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Der Witz der Relationen in XKCD

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Der Witz der Relationen – Studienarbeit über den Webcomic XKCDDer amerikanische Webcomic XKCD ist einer der erfolgreichsten Webcomics weltweit. Das erkennt man schon daran, dass der Autor des Strips, Randall Munroe, inzwischen von seinem Strip und den zugehörigen Merchandising-Artikeln gut leben kann. Die Figuren in XKCD werden mit primitivsten Mitteln als Strichmännchen dargestellt, doch merkt man sehr schnell, dass die Qualitäten von Munroes Schaffen sich nicht unbedingt im Zeichnen erschöpfen. Seine Stärken liegen vor allem in einer geschickten und äußerst ansprechenden Netzpräsentation, mit dezent, aber effektiv eingesetzten Spielereien und vor allem seiner Gabe, absurde Schaubilder und Diagramme zu gestalten, die jeden nur erdenklichen Sachverhalt witzig oder originell darstellen können. Häufig sind diese Schaubilder nicht einfach zu entschlüsseln, daher gibt es zu diesem Webcomic Diskussionsforen und sogar Wikipedia-Einträge. Man kann sagen, dass XKCD eine sehr nerdige Stripreihe ist, und auch Randall Munroe, ehemaliger NASA-Programmierer, kann sicher mit Fug und Recht als Nerd bezeichnet werden.

Im Folgenden ein Auszug des aktuellen Eintrags über Nerds aus Wikipedia (Stand 11.11.2012): „Charakteristisch für Menschen, die gerne als Nerds bezeichnet werden, oder die sich selbst gerne so bezeichnen, sind [! ist, Anm. d. Verf.] ein überdurchschnittlich ausgeprägtes Interesse an der Erlangung von Fach- oder Allgemeinwissen sowie auffällig rational geprägte Denk- und Verhaltensweisen. Dies lässt sie aus Sicht ihrer Altersgenossen oft unangepasst und eigenbrötlerisch erscheinen. Viele Nerds zeigen deutlich wenig Interesse an den vorherrschenden Jugend- oder gesellschaftlichen Trends. Im weiteren Sinn konzentrieren sich Nerds auf Spezielles, das anderen Menschen langweilig oder abstrus erscheinen kann, aber nicht muss.“ Demzufolge ist die extensive Beschäftigung mit einem Webcomic per definitionem schon etwas Nerdiges. Die Figuren aus XKCD agieren darüberhinaus wie prototypische Nerds und bieten damit natürlich auch eine perfekte Identifikationsmöglichkeit für nerdige Leser.

Einer der XKCD-Gags, die sich an Film- und Spielefreunde wenden

Zu dieser Reihe existiert nun auch ein wissenschaftlicher Aufsatz, der XKCD mit der Wissenschaft der Diagrammatik und der Humortheorie verknüpft. Verfasst hat die Arbeit Der Witz der Relationen: Komische Inkongruenz und diagrammatisches Schlussfolgern im Webcomic XKCD Lukas R. A. Wilde, ehemaliger Student für Theater- und Medienwissenschaften, Japanologie und Philosophie mit Schwerpunkt Medientheorie. Wildes Interessen liegen ferner in der Diagrammatik sowie des anschaulichen Denkens und Schlussfolgerns, aber auch der Theoriegeschichte der Comicforschung.

Eine der typischen Infografiken aus XKCDLaut Klappentext des Buches erschließt die Untersuchung Wildes mit dem Thema ‚komische Infografik‘ „nicht nur einen originellen und hochaktuellen Gegenstandsbereich, sondern bietet auch einen einsteigerfreundlichen Überblick über den gegenwärtigen Stand der Diagrammforschung – mit einem Fokus auf semiotischen und erkenntnistheoretischen Perspektiven.“ Und tatsächlich, einen kleinen Einblick in die Diagrammforschung habe ich durch die Lektüre auch erhalten, allerdings in einer Sprache, vor allem einer Terminologie, die für Laien gelinde gesagt eine Herausforderung darstellt. Nur so viel: Jede Umrisszeichnung eines Pferdes, das heißt letztlich jede Comiczeichnung, die mit Tusche arbeitet, kann bereits als Diagramm bezeichnet werden, da sie eine graduelle Reduktion des beschriebenen Gegenstands darstellt, was ein einendes Charakteristikum jeden Diagramms ist. Um diese sehr weite Definition des Begriffs Diagramms einzugrenzen, werden Tortendiagramme, Achsendiagramme etc. als diagram proper bezeichnet, das heißt auch die in XKCD verwendeten Diagramme sind eigentlich diagrams proper.

Beispiele:

Beispiel für ein Diagramm in der Webcomicserie XKCD 

 

 Beispiel für ein Diagramm in der Webcomicserie XKCD

Man muss sich bei der Lektüre über Diagrammatik durch allerhand Definitionen und Eingrenzungen wälzen; darüberhinaus arbeitet sich Wilde noch am Themenkomplex der „Inkongruenz zwischen Hypothesenbildung und Witz“ ab: Wann führt eine Hypothese zu einer brauchbaren Schlussfolgerung und welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit diese Schlussfolgerung als Witz erkannt werden kann? Natürlich streifen beide Themenbereiche auch Inhalte der Webcomicreihe XKCD, und Wilde bemüht sich redlich, alles in einen Zusammenhang zu setzen. All dies ist in der vorliegenden Informationsdichte für den Laien allerdings nur eingeschränkt nachvollziehbar und insgesamt wird leider nur sehr punktuell auf sehr wenige Strips der Reihe eingegangen. Die wenigen Menschen, für die diese wissenschaftliche Fingerübung von Interesse sein dürfte, dürften die Schnittmenge von XKCD-Lesern und Diagrammatikern abbilden (auch davon ließe sich ein schönens Schaubild zeichnen). Leicht amüsant kommt mir dabei der Umstand vor, dass die angewandten wissenschaftlichen Methoden in etwa dem entsprechen, was Munroe in seinem Webcomic aufs Korn nimmt: Auch die wissenschaftliche Forschung erscheint nerdig auf dem Gebiet der Diagrammatik, vor allem im Zusammenspiel mit gewollt absurd-ironischen Schaubildern. Dabei sind die wenigen Interpretationen von XKCD-Diagrammen vor diesem Hintergrund nicht einmal uninteressant. Dem Laien reicht es aber völlig, auf ganz ähnliche Schlussfolgerungen durch common sense zu kommen, durch gesunden Menschenverstand – Kontextsensibilität würde der Diagrammatiker sagen.

Ein Detail aus der 1110. Folge von XKCDVor wenigen Wochen erschien als 1110. Episode von XKCD ein Strip mit der Überschrift „Click and Drag“. In ihm räsoniert ein Strichmännchen „I expected the world to be sad and it was. And I expected it to be wonderful. It was. I just didn’t expect it to be so big.“ Währenddessen greift das Männchen nach einem Luftballon und hebt damit vom Boden ab. In dem Panel mit dem Textfeld „I just didn’t expect it to be so big“ bekommt man einen Eindruck von der Weitläufigkeit der Umgebung. Der Clou: Nimmt man die Maus und klickt das Panel an, kann man die Landschaft scrollen. Man entdeckt dabei immer wieder neue kleine Gags, das Beeindruckende ist aber tatsächlich, wie ausufernd groß Munroe seine Landschaft angelegt hat (mittlerweile gibt es einige Übersichtskarten, zum Beispiel hier). Die meisten Interpretationen, die ich bisher zu diesem Bild gelesen habe, erschöpfen sich in der Erkenntnis, dass Munroe mit dem mühsamen „Click and Drag“ eine treffliche Analogie zum wahren Leben in seinen Strip eingebaut hat, das ja ebenfalls manchmal mühsam ist. Man kann darin aber auch eine ziemlich gelungene Antithese zum einengenden Denken in Graphen, Diagrammen und Hypothesen sehen. Tatsächlich ist die Welt viel zu groß, um sie in Raster pressen zu können. Randall Munroe mag ein Nerd sein, aber er ist reflektiert genug, sich über seine eigenen Manien lustig zu machen und denkt den Gegenentwurf ebenfalls mit.

Die Arbeit von Lukas R. A. Wilde mag für Spezialisten aus seinem Fachbereich wie Bildwissenschaftler einen gewissen Reiz haben, für Fans, die nach Interpretationen und Erklärungen der manchmal kryptischen XKCD-Strips suchen, sind die Websites und Foren zur Reihe aber sicher die bessere Wahl.


Wertung
: Ohne Bewertung

 

Der Witz der Relationen: Komische Inkongruenz und diagrammatisches Schlussfolgern im Webcomic XKCD
ibidem-Verlag, Oktober 2012
Text: Lukas R. A. Wilde
169 Seiten
Preis: 29,90 Euro
ISBN: 978-3838204062
Klappentext und Inhaltsverzeichnis

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Abbildungen © Randall Munroe, Buchcover: ibidem-Verlag

 

Links der Woche: Mit Frauencomics, Comicfrauen und einem singenden Alan Moore

Unsere Links der Woche, Ausgabe 36/2012:

 

Brüste statt Kulleraugen
Berliner Zeitung/Frankfurter Rundschau, Katja Lüthge
Der Carlsen Verlag wendet sich mit seiner „Special Edition for Ladies“ an ein weibliches Lesepublikum. Die ersten drei Graphic Novels unter diesem Logo sind gerade erschienen. Der Beitrag von Katja Lüthge wirft einen kritischen Blick auf die Bücher und macht den weiblichen Körper als gemeinsames Thema der drei Bände aus.

Mit den Waffen der Frau
Der Tagesspiegel, Lars von Törne
Die Carlsen-Reihe wird auch in dem Text von Lars von Törne erwähnt, der sich zum 70. Geburtstag von Wonder Woman mit weiblichen Comic-Heldinnen befasst. Darin schlägt er den Bogen von aktuellen DC-Comics über das Indie-Projekt Womanthology bis zum aktuellen Comic der Zeichnerin Aisha Franz.

Nichtlustig Trickfilmserie
nichtlustig.tv, Joscha Sauer
Joscha Sauer werkelt schon seit längerer Zeit an einer Umsetzung seiner Nichtlustig-Cartoons als Zeichentrickfilm. 10 Minuten sind schon fertig produziert, aber damit mehr, am besten eine ganze Serie, daraus werden kann, fehlen 100.000 Euro. Diese sammelt Sauer nun nach dem Crowdfunding-Prinzip im Internet. Die Besonderheit: Er nutzt dabei keinen der etablierten Crowdfunding-Dienstleister, sondern eine selbst aufgesetzte Website. Nach gerade mal einer Woche ist bereits fast die Hälfte des Ziels von 100.000 Euro erreicht, die Aktion läuft noch bis Jahresende. Die ersten 10 Trickfilm-Minuten inklusive Spendenaufruf gibt’s hier:

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Herausforderung Comic-Übersetzen
Eselsohr, Marc-Oliver Frisch
Im Eselsohr, einer Fachzeitschrift für Kinder- und Jugendmedien, erscheint regelmäßig die Kolumne „Auf ein Wort“, die vom Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke (VdÜ) betreut wird. In der aktuellen Ausgabe schreibt Marc-Oliver Frisch über das Übersetzen amerikanischer Comics und die besonderen Herausforderungen, die darin liegen. Dazu liefert er Beispiele aus seinen Übersetzungen von Chew und Supreme. Der VdÜ stellt die Heftseite als PDF zur Verfügung.

Babble & Doodle #0
YouTube, Johannes Kretzschmar, Tim Gaedke, Jeff Chi
Drei Webcomic-Zeichner treffen sich in einem Google-Hangout, quasseln und zeichnen am Computer, und wir können zuschauen. Daraus soll ein regelmäßiger Video-Podcast werden. Das Format ist vielversprechend, aber noch ein wenig in der Findungsphase, folgerichtig ist der erste Versuch auch als Nummer 0 gekennzeichnet.

Alice, wie sie keiner kennt
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Andreas Platthaus
Nach dem Abschluss des letzten FAZ-Fortsetzungscomics Als ich so alt war von Katja Klengel läuft seit vergangenem Dienstag die neue Stripreihe. Alice in Sussex von Nicolas Mahler gehört zu den vom Suhrkamp Verlag angekündigten Graphic Novels, bei deren Programm FAZ-Redakteur Andreas Platthaus beratend tätig ist. Zum Start stellt er den Comic vor, der keine direkte Adaption von Lewis Carrols Alice im Wunderland ist, sondern auch auf der Erzählung Frankenstein in Sussex des Österreichers H.C. Artmann basiert, die wiederum eine Art Fortschreibung des Kinderbuch-Klassikers ist. Die Strips erscheinen Dienstags bis Freitags im Feuilleton der FAZ und online.

America: Elect! The action-packed journey to US election day in graphic novel form
The Guardian, Richard Adams und Erin McCann
Die Website der britischen Tageszeitung The Guardian erzählt die Geschichte der letzten US-Präsidentschaftswahl in Form eines teilweise animierten digitalen Comics nach.

Shorties!
Vintage Books
Der Wettbewerb um den britischen „Graphic Short Story Prize“, gestiftet vom Verlag Jonathan Cape, der Zeitung The Observer und dem Festival Comica, fand in diesem Jahr zum sechsten Mal statt. Die besten eingereichten Comic-Kurzgeschichten aus den fünf Jahren davor kann man in dem Sammelband Shorties! lesen, der online in verschiedenen Formen kostenlos verfügbar ist: Zum Durchklicken bei isuu, als epub fürs iPad und als PDF zum Ausdrucken.

Alan Moore debut single released by Occupation Records
The Guardian, Peter Walker
Pünktlich am 5. November („Remember, remember …“) hat das Musiklabel Occupation Records eine Single von Alan Moore veröffentlicht: The Decline of English Murder entstand, nachdem die Protestbewegung Occupy das Symbol der Guy-Fawkes-Maske aus Moores Comic V for Vendetta ausgiebig einsetzte und der Autor sich als Sympathisant der Bewegung bekannte. Den Track gibt es als digitalen Download für 1 Pfund oder kostenlos im Stream beim Guardian. Eine kleine, kritische Textexegese kann man bei The Beat lesen.

Showman Killer 2 – Das goldene Kind

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Cover Showman Killer 2Der erste Band dieser neuen Serie von Meister Jodorowsky konnte nicht so ganz überzeugen. Immerhin bot er Kurzweil, aber eine Story war im Grunde noch nicht vorhanden und es gab „nur“ Action zuhauf. Im Gegensatz zum Einstiegsband entwickelt sich nun aber eine Geschichte. Dementsprechend gibt es andere Elemente als Action und Gemetzel, wobei auf diese Zutaten nicht verzichtet wird.

Während die Suprahierophantin alles daran setzt, den Omnimonarchen (der Herr der Galaxis) zu entmachten und selber die Herrschaft zu übernehmen, muss sich der gefühllose Showman Killer mit dem Baby auseinandersetzen, welches er im ersten Teil gerettet hat. Genervt von dessen Wehklagen und seiner eigenen Unfähigkeit, lässt er mit Hilfe einer Maschine das Baby in kurzer Zeit mehrere Jahre reifen und gleichzeitig maschinell das Kämpfen erlernen. Und das braucht der Junge, einfach nur „Nein“ benannt, auch dringend, denn der Showman Killer macht sich die Suprahierophantin zur Feindin, als er einen Auftrag verweigert. Diese setzt ein hohes Kopfgeld auf den Killer aus und die ganze Galaxis macht nun Jagd auf ihn und seine Freunde. Doch es wartet noch eine böse Überraschung auf ihn.

Seite aus Showman Killer 2Wie gesagt, nun gibt es also sogar eine Geschichte und der Cliffhanger am Ende verweist auch auf eine Erweiterung der ganzen inhaltlichen Dimension. Aber neu wirkt das Ganze immer noch nicht. Was mancher als Selbstzitat, oder sogar Kopie, bezeichnen könnte, wird Fans von Jodorowsky erfreuen, da er seine Fans zufrieden stellt. Showman Killer erinnert stellenweise fatal an die Meta-Barone, die ja auch schon ein Spin-Off vom Incal waren. Ein übermächtiger Killer gegen eine ganze Galaxis, wie soll da noch Spannung entstehen?

Immerhin gibt es nun auch trockenen Humor, der an die Kommentare der Roboter in den Meta-Baronen erinnert. Und in der Tat kommen die Gags auch diesmal wieder von Robotern. Neu ist die echsenähnliche Kreatur, die auch mal schöne genervte Kommentare von sich gibt. Ansonsten sind auch die typischen anderen Zutaten von Jodorowsky zu finden: mysteriöse Frauen, Esoterik und ein großes Misstrauen gegenüber herrschenden Strukturen. Insgesamt also nicht gerade innovativ, aber es gibt doch immer wieder einige schöne Einfälle. Vor allem die Graphik kann beeindrucken, welche nicht nur sehr opulent, sondern auch detailreich gestaltet ist und einen richtig in das All hinein zieht. Die Kolorierung, deutlich erkannbar am Computer entstanden, dürfte Puristen erzürnen, passt aber gut zum Science-Fiction-Genre.

Insgesamt ist der Comic inhaltlich also immer noch nicht sonderlich überzeugend, aber die graphische Ebene reißt einiges heraus. So ist etwa eine schöne, passende Szene zu finden, in welcher der Showman Killer und der Junge durch eine Art symbolische Vagina fliegen, um anschließend mehr über ihre Vergangenheit zu erfahren. Die neue Sichtweise auf ihre eigene Geschichte wird durch das treffende Bild als neue Geburt stilisiert. Solcherart gezeichnetes, tröstet dann doch wieder über dramaturgische Schwächen und Wiederholungen hinweg. Gut, aber nicht berauschend.

 

Wertung: 5 von 10 Punkten

Eine Serie voller Selbstzitate, die zwar inzwischen sogar eine Story hat, aber hauptsächlich graphisch überzeugt.

 

Showman Killer 2 – Das goldene Kind
Ehapa Comic Collection, Mai 2012
Text: Alejandro Jodorowsky
Zeichnungen: Nicolas Fructus
Übersetzung: Uwe Löhmann
54 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 13,99 Euro
ISBN: 978-3-7704-3541-8

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Abbildung aus der frz. Originalausgabe, © Delcourt

She !s me – Act 3

Webcomic She Is Me! (Oh no! I'm a girl!)After almost four years, the English version of Jots webcomic She !s me!finally continues!

06.09.2012: First chapter of the third act is online.
20.09.2012: Second and third chapter of the third act are online.
08.11.2012: Fourth chapter of the third act is online.

Best start from the overview.

 

Updates every Thursday.

 

Die Odyssee

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Cover Die OdysseeVor gut 30 Jahren begann die Arbeit an dieser Comicadaption von Homers Odyssee. Nun liegt das Werk endlich in einem deutschen Album vor. Die beiden Spanier Pèrez Navarro und Martìn Sauri halten sich eng an die Vorlage, aber verdichten die Handlung natürlich sehr stark, beziehungsweise reduzieren sie auf die wesentlichen Eckpunkte: Odysseus, Held der Schlacht um Troja, möchte mit seinen Männern nach dem Krieg auf seine Heimatinsel Ithaka zurückkehren. Doch die zornigen Götter meinen es nicht gut mit Odysseus und verwandeln seine Reise in eine jahrelange Tortur. Während er sich mit Zyklopen, Sirenen und mehr herumschlagen muss, muss sich seine Frau Penelope allerlei Verehrern erwehren, die nur zu gerne die Rolle des Königs in dessen Abwesenheit einnehmen würden.

Pèrez Navarro bemüht sich um einen sprachlich zeitlosen Comic mit viel Respekt vor der Originalliteratur. Und obwohl die meisten Szenen nur sehr verkürzt dargestellt sind, gelingt es dem Autor, die Dramaturgie auf den Leser zu übertragen.

Seite aus Die OdysseeIn erster Linie ist Die Odyssee in dieser Comicversion jedoch ein grafisch herausragendes Projekt. In schlichtem Schwarzweiß gehalten, entwirft Martìn Sauri wuchtige und ausdrucksstarke Bilder. Die Striche sind grazil mit ganz feinen Schraffuren, was im krassen Widerspruch zur expliziten Gewaltdarstellung und zur Überbetonung menschlicher Körper steht. Sauris Zeichenstil ist nicht auf künstliche Dynamik ausgelegt, sondern setzt, dem Stoff angemessen, auf eine ruhige, fast statische Charakterisierung. Sauri bewegt sich damit in einem Feld zwischen Frank Miller und Hal Foster, von beiden vereint er gewisse Merkmale ohne seine Eigenständigkeit einzubüßen.

Neben einer an und für sich schon fesselnden Geschichte, einem abenteuerlichen Ausflug in die griechische Mythologie, gewinnt der Comic ungemein durch seine auffällige Optik. Vor diesem Hintergrund ist Die Odyssee sowohl Kennern des klassischen Stoffes als auch Lesern ohne Vorwissen zu empfehlen. Allein aufgrund der brillanten Bebilderung werden Comicliebhaber ihre wahre Freude daran haben.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Ein Klassiker der Literatur in einem faszinierenden Gewand

 

Die Odyssee
Verlag: Ehapa Comic Collection
Text: Pèrez Navarro
Zeichnungen: Martìn Sauri
Übersetzung: Bernd Leibowitz
72 Seiten, s/w, Hardcover
Preis: 19,99 Euro
ISBN: 978-3-7704-3542-5
Leseprobe (PDF)

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Ehapa Comic Collection

Interview mit Johanna Baumann alias „Schlogger“

Johanna Baumann ist Illustratorin, Animatorin und Comiczeichnerin. Als Bachelorarbeit im Studiengang Medien und Informationswesen an der FH Offenburg zeichnete sie den Comic danach, in dem zehn Personen von der „Zeit nach einer Trennung“ erzählen. Nachdem sie einige dieser Episoden auch beim Portal myComics veröffentlicht hatte, bot ihr der Panini Verlag an, danach als Buch zu veröffentlichen. Seit September ist es nun im Handel. Für Comicgate hat sich Stefan Svik per E-Mail mit Schlogger unterhalten.

 

COMICGATE: Was ist ein „schlogger“, ein schwäbischer Blogger?

Schlogger: Ächm. Nein 😉 Zum ersten bin ich badisch (und da muss man aufpassen, da zwischen Badnern und Schwaben eine alte Fehde herrscht) und zum zweiten gab es das Wort vor mir nicht. Es handelt sich um eine Wortkreation aus dem badischen „Das ist locker“ („Des isch logger“). Auch zu sehen hier.

 

Cover danachDu schreibst in danach, das Dir die TV-Serie How I Met Your Mother ein treuer Begleiter war. Welche Figur in der Serie gefällt Dir am besten?

Ich mag Marshall sehr gerne, weil er super singen kann und weil ich seinen Humor gut finde.

 

Und welche weibliche Figur aus How I Met Your Mother ähnelt Dir am ehesten?

Das ist schwierig, da ich finde, dass die (Haupt-)Figuren nicht sehr konsistent geschrieben sind. Wahrscheinlich eher Robin, weil ich mich manchmal auch eher „männlich“ sehe.

 

Bist Du ein sehr fröhlicher, optimistischer Mensch und ähnelst der „Comic-Figur“ oder zeigst Du in danach nur wenig von Deinem Innersten?

Ich bin in der Regel ein sehr optimistischer Mensch! Eine Geschichte in danach ist ja auch von mir, ich zeige also schon viel von meinem Inneren. Und in meinen kleinen Webcomics, den „Gehirnfürzen“, geht es ja auch meistens um mich.

 

Mein erster Gedanke war, dass danach die Geschichte einer Trennung von Mutter und Vater aus Sicht eines Kindes wäre, das suggerierte das Cover zumindest für mich. Beim Lesen dachte ich persönlich dann auch an die Trennung von alten Jobs und ähnliches. Je älter man wird, umso weniger schwer ist eine Trennung, oder?

Wenn Du jetzt Beziehungstrennungen meinst, dann stimmt das leider nicht. Man hat sicher mehr Erfahrung in dem Bereich, das ändert aber nichts daran, dass jede Beziehung individuell ist und dass man durch den jeweils neuen Partner und die spezielle Zuneigung zu dieser Person jedesmal aufs Neue sehr verletzt werden kann, wenn es vorbei ist.

 

Seite aus danachIn danach gefallen mir einige visuelle Ideen wie „Der Alltag“ sehr gut. Die Szene auf Seite 64 hat etwas sehr verstörendes, wie ich finde. Das ist eine Vergewaltigung, die dann mal eben so eingestreut wird. Möglicherweise wird diese Stelle sogar übersehen. Was denkst Du darüber?

Ich hab die Geschichte so aufgezeichnet, wie sie mir erzählt wurde. Und mein Interviewpartner ist danach eben nicht mehr darauf eingegangen, als ich das gezeichnet habe. Ich habe allerdings mittlerweile gehört, dass diese Art Vergewaltigung (eine des Partners) anscheinend öfters passiert. Das finde ich natürlich eher erschreckend.

 

Hast Du für danach Männer und Frauen interviewt? Reagieren Männer und Frauen anders auf Trennungen?

In danach sind mehr Fraueninterviews, das lag einfach daran, dass ich diese zuerst zur Hand hatte und dass dann keine Zeit mehr war für mehr. In der Zwischenzeit habe ich auch mit sehr vielen Männern über ihre Trennung geredet. Ich habe höchstens den Eindruck, dass mehr Männer sehr sensibel auf Trennungen reagieren oder dass Frauen auch öfters einfach mal „weiterziehen“, aber eigentlich gibt es jede Art bei jedem Geschlecht.

 

Auf Seite 21 stört sich ein Mädchen am „Kindergarten-Humor“ ihres Freundes. Man sagt, dass Mädchen in den Teenager-Jahren in der Entwicklung weiter sind als die Jungs. Die Neuauflage des Yps-Heftes war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft, ein Heft das sich an die 30- bis 45-jährigen richtet, die in den 70er und 80er Jahren Kinder waren. Es gibt den Film Jungfrau (40), männlich, sucht über einen 40-jährigen Mann, der sich mit Actionfiguren umgibt und Videospiele spielt. Immer mehr Menschen (nur Männer?) wollen anscheinend ewig Kinder bleiben. Ist da was Wahres dran und findest Du das lästig?

Da ist sicher was Wahres dran. Solange man seriös sein kann, wenn es gebraucht wird, finde ich das aber nicht lästig. Im Gegenteil, dieses „Kindliche“ ist für mich eher ein Zeichen, dass man das Jetzt genießen kann und sich kreativ austobt. Ich komme ja sozusagen aus der Game-Szene und die Menschen dort sind alle sehr sehr nett. Sie sind Beispiele dafür, dass sich das „Kindliche“ und das „Erwachsene“ nicht ausschließt.

 

Seite aus danachDas Nicht-Reden-Können ist generell ein Problem in Beziehungen. Das ganze Jahr über häufen sich Probleme an, die nicht angesprochen werden und Weihnachten soll man dann auf Kommando glücklich und friedlich sein, dabei merkt man, das man nicht dem „Ideal“ aus den kitschigen Romantik-Komödien entspricht und leidet dann darunter. Ich denke, das Problem haben Männer und Frauen gleichermaßen. Eventuell reagieren Männer dann darauf eher roher als Frauen. Was meinst Du dazu?

Äh. Meine Erfahrung ist wie gesagt, dass ich genauso viele sensible Männer wie impulsive Frauen getroffen habe. Also ja: Das Problem haben dann doch auch Männer und Frauen gleichermaßen.

 

Es sind Extremfälle, aber immer mal wieder rasten Männer nach einer Trennung komplett aus, mit Mord und Totschlag. Haben Frauen den Vorteil, dass sie eher über ihre Gefühle sprechen, bevor etwas eskaliert? Wäre so eine Stalker-Geschichte nicht noch interessant für danach gewesen oder wolltest Du es nicht zu reisserisch gestalten?

Klar wäre das interessant gewesen! Hätte ich so eine Geschichte gehabt, hätte ich sie reingenommen. Aber wie gesagt, als ich meine Bekannten interviewt hatte, war das Buch schon voll. Und so nebenbei glaube ich, dass Frauen manchmal eher weniger über ihre Gefühle sprechen als Männer, sondern viele Probleme alleine in ihrem Kopf lösen wollen.

