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Alois Nebel

Filmplakat Alois Nebel Alois Nebel
Tschechien 2011
Regie: Tomás Lunák

Hauptdarsteller: Miroslav Krobot, Marie Ludvíková, Karel Roden, Leos Noha, Alois Svehlík, Tereza Voříšková

 

Der kleine Ort Bílý Potok, Tschechoslowakei, an der Grenze zu Polen, im Jahr 1989. An einem Bahnhof tut der Fahrdienstleiter Alois Nebel seinen Dienst. Er dürfte knapp 50 Jahre alt sein und ist ein wenig kauzig. Seine liebste Lektüre scheint das Kursbuch der EIsenbahn zu sein, immer wieder murmelt er Fahrpläne vor sich hin.

Rund um diesen Alois Nebel drehen sich die Comics von Jaroslav Rudiš und Jaromír 99, die in Tschechien seit 2003 mit großem Erfolg erscheinen und seit letztem Jahr auch auf Deutsch zu lesen sind (bei Voland & Quist erschien 2012 ein Sammelband sowie 2013 Alois Nebel: Leben nach Fahrplan). 2011 entstand eine Filmadaption, die nun in die deutschen Kinos kommt. Dass der Film von Regisseur Tomás Lunák so nahe wie möglich an der Comicvorlage bleiben möchte, zeigt sich daran, dass Rudiš und Jaromír 99 selbst das Drehbuch verfassten, vor allem aber an der Optik des Films: Er wurde mit Schauspielern gedreht, hinterher wurden die Bilder jedoch übermalt (mehr dazu in der Wikipedia), so dass wir im Ergebnis einen Zeichentrickfilm sehen, der sich stilistisch sehr eng an die Comics anlehnt: harte Schwarz-Weiß-Kontraste, ergänzt durch Graustufen. Die Ästhetik des Film Noir stand hier deutlich Pate, was noch durch die Tatsache verstärkt wird, dass hier meistens trübes Wetter oder Regen herrscht.

Szene aus Alois NebelIm Verlauf der Handlung begleiten wir Alois Nebel zunächst in eine psychiatrische Anstalt, in die er eingewiesen wird, später dann nach Prag, wo er nicht nur ein paar sauflustige Gestalten kennenlernt, sondern auch eine Toilettenfrau. Die schüchternen Annäherungsversuche zwischen Kveta und Alois sind die schönsten Momente des Films: Die düster-drückende Stimmung wird hier ein wenig aufgebrochen, ohne dass der Film in Gefühlskitsch abgleitet. Kann ja sein, dass sich Alois Nebel verliebt, aber das heisst noch lange nicht, dass er sich zu einem Lächeln durchringen kann.

Unterbrochen wird die Handlung mehrfach von Traumsequenzen, die den Protagonisten zurück in die Vergangenheit führen, in die Zeit am Ende des Zweiten Weltkriegs, als er ein kleiner Junge war und am Bahngleis Zeuge wurde, wie die Nazis Gefangene deportierten und später die Deutschen vertrieben wurden. In beiden Fällen sind enge Familienmitglieder involviert. In diesen Rückblenden verknüpft sich also die persönliche Geschichte der Hauptfigur mit der deutsch-tschechischen Historie. Verdrängung ist das Stichwort, nicht verarbeitete Lasten der Vergangenheit als mentaler Ballast für die Gegenwart, persönