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Peplum

Cover PeplumSeine Wandelbarkeit hat der französische Künstler Blutch (alias Christian Hincker) ja bereits bewiesen: In Blotch (Avant-Verlag) skizzierte er episodenhaft das Leben eines zynischen, arroganten Illustrators in Paris, in Der kleine Christian (Reprodukt) überzeichnete er autobiografische Jugenderinnerungen. Was beide Werke verbindet, die spielerische Anlehnung an die eigene Person Blutchs, bleibt im jetzt veröffentlichten Album Peplum hingegen außen vor. Es versetzt den Leser in die Vergangenheit, genauer gesagt ins antike Römische Reich.

Der Titel Peplum ist eine alternative Bezeichnung für das Genre des Sandalenfilms. Blutchs Geschichte ist vordergründig sicher als Sandalencomic zu bezeichnen, prangt doch nicht ohne Grund die Hauptfigur bereits vom Titelbild mit eben solchem Schuhwerk. Und auch historisch ist Peplum um den Sturz Cäsars im römischen Senat herum verortet, ein Ereignis im Übrigen, das hier am Rande thematisiert wird.

Der Fokus liegt jedoch auf Publius Cimber bzw. auf der Person, die sich als jener ausgibt. Cimber, ein Adliger, der aus dem Imperium ausgestoßen wurde, sucht im entlegensten Winkel des Reiches einen Schatz. Dieser entpuppt sich als eine im Eis konservierte Frau. Cimber und seine zwei Gefährten nehmen die Dame mit auf ihre weitere Reise. Nach einem Unfall ergreift einer der Drei die Gelegenheit, entledigt sich der anderen beiden und gibt sich anschließend als Publius Cimber aus.

Seite aus PeplumDieses erste Kapitel ist erst der Auftakt einer wahren Odyssee für den Namensdieb. Der ist ein triebgesteuerter, manischer Betrüger, der schlichtweg von seiner Besessenheit gesteuert wird; es ist die Besessenheit von der eisgefrorenen Schönheit.
Deshalb ist Blutchs zehn Kapitel umfassende Story mehr als ein Comic, der von der Antike handelt. Das tut er zwar, aber das steht nie so richtig im Mittelpunkt. Es ist die Erzählung von einem Mann, der von seiner Lust, seiner Liebe und (aufgrund seines unrechtmäßig erworbenen Titels) seiner zeitweiligen Macht korrumpiert wird. Für seinen Schatz, seine göttliche Schönheit begeht er Morde und gibt seine Menschlichkeit völlig auf.

Blutch charakterisiert seine Figur ohne allzu viele Worte. Er erzählt durch schwarz schraffierte Bilder, die Platz lassen für die Brutalität und den Wahnsinn. Peplum ist aufgrund seiner grafischen und narrativen Stilistik keine leichte Kost und eine, auf die man sich erst einmal einlassen muss. Der Autor macht es einem nicht immer leicht, seiner Intention zu folgen, aber gerade das macht diesen Comic zur lohnenden Herausforderung. 

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Hervorragendes Comicstück mit einer überzeugenden Erzähltechnik

 

Peplum
Avant-Verlag, Dezember 2010
Text und Zeichnungen: Blutch 
160 Seiten, s/w, Softcover
Preis: 25 Euro
ISBN: 978-3-939080-44-2
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe Avant-Verlag

Missi Dominici 2 – Tod

Cover Missi Dominici 2Mit dem zweiten Band von Missi Dominici liegt die Fortführung des Genremix aus Historie und Fantasy vor. Ein kleiner Rückblick: Das sogenannte Kind des Tierkreiszeichens, welches besondere Kräfte hat, führt die Stämme der osteuropäischen Ureinwohner an, welche sich gegen die christlichen Invasoren und die Christianisierung wehren. Die Reiter der Apokalypse, ebenfalls mit besonderen Kräften ausgestattete geheimnisvolle Krieger, bringen Tod und Verderben in das Land und machen somit ihrem Namen alle Ehre, während zwei Ritter der Missi Dominici aus noch unerfindlichen Gründen sich ebenfalls auf die Suche nach dem Kind machten (zur Rezension von Band 1).

