mit ihrem Vater mit, der sie verwirrt zurücklässt. Zum Glück kann Tanner sie ablenken, aber der Eindruck ihrer verfeindeten Eltern lässt sich nicht so einfach abschütteln. Dieses ganz konkrete Ansprechen von Problemen, wie sie der ein oder andere junge Leser sicherlich auch miterlebt, unterscheidet Amelia von anderen Comicserien für Kinder.

Der Stil ist recht einfach gehalten, wird aber immer mal wieder aufgelockert, z.B. durch Bleistiftzeichnungen auf kariertem Papier. Hintergründe gibt es kaum. Gownley konzentriert sich auf die Personen, was wiederum an Die Peanuts oder auch Calvin & Hobbes erinnert, mit denen Amelia Rules! des öfteren verglichen wird. Im Gegensatz zu diesen etablierten Serien ist Amelia aber keine Stripserie. Es gibt keine klassischen dreiteiligen Comicstrips mit einer Pointe, sondern richtige Geschichten, die über mehrere Seiten erzählt werden. Leider können die sich mitunter auch etwas ziehen. Motive werden gerne wieder aufgegriffen, was an sich positiv ist, mitunter aber auch zu viel des Guten sein kann. So ist z.B. der Dauerkrach zwischen Amelia und Rhonda arg dick aufgetragen. Kindern könnte dies aber durchaus auch nach dem siebten Streit noch Spaß machen zu lesen.

„Amelia ist die Größte!“ nimmt erst so richtig Fahrt auf, wenn es in der zweiten Hälfte des Comics für unsere Protagonisten zur Schule geht. Gownley hat mitunter fantastische Einfälle und baut diese sorgsam auf, so z. B., wie Amelia von Reggie und Rhonda die Gruppen an der Schule erklärt bekommt („Sportskanonen“, „Arschkriecher“, „Modepüppchen“ etc.), aber erst nach einer Weile realisiert, in was für einer Gruppe sie selber gelandet ist.
Andere Stellen sind eher durchschnittlich bis langatmig. Das hohe Niveau, das an vielen Stellen sichtbar ist, kann „Amelia ist die Größte!“ über die ganze Strecke nicht durchhalten. Zwar haben auch Erwachsene jede Menge zu lachen, aber der Spagat von einem Comic für die ganze Familie funktioniert bei anderen Serien wie z.B. Kleiner Thor oder Courtney Crumrin (bei letzterem sollte die Leserschaft nicht zu jung sein) besser. Kinder als eigentliche Zielgruppe werden aber ihre helle Freude an Amelia haben.

Der zweite Band der Serie, „Amelia feiert Feste!“ sollte im Mai/Juni 2008 erschienen, ist aber noch nicht erhältlich. Es sind insgesamt acht Bände geplant. Durch den Hardcovereinband, die handliche Größe und die klare Aufteilung des Titelbildes wirkt der Comic ansprechend und verleiht dem allgemeinen Interesse, mehr Comics im Buchhandel zu platzieren, ein Gesicht. Etwas versteckt, nämlich auf der eidalon-Presse-Seite zur Amelia-Serie, kann man sich übrigens eine vorbildlich ausführliche Leseprobe mit 34 Seiten als PDF anschauen.

Amelia ist die Größte!
(Band 1 der Amelia-Reihe)
Comikat, Dezember 2007
Text und Bilder: Jimmy Gownley
Übersetzung: Stefan Pannor
72 Seiten, farbig, Hardcover, 24,6 x 15,9 cm; 12,50 Euro

Für die Kleinen vergnüglich, für die Erwachsenen mit Hängern

einkaufswagen cc

nlintX

Bilder © eidalon Verlag

Neuer Webcomic: Das Leben ist kein Ponyhof


Nachdem wir Sarah Burrini in unserem dritten Printmagazin präsentieren durften und dadurch einige von Euch bereits ihre Figur Elena durch die abgedruckte Geschichte „Dinge, die ich bereue“ kennen gelernt haben, gibt es online jetzt mehr aus ihrem Comic-Universum Das Leben ist kein Ponyhof.

Wir präsentieren ab sofort jeden Donnerstag/Freitag neue Seiten aus ihren Kurzgeschichten.
Den Anfang machen die ersten vier Seiten der 17-seitigen Story „Knock Knock“.

Das Leben ist kein Ponyhof!Das Leben ist kein Ponyhof: Eigentlich ist Elena genau wie Du und ich. Sie hat Probleme mit dem anderen Geschlecht. Sie gibt zu viel Geld aus für Dinge, die sie nicht braucht. Sie jagt einem Traum hinterher, der noch in weiter Ferne liegt. Und sie lebt zusammen mit einem sprechenden Elefanten, einem abenteuerlustigen Pilz und einem Pony.
Das Leben ist kein Ponyhof handelt von den ganz normalen Alltagskämpfen in der Großstadt in einer absurden Wirklichkeit.

Mit diesem Klick gelangt Ihr zu der Ponyhof-Übersicht in unserer Webcomics-Galerie.

Sarah BurriniÜber die Künstlerin:
Sarah Burrini, geboren im Sommer 1979 in Köln am Rhein.
Mitglied der fröhlichen PonyXPress-Crew, Veröffentlichungen u.a. in der MAD und Panik Elektro. Verbrachte im Frühjahr 2008 einige Zeit beim Periscope Studio in Portland (u.a. Heimat von Steve „Whiteout“ Lieber). Wenn sie nicht gerade versucht, sich davon abzuhalten, Nutella aus dem Glas zu essen, bastelt sie an ihrem Projekt „Das Leben ist kein Ponyhof“ (mehr von ihr auf ihrer Seite sarahburrini.com und in ihrem alten Blog ngumbe.blogspot.com).

Hellboy 8 – Die Troll-Hexe

Cover Hellboy 8 – Die Troll-Hexe

Im bereits achten Band der Reihe von Hellboy lässt sich Mike Mignolas Schöpfung erstmals komplett in Farbe bestaunen. Bislang setzte man bei Cross Cult ja ganz auf die unberührten Schwarz-Weiß-Zeichnungen, was sicherlich einen besonderen Reiz der deutschen Ausgabe ausmachte. Immerhin kommen Mignolas Bilder dabei einfach unverfälschter rüber und die s/w-Kontraste, die Mignola sehr gezielt einsetzt, entfalten ihre volle Wirkung. Im neuen Band „Die Troll-Hexe“ beließ man es nicht nur bei den Gastzeichnern Richard Corben und P. Craig Russel bei der Kolorierung des US-Originals, sondern auch Mignolas Geschichten behielten ihren Farbanteil. Somit hat man als Leser jetzt den direkten Vergleich zwischen Farb- und s/w-Version. Welche dabei nun wirklich, gerade zu den Zeichnungen von Mike Mignola, besser passen, ist schwer zu beantworten und sicherlich auch Geschmackssache. Ich persönlich mag die puristische Variante ohne Kolorierung, muss aber zugestehen, dass die im neuen Band angewandte Farbpalette die Zeichnungen ebenso gut zur Geltung bringt.

„Die Troll-Hexe“ ist im Grunde ein Sammelband diverser Kurzgeschichten und damit ein ungewöhnlicher Band in der ansonsten mit einer gewissen Kontinuität ausgestatteten Reihe des Höllenjungen. Wer sich mit der Figur noch gar nicht auskennt, bekommt hier auch eine gute Gelegenheit, einen Einstieg ins Hellboy-Universum zu finden. Die Erzählungen, die hier enthalten sind, lesen sich weitestgehend eigenständig und berichten von Abenteuern aus der Vergangenheit.

Seite aus Hellboy 8 – Die Troll-HexeFünf der insgesamt sieben Beiträge stammen von Mike Mignola selbst. Er lässt Hellboy an diverse exotische Orte reisen, wo er wie gewohnt auch mit Fäusten gegen das Paranormale ermittelt. Es wird tief in die europäische Mythologie eingetaucht, Mignola bedient sich Sagen, Mythen und lässt in ganzen Passagen aus Hamlet rezitieren. Das Schema, dass Hellboy an einen neuen Ort kommt und über wenige Seiten für eine schnelle Aufklärung eines unnatürlichen Phänomens sorgt, wiederholt sich zwar sehr oft, was man jedoch verzeihen mag, wenn solch gelungene prägnante Kurzgeschichten dabei rauskommen.

Seite aus Hellboy 8 – Die Troll-HexeNeben Mignola stammt „Der Vampir von Prag“ von P.Craig Russel und „Makoma“ von Zeichnerlegende Richard Corben (zusammen mit Mignola). Ersterer liefert mit seinem im Vergleich zu Mignola etwas runderen Stil eine dynamische und leicht humoristisch angelegte Vampirjagd ab. Das ist weniger mysteriös und atmosphärisch als üblich, was sicherlich auch die Intention war. Corben erzählt mit „Makoma“ in seinem unverwechselbaren Stil eine afrikanische Sage nach – eine Adaption für die Hellboy-Kontinuität, die Mignola schon lange umsetzen wollte. „Makoma“ ist ein wundervolles Märchen, das ein so ungewohntes Szenario bietet, wie man es bislang nicht gewohnt war. Schlussendlich kann man beiden Zeichnern neben Mignola eine gute Arbeit bescheinigen. Auch ergänzen sie diesen achten Band um einige neue Facetten, die ihn zu einem Must Have für Fans von Hellboy, aber auch zu einem geeigneten Auftakt für Neueinsteiger macht. Und durch die Anekdoten von Meister Mignola und einem Interview mit Richard Corben werden einem die Entstehung und Hintergründe der einzelnen Beiträge sympathisch näher gebracht.

 

Hellboy 8 – Die Troll-Hexe
Cross Cult, April 2008
Text: Mike Mignola. P. Craig Russell, Richard Corben
Zeichnungen: Mike Mignola. P. Craig Russell, Richard Corben
A5, Hardcover, Farbe, 160 Seiten; Euro 19,80
ISBN: 978-3-936480-82-5


gewohnt guter Hellboystoff mit guten Gastzeichnern

 

 

 

 

 

 

 

 

Jetzt bei Comic Combo anschauen und bestellen!

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

 

Abbildungen © Cross Cult, Mike Mignola, Richard Corben

 

 

Slow

Cover von SlowHendrik Dorgathen ist ein Künstler, der mit seinem einzigartigen Stil die Comicwelt begeistert und auch darüber hinaus für hohe Aufmerksamkeit sorgt. Dem Max-und-Moritz-Preisträger und Hochschullehrer wurde zum diesjährigen Comic Salon in Erlangen nicht nur eine Ausstellung gewidmet, auch sein neues Buch Slow erschien rechtzeitig. Dorgathen ist ein Wanderer zwischen den Medien, pendelt zwischen Illustration, Animation und schließlich dem Comic. Er bedient sich stilistischer Mittel aus diversen künstlerischen Subkategorien und bietet sie dem Betrachter in ungewohnter, genrefremder Konstellation feil.

Als Ausdruck dieses übergreifenden Grenzganges lässt sich auch die Publikation Slow bezeichnen. Dorgathen lädt ein zum unweigerlichen Verharren bei einzelnen Bildern, denn diese sind mehr als eine stringent zu verstehende Zusammensetzung für eine Erzählung, sie sind vielmehr kleine Kunstwerke für sich. Das Verweilen, das der Leser hier gerne auf sich nimmt, wird schließlich auch in Deborah Eisenbergs gelungenem Nachwort aufgegriffen, das überhaupt als anrührende Hommage an den Künstler verstanden werden kann. Eine sehr intensive Betrachtungsweise, wie ich es gerne bei einem herausragenden Buch wie diesem lese.