 

Carlsen hat gerade eine Reihe mit Graphic Novels extra für Frauen gestartet, etwa Luft und Liebe – ist danach auch ein Buch eher für Frauen? Hast Du mehr weibliche als männliche Fans? Angeblich werden ja über 60 % der Bücher (nicht speziell deiner, sondern allgemein) von Frauen gelesen – warum ist das so?

Mhm, das weiß ich leider nicht. Vielleicht weil Männer eher gerne „handfeste“ Dinge tun als „nur“ zu lesen? danach ist auf jeden Fall nicht nur für Frauen, denn Trennung geht ja beide Geschlechter etwas an. Ich selbst habe es auf jeden Fall genauso vielen Männern wie Frauen signiert.

 

Seite aus danachWas kam bei Dir „danach“, also nach einer Trennung? Eine Mischung aus allen Geschichten im Buch oder gibt es eine, die besonders stark auf Dich zutrifft?

Wie gesagt, eine Geschichte ist meine eigene. Ich hatte aber mehr als eine Trennung in meinem Leben und die sind alle unterschiedlich verlaufen. Sei es, dass ich sofort einen Neuen hatte oder mich erstmal ausgetobt habe oder erstmal in ein tiefes Loch gefallen bin. Ich kann mich daher mit vielen Geschichten aus danach identifizieren.

 

Du arbeitest jetzt in Hamburg an Filmen, richtig?

Ich habe in Hamburg bei der Computerspielefirma Daedalic Entertainment an Spielen wie Deponia 1 und 2 und The Rabbit’s Apprentice mitanimiert. Jetzt bin ich allerdings wieder in Freiburg und mache erstmal meinen Master zu Ende. 

 

Wie war diese Arbeit so? Stammen die Bilder im Spiel von Dir allein oder von einem Team?

Deponia ist ein klassisches 2D Click-And-Point-Adventure wie The Secret of Monkey Island oder Day Of The Tentacle. Die Spielstory stammt von Poki (der auch Edna bricht aus geschrieben hat) und das Art Design von Simone Kesterton. Ich habe also einfach „nur“ bereits bestehende Figuren animiert. Kleine Hintergrundfiguren wie Möwen oder Haifische konnte ich dann schon selbst entwerfen. Wir waren ein ziemlich großes Team, Daedalic Entertainment ist ja auch keine kleine Firma 😉

 

Wie unterscheidet sich die Arbeit für ein Spiel von der an einem Comic wie danach?

Dass ich bei Deponia animiert habe ist ein großer Unterschied zu danach. Beim Animieren muss man die selbe Figuren wie beim Trickfilm sehr oft in ähnlichen Posen zeichnen, um eine nachvollziehbare Bewegung hinzubekommen. Bei danach hingegen musste ich „nur“ statische Einzelbilder zeichnen.

 

Ist Freiburg für Dich sehr viel anders als Hamburg?

Beide Städte sind wirklich sehr schön! Hamburg ist eher kalt, dafür sehr groß, sympathisch, für jeden ist was dabei und das viele Wasser und die vielen Parks machen die Stadt sehr gemütlich. Außerdem ist dort eine viel größere Zeichnerszene und mein Freund wohnt auch da (lächelt). Dafür fehlen mir in Hamburg die Berge, die es in Freiburg mit dem Schwarzwald und dem Kaiserstuhl gibt. Die Stadt ist sehr klein, aber für mich wunderbar vertraut. Außerdem ist es in Freiburg oft wärmer und man kann länger draußen schwimmen gehen. Achja, in Hamburg sind die Schwimmbäder völlig überteuert, das nervt mich, da ich sehr gerne schwimme.

 

Schlogger beim gemeinsamen Signieren mit Davide Fabbri in Hannover Wird es weitere Comics von Dir geben?

Auf jeden Fall! Seien das kürzere Werke wie im Comic-Magazin JAZAM!, Independent-Produktionen oder längere Werke wie meine Masterarbeit. Außerdem übernehme ich nebenher auch Illustrationsjobs.

 

Könntest Du Dir ein Buch von Dir in einem ganz anderen Zeichenstil vorstellen? 

Mhm, schwierige Frage. Solange ich mich für den anderen Zeichenstil nicht sehr verstellen müsste, klar! Ich bin grundsätzlich offen für alles.

 

Bedeutet Dir Schreiben und Zeichnen gleich viel oder magst Du eines davon lieber?

Obwohl ich gerne schreibe, denke ich, dass ich lieber zeichne, da es hier mehr Möglichkeiten gibt, sich auszudrücken.

 

Welche Comic-Klassiker magst Du am liebsten? Welche Comics liest Du aktuell gerne?

Ich hab mit Asterix, Lucky Luke, Spirou & Fantasio und den Lustigen Taschenbüchern mit den Comics angefangen. Die lese ich auch alle noch sehr gerne, besonders Franquin zeichnet einfach beeindruckend! Dann kamen 1999 mit Dragonball und Sailor Moon noch die Mangas dazu und irgendwann dann die ganzen „Graphic Novels“. Achja, Ralf König finde ich auch genial! Zur Zeit lese ich Der alltägliche Kampf von Manu Larcenet und zum etwa 73. Mal Video Girl Ai von Masaku Katsura (hier geht es übrigens um „Video Girls“, die Männer trösten sollen, die unglücklich verliebt sind oder sich getrennt haben, also auch ein sehr emotionaler Manga).

 

Schlogger beim gemeinsamen Signieren mit Davide Fabbri in HannoverIn Hannover gab es neulich einen Doppel-Signiertermin mit dir und dem italienischen Zeichner Davide Fabbri. Hattest du da Gelegenheit, Dich mit ihm zu unterhalten? Tauschst Du Dich mit anderen Künstlern aus?

Ich tausche mich so oft es geht mit anderen Künstlern aus, wobei das eher Webcomiczeichner wie ich sind. Mit „Größen“ wie Davide Fabbri oder Colin Wilson hab ich immer nur bei kleinen Panini-betreffenden Gelegenheiten Zeit zu reden. Das ist dann aber immer sehr interessant.

 

Und wie war die Frankfurter Buchmesse für Dich?

Frankfurt war super! Ich liebe diese (positive) Hin- und Herhetzen zwischen Kollegen, Fans und Interviews!

 

Du bist sehr aktiv im Internet. Beeinflusst das Deine Arbeit sehr stark oder sind die Erlebnisse wichtiger, die Du offline mit Freunden und Verwandten hast?

Ich kann nur aktiv im Internet sein, weil ich offline etwas erlebe. Das Internet ist für mich eher ein Medium, in dem man die „Realität“ teilen aber nicht unbedingt erschaffen kann.

 

Macht es die „Umsonst-Kultur“ des Internets es für einen Künstler schwerer oder leichter, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten? Im Spiegel gab es dazu ein interessantes Interview mit Jan Delay und einem Mitglied der Piratenpartei. Ein „echter“ Verlag ist eben auch eine gute Methode um zu veröffentlichen und Künstler sollten angemessen entlohnt werden, richtig? Ist so was uncool für die Leser?