Wer gehofft hatte, dass die Story mit Riesenschritten voranschreitet und so Dynamik mit Spannung verbunden wird, sieht sich getäuscht. Es ist relativ unverständlich, dass hier so viel mit Rückblenden gearbeitet wird. Das Leben einer der Hauptfiguren, nämlich des Werwolfes Wolfram, wird beleuchtet, verschleppt aber das Erzähltempo ziemlich. Das ist zwar alles ganz nett zu erfahren, aber auch eine zweischneidige Angelegenheit. Denn es stellt sich auch die Frage, ob dieser Background überhaupt relevant ist und die dunkle Vergangenheit nicht spannender gewesen wäre, wenn man sie nicht kennen würde.

Ansonsten ist das Erzähltempo hoch und verdeckt geschickt, dass eigentlich nichts passiert. Die beiden Ritter vom Orden der Missi Dominici, eben Wolfram und der junge de Guivre, reisen mit der von ihnen geretteten adeligen Hilda durch die Wildnis, um das Kind des Tierkreiszeichens zu finden. Verfolgt von den unheilvollen Wesen, welche die Namen der Reiter der Apokalypse tragen, geraten sie schließlich in des Teufels Küche. Die Story beschränkt sich zum größten Teil auf die Wanderschaft, welche aber in sehr stimmungsvoll düster gezeichneten Landschaften stattfindet.

Autor Gloris versucht, die magischen Kräfte deutlicher zu erklären und fügt dem Mix aus Fantasy und History gegen Ende des Bandes auch einen deutlichen Einschlag von Horror hinzu, denn es geht sehr blutig weiter. Manche mögen angesichts dessen den Kopf schütteln, aber irgendwie hat es was, auch wenn man versucht ist, eine abschließende Bewertung der Reihe auf den dritten und letzten Band zu verschieben.

Der Leser erfährt etwas mehr über die vier Reiter und ein zentrales Thema ist der Missbrauch von Kräften. Viele Personen sind nicht das, was sie vorgeben zu sein – dies und der Cliffhanger am Ende machen den Band doch recht spannend. Ein Kernthema oder ein zentraler roter Faden bleibt jedoch unter dem ganzen Schnee in der Story begraben, ohne zu Tage zu treten.

 

Wertung: 5 von 10 Punkten

Recht spannender Band, der jedoch durch viele Rückblenden häufig ausgebremst wird. Die generelle Richtung der Serie ist immer noch nicht klar.

 

Missi Dominici – Zweites Buch: Tod
Ehapa Comic Collection, Februar 2011
Text: Thierry Gloris
Zeichnungen: Benoit Dellac
48 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 13,95 Euro
ISBN: 978-3-7704-3409-1

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Die Muppet Show 1 – Applaus, Applaus, Applaaauuus!

Cover Die Muppet Show 1Mit Comics zu bekannten Filmen und TV-Serien ist es ja immer so eine Sache. Nur in den seltensten Fällen erreichen sie eine ähnliche Qualität wie ihre Vorlage, meist sind sie uninteressant und uninspiriert, weil die kreativen Grenzen, in denen sich Autoren und Zeichner bewegen müssen, allzu eng gesteckt sind. Dass ausgerechnet ein Comic zur Muppet Show hier eine Ausnahme darstellen würde, stand nicht zu erwarten. Schließlich speist sich der spezielle Witz von Jim Hensons legendärer TV-Show nicht zuletzt aus der Tatsache, dass darin hyperaktive Handpuppen mit mehr oder weniger prominenten Menschen interagieren. Der Muppet-Humor lässt sich nicht ohne weiteres auf eine gezeichnete Geschichte übertragen (siehe auch die zum Glück weitgehend vergessene Zeichentrickserie Muppet Babies).

Dass der Muppet Show-Comic trotzdem überraschend gut funktioniert und eine Menge Spaß macht, liegt daran, dass Zeichner und Autor Roger Langridge bei seiner Umsetzung verdammt viel richtig macht: Zuallererst vermeidet er das Missverständnis, auf eine minderjährige Zielgruppe zu schielen. Die Muppet Show war keine Kindersendung, sondern ein Revue- und Showprogramm (bzw. deren Parodie) für erwachsene Zuschauer, nur in Deutschland lief die Sendung im Nachmittagsprogramm. Und so macht Langridge eben keinen Comic für Kinder, sondern peilt eher ältere Leser an (was nicht heißt, dass man dem Comic einen „ab 16“-Stempel aufdrücken müsste) und spielt wie das Original mit popkulturellen Referenzen und parodistischen Seitenhieben auf das Showbusiness und diverse Unterhaltungs-Genres.

Seite aus Die Muppet Show 1Der zweite, noch wichtigere Aspekt, der zum Gelingen des Comics beiträgt, ist seine Struktur: Langridge übernimmt den Aufbau seiner Hefte direkt von der Fernsehshow. Diese war als Nummernrevue angelegt, als Mischung aus Sketchen, Showeinlagen und den berühmten TV-Parodien wie „Schweine im Weltall“, „Die Tierklinik“ und dem dänischen Koch. Zusammengehalten wurden jene Einzelteile vom hektischen Geschehen hinter den Kulissen des Muppet-Theaters, wo vor allem Kermit der Frosch als Strippenzieher und Chaos-Manager agierte. Meist erzählten diese Backstage-Szenen eine übergreifende Handlung, die sich durch eine komplette Episode zog. Langridge gestaltet seinen Comic 1:1 nach dem gleichen Bauplan – ein Heft der Comic-Serie entspricht einer Episode und damit einem Showabend im Muppet-Theater. Gesang- und Tanznummern fehlen ebensowenig wie kurze „Schweine im Weltall“-Episoden oder die waghalsigen Stunts von Gonzo dem Großen. Und natürlich wird alles schön gallig von Waldorf und Statler, den beiden alten Käuzen in der Loge, kommentiert.

Langridge gelingt es durch dieses enge Anlehnen ans Original, die Essenz der TV-Show zu erfassen und nahezu verlustfrei ins Medium Comic zu übertragen. Auch wenn nicht jeder Gag ein Brüller ist und nicht jede Idee zündet, macht die Muppet Show als Comic viel mehr Spaß als erwartet. Manche Details gehen zwar mit der deutschen Übersetzung verloren (obwohl Michael Bregel insgesamt einen ordentlichen Job macht), und auch der besondere Charme von Jim Hensons Puppen lässt sich nur begrenzt zu Papier bringen, aber alles in allem kommt Roger Langridge den Muppets hier so nahe wie es nur möglich ist. Dazu trägt auch sein Zeichenstil bei, der den Original-Puppen sehr treu bleibt, ohne sie allzu sklavisch nachzuzeichnen.

Seite aus Die Muppet Show 1Ob das Experiment Muppet-Comic auch dann gelingt, wenn andere Kreative am Werk sind und man sich inhaltlich vom Konzept der Show-Revue entfernt, werden die Spin-Offs zeigen, die ebenfalls bei der Ehapa Comic Collection erscheinen werden (den Anfang mach Muppet Peter Pan im August). Die Kernserie von Roger Langridge ist jedenfalls ein großes Vergnügen für alle, die die Muppets mögen.

Schade ist nur, dass die Boom! Studios, die den Comic in den USA produziert haben, ihre Lizenz von Disney kürzlich verloren haben und die Serie dort bis auf weiteres nicht fortgesetzt wird. In Deutschland allerdings darf man sich noch auf bis zu fünf weitere Bände freuen.

 

Wertung8 von 10 Punkten

Originalgetreue, sehr unterhaltsame und charmante Weiterführung der Muppets-TV-Serie


Die Muppet Show 1 – Applaus, Applaus, Applaaauuus!
Ehapa Comic Collection, April 2011
Text und Zeichnungen: Roger Langridge
112 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 9,99 Euro
ISBN: 978-3-7704-3465-7

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Ehapa Comic Collection

Links der Woche: Mit dem Gratis-Comic-Tag und Videos von Don Rosa und Scott McCloud

Unsere Links der Woche, Ausgabe 18/2011

Viele neue Gesichter im Comicladen
Titel-Magazin, Andreas Alt
Am kommenden Samstag, den 14. Mai findet in den deutschen Comicläden der zweite Gratis-Comic-Tag statt. Mitinitiator Max Müller von Panini Comics spricht im Interview über das amerikanische Vorbild, Gemeinsamkeiten und Unterschiede und nennt auch ein paar Zahlen. 

Madame Bovary mit Sprechblasen
Vom unaufhaltsamen Aufstieg der Graphic Novels
Deutschlandradio Kultur, Renate Maurer
Am 1. Mai sendete Deutschlandradio Kultur ein ausführliches Feature zum Thema Graphic Novels. Eine Audioversion gibt es leider nicht zum Download, stattdessen steht das Manuskript der Sendung zum Download zur Verfügung. Aufhänger sind die Literaturadaptionen von Posy Simmonds (Gemma Bovary, demnächst bei Reprodukt) und Manuele Fior (Fräulein Else, Avant-Verlag). Beide Künstler kommen auch im O-Ton zu Wort, ebenso wie Ulli Lust, Peer Meter, Isabel Kreitz, Dirk Rehm und andere. Auch wenn der Beitrag teilweise recht angestrengt den literarischen Anspruch von Graphic Novels betont und sich deutlich an den gediegenen Bildungsbürger richtet, ist er ziemlich interessant geraten. Der Einleitungssatz „Knollennasen haben im Genre der Graphic Novels nichts zu suchen“ macht aber trotzdem schlimme Bauchschmerzen, weil er gleich auf mehreren Ebenen falsch ist.

My First Video Tutorial!
scottmccloud.com, Scott McCloud
Wie geht eigentlich Lettering? Scott McCloud (Comics richtig lesen, Comics machen) benutzt Adobe Illustrator fürs Bauen und Befüllen von Sprechblasen und demonstriert den Vorgang in einem zweiteiligen Video-Tutorial auf YouTube. Das Ganze dauert insgesamt 20 Minuten. Teil 1 ist direkt hier eingebunden, Teil 2 findet man hier.

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The Don Rosa House Tour
vimeo, Jano Rohleder
Jano Rohleder betreut bei Ehapa die Don-Rosa-Projekte redaktionell und begleitet den Zeichner auch bei seinen Deutschland-Besuchen. Nun hat er Don Rosa, den nach Carl Barks populärsten Disney-Zeichner, in seinem Haus in Louisville besucht, das auch als veritables Duck-Museum durchgehen würde, und dies ausgiebig auf Video dokumentiert. Die Don Rosa House Tour besteht aus vier Teilen und dauert insgesamt etwa 80 Minuten. In Teil 1 präsentiert Don Rosa sein Zeichenstudio:

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Hi, I’m a Marvel…and I’m a DC: Thor and Green Lantern
YouTube, ItsJustSomeRandomGuy
Der YouTube-Channel von ItsJustSomeRandomGuy unterhält seine Fans schon seit langer Zeit mit bissig-satirischen Clips, in denen Comic-Actionfiguren mehr oder weniger absurde Dialoge führen, meistens in Form eines Streitgesprächs zwischen einem Marvel- und einem DC-Helden. In der neuesten Folge diskutieren Thor und Green Lantern über ihre aktuellen Filmprojekte. Macht Spaß, vorausgesetzt man versteht Englisch und kennt ein bisschen die Hintergründe der beiden Filme (oder hat Thor bereits im Kino gesehen):

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Comicgate und Lapinot auf der Intercomic und Role Play Convention/Gothika

Hier findet Ihr uns am 7./8. Mai:

  • Comicmesse/-börse Intercomic, Stand 110 (Hallenplan)
    Samstag, 10 bis 17 Uhr
    Stadthalle Köln-Mülheim (Jan-Wellem-Str. 2, 51065 Köln)
  • Role Play Convention im Bereich der Gothika (Halle 3.2, Stand 336, Hallenplan als PDF)
    Samstag, 10 bis 20 Uhr, und Sonntag, 10 bis 18 Uhr (Lapinot Samstagabend und den ganzen Sonntag)
    Messegelände Köln (Messeplatz 1, 50679 Köln)

Und hier schon einmal ein Vorgeschmack auf die Cartoondrucke:

Einzeldrucke von Lapinots SWT-Cartoons

Die Straße nach Selma

Cover Die Straße nach SelmaEigentlich möchte Clement Brown nur auf dem schnellsten Weg zu seiner Familie nach Selma. Deswegen steht er in einer regnerischen Nacht an einer Landstraße in Alabama. Dort nimmt ihn die attraktive Tracy Lee mit, die beiden verstehen sich gut, halten an einem Motel und landen schließlich im Bett. Am nächsten Morgen ist der schwarze Clement mit dem Geld seines One-Night-Stands verschwunden und die weiße Tracy Lee ist tot. Clement begibt sich auf Ursachenforschung, muss dabei aber höllisch aufpassen, dass er in der ländlichen Umgebung des konservativen Amerika nicht selbst zum Verfolgten wird.

Die Straße nach Selma hat schon einige Jahre auf dem Buckel, der Comic von Philippe Vandevelde, Künstlername Tome (Spirou und Fantasio, Soda). und Philippe Berthet wurde sogar schon 1995 von Carlsen unter dem Titel Zufällige Nähe hierzulande veröffentlicht. Damals natürlich im Albenformat und nicht wie jetzt in der Noir-Reihe von Schreiber & Leser als komprimierterer Hardcoverband.

Vom Erzählrhythmus her ist dieser Comic toll. Tome weiß genau, wie er bestimmte Szenen zur Geltung kommen lässt und wann die Bilder für sich sprechen können. Nur ist mir das Ganze zu wenig „noir“. Die Handlung ist schnell an ihrem Ende angelangt und eigentlich weiß man gar nicht so genau, warum man gerade so früh und größtenteils unplausibel einen großen Showdown lesen musste. Von den ruhigen Momenten zuvor hätte es hingegen sicherlich mehr sein dürfen.

Seite aus Die Straße nach SelmaDass die Story an und für sich etwas halbgar ist, mag auch in dem vorrangigen Bemühen begründet liegen, einen Comic vorzulegen, der Rassismus thematisiert. Aus diesem Grund lässt der Belgier Tome die Handlung in den USA spielen und nicht in Europa (wobei das auch möglich wäre, aber die Diskriminierung der Schwarzen ist natürlich eine Angelegenheit, die sich eher in einem amerikanischen Setting anbietet); und deshalb ist das tragische Paar auf dem Cover eine Kombination aus schwarzer und weißer Hautfarbe und der Mord basiert unweigerlich auf einem rassistisch motivierten Exfreund.

 

Der Einsatz dieser Elemente muss zwar noch nicht zwangsläufig etwas über die Qualität der Erzählung aussagen, aber im Falle von Die Straße nach Selma wird doch deutlich, dass die gesellschaftspolitische Intention des Autors die eigentlich gut ausgearbeiteten Teilstücke des Comics verdrängt. In Sachen Seitenkomposition und grafischer Arrangements kann man den beiden Kreativen, wie bereits zuvor erwähnt, kaum etwas vorwerfen, was unter anderem auch an dem klaren Strich von Zeichner Philippe Berthet liegt. Umso bedauerlicher ist es, dass dieser Aspekt nicht mit einer offeneren Handlung begleitet wurde.

Der Noir-Band wird ergänzt durch Erläuterungen der Künstler und Skizzenmaterial im Anhang.

 

Wertung: 6 von 10 Punkten

Optisch ansprechend, die Handlung kommt hingegen über einige gute Ansätze nicht hinaus

 

Die Straße nach Selma
Schreiber & Leser noir, Februar 2011
Text: Tome
Zeichnungen: Philippe Berthet
80 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 18,80 Euro
ISBN: 978-3-941239-56-2
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe Schreiber & Leser

Rex Mundi 6 – Das Tor Gottes

Cover Rex Mundi 6Man muss schon ein gewisses Faible für Pulp und Trash haben und sich auf die Story und die Grundvoraussetzungen von Rex Mundi einlassen. Schließlich wird hier eine Welt geschildert, wie es sie nicht gibt, weil manche historische Tatsachen nicht oder anders stattgefunden haben. Dass sich die Story selbst nicht so ganz ernst nimmt, kann man auch daran sehen, dass als Herausgeber der fiktiven Zeitung, von der immer wieder mal eine Seite abgedruckt wird, auch Robert E. Howard (Conan) und H. P. Lovecraft fungieren. 

Hier wird mächtig was durcheinandergewirbelt: Da hätten wir Verschwörungen à la Dan Brown, christliche Mythologie, Mystizismus, Fantasy, historisches Was-wäre-wenn, politische Satire, Rassismuskritik und Horror. Ein neues Fass wird im sechsten Band natürlich nicht mehr aufgemacht, da dieser der letzte Teil der Serie ist und alles auf das Finale hinaus läuft.

Und dieses Finale gestaltet sich mit einigen Überraschungen und dürfte allen Lesern und Fans der Serie so einige Male den Atem stocken lassen. Aber auch jene, die bisher nicht sonderlich viel mit Rex Mundi anfangen konnten, werden erstaunt sein angesichts des Muts des Autors Arvid Nelson, einige Konventionen eines Serienfinales einfach über den Haufen zu werfen. „Das Tor Gottes“ ist voller Tempo, Action, Wendungen, aber auch stellenweise sehr brutal. Und ist das Ende nun wirklich ein Happy End? Nelson lässt offen, ob der Faschismus besiegt wurde oder in naher Zukunft besiegt sein wird. Zu faszinierend ist die mythologische Grundlage, der sich der Faschismus in Rex Mundi bedient.

Die Zeichnungen von Juan Ferreyra sind zwar sehr glatt, aber dennoch besser als die seiner Vorgänger in der Serie, Eric J und Jim di Bartolo. Graphisch ist der Band mit seiner flächigen aber sehr realistischen Kolorierung sehr beeindruckend und weiß auch in den Details voll zu überzeugen. Man achte nur auf die Naziuniformen, die mit der Lilie das Wappen des französischen Königshauses beinhalten.

Als Gastzeichner fungiert übrigens Guy Davis, der durch B.U.A.P. und Als die Zombies die Welt auffraßen bekannt wurde. Er steuerte einen achtseitigen Prolog („Ismael“) bei. Erwähnenswert
ist auch die Zusatzstory, gezeichnet von Brian Churilla, die ursprünglich nur im Web erschienen ist. Diese Story, „Hügel der Märtyrer“, hat mit der eigentlichen Geschichte nichts zu tun, sondern erzählt einen abgeschlossen Kurzkrimi, in dem ein Inquisitor einen Mordfall löst.

Wertung: 9 von 10 Punkten

Rasanter, fulminanter Abschluss einer Serie, welcher noch einmal das sehr gute Gesamtbild eindrucksvoll bekräftigt.

 

Rex Mundi 6 – Das Tor Gottes
Ehapa Comic Collection, März 2011
Text: Arvid Nelson
Zeichnungen: Juan Ferreyra, Guy Davis, Brian Churilla
248 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 24,95 Euro
ISBN: 978-3-770-3373-5

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Peterchens Mondfahrt

Cover Peterchens MondfahrtDer in Augsburg lebende Grafiker Christian Schmiedbauer zeichnet unter dem Pseudonym „Landrömer“ seit einigen Jahren Comics und veröffentlicht sie im Selbstverlag. Bisher sind drei Bände seiner Reihe Kauboi und Kaktus erschienen. Nun wendet er sich erstmals von seinen zwei verschrobenen Western-Buddies ab und adaptiert eine bekannte Geschichte: Peterchens Mondfahrt, das Märchen von Gerdt von Bassewitz, das erstmals 1915 als Buch erschien.

Landrömers Comicversion ist keine treue Nacherzählung der Vorlage, sondern eine ziemlich freie und erfreulich verspielten Variation des Originals, erzählt in locker verbundenen Mini-Episoden. Lediglich das Grundgerüst der Handlung stimmt überein: Der Käfer Sumsemann vermisst eines seiner sechs Beine und fliegt mit Hilfe zweier Kinder zum Mond, um es sich zurückzuholen. Ansonsten ist Landrömers Comicversion nicht nur erheblich kürzer, sondern auch chaotischer, lustiger und alberner als das Original. Der 25-seitige Comic im kleinen, quadratischen Format funktioniert als Kindercomic (und dürfte sich auch gut zum Vorlesen eignen), unterhält aber auch erwachsene Leser, vor allem durch kleine, originelle Details und Sprachspielereien in den Dialogen.

Seite aus Peterchens MondfahrtHerrscht in Bassewitz‘ Märchen noch die längst nicht mehr zeitgemäße Zeigefinger-Moral vor, nach der Kinder gefälligst immer schön brav, artig und folgsam zu sein haben, ist dies bei Landrömer ganz anders. Im Vordergrund steht hier die Freundschaft als universales Thema und als bestes Mittel, um Probleme zu lösen. Das Thema „Freundschaft“ verbindet diesen Comic auch mit Kauboi und Kaktus, wo es ebenfalls eine zentrale Rolle spielt. Der skurril-anarchische Underground-Touch von Kauboi und Kaktus ist bei Peterchens Mondfahrt weniger ausgeprägt, beibehalten wird jedoch jene spezielle Niedlichkeit der Zeichnungen, die hier durch die flächigen, bunten Farben noch stärker betont wird.

Damit ist Peterchens Mondfahrt in der Landrömer-Version ein hübscher, flott gelesener Comic für Kinder aller Altersstufen, der nicht zuletzt durch seine schöne Gestaltung (das Cover ist aus silbrig glänzendem Chrompapier!) überzeugt.

 

Wertung7 von 10 Punkten

Eigenständige, lustig-verspielte Adaption eines Kinderbuch-Klassikers

Peterchens Mondfahrt
Mondfähre Büro für Gestaltung, März 2011
Text und Zeichnungen: Landrömer  
32 Seiten, farbig, Softcover, geheftet
Preis: 7,00 Euro
ISBN: 978-3-00-033772-7

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Abbildungen: © Landrömer

Hank Williams – Lost Highway

Cover Hank WilliamsHank Williams gilt bis heute als einer der einflussreichsten Countrymusiker aller Zeiten. 1953 verstarb der US-amerikanische Sänger, der in den letzten Lebensjahren an Medikamenten- und Alkoholsucht litt, unter nie vollständig geklärten Umständen. Der Däne Søren Glosimodt Mosdal greift Williams‘ Todesnacht auf und fabuliert um sie herum eine Comicgeschichte.

Offiziell wurde der Tod des Musikers am 1. Januar 1953 bestätigt, zu welchem Zeitpunkt der Silvesternacht Williams tatsächlich verstarb, ist aber ungewiss. Mosdal schildert eben jene Nacht, in der ein junger Mann namens Charles Carr die Countrylegende in dessen Cadillac zu einem Auftritt in Clanton, Ohio fahren sollte.

Der dänische Künstler inszeniert diese Fahrt vorzugsweise als Hommage, als irreale Vision, in der alte Weggefährten wie Bassist Lum York oder Williams‘ Förderer Tee-Tot (in Form eines Fisches) erscheinen und bekannte Songs allegorisch verarbeitet werden. Der halluzinogene Charakter der Erzählung repräsentiert dabei, sofern ich die Intention des Autors richtig deute, die Medikamenten- und Alkoholsucht des Musikers auf der einen und den herannahenden Tod auf der anderen Seite. Die gesamte Fahrt von Williams und Carr in jener Nacht, so wie sie in diesem Comic geschildert wird, ist demnach auch als Inszenierung eines Sterbeprozesses anzusehen.

Søren Glosimodt Mosdals Zeichnungen erinnern dabei strukturell in etwa an die Comics von Uli Oesterle, wobei Mosdal fast noch kräftigere, ausdrucksstärkere Farben verwendet, um die schneeumwehte Silvesternacht zu konterkarieren.

Alles in allem hat mir diese freie Umsetzung der Todesumstände von Hank Williams gut gefallen, vor allem weil sie nicht nur reine Hommage ist, sondern auch den Ablauf versucht zu rekonstruieren, obwohl es nur einen Zeugen gab (Charles Carr, der Fahrer), der aber bis heute schweigt.

Seite aus Hank WilliamsLost Highway erweckt eine Nacht zum Leben, über deren Ablauf kaum Fakten bekannt sind, versetzt sie mit irrealen Erscheinungen und bleibt dabei vor allen Dingen der Person Hank Williams treu.

Für weniger geglückt halte ich die Aufteilung des Comicbandes: Mosdal versucht recht gezwungen, viele Aspekte aus dem Leben des Countrystars zu thematisieren oder zumindest grob anzureißen. Das führt dazu, dass er eine Unterteilung in viele Kapitel vornimmt (manchmal sind diese nur 2-4 Seiten lang) und damit den Lesefluss sehr oft unterbricht. Das wäre wohl weniger unvorteilhaft, wenn der Comic insgesamt mehr Seiten aufweisen würde. Überhaupt hätte ich mir persönlich eine Ausdehnung der Geschichte auf einen deutlich höheren Umfang gut vorstellen können.

So richtig es vom dänischen Künstler war, sich nicht an eine Gesamtbiografie zu wagen, sondern sich nur auf diese eine Nacht zu konzentrieren, umso bedauerlicher ist schließlich die Knappheit in der Ausführung. 

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Äußerst interessantes Werk, nicht nur für alle Fans von Hank Williams. Allein der geringe Umfang lässt etwas zu wünschen übrig.

