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Helden ohne Skrupel 000 – Codename: Triple Zero

Cover Helden ohne Skrupel 000Mit der vorliegenden, jetzt aber wohl endgültig letzten Ausgabe der Helden ohne Skrupel ist dem Verein Finix Comics nichts weniger als eine kleine Sensationspublikation geglückt. Noch vor der bereits im Jahr 2003 von Carlsen vorgelegten Nummer 0 ist Album 000 anzusiedeln. Das mag kurios klingen, wird aber, wie sich bei der Lektüre zeigen wird, dem schöpferischen Prozess der Reihe gerecht. Das Besondere daran: Es handelt sich um einen eigens für den deutschen Markt (im besten Sinne) „zusammengeschusterten“ Comic, der von Finix mühsam digitalisiert, restauriert und (teilweise zum ersten Mal überhaupt) völlig neu koloriert wurde.

Das ursprünglich erste Abenteuer der drei Helden Mac, Tim und Tony wuirde Anfang der 80er im Spirou-Magazin abgedruckt. „Codename: Triple Zero“ beschreibt die Entlassung der drei aus dem Militärdienst und wie sie beschließen, ein Detektivbüro zu eröffnen. Noch nicht ganz so bissig und ausgereift wie spätere Geschichten der Serie, präsentiet sich die Erzählung vornehmlich als eine knubbelnasige Parodie im Stile von M.A.S.H.

Das macht umso mehr Sinn, wenn man sich verdeutlicht, aus welcher Idee heraus „Codename: Triple Zero“ geboren wurde: Yann und Conrad, seit den 70er Jahren ein aufstrebendes, aber umstrittenes Kreativduo, sollten für Spirou einen Ersatz für den Comichit Buck Danny liefern. Heraus kam der Luftwaffenheld Chuck Willys (zwei Testseiten zu dieser Schöpfung sind im vorleigenden Album abgedruckt), den die beiden eigenwilligen Künstler aber bereits im zweiten Panel der ersten richtigen Story von einem Jeep überfahren lassen. Stattdessen sind die uns wohl bekannten Helden ohne Skrupel die Stars von „Codename: Triple Zero“.

Seite aus Helden ohne Skrupel 000Für die ausführliche Erläuterung der Entstehung von Helden ohne Skrupel empfiehlt es sich aber dringend, einen Blick in das liebevoll gestaltete Werk von Finix zu riskieren. Das darin befindliche Zusatzmaterial erstreckt sich auf 15 Seiten und ist so aufschlussreich und spannend, dass es schwerfällt, bestimmte Themenpunkte hervorzuheben. Den groben Rahmen bildet Yann und Conrads gemeinsame Vergangenheit beim Spirou-Magazin, die in einem redaktionellen Text aufgearbeitet und von zahlreichen Illustrationen, Covern, Beispielseiten (u.a. die erwähnten Testseiten zu Chuck Willys) flankiert wird.

Besonders schön ist, dass man sich denkbar viel Mühe gegeben hat, die Eigenarten der beiden Künstler und ihrer provokanten Ideen und Zeichnungen zu umreißen und zu zeigen, wie und warum sie (auch vor den Helden ohne Skrupel) beim Herausgeber angeeckt sind. Überdies wird der Band ergänzt durch Skizzenmaterial und unveröffentlichte Seiten. Da bleiben wirklich keine Wünsche übrig. Die Nummer 000 der Reihe bildet einen mehr als würdigen Abschluss eines überdurchschnittlichen Semi-Funnys.

Dass Finix diesen Abschluss auch noch mit Zusatzmaterial ausgestattet und ihm durch Mitarbeiter Oriol Schreibweis mit einer neuen Kolorierung verfeinert hat, macht dieses Album zu einem Kleinod im Comicregal.

 

Wertung9 von 10 Punkten

Tolle Zusammenstellung rund um die ganz frühen Anfänge der Serie

 

Helden ohne Skrupel 000 – Codename: Triple Zero
Finix Comics, April 2011
Text: Yann
Zeichnungen: Didier Conrad
64 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 12,80 Euro
ISBN: 978-3-941236-42-4
Leseprobe

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Abbildungen © der dt. Ausgabe: Finix Comics

Wanted 2 – Der Todescanyon

Cover Wanted 2Schon der erste Band der neuen Westernserie Wanted suchte sich deutlich einen Weg durch die vielen Genrevorläufer und streifte dabei prominente Vertreter wie etwa Leutnant Blueberry und Durango. Inhaltlich blieb es zunächst überschaubar: Der Kopfgeldjäger Wanted verbündet sich mit dem Halbblut Yaqui Jed, um die Mörder von dessen Familie zu finden. Diese, die Brüder Bull, haben sich mittlerweile zerstreut und am Ende konnten die beiden Jäger nur zwei der Brüder stellen.

Die Suche nach den letzten zwei Brüdern dient nun Rocca (Vae Victis) und Girod (Durango) als Anhaltspunkt, eine epische Quest zu entwickeln und so ein breites Panorama des damaligen Westens zu entwerfen. Das ist dramaturgisch so einfach wie geschickt und ermöglicht es, viele Themen aufzugreifen. Da sich zudem Wanted und Jed zeitweise trennen, ergibt sich auch die Möglichkeit, verschiedene Perspektiven einzunehmen. Wanted wird in den amerikanischen Bürgerkrieg verwickelt. Das passt ihm aber nicht, da er dabei nichts verdienen kann. Und Jed laviert sich zwischen den beiden, in ihm vereinten, Kulturen der Indianer und der Weißen hindurch, indem er sich zur Verfolgung seiner Ziele mal mit den einen und mal mit den anderen verbündet.

Seite aus Wanted 2Fast schon als Konsequenz zerfasert dieser Band manchmal etwas und ist lange nicht so kompakt gestaltet wie noch der erste. Die viele, teils brutale, Action überdeckt diesen Mangel aber gut. So fällt es auch kaum auf, dass die erzählte Zeit in Bezug auf die beiden Hauptpersonen nicht immer deckungsgleich zu sein scheint. Wie kann Wanted etwa zwei Schlachten gegen die Konföderierten schlagen und in derselben Zeit Jed nur einige Stationen abreiten? Aber wie gesagt, Spannung und Action machen hier einiges wett. Auch ist der Charakter der Hauptfigur Wanted immer noch nicht richtig ausgearbeitet.

Graphisch ist die Schule von Durango-Schöpfer Yves Swolfs unübersehbar, aber auch leichte Anleihen bei Jean Giraud (Blueberry) kann man ausmachen. Mehr noch als im ersten Band spielt Thierry Girod mit der Seitenaufteilung und lässt auch häufig die Panelgrenzen fallen, um schöne Überblendungen zu schaffen. So etwa, wenn man eine Halbtotale sieht, im zweiten Panel frontal ein Fernglas und im dritten schließlich die Augen des Betrachters. Manchmal erinnert das entfernt an die Zeichnungen in Mac Coy von Palacios, zitiert also abermals eine klassische Westernserie. Referenzen, Zitate und Genreversatzstücke werden in der Serie gerne aufgenommen, wobei die Geschichte unbeschönigt und teils in drastischen Bildern erzählt wird (auch hier gibt es wieder eine Folterszene). Aber gerade diese Mischung macht den Reiz von Wanted aus. Auf das voraussichtliche Ende des ersten Zyklus im dritten Band darf man schon gespannt sein.

 

Wertung: 6 von 10 Punkten

Nicht immer so kompakt wie der erste Band, aber immer noch ziemlich gut.

 

Wanted 2 – Der Todescanyon
Splitter Verlag, April 2011
Text: Simon Rocca
Zeichnungen: Thierry Girod
48 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 13,80 Euro
Leseprobe

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Abbildungen © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

Links der Woche: Mit dem Comic-Report, Entenhausener Lifestyle und Fundstücken aus den 80ern

Unsere Links der Woche, Ausgabe 20/2011:

 

Die Stimmungslage an der Ladentheke
Titel-Magazin, Andreas Alt
Die erste Ausgabe des neuen Jahrbuchs Comic-Report ist erschienen und will künftig jedes Jahr einen umfassenden Überblick über die Lage auf dem deutschen Comicmarkt liefern. Das Titel-Magazin sprach mit Volker Hamann, einem der beiden Herausgeber: „Schon ab der zweiten Ausgabe können wir bestimmte Strömungen oder Tendenzen ablesen, die sich im Laufe der Jahre zu einem wirklich transparenten und verlässlichen Bild der Szene verdichten sollen. Langfristig nachvollziehbar sollen Trends herausgearbeitet werden. Das betrifft nicht nur die Comics, sondern die Branche insgesamt, Verlage, Macher, Händler und Käufer.

(Fast) 300.000 Comics verschenkt: Mini-Blitzumfrage im Comicfachhandel
Comic-Report
Die Macher des besagten Comic-Reports stellen zusätzlich zum Printprodukt auch laufend aktuelle Artikel auf ihre Homepage. Aktuell besonders interessant ist eine Umfrage unter mehreren großen Comichändlern in Deutschland, die direkt nach dem Gratis-Comic-Tag am vergangenen Samstag ein kurzes Fazit zogen. Dabei offenbaren sich erstaunlich große Unterschiede.

Donald Duck macht jetzt in Mode
Spiegel Online, kuz
Egmont Ehapa bringt am 11. August eine Testausgabe des neuen „Lifestyle-Magazins“ DONALD in einer Auflage von 150.000 Stück an den Kiosk. Das Heft, das in ähnlicher Form in Holland und Finnland erfolgreich ist, soll „lifestyleorientierte Männer im Alter von 18 bis 40 Jahren“ ansprechen – mit einem Mix aus Fotostrecken, Artikeln und Comics. Im Branchendienst wuv werden sogar Entenkochrezepte angedroht. 

10 Fragen an Maikel Das von Alligator Farm
PPM Vertrieb, Achim E. Stuehler
Co-Herausgeber Maikel Das spricht über die eben erschienene Ausgabe 139 von Perry – Unser Mann im All, warum sich das Heft so stark verspätete und welche Änderungen für die Zukunft geplant sind. Kampfzeichnen!

Tintin Movie Teaser Trailer Revealed!
Tintinology, Chris Tregenza
Der diese Woche veröffentlichte Teaser zu Peter Jacksons und Steven Spielbergs Tim und Struppi-Verfilmung zeigte erstmals bewegte Bilder aus dem Film, der im Motion-Capture-Verfahren aufgenommen wurde. Tintin-Spezialist Chris Tregenza analysiert den Trailer und zerlegt ihn in seine Bestandteile.

Comics in der Zeitgeschichte: Von den Anfängen bis zur Gegenwart / Comics the Ninth Art
Grober Unfug, Torsten Alisch
Bei YouTube sind zwei deutsche Folgen einer aus Spanien stammenden TV-Serie aus dem Jahr 1989 aufgetaucht, die in insgesamt sechseinhalb Stunden die Geschichte des Comics widergibt. Im Blog des Berliner Comicshops Grober Unfug sind sowohl die auf YouTube geposteten Folgen zu sehen als auch Links zu der kompletten Serie, die auf den Webseiten des MedienKunstArchivs zu sehen ist. Bei der Recherche half auch unser Redakteur Daniel Wüllner mit.

Complete Digital Elfquest Online
elfquest.com, Wendy und Richard Pini
Eigentlich nichts Neues – die Seite existiert schon seit über zwei Jahren, sie erfuhr aber in den letzten Tagen nochmal richtige virale Verbreitung durchs Internet. Richard und Wendy Pini, Pioniere des „creator owned“-Comics, haben ihr über mehrere Jahrzehnte erschaffenes Fantasy-Comic-Epos Elfquest (das in Teilen auch auf Deutsch veröffentlicht wurde) komplett und kostenlos ins Netz gestellt. Auf insgesamt über 6500 Seiten.

King Aroo 1 – 1950-1952

Cover King Aroo 1King Aroo ist ein fast vergessener amerikanischer Zeitungscomic. Getextet und gezeichnet von Jack Kent erschien der Strip von 1950 bis 1965 in verschiedenen amerikanischen Zeitungen und war mit seiner Mischung aus Wortspielen, visuellem Humor und Slapstick sehr erfolgreich. Der erste Band der deutschen Veröffentlichung, übrigens erstmalig auf Deutsch, vereint die ersten beiden Jahrgänge mit den dazugehörigen Sonntagsseiten.

King Aroo ist ein freundlicher König, der das winzige Königreich Myopia (könnte in schöner Selbstironie für „my opiate“ = „mein Schlafmittel“ stehen) regiert. Unterstützt von seinem Gefolgsmann Yupyop versieht er keinerlei Regierungsgeschäfte. Besonders die Untertanen halten den König aber auf Trab. Da wäre der Känguru- Briefträger Mister Pennipost, der weise Professor Yorgel, der sogar in Fußnoten denkt und die Hexe Wanda, die so ihre Probleme mit dem Kapitalismus hat. Es besteht zwar ein großes Angebot, aber keine Nachfrage nach Zaubertränken, die einen in einen Seehund verwandeln. Der Elefant ist so vergesslich, dass er seinen eigenen Namen nicht mehr weiß. Ein Steinbock mit Höhenangst, eine Liga für Vegetarismus (bestehend aus einem Schaf, einem Kaninchen, einer Kuh und einem Schwein!), Glühwürmchen mit technischen Problemen, ein Königreich, das nur aus einem Hund besteht (wenn der Floh nunmal ein König ist) und viele andere bevölkern dieses kleine Myopia. Aber nicht nur die Tiere beschäftigen King Aroo, sondern auch die Bezaubernde Prinzessin, für Freunde einfach „B.P.“, aus dem „Königreich von Nebenan“.

Seite aus King Aroo 1Es sind deutliche Einflüsse von George Herriman (Krazy Kat) festzustellen. Das ist insofern nicht erstaunlich, da Kent ein großer Fan von Herriman war und mit vielen der großen Zeichnerstars von damals in freundschaftlichem Kontakt stand. Ähnlich wie Herriman spielt Kent mit den Formen und den Möglichkeiten des Comics. Lange bevor es Graphic Novels gab, wurden in dieser Frühzeit des Comics die Grenzen des Mediums und der Zeichenform ausgelotet. So zum Beispiel, als plötzlich unvermittelt ein Telefon auftaucht und King Aroo erstaunt fragt: „Wo kommt auf einmal das Telefon her?“ Sein getreuer Yupyop antwortet: „Das ist der Vorteil des Mediums in dem wir arbeiten“.

Was den Strip heute noch sehr gut lesbar sein lässt, ist der Mangel an zeitbezogenen Gags. Kent nimmt keinen Bezug auf gesellschaftliche oder politische Entwicklungen und somit kann man heutzutage auch ohne Hintergrundwissen die Strips und den Witz genießen. Das einzig zeitbezogene ist die neue Definition des Begriffs „Kalter Krieg“, als sich zwei Eisverkäufer mit Speiseeis bombardieren. Was manchmal etwas irritieren kann, sind die niedrigen Geldbeträge, die immer wieder genannt werden. Heutzutage ist alles wesentlich teurer und das verwirrt den Leser zunächst, sorgt aber auch für großen Witz. Wenn etwa, diesen Aspekt im Hinterkopf, der Staatsschatz auf 85 Cent veranschlagt wird und dieses komplett für Tutti-Frutti- Eis ausgegeben wird.

Seite aus King Aroo 1Gerade die anthropomorphen Tiere sind äußerst gelungen: Kent spielt geschickt mit den Attributen, die den Tieren jeweils zugeschrieben werden. So ist das enorme Langzeitgedächtnis von Elefanten hier genau umgekehrt, der Hahn glaubt, dass er für den Aufgang der Sonne verantwortlich ist, das Känguru mit seiner natürlichen Beuteltasche ist der ideale Briefträger und der Löwe als König der Tiere macht King Aroo den Thron streitig. 

Inhaltlich zusammenhängend sind die Strips nicht. Es gibt einige Storybögen mit ähnlicher Thematik, wie etwa Revolution, Rittertum, Königreich, wieder erlangtes Gedächtnis, aber jeder Strip ist einzeln lesbar. Der Zeichenstil ist für Cartoons typisch, sehr rundlich und reduziert. Kent schafft es meisterhaft, mit kleinen Verschiebungen eine außerordentliche Mimik seiner Figuren zu schaffen, die dadurch dem Leser sehr nahe kommen. Ein Teil der Wortspiele geht zwar durch die Übertragung ins Deutsche verloren, aber ansonsten ist die Übersetzung sehr gut gelungen. Die deutsche Veröffentlichung von Bocola enthält zusätzlich auch den ersten Teil eines biographischen Essays von Bruce Canwell mit vielen editorischen Hinweisen und Abdrucken seltener Grafiken, sowie eine Einleitung von Sergio Aragones.

 

Wertung: 9 von 10 Punkten

Wahrlich nicht veralteter Klassiker, der auch gekonnt mit dem Medium spielt

 

King Aroo, Band 1: 1950 – 1952
Bocola Verlag, Mai 2011
Text und Zeichnungen: Jack Kent
340 Seiten, schwarz-weiß, Hardcover
Preis: 29,90 Euro
ISBN: 978-3-939625-34-6
Leseprobe

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Abbildungen © der dt. Ausgabe: Bocola Verlag

Swinging London

swinging11967, die große Zeit der Flower Power. Jasper Brown, umjubelter Rockmusiker und Leadsänger der Queen Bees, verbrennt in seinem Schloss in Schottland. Offenbar Selbstmord, wie Scotland Yard feststellt. Doch Browns Freund, der Guru Indranath Ray, und die jamaikanische Reporterin Cassandra Jones haben berechtigte Zweifel an dieser These und fangen an, im Umfeld des totes Sängers zu recherchieren.

Ich nehme es gleich vorweg: Würde Thomas Bénets und Christian de Metters Swinging London nicht mit ansprechenden Zeichnungen aufwarten, es bliebe nicht vieles übrig, worüber ich mich positiv äußern könnte. Der Comic ist im Endeffekt eine freie Aneinanderreihung von Klischees und bekannten Gesichtern, überdeckt von einer unspannenden Kriminalgeschichte, die genau so schon unzählige Male (nur besser) erzählt wurde.

Was vor allem ins Auge sticht: Bénet und De Metter geben keinerlei Hinweise darauf, warum sie die Figuren so konzipiert haben, wie sie sind. Genauso wenig, warum ihre Geschichte aus Korruption, Satanismus und Sexorgien unbedingt im Jahre 1967 angesiedelt sein muss. Wenn Guru Indranath Ray gleich zu Beginn des Bandes den Schauspieler Michael Caine als Klienten begrüßen darf, dann merkt man als Leser unweigerlich auf. Wenn dann aber noch z.B. Jagger, Hendrix oder Joplin einen Gastauftritt absolvieren, wird die Inszenierung der diversen Prominenten zum reinen Selbstzweck ohne wirkliche Handlungsrelevanz.

Genauso fragt man sich, ob die Autoren auf etwas Bestimmtes hinauswollen, wenn sie fröhliche Hippies mit Schildern im Park einblenden. Denn dass man sich in den 60ern befindet, darauf muss man ja nicht unbedingt erst hingewiesen werden.

swinging2Nein, das Ganze weist für mich keine Kohärenz auf. Umso mehr verstärkt sich der Eindruck, wenn man sich die Figur Jasper Brown genauer ansieht. Der, das lässt sich kaum verleugnen, ist ein unverhohlener Kurt-Cobain-Klon. Und das nicht nur optisch: Brown verbrennt zwar, steckt sich in seinem Anwesen aber vorher noch ein Gewehr in den Mund. Genau wie Cobain eben. Dass auch Brown mit 27 Jahren stirbt und eine Witwe hinterlässt, die Courtney Love verblüffend ähnlich sieht, braucht man da kaum noch erwähnen.

Ich bin mir fast sicher, dass die Künstler mit dieser Zeitreise „Cobains“ in die 60er bewusst irgendeinen Link zu den damaligen Musikgrößen herstellen wollten. Doch die genaue Intention könnte wohl nichtmal der übersinnliche Indranath Ray herausfinden.

Kurzum ist Swinging London ein Comic, der sich mit allerlei bekannten Namen (plus Kurt Cobain unter Pseudonym, wenn man so will) schmückt und einen ermittelnden Guru auf einen Fall loslässt, der mit seiner Sexorgien-Verwicklung irgendwie an den Film 8mm erinnert.

Eine originelle und spannende Story sieht sicherlich anders aus. Das einzig Erfreuliche an diesem Band ist die Arbeit von Christian De Metter, der mit seinen aquarelligen Hintergründen und seiner kräftigen Strichführung bereits Shutter Island aus der Masse hervorheben konnte.

 

Wertung: 4 von 10 Punkten

Kruder Noir-Comic mit vielen Stars, aber ohne richtiges Konzept

 

Swinging London
Schreiber&Leser noir, März 2011

Text: Thomas Bénet
Zeichnungen: Christian De Metter
96 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 19,80 Euro
ISBN: 978-3-941239-62-3
Leseprobe

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Abbildungen © der dt. Ausgabe: Schreiber & Leser

Kreuzfahrer 1 – Das Gespenst mit den Silberaugen

Cover Kreuzfahrer 1Was ist eigentlich so verkehrt an rein historischen Comics? Wieso müssen neue historisch orientierte Serien sich häufig der Faktentreue verweigern und sich stattdessen einem Genremix hingeben? Mittlerweile wäre eine treue Historienadaption mal sehr außergewöhnlich. Aber die Herangehensweise, mehrere Genres zu mischen, hat natürlich auch Vorteile. So wäre historische Faktentreue ein Gerüst, welches die Handlung stark einschränken würde, da man sich nicht beliebig viele Freiheiten nehmen kann. Meist bleibt die Faktentreue denn auch auf das Dekor beschränkt. Andererseits hat Geschichte immer genügend weiße Flecken, die von Fantasie und Schöpferkraft gefüllt werden können. Man kann eben nie alles über das Vergangene wissen. In der Kombination von Tatsachen und anderen Faktoren werden erstere nicht nur glaubwürdiger, sondern reizen auch die Fantasie des Lesers eben aufgrund der weißen Stellen der Geschichte. So kann man ein grobes historisches Gerüst mit vielen Elementen anreichern, die eindeutig der Fantasie entspringen, aber in der Kombination mit dem Wahren den Anschein erwecken, dass es so hätte sein können.

Seite aus Kreuzfahrer 1In Kreuzfahrer von Izu und Alex Nikolavitch dient der gescheiterte fünfte Kreuzzug als Ausgangspunkt. In der ägyptischen Stadt Damiette wurde das Kreuzfahrerheer von einer ungewöhnlichen Pest dezimiert und musste sich geschlagen geben. Soweit die Fakten (auch real existierende Personen wie die Päpste treten auf). Im Comic wird nun konstatiert, dass die sogenannten „Assassinen“ für die Seuche verantwortlich waren und alchemistische Künste praktizierten, um Monster zu erschaffen, die als Waffe dienen sollten. Wilhelm von Sonnac, ein Tempelritter und Forscher, macht sich mit einer kleinen Schar von Rittern Jahre später daran, das Rätsel zu lösen. Mit einem Mongolen als ungewöhnlichem Verbündeten geraten die Templer aber in des Teufels Küche. Oder besser: in seine Speisekammer.

Wie schon seit mehreren Jahren sehr beliebt (z.B. in Das Dritte Testament, Missi Dominici und Das fünfte Evangelium), wird hier ein Historiencomic als Mysterythriller entworfen. Diesmal sind aber weniger christliche Elemente enthalten, sondern stattdessen ein ordentlicher Schuss Horror mit dazugehörigen Splattereinlagen: Königreich der Himmel trifft Resident Evil. Gut, der Genremix funktioniert einigermaßen. Denn warum sollte es Zombies und verwandte Monster nur in der Neuzeit gegeben haben (siehe dazu auch The Zombie Survival Guide – Recorded Attacks von Max Brooks)? Allerdings lässt das letzte Panel mit seinem Cliffhanger den Leser dann doch den Kopf schütteln. Das ist eindeutig zu viel des Guten. Aber man ist schon auf den nächsten Band gespannt, ob sich die diesmal negativ gefärbte Erwartung bestätigen wird.

Seite aus Kreuzfahrer 1Dennoch ist der Band recht unterhaltsam und spannend zu lesen. Das liegt zum einen an der Story und an der Gruppendynamik zwischen den handelnden Personen, die sich wahrlich nicht immer verstehen. Vor allem Wilhelm und sein Bruder sind verfeindet, aber auch das Misstrauen gegenüber zwei neu dazu gestoßenen Figuren ist groß. Die Animositäten innerhalb der Gruppe sind aber nicht immer deutlich herausgearbeitet. Sie sollten wohl nicht die Handlung verschleppen. Zum anderen haben die sehr detailreichen und dynamischen Zeichnungen von Zhang Xiaoyu großen Reiz. Der asiatische Background des Zeichners ist nicht zuletzt bei den Speedlines in den Actionszenen zu bemerken, die eindeutig von Manga beeinflusst worden sind. Die Hintergründe sind sehr detailreich ausgeführt, und vor allem kann auch die Farbgebung (Zhou Hualong und Li Jian) glänzen. Besonders die Lichtsetzung ist sehr gelungen und schafft nicht nur Stimmungen, sondern passt sich auch den jeweiligen geographischen Standorten an und vermag es somit, die Exotik der Schauplätze zu verstärken.

 

Wertung: 7 von 10 Punkten

Kreuzzüge sind wieder „in“, aber hier in Verbindung mit Horror sehr unterhaltsam und spannend.

 

Kreuzfahrer 1 – Das Gespenst mit den Silberaugen
Splitter Verlag, April 2011
Text: Izu, Alex Nikolavitch
Zeichnungen: Zhang Xiaoyu
Seiten, farbig, Hardcover im Buchformat
Preis: 19,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-334-8
Leseprobe

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Abbildungen © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

Filmplakate und Trailer zum Tim-&-Struppi-Film

[Update: Jetzt mit Trailer] Nachdem vor einiger Zeit schon erste Bilder aus der Real/CGI-animierten-Hybridverfilmung von Tim & Struppi  die Runde machte, sind jetzt die ersten beiden Filmplakate zu The Adventures of Tintin – The Secret Of The Unicorn aufgetaucht. Obwohl es einerseits seltsam anmutet, dass ein Comic, der derart repräsentativ für die frankobelgische Ligne Claire steht, von jenseits des Teichs verfilmt wird, lesen sich andererseits die Namen, die ins Feld geführt werden, schon irgendwie beeindruckend: Steven Spielberg als Regisseur, Peter Jackson als Produzent, dazu 3 Autoren (unter anderem Steven Moffat, prämierter Autor der neuen Doctor-Who-Fernsehserie). Die Stimmen werden den Figuren hauptsächlich von Briten geliehen, zum Beispiel von Simon Pegg, Nick Frost und Daniel Craig, und John Williams ist für die Filmmusik verantwortlich.

Obwohl ich nie sonderlich viel für Tim und Struppi übrig hatte, werde ich mir angesichts dieser illustren Kombination einen Kinogang wohl doch noch überlegen (Trailer weiter unten).

 

Das Schiff auf den Plakaten ist übrigens die titelgebende Unicorn.

Plakat 1 (Quelle), noch größer mit Klick auf „Maximize“:

Erstes Filmplakat zu Tim-&-Struppi-Film (Tintin)

 

Plakat 2 (Quelle):

Zweites Filmplakat zu Tim-&-Struppi-Film (Tintin)

 

Update 17.05.2011

Und hier der erste Trailer (diese für Europa bestimmte Version zeigt am Anfang eine Szene mehr als der US-Trailer) – bei dem das Gesicht von Tim erst ganz am Ende enthüllt wird:

{source}
<object width=“580″ height=“360″><param name=“movie“ value=“http://www.youtube.com/v/
mmf6IwRnHGk&hl=en_GB&feature=player_embedded&version=3″></param><param name=“allowFullScreen“ value=“true“></param><param name=“allowScriptAccess“ value=“always“></param><embed src=“http://www.youtube.com/v/mmf6IwRnHGk&hl=en_GB&feature=player_embedded&version=3″ type=“application/x-shockwave-flash“ allowfullscreen=“true“ allowScriptAccess=“always“ width=“580″ height=“360″></embed></object>
{/source}

 

Hinweise via Gezwitscher von @uscomicversand, @mathias1618, @Mrs_Bing und Retweet von @TintinMovie durch @GroberComics 

Batman & Robin – Batman Reborn

batmanrobin Die genretypische Verfolgungsjagd zu Beginn des Bandes signalisiert gleich die Veränderung: Das Batmobil, das den flüchtigen Gangstern im Nacken sitzt, hat nicht nur ein schnittiges Neu-Design, sondern fliegt – und im Inneren weist ein grimmiger Robin einen auffallend gesprächigen und relaxten Batman zurecht.

Klar, haben wir es hier doch nicht mehr mit der langjährig gewohnten Besetzung zu tun, denn schließlich hieß es im Zuge des Mega- und Meta-Crossovers „Final Crisis“ dank Steinfratze Darkseid ‚Bye-Bye, Bruce Wayne‘ und somit ist eine neue Fledermaus in der Stadt: Ur-Robin und nun Ex-Nightwing Dick Grayson stülpte sich in Folge die Spitzohrmaske übers Haupt. Ihm zur Seite steht als mittlerweile fünfter Robin der Sohn seines verblichenen Mentors und Thalia al Ghuls: Damian Wayne. Und den als schwierigen Fall zu bezeichnen ist so ziemlich untertrieben.

Der im Labor ausgetragene Damian, Enkelsohn von A-Klasse-Schurke Ras al Ghul, wurde von kleinauf in Kampfkünsten trainiert und aufs Töten abgerichtet und verschafft dem neuen Batman, den er für eine schwache Imitation seines Vaters hält, ein gehöriges Autoritätsproblem. Diese auf den Kopf gestellte Dynamik zwischen dem selbstbewussten, knallharten Juniorpartner und dem an sich und seiner neuen Rolle zweifelnden Heldenmentor ist es, die Grant Morrisons‘ Batman & Robin das besondere Etwas gibt. Besonders genug, um die ersten sechs Ausgaben der Serie noch einmal in gesammelter Album-Form auf den Markt zu schmeißen.

batmanrobin_1Natürlich schadet es nicht, dass die Zeichnungen der ersten drei Geschichten in diesem Band von Morrison-Spezi Frank Quitely stammen, der trotz einer gelegentlichen Faulheit in Sachen Hintergründe einige unheimlich starke Panels liefert – vor allem eine Reihe wunderbar ikonischer ganzseitiger Bilder. Quitely versteht es auch, den neuen Batman schmaler und akrobatischer als seinen Vorgänger zu inszenieren sowie die kompromisslosen, knallharten Kampfszenen aus Morrisons Skript so rüberzubringen, dass es beim Zuschauen wehtut. Und mit dem neuen Bat-Gegenspieler Professor Pyg ist dem Kreativduo wohl einer der verstörendsten und unangenehmsten Schurken aller Zeiten gelungen. Die Bilder, in denen Pyg seine Opfer in Menschenpuppen verwandelt – oder besser umoperiert – sind harter Tobak nah am Saw– und Hostel-Level und lassen den Joker beinahe harmlos wirken.

batmanrobin_2Gegenüber Quitelys Finesse kann Philip Tan, der die Umsetzung des zweiten Dreiakters „Die Rache des Red Hood“ zu verantworten hat, dann nur den Kürzeren ziehen. Tan ist beleibe kein mieser Comickünstler, aber direkt im Anschluss an Quitely werden die schwankende Qualität und die vorhandenen Schwachpunkte seiner Arbeit relativ deutlich. Und Tuscher Jonathan Glapion
hat hier mit extrem schwerem Strich oft zuviel des Guten getan. Auch Autor Morrison geht im zweiten Teil des Comicbandes erzähltechnisch ein wenig die Puste aus. Das neue Bat-Duo mit dem mittlerweile recht durchgeknallten Ex-Robin Jason Todd, der als Red Hood im Punisher-Style Jagd auf Verbrecher macht, zu konfrontieren, ist eine wirklich feine Idee; die Umsetzung des Ganzen wirkt dann aber trotz gelungener Spannungsmomente etwas uninspiriert. Der hier zusätzlich auftretende, wie weiland Dr. Lecter Gesichter abhäutende und verspeisende Schurke Pink Flamingo hat zudem außer einem scheußlich-langweiligen Kostüm und überbordenden Gewaltexzessen als Antagonist so gar nichts Spannendes zu bieten.

Aber trotz der Kritikpunkte ist auch „Die Rache des Red Hood“ noch immer überdurchschnittliche Superheldencomic-Lektüre mit gelungen-düsterer Thriller-Atmosphäre, die nur im Vergleich zum fulminanten Auftakt etwas abfällt. Letztendlich ist Morrison und Co. die Einführung des neuen Bat-Teams so gut gelungen, dass man sich wünscht, die unvermeidliche (und mittlerweile bereits stattgefundene) Rückkehr von Bruce Wayne hätte noch etwas auf sich warten lassen.

 

Wertung8 von 10 Punkten 

Morrison lässt für das neue Bat-Duo gekonnt die (Mörder-)Puppen tanzen – leider mit sinkendem Niveau in der zweiten Hälfte


Batman & Robin 1 – Batman Reborn
Panini Comics, März 2011
Text: Grant Morrison
Zeichnungen: Frank Quitely, Philip Tan
156 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 16,95 Euro
ISBN: 978-3862011452
Leseprobe

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Abbildungen © DC, der dt. Ausgabe: Panini


Frisch aus der Druckerei: April 2011

Unser monatlicher Rückblick auf die aktuellen Comic-Novitäten: Diesmal mit vielen deutschsprachigen Eigenproduktionen, mit ungewöhnlichen Micky-Maus-Comics, einer Französin in Japan und einem japanischen Afro.

HIGHLIGHT DES MONATS

University FreaksZum zehnten Verlagsgeburtstag beschenkt sich Cross Cult mit einer Rolle rückwärts in die eigene Vergangenheit: Frank Chos University Freaks wurde im Jahr 2000 von Andreas Mergenthalers Firma Amigo Grafik (damals noch unter dem Label „Gringo Comics“) veröffentlicht, aus der wenig später Cross Cult hervorging. Damals erschienen zwei Hefte, die abschließende dritte Ausgabe kam nur noch als handkopierte Billigausgaber heraus. Doch schon dort wurde im Vorwort orakelt: „Vielleicht können wir doch noch irgendwann ein Farbalbum eurer Lieblings-Looser (sic!) veröffentlichen …“ Jetzt ist es soweit: Die sehr charmante, kurzlebige Comicstripserie (die später als Liberty Meadows fortgesetzt wurde) mit einer Schar verrückter Funny Animals und einer sexy Menschenfrau erscheint im Hardcover in Farbe und mit reichlich Bonusmaterial. Eine Leseprobe gibt’s hier.

EIGENPRODUKTIONEN

Die in Hamburg lebende Künstlerin Marijpol (alias Marie Pohl) studierte an der HAW und war schon mit Beiträgen in Orang, Spring und anderen Anthologien vertreten. Beim Avant-Verlag erscheint nun ihr erster langer Comic Trommelfels, in dem es um eine archäologische Expedition geht, bei der Hinweise auf eine unterirdische Zivilisation gefunden werden. Arg viel mehr ist leider vorerst nicht herauszufinden, aber die Leseprobe (PDF) sieht sehr vielversprechend aus.

Weniger künstlerisch, eher dokumentarisch-didaktisch geht es dagegen in Grenzfall zu, das ebenfalls bei Avant erschienen ist. Mit Fördergeldern der Bundestiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur entstand ein Comic, der von einem Schüler erzählt, der in der DDR der 80er Jahre eine illegale Zeitschrift herausbringt. Dahinter stecken Thomas Henseler und Susanne Buddenberg, die eine gemeinsame Agentur betreiben, wo vor allem Illustrationen und Storyboards, aber auch ein Werbecomic für C&A entstehen (Leseprobe)

Im Bann der HexerAuch bei der Ehapa Comic Collection debütiert ein einheimisches Kreativteam: Die Münsteraner Florian Biege und Alexander Berger erzählen mit Im Bann der Hexer eine „Indianische Sage“ in wuchtigen Schwarz-Weiß-Bildern. Die Geschichte wurde vorab bereits im Magazin Comix abgedruckt, kommt in ihrer komplett digital erzeugten Schwarz-Weiß-Ästhetik aber wohl erst in Albenform so richtig zur Geltung. Leseproben gibt es beim Verlag und auf der Website von Zeichner Biege.

Der schweizer Künstler Matthias Gnehm (Tod eines Bankiers, Das Selbstexperiment) überrascht immer wieder mit ungewöhnlichen Themen, die sonst nie in Comics zu finden sind. In seiner neuen Graphic Novel Die Bekehrung (Edition Moderne) geht es nicht nur um Coming-of-Age und um Religion, sondern auch um das städteplanerische Phänomen der Zersiedelung. Drei Seiten daraus sind hier zu sehen.

Jetzt kommt späterEbenfalls aus der Schweiz kommt Kati Rickenbach. Nach Filmriss legt sie mit Jetzt kommt später bei der Edition Moderne ihren zweiten langen Comic vor. Darin erzählt sie autobiografisch von zwei Lebensabschnitten, in denen sie in Hamburg lebte. Eine Leseprobe gibt es hier.

Die Hamburgerin Moki, die 2006 den Sondermann als „Beste Newcomerin“ bekam, kennt man für ihre rätselhaft-traumartigen Gemälde und Comics. Bei Reprodukt erschien nun ihre erste Comicerzählung in Langform: Wandering Ghost, eine wortlose Graphic Novel mit kleinen Pelzwesen, die vom Erwachsenwerden erzählt (Leseprobe).

Als alter Hase darf der Leipziger Comiczeichner Schwarwel gelten, der in den Heydays des Heftchenbooms mit Schweinevogel einen kleinen Independent-Hit am Start hatte. Seit Anfang 2010 veröffentlicht er seine Graphic Novel Seelenfresser, einen düsteren Horror-Comic online in Fortsetzungen. Das erste von geplanten vier Büchern ist nun auch gedruckt zu haben, erschienen bei Glücklicher Montag.

Thorsten Kieckers aufwendige und ambitionierte Fantasy-Serie Ria – Die Lichtklan Chroniken, die er gemeinsam mit einem großen Künstlerteam erstellt, ist nun beim Splitter-Verlag zuhause. Nachdem der erste Band „Same der Hoffnung“ zunächst in kleiner Auflage im Eigenverlag herauskam (hier die Comicgate-Doppelrezension von Frauke und Geier), bringt Splitter eine überarbeitete und mit Bonusmaterial ergänzte Fassung im gewohnten Hardcover-Überformat (Leseprobe).

AUS DEN USA

Bei Tokyopop gibt es mit Bone: Legenden einen Nachklapp zu Jeff Smiths großem Fantasy-Comic-Epos Bone. Im Grunde handelt es sich hier um eine kolorierte Neuausgabe der Miniserie Stupid, Stupid Rat-Tails (auf Deutsch vor Jahren bei Carlsen als Rattenmonster-Geschichten erschienen), ergänzt mit ein wenig älterem und ein wenig neuem Material sowie einer Rahmenhandlung (US-Leseprobe bei amazon.com)

Harlequin ValentinePanini erweitert seine Neil Gaiman Bibliothek mit einem Comic aus dem Jahr 2001. Harlequin Valentine basiert auf einer Gaiman-Kurzgeschichte und wurde von John Bolton als Comic adaptiert. Die Geschichte versteht sich als moderne Interpretation der Commedia dell’arte mit ihrer berühmten Figur des Harlekin. myComics hat eine Leseprobe.

Ansonsten hatte Panini im April eine Reihe von Crossmedia-Comics zu bieten: Die Comicvariante der erfolgreichen Vampir-TV-Serie True Blood, die nun auch im deutschen Free-TV zu sehen ist, startete mit dem ersten Band. Bei myComics kann man Kapitel 1 lesen.

Außerdem gibt es eine neue Comicreihe zur TV-Serie Farscape. Hier erzählt der Comic die Handlung der Science-Fiction-Serie weiter, die 2004 nach vier Staffeln und einer Miniserie eingestellt wurde. Serienschöpfer Rockne S. O’Bannon ist hier als „Supervisor“ an Bord, man folgt also dem erfolgreichen Modell, dass Joss Whedon und Dark Horse mit den Buffy-Comics betreiben (Kapitel 1 bei myComics)

Und zum Zombie-Computerspiel Resident Evil gibt es nach Kinofilmen und Romanen nun auch die Comicvariante. Der Band erzählt die Vorgeschichte zu Teil 5 des Videospiels und kann hier angelesen werden.

In der Marvel-Miniserie X-Men: Pixie Strikes Back vom Kreativteam Kathryn Immonen und Sara Pichelli stehen weniger Action und Superheldengekloppe im Vordergrund, der Comic ist eher eine Highschool-Teenie-Geschichte, die sich vor allem um junge weibliche Mutanten dreht. Auf Deutsch bei Panini als X-Men Sonderband: Pixie schlägt zurück (US-Preview)

Passend zum Kinostart des Thor-Films schob Panini noch ein paar Comics mit dem Donnergott in die Läden: die Marvel Monster Edition 37: Thor – Sohn von Asgard enthält eine komplette Maxiserie von Akira Yoshida und Greg Tocchini. Die Fantasy-Geschichte aus der Jugendzeit von Thor spielt komplett im Reich der Götter und lässt das Marvel-Universum aus dem Spiel (Kapitel 1 zum Probelesen).

LokiWas auf Deutsch den etwas umständlichen Namen 100% Marvel 55: Thor – Loki trägt, hieß als Miniserie in den USA einfach nur Loki. Die Grundidee dahinter: Hier wird die Geschichte von Thors ärgstem Widersacher, dem stets intriganten Loki, erzählt, und zwar als Rückblick aus dessen eigener Perspektive, der naturgemäß viele Dinge anders sieht (Leseprobe)

Und auch in New Ultimates 1 spielen Loki und Thor eine tragende Rolle. Hier sind wir übrigens wieder bei Frank Cho (siehe ganz oben) angelangt, der inzwischen hauptsächlich als Marvel-Zeichner aktiv ist und diese Miniserie von Autor Jeph Loeb gezeichnet hat (US-Preview).

Die Muppet Show als Comic war eine der größten Comicüberraschungen der letzten Jahre. Autor und Zeichner Roger Langridge bekam etliche Preise und Nominierungen dafür. Erfreulich, dass es die Serie nun auch auf Deutsch gibt, nämlich bei der Ehapa Comic Collection. In meiner Rezension habe ich mehr drüber geschrieben, eine US-Leseprobe gibt es hier.

Micky EpicMit dem Videospiel Micky Epic für die Wii-Konsole ist Disney letzten Winter eine Überraschung geglückt, die viel Lob eingeheimst hat, vor allem weil in dem Spiel eine untypisch düstere Stimmung vorherrscht und sich die Story auf die komplette, über 80jährige Geschichte der Maus bezieht. Unter anderem tritt auch Mickys Quasi-Vorläufer Oswald the Lucky Rabbit in dem Spiel auf. Autor Peter David hat aus dem Spiel eine Comicadaption gemacht, die nun in der Ehapa Comic Collection erschienen ist (PDF-Leseprobe).

AUS ITALIEN

Die Lustigen Taschenbücher von Egmont Ehapa bekommen eine neue Sonder-Reihe: In der Maus-Edition geht es ausschließlich um Micky Maus, der im ersten Band „Der Meisterdetektiv“ in neun Geschichten (vonn denen vier deutsche Erstveröffentlichungen sind) als Privatdetektiv im Einsatz ist. Mehr Infos dazu gibt es auf der Fanseite lustige-taschenbuecher.de, wo jede Story einzeln besprochen wird.

AUS FRANKREICH UND BELGIEN

Coney Island BabyAls biographischen Comic mit fiktionalen Elementen, der zwei Biographien parallel erzählt, könnte man Coney Island Baby von Nine Antico bezeichnen. Es geht um die Pin-Up-Ikone Betty Page und um Linda Lovelace, Star des legendären Pornofilms Deep Throat. Als Erzähler tritt Playboy-Gründer Hugh Hefner in Erscheinung. Dass es sich hier aber mitnichten um einen Erotikcomic handelt, zeigt schon die Leseprobe. Die Süddeutsche Zeitung schrieb in ihrer Rezension: „Antico hangelt sich so kreuzbrav durch die Leben ihrer Heldinnen, dass man den Eindruck gewinnt, hier werde einem ein Wikipedia in Bildern vorgeführt“ (Leseprobe).

Tokyo Home erscheint zwar beim vor allem für Manga bekannten Verlag Tokyopop, ist aber keiner: Der Comic stammt aus Frankreich, wurde von Thierry Gloris (Missi Dominici, Codex Angélique) gescriptet und mit supersüßen Zeichnungen von Cyrielle umgesetzt, die vor allem als Kinderbuch-Illustratorin arbeitet. Es geht um ein 17-jähriges Mädchen, das von Frankreich zu ihrem Vater nach Japan zieht, wo sie eine Schule besucht und die Sprache lernt. Eine klassische Culture-Clash-Geschichte also, vermischt mit einer Teenie-Komödie. Die Leseprobe sieht wirklich hübsch aus.

Dass die Ehapa Comic Collection eine zweiteilige Albenreihe namens Odin im gleichen Monat startet, in dem der Thor-Film startet, kann nur Zufall gewesen sein, oder? Nicolas Jarry und Zeichner Erwan Seure-Le Biha interpretieren hier die nordischen Göttersagen in wuchtigen Bildern (Leseprobe).

ZarlaEher niedlich, aber thematisch nicht so weit entfernt, ist dagegen Zarla, eine neue Serie beim Piredda Verlag: Autor Jean-Louis Janssens und Zeichner Guilhem erzählen von einem kleinen Mädchen, das sich als große Drachenbezwingerin sieht, obwohl eigentlich ihr Hund Hydromel die Drachen besiegt. Erinnert ein bisschen an Wicki, sieht aber viel besser aus.

Der Splitter Verlag legt in seiner „Books“-Reihe den ersten Band der Reihe Kreuzfahrer von Alex Nikolavitch und Xiaoyu Zhang – hier geht es wieder mal um mehr oder weniger edle Tempelritter und ihre Abenteuer im Heiligen Land, hier allerdings mit deutlichem Fantasy-Horror-Einschlag. Eine Leseprobe steht hier.

Bevor Splitter im nächsten Monat mit der Collector’s Edition von Jean Van Hammes und Grzegorz Rosinskis Wikingersaga Thorgal beginnt, startet der Verlag zusätzlich die Spin-Off-Serie Die Welten von Thorgal: Kriss de Valnor, die in sieben Bänden von der Nebenfigur Kriss de Valnor erzählt. Hier eine Kostprobe.

Die Zack Edition im Steinchen für Steinchen Verlag bringt eine Gesamtausgabe von Cassio, einem historischen Thriller, der im alten Rom spielt. Der Band enthält alle vier Originalalben von Stephen Desberg und Henri Reculé. Es gibt eine französische Leseprobe und einen Videotrailer zur Serie.

DjinnSchreiber und Leser startet unter seinem Label „Alles Gute“ zwei neue Sammelband-Reihen im sogenannten Magnum-Format (Hardcover in verkleinerter Buchgröße). Sowohl Djinn als auch Largo Winch sind dort bereits als reguläre Albenausgaben erschienen, die neuen Sammelbände enthalten jeweils vier Alben zu einem recht günstigen Preis. Unter dem Motto „Das ganze Buch“ kann man das jeweils erste Album auf der Verlagswebsite kostenlos lesen (Djinn, Largo Winch).