Ich habe eher den Eindruck, dass viele Leser gerne etwas bezahlen möchten. Das sieht man ja schon daran, dass flattr funktioniert (eine Art Spendenbutton, den man auf seiner Seite einrichten kann) oder dass beispielsweise Beetlebum von seinen Fans Comics gekauft bekommt. Daher sind die Online-Leser auch bereit, für Gedrucktes zu bezahlen – und selbst wenn das nur ein kleiner Prozentteil ist, so hat das Internet dann doch auch umsonst Werbung gemacht. Für Musiker ist das aber sicher etwas anderes, da es da keinen so großen Unterschied macht, ob man ein Lied aus dem Web hört oder gekauft hört, wie wenn man etwas auf dem Bildschirm oder gedruckt liest.

 

Wenn Du so viel im Internet liest, ist es dann schwer, nicht auf jeden Singsang zu reagieren? Vor 10 Jahren war es schwer etwas zu veröffentlichen, heute scheint die Schwierigkeit eher zu sein nicht jeden Quark sofort online zu stellen, finde ich. Ich lese über junge Menschen, die sich nach Facebook-Mobbing sogar umbringen und finde das traurig, begreife selbst auch nicht, wieso man ständig online sein sollte, ich finde das mitunter etwas zermürbend.

Viele der moderneren Generationen sind halt daran gewöhnt. Man benutzt das Internet als Allround-Zerstreuungsmedium, auf der Toilette, im Zug etc. Das mache ich selbst ehrlich gesagt auch. Es kommt dann wirklich darauf an, wie man damit umgeht. Man kann ja z.B. auch nur lesen, ohne selbst großartig etwas preiszugeben. Facebook-Mobbing bzw. Internet-Mobbing ist so brutal, weil es sich so schnell verbreitet und nicht zu unterbinden ist. Man kann schneller die Kontrolle verlieren. Mobbing ist aber auch ohne Internet schrecklich. Da muss dem einzelnen Menschen geholfen und nicht das Medium verteufelt werden.

 

Abbildungen: © Schlogger, Fotos: © Stefan Svik

Links der Woche: Mit Comics, Crumb und Carninchen

Unsere Links der Woche, Ausgabe 35/2012:

 

Lass dich überraschen
tagesspiegel.de, Reinhard Kleist
Schöne Idee: Der Tagesspiegel lässt einen „Wie macht man Comics?“-Ratgeber von jemandem besprechen, der’s wissen muss: Comiczeichner Reinhard Kleist. Der bekennt eingangs, von solchen Ratgebern wenig zu halten, von Frank „Spong“ Pleins Buch Der Comic im Kopf zeigt er sich dann jedoch sehr angetan.

Delhi Sketchbook
barbarayelin.tumblr.com, Barbara Yelin
Barbara Yelin (Gift) verbringt auf Einladung des Goethe-Instituts drei Wochen in der indischen Metropole Delhi. Ihr gezeichnetes Tagebuch, das dort täglich entsteht, zeigt sie auf einem eigenen Tumblr-Blog.

24 stunden comic
myComics
Schon letzte Woche hatten wir ein paar der Comics verlinkt, die beim „24 Hour Comic Day“ Ende Oktober entstanden sind. Bei der Digitalcomic-Plattform myComics sind noch viel mehr zu sehen, u.a. Werke von Johannes „Beetlebum“ Kretzschmar, Till Felix, Schlogger, Adrian vom Baur und Martin Rathscheck.

Best Books 2012
Publishers Weekly
Es geht wieder los, die Jahresbestenlisten kommen! Das Verlagsbranchenblatt Publishers Weekly macht den Anfang. Neben der Liste der fünf besten Comics des Jahres und zwei Comics, die bei „Children’s Fiction“ gelistet sind (darunter Hilda and the Midnight Giant, nächstes Jahr auf Deutsch bei Reprodukt) steht ein weiterer Comic an der Spitze der allgemeinen, nicht comic-spezifischen Top Ten: Chris Wares Building Stories, das aus 14 einzelnen Büchlein, Broschüren und Heften besteht.

Alter Meister!
Zeit-Magazin, Christoph Niemann
Zeichner und Illustrator Christoph Niemann (soeben mit dem Sondermann für Komische Kunst ausgezeichnet) besucht Robert Crumb und seine Frau Aline in Frankreich und interviewt sie fürs Zeit-Magazin. In der Online-Version fehlen leider die Bilder, mit denen Niemann das Interview illustriert hat.

R. Crumb und ich
Reprodukt-Blog, Barbara Ott
Gleich nochmal Crumb: Bei Reprodukt erschien soeben der Band Nausea, und im Verlagsblog erzählt Barbara Ott, Praktikantin in der Herstellung von ihrer Arbeit an dem Buch.

Carninchen
YouTube, Ralph Ruthe
Der Cartoonist Ralph Ruthe, der auch mit seinem Trickfilm-Kanal auf YouTube sehr erfolgreich ist versuchte sich im Jahr 2007 mit ein paar Freunden an einem Realfilm, für den er das Drehbuch schrieb und Regie führte: Carninchen, eine Horrorkomödie mit Menschen und Puppen. Zunächst war eine DVD-Veröffentlichung geplant. Da daraus aber nichts wurde, hat Ruthe den halbstündigen Film nun auf YouTube gestellt und mit ein paar einleitenden Worten versehen: „Der Film hat viele Längen und ist voller Fehler. (…) Aber die Alternative war, gar keinen Film zu machen. (…) Ihr müsst Carninchen nicht super finden.“

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Essex County 3 – Die Krankenschwester

Cover Essex County 3Während sich der Kanadier Jeff Lemire zur Zeit einen Namen als Architekt des neuen DC-Universums macht und nicht nur einige Storylines für verschiedene Superhelden (wie etwa Superboy) verfasst, sondern auch mit Sweet Tooth für Vertigo eine schöne Verbindung zwischen Mainstream und Independent schuf, erscheint bei uns nun auch der dritte und abschließende Band seiner Trilogie mit Geschichten aus Essex County. Diese Trilogie ebnete dem jungen Autor und Zeichner den Weg und brachte ihm auch mehrere Preise ein. Und das völlig zu Recht, schließlich ist die Serie ein Beispiel dafür, wie sehr Comics es vermögen, durch die Bilder dem Text zusätzlichen Inhalt zu geben und auch schon ohne jeden Dialog Charakterisierungen zu liefern.

Ein zentrales Thema ist dabei die Einsamkeit – sowohl die geographische mit weiten Entfernungen zwischen Häusern und Höfen, als auch die individuelle. Es ist auffällig, dass sich alle Figuren nach Nähe sehnen, aber unfähig sind, wirkliche Bindungen einzugehen. Die Seele hat eine Hornhaut und erlittene Kränkungen und Verletzungen haben dazu geführt, dass sich die Figuren einigeln. Deshalb versucht die titelgebende Krankenschwester nicht nur körperliche Verletzungen zu mildern, sondern auch in fremde Leben einzugreifen. Sie mischt sich ein, und zwar bewusst, obwohl sie selber nicht die glücklichste Frau ist.

Seite aus Essex County 3Anne Quenneville ist die ambulante Krankenschwester von Essex County und durch ihre Tätigkeit weiß sie viel von der Geschichte der Bewohner. Sie pflegt den alten Lou Lebeuf, den wir aus dem zweiten Band kennen. Er ist der Onkel von Jimmy Lebeuf aus Band 1, und Anne versucht, Neffe und Onkel wieder einander näher zu bringen. Doch der Tod von Lou wirft nicht nur sie aus der Bahn. Vielmehr sieht Anne diese verpasste Chance als Aufforderung, eine geheim gehaltene Familienkonstellation zu offenbaren. Parallel dazu wird ein Blick zurück auf die Vergangenheit geworfen und die Familienverflechtungen damit verdeutlicht.

Der Abschlussband der Trilogie fungiert gleich in mehrfacher Hinsicht als verbindendes Element. Er verknüpft alle inhaltlichen Fäden, obwohl die ersten beiden Teile auch separat zu lesen sind. Lemire führt die Figuren und die zeitlichen Ebenen aus Geschichten vom Land und Geistergeschichten zusammen. Ein zentrales Element dafür ist die Krähe: Sie bietet einen auktorial umfassenden Blick, da sie von oben her die Figuren beobachtet. Dabei ist sie nicht allwissend, sondern schließt ihre Folgerungen aus Handlungen und Körperhaltungen der Figuren und nimmt somit in gewisser Weise die Rolle des Lesers ein. Und sie verbindet auch die Zeitebenen: In der Vergangenheit rettet eine Krähe mehrere Menschenleben und dient am Ende der Geschichte, deren Ausgang Lemire offen lässt, auch als Zeichen der Hoffnung.

Auch einzelne Panels bilden eine Verknüpfung zu den Vorgängern. Etwa wenn das Bettlaken eines Jungen exakt so im Wind flattert wie das Cape von Lester im ersten Band oder wenn die Nonne in der Rückblende exakt dieselbe Mimik und Traurigkeit trägt wie die Krankenschwester. So fügt sich die Trilogie zu einem sehr harmonischen Ganzen mit einer wahren Einheit von Zeit, Raum und Dramaturgie, was man so nur noch selten findet. Dabei wirkt alles leicht hingeworfen, unangestrengt und flüchtig, obwohl wirklich jedes Bild genau durchdacht ist. Insgesamt eine hervorragend konzipierte und umgesetzte Serie, die einfach bezaubernd ist.

 

Wertung: 10 von 10 Punkten

Würdiger Abschlussband einer hervorragend konzipierten und umgesetzten Reihe eines neuen Meisters seines Fachs

 

Essex County 3 – Die Krankenschwester
Edition 52, Juni 2012
Text und Zeichnungen: Jeff Lemire
Übersetzung: Thomas Schützinger
112 Seiten, schwarzweiß, Softcover
ISBN: 978-3-935229-91-3
Preis: 13,- Euro
Leseprobe (PDF)

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Edition 52

Das Gemetzel

Cover Das GemetzelWäre dieser Comic ein Werk von David B., man würde sich über den martialischen Titel nicht wundern. Anders als sein französischer Kollege ist der bei Das Gemetzel federführende Bastien Vivès (Der Geschmack von Chlor, Polina) jedoch bislang nicht mit einer Vorliebe für Schlachten- oder Kriegsszenen aufgefallen.

Tatsächlich ist der Buchtitel vielmehr im übertragen Sinne zu verstehen; Vivès illustriert damit den alltäglichen Kampf in einer Liebesbeziehung. Stilistisch und inhaltlich knüpft der Franzose nahtlos an seinen fantastischen Comic In meinen Augen an, allerdings in deutlich reduzierter Form. Skizzenhaft und episodisch wird der Leser unvermittelt Zeuge einer kriselnden Partnerschaft. Die Szenen sind unzusammenhängend und lose aneinandergereiht; die Intention des Künstlers scheint nahe an der des besagten Vorgängerwerkes zu liegen, ohne dessen Tiefe zu erreichen.

Seite aus Das GemetzelZeichnerisch darf man sich erneut an Vivès‘ Buntstiftschraffuren erfreuen, gebrochen wird die Optik des Bandes durch weitwinklige Aufnahmen von Figuren beim Tanzen, Streiten oder Tischtennis-Spielen, deren Bewegungen sehr präzise eingefangen wurden (Ähnliches praktizierte der Künstler auch bei Polina). Der Hintergrund ist oft rein weiß gehalten und damit ähnlich karg und reduziert wie Mimik und Rhetorik der handelnden Personen.

Bastien Vivès ist ein großartiger Erzähler, bei Das Gemetzel will der Funke jedoch nicht so richtig überspringen. Viele kleine Szenen ergeben eben nicht zwangsläufig einen starken Gesamteindruck. Insofern mangelt es dem Comic an einem erkennbaren Rahmen. Ohne diesen kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, eine etwas halbgare Fortsetzung von In meinen Augen zu lesen. Dazu passt dann auch, dass man das kleinformatige Büchlein recht schnell durchgelesen hat. Schade eigentlich.


Wertung: 5 von 10 Punkten

Leider nicht der erhoffte nächste Coup des Künstlers, zum Lesen zwischendurch ganz nett

 

Das Gemetzel
Reprodukt, Oktober 2012
Text und Zeichnungen: Bastien Vivès
Übersetzung: Claudia Sandberg
88 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 15 Euro
ISBN: 978-3-943143-35-5
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Reprodukt

Die besten Geschichten von Floyd Gottfredson

Cover Die besten Geschichten von Floyd GottfredsonaltDer Micky-Maus-Zeichner Floyd Gottfredson ist einer der einflussreichsten amerikanischen Disney-Comiczeichner. Von 1929 bis 1976 zeichnete er die Mickey Mouse-Daily Strips, die in zahlreichen amerikanischen Zeitungen abgedruckt wurden. Bis in die 50er Jahre hinein waren das oft Abenteuergeschichten von epischem Ausmaß, später wurde die Veröffentlichung auf abgeschlossene Gagstrips umgestellt. Anders als die später erschienenen Comichefte waren die Strips nicht von vorneherein für Kinder produziert, und während Künstler wie Carl Barks oder der Maus-Zeichner Paul Murry, die für Disneys Comic Books gearbeitet haben, auch in Deutschland über das Micky Maus-Magazin sehr schnell ein Publikum fanden, blieb Gottfredsons Werk gerade bei uns lange Zeit unbekannt. Hierzulande wurden Gottfredsons Geschichten vor allem durch die großformatigen Ich-Bücher (Ich – Micky Maus, Ich – Goofy, Wir – Micky und Minnie etc.) von Melzer und Egmont-Horizont einem größeren Publikum zugänglich gemacht. In den 1980er Jahren versuchte sich der Ehapa Verlag sogar einmal an einer Werkausgabe, die aber leider nach ein paar Ausgaben wieder eingestellt wurde. Seitdem gab es Gottfredson nur noch sehr sporadisch bei uns zu lesen, z.B. als Beilagen-Sonderheft im Micky Maus-Magazin, oder regelmäßig als Teil von Jubiläums-Sonderveröffentlichungen zu runden Geburtstagen von Micky Maus. Alle diese Veröffentlichungen waren sehr vereinzelt und unsystematisch. Auch die Nr. 12 der Autorenreihe Disneys Hall of Fame war Gottfredson gewidmet.

