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Freaks of the Heartland

Zwei Rezensionen vorhanden.

Christophers Besprechung weiter unten.


Frauke:

Cover Freaks of the HeartlandMit dem „Heartland“ im Titel ist das American Heartland gemeint, ein schwerer, urtümlicher Landstrich, in den USA abseits der pulsierenden Großstädte. Hier wächst der Junge Trevor auf einer kleinen Farm auf. Sein Leben wird bestimmt von seinem despotischen Vater, der auch seine Mutter mundtot gemacht hat. Die Familie hat allerdings ein Geheimnis: Trevor hat einen jüngeren Bruder, Will, der merkwürdig entstellt ist und über besondere Kräfte verfügt. Seine Mutter hat ihren Sohn seit seiner Geburt vor sechs Jahren nicht mehr angesehen, und er wird wie ein Hund an der Kette im Schuppen nebenan gehalten.

Trevors Aufgabe ist es, seinen kleinen Bruder mit Essen(sabfällen) zu versorgen. Darüberhinaus versucht er, versteckt vor den Eltern, Wills Leben erträglicher zu machen. So nimmt er ihn zum Beispiel eines Abends von der Kette, um mit ihm einen Ausflug zu machen.

Die Situation eskaliert, als ihr Vater beschließt, das zu tun, was er von Anfang an vorhatte – der Sache ein Ende zu machen. Und so marschiert er mit einem Gewehr in den Schuppen. Um Trevor, der sich vor seinen Bruder gestellt hat, zu schützen, greift Will den Vater an. In dem Streit entpuppen sich weitere Talente des entstellten Junges, der Vater stirbt infolge Wills Beschützerinstinkt. Die beiden Brüder, unsicher und verwirrt, fliehen von der Farm, nachdem sie noch kurz ihrer Mutter Lebewohl gesagt haben. Im Laufe der Reise enthüllen sich dann weitere Besonderheiten und Umstände rund um Wills merkwürdiges Erscheinungsbild …

Seite aus Freaks of the Heartland… aber ohne einen genauen Hintergrund oder gar eine Erklärung dafür zu liefern. Wer Steve Niles als Autor von Comics wie 30 Days of Night kennt und Ähnliches erwartet, der wird von Freaks of the Heartland enttäuscht werden. Das hier ist keine Horrorgeschichte oder gar eine Splatterorgie, sondern eine moderne Interpretation des Literaturklassikers Of Mice and Men (Von Mäusen und Menschen), wie auch schon der Klappentext treffend beschreibt. Will hat nichts falsch gemacht, trotzdem wird er allein aufgrund seines Aussehens von der Gesellschaft und zwischenmenschlichen Kontakten ausgeschlossen, ohne etwas dagegen tun zu können. Freaks of the Heartland ist ein Appell an die Menschlichkeit, an die Liebe und gegen die Engstirnigkeit und den Hass, der aus Angst entstehen kann. Ein ganz klassisches Thema also, von Zeichner Greg Ruth (u.a. Conan) mit zum Teil groben Strichen und dem Einsatz von viel Schwarz der schweren Thematik wunderbar angepasst. Die monochromatische Farbgebung variiert je nach Stimmung und fügt damit dem Geschehen eine wortlose Interpretationsebene hinzu.

Einzig das Hinsteuern auf das recht abrupte Ende bedauert man als Leser, gerade weil am Anfang die Einführung der Figuren und der Lebensumstände bedächtig vorgenommen wird und die Geschichte generell sehr ruhig erzählt wird. Am Ende hätten ein paar Seiten mehr der Erzählung gut getan, sie runder gemacht.

Etliche Seiten füllt auch der bei Cross Cult übliche redaktionelle Teil mit Interviews sowohl mit Autor als auch Zeichner sowie Skizzen mit interessanten Hintergrundinfos zur Gestaltung der Figuren und Gedanken von Greg Ruth. Neu ist mir allerdings eine Dankesseite, wie man sie von CD-Booklets kennt (à la „Steve dankt … Greg dankt …“), das kommt jetzt vielleicht in Mode.

Freaks of the Heartland
bietet keine Hauruck-Action, keinen wirklichen Horror, sondern eine poetische Charakterstudie inmitten eines weiten Landes, die denjenigen gefallen wird, die auch mit ruhigeren Tönen etwas anfangen können. Dann erwartet sie eine dichte, zärtliche Geschichte um einen Außenseiter und seinen Bruder, der mit kindlichen Augen hinter die Fassade blickt. Die Beteiligten sind zwar sehr deutlich eingeteilt in Gut und Böse, manche Klischees auf die Spitze getrieben, aber so ist das nun mal in Märchen.

Der Autorencomic unter den Horrorcomics

Christopher:

Steve Niles und Greg Ruth haben einen Comic über Doppelmoral und den mittleren Westen geschrieben. Freaks of the Heartland ist außerdem eine Geschichte von zwei ungleichen Brüder, die es irgendwie schaffen, in einer harten, rauen Welt zusammenzuhalten und sich zu unterstützen.

So weit das Auge reicht, sieht man Farmland. Ab und zu mischen sich ein paar einsame Bäume, Holzzäune und windschiefe Häuser ins Bild. Ein Schuss fällt, vielleicht auch nur die Fehlzündung eines Traktors, und ein Schwarm Krähen fliegt auf, davon in den schmierig-grauen Himmel. Ödnis pur. Wir schreiben die „gute, alte Zeit“, wann auch immer die gewesen sein mag. Vielleicht regiert gerade Präsident Truman, vielleicht auch schon Eisenhower. So genau interessiert das hier niemanden, ist auch nicht wichtig an einem Ort, an dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Ein Stück Ende der Welt, ohne Handys, Faxgeräte oder Farbfernseher. Freaks of the Heartland portraitiert den mittleren Westen der USA in den düstersten Farben.

Seite aus Freaks of the HeartlandDie Geschichte ist nicht nur das düstere Portrait eines Landstrichs, sondern auch einer Familie. Autor Steve Niles (30 Days of Night) bewegt sich bei der Skizzierung der Figuren hart an der Grenze zu Klischees und Stereotypen: Daddy ist ein Trinker, Mommy wird geschlagen, und Sohnemann Trevor zieht den Kopf ein, so gut es geht. Und in der Scheune, versteckt vor dem Licht der Welt, lebt Will. Er ist von Geburt an anders, unnatürlich groß und kräftig, mit einem Wasserkopf – ein Freak. Die Farmer der Gegend, insbesondere sein eigener Vater, halten ihn für ein Monster, eine Ausgeburt der Hölle, und wollen ihn töten. Brüderchen Trevor hat jedoch etwas dagegen.

Freaks of the Heartland handelt von der Doppelmoral einfacher Leute. Wer am lautesten „Monster!“ schreit, ist häufig selber eines. Die Geschichte wurde schon oft erzählt, und ist spätestens seit Frankenstein ein klassisches Horrorthema. Handlung gibt es bei Freaks of the Heartland so wenig, dass man den Plot fast als statisch bezeichnen könnte. Das macht aber nichts, weil dieses Weniger an Handlung einem Mehr an Atmosphäre zugute kommt. Die wird in erster Linie durch die fabelhaften Bilder von Greg Ruth erzeugt: Dunkle Farben, viel Schatten und ein außerordentlich realistischer, leicht verwischter Strich. Die Qualität der Handlung ist nicht überragend, die der Bilder hingegen schon. Weil es wenig Text gibt, liest sich Freaks of the Heartland recht schnell. Seine Wirkung entfaltet der Band dennoch. Es ist wahrhaftig eine Bilder-Geschichte, unterhaltsam und unheimlich, mit nicht mehr Text,als unbedingt nötig. Atmosphärischer und gradliniger Horror, von dem man sich mehr wünscht.

Atmosphärischer Horror ohne Schnörkel

Freaks of the Heartland
Cross Cult, August 2008
Text: Steve Niles
Zeichnungen: Greg Ruth
Übersetzung: Frank Neubauer
167 Seiten, Hardcover, farbig; 19,80 Euro
ISBN: 978-3936480894
Leseprobe

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Freaks of the Heartland © Steve Niles, Abbildungen © Greg Ruth, der dt. Ausgabe Cross Cult

Voll schwule Superhelden – Homosexualität in Comics Teil 2

 Nachdem sich Teil 1 unseres Artikels um Comics im Allgemeinen drehte, widmen wir uns im zweiten Teil ausschließlich dem ur-amerikanischen Genre der Superheldencomics. Homosexuelle Heldinnen und Helden sind dort auch heute noch alles andere als eine Selbstverständlichkeit und werden nicht nur unter den Lesern, sondern auch in den US-Medien teils hitzig debattiert. Neben Kontroversen um das Sexualleben von Comicfiguren beleuchten wir Zensurmaßnahmen, den ersten gleichgeschlechtlichen Kuss unter Superhelden und überraschende Coming Outs von kostümierten Verbrechensbekämpfern.


„Ein Homosexueller kann kein Held sein.“ So lautete die nicht weiter begründete These eines aufgeregten Fanboys 2004 in einer Diskussion auf der Homepage von Autor Peter David, in der es um den Marvelhelden Northstar ging, der als erster dem eigenen Geschlecht zugeneigte Superheld von sich reden gemacht hatte. Der versierte Comic-Historiker mag jetzt mit erhobenem Zeigefinger einwerfen, dass es sich bei Northstar doch gar nicht um den ersten homosexuellen Comic-Helden handelt, sondern diese Ehre den Figuren Captain Metropolis, Hooded Justice und Silhouette in Alan Moores Watchmen von 1986 gebührt undAlpha Flight-Gruppenbild mit Northstar (links) Northstar mit seinem 1992er Outing ein paar Jahre zu spät dran war. Das ist grundsätzlich richtig, doch Northstar und sein Team Alpha Flight wurden bereits 1979 von Chris Claremont und John Byrne kreiert, um sich in Uncanny X-Men mit Professor Xaviers Mutanten anzulegen – damals jedoch als recht eindimensionale Prügelknaben.

Einen wirklichen Hintergrund für die kanadischen Helden lieferte John Byrne dann 1983 nach, als er beauftragt wurde, eine Alpha Flight-Serie zu entwerfen, und er fand schnell Gefallen an der Idee, ein schwules Teammitglied dabei zu haben. „Ich hatte kurz zuvor einen Artikel in Scientific American gelesen, in dem es um – für die damalige Zeit – radikal neue Theorien zur Entstehung von Homosexualität ging, und die Beweislage deutete stark darauf hin, dass sie von genetischen und nicht Umwelt-Faktoren abhing. Das brachte mich darauf, dass es an der Zeit für einen schwulen Superhelden war“, begründet Byrne seine Motivation. Aber der rigide Comics Code und der Marvel-Verlag selbst erlaubten es ihm nicht, einen schwulen Superhelden zu präsentieren und so verlegte sich der Künstler stattdessen auf zahlreiche Andeutungen – mit dem kuriosen Ergebnis, dass so gut wie jeder in der Comicindustrie und viele Fans wussten, dass Northstar schwul ist, aber es einfach nie offen in der Serie ausgesprochen wurde. In Anbetracht dessen und der Tatsache, dass Alan Moores oben erwähnte Figuren in Watchmen nur am Rand vorkamen, kann man jedenfalls guten Gewissens behaupten, das John Byrne den ersten schwulen Superhelden in die Welt gesetzt hat.

Byrnes Uncanny X-Men-Kollaborator Chris Claremont wurde 1981 übrigens mit ähnlichem Mystiqueverlagsinternen Widerstand konfrontiert, als er mit den Mutanten-Damen Mystique und Destiny zwei Antagonistinnen erdachte, die nicht nur ein lesbisches Liebespaar sein sollten, sondern auch Nightcrawlers biologische Eltern – mit der Gestaltwandlerin Mystique in der Vaterrolle. Den zuständigen Redakteuren schlackerten bei dieser damals recht unorthodoxen Idee wohl gehörig die Ohren und sie wurde offiziell wieder zu den Akten gelegt. Aber dennoch gab es auch hier über die Jahre hinweg zahlreiche Andeutungen, dass die beiden Mutantinnen mehr sind als nur gute Freundinnen, bis die Gerüchte satte 20 Jahre später endlich in der Miniserie X-Men Forever bestätigt wurden – und so richtig interessiert hat es dann eigentlich niemanden. Was aber wohl weniger der allgemein gewachsenen Toleranz zu verdanken war, sondern eher der Tatsache, dass es sich bei den beiden weder um Heldinnen, noch um Figuren aus der ersten Liga des Marvel-Figurenfundus handelt.

Maggie Sawyer Homosexualität blieb mit der Ausnahme von Northstar auch in den 1990er Jahren nur wenigen Nebenfiguren in Marvels Superheldencomics vorbehalten, wie zum Beispiel Hector, einem Mitglied der Geheimorganisation Pantheon, in Peter Davids Incredible Hulk. Beim Konkurrenten DC sah es ähnlich aus: Es gab die, wiederum von John Byrne geschaffene, homosexuelle Polizistin Maggie Sawyer in den Superman-Comics; der reformierte Flash-Gegner Piper outete sich in Flash 53; der eher obskure australische Held Tasmanian Devil verriet in einem Nebensatz in Justice League Quarterly 8, dass er schwul sei; und in Supergirl flirtete die lesbische Stand Up-Komikerin Andy Jones mit der Titelheldin. In Neil Gaimans Sandman-Comics, die erst bei DC und dann beim an ältere Leser gerichteten Sublabel Vertigo veröffentlicht wurden, gab es außerdem das lesbische Paar Hazel und Foxglove. Ebenfalls bei Vertigo erschien 1993 die Miniserie Enigma von Peter Milligan und Duncan Fegredo, in der unter anderem Homosexualität thematisiert wurde. Ein schwuler Held vom Format eines Superman oder eine lesbische Heldin mit Witchblade-Appeal ließ auf sich warten.

 

Skandalöse Küsse

Aber dann trat zur Jahrtausendwende Warren Ellis auf den Plan: In seiner Hardcore-Superheldenserie The Authority, die bei Wildstorm/DC erschien, präsentierte der britische Autor den Lesern nicht nur einen schwulen Helden an vorderster Front, sondern gleich ein Paar: Apollo und Midnighter, die in gewisser Weiseapollo_midnighter_kiss Variationen der Heldenikonen Superman und Batman sind. Die Beziehung der beiden Figuren, die Ellis ursprünglich für die Serie Stormwatch geschaffen hatte, wurde in den ersten Ausgaben nur angedeutet und schließlich in The Authority 8 bestätigt. „Anfangs ging Warren mit dem Thema sehr subtil um und das war wahrscheinlich am klügsten, angesichts der Tatsache, dass es zum damaligen Zeitpunkt noch sehr ungewöhnlich war“, erklärt Mark Millar, der die Serie von Ellis übernahm und die Verkaufszahlen noch einmal ordentlich steigerte – mit teilweise recht kontroversen Geschichten, wie der angedeuteten Vergewaltigung eines übel zusammengeschlagenen Apollo durch den Schurken Commander, der sich dafür später dem rachsüchtigen Midnighter samt Presslufthammer in der Hand gegenüber sah… Autsch! Millars skandalträchtiger Stil kam zwar bei den Fans fantastisch an, bereitete dem damaligen DC-Herausgeber Paul Levitz aber einige Kopfschmerzen und führte dazu, dass im Rahmen verlagsinterner Zensurmaßnahmen immer wieder bereits fertige Seiten neu gezeichnet werden mussten. Dazu gehörte neben vielen Gewaltszenen auch ein an sich harmloser Kuss zwischen dem Heldenpaar, den man bei DC als zu stark in Szene gesetzt empfand. Zuvor hatte man andere Kusspanels der beiden aber bereits durch gewunken und somit konnte The Authority die Trophäe für den wohl ersten homosexuellen Kuss unter Superhelden mit nach Hause nehmen.

Ebenfalls bei Wildstorm bzw. dem Sublabel America’s Best Comics (ABC) erschien von 1999 bis 2002 Alan Moores Comic-Anthologie Tomorrow Stories, für die der britische Autor zusammen mit seiner zukünftigen Ehefrau, der Zeichnerin Melinda Gebbie, die flamboyante lesbische Heldin Cobweb schuf. Ab 2000 erschien bei ABC zudem Moores Superheldenpolizei-Serie Top 10, unter deren Hauptfiguren sich die lesbische Polizeibeamtin Jackie Kowalski alias Jack Phantom und ihr schwuler Vorgesetzter Steve Traynor befanden.

Ultimate Colossus Nachdem Mark Millar von Wildstorm zu Marvel gewechselt war, um Ultimate X-Men zu schreiben, schien es, dass er auch hier zumindest einen schwulen Helden etablieren wollte. Immer wieder streute der Autor Hinweise darauf, dass sich Colossus zu seinem Teamkollegen Wolverine hingezogen fühlte, und freute sich wahrscheinlich diebisch über die aufgeregten Diskussionen in diversen Internetforen. Letztendlich beließ es der schottische Autor aber bei diesen Hinweisen, die dann später von Brian K. Vaughan aufgenommen wurden. Dieser verkuppelte Colossus schließlich mit der ultimativen Version von Northstar. Zuvor hatte Vaughan in seiner viel gelobten Marvel-Serie Runaways übrigens mit Karolina Dean alias Lucy in the Sky schon eine lesbische Jungheldin etabliert.

Viel Lärm um ein paar Comics

Aufsehen auch außerhalb der Comicszene erregte eine Geschichte von Judd Winick in Green Lantern 154-155, in der Terry Berg, der Assistent von Green Lanternsgreenlantern154 Alter Ego Kyle Rayner, von Schwulenhassern in ein Koma geprügelt wird und der aufgebrachte Titelheld Jagd auf die Täter macht. Terrys Coming Out war zuvor ebenfalls in einem Heft thematisiert worden und hatte bei Fans zu gemischten Reaktionen geführt. Neben Lob gab es auch Leser, die ankündigten, die Serie bei Fortführung des Themas nicht mehr zu kaufen, und außerdem Vorwürfe, die Comics seien Teil einer „schwulen Agenda“. Die Mehrheit der Leser hatte aber offensichtlich nichts einzuwenden – im Gegenteil: Die Verkaufszahlen von Green Lantern stiegen zeitweilig sogar.

Auch Marvel bekam eine Menge Schlagzeilen, als man Ende 2002 ankündigte, dass man den klassischen Westernhelden Rawhide Kid in einer neuen Miniserie für das an erwachsene Leser gerichtete MAX-Label als schwul darstellen würde. Der Titel Rawhide Kid: Slap Leather und der Umstand, dass das Skript von Ron Zimmerman geschrieben wurde, einem der Autoren von Radio-Rüpel Howard Stern, verrieten von Anfang an, dass man hier die augenzwinkernde Schiene fahren wollte. Obwohl sich seit vielen Jahrzehnten niemand für Comic-Cowboys interessiert hatte, schaffte es die Meldung bis in die amerikanischen Fernsehnachrichten und wurde teils heftig debattiert. Höhepunkt war eine bizarre Diskussion in der CNN-Sendung Crossfire, in der der medienerprobte Marvel-Guru Stan Lee den Männer liebenden Echter Troublemaker: Rawhide KidRevolverhelden vor der Gift und Galle spuckenden Vertreterin der „Traditional Values Coalition“ verteidigen musste, die in bester Helen-Lovejoy-Manier darauf bestand, dass diese Comics auf Kinder abzielen würden und Teil der „homosexuellen Invasion“ wären. Der PR-Stunt war also gelungen und der Name Rawhide Kid in aller Munde. Die Comic-Geschichte selbst entpuppte sich letztendlich als vollkommen harmlose Parodie, die mit schwulen Stereotypen und Westernklischees spielte und von Zeichnerveteran John Severin ganz im Stil der alten Westerncomics der 1950er illustriert war.

Das Interessanteste an der ganzen Kontroverse ist wohl, dass man bei Marvel im Nachhinein anscheinend Angst vor der eigenen Courage bekam, denn in der 2006 erschienenen Neuausgabe des Official Handbook Of The Marvel Universe wurde Rawhide Kid wieder als heterosexueller Cowboy beschrieben, der „für eine Weile eine exzentrische Rolle angenommen hatte, offensichtlich um andere zu verwirren“. Auf jeden Fall verwirrt waren nun die Leser. Nachdem sich die Verkäufe von Slap Leather in Grenzen gehalten hatten, war man bei Marvel offenbar der Ansicht, dass die Kontroverse dem Verlag eher geschadet hatte und versuchte sich in Schadensbegrenzung. Die Furcht vor weiteren Anschuldigungen, man würde unschuldige amerikanische Kinder zur Homosexualität verführen, ging sogar soweit, dass Marvel-Chefredakteur Joe Quesada auf dem Wizard World Con in Chicago verkündete, dass fortan keine Serie mit einem homosexuellen Helden als Hauptfigur ohne Warnhinweis auf dem Cover erscheinen würde. Quesada selbst bezeichnete diese neue Regelung als „lächerlich“, ein klarer Hinweis, dass es Druck aus der Unternehmensführung des mittlerweile an der Börse erfolgreichen Verlags gab. Nach Kritik von Menschenrechtsgruppen ruderte man aber schnell wieder zurück und ließ einen Firmensprecher verkünden, dass es eine solche Regelung nie gegeben hätte.

Northstar findet eine neue Heimat bei den X-Men Es gab auch nicht wirklich Anlass, denn von einer „homosexuellen Invasion“ innerhalb der Marvel-Serien war nicht viel zu bemerken, obwohl im Gegensatz zur Vergangenheit immerhin ein paar homosexuelle Helden mehr oder weniger regelmäßig in verschiedenen Serien auftauchten. 2002 machte der damalige Uncanny X-Men-Autor Chuck Austen den zwischenzeitlich fast vergessenen Northstar zum Mitglied von Marvels populärstem Team und thematisierte dessen Homosexualität von Anfang an – jedoch in ziemlicher Holzhammer-Manier, wie sich mancher Leser beschwerte. Fairerweise muss hier bemerkt werden, dass dies aber ebenso auf die Handhabung der heterosexuellen Helden und ihrer Liebschaften in Austens Mutanten-Seifenoper zutraf. In der Neuauflage von New Mutants tauchte derweil als Nebenfigur die Mutantin Karma wieder auf, deren Homosexualität bereits in einer Ausgabe der Serie Nachwuchsmutant AnoloeX-Force angedeutet worden war und auch hier zum Thema wurde. Ebenfalls in New Mutants und der Nachfolge-Reihe New X-Men: Academy X spielte der schwule Teenager Viktor Borowski alias Anole eine Rolle. Eigentlich war laut den Autoren Christina Weir und Nunzio DiFilippis eine Geschichte geplant, in der Anole nach der negativen Reaktion seiner Eltern und besten Freunde auf sein Coming Out Selbstmord begeht, aber den Redakteuren bei Marvel war dieses Thema letztendlich doch zu heikel, die Story wurde gestrichen und Anole durfte weiterleben. In Peter Milligans und Mike Allreds satirischer Mutantenserie X-Force (später in X-Statix umbenannt) entdeckten derweil die Helden Vivisector und Phat ihre Zuneigung zueinander. Des Weiteren gab es die oben bereits erwähnten Figuren Colossus in Ultimate X-Men und Karolina Dean in Runaways.
freedomring Erst mit Freedom Ring versuchte man sich bei Marvel erneut an einer homosexuellen Hauptfigur – dieses Mal aber mit weitaus weniger Presserummel – in der Serie Marvel Team Up. Doch bereits nach fünf Ausgaben starb der neue Held auf ziemlich drastische Weise, als ihn der Schurke Iron Maniac mit Dutzenden von Stacheln durchbohrte. Ein ähnliches Schicksal widerfuhr Northstar, der in einer Ausgabe von Wolverine durch die Krallen des unter Gehirnwäsche stehenden Titelhelden starb (um später als wiederbelebter Zombie-Attentäter zurückzukehren). Diese Behandlung erregte den Unmut vieler schwuler Comicleser, die sich ihrer bekanntesten Identifikationsfigur beraubt fühlten. Unter ihnen befand sich der Filmproduzent Perry Moore (Die Chroniken von Narnia), den das Gefühl beschlich, dass homosexuellen Figuren auffallend oft ein grausames und unrühmliches Schicksal zuteil wird und sie auch allgemein überwiegend negativ gehandhabt werden. Dies veranlasste ihn, eine schriftliche Abrechnung mit dem Titel “Who Cares About the Death of a Gay Superhero Anyway?” zu verfassen, in der er minutiös die (Miss-)Behandlung von mehr als 60 lesbischen und schwulen Comicfiguren auflistet. Dort schreibt er unter anderem: „Klar, allen Menschen passieren schlimme Dinge, Homosexuelle eingeschlossen. Aber gibt es auch positive Darstellungen von homosexuellen Figuren, um die negativen auszugleichen?“ Auf Superheldencomics bezogen muss man diese Frage nach Moores Ansicht mit einem klaren Nein beantworten. Nach dem Motto „Dann mach ich’s halt selbst“ verfasste der Filmemacher daher im Folgenden den Jugendroman Hero über einen schwulen Teenager mit Superkräften.

freedomring_killed Marvel Team Up-Autor Robert Kirkman, der sich nach Freedom Rings brutalem Ableben Anschuldigungen der Homophobie ausgesetzt sah, verteidigte sich damit, dass er die Figur von Anfang an als einen unerfahrenen Helden geplant hatte, der sterben würde, und das Ganze nichts mit dessen Homosexualität zu tun hatte. Für die Enttäuschung mancher Leser zeigte er aber durchaus Verständnis: „Ehrlich gesagt, angesichts der geringen Anzahl von Schwulen in Comics und ihrer bisher meist unglücklichen Darstellung […] verstehe ich die Reaktion auf den Tod von Freedom Ring, unabhängig von meinen Beweggründen. Wenn ich die Geschichte noch einmal schreiben würde, würde ich ihn nicht umbringen. […] Ich habe 20 Prozent von Marvels schwulen Figuren ausgelöscht, indem ich nur diese eine Figur habe sterben lassen. Darüber war ich mir nicht im Klaren, während ich die Geschichte schrieb.“

Hulking und Wiccan Überwiegend Lob gab es dagegen für Allan Heinbergs 2005 gestartete Serie Young Avengers mit den homosexuellen Junghelden Wiccan und Hulkling. „Ich hatte geplant, damit während des ersten Jahrs sehr subtil umzugehen. Aber als wir wegen eines einzigen Panels mit liebevollem Geplänkel zwischen den beiden eine Menge positive Fanpost bekamen, rief ich bei Marvel an und fragte, ob wir ihre Sexualität nicht offen ansprechen könnten“, erinnert sich Heinberg. Dass es für die Serie den GLAAD (Gay & Lesbian Alliance Against Defamation) Media Award 2006 in der Kategorie „Comic Books“ gab, ließ der ansonsten nicht gerade publicity-scheue Marvel Verlag übrigens glatt unter den Tisch fallen und nicht einmal in einer kleinen Presse-Erklärung verlautbaren.

Auch bei DC gab es mittlerweile eine kleine Zahl homosexueller Figuren, die regelmäßig in diversen Comics auftauchten: Neben weiteren Auftritten von Piper, Maggie Sawyer nebst Freundin Toby Raines und dem oben erwähnten Terry Berg in Green Lantern gab es in Devin Graysons Nightwing den schwulen Polizisten Gannon Malloy, in hollyEd Brubakers Catwoman bekam Selina Kyle mit der quirligen Holly Robinson einen lesbischen Sidekick und in The Outsiders bahnte sich eine Beziehung zwischen den Heldinnen Thunder und Grace an.

Was Marvel mit Rawhide Kid erlebt hatte, widerfuhr dem Konkurrenzverlag 2006 auf fast identische Weise mit Batwoman. Die neue Version der Heldin, die einst in den 1950ern und 1960ern in den Batman-Comics aufgetaucht war, sollte nach Vorgabe des Verlags Frauen lieben – und damit zur neuerdings verstärkt angestrebten Vielfältigkeit der Bewohner des DC-Universums beitragen. Nachdem die Figur und ihre Sexualität nur kurz in einem New-York-Times-Artikel erwähnt worden war, gab es ein gewaltiges Medienecho – zu gewaltig offenbar für DCs Chefetage. Angesichts unzähliger Meldungen wie „Batwoman hero returns as a lesbian“ (BBC News), „Batwoman to come out as lesbian“ (Foxnews) und „Batwoman’s other secretbatwoman identity turns heads“ (CNN) bemerkte Chefredakteur Dan DiDio: „Es ist schon ein bisschen verrückt. Wir hatten vermutet, dass dadurch etwas Aufmerksamkeit erregt würde, aber wir sind überrascht, dass es so viel wurde.“

Batwoman hatte ihr Debüt im Folgenden zwar wie geplant in der Serie 52, aber ihre angekündigte Soloserie, die von Devin Grayson geschrieben werden sollte, wurde auf Eis gelegt. Erst über ein Jahr später, als sich der Medienrummel gelegt hatte, traute man sich, eine Batwoman-Serie bei Greg Rucka und J.H.Williams in Auftrag zu geben. Doch dann wurde auch dieses Projekt – trotz vier bereits komplettierter Hefte – auf unbestimmte Zukunft verschoben, was laut Rich Johnstons Kolumne Lying in the Gutters mit dem sich nähernden Filmstart von The Dark Knight zu tun hatte. Bei DCs Mutterkonzern Warner Bros schien man durch ein erneutes Aufbranden der Lesbische-Heldin-Kontroverse wohl Umsatzeinbußen zu befürchten.

Dass es ungefähr zur selben Zeit, als die neue Batwoman von sich reden machte, in Catwoman bereits eine lesbische Titelheldin gab (Holly Robinson, die das Kostüm der schwangeren Selina Kyle übernommen hatte), war der aufgeregten Presse dabei übrigens völlig entgangen. Eine weitere lesbische Heldin, deren Sexualität eher innerhalb der Comicszene diskutiert wurde, war Renee Montoya. Die Ex-Polizistin, die schon seit Jahren zu den Nebenfiguren der Batman-Serien gehörte, war bereits in der Serie Gotham Central vom Schurken Two-Face (und damit sozusagen gleichzeitig von Autor Greg Rucka) geoutet worden und übernahm in 52 den Mantel des Superhelden The Question von ihrem an Krebs verstorbenen Vorgänger. Als neue Question war Renee Montoya dann Hauptfigur der Miniserie Crime Bible: Five Lessons of Blood, in der auch Batwoman auftauchte. Beide Heldinnen, die offenbar eine gemeinsame Vergangenheit haben, treten aktuell außerdem in einer weiteren Miniserie, Final Crisis: Revelations, auf. In Manhunter überraschte Schreiber Marc Andreyko die Leser derweil damit, dass der neue Liebhaber einer schwulen Nebenfigur der bis dato „ungeoutete“ ehemalige JLA-Held Obsidian war.

Warum eigentlich (nicht)?


„Warum muss es Homosexualität in Comics geben?“, so die Frage eines Fans auf John Byrnes Messageboard. Die Antwort des streitbaren Künstlers folgte prompt: „Es muss Homosexuelle in Comics geben, weil es Homosexuelle im wahren Leben gibt. Das ist alles. […] Die Bevölkerung der fiktionalen Welt sollte die der realen Welt repräsentieren.“ Als der Fan seine Frage dann umformulierte in „Wie viele schwule Superhelden brauchen wir?“, lautete Byrnes schlagfertige Antwort: „Zwischen sechs und zehn Prozent.“ Doch wiecolossus2 Leserproteste und hitzige Mediendebatten beweisen, teilen einige Leute, gerade im stark puritanisch geprägten Amerika, eher die Sicht von Comicautor Chuck Dixon: „Ich erwarte nicht, dass ich meine Kinder vor dem Thema Homosexualität abschirmen kann. […] Aber ich will nicht, dass sie darüber in Comics lesen.“ Im Gegenzug wiesen mehrere Blogger darauf hin, dass Dixon aber offensichtlich kein Problem damit habe, wenn Kinder in seinen Comics mit Abtreibung, Gewalt und Heterosexualität konfrontiert werden. Die Argumentation, dass Comics letztendlich ein Medium für Kinder sind und dass Homosexualität ein für Kinder nicht geeignetes Thema ist, wird in den USA oft und gerne angeführt. Hier wundert es jedoch, dass ein Comicprofi wie Dixon sich darauf versteigt, der wissen müsste, dass Comics heutzutage sowieso größtenteils von Erwachsenen und älteren Jugendlichen gelesen werden. Und für den Fall, dass doch mal ein Kind nach der Comiclektüre seine Eltern fragt, was denn „homosexuell“ bedeute, meint Lynn Johnston, die (in Teil 1 des Artikels) bereits erwähnte Zeichnerin des Comic Strips For Better or Worse: „Ich glaube, sobald ein Kind alt genug ist, diese Frage zu formulieren, ist es alt genug für die Antwort.“ Bei der teils aggressiven Diskussion schwingt auch offenbar noch ordentlich der alte Aberglaube mit, dass schon allein die Darstellung von homosexuellen Figuren und Themen in Unterhaltungsmedien die Rezipienten, vor allem Kinder, homosexuell „machen“ könnte.

Die Ursprünge dieser Vorbehalte gegenüber Comics kann man bis in die späten 1940er zurückverfolgen, als in den USA (wie wenig später auch in Deutschland) eine Hexenjagd auf die bunten Zensuraufruf: Seduction of the InnocentHefte begann. Vertreter von Kirche und Polizei, Pädagogen und besorgte Eltern waren zu der Überzeugung gekommen, dass Comics, die damals von 90 Prozent der amerikanischen Jugend gelesen wurden, zu Kriminalität, Asozialität und Perversion führten. Ihren vorläufigen Höhepunkt fand diese Bewegung 1948 in Binghamton, New York, als Grundschüler unter den wachsamen Augen ihrer Eltern und Lehrer 2000 Comics öffentlich verbrennen mussten. Wissenschaftliche Unterstützung bekamen die militanten Moralapostel 1953 durch den Psychologen Fredric Wertham, der in seinem Bestseller Seduction of the Innocent all das bestätigte, was man zuvor schon befürchtet hatte: Comics führten zu Gewalt, Kriminalität, Rassenhass, Vergewaltigung, Faschismus – und Homosexualität, in den Augen des Psycho-Doktors eine Geisteskrankheit. Batman und Robin lebten laut Wertham den Wunschtraum eines jeden schwulen Paars und indoktrinierten damit junge Leser, Wonder Woman sah er hingegen als eine S/M-propagierende, Männer hassende Lesbe. (Interessanterweise wurde die Comic-Amazone ausgerechnet von einem Kollegen Werthams, nämlich Dr. William Moulton Marston, der auch eine frühe Version des Lügendetektors entwickelt hatte, kreiert.)

In der höchst paranoiden und von Sexualität besessenen Gesellschaft derWonder Woman: Comic-Feministin 1950er fand der Psychologe auf Kreuzzug natürlich massenhaft begeisterte Abnehmer seiner Thesen. Der Umstand, dass einige Comics auch noch wirklich Angriffsfläche für diese kruden Theorien boten, machte es nicht leichter für die Verlage sich zu verteidigen: Idealisierte männliche Heldentypen in hautenger Kleidung, die gesellschaftliche Außenseiter waren, aus verschiedenen Gründen keine heterosexuelle Beziehung führten und einen jugendlichen Sidekick im Schlepptau hatten (Batman und Robin starteten den Sidekicktrend; es folgten Green Arrow und Speedy sowie Captain America und Bucky) – mit etwas Fantasie konnte man da durchaus homoerotische Bezüge reindeuten. Aber wie Michael Bronski in seinem Artikel „Comic Relief“ anmerkt, kann man eine derartige, nicht-sexuelle Männer-Romantik überall in den mythischen Geschichten und großen Abenteuererzählungen der westlichen Kultur finden, von den Legenden um König Artur und die Ritter der Tafelrunde über Der Letzte Mohikaner, Moby Dick und Huckleberry Finn bis zu den Lethal Weapon-Filmen.

Werthams Theorien fanden damals jedenfalls großen Zuspruch in der amerikanischen Bevölkerung und Politik, und die Comicverlage schlitterten unversehens in die Rolle eines Sündenbocks für gesellschaftliche Missstände. Die Verkäufe stagnierten, und man sah sich gezwungen, die meisten Serien aus den am stärksten kritisierten Genres Horror und Mystery (Superhelden wurden damals gemeinhin als „Mystery-Men“ bezeichnet) einzustellen und stattdessen das Hauptaugenmerk auf batwoman_classicharmlos-humorvolle Teenagercomics wie Archie und Patsy Walker, lustige Tier-Strips und Western zu legen. Schließlich gründeten die Verlage als Reaktion auf das aufgeheizte Klima mit der Comics Code Authority eine eigene Zensurstelle, die fortan Comics auf anstößige Inhalte prüfte. Im Gegensatz zu Werthams Meinung erlaubte man dort Superheldencomics, solange deren Macher sich an die strikten Auflagen des Comics Code hielten, die alle moralisch anstößigen Themen untersagten – worunter damals auch Homosexualität fiel. (Im Laufe der Jahre wurde der Code immer wieder überarbeitet und abgeschwächt, bis dann 1989 sogar die Weisung hinzugefügt wurde, Minderheiten wie Homosexuelle „nicht stereotyp darzustellen“.) Um die von Wertham explizit attackierten Helden Batman und Robin aus der Schusslinie des homophoben Lynchmobs zu bringen, erdachte man bei DC damals außerdem flugs die Heldinnen Batwoman und Batgirl als passende heterosexuelle Gegenstücke. Dass nun ausgerechnet Batwoman als lesbische Superheldin zurückkehrt, wirkt somit fast wie eine späte Genugtuung der Comicmacher.

Wer will denn sowas lesen?

Während außerhalb der Comicszene also das Argument „Comics sind für Kinder und Homosexualität ist für solche ein ungeeignetes Thema“ gerne angeführt wird, geht es vielen Lesern von Superheldencomics, die dem Kindesalter längst entwachsen sind, aber offenbar eher um ein persönliches Unwohlsein beim Thema Homosexualität. Jedenfalls kann man dies aus zahlreichen Forenbeiträgen schließen. Bei gleichgeschlechtlichen Frauenbeziehungen zeigen sichSpätes Outing: DC-Held Obsidian die meisten Comicfans dann schon weit toleranter – aber das dürfte keine große Überraschung sein. Weithin bekannter Fakt ist jedenfalls, dass Superheldencomics hauptsächlich von heterosexuellen Männern zwischen 18 und 40 Jahren gelesen werden. Dass aber auch eine signifikante schwule Leserschaft existiert, wurde spätestens durch die neuen Kommunikationsmöglichkeiten des Internets in den letzten Jahren verstärkt klar. Herauszufinden, wie viele unter den (laut einer Erhebung von 2007) mehr als 90% männlichen Lesern von Superheldencomics denn nun homosexuell sind, ist natürlich ein schier unmögliches Unterfangen – außer vielleicht, man heißt Kinsey.

Aber dass es eine nicht ganz unbedeutende Minderheit schwuler Superheldencomic-Leser gibt, beweisen zahlreiche Onlineforen, mitgliederstarke Onlinecommunitys wie Gayleague.com, die sich hauptsächlich homosexuellen Figuren in Superheldencomics widmen, sowie gut besuchte Podiumsdiskussionen im Rahmen der weltweit größten Comicmesse, des San Diego Comic Con. 2008 gab es dort zum Thema allein vier Podiumsdiskussionen: „Gays in Comics“, „LGBT Portrayals in Comics“, „Emerging LGBT Voices“ und “50 Years of Gay Legion of Super-Heroes Fandom“. (LGBT steht für „lesbian, gay, bisexual & transgender“.) Und trotz der allgemein gehaltenen Titel drehten sich auch die ersten drei genannten Veranstaltungen zu großen Teilen um Superheldencomics – in den USA immer noch das auflagenstärkste und populärste Genre. Worum es den meisten der schwulen Lesern geht, betont ein Comicfan in einer Diskussion auf Comicsworthreading.com: „Homosexuelle wollen doch keine expliziten Sexszenen in ihren Superheldencomics, sie wollen nur eine ausgewogene Darstellung von Menschen in Geschichten, mit denen sie sich identifizieren können. Etwas, das für Heterosexuelle selbstverständlich ist.“

Dass auch schon vor Jahrzehnten einige Leser auf der Suche nach homosexuellen Element Lad: Ist er's oder ist er's nicht?Identifikationsfiguren waren, beweist zum Beispiel die lang anhaltende Fan-Diskussion über die Sexualität von Element Lad aus Superboy and The Legion of Superheroes in den 1970ern. Nachdem damals in einem Fanzine sogar zu lesen war, dass die Figur auch nach Ansicht des damaligen Autors Jim Shooter durchaus schwul sein könnte und die zuständigen Redakteure darauf abzielende Fragen nie verneinten, akzeptierten die Fans es als Fakt. Bis sich Paul Levitz Anfang der 1980er dann genötigt sah, dem ganzen ein Ende zu setzen und Element Lad zur Enttäuschung vieler Leser eine Freundin auf den Leib zu schreiben. Element Lads offizielle „Heterosexualisierung“ kommentierte Keith Giffen, der in den 1980ern als Zeichner zusammen mit Levitz an den LegionGeschichten arbeitete, damals so: „Es sieht aus, als ob er momentan ziemlich heterosexuell ist, obwohl mich das enttäuscht. Gerade wegen des Umstands, dass sich die Leute fragten ‚Ist er schwul, ist er nicht schwul?’ – gerade weil es so unauffällig und natürlich geschah, ohne ein Schild hochzuhalten, auf dem steht ‚Schwuler Held, schwuler Held, genau hier!’. Wenn Leute Homosexuelle in Comics natürlich darstellen würden, dann gäbe es nicht jedes Mal das große Bruhaha, wenn jemand eine Figur schreibt, die auch nur im entferntesten Sinne schwul sein könnte. Etwas, das ein natürlicher Teil einer Figur sein sollte, wird so zur Kontroverse.“

rictor_shatterstar Eine ähnlich lang anhaltende Spekulation unter Lesern gab es viele Jahre später über die beiden männlichen X-Force-Mitglieder Rictor und Shatterstar, deren besondere Art der Beziehung von verschiedenen Autoren immer wieder betont wurde. Im Fall von Green Arrow II alias Connor Hawke, der nach Meinung einiger Leser auch als homosexuell gelesen werden konnte, gab es wie schon bei Element Lad extra den ausdrücklichen Gegenbeweis innerhalb eines Comics, in dem Connor klar stellt, dass er auf Frauen steht.

Aus Fehlern lernen

Ein homosexueller Held ist auf jeden Fall auch heute noch ein ziemliches Reizthema, das in Internetforen schnell zu wüsten Verbal-Keilereien führen kann. Ganz besonders, wenn es darum geht, dass ein bereits etablierter Held nachträglich das Attribut „schwul“Renee Montoya nebst Freundin verpasst bekommt. Da rotieren dann oft auch Comicmacher wie Chuck Dixon, der sich im Fall von Rawhide Kid online vehement über die Behandlung seines Kindheitshelden beschwerte und das Ganze als billigen Marketinggag abtat. Und bei letzterem muss man Dixon wohl teilweise Recht geben: Das Konzept und die Werbung für Slap Leather basierten einzig und allein auf dem Aspekt, dass man es mit einem schwulen Cowboy zu tun hatte. Homosexualität also als eine Art von Freak-Faktor zwecks Verkaufsförderung. Hinzu kam im Fall von Rawhide Kid die Tatsache, dass es sich um einen „Retcon“ handelte, eine nachträgliche Veränderung einer Figur – und auf so etwas reagieren Kontinuität liebende Comicfans bekanntlich äußerst allergisch.

Auch im Fall von Renee Montoya und Obsidian gab es Vorwürfe, die Autoren würden einfach die Sexualität einer etablierten Figur nach Belieben umschreiben. „Es war nicht meine Entscheidung, sie homosexuell zu machen – die Figur war es einfach für mich“, erklärte Greg Rucka CBR News seine Gründe, Renee Montoya zu „outen“. „Es war für mich vom ersten Moment an klar. Andere Leute schrieben sie als hetero, und jedes Mal, wenn ich das las, empfand ich es als Tarnung.“ Und Marc Andreyko, der für seine Serie Manhunter einen schwulen Superhelden als Liebhaber für eine Nebenfigur, den Anwalt Damon Matthews, eingeplant hatte, betonte in einem Interview mit dem Onlinemagazin Pulse, dass er keine Figur als schwul schreiben wolle, wenn es sich nicht echt und nachvollziehbar anfühle. Obsidian wählte er aus, weil dieser in vorangegangenen Geschichten nie Glück mit Frauen gehabt hatte und Autor Gerard Jones bereits Jahre zuvor in Justice League America Zweifel bezüglich dessen Heterosexualität gestreut hatte. „Wenn man sich seine Geschichte anschaut, scheint Homosexualität durchaus logisch. Würde jetzt aber jemand Wolverine als obsidian_kiss2schwul schreiben, wäre das eine falsche Charakterisierung und einfach schlechtes Erzählen“, so Andreyko. „Die Redakteure und ich waren uns einig, dass die Homosexualität keine ‚große Sache’ für die Figur sein sollte. […] Wir waren der Meinung, es wäre nett und realistisch, einen ziemlich normalen Typen zu haben, der einfach schwul ist und kein Problem damit hat.“

Diesen Vorsatz schienen auch Ed Brubaker und Allan Heinberg gefasst zu haben, die für ihre Darstellung von Holly Robinson und ihrer Freundin Karon in Catwoman bzw. von Wiccan und Hulkling in Young Avengers beide viel Lob von allen Seiten bekamen. Heinberg, dessen Young Avengers sich durchaus auch an jugendliche Lesercatwoman richtet, bekam sogar Fanpost von Eltern, die es begrüßten, wie die Sexualität der jungen Helden gehandhabt wurde. „Es ist eine viel größere Sorge für diese Jugendlichen, ihre Eltern könnten entdecken, dass sie Superhelden sind, als dass sie herausfinden, dass sie schwul sind“, erklärt Heinberg seine Herangehensweise. Dies passt gut zu dem Wunsch, den ein Comicleser in einer Onlinediskussion über schwule Superhelden formulierte: „Zeigt, dass sie wie alle anderen sind. Stellt sie wie Nightwing dar. Stellt sie wie Flash dar. Stellt sie wie Kyle Rayner [Green Lantern] dar. Mit dem einzigen Unterschied, dass sie sich für Männer interessieren.“ Und ein anderer Fan fügte hinzu: „Keinen schwulen Superhelden, sondern einen Superhelden, der zufällig schwul ist.“

Auf eine ausgewogene und realistische Darstellung homosexueller Figuren, die sich weder auf stereotype Weise hauptsächlich über ihre sexuelle Orientierung definieren, noch für Schockeffekte und Betroffenheitsdramen missbraucht werden, würden sich wahrscheinlich auch viele heterosexuelle Leser einlassen. Denn wühlt man sich durch die zahlreichen jüngeren Forendiskussionen zum Thema, dann fällt auf, dass dort nur eine lautstarke Minderheit strikt ungewillt ist, homosexuelle Comic-Helden an sich zu akzeptieren. Die Mehrheit bemängelt weniger die Existenz derartiger Figuren, sondern eher Sensationshascherei à la Rawhide Kid und eindimensionale Klischee-Helden und Geschichten. Wie weit dies jetzt für die Gesamtheit der Leser spricht, bleibt natürlich unklar, aber es ist einwiccan_hulking2 Anhaltspunkt für die Verlage, worauf in Zukunft zu achten ist. Bei DC jedenfalls betont man seit einer Weile, dass man in den verlagseigenen Comics allgemein eine größere Diversität der Figuren anstrebt. Und wie Redakteur Bob Schreck auf dem San Diego Comic Con 2008 verkündete, gibt es sogar die Anweisung aus der Chefetage, in diesem Rahmen auch das Thema Homosexualität „geschmackvoll und einfühlsam“ zu adressieren.

Es wird interessant sein zu sehen, ob die Verantwortlichen aus der teils ziemlich holprigen Handhabung homosexueller Protagonisten in der Vergangenheit gelernt haben und zukünftig Autoren an das Thema ranlassen, die in der Lage sind, schwule Mutanten und lesbische Verbrecherschrecks überzeugend zu schreiben und nicht in die üblichen Klischeefallen tapsen. Ein paar viel versprechende Schritte sind in dieser Hinsicht ja bereits gemacht worden. Den passenden Ton hat Warren Ellis jedenfalls schon vorgegeben. Auf die Frage, ob Apollo und Midnighter denn nun wirklich schwul seien, reagierte er nämlich ganz lapidar mit: „Ja, es stimmt. Apollo und Midnighter sind ein Paar. Na und?“

Bilder © Marvel, DC

Dieser zweiteilige Artikel wurde mit dem Sonderpreis des Felix-Rexhausen-Preises 2009 (Medienpreis des Bundes Lesbischer und Schwuler JournalistInnen BLSJ) ausgezeichnet.

 Begründung der Jury:
Außer Ralph Königs Knollennasen und Batman-und-Robin-Homo-Erotik gibt es noch weitaus mehr Gleichgeschlechtliches im Genre der immer beliebter werdenden Bildergeschichten zu entdecken. Diese Erkenntnis hat die Jury Andreas Völlinger zu verdanken. In seinen beiden Online-Artikeln „Schwule Hasen und echte Mädels“ und „Voll schwule Superhelden“ liefert er eine detailreiche und – nach Kenntnis der Jury – die erste umfassende Bestandsaufnahme von „Homosexualität in Comics“. Kenntnisreich und akribisch listet Völlinger schwule und lesbische Charaktere auf, die in japanischen Mangas, Underground-Comics oder Klassikern, wie den Watchmen zu finden sind. Bemerkenswert und nicht ohne Überraschungen ist seine Beschreibung der Rezeptionsgeschichte: Wie gehen Leserinnen, Leser und Verlage mit den lesbischen und schwulen Geschichten und Figuren um?
Die beiden Artikel richten sich in erster Linie an ein Fachpublikum. Trotzdem ist die Jury von Völlingers detaillierter Ausarbeitung so beeindruckt, dass sie ihn mit dem Sonderpreis 2009 ehrt.
Andreas Völlingers Studie, hinter der die Begeisterung des Autors für sein Thema nicht zu überlesen ist, bietet eine hervorragende Referenzquelle mit enzyklopädischem Charakter, nicht zuletzt für Journalisten. Und genau das würde sich die Jury wünschen, dass Völlingers kleine Pionierarbeit einem breiteren Publikum zugänglich gemacht wird.



Drei Schatten

Cover Drei SchattenDer kleine Joachim führt mit seinen Eltern ein Leben voller Idylle. Die kleine Familie lebt in einem kleinen Häuschen, umgeben von Natur. Die Geschichte von Drei Schatten spielt in einer nicht näher definierten Welt, die an Märchen und Volkssagen erinnert. Ihr Ausgangspunkt ist das Eindringen von drei dunklen Gestalten in das Familienidyll.

Joachim entdeckt eines Tages drei Reiter schemenhaft am Horizont, die langsam näher kommen und ihm Angst machen. Am ersten Tag verschwinden sie bald wieder, kehren aber regelmäßig zurück. Schon bald wird klar: Die drei sind gekommen, um Joachim zu holen.

Beispielseite aus Drei SchattenWas anfänglich wie eine klassische Fantasy-Genre-Geschichte beginnt, konzentriert sich schon bald auf die Frage, wie die Eltern mit dem drohenden Verlust ihres Sohnes umgehen. Während die Mutter Rat bei einer alten Wahrsagerin sucht, leugnet der Vater die Gefahr und will sie nicht wahrhaben. Schließlich verlässt er sein Heim und begibt sich mit seinem Sohn auf die Flucht. Diese Flucht führt die beiden auf ein großes Schiff, mit dem sie auf die andere Seite eines nicht näher definierten Gewässers übersetzen wollen, um dort vor der Gefahr sicher zu sein. Doch Sicherheit gibt es dort nicht, und die Flucht endet schließlich mit einem übermenschlichen Aufopferungsakt des Vaters. Auf diesen dramatischen Höhepunkt folgt eine abschließende Coda, die gleichzeitig todtraurig und tröstlich, melancholisch und wunderschön ist.

Drei Schatten wurde im letzten Jahr als einer von fünf „essentiellen“ Comics auf dem Festival von Agoulême ausgezeichnet. Sein Schöpfer Cyril Pedrosa hatte zuvor als Animator für Disney-Zeichentrickfilme gearbeitet und die Albenserie Ring Circus von David Chauvel (deutsch bei Salleck) gezeichnet. In Drei Schatten erinnern zwar die Charakterdesigns an Trickfilme, doch ist Pedrosas Zeichenstil hier deutlich individueller und weniger gefällig. Er verzichtet auf Farbe und lotet dafür die zahlreichen Möglichkeiten von Schwarz und Weiß aus. Von sehr hellen bis ganz finsteren Seiten, von fein ziselierten Linien bis zu grob aufs Papier gehauenen Kreidestrichen reicht Pedrosas Bandbreite. Der Künstler spielt virtuos auf der Klaviatur der Emotionen, die man mit zeichnerischen Mitteln herstellen kann. Am stärksten ist Drei Schatten immer dann, wenn Gefühle, Stimmungen und Atmosphäre vermittelt werden.

Beispielseite aus Drei SchattenErzählerisch wirkt der Band stellenweise etwas unentschlossen. Man kann sich vorstellen, dass zu Beginn der Arbeit kein fertiges Skript bereit lag und sich die Handlung erst im Laufe der Zeit entwickelte. Die Episode auf dem Schiff, die sehr breiten Raum in der Erzählung einnimmt, hat am Ende keine allzu zentrale Bedeutung für die Geschichte und die Nebenfiguren dieses Kapitels verschwinden ebenso schnell wieder, wie sie aufgetaucht sind. Doch spätestens der überaus gelungene Schluss lässt den Leser diese Schwächen vergessen. Aus einer banalen Abenteuergeschichte in einer fantastischen Welt ist eine anrührende Allegorie über den Verlust geliebter Menschen geworden.


Drei Schatten
Reprodukt, Juni 2008
Text und Zeichnungen: Cyril Pedrosa
272 Seiten, Softcover, s/w; 20,- Euro
ISBN: 978-3938511954

Leseprobe

Ein Familienmärchen mit Tiefgang

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Abbildungen Drei Schatten © Cyril Pedrosa, für die dt. Ausgabe 2008 Reprodukt

The King

Cover The KingDer Name Rich Koslowski dürfte in Deutschland weitgehend unbekannt sein, dabei ist er in den USA seit Jahren eine feste, wenn auch nicht besonders prominente Größe als Animator, Comiczeichner und -autor. Neben Arbeiten für Archie Comics, Marvel und der selbst erschaffenen Comedyserie Three Geeks, für die er 2003 den Ignatz-Preis erhielt, kreierte Koslowski auch mehrere Graphic Novels – eine davon gibt es jetzt auch auf Deutsch.

In The King geht es um einen geheimnisvollen Sänger, der sich The King nennt und im Jahr 2005 in Las Vegas vor ausverkauftem Haus als wieder auferstandener Elvis Presley gefeiert und als „Gott des Gesangs“ quasi-religiös verehrt wird. Die Hauptfigur des Comics ist jedoch Paul Erfurt, ein Zeitungsreporter auf dem absteigenden Ast. In den Siebzigern und Achtzigern hatte er für ein Revolverblatt süffige Geschichten zum Thema „Elvis lebt“ geschrieben, inzwischen will er ein seriöser Journalist sein. Jetzt ist er nach Las Vegas gekommen, um sich dem selbsternannten King zu widmen. Er will herausfinden, wer sich hinter dem Sänger, der mit einer Maske auftritt, verbirgt. Könnte es sich tatsächlich um Elvis Aaron Presley handeln?

Elvis Presley ist ja, vor allem in Amerika, weit mehr als nur ein Popstar von früher, er ist eine Legende, eine Ikone. Rich Koslowski erzählt, welche Art von Beziehungen verschiedene Menschen zu solchen Ikonen aufbauen. In The King geschieht das, indem wir an Erfurts Recherchen teilhaben. Er interviewt nicht nur den King (dessen Aussagen stets sehr nebulös bleiben), sondern vor allem die Mitglieder seiner Entourage: Leibwächter, Bedienstete, Groupies. Sie erzählen dem Reporter ihre Lebensgeschichten, und so wird The King eine Geschichte, die auf mehreren Ebenen funktioniert: Ähnlich wie in einem Krimi begleiten wir den Reporter beim Lösen eines Puzzles, es geht aber auch um Mythos und Glauben in der Popkultur und darum, wie diese Mythen leben retten oder zerstören können.

Und nicht zuletzt ist The King eine Charakterstudie, die von Menschen und ihrem Kampf mit dem Alltag erzählt. Da gibt es melancholische und bittere Momente und einen hochdramatischen Höhepunkt, auf den die Geschichte zusteuert, es gibt aber auch etliche warmherzige und humorvolle Szenen, die dafür sorgen, dass der Stoff nicht allzu schwer wird. Auf seiner Homepage bezeichnet sich Rich Koslowski augenzwinkernd als „Comic Book Legend“ sowie als „Writer, Artist, Genius“. Das muss man so nicht unterschreiben – in jedem Fall ist Koslowski ein sehr talentierter Erzähler mit einem guten Gespür für Dramaturgie und Timing, der es versteht, verschiedenste Typen glaubwürdig zum Leben zu erwecken. Dabei hilft ihm sein markanter Zeichenstil (in schwarz-weiß mit Blautönen als zusätzliches Schattierungselement), der jeder Figur einen ganz eigenen Wiedererkennungswert gibt.

Die deutsche Ausgabe bei Edition 52 erscheint in einem kleinformatigen, dicken Taschenbuch, guter Übersetzung und einem kleinen Anhang mit Skizzen und Anmerkungen. Ein Bestseller wird sie wohl nicht werden – Koslowskis Thema ist schon sehr in der amerikanischen Gesellschaft verhaftet. Man muss aber auf keinen Fall Elvis-Fan sein, um The King genießen zu können. Es reicht völlig aus, wenn man gerne gut erzählte Geschichten abseits der gängigen Genre-Konventionen liest.

The King
Edition 52, Mai 2008
Text und Zeichnungen: Rich Koslowski
226 Seiten; 17,- Euro
ISBN: 978-3935229593

Ungewöhnlicher Stoff, hervorragend erzählt

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The King © Rich Koslowski, der dt. Ausgabe 2008: Edition 52

Schwule Hasen und echte Mädels – Homosexualität in Comics Teil 1

 Update 03.08.2009:
Dieser zweiteilige Artikel hat den Sonderpreis des Felix-Rexhausen-Preises (Medienpreis des Bundes Lesbischer und Schwuler JournalistInnen (BLSJ)) 2009 gewonnen!

Wem zum Thema „Homosexualität in Comics“ nur Ralf Königs Knubbelnasen einfallen, wird staunen, was es noch alles gibt: Der folgende Artikel bietet im ersten Teil eine Übersicht über schwule und lesbische Figuren und Geschichten in Comic Strips, Mainstream- und Indiecomics – von den Anfängen in der Undergroundszene bis heute.
Auch dem in Deutschland noch recht jungen Phänomen der Boys-Love- und Yuri-Manga gehen wir auf den Grund und haben dazu zusätzlich Vertreter der Verlage Carlsen und EMA befragt.


Alpha Flight 106Man staunte bei Marvel Comics nicht schlecht, als im Jahr 1992 die Erstauflage der Nummer 106 von Alpha Flight, einer eher mittelmäßig laufenden Serie um ein kanadisches Superheldenteam, innerhalb einer Woche komplett über den Ladentisch ging. Der Grund war schnell ausgemacht: In besagtem Heft verkündet der Held Northstar nämlich seinem Gegner und der Leserschaft inmitten eines Kampfes: „I am gay.“ (Dass der Grund für die erhöhte Nachfrage nicht die überragende Qualität der Geschichte und Zeichnungen gewesen sein konnte, offenbart ein Blick in besagtes Heft …) Wie Autor Scott Lobdell später bemerkte, war man bei Marvel im ersten Moment ziemlich überrascht über das große Interesse an dieser Coming-Out-Story, die viel Beachtung in den Medien fand. „Es gab eine zweite Auflage, noch einmal 60.000 Exemplare, eine Woche nach der Erstveröffentlichung“, erinnert sich Lobdell. „Das waren insgesamt 120.000 Exemplare von einem Comic, von dem man damals sogar locker die siebenfache Menge hätte verkaufen können. Das Heft war überall ausverkauft und es gab internationale Berichterstattung. Wenn jemand bei Marvel geahnt hätte, dass man es mit einem solchen Phänomen zu tun hat, hätte man sicher im Voraus viel mehr Hefte gedruckt. Aber wir wussten es nicht, wir dachten es wäre für niemanden außer Alpha Flight-Fans interessant.“

Offenbar interessierte ein schwuler Comic-Held aber eine ganze Menge Leute. Er war schließlich ein ausgesprochenes Novum, vor allem im puritanisch geprägten Amerika, wo sich die meisten Comickünstler bei der Darstellung homosexueller Figuren bis dahin auf mehr oder minder explizite Andeutungen beschränkt hatten. (Mehr zum äußerst ergiebigen Thema „Homosexuelle Superhelden“ gibt es in Teil 2 dieses Artikels.)

Mehr oder weniger zaghafte Pioniere – Die Anfänge

Die ersten homosexuellen Comicfiguren waren laut David Applegates Artikel „Coming Out in the Comic Strips“ bereits in den 1930ern in Milton Caniffs TerryTerry and the Pirates and the Pirates zu finden. Mit dem Verbrecherboss Papa Pyzon und der französischen Offizierin Sanjak hatte Carniff die erste schwule bzw. lesbische Comicfigur geschaffen, was den damaligen Lesern aber größtenteils völlig entging. „Der Gedanke an jedwede Art sexueller Abweichung von der Norm kam den Menschen damals einfach nicht in den Sinn“, erklärte Caniff später in einem Interview im Comic Journal. Die diversen Andeutungen wurden einfach pinkertonüberlesen und der Künstler beließ es dabei. „Zu dieser Zeit hätte nur die Hälfte der Leserschaft das Wort ‚Lesbe’ verstanden und die andere Hälfte hätte daran Anstoß genommen.“ Auch 30 Jahre später hatte sich an dieser vorsichtigen Haltung nicht viel geändert: Unter den Figuren in der 2.Weltkrieg-Serie Sgt. Fury and his Howling Commandos gab es laut Autor Stan Lee auch einen schwulen britischen Offizier. „Wir machten daraus keine große Sache“, so Lee, was de facto dazu führte, dass so gut wie nichts darauf hinwies, dass die Figur schwul war – außer ihrem exzentrischen Benehmen und vielleicht dem Namen, mit dem sich Lee selbst übertroffen hatte: Percival „Pinky“ Pinkerton. Vielleicht sollte man angesichts dessen einfach dankbar sein, dass er es dabei beließ.

Eine offen homosexuelle Comicfigur wäre damals von der Comics Code Authority (CCA), dem 1954 gegründeten Selbstkontrollorgan der Comicverlage, auch gar nicht zugelassen worden. (Mehr zum Comics Code in Teil 2 des Artikels.) Keine Mitglieder der CCA – und damit von deren Regeln ausgenommen – waren aber diewimmenscomix in den 1970ern zahlreich aus dem Boden schießenden Kleinverlage. Und so konnte 1972 in der ersten Ausgabe der Anthologie Wimmen’s Comix mit „Sandy Comes Out“ von Trina Robbins die erste Comicgeschichte mit einer offen lesbischen Figur erscheinen. 1974 brachte Mary Wings dann mit Come Out Comix das erste Comic-Heft auf den Markt, das sich ausschließlich um lesbische Frauen drehte, zwei Jahre später folgte mit (dem hoffentlich ironisch betitelten) Gay Heartthrobs der erste an schwule Männer gerichtete Comic. Ab 1980 erschien unter dem schnörkellosen Titel Gay Comix (später in Gay Comics umbenannt – irgendwann war man die alternative x-Endung doch leid) die wohl wichtigste und erfolgsreichste Anthologiereihe für schwule und lesbische Comickünstler in den USA, die bis 1998 lief.

Aber auch die Leser vieler Tageszeitungen, die mit Underground-Comics nichts am Hut hatten, wurden 1976 mit einer homosexuellen Comicfigur konfrontiert: dem Studenten Andy Lippincott in Gary Trudeaus Mark Slackmeyerpopulärer Comicstrip-Reihe Doonesbury. Dutzende von Tageszeitungen in denen die Reihe erschien, weigerten sich damals die Strips, in denen das Thema Homosexualität behandelt wurde, abzudrucken. Viel Aufmerksamkeit wurde Doonesbury zuteil, als die Figur Andy 1990 mit Aids diagnostiziert wurde und Trudeau dessen Kampf mit der Krankheit thematisierte. Mit dem Radiomoderator Mark Slackmeyer und dem Politiker Chase Talbot bereicherte Trudeau seine Serie später noch um ein homosexuelles Paar.

In Deutschland machte sich derweil Ralf König mit schwulen Knubbelnasenfiguren und einem präzisen Blick auf Beziehungsgeflechte seit den späten 1980ern auch unter heterosexuellen Lesern eine Menge Freunde und landete spätestens 1994 mit der Verfilmung seines ersten Comic-Bestsellers Der Bewegte Mann endgültig im Mainstream. Mittlerweile sind bei den Verlagen Rowohlt, Männerschwarm und Carlsen mehr als zwei Dutzend König-Comicbände erschienen und erfreuen sich auch im europäischen Ausland großer Beliebtheit – wobei sichComing Out in For Better Or Worse König nunmehr nicht auf schwule Figuren beschränkt, sondern sich für Hempels Sofa erstmals einer heterosexuellen Protagonistin angenommen hat. Eine schwule Nebenfigur ist aber natürlich ebenfalls dabei. Auf der anderen Seite des großen Teichs war man auch Mitte der 1990er offensichtlich noch nicht so weit, homosexuelle Comicfiguren wirklich ins Herz zu schließen. Als die kanadische Zeichnerin Lynn Johnston, deren Strip For Better or Worse seit 1979 in vielen amerikanischen Zeitungen erscheinen, 1993 das Coming Out einer Figur zum Thema machte, gab es neben Lob auch zahlreiche Beschwerden bei den Zeitungsredaktionen, Abonnementskündigungen und Hassbriefe an die Künstlerin. Über 100 Zeitungen, vor allem in ländlichen Gegenden, druckten Ersatz-Strips oder verabschiedeten sich komplett von For Better or Worse.

Lesbische Terroristinnen und schwule Exorzisten – Die 90er bis heute

Besser sah es für Howard Cruse und seine Graphic Novel Stuck Rubber Baby (auf Deutsch als Am Stuck Ruber BabyRande des Himmels bei Carlsen erschienen) von 1995 aus – wohl nicht zuletzt, weil die meisten Leser wussten, was sie erwartete. Für seine in den Südstaaten zur Zeit der schwarzen Bürgerrechtsbewegung angesiedelten Geschichte, in der sich der weiße Hauptprotagonist mit seiner Homosexualität und dem ihm eingeimpften Rassismus auseinandersetzen muss, gab es einige Preise und Nominierungen sowie enthusiastisches Lob von illustren Kollegen wie Scott McCloud und Harvey Pekar. Noch mehr Aufmerksamkeit bekam aber fünf Jahre später Judd Winicks Pedro and Me, in dem der Künstler die autobiografische Geschichte seiner Freundschaft zu Pedro Zamora erzählt, mit dem er für die MTV-Serie Real Life in eine Fernseh-WG gezogen war. Winicks einfühlsame und selbstironische Auseinandersetzung mit der Homosexualität und HIV-Erkrankung seines Freundes brachte ihm neben einer Nominierung für den Eisner-Award auch die – für Comicmacher recht seltene – Ehre ein, dass sein Werk in die Lehrpläne zahlreicherTough Love amerikanischer Schulen aufgenommen wurde. Ebenfalls Lob für die Darstellung einer homosexuellen Figur bekam die von Jan van Meter geschriebene und von verschiedenen Künstlern gezeichnete Indie-Reihe Hopeless Savages, in der aus dem nicht alltäglichen Leben zweier ehemaliger Punkrockstars und ihrer Kinder, darunter ein schwuler Sohn, erzählt wird. Homosexuelle Figuren gehören außerdem zur Stammbesetzung des kanadischen Kult-Comics Scott Pilgrim und der lang laufenden und viel gepriesenen Serie Love & Rockets der Brüder Jaime und Gilbert Hernandez (Auf Deutsch erschienen bisher fünf Sammelbände bei Reprodukt). An jugendliche Leser richtet sich Abby Densons im minimalistisch-ansprechenden Indie-Stil gezeichneter Comic Tough Love: Highschool Confidental, in dem es um das problemreiche Coming Out eines Teenagers geht.

Illustration von Tom Bouden Im Comicland Belgien recht populär ist der Zeichner Tom Bouden, der sich durch einen sympathischen, an Herges Tim & Struppi erinnernden Linie Claire-Stil auszeichnet. Boudens Bandbreite reicht von der einfühlsam-humorvollen Coming-Out-Story eines schwulen Jugendlichen (Max & Sven) bis zu erotischen Geschichten (In Bed with David & Jonathan und Queerville, auf Englisch beim Bruno Gmünder Verlag erschien). Für seine modernisierte Comic-Fassung von Oscar Wildes The Importance of Being Earnest, in der die Rollen der beiden jungen Frauen mit Männern besetzt sind, bekam Boulden den renommierten Prix Saint-Michel in der Kategorie „Bester Belgischer Comic“. Ebenfalls mit einem angesehenen Preis bedacht wurde die Arbeit des Franzosen Fabrice Neaud, der seit 1994 ein gezeichnetes Tagebuch über sein Leben als homosexueller Künstler in einer französischen Kleinstadt führt. Bisher sind unter dem Titel Journal vier Bände mit insgesamt knapp 800 Seiten Comics erschienen unddevlin_waugh 1997 gab es dafür den in seiner Heimatstadt Angoulême verliehenen Alph’art. Neauds Landsmann Hugues Barthe folgt in seinen Alben Dans La Peau d’un Jeune Homo und der Fortsetzung Le Marais zwar dem Weg einer fiktiven Figur, aber hat sich für die Erlebnisse des jungen homosexuellen Hugo von seinen eigenen Erfahrungen und denen seiner Freunde inspirieren lassen. Mit dem ersten Band hat er dabei so etwas wie eine unterhaltsame Anleitung zu Selbstakzeptanz und Coming Out für junge Homosexuelle geschaffen. In eine völlig andere Kategorie fällt der unkonventionelle schwule Actionheld, mit dem die Briten John Smith und Sean Phillips die Comic-Landschaft bereits 1992 bereicherten: Devlin Waugh, ein muskelbepackter und humorvoller Exorzist, der von da an regelmäßig in den Reihen 2000AD und Judge Dredd auftrat und schnell zum Leserfavoriten wurde.

Hase und Steffen Das wohl drolligste schwule Comicpaar findet man hingegen seit einigen Jahren in der deutschen Comiclandschaft vor: Den namenlosen Hasen und seinen Karnickelfreund Steffen aus Naomi Fearns Zuckerfisch-Strip, der wöchentlich in der Stuttgarter Zeitung erscheint und auch in Form mehrerer Sammelbände beim Zwerchfell Verlag zu haben ist. Das knuddelige Duo läßt wahrscheinlich selbst noch den zynischsten Homophobiker dahinschmelzen. Ebenfalls in die humorige Richtung gehen die David-Comics, in denen der Kölner Zeichner Swen Marcel augenzwinkernd die Schwulenszene aufs Korn nimmt. Bisher sind vier Bände erschienen. Der Berliner Künstler tiló alias Thilo Krapp hat sich hingegen das Abenteuergenre für die Serie um sein schwules Protagonistenpaar Damian & Alexander ausgesucht. Der erste Band mit dem Titel „Der Grüne Jaguar“ wurde im Epsilon Verlag veröffentlicht.

Über die Jahre ist in den USA eine relativ großecavalcade homosexuelle Indie-Comicszene herangewachsen. Zahlreiche offen schwule und lesbische Künstler kreieren Comics, die hauptsächlich, aber nicht ausschließlich, auf homosexuelle Leser abzielen. Paradebeispiele sind Tim Fish mit seinen witzig-romantischen Cavalcade of Boys-Comics und der von ihm redaktionell betreuten Anthologie Young Bottoms in Love oder Diane DiMassa mit ihrem anarchistischen Hothead Paisan: Homicidal Lesbian Terrorist. Ebenso gibt es eine Reihe von Comic Strips, die speziell in schwulen und lesbischen Zeitungen und Magazinen oder online erscheinen, wie Curbside von Robert Kirby (der auch die Anthologie Boy Trouble herausgibt), Jane’s World von Paige Braddock, The Mostly Unfabulous Social Life of Ethan Green von Eric Orner, Chelsea Boys von Glen Hanson und Allan Neuwirth, Kyle’s Bed & Breakfast von Greg Fox, Adam & Andy von James Asal (erschien mehrere Jahre in deutscher Übersetzung bei Comicgate) und Allison Bechdels seit 1983 laufender Strip Dykes to Watch Out For – auf Deutsch in bisher sechs Sammelbänden beim Daphne-Verlag veröffentlicht. (Eine Linkliste zu allen Onlinestrips folgt am Ende des Artikels.)

Allison Bechdel machte sich in den letzten Jahren auch international mit dem autobiografischen Comic Fun Home (auf Deutsch bei Kiepenheuer & Witsch) einen Namen, in der sie sich mit der versteckten Homosexualität ihres Vaters auseinander setzt. Das likewise Time Magazin nannte die Comicerzählung „das beste Buch des Jahres“ und den Eisner Award gab es obendrein auch noch. Auch Ariel Schrag nutzte ihr eigenes Leben als Vorlage für die vier Comicbücher Awkward, Definition, Potential und Likewise, in denen sie auf witzige und entwaffnend ehrliche Art ihre Erlebnisse in der neunten bis zwölften Klasse schildert – inklusive der Erkenntnis, dass sie Frauen liebt, ihrer ersten Beziehung mit einem Mädchen und dem ersten Sex. Das Besondere an diesen Comic-Chroniken ist, dass sie nicht rückblickend, sondern während der Schulzeit entstanden, jeweils in den Sommerferien nach Abschluss des Schuljahrs. Für Potential, den dritten Band, gab es eine Eisner-Award-Nominierung und eine Produktionsfirma sicherte sich die Filmrechte. Eher fantastisch und stark manga-inspiriert kommt dagegen Lea Hernandez’ Clockwork Angels daher, ein Mix aus viktorianischer Steampunk-Science Fiction und übernatürlicher Dämonenfantasy mit dem weiblichen Liebespaar Temperance und Amelia in der Hauptrolle. Laut Autor Warren Ellis, der das Vorwort schrieb, ein Comic für „echte Mädels“.

Männerliebe auf Japanisch – für Frauen

In Japan haben Comics mit homoerotischem Inhalt eine Tradition, die bis in die frühen 1970er zurückgeht. Mit der Kurzgeschichte Juichigatsu no Gymnasium (November Gymnasium) der Zeichnerin Moto Hagio erschien 1971 der erste Manga, der die Liebe zwischen zwei Jungen thematisierte. Mit Thomas no Shinzou (The Heart of Thomas) widmete sie dem Thema dannRin! drei Jahre später einen kompletten Mangaband. Da derartige Geschichten bei jungen japanischen Frauen äußerst gut ankamen, folgten weitere Manga und mehrere Manga-Magazine wie z.B. June, die sich dem Thema Männerliebe widmeten. Es entwickelte sich ein ganzes Genre – oder sogar zwei? In westlichen Ländern unterscheidet man nämlich oft zwischen Shonen-Ai (auch „Shounen-Ai“ geschrieben) und Yaoi. Bei ersterem stehen idealisierte, romantische Beziehungen zwischen jungen Männern im Mittelpunkt – meist mit eher wenigen sexuellen Elementen, die oft nur auf Andeutungen beschränkt sind. „In ‚softeren’ Boys-Love-Stories wie Only the Ringfinger Knows oder Rin! geht es weniger um Sex als darum, wie die Charaktere schier unmögliche äußere Umstände meistern, um zusammenzukommen – also dass Liebe eben im romantischen Sinne Grenzen sprengen und überwinden kann“, erklärt Carlsens Manga-Programmleiter Kai Steffen Schwarz. Weitere in Deutschland bekannte Shonen-Ai-Titel sind beispielsweise Gravitation, Loveless, Zetsuai, Das Demian-Syndrom, New York New York und Küss Mich, Student.

In Yaoi-Manga wie Kizuna, Bronze, yellow_pageDesire oder Love Mode geht es hingegen weitaus expliziter zur Sache. Die Unterscheidung in Shonen-Ai und Yaoi wird aber wie gesagt nur in westlichen Ländern vorgenommen (wenn auch die Verwendung nicht wirklich einheitlich ist und oft wohl eher zu Verwirrung führt). In Japan steht der Begriff Yaoi eigentlich für Fangeschichten, in denen bekannte männliche Figuren aus Manga und Anime homosexuelle und oft deftig-pornografische Abenteuer erleben; die Bezeichnung Shonen-Ai bezieht sich in Japan nur auf Mangas mit jungen Protagonisten und wird mittlerweile kaum noch verwendet. Stattdessen gilt mittlerweile für alle Comics, die Beziehungen unter zwei Männern zum Thema haben und an eine weibliche Leserschaft gerichtet sind, der Sammelbegriff „Boys Love“ (oft als „BL“ abgekürzt). Weitere hierzulande populäre Titel aus der Veröffentlichungsflut an BL-Manga, die teils weit oben in den Verkaufscharts mitmischen, sind Fake, Kleiner Schmetterling, Ohne Viele Worte, Color, Yellow, Wild Rock, Traumboyz, Verliebter Tyrann, Gib Mir Mehr, Junjo Romantica, Innocent Bird und Electric Hands.

In den USA verkaufen sich BL-Manga mittlerweile soStupid Story von Anna Hollmann gut, dass die dortigen Verlage neben japanischen Übersetzungen seit einer Weile auch englischsprachige Eigenproduktionen auf den Markt bringen. Ähnlich verhält es sich in Deutschland. So erscheint bei EMA die Serie Musouka von Diana Liesaus, bei Carlsen Killing Iago von Zofia Garden und Tokyopop veröffentlicht Stupid Story von Anna Hollmann; letzterer wurde als einer der bestverkauften nationalen Manga für den Sondermann-Preis 2008 der Frankfurter Buchmesse nominiert.

Die kleineren Verlage The Wildside und Fireangels haben sich gar hauptsächlich auf Yaoi- und Shonen-Ai-Geschichten spezialisiert. Bei The Wildside erschien bisher neben mehreren BL-Manga von italienischen und spanischen Künstlerinnen auch der Band Lost and Found aus der Feder der deutschen Mangaka Zombiesmile. Fireangels veröffentlicht unter anderem die deutschen BL-Anthologien Lemon Law und Lime Law und den zweibändigen Manga K-A-E 29th Secret von Martina Peters sowie Apokryphum von Susette Bätz.

Frauen, die Männer mögen, die Männer mögen?

Bleibt die Frage: Was fasziniert das überwiegend weibliche Publikum so an diesem Genre? Damit haben sich bereits zahlreiche Journalisten und Musouka von Diana Liesaussogar eine Reihe Sozial- und Literaturwissenschaftler in Studien beschäftigt. Tamara Kastl von EMA fasst ein paar der am meisten verbreiteten Annahmen zusammen: „Viele Leserinnen befinden sich in der Pubertät und tasten sich langsam an Sexualität und Gefühle heran. Die Shonen Ai-Mangas sind meist sehr romantisch und ansprechend gezeichnet, was die jungen Leserinnen natürlich anspricht. Vor allem befinden sie sich außerhalb jeglicher Konkurrenz oder Eifersucht gegenüber weiblichen Charakteren. Darüber hinaus sind die Verhältnisse in den dargestellten Beziehungen zwischen Männern durchaus mit denen einer heterosexuellen Beziehung zu vergleichen. Man darf nicht vergessen, dass Shonen Ai-Mangas selten die Realität schwuler Pärchen darstellen.“ Eine stereotype Rollenverteilung in „Seme“ (männlicher, aggressiver Part) und „Uke“ (eher femininer Part), stilisierte, oft geradezu androgyn gezeichnete Männerkörper und recht realitätsferne Geschichten kennzeichnen die meisten, wenn auch nicht alle, Boys Love-Manga.

Gerade diese unrealistischen Elemente scheinen bei vielen BL-Leserinnen einen großen Teil der Faszination an dem Genre auszumachen. Nach Kai-Steffen Schwarz’ Ansicht sind es oft „hochgradig absurde und selbstironische Boys-Love-Szenarien“, die den Leserinnen besonders viel Spaß bereiten. Außerdem verweist er noch auf den „Boygroup-Effekt“: „Es gibt immer gleich mehrere Jungs als Charaktere, mit unterschiedlichen Haarfarben, Charakterzügen, Rollenverteilungen und so weiter – mindestens ein ‚toller Typ für jeden Geschmack’ wird sich in den Geschichten also mit Sicherheit finden.“

Japanischer Gei-comiUngeachtet der Tatsache, dass Boys- Love-Manga überwiegend von weiblichen Künstlern für ein weibliches Publikum gezeichnet werden und in den meisten Fällen weder realistisch sind noch sein wollen, werden sie durchaus auch von schwulen männlichen Lesern gekauft. Die Leserschaft von BL-Manga besteht in Japan laut unterschiedlichen Schätzungen zu 75 bis 85 Prozent aus Mädchen und jungen Frauen. Den Rest machen männliche Leser aus, sowohl hetero- als auch homosexuelle. „Wir gehen davon aus, dass es sich in Deutschland ähnlich verhält, haben aber keine genauen Zahlen dazu“, so EMAs Tamara Kastl. „Wir werden durchaus auf Messen auch von männlichen Lesern angesprochen und erhalten auch in letzter Zeit vermehrt Anfragen von Magazinen, Webportalen etc. der homosexuellen Szene.“ Auch Britta Harms, Carlsens Redakteurin für Shoujo & Boys Love bestätigt, dass es in Deutschland eine gewisse Anzahl von Männern gibt, die Boys Love lesen, betont aber, dass hierzulande, wie auch in Japan, weiterhin ganz klar junge Frauen die Hauptzielgruppe für Boys Love seien.

Anders verhält es sich in Italien, wo schwule Männer nahezu die Hälfte der BL-Leserschaft ausmachen. In Japan gibt es für schwule Mangafans, die sich mit dem Stil und der Darstellung homosexueller Beziehungen in BL-Manga nicht anfreunden können, hingegen speziell an sie gerichtete „Gei-comi“, auch „Bara“ genannt.

Der weibliche Gegenpart: Yuri

Ungefähr zur selben Zeit, als in Japan das Boys- Erster Yuri: Shiroi Heya no FutariLove-Genre aus der Taufe gehoben wurde, entstand auch das weibliche Gegenstück. 1971 erschien mit Shiroi Heya no Futari von Ryoko Yamagishi auch der erste Manga, der eine lesbische Beziehung thematisierte. Die tragisch endende Liebesgeschichte zweier grundverschiedener Schülerinnen auf einem französischen Internat wurde schematische Vorlage für viele folgende Manga mit lesbischen Inhalten, für die später der Sammelbegriff „Yuri“ gewählt wurde. Erst in den 1990ern wurde das typische Yuri-Schema „Gegensätzliche Figuren + Unglückliche Liebe = Tragisches Ende“ durchbrochen und Frauenpaaren mehr Glück zugestanden. Beispielsweise tauchte in der berühmt-berüchtigten Bestsellerserie Sailor Moon mit den Figuren Michiru und Haruka alias Sailor Neptune und Sailor Uranus ein positiv dargestelltes lesbisches Paar auf.

Den Erfolg und die große Akzeptanz von Boys Love-Manga erreichten Yuri-Comics zwar nicht, aber vor allem in den letzten Jahren wurde eine Reihe von Manga mit Yuri als zentralem Element veröffentlicht. 2003 erschien mit Yuri Shimai außerdem zum ersten Mal einecomic_yuri_hime Magazin-Anthologie zum Thema, die 2005 durch die Reihe Comic Yuri Hime ersetzt wurde. Mehrere dort veröffentlichte Fortsetzungsgeschichten wie First Love Sisters und Voiceful sind als Sammelbände auch auf dem US-Markt erschienen. Auf Deutsch sind bisher nur wenige spezielle Yuri-Titel zu finden, unter anderem Blue von Kiriko Nananan (Verlag Schreiber & Leser), Between the Sheets von Erica Sakurazawa (Tokyopop) und die humorige Erotik-Fantasy Miyuki-Chan im Wunderland vom Künstlerkollektiv CLAMP (Carlsen). Und noch 2008 will sich EMA mit Chi-Rans Girl’s Love – Shojo Bigaku an die Veröffentlichung seines ersten Yuri-Manga wagen. Außerdem gibt es bei Carlsen die freizügigen SF-Manga Chirality und Ragnarock City von Satoshi Urusihara, die sich aber eher an ein männliches Publikum richten – Urusiharas Beiname „Herr der Brüste“ sagt schon alles. Laut Kai-Steffen Schwarz sei man im Verlag dem Yuri-Genre gegenüber durchaus aufgeschlossen, aber noch auf der Suche nach passenden Inhalten für das Verlagsprogramm. Ein deutsches Yuri-Magazin namens Lily erscheint ab September 2008 beim Fireangels Verlag.

Obwohl Yuri ursprünglich in Shojo-Manga für Mädchen auftauchte, findet man Yuri-Elemente heutzutage allgemein in vielen an Jungen gerichteten Shonen-Serien, z.B. in Burst Angel oder Magister Negi Magi. Auffallend dabei: Während man allgemein akzeptiert und kaum hinterfragt, dass sich viele männliche Leser bei der Mangalektüre gerne von lesbischer Erotik antörnen lassen, wird der Umstand, dass Mädchen und Frauen Interesse an Manga über Männerliebe haben, zu einem besonderen Phänomen gekürt, das man in zahlreichen Artikeln und sogar einigen wissenschaftlichen Studien zu ergründen sucht. Dabei liegt die Erklärung laut Carlsen-Redakteurin Britta Harms auf der Hand: „Ich persönlich denke, dass es faszinierend für Frauen ist, sich zwei gut aussehende Männer in einer Liebessituation vorzustellen. Ähnlich wie die Vorstellung von zwei Frauen für Männer schön ist.“

Auch wenn man sich über die Darstellung gleichgeschlechtlicher Beziehungen in Manga wohl vortrefflich streiten kann, muss man festhalten, dass sie hier ein im Comicmedium bisher nie da gewesenes Forum gefunden haben. Ganz anders verhält es sich mit dem US-amerikanischen Superheldengenre – mehr dazu im zweiten Teil des Artikels.

Links

Comic Strips:
Adam & Andy
Chelsea Boys
Doonesbury
Dykes to Watch Out For
For Better Or Worse
Jane’s World
Kyle’s Bed & Breakfast
Zuckerfisch

Künstler-Seiten:
Abby Denson
Ariel Schrag
Diane DiMassa
Howard Cruse
Hugues Barthe
Judd Winick
Ralf König

Robert Kirby
Swen Marcel
Thilo Krapp
Tim Fish
Tom Bouden

Ein guter Anlaufpunkt, um mehr über homosexuelle Künstler und ihre Comics in den USA zu erfahren, ist die Homepage der gemeinnützigen Organisation Prism Comics, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Comics mit lesbischen, schwulen, bi- und transsexuellen Figuren und Themen, deren Künstler und Leser zu unterstützen: http://prismcomics.org

Bilder © DC, Marvel, IDW, Roberta Gregory, Gary Trudeau, Lynn Johnston Productions, Tom Bouden, Tim Fish, Ariel Schrag, Naomi Fearn, Manic D Press, Rebellion Developments, Carlsen, Tokyopop, EMA, Aqua Comics, Shueisha, Ichijinsha

Ein neues Land

Cover Ein neues LandEin Mann verlässt die Familienidylle, verstaut ein Erinnerungsfoto sicher in seinem Koffer und verabschiedet sich rührend von Frau und Kind, die er zurücklässt. Zuerst in einem Zug, dann mittels Schiff macht er sich auf den Weg in ein neues Land; offenbar soll dieses neue Hoffnung und Sicherheit für die zunächst in der Heimat verweilende Familie liefern, denn die Heimat sieht sich der Bedrohung von bezackten Tentakeln ausgesetzt, die ihre Schatten über die Städte werfen. Am Zielort angekommen muss der Mann, wie die anderen Einreisenden auch, Einreiseformalitäten über sich ergehen lassen, bevor er sich auf die Suche nach Unterkunft und Arbeit machen kann.

Seite aus Ein neues LandEs fällt schwer, sich in der neuen Welt zu akklimatisieren, schließlich ist sie von allerlei komischen Viechern bevölkert, die sich die Menschen dort als Haustiere halten, zudem erweist sich die Kommunikation als äußerst schwer, da der Mann die heimische Sprache und die allerorts vertretenen Symboliken nicht verstehen kann und sich deshalb mit Hilfe von Gesten und Bildsprache verständigen muss. Technisch fortschrittlich ist sie, diese neue Welt, aber für den Neuankömmling völlig ungewohnt, die eindrucksvolle Architektur der großen Industrieanlagen vermischt sich mit einer geschwungenen, organisch anmutenden Landschaft. Es ist eine Fantasiewelt, in die er versucht sich einzuleben. Die Geschichten andere Menschen konfrontieren den Mann mit Schicksalen, die seinem ähneln; als Wichtigstes gilt aber stets das Ziel, wieder mit seiner Familie vereint zu sein.

Seite aus Ein neues LandMit Ein neues Land legt der australische Künstler Shaun Tan ein äußerst liebevoll gestaltetes Buch vor. Von Carlsen als „Graphic Novel“ betitelt, ist es ein Werk, das irgendwo zwischen Bilderbuch und Comic wandelt. Tans Geschichte wird in direkt aufeinanderfolgenden Paneln erzählt, die Sequenzen laufen jedoch völlig ohne Worte ab und weisen eine nicht immer eindeutige Kohärenz auf. So beginnt das Buch mit einer Seite, auf der in neun kleinen Bildern jeweils ein Gegenstand aus der Wohnung des Protagonisten gezeigt wird. Hier zeigt sich deutlich, dass der Künstler nicht auf jeder Seite beabsichtigt, ein fortlaufendes Geschehen abzubilden, sondern auch den Stillstand porträtieren wollte, um den Leser einen Eindruck von bestimmten Situationen zu vermitteln. Als stilprägend für Ein neues Land entpuppt sich zudem die Variation zwischen linearem Geschehen, das meist in eher kleinen Bildern erscheint, und den ganzseitigen Zeichnungen, die oftmals die imposante Umgebung zeigen. Es sind die ruhigen Momente, die den Leser zum Verweilen einladen, auch wenn die Geschichte mal nicht vorankommt. Eine Doppelseite beschäftigt sich zum Beispiel mit einer mannigfaltigen Wolkenformation, die der Mann aus der Kabine eines Schiffes betrachtet. Das ist in diesem Maß sicher ungewöhnlich für den Betrachter, aber Shaun Tans Werk ist geradezu gespickt mit solch bezaubernden Momenten. Es ist wie ein modernes Märchen, in dem ein unbedarfter, normaler Mensch ein fabelhaftes und neues Land betritt. Tans fotorealistischer Zeichenstil, seine mit Graphitstift entstandenen Bilder sind einfach äußerst gut gelungen – gerade im Bereich der Mimik, was in einem wortlosen Comic mitunter von hoher Bedeutung sein kann, glänzt seine Arbeit.