Finix Comics hat die Serie Helden ohne Skrupel von Yann und Didier Conrad schon im letzten Jahr abgeschlossen, legt nun aber noch ein besonderes Schmankerl nach. Helden ohne Skrupel 000: Codename: Triple Zero enthält die allererste Geschichte der Reihe, die im Jahr 1996 im Magazin Spirou erschienen ist. Eine Albenausgabe erschien in Frankreich nur in Schwarz-Weiß. Finix präsentiert nun eine eigens neu kolorierte Fassung dieser Story. 10 Seiten Leseprobe gibt’s hier.

AUS ASIEN

Afro SamuraiEin eher ungewöhlicher Vertreter im Manga-Programm von Carlsen: Afro Samurai wurde bei uns zunächst durch die Anime-Verfilmungen bekannt, die bei diversen Festivals liefen und auf DVD recht erfolgreich sind. Deren Vorlage ist ein Manga von Takashi Okazaki, der zuerst 1999/2000 im Dōjinshi-Magazin Nou Nou Hau erschien (hierzulande bekannt durch eine Kooperation mit Moga Mobo im Jahr 2002). Nach dem Erfolg der Filme zeichnete Okazaki das Ding nochmal neu, jetzt kommt die deutsche Fassung in zwei Bänden auf den Markt. Hier die Leseprobe.

Die Serie Franken Fran von Katsuhisa Kigitsu (Planet Manga) ist eine Art moderne Interpretation des Frankenstein-Mythos. Kommt im Innenteil wohl nicht so deutlich erotisch daher wie die arg plakativen Cover, soll dafür aber recht deftige Horror-Elemente enthalten. Der Verlag verspricht jedenfalls eine „schwarze Horror-Komödie in maximaler grafischer Eindeutigkeit“ und bietet hier eine Leseprobe an.

Mit Deadman Wonderland von Kazuma Kondou und Jinsei Kataoka startet Tokyopop eine actionreiche Shonen-SF-Mystery-Reihe, die im größeren Format in Doppelbänden veröffentlicht wird. Sie spielt in einem Gefängnis, das als Themenpark daherkommt, in dem die Insassen ums Überleben kämpfen müssen. Eine Leseprobe steht hier.

Eine Krimiserie im Science-Fiction-Setting ist Detective Ritual (ebenfalls Tokyopop). Darin unterstützen drei jugendliche Detektive mit Spezialbegabung den „Japan Detective Club“ beim Lösen von Mordfällen. Der Verlag kündigt die Serie als „eine Art Detektiv Conan für Erwachsene“ an. Hier eine Kostprobe.

Links der Woche: Mit dem Gratis-Comic-Tag und Stan Lees Cameo-Auftritten

Unsere Links der Woche, Ausgabe 19/2011:

 

gratiscomictagIm Mittelpunkt der dieswöchigen Linksammlung steht der Gratis-Comic-Tag, der morgen, am 14. Mai, zum zweiten Mal in fast allen deutschen Comicläden (und auch in manchen Buchhandlungen) stattfindet. Die hiesigen Verlage bringen zu diesem Anlass insgesamt 44 eigens produzierte Hefte heraus, die kostenlos verteilt werden. Weitere Infos sind auf gratiscomictag.de zu finden.

Gratis Comic Tag Challenge
Minds Delight, Marco Friedersdorf
Der Berliner Blogger Marco Friedersdorf hat innerhalb der letzten fünf Tage alle 44 Gratiscomics gelesen und widmet jedem davon einen kleine Kurzrezension. Respekt!

Gratis Comic Tag 2011: Rezensionen
Splashcomics, diverse Autoren
Das Portal Splashcomics, Kooperationspartner des GCT, widmet jedem einzelnen der 44 Gratis-Comics eine eigene Besprechung. Noch ist die Liste nicht ganz vollständig.

Gratis-Comic-Tag 2011: Subjektiver Überblick
pannor.de, Stefan Pannor
Comicjournalist Stefan Pannor bringt Kurzrezensionen von GCT-Heften in mehreren Teilen als „kurzen, absolut unvollständigen und subjektiven Überblick über diverse Erscheinungen zum Gratis-Comic-Tag“.

Im Rausch der Bilder
Der Tagesspiegel, Oliver Ristau und Lars von Törne
Auf seinem Comic-Portal gibt Der Tagesspiegel einen Überblick über das Angebot am Gratis-Comic-Tag und gibt einige Empfehlungen.

Der Tag der bunten Bilder
ZDFkultur, Alexander Glodzinski
Und auch das Fernsehen entdeckt den GCT. Der kürzlich neu gestartete Digitalkanal ZDFkultur widmet ihm in seinem Magazin „Der Marker“ einen kurzen Beitrag, der im Frankfurter Comicshop T3 gedreht wurde, wo auch die Comiczeichner Ingo Römling und Christopher Tauber zu Wort kommen. Den komplette Beitrag kann man sich online ansehen.

¿Habla Español?
Comic Report, Matthias Hofmann
Die Website des soeben erstmals erschienenen Jahrbuchs Comic-Report ergänzt das Printprodukt mit Newsmeldungen, Rezensionen und Artikeln. Darunter ist z.B. auch dieses Interview mit Heiner Lünstedt und Michael Kompa, den neuen Organisatoren des Comicfestivals München, welches dieses Jahr vom 23. bis zum 26. Juni stattfinden wird. 

Mädchencomic, das unbekannte Wesen: »Comic Girls« bei Tokyopop
Comic Report, Matthias Hofmann
Ebenfalls beim Comic Report: Ein Interview mit Elke Benesch, die beim Verlag Tokyopop für die Mädchencomic-Schiene zuständig ist, in der frische Comics aus Frankreich erscheinen, die sich vornehmlich an junge weibliche Leser richten. 

HPoster #6
lucylou.livejournal.com, Lucy Knisley
Comiczeichnerin Lucy Knisley fasst jeden Harry Potter-Band in Form von Kurzcomics auf jeweils einem schön gestalteten Poster zusammen. Die ersten fünf Bände hat sie schon fertig, Teil 1-3 kann man auch als Druck kaufen.

Von LOLcats bis Eisner-Award
YouTube, Kanal „republica2010″/Johannes Kretzschmar
Die Präsentations-Slideshow von Beetlebums Vortrag auf der re:publica 2011 hatten wir ja neulich schon verlinkt. Nun ist auch eine Videoaufzeichnung des gesamten Vortrags verfügbar, die 45 Minuten dauert. Laut aufdrehen, sonst hört man fast nix!

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Stan Lee Cameos (Marvel Movies)
YouTube, User323232
Seit dem ersten X-Men-Film ist es gute Tradition, dass Marvel-Urvater und „Chairman Emeritus“ Stan Lee in fast jedem Marvel-Film einen winzigen Kurzauftritt hat. Hier sind sie – mit Ausnahme der neuesten Filme – alle zusammengeschnitten:

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An dieser Stelle auch mal ein dickes Dankeschön an die fleißigen Twitterer @YayComics, @MrsBing, @Fadenaffe und vor allem @GroberComics, denen ich immer wieder wertvolle Hinweise auf interessante Links verdanke.