Im Rahmen der neuen Disney-Autorenreihe, die als Nachfolgereihe zur Hall of Fame gesehen werden kann, hat Egmont nun eine weitere gelungene Auswahl mit Gottfredson-Geschichten vorgelegt. Zwar wurden die ursprünglichen Tagesstrips von einer auf jeweils zwei Bildreihen ummontiert, aber das beeinträchtigt das Lesevergnügen keineswegs, denn die kleinen Pointen, die das Ende eines Tagesstrips trotz Fortsetzungscharakters oft markieren, stehen nun eben am Ende jedes zweiten Bildstreifens, was den Leserhythmus zu jeder Zeit aufrechterhält. Die Größe des abgedruckten Materials variiert zwischen drei und vier Bildstreifen pro Seite, was wohl an den unterschiedlichen Vorlagen liegt, die herangezogen wurden. Eine vereinheitlichende Bearbeitung von Ausgangsmaterial ist ja inzwischen eher zur Ausnahme geworden.

Micky als Boxer in der kolorierten Fassung  Micky als Boxer in der amerikanischen Gesamtausgabe von Fantagraphics

„Micky als Boxer“ in der kolorierten Fassung

„Micky als Boxer in der amerikanischen Gesamtausgabe von Fantagraphics

Manche Puristen mögen es anders sehen, aber es macht Spaß, Floyd Gottfredsons Geschichten in einer kolorierten Version zu lesen. – Damit kein Zweifel entsteht, ich bin froh, dass die aktuell in Amerika erscheinende Gottfredson-Gesamtausgabe im originalen Schwarzweiß erscheint, im Rahmen einer Disney-Autorenreihe macht die Kolorierung aber Sinn. Schwarzweiß wäre im Rahmen einer solchen Reihe pures Kassengift und Gottfredsons Maus in Schwarzweiß wäre gegenüber den Werken anderer Disney-Zeichner wohl zu fremdartig. Außerdem liegen natürlich schon kolorierte Fassungen vor, es wäre eine sehr gewagte Entscheidung gewesen, Material in Schwarzweiß zu wählen. Die schwarzweißen Originalstrips – vor allem die frühen Jahrgänge – liegen optisch beinahe noch näher an George Herrimans Krazy Kat als an späteren Disney-Veröffentlichungen, in denen die Vereinheitlichung der Disneyfiguren bereits an ihrem Ende angelangt war. Farbe ist damit eine hilfreiche Annäherung an vertrautes Material. (Vergleich der Versionen siehe Bild 1 und Bild 2).

Ein beliebtes Abenteuermotiv der 30er Jahre: Der Orient (aus Micky Maus bei der Fremdenlegion) Minni ist bei Gottfredson deutlich präsenter als bei Murry (aus Micky Maus und das Nazi-U-Boot)
Ein beliebtes Abenteuermotiv der 30er Jahre: Der Orient (aus „Micky Maus bei der Fremdenlegion“) Minni ist bei Gottfredson deutlich präsenter als bei Murry (aus „Micky Maus und das Nazi-U-Boot“)

Selbst wenn Gamma sich ruhig verhält, ist er für eine Überraschung gut (aus Micky Maus und der dichtende Spion)

Selbst wenn Gamma sich ruhig verhält, ist er für eine Überraschung gut (aus „Micky Maus und der dichtende Spion“)

Aber auch inhaltlich unterscheiden sich die Abenteuer von Gottfredsons Micky Maus deutlich von den Geschichten späterer amerikanischer Zeichner. Gottfredsons Maus ist noch nicht der besserwisserische Detektiv, als den ihn Generationen von Micky Maus-Lesern kennengelernt haben – eine Prägung, die wir vor allem dem amerikanischen Mauszeichner Paul Murry verdanken. Anders als bei Murry sind die Abenteuer weit weniger schematisch und kindgerecht, sondern atmen eher den Geist der Komödien und Abenteuerfilme der 30er Jahre, und das durchgehend auf hohem Niveau und mit viel Witz (Bilder 3 und 4). Gottfredson konnte in seinen Tagesstrips wochenlang Gagkanonaden abfeuern und einen Handlungsstrang danach mühelos ins gefährlich Abenteuerliche übergehen lassen, so z.B. in der Geschichte „Micky Maus und der dichtende Spion“, abgedruckt im aktuellen Buch. Die ersten circa 20 Wochenstrips handeln erst einmal ausschließlich davon, dass Micky der sinnlosen Erfindungen seines Freundes Gamma überdrüssig wird, woraufhin Gamma fieberhaft daran arbeitet, Micky zu beweisen, dass er in der Lage ist, auch Sinnvolles zu erfinden (Bild 5). Das führt zwangsläufig zu allerhand absurden Situationen und geht dann aber allmählich in ein Spionageabenteuer über, in dem ein reimender Spion versucht, Micky und Gamma die Erfindung abzujagen: Einen Regenschirm, der vor atomarer Strahlung schützt. Mit solchen Stories ist Gottfredson näher an Comicklassikern wie Spirou oder Tintin als an den harmlosen Detektivgeschichten Paul Murrys – obwohl ich auch deren nostalgischen Charme zu schätzen weiß.

Micky als BoxerZur Übersetzung muss ich sagen, dass sie eher frei ist. Gottfredson war ein Virtuose im Einsatz von Slang und Soziolekten, was seinen Geschichten Lokal- und Zeitkolorit verleiht. Gerade seine frühen Geschichten, z.B. das im besprochenen Buch abgedruckte „Micky als Boxer“ (Bild 6), zeigen ein noch stark von der Weltwirtschaftskrise geprägtes Amerika, in dem es von Landstreichern, Tagedieben und Ganoven nur so wimmelt und in dem es den Akteuren vor allem darum geht, ihr Geld irgendwie zusammenzuhalten – nicht wie in späteren Mauscomics, in denen Micky Maus regelmäßig einen Goldschatz findet und ihn ebenso regelmäßig für Flugreisen aller Art verbrät. Genau dieses Lokal- und Zeitkolorit geht durch die Übersetzung weitgehend verloren. Dennoch ist sie akzeptabel, denn gerade die Übersetzung von Slang war schon in zu vielen Fällen eher gut gemeint als gut gemacht. Sprachlich ist die vorliegende Ausgabe zu keiner Zeit ein Ärgernis, im Gegenteil: Man liest das Buch gerne.

Damit ist Die besten Geschichten von Floyd Gottfredson eine der erfreulichsten Disney-Veröffentlichungen des Jahres. Auch der redaktionelle Teil mit einem Gottfredson-Interview überzeugt. Nur schade, dass interessante Micky-Maus-Veröffentlichungen weiterhin die Ausnahme bleiben. So ist nur eines von fünf Büchern der aktuellen Autorenreihe bisher der Maus, bzw. einem Mauszeichner gewidmet. Ansonsten dominiert wie eh und je die Ente. Da gibt es noch viel Nachholbedarf.

 

Wertung: 9 von 10 Punkten

Gelungene Auswahl klassischer Micky-Zeitungsstrips – eine der erfreulichsten Disney-Veröffentlichungen des Jahres!

 

Die besten Geschichten von Floyd Gottfredson
Ehapa Comic Collection, August 2012
Text und Zeichnungen: Floyd Gottfredson
176 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 22,- Euro
ISBN: 978-3-7704-3560-9

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Abbildungen © Disney, der dt. Ausgabe: Ehapa Comic Collection. Abb. 2: Disney/Fantagraphics