Seite aus SlowDie Seiten in diesem Album bersten über vor eindrucksvollen Zeichnungen, denen mit noch eindrucksvolleren Farben ein sehr starker Ausdruck verliehen wurde. Dorgathens meist grobe Striche sind gerade dann wirkungsvoll, je größer und monumentaler die Bilder angelegt wurden.

Seite aus SlowAuf fast 100 Seiten versammelt das Buch große und kleine Geschichten, die sich als tiefgründige Selbsterkundungstrips, Kindheitserinnerungen oder Abschweifungen in Traumwelten entpuppen. Entsprechend trägt Dorgathen dem Inhalt auch auf grafischer Ebene mit einer recht hohen Verspieltheit Rechnung. Metaphern, Symboliken und eine eindringliche Bildsprache prägen sein Werk. Zusätzlich steuert der spanische Künstler Max (Bardin) eine Comicerzählung bei, was nur folgerichtig zu sein scheint, da beide Künstler in ihrer Umsetzung nicht allzu weit voneinander entfernt liegen und einige der in Slow abgedruckten Comics bereits in Max' Magazin „Nosotros Somos Los Muertos“ veröffentlicht wurden.

SlowLetztendlich zeugt Slow von der variantenreichen Palette, die Hendrik Dorgathen gekonnt zu nutzen weiß. Es wird aber auch deutlich, dass er bei aller grafischer Versiertheit auch ein äußerst guter Erzähler ist, von dem man in den letzten Jahren leider viel zu wenig solcher Comicalben zu sehen bekam.






SLOW
Edition Moderne, Mai 2008
Text/Zeichnungen: Hendrik Dorgathen
96 Seiten, farbig, Halbleinen, 22,5 x 30,5 cm; 29,80 Euro / 48,- sFr.
ISBN 978-3-03731-032-8

 

Zwischen Museum und Comic, wunderbares Album

Jetzt bei Comic Combo anschauen und bestellen!

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

 

Abbildungen Slow © Edition Moderne, Hendrik Dorgathen

 

 

Exterminators 1 – Käferkiller

Cover von Exterminators 1Kakerlaken sind eklig. Aber auch interessant. Das Cover von Exterminators ist jedenfalls ein Blickfang. Zu sehen ist eine Kakerlake in voller Pracht, wie sie Beine und Fühler ausstreckt. Sowas möchte niemand in seiner Küche haben. Zum Glück gibt es die tapfere Truppe von „Bug-Bee-Gone“. Die Kammerjäger ziehen jeden Tag aufs Neue aus, um die Zivilisation vor dem Untergang zu bewahren. Denn das Chaos ist auf dem Vormarsch. Und es ist hungrig.

Henry fährt mit einem gelben Pick-Up durch die Gegend und vernichtet Ungeziefer. Nicht gerade ein Traumjob. Der gelbe Pick-Up gehört seinem Stiefvater Nils, der Chef eines kleinen Ladens namens Bug-Bee-Gone ist (“Excellence in Terminating“). Bug-Bee-Gone ist ein Sammelbecken für alle möglichen Sorten von Sonderlingen. AJ, der neben Henry im Pick-Up sitzt, ist ein sexistisches Schwein und jagt sich gerne blaues Vertilgungsmittel in die Venen. Stretch trägt einen Cowboyhut und glaubt an Karma und die Wiedergeburt. Und Kevin, naja – ist eben Kevin …

Henry passt da gut rein, obwohl er es noch nicht so richtig wahrhaben will. Er ist ein Ex-Knacki -auf Bewährung draußen -, der versucht, mit dem Job sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Irgendwie glaubt der Leser von der ersten Seite an nicht, dass daraus tatsächlich etwas wird. Denn Bug-Bee-Gone ist nicht einfach nur ein Sammelbecken für soziale Außenseiter. Hinter den gelben Pick-Ups, den Vertilgungsmitteln und den Atemmasken schlummert die geistige Haltung, mehr zu sein als ein Team von Kammerjägern. Die Jungs von Bug-Bee-Gone sind die Elite im Überlebenskampf der Menschheit. Ihre Gegner: Ratten, Kakerlaken und Waschbären. Mensch gegen Natur, Ordnung gegen Chaos. Nicht grundlos wird gleich zu Beginn der Untergang des Römischen Reiches beschworen. Alles, was von dem Weltreich blieb, waren Ratten, denen die Pest im Fell saß.