Seite aus Ein neues LandEin neues Land ist eine verschlüsselte Hommage an die Geschichte der Migration. Inspiriert von realen Erfahrungsberichten verarbeitet Tan die Widrigkeiten der Anpassung in der neuen Heimat ebenso wie die Beweggründe der Emigrierten für die Ausreise. Durch die Begegnung mit Leidensgenossen lässt der Autor seine Hauptfigur über die eigene Identität als Zuwanderer und die Chance des Neuanfangs und der Integration klar werden.

Dieser grafische Roman ist so ungewöhnlich wie empfehlenswert. Das zu investierende Geld ist nicht leicht zu verschmerzen, aber man muss ehrlicherweise sagen, dass auch die äußere Erscheinung sehr luxuriös im großformatigen Hardcover, geprägten Cover und Lesebändchen daherkommt. Ein Prachtband fürs Regal also.

 

Ein neues Land
Carlsen Comics, Juli 2008
Text und Zeichnungen: Shaun Tan
128 Seiten, Hardcover; 29,90 Euro
ISBN: 978-3-551-73431-0

wunderschön und edel

 

 

 

 

 

 

 

 

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Abbildungen © Shaun Tan; der dt. Ausgabe: Carlsen Comics 2008

 

 

Comicmovie Datenbank: Wanted

 Es ist der Sommer der Comic-Blockbuster. Diese Woche steht uns die nächste Verfilmung eines Comics ins Haus. Bei Wanted haben sich die Filmemacher allerdings große Freiheiten erlaubt – der Actionfilm ist eine eher lose Adaption von Mark Millars Miniserie aus dem Jahr 2004. Worum es geht und was den Film von seiner Vorlage unterscheidet, klären wir in der Comicmovie Datenbank.
Zusätzlich verlosen wir zum Filmstart einen USB-Stick sowie drei Wanted-T-Shirts.

25.09.: Das Gewinnspiel ist beendet und die Gewinner ausgelost …

Worum ging es nochmal in der Comicvorlage? Was haben Comic und FIlm gemeinsam? Warum sind die Unterschiede so groß? Und was hält Mark Millar davon? Hier geht’s zum Artikel.

DAS WANTED-GEWINNSPIEL
Wanted USB-Stick Wanted T-ShirtIn Kooperation mit Way to Blue verlosen wir einen Wanted-USB-Stick und drei Wanted-T-Shirts. Schreibt bis zum 20.9.2008 eine Mail an wanted (at) comicgate.de und beantwortet folgende Frage:

In der Comicvorlage von Mark Millar und J.G. Jones hat die Hauptfigur Wesley große Ähnlichkeit mit einem amerikanischen Popstar (der auch kurzzeitig für die Filmrolle im Gespräch war). Um welchen Popstar handelt es sich?


Das Gewinnspiel ist beendet!
Die richtige Lösung lautet Eminem, gewonnen haben:
Anjuk aus Kiel, Markus aus Stuttgart, Marko aus Mainz und Babett aus Potsdam.

WANTED-CLIPS
Wer sich ein paar Ausschnitte aus Wanted ansehen will, sollte auf die folgenden Links klicken. Diese zeigen drei besonders actiongeladene Szenen und bieten einen Eindruck vom besonderen visuellen Stil des Wanted-Films.

Autostunt: groß | mittel | klein
Dachsprung: groß | mittel | klein
Fliegen: groß | mittel | klein
(Zum Ansehen ist der QuickTime-Player erforderlich)

Politix: Asterix und Politik

Politix: Asterix und Politik“Ganz Gallien ist besetzt. Ganz Gallien? Nein. Ein kleines gallisches Dorf …“
An diesem ersten Satz und den sich daraus entwickelnden Geschichten erfreuten und erfreuen sich noch immer Millionen von Lesern rund um die Welt. Sie folgen den Geschichten von Asterix und Obelix, reisen mit ihren Helden in fremde Länder und lösen die Probleme des kleinen gallischen Dorfes. Meist sind diese Probleme mit ein bisschen Zaubertrank und etwas Geschick zu lösen. Doch was würde passieren, wenn Miraculix, der Druide, nicht mehr in der Lage wäre, den Zaubertrank herzustellen? Würde das Dorf von Asterix, wie wir es kennen, zusammenbrechen? Diese und andere Fragen bezüglich der politischen Lage in Goscinnys und Uderzos gallischem Paralleluniversum stellt sich der finnische Autor und Politologe Keijo Karjalainen in seinem Buch Politix: Asterix und Politik.

Bereits im letzten Jahr hat man sich beim Saxa-Verlag freundlicherweise dazu entschieden, Keijo Karjalainens Politiikkaa Asterixin Maailmassa auch für ein deutsches Publikum zugänglich zu machen. Durch das sehr ansprechende Format und die simple, aber dadurch keineswegs weniger überzeugende Aufmachung des Buches spricht sofort an. Ganz im Stile deutscher Donaldisten bewegt sich der finnische Politologe, der derzeit im Außenministerium seines Heimatlandes arbeitet, auf populärwissenschaftlichem Parkett und gibt dabei teils interessante und teils lustige Einblicke in die politische Welt von Asterix' Gallien.

Noch bevor man aber auf die spannenden Fragen von Karjalainen näher eingehen kann, stößt man zunächst im Vorwort auf einige entschuldigende Worte des Autors, der keineswegs eine „'ernsthafte' Untersuchung“ anstrebt. Für ein solches Vorhaben sollte man sich nicht entschuldigen müssen, sondern es konsequent mit geisteswissenschaftler Reife vollziehen. Dies gelingt Herrn Karjalainen nur bedingt: So kommt der Autor zwar gut ohne „literaturwissenschaftliche Untersuchung“ aus, doch dies stellt den Leser vor das Problem sich ohne Inhaltsverzeichnis durch jedes Kapitel und Unterkapitel, die nicht also solche gekennzeichnet sind, zu durchwühlen, um entsprechende Stellen zu finden.

Ähnlich ungeordnet wirkt auch das Ende von Politix, an dem sich der interessierte Leser einen Index gewünscht hätte, in dem zumindest alle besprochenen Asterix-Alben mit entsprechenden Seitenzahlen aufgelistet sind. Stattdessen ist der Band mit sinnlosen Auflistungen und Schaubildern versehen, die den Leser über die Freizeitaktivitäten der Dorfbewohner oder das Lieblingsessen von Obelix aufklären. Die Welt der Politik und die Welt des Genusses sollten strikt getrennt bleiben; das gilt auch bei Asterix.

Abgesehen von einer zu bemängelnden Unübersichtlichkeit und einer etwas holperigen Sprache, die vielleicht auch durch die Übersetzung aus dem Finnischen zustande gekommen sein mag, liest sich das Buch, wie versprochen, interessant für Insider und Neulinge. Eine sehr schön an den Comics herausgearbeitete Gliederung in Exekutive, Legislative und Judikative, wobei letztere etwas zu kurz kommt, gibt zunächst einen Überblick über die politische Lage im Dorf: Zu diesem Zweck erstellt Karjalainen an Fallbeispielen die Wichtigkeit der Figuren Majestix, Asterix und Miraculix. So ist es nur durch diese Machtkonstellation möglich, die Stabilität, nach der stets im Dorf von Asterix gestrebt wird, zu erhalten. Mitten in dieser Diskussion stellt Karjalainen die These auf, dass außer Miraculix noch ein weiterer Dorfbewohner mit dem Rezept des Zaubertranks betraut wurde, um so das Geheimnis zu sichern. Wer diese Person ist, sei natürlich vor Lektüre von Politix nicht verraten.

Es sind diese Art von semiwissenschatlichen Spekulationen, welche die Donaldisten groß gemacht haben, und auch Karjalainen beherrscht die Kunst des intelligenten Vermutens, die er geschickt für sich einsetzt: Er stellt Fragen, die jedem Asterix-Leser schlaflose Nächte bereiten und versucht, manchmal mit einem Augenzwinkern, manchmal bitterernst, einleuchtende Antworten auf die Mysterien in der Welt von Asterix und Obelix zu geben:

“Weshalb hat Methusalix' Frau keinen Namen?“
“Wozu werden Hinkelsteine gebraucht?“
“Was steckt hinter dem Mysterium der Seeräuber?“

Die zweite Hälfte des Buches nimmt eine Untersuchung der Außenpolitik des Dorfs ein, das Karjalainen zunächst als souveränen Staat etabliert, um anschließend dessen Beziehungen zu Freund und Feind außerhalb der hölzernen Mauern zu klären. In diesen Passagen wirkt der Autor etwas ernster als zuvor und diskutiert über moralische Fragen in Bezug auf die Benutzung des Zaubertranks, den er in unserer Welt mit einer Atombombe gleichsetzt.

Wie bereits in der ersten Hälfte des Buches gelingt es dem Autor, das Thema mit dem nötigen Ernst zu beginnen und es mit einer gehörigen Prise Humor abzurunden: So verkündet er, dass es in Ordnung gehe, auch andere als Römer zu verprügeln. Auch wenn wir zu diesem weisen Schluss alleine gekommen wären, bietet Keijo Karjalainen, trotz kleiner formaler Schwächen, dem Leser ein informiertes Buch über Goscinnys und Uderzos Held Asterix, das die nötige Portion Humor im Hinblick auf diese fiktionale Welt nicht vermissen lässt.

Politix: Asterix und Politik
Saxa-Verlag, 2007
Text: Keijo Karjalainen; Übersetzung: Katja Zöllner
Paperback; 160 Seiten; 9,90 Euro
ISBN 978-3-939060-08-6

Spannende Populärwissenschaft mit kleinen Schwächen

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Bildquelle: saxa-verlag.de

Der Kri-Ticker #68

 Auch die 68. Ausgabe unserer Rubrik mit Kurzbesprechungen ist wieder eine wilde Mischung: 15 Comics stellen wir vor – neue und nicht so neue, bunte und schwarzweiße, Indie und Mainstream, deutsche und amerikanische, französische und niederländische, tolle und nicht ganz so tolle.

Diesmal mit dabei: Fernanda's Fabulous Life, Comicspaß mit Wallace & Gromit 1, Rampokan 1, Unheimlich Asiatisch 1, Daredevil 1: Der Teufel in Zellenblock D, Panel 27, Ballroom Blitz, Den Herrn Schnabulak sein kleiner Ratgeber für den Weltuntergang, The Red Star 3, Sandman 4, Action Sorgenkind, Desmodus der Vampir und die Hundeschutzgesellschaft, Monsterjägerin Conny van Ehlsing 1, Pjöngjang und Der Hartmut kennd sich auß.

Besprochen von Christopher Bünte (cb), Benjamin Vogt (bv) und Thomas Kögel (tk).



FERNANDA'S FABULOUS LIFE
Edition 52
 Jule K. ist sicherlich eine der Künstlerinnen, mit der nicht jeder Leser direkt etwas anzufangen weiß. Ihr spezieller Stil des Comiczeichnens und -erzählens ist mit keiner artverwandten Herangehensweise zu vergleichen. Ein Comic von Jule K., das bedeutet viel Kitsch, Pop-Art, Punk, bewusste Naivität. Sie unterlegt ihre Geschichten mit einem ironischen Unterton, und da, siehe ihr jüngstes Werk Fernanda's Fabulous Life, sie so lebensnah gestaltet sind, muss man dahinter stets einen kleinen Seitenhieb auf das soziale Zusammenleben und der gesellschaftlichen Struktur vermuten. Der neue Comicband handelt von einer Künstlerin, die es dank eines Stipendiums aufs Land verschlägt, wo sie Freundschaft, Liebe, Sex und Kunst aus neuen Blickwinkeln erlebt und lernt, gegen Hindernisse anzukämpfen. Die Erzählung um Fernanda ist, bei aller realer Grundidee, natürlich völlig hanebüchen, deshalb ist sie aber auch umso mehr mit einem Augenzwinkern zu verstehen. Hölzerne Klischeedialoge, die direkt einer Bravo-Foto-Lovestory entsprungen sein könnten, transportieren ein überbordendes Pop-Art-Feeling, das sich weiterhin in den simplen, symbolreichen Zeichnungen fortsetzt. Ob man das nun gut findet oder nicht, auch der neue Band von Jule K. setzt ihren Stil konsequent fort. Und hinter der sehr einfach gestrickten Fassade verbirgt sich so manche Ironie und Einzigartigkeit., die man eben als solche akzeptieren muss, um diese Art Comics zu mögen. bv 

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COMICSPASS MIT WALLACE & GROMIT 1
Cross Cult
 Es gibt Comics, die braucht kein Mensch. Und genau zu diesem Fazit muss man gelangen, wenn man sich das erste Album der Comicversion von Wallace & Gromit zu Gemüte führt. Der Hobby-Erfinder Wallace und sein Hund Gromit sind ursprünglich im Trickfilm beheimatet, wo sie seit Ende der 80er aufgrund ihrer tollen Knetmännchen-Optik und ihres einzigartigen Humors zum Kult avancierten.  Jetzt hat Cross Cult also eine Reihe gestartet, die dem bekannten Trickfilmpaar gewidmet ist. Aber leider kann die Comicadaption von Ian Rimmer und Brian Williamson an keiner Stelle der Vorlage gerecht werden. Die Geschichte um die Manipulation eines Fußballspiels lässt jeglichen Charme vermissen, der die Charaktere ursprünglich ausmachte, die als witzig gedachten Szenen ringen einem wohl nur schwer ein müdes Lächeln ab und auch die Zeichnungen sind so schlicht gehalten, dass man sich fragt, warum so ein unterdurchschnittlicher Comic, der überhaupt nur veröffentlicht wird, weil er auf einem in einem anderen Medium funktionierenden Konzept beruht, in einen Hardcovereinband gepresst wird.  Natürlich muss man bedenken, dass hier vor allem Kinder angesprochen werden sollen, was man inhaltlich und grafisch auch sofort bemerkt, aber sorry, welches Kind sollte dieser vermeintliche „Comicspaß“ hinter dem Ofen hervorlocken? bv

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RAMPOKAN 1: JAVA
Avant-Verlag
 Kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges dauert der Konflikt über Niederländisch-Ostindien weiter an. Während Nationalisten auf eine souveräne Republik drängen, bestehen die niederländischen Kolonisten weiterhin auf ihre Stellung als Machthaber. 1946 werden niederländische Soldaten ins Gebiet geschickt, um Kontrolle auszuüben und die Interessen ihres Heimatlandes zu gewährleisten. Einer von ihnen ist Johan Knevel, der nach fünfjährigem Studium ins sein Geburtsland zurückkehrt.
Rampokan ist ein historischer Comicroman, dessen Entstehung sich über sieben Jahre zog. Der erste Teil „Java“, der jetzt in deutscher Sprache vorliegt, ist eine beeindruckende und tiefgreifende Erzählung, die vor einem zuvor nur selten behandelten Szenario spielt. Mit Hilfe des Hauptakteurs wird die Zerrissenheit, der Argwohn der Bevölkerung von Niederländisch-Ostindien deutlich, wodurch der stets präsente Konflikt erkennbar wird. Peter van Dongens Werk ist historisch gut recherchiert, seine Zeichnungen kommen mit weißer und brauner Farbe aus und erinnern stark an den Ligne-Claire-Stil eines Hergé. Insgesamt beeindruckend, da hat sich die lange Entwicklungszeit gelohnt. bv 

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UNHEIMLICH ASIATISCH 1
Lovecrafts/Edition 52
 Mit Unheimlich – Lovecraftian Horror haben Alex Fechner und Miguel Riveros eine Heftreihe mit Horrorkurzgeschichten gestartet. Neben dieser Reihe gibt es nun auch noch eine Art Spin-Off: Unter dem Titel Unheimlich Asiatisch gibt es Kurzcomics, die im weitesten Sinne im Mangastil gezeichnet sind. Den Auftakt macht ein knackiger Sechsseiter von Andreas Völlinger und David Füleki, bei dem sich der Horror zum Schluss in einer Comedypointe bricht. In der Heftmitte gibt es ein paar vernachlässigenswerte Pin-Ups, ehe sich dann unvermittelt die Leserichtung ändert. Beim Durchblättern landet man plötzlich auf der letzten Seite der Geschichte von Fahr Sindram, die in japanischer Leserichtung gezeichnet ist. Wobei diese Story rückwärts gelesen auch nicht viel verwirrender wäre als andersherum. Das recht chaotische Abenteuer zweier verrückter Monsterjäger ist zwar nicht besonders gruselig, aber sehr schön anzusehen. Denn zeichnerisch punktet Fahr Sindram mit viel Dynamik und einer großen Liebe zum Detail. Klares Highlight des Heftes ist ein Beitrag, der nicht besonders „mangaesk“ daherkommt. Er stammt vom Hamburger Künstler -TeER- und heißt „Rückkehr der Hirnwürmer“. Grandios in einem ganz eigenständigen Stil gezeichnet, surreal und verstörend, düster und unbehaglich. Schade nur, dass ausgerechnet dieser Beitrag von einer unschönen Werbeseite unterbrochen wird. Gesamteindruck: Solide, mit Luft nach oben. Der günstige Verkaufspreis von 4 Euro lohnt sich aber allein schon für den Comic von -TeER-. tk

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DAREDEVIL 1: DER TEUFEL IN ZELLENBLOCK D
Panini Comics / Marvel Deutschland
 So unterhaltsam und gut erzählt muss Superheldenstoff sein. Mit einer neu gestarteten Paperback-Reihe setzt Panini die reguläre US-Serie  Daredevil nahtlos fort (die zuvor in „Marvel Exklusiv“ ihren Platz fand), und markiert damit auch die Übernahme durch das neue Kreativteam Ed Brubaker und Michael Lark. Die beiden setzen direkt am Status Quo an, den Brian Bendis und Alex Maleev die Jahre zuvor kongenial aufgebaut hatten, d.h. Matt Murdock (alias Daredevil) sitzt im Gefängnis und muss zusehen wie sein Leben Stück für Stück zerstört wird. Selten war Daredevil spannender als in diesem Band, wobei die Qualität und die Atmosphäre der Serie, die ohnehin unter Bendis und Maleev schon sehr beeindruckend waren, beinahe noch getoppt wird. Brubaker und Lark liefern einen äußerst guten Einstand ab mit diesem Mehrteiler. Gerade wegen der Neunummerierung der deutschen Ausgabe ist dieser Band recht einsteigerfreundlich, jedoch sollte man unbedingt auch die vorherige Entwicklung nachlesen. Es wird sich auf jeden Fall lohnen. bv 