 

Hank Williams – Lost Highway
Edition Moderne, März 2011
Text und Zeichnungen: Søren Glosimodt Mosdal
72 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 19,80 Euro
ISBN: 978-3-03731-076-2

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe Edition Moderne

The Warlord 2 & 3

Cover Warlord 2In Teil 2 und 3 der chronologischen Gesamtausgabe von Mike Grells The Warlord spinnt der Autor die Abenteuer des US-Airforce-Piloten Travis Morgan weiter, der sich nach einem Manöver in der Arktis im fantastischen Reich Skartaris wieder findet. Als sagenumwobener Warlord schwingt sich Morgan zum ultimativen Freiheitskämpfer der sich im Inneren der Erde befindlichen Welt auf. Sein Antagonist: der despotische Herrscher Deimos.

Er ist es auch, der dem Warlord über die diversen Einzelgeschichten hinweg zusetzt. Band 2 erzählt u.a. auch von Deimos‘ Rückkehr aus dem Totenreich und dem überraschenden Auftauchen von Travis Morgans Sohn.

Allein diese beiden Fakten würden für genug Sprengstoff sorgen, um damit einen dicken Sammelband mit spannenden Geschichten zu füllen. Aber freilich vernachlässigt Mike Grell auch die kleinen, in sich abgeschlossenen Episoden nicht. Dieses mal lässt er seinen Hauptprotagonisten unter anderem gegen Barbaren, Monster, Saurier, Außerirdische und den leibhaftigen Tod antreten. Wie man sieht, bedient sich die Serie auch weiterhin aus einem schier unerschöpflichen Füllhorn an Fantasy- und Sci-Fi-Versatzstücken.

Band 3, mit dem bezeichnenden Titel „Odyssee“, bietet zwar auch diverse kuriose Kämpfe (z.B. gegen Piraten, Dämonen, Werwölfe), tritt allerdings etwas leiser auf: Nach dem Showdown mit Deimos und getrennt von seinen Mitstreitern Machiste und Mariah, zieht Travis Morgan, mit Pistole und Schwert bewaffnet, allein durch die Lande. Dafür leistet ihm Meisterdieb Ashir eine zeitlang Gesellschaft.

Die beiden Ausgaben führen die klassischen Stories der US-Reihe aus den 70er und 80er Jahren nahtlos in chronologischer Folge und in Schwarz-Weiß fort. Die fehlende Kolorierung ist dabei aus meiner Sicht, wie ich schon in der Besprechung zum ersten Band anmerkte, eher ein Vor- als ein Nachteil, denn so wirken die detaillierten Bilder des Künstlers einfach unverfälscht und äußerst kontrastreich. Weiterhin farbig gehalten sind hingegen die am Ende abgedruckten Originalcover der Einzelhefte. Als weiteren Bonus enthalten Band 2 und 3 jeweils eine Hälfte eines von Jochen Ecke geführten Interviews mit Mike Grell.

Cover Warlord 3

Weniger Freude dürfte der Leser allerdings beim Blick auf den Kaufpreis empfinden. Band 3 ist mit 168 Seiten ein ganzes Stück dünner als die ersten beiden (diese weisen 192 bzw. 196 Seiten auf), trotzdem kosten alle drei jeweils 22 Euro. Es ist zwar verständlich, dass Cross Cult den Preis den Kosten und der Nachfrage anpasst, wenn eine klassische Serie wie Warlord nicht unbedingt zu den Bestsellern im Programm zählen sollte, aber letztlich bekommt der Käufer jetzt nach zwei Ausgaben spürbar weniger für das gleiche Geld, was natürlich im ersten Moment ärgerlich ist.

Abgesehen davon, pausiert der Verlag jetzt ohnehin zwangsweise mit der weiteren Veröffentlichung, da die entsprechenden Druckdaten vom Lizenzgeber auf sich warten lassen. Mindestens zwei weitere Ausgaben sind bis dato geplant, damit würden dann alle von Grell geschriebenen und gezeichneten Stories komplett vorliegen. Und das wäre sicherlich eine schöne und verdiente Sache für alle Fans.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Klassisches Material in adäquater Aufmachung, stilvoll in Schwarz-Weiß und ungemein unterhaltsam

 

The Warlord 
Cross Cult
Text und Zeichnungen: Mike Grell
Schwarz-Weiß mit farbigen Coverabbildungen, Hardcover
Preis: je 22 Euro

Band 2: Deimos
November 2010
196 Seiten 
ISBN: 978-3-941248-88-5

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Band 2: Odyssee
März 2011
168 Seiten
ISBN: 978-3-941248-89-2

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe Cross Cult