Der erste Band von Exterminators fühlt sich an wie der Auftakt zu einer großen, wirklich guten Geschichte. Der Plot setzt sich aus verschiedenen kleinen Handlungen zusammen, bedächtig verbunden durch originelle Details wie einen Skarabäus oder eine Schatulle mit vier Schlüssellöchern. Immer wieder hat man das Gefühl, den ganz normalen Alltag von Kammerjägern mitzuerleben, immer wieder das Gefühl, als würde es um etwas ganz anderes gehen. Bemerkenswert ist, dass das Ungeziefer immer dort auf dem Vormarsch ist, wo der sozialen Verantwortung die Puste ausgeht: in verfallenen Mietshäusern, in den Ghettos oder in einer halb vergessenen Nervenklinik. Es ist eine liebevolle Geschichte über Außenseiter, folgerichtig ist der einzige wirkliche Bösewicht – neben den Kakerlaken – ein gewissenloser Großkonzern. Und dazu stimmt die Optik. Zeichner Tony Moore ist bekannt dafür, sich viel Zeit für seine Panels zu nehmen. Für die Zombies in The Walking Dead studierte er eigens den Verfallsprozess von menschlichen Leichen. Dieses Mal hat er bestimmt Käfer und Kakerlaken observiert.

Exterminators beeindruckt durch eine witzige Idee, gut ausgearbeitete Figuren und tolles Artwork. Die recht ungewöhnliche und unterhaltsame Geschichte über Kakerlaken und ihre Jäger geht hoffentlich bald weiter. Denn noch ist die Menschheit nicht aus dem Schneider. Der Kampf gegen das Chaos geht weiter.

Nachtrag: Die Serie erwartet ein frühzeitiges Ende. Ursprünglich von Autor Simon Oliver auf 50 Ausgaben angesetzt, ist sie nun nach 30 Folgen in den USA bereits zu Ende. Grund waren schwächere Verkaufszahlen als erwartet. Trotzdem ist
Exterminators abgeschlossen, denn Oliver schrieb die letzten Ausgaben so um, dass alle offenen Fragen geklärt werden. Ein Interview mit Simon Oliver und seinem Vertigo-Redakteur Jonathan Vankin zum beschleunigten Abschluss ist hier zu finden (englisch).


Exterminators 1 – Käferkiller

Panini Comics, Mai 2008
Text: Simon Oliver
Zeichnungen: Tony Moore
Übersetzung: Bernd Kronsbein
Originalausgabe: The Exterminators #1-5 (DC Vertigo 2006)
132 Seiten, vierfarbig, Softcover; 14,95 Euro
ISBN 9783866075931

Witzige Idee, gut erzählt und toll gezeichnet!

Jetzt bei Comic Combo anschauen und bestellen!

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Cover © Panini Comics, Tony Moore

Die sechs Schüsse von Philadelphia

Cover Die sechs Schüsse von PhiladelphiaDie sechs Schüsse von Philadelphia ist der fünfte Band der Kollektion Levitation, die im Avant-Verlag erscheint. Und man muss sich positiv wundern, dort einen deutschen Comicschaffenden vorzufinden, ist doch diese wunderbare Reihe bislang den beiden internationale Ausnahmekünstlern Joann Sfar (Pascin, Klezmer, Die kleine Welt des Golem) und Gipi (5 Songs) vorbehalten gewesen. Nicht minder überrascht es, dass man mit Ulrich Scheel einen hierzulande kaum bekannten Zeichner antrifft. Scheel hat zwar in Frankreich bereits einige seiner Comics veröffentlicht, aber Die sechs Schüsse von Philadelphia stellt sein Deutschlanddebut dar – umso bemerkenswerter, dass er dabei gleich einen 240 Seiten dicken Comic vorlegt.