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PANEL 27
Edition Panel
 Das Bremer Comicmagazin Panel- Ambixious Comix ist einfach nicht totzukriegen, und das ist auch gut so. Nächstes Jahr feiert es sogar sein 20jähriges Bestehen. Die aktuelle Ausgabe 27 vereint wie gewohnt diverse Stilrichtungen, wobei altbekannte Gesichter (z.B. Rauti, Calle Claus, Elke Steiner) und neue Talente wie Johannes Kalden und Derek Roczen sich abwechseln. Ohnehin ist Kaldens surrealer Einstand einer der für mich gelungensten Beiträge, der nur noch von Georg von Westphalens Schluss „Der Affe Gottes“ (ein Affe philosophiert über die Entstehung der Menschheit) übertroffen wird. Aufgrund der Vielfalt der vertretenen Künstler dürfte aber wieder für jeden was dabei sein. Die Extraseiten mit den Comicstrips, sowie die Rezensionsabteilung muss man auch nicht vermissen, was wohltuende Unterbrechung verschafft. So darf Panel auch gerne noch 20 Jahre weiter machen. bv

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BALLROOM BLITZ
Schwarzer Turm
 Die Anthologien, die beim Manga-Label des Verlags Schwarzer Turm erscheinen, sind eigentlich immer einen Blick wert, findet man dort doch stets eine sehr kreative Mischung unterschiedlichster Stile, die man im weitesten Sinne als Independent-Manga bezeichnen könnte und deutlich mehr bieten als stumpfes Imitieren der gängigen japanischen Mainstream-Stilistiken. Noch einen Tick mehr Indie als die übrigen Turm-Anthologien ist Ballroom Blitz, mit dem Herausgeberin Carolin Walch „endlich mal gute deutsche Manga gebündelt in einem Buch herausbringen“ wollte. Das übergreifende Thema der Sammlung ist Musik, und jeder der neun Beiträge beschäftigt sich auf seine ganz eigene Weise damit. Julian Czerwinka zum Beispiel erzählt eine melancholische Geschichte rund um ein „Mixtape“, und wie ein Mixtape fühlt sich Ballroom Blitz auch an. Ein Mixtape, das von Rock über Punk bis zu Electronica eine breite Palette von Sounds enthält, aber auf glatten Radio-Mainstream-Pop verzichtet. Wer die Beatles mag, kommt gleich zweimal auf seine Kosten: In Nadia Enis' „One Night in Hamburg“, einer schönen Hommage an die größte Popband aller Zeiten und in dem Beitrag „No Love Lost“ von Romina Walch – einer Teenie-Romanze, in einem Stil gezeichnet, der ein bisschen an Klaus Voormanns LP-Cover zu „Revolver“ erinnert. Gleich mehrere der beteiligten KünstlerInnen nennen in ihren Anmerkungen Bryan Lee O'Malley und seinen großartigen Comic Scott Pilgrim als Vorbild – was sich in ihren Beiträgen auch niederschlägt. Das Buch hat aber auch Platz für surreale Experimental-Grafik von Jean Beißel (die auch das Cover gestaltet hat) und für einen Gastbeitrag von Mawil, der sich unter dem genialen Pseudonym „Wilma“ erstmals an einer Geschichte in japanischer Leserichtung versucht. Die Beiträge sind so verschieden, dass niemand alle lieben wird. Doch aufgeschlossene Leser werden auf dieser Tour durch den deutschen Manga-Underground mit Sicherheit die eine oder andere Perle finden. tk

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DEN HERRN SCHNABULAK SEIN KLEINER RATGEBER FÜR DEN WELTUNTERGANG
Schnabuladenfabrik
 Herr Schnabulak betritt den Saal und begrüßt sein Publikum. Thema der heutigen Sitzung: Grundlagenforschung am gesprochenen Wort. Linguistische Litanei? Wie langweilig… Ein Stöhnen geht durch die Reihen, ein großer Irrtum, wie sich bald herausstellen wird. Wir erinnern uns: „Humor ist eine sehr ernste Angelegenheit.“ (Loriot) Das weiß auch Herr Schnabulak, der gesichtlose Herr mit dem rotem Zylinder, der schon in verschiedenen Zeitschriften sein Unwesen trieb und jetzt gebündelt als Büchlein im Eigenverlag des Autors Denis Metz erschien. Die Abenteuer des Herrn Schnabulak ereignen sich jeweils auf einer Seite, manchmal in einem, manchmal in mehreren Panels. Sie sind gleichermaßen skurril und phantastisch, oft kaum mehr als fein illustrierte, gut überlegte Wortwitze. Da wird das Internet zum Zwischennetz, da hilft der Hirnlappen beim Kloputz, und Zebras fordern Bürgerstreifen. Langweilige Lektüre? Mitnichten. Herr Schnabulak liegt ein Stück abseits des Weges, ignoriert Konventionen und spielt herum. Er ist Jux und Dollerei, ein erfrischender und angenehm leichter Lesespaß. cb

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THE RED STAR 3: GEFÄNGNIS DER SEELEN
Cross Cult
 Was sich in den ersten beiden Bänden anbahnte, findet im dritten Album sein Ende. Wir kennen den Krieg, wir kennen die Akteure, der Weg ist also bereitet für das Finale des ersten Red Star-Zyklus. Es geht um einen epischen Konflikt zwischen den futuristischen Truppen einer sowjet-affinen Zivilisation und Diktator Imbohl, der eine östliche Wüstenarmee befehligt. Maya Antares macht sich als Befehlshaberin des Raumschiffes R.S.S. Konstantinow auf den Weg ins Reich der Toten, wo sich die Seelen der Gefallenen versammelt vorfinden, darunter auch die ihres Ehemannes Marcus.
The Red Star ist und bleibt großes, pathetisches Kino, das in in aufwendiger 3D-Optik daherkommt. Die teils computergenerierte Optik passt einfach zum hoch technisierten Luftkampf, der in Band 3 breit dargelegt wird. Neben Schlachtszenen läuft eine Art Parallelhandlung ab, in der es um Liebe, Ehre und Loyalität geht. Bereits etablierte Charaktere machen diese Fortsetzung (und gleichzeitiges Ende des ersten Zyklus) gefühlsnaher und verständlicher für den Leser, aber machen die Handlung nicht zwingend einfacher. Christian Gossetts Werk ist innovativ und komplex, mit viel Krieg und High-Tech versetzt bleibt die Serie aber weiterhin speziell und dürfte nicht jedermanns Geschmack treffen. Wer sich bisher die Mühe macht, sich näher mit The Red Star zu beschäftigen, dem wird auch das (vorläufige) Abschlussbuch gefallen. bv

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SANDMAN 4: DIE ZEIT DES NEBELS
Panini Comics
 Mit dem Sandman schuf Neil Gaiman einen Meilenstein der Comic-Literatur. Die gesamte Geschichte ist eine Collage aus unzähligen Mythen und Märchen, in deren Mittelpunkt Morpheus steht, der Herrscher über das Traumreich. Immer wieder gibt es Zeit- und Dimensionssprünge. Der gesamte Plot erstreckt sich über etliche Jahrtausende. Sandman ist groß, unterhaltsam und anspruchsvoll. Der Einstieg fällt nicht gerade leicht. So ist es auch mit „Die Zeit des Nebels“, dem vierten Sandman-Band der Panini-Neuedition. Unzählige Fäden laufen zusammen und trennen sich wieder. Der Leser muss viel herumtasten und versteht nur einen Teil, während ihm ein anderer spürbar verborgen bleibt. Trotz des Metaplots bleibt ein Handlungsgerüst bestehen. Im Zentrum steht Luzifers Entschluss, die Hölle zu schließen. Im wahrsten Sinne des Wortes: Der Höllenfürst geht herum und schließt mit einem Knochenschlüssel alle Ein- und Ausgänge ab. Vorher hat er jedoch die Dämonen und Verdammten rausgeworfen. Die sollen sehen, wo sie bleiben. Der Teufel hat keine Lust mehr auf seinen Job. Die Hölle ist leer, und Luzifer macht Morpheus den Knochenschlüssel zum Geschenk. Ein hämisches Grinsen kann er sich dabei nicht verkneifen. Denn dieses Geschenk ist ein Fluch. Schon kurze Zeit später laufen im Schloss von Morpheus immer mehr Gruppen auf, die ihren Anspruch auf die Hölle durchsetzen wollen. Wer noch nicht mit dem Sandman in Berührung gekommen ist, wird mit diesem Band zwei Erfahrungen machen, die charakteristisch für die gesamte Serie sind. Erstens wird er nicht sofort jede Handlung und Figur einordnen können. Nach dem Lesen bleibt ein Gefühl zurück, als wären kleine Lücken in der Geschichte geblieben, die anderswo gefüllt werden. Zweitens wird er den unglaublichen Sog spüren, der dem Sandman anhaftet. „Die Zeit des Nebels“ ist Teil eines großen, vielschichtigen Ganzen, das sich erst nach und nach vollständig entfaltet. Wer am Ende eines Buches gerne alle offenen Fragen geklärt haben möchte, ist mit Sandman schlecht beraten. Urlaubslektüre ist das nicht. Wer aber groß angelegte Fantasy-Epen mag, wird um den Sandman nicht herumkommen. Für solche Leser ist „Die Zeit des Nebels“ genau der richtige Einstieg. Denn hier tauchen alle Figuren auf, die später eine Rolle im Sandman-Universum spielen werden. Irgendwann einmal, in einem anderen Band. cb

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ACTION SORGENKIND
Reprodukt
 Mawil hat sich inzwischen als eine der festen Größen der deutschen Comicszene etabliert und seinen eigenen, typischen Zeichen- und Erzählstil perfektioniert. In der Geschichtensammlung Action Sorgenkind zeigt er, dass er verschiedenste Formate beherrscht: Farbig und schwarzweiß, wortlos und wortreich, vom Onepager bis zur langen,ausführlichen Geschichte. Im Mittelpunkt steht das autobiographische Erzählen von kleinen Alltagsepisoden, meistens selbstironisch und witzig, aber immer von großer Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit. Bei einer der enthaltenen Stories arbeitet Mawil mit einem Texter zusammen, dem Berliner Autor Jochen Schmidt (Meine wichtigsten Körperfunktionen). Dieser schlägt einen ähnlichen, ebenfalls autobiographischen Ton an wie Mawil, die Paarung passt also perfekt. Doch Mawil ist auch selbst ein guter Autor; er versteht es, die Irrungen und Wirrungen des Erwachsenwerdens greifbar zu machen und Emotionen aufs Papier zu bringen. Die Sätze, die er seine Figuren sagen lässt, fühlen sich so an, wie die Leute tatsächlich reden. Eine Kunst, die in Comics weiß Gott nicht alltäglich ist.
Die Geschichten, die teilweise schon in Magazinen oder online veröffentlicht wurden, zum Teil aber auch exklusiv für diesen Band entstanden, erzählen von frühen Graffiti-Versuchen, vom Umgang mit dem Stottern, und immer wieder von Ferien, Urlaub, Reisen. Wie das Cover schon andeutet, liegt ein Schwerpunkt von Action Sorgenkind auf dem Wegkommen und Aufbrechen. Höhepunkt ist hier die lange Geschichte „Welcome Home“, die etwa die Hälfte des Bandes einnimmt. Es geht um einen Trip in ein sagenumranktes französisches Hippie-Ferienlager, wo es die tollsten Frauen der Welt geben soll. Eine Reise, die zwangsläufig zu kleinen Katastrophen und großen Enttäuschungen führt. Hier halten sich dezenter Witz und sanfte Melancholie perfekt die Waage und Mawil erreicht mit „Welcome Home“ wieder das Level seines vielgerühmten Debüts Wir können ja Freunde bleiben. Dass das Buch obendrein auch noch sehr hübsch gestaltet ist, vom Namensschriftzug bis zum Inhaltsverzeichnis, ist das i-Tüpfelchen auf einem sehr gelungenen Comic. tk

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DESMODUS DER VAMPIR UND DIE HUNDESCHUTZGESELLSCHAFT
Avant-Verlag
 Unter all den feinen Comics, die der unbändigen Schaffenskraft des Joann Sfar entspringen, gehört die Reihe Desmodus der Vampir zu den charmantesten und witzigsten. Sfar nimmt hier eine Reihe von klassischen Klischees und Figuren des Horrorgenres und macht daraus einen Comic für Kinder. Seine Desmodus-Geschichten (die es auch als Zeichentrick-Serie im Fernsehen gibt) sind jedoch kein weichgespülter, glatter Disney-Stoff, sondern haben durchaus Ecken und Kanten. Das beginnt schon beim Zeichenstil, der zwar weniger „krakelig“ ist als bei Sfars Erwachsenen-Comics, aber eben doch typisch Sfar. Und es setzt sich fort beim Inhalt – mit einigen Elementen, die vielleicht manchen übersensiblen Eltern eine Spur zu weit gehen könnten (die aber den meisten Kindern ziemlich viel Spaß machen dürften). Da dürfen die Monster auch mal eine „Schubkarre voll Kaka“ vor sich her schieben oder von Frauen „mit großen Möpsen“ schwärmen.
Im vorliegenden Band, dem dritten der Serie, geht es um drei Hunde, die aus einem Tierversuchslabor ausbrechen und Zuflucht in dem alten Haus suchen, wo der kleine Vampir Desmodus und etliche andere Monster und Gespenster leben. Natürlich werden die Hunde gerettet, doch das Besondere ist hier nicht der Plot, sondern die kleinen, zutiefst menschlichen Momente. Zum Beispiel, wenn Desmodus von den Großeltern seines menschlichen Freundes Michael entdeckt wird: Die Großmutter merkt nicht, dass er ein Vampir ist, der Großvater allerdings schon. Dieser aber behält das Geheimnis für sich und bittet Großmutter nur, das Mittagessen heute mal ohne Knoblauch zu kochen. Solche warmherzigen Szenen machen Desmodus zu einer wunderschönen Lektüre, an der auch ältere Leser viel Freude haben können. tk

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MONSTERJÄGERIN CONNY VAN EHLSING 1: FÜRS LEBEN LERNEN
Dreadful Gate/Comicwerk
 Der Bremer Max Jähling gehört seit Jahren zu den umtriebigsten Zeichnern in der Fanzine- und Self-Publishing-Szene. Jetzt hat er im Selbstverlag (zusammen mit Comicwerk) ein Album herausgebracht, das vor allem durch seine Veröffentlichungsweise brilliert: Neben der gedruckten Standardausgabe gibt es eine Version mit einem sehr informativen Audiokommentar auf CD, es gibt verschiedene Downloadausgaben (eine davon kostenlos) und obendrein kann man auch noch eine personalisierte Fassung kaufen. Ein äußerst lobenswertes Experiment, zur Nachahmung empfohlen!
Conny van Ehlsing ist eine Grundschülerin, die sehr schnell die Erfahrung macht, dass die Lehrer an ihrer Schule in Wahrheit Monster sind, die es zu bekämpfen gilt. In verschieden langen Episoden erzählt Jähling von Connys Abenteuern und kann dabei nicht verhehlen, dass seine Hauptfigur doch sehr deutlich von Joss Whedons Vampirjägerin Buffy inspiriert ist (eine Tatsache, auf die er im ausführlichen Anhang auch eingeht). Trotzdem hat Conny ihren eigenen Charme, besonders in den Episoden, in denen sie glaubhaft als kleines, aber schlaues Mädchen rüberkommt. Weniger gelungen fand ich die längste und ernsthafteste Geschichte, in der Conny als Teenager auftritt. Hierfür wurde ihr ein Charakterdesign verpasst, das irgendwo zwischen Göre und Domina liegt und seltsam ungelenk wirkt.
Jähling verbindet solides, professionelles Storytelling mit einem Zeichenstil, der durch seine harten Schwarz-Weiß-Kontraste und die skizzenhaften Backgrounds recht schroff wirkt und etwas feinere Nuancen vermissen lässt. Die Katze im Sack muss jedoch niemand kaufen, schließlich gibt es online genug Anschauungsmaterial zum Problesen. tk

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PJÖNGJANG
Reprodukt
 Der Frankokanadier Guy Delisle kommt viel herum in der Welt: Als Supervisor einer Trickfilmproduktion arbeitete er in China und berichtete darüber in seinem Comic Shenzhen. Später schickte ihn sein Arbeitgeber in ein noch fremderes Land: nach Nordkorea, in die Hauptstadt Pjöngjang. So heißt auch der 180 Seiten starke Band, in dem Delisle von den Eindrücken erzählt, die er dort sammeln konnte. Wie in Shenzhen bekommt der Leser eine Sammlung von tagebuchartigen Episoden, gezeichnet in einem sehr reduzierten Strich und mit sehr wirkungsvollem Einsatz von Grautönen. Nordkorea bietet mehr als genug Stoff für wirklich bizarre Szenen. Das beginnt schon mit der Begrüßungsszene, als Delisle mit seinem koreanischen Führer erstmal Blumen an einer gigantischen Statue von Kim Il-Sung niederlegen muss. Der Autor und Zeichner macht keinen Hehl daraus, was er von der Diktatur und ihrem Führerkult hält und gelegentlich kann er nicht anders, als sich darüber lustig zu machen. Meistens aber bleibt sein Spott leise und zurückhaltend, er lässt lieber vielsagende Bilder für sich sprechen. Etwa die riesenhafte, die Stadt überragende Bauruine eines niemals genutzten, gigantischen Hotels oder das monotone Warenangebot im „Kaufhaus Nr. 1“. Wer Pjöngjang liest, bekommt einen Eindruck vom Alltag in einem abgeschotteten Land, von dem man sonst nur wenig hört – natürlich nicht journalistisch objektiv, sondern aus dem ganz persönlichen Blickwinkel eines Fremden. Auch das Fremdsein thematisiert Delisle: Er fühlt sich ziemlich einsam in Pjöngjang, weder im Hotel noch im Trickfilmstudio fühlt er sich besonders wohl. Als er nach zwei Monaten die Heimreise antritt, ist er spürbar erleichtert. Als Leser aber kann man dankbar sein, dass hier jemand stellvertretend auf Reisen gegangen ist und mit einer fein ausbalancierten Mischung aus Ernst und Humor darüber berichtet. Schon jetzt kann man sich auf weiteres Material freuen, denn kürzlich verbrachte Delisle mit seiner Frau ein Jahr in Myanmar, und auch dort entstand wieder ein Reisebericht in Comicform. tk 

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DER HARTMUT KENND SICH AUß
Gringo Comics
 Von Hartmut, dem lausbubigen Strichmännchen, hat man schon lange nichts mehr gehört. Zwar erscheinen die Kurzgeschichten von Hartmut „Haggi“ Klotzbücher Woche für Woche auf der Homepage von Carlsen Comics, aber drucken wollte man sie bei Carlsen offenbar nicht mehr. Nun hat der Hartmut bei Gringo eine neue verlegerische Heimat gefunden. Im gleichen Schulheft-Format wie bei Carlsen kann man nun „Di Abenteuer fom Hartmut“ auch wieder gedruckt genießen. Das Highlight in diesem Heft sind die Länderporträts unter dem Titel „Der Hartmut erklert euch di Welt“, in der Haggi auf höchst charmante und witzige Weise mit gängigen Länderklischees spielt. Die anderen Onepager sind leider nicht immer so gelungen, die Gags sind stellenweise ziemlich müde und mehrfach fehlt der anarchische Biss, der Hartmut in seinen besten Momenten auszeichnet. Trotzdem freut man sich, den Hartmut und seine eigenwillige Orthografie wieder gedruckt in den Händen halten zu dürfen, und mit 4,50 Euro ist der Spaß auch noch sehr preiswert. tk

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Bildquellen: Die jeweiligen Verlage

 

Glamourpuss & Judenhass (US)

Dieser Text steht auch auf Englisch zur Verfügung.
Please click here for the English version.

Cover Glamourpuss #1Nach einer fast vierjährigen Absenz hat der Herr der Erdferkel, Dave Sim, dieses Jahr gleich zwei neue Comics auf den Markt gebracht, Glamourpuss und Judenhass, die wie sein Comic-Epos Cerebus nur als Teil des Gesamtkunstwerks „Sim“ zu lesen sind. Zwei Comichefte, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Da ist zum ersten die fortlaufende Serie Glamourpuss, eine „high fashion comic book“-Parodie, und zum anderen der Comic Judenhass, in dem Sim aus ausgewählten Zitaten und fotorealistischen Reproduktionen eine Geschichte der Ressentiments gegen Juden und deren Vernichtung im Holocaust beschreibt. Erst wenn man beide Comics Seite an Seite stellt und deren Gemeinsamkeiten aus der Nähe betrachtet, wird deutlich, dass Sim nicht einfach nur zwei Comics gezeichnet hat, sondern nach Cerebus das Gesamtkunstwerk „Sim“ durch zwei neue Titel erweitert hat.

Wir schreiben das Jahr 2008; etwas hat sich geändert in der Welt der Comics, so wie wir sie kennen. Während zunächst nur ein Gerücht mit dem Titel „Secret Project 1“ existierte, eröffnete zu Beginn des Jahres Dave Sims Homepage zu seinem gleichnamigen Comicprojekt, Glamourpuss. Bei einem Besuch der Internetseite wird der Leser von einer Flut von verschiedenen Rosatönen förmlich überwältigt; so gibt man ihm unweigerlich zu verstehen, dass man sich nicht länger in Estarcion, der Heimatwelt von Sims ehemaligem Protagonisten Cerebus, befindet, sondern in einer Welt, die ungleich seltsamer erscheint: Die Welt der Haute Couture. Gutgekleidete Frauen in schwarz-weißen Konturen klären den Leser darüber auf, dass es sich bei Glamourpuss, um drei Publikationen in einem Heft handelt:

  1. „It’s the haute couture magazine parody that is so ‘six month ago’”

  2. “It’s an homage to classical photorealism black & white ‘beyond noir’ comic strips of the 1940s and 50s“

  3. “It’s the strangest Super-Heroine comic book of all time!”

DAVE SIM ist ein Name, der in Deutschland nur eingefleischten US-Comicfans ein Begriff sein dürfte, da sein 6000 Seiten starkes Werk Cerebus bisher nur auf Englisch erhältlich ist. Der kanadische Comickünstler veröffentlichte von 1977 bis 2003 auf monatlicher Basis seinen Independentcomic Cerebus in seinem eigenen Verlag Aardvark Vanaheim Press.

Während er in den frühen Jahren von Cerebus mit Lob für seine Arbeit als unabhängiger Comicverleger und Künstler überhäuft wurde, veränderte sich die Beziehung zu seinem Publikum im Laufe der Jahre: Sim nutzte seinen Comic immer wieder als Sprachrohr für seine ganz persönliche Weltsicht. Dieser Streit zwischen Lesern und Autor entbrannte, als Sim in Cerebus die Aufsatzreihe „Tangents“ veröffentlichte, in der er seine negative Haltung gegenüber dem Feminismus kund tat.

Dave Sim

Die Kritik an seinen Ansichten mischte sich mit der Kritik an seinem Comic und kulminierte in einer angedrohten Schlägerei zwischen Sim und Jeff Smith, ehemaligen Freunden. Obwohl die Betrachtung von Dave Sims Werk immer wieder überschattet wird durch seine persönlichen Ansichten (er konvertierte letztes Jahr zum Islam), zählt er zu den wichtigsten kanadischen Comickünstlern und wird als Wegbereiter der Independent-Szene angesehen.

Vorschaubild aus Glamourpuss #2 Das Druckerzeugnis Glamourpuss wird dieser kühnen Selbstdarstellung durch seine ersten beiden bisher erschienen Ausgaben sehr wohl gerecht, ist aber dennoch kein Comic, den man gerne oder gar freiwillig lesen würde. In den Heften posieren Damen mit Modelmaßen in Designerkleidung und lassen ganz beiläufig Sims Statements fallen. Wie bereits in Cerebus nehmen die Figuren in Sims Comic die unangenehme Eigenschaft an, die Meinung des Autors in der dritten Person zu vertreten: „Glamourpuss can’t tell you how sorry Glamourpuss is.“

Nach allen Auseinandersetzungen mit seinen Lesern, die man über die Jahre in Cerebus miterleben durfte, kann man Sim aber den Inhalt von Glamourpuss nicht unbedingt vorwerfen; man kennt seine fixen Ideen und hat sich dennoch für seinen Comic entschieden. Außerdem hat Sim nie einen Hehl daraus gemacht, dass er in diesem Projekt nur das machen wollte wozu er Lust hat: „When people ask me if I have anything planned after Cerebus this is about all that comes to mind: cute teenaged girls in my best Al Williamson photo-realism style.” So oberflächlich dieses Projekt wirken mag, so minutiös setzt der Kanadier es in Glamourpuss um.

Auf jeder neuen Seite sind verschiedenste Models zu sehen, die alle Glamourpuss sein sollen und sich in sinnentleerter Manier mit sich selbst über das neue Gucci-Kostüm unterhalten. Sim, der Glamourpuss als privates Megaphon einsetzt, unterbricht dieses Muster immer wieder, um seinen Lesern Einblicke in die Werke von Comicgrößen wie Al Williamson oder Alex Raymond zu verschaffen. Während die Frauen in bemerkenswert photorealistischer Art und Weise porträtiert werden, sinniert Sim/Glamourpuss über die eigenen Zeichnungen zwei Seiten zuvor und seziert dabei schonungslos seine eigene Reproduktion. Immer wenn Sim bemerkt, dass sein Comic zu analytisch oder zu unterhaltsam werden könnte, unterbricht er die „Narration“ durch eine sinnlose Werbung für Glamourpuss’ neues Hundefutter, ein Rezept für Küchlein oder auch durch die Vorschau auf die Zombieausgabe von Glamourpuss #4.

Sim sind mit diesem Comic gleich zwei Dinge auf einmal gelungen: Zunächst hat er einen Metacomic geschaffen, dessen photo-realistische Essenz zum Greifen nah erscheint, nur um sofort wieder vor den Augen zu verschwimmen; dennoch kreiert Sim eine Hommage an die comic-strip-Künstler der 1940er und 50er und lässt den Leser teilhaben, wenn dieser sich darauf einlässt. Zum anderen hat er eben durch diesen Comic die perfekte Grundlage geschaffen, vor der sein zweiter Comic Judenhass erst Sinn zu macht.

 

Cover Judenhass Am 26. Februar 2008 konnte eine weitere Online-Präsenz bestaunt werden: Die Homepage zu Judenhass. Anstelle einer lustigen Parodie aus dem Hause Sim wird der Besucher dieser Seite mit Holocaust-Bildern konfrontiert, deren Anblick jedes Lachen verstummen lässt. Die Seite startet mit einem kleinen Flash-Film, der mit Gewehrschüssen und dem Geräusch eines brennenden Feuers unterlegt ist. Im Bild sind abwechselnd das Cover des Comics, Beispielbilder aus selbigem und Kommentare bekannter Kollegen vom Fach, wie z.B. Neil Gaiman oder Joe Kubert, zu sehen. Für den Comic hat sich Sim eine Technik zurechtgelegt, die den Leser des Comics ganz langsam in eine Welt ziehen, die nur sehr schwer zu ertragen ist.

Im Vorwort beschreibt Sim, genau wie zuvor in Glamourpuss, seine Intention für dieses Comic: “an accessible, intelligent, easy-to-follow, affordable and (I hope) compelling comic-book story that would appeal to a wide spectrum of comic-book readers and ‘not-yet’ comic book readers.” Obwohl Judenhass bei genauerer Betrachtung all diese Ansprüche erfüllt, lässt der Comic den Leser dennoch verstört zurück. Bereits vor Sim haben viele Künstler solche Anforderungen an ihr Werk gestellt, doch wenige von ihnen haben dafür ein ähnliches Thema gewählt, mit Ausnahme von Art Spiegelman in Maus. All das Lob, das Spiegelman für seine stereotypenhafte Darstellung der beteiligten Figuren bekam, dreht sich im Falle von Sim und Judenhass scheinbar in das Entgegengesetzte um.

Seite aus JudenhassDurch seine detailgetreue Darstellung der Judenvernichtung im Dritten Reich scheint Sim die Grenze des guten Geschmacks zu übertreten, eine Grenze, die nach Adorno nicht übertreten werden darf: „Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch.“ Man könnte annehmen, dass es ebenso barbarisch sei, die Erinnerungen an eine Zeit, die man lieber vergessen möchte, photorealistisch darzustellen, da eine realistische Darstellung dieser Grausamkeiten, die über die Vorstellungskraft hinausgeht, nicht möglich sei.

Wie auch in den wilden Auseinandersetzungen mit seiner Cerebus-Leserschaft immer wieder deutlich wurde, handelt es sich bei Dave Sim um einen Menschen, der solche festgefahrenen Gebote einfach hinterfragen muss. In Judenhass nimmt er also frontal Kurs auf Adornos Diktum. Mittels der bereits oben erläuterten Technik, die er bei Glamourpuss verwendet hat, durchforstet Sim die Bildarchive und stößt dabei auch auf Texte, die er in seine Narration einfügt. Das Resultat dieser dreijährigen Arbeit ist ein Comic, der den Leser durch Wiederholungen und close ups genau zu den Bildern führt, die dieser nicht sehen möchte, ihn mit Zitaten von Persönlichkeiten konfrontiert, die er nicht hören möchte. Als Ergänzung zu den verstörenden Bildern benutzt Sim ausgewählte Zitate von bekannten Persönlichkeiten wie z.B. Martin Luther und Winston Churchill, die der Künstler in eine Reihe mit den Parolen von Adolf Hitler stellt. Obwohl diese (mit wenigen Ausnahmen) judenfeindlichen Texte aus dem Mund von Personen kommen, denen man diese Worte und Einschätzungen nicht zugetraut hätte, verblassen die Zitate hinter Sims eindrucksvollen Bildmontagen.

Wie bereits bei Glamourpuss steht auch bei Judenhass die künstlerische Seite des „Secret Project #2“ im Vordergrund von Sims Interesse. Die bewusste Auswahl von Bildern, die mosaikartigen Montage-Tricks, die die Bilder in Szene setzen, und die akribische Reproduktionsarbeit, die Sim in dem Comic leistet, befreien ihn von dem Vorwurf, die Bilder des Holocaust zu missbrauchen. Ebenso wie Glamourpuss steht Judenhass eben nicht für das politische Engagement eines Mannes, der immer noch keinen Internetzugang zu Hause hat, sondern für das Gesamtkunstwerk eines Comicschaffenden, dessen künstlerische Klasse nur allzu oft mit seiner persönlichen Meinung verwechselt wird.

Glamourpuss #1 und #2
Aardvark Vanaheim, April und Juli 2008
Text und Zeichnungen: Dave Sim
Heft; 24 Seiten; schwarz-weiß; 3,00 US-$

Judenhass
Aardvark Vanaheim, Mai 2008
Text und Zeichnungen: Dave Sim
Prestige-Format; 56 Seiten; schwarz-weiß; 4,00 US-$

Zwei unlesbare Comics   Zwei Meta-Comics, die es zu durchdringen gilt

Bildquelle: judenhass.com, glamourpusscomic.com

 

 

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Cover Glamourpuss #1 After an absence from the comic book business of nearly four years, the lord of the aardvarks, Dave Sim, has returned in 2008 with two new comic books, Glamourpuss and Judenhass. Similar to his magnus opus Cerebus, these two comics have to be read as a part of the Gesamtkunstwerk „Sim“. Two comic books which couldn’t be more different: While the first, the continuing series called Glamourpuss, acts as a „high fashion comic book“-parody, the second comic book Judenhass combines chosen quotations and photorealistic reproductions to reconstruct the history of anti-Semitism and the Holocaust. Only the combined observations of both comics offer a deeper insight into Sim’s approach.

It's the year 2008; something in the world of comics as we knew it has changed. While it was still a rumour called „Secret Project #1“ in 2007, Dave Sim’s new website Glamourpuss opened its doors this spring. The frontpage jumps right into the face of the viewer with its huge pallet of different shades of pink. It’s clear that we have left Estarcion, the home world of Sim’s long-time protagonist Cerebus the aardvark, and entered a world even more bizarre: the world of haute couture. Women dressed in Gucci and drawn in clear cut black and white lines inform the reader that Glamourpuss is three publications in one:

  1. „It’s Haute Couture magazine parody that is so ‘six month ago’”

  2. “It’s an homage to classical photorealism black & white ‘beyond noir’ comic strips of the 1940es and 50es“

  3. “It’s the strangest Super-Heroine comic book of all time!”

Preview image from Glamourpuss #2 The first two issues of the actual printed comic book Glamourpuss fulfil this reckless promise, yet they are not comics one will want to read happily. On the inside beautiful women pose in designer-clothes while dropping Sim’s own statements very casually. Similar to the protagonist in Cerebus they adopt their author’s rummages in the third person: „Glamourpuss can’t tell you how sorry Glamourpuss is.“

After all the ups and downs as a reader of Cerebus, you can’t criticize Sim for the content of Glamourpuss because when you bought it, you already knew that this won’t be your average comic book. Sim himself never made any false promises when he talked about his intentions in “Secret Project #1”: „When people ask me if I have anything planned after Cerebus this is about all that comes to mind: cute teenaged girls in my best Al Williamson photo-realism style.” As shallow as this remark may sound, as perfect is Sim’s creative implementation in Glamourpuss.

On each new page there is a different model impersonating the „strangest super-heroine“ Glamourpuss talking in a senseless fashion with herself about the new Gucci-costume. The mode of “narration” is interrupted by Sim himself, who uses Glamourpuss as a private megaphone to introduce the reader to the drawing-style of famous comic strip artists like Al Williamson or Alex Raymond. While all images in Glamourpuss are highly stylized reproductions of fashion magazines, Sim/Glamourpuss muses in the word balloons over the impressive mode of reproduction two pages earlier. Every time Sim catches himself being too entertaining or too historically interested he interrupts the “narration” with an add for a new dog dish, a recipe for cream filled cupcakes, or a preview of the Zombie-variant issue in Glamourpuss #4.

Sim has succeeded with this comic in two ways: Firstly he created the perfect meta-comic whose photo-realistic essence seems just in reach but fades away instantly before informing the reader about the comic strips of the 1940s and 50s. Secondly he established the ideal canvas for his second new comic book, Judenhass.

Cover Judenhass On February the 26th 2008, another new web-presence was online: the homepage to Judenhass. Instead of a funny parody trademarked by Sim the reader had to encounter a site that made his laughter die in his throat. It is introduced by a small flash-animation which is accompanied by rifle-shots being fired and the sound of something burning. In the frame there are different pictures alternating: the cover of Judenhass, preview images of the comics, and quotations on the comic by famous comic artists like Neil Gaiman or Joe Kubert. The reader is dragged slowly but mercilessly into a world that is very hard to bear.

In the foreword of the printed comic book, Sim tells his readers what kind of work he implied with Judenhass: “an accessible, intelligent, easy-to-follow, affordable and (I hope) compelling comic-book story that would appeal to a wide spectrum of comic-book readers and ‘not-yet’ comic book readers.” A closer look at Judenhass sees all these promises fulfilled, yet not as the comic reader might have expected. Even before Sim, other comic artists have successfully tried to create such a comic book, but only a few have tackled the same topic with the exception of Art Spiegelman in his Maus. All the praise Spiegelman earned for his stereotypical account of the characters involved seems to be denied to Sim because his photo-realistic depiction turns Spiegelman’s whole concept upside down.

By meticulously tracing the images of Jew hatred in the Third Reich and before that time, Sim seems to break with the notion of good taste and with Adorno’s statement: „It would be barbaric to write a poem after Auschwitz.” It would be too barbaric to reconstruct this past in a realistic fashion, because even the idea of realistic depiction is lost in the context of such cruel events.

Page from Judenhass As can be seen in his wildest „discussions” with the Cerebus-readership, Dave Sim is not a person who accepts such commandments as a given. In Judenhass he encounters Adorno’s statement full frontal. With the use of the technique he already used for Glamourpuss, Sim browsed for three years through image-archives and uncovered images and quotes he used for his own narration. The result of his work is a stunning comic book that directs its readers with the use of repetitions and close-ups exactly to the point where they are forced to look, forced to encounter the past. The quotes of famous people such as Martin Luther, Winston Churchill, and even Hitler act as a mere addition to this montage.

Similar to Glamourpuss, the main importance of Judenhass is the artistic side of Sim’s „secret project #2“. The conscious selection of images, the mosaic montage-trick which highlights the images, and the meticulous reproduction of the photos free Sim of all charges abusing the Holocaust. Glamourpuss and Judenhass stand side by side not as a political statement of a man who doesn’t even own an email-account, but for a Gesamtkunstwerk of a comic creator whose artistic style is once too often mistaken for his personal view.

Glamourpuss #1 and #2
Aardvark Vanaheim, April 2008
Words and pictures by Dave Sim
24 pages; black & white; 3,00 US-$

Judenhass
Aardvark Vanaheim, May 2008
Words and pictures by Dave Sim
56 pages; black & white; 4,00 US-$

Two unreadable comic books   Two meta comics worth exploring


Pictures taken from: judenhass.com, glamourpusscomic.com