Der Band spielt im kleinen Dorf Philadelphia (in Brandenburg) in der damaligen DDR und erzählt von einer Clique Jugendlicher, die sich die Sommerferien 1980 vertreiben wollen. Anlass zur großen Aufregung, zur Unterbrechung des tristen Herumhängens liefert ein alter Weltkriegsrevolver, den die Clique in die Hand bekommt. Neugierde und jugendlicher Leichtsinn nehmen darauffolgend ihren Lauf und die Gefährlichkeit der Waffe nimmt konkretere Formen an.

Seite aus Die sechs Schüsse von PhiladelphiaUlrich Scheel inszeniert diese Geschichte sehr clever, indem er, aus den Augen des 15-jährigen Protagonisten Uwe Schmelzke, erst einmal die Darsteller seiner Erzählung vorstellt (Uwes kleiner Bruder, Kumpel Grolf, Freundin Sabine und der Dorftrottel Tobias), dann die Umgebung (ländlich, sowjetbesetzt) und dann aus rückblickender Sicht, im Stile eines Ferienaufsatzes für die Schule, über das berichtet, was vorgefallen ist. Scheel verzichtet dabei erfrischenderweise auf allzuviel Hintergründe, sowohl in optischer als auch inhaltlicher Hinsicht. Er konzentriert sich auf die Beziehung zwischen den Figuren, die ein Cliquengefüge darstellen und demnach ihre Freizeit gestalten. Mit dem Revolver kommt ein zusätzliches Element ins Spiel, das deutlich die Interaktion zwischen allen beeinflusst. Dies wird eindrucksvoll dargestellt. Die Spannung nährt sich bei dieser Erzählung aus der unvermeidlichen Frage, wann aus dem Spiel mit der Schusswaffe Ernst wird und ein Unglück passiert; zumal der Autor mit seinem Aufbau der Kapitel direkt anklingen lässt, dass im Folgenden nicht alles glimpflich ausgehen könnte. Jedes der sechs Kapitel ist nämlich so organisiert, dass sich, absichtlich oder nicht, jeweils ein Schuss löst (betitelt mit „Der erste Schuss“, „Der zweite Schuss“ usw.).

Seite aus Die sechs Schüsse von PhiladelphiaOhne zu viel von der Geschichte zu verraten, hätte ich mir bei diesem insgesamt sehr gelungenen Werk etwas weniger Radikalität gewünscht. So wunderbar dieses unbeschwerte Sommerfeeling, das Vertreiben der Langeweile mit der Gewinnung neuer Erfahrung transportiert und das Erwachsenwerden mit allen positiven wie negativen Seiten dargestellt wird, so hat mich doch die ein oder andere Stelle verwundert, respektive an den Motiven der Personen zweifeln lassen. Ein Aspekt, den man aus meiner Sicht durchaus weniger extrem oder zumindest nachvollziehbarer hätte gestalten können. So bleibt der Autor eine nähere Betrachtungsweise schuldig.

Nichtsdestotrotz, auf 240 Seiten lässt sich ein sehr guter Comic bestaunen, der gekonnt erzählt und mit grafischer Reduzierung (fast pure Konturen, wenig Hintergründe, leichter Brauneinfluss) überzeugt.

 

Die sechs Schüsse von Philadelphia
Avant Verlag, Mai 2008
Text und Zeichnungen: Ulrich Scheel
Softcover, 240 Seiten, Duotone (mit brauner Zweitfarbe); 19,95 Euro
ISBN: 9783-939080-31-2

Geschichte ums Erwachsenwerden mit Moral

 

 

 

 

 

 

 

 

Jetzt bei Comic Combo anschauen und bestellen!

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

 

Abbildungen © Ulrich Scheel und Avant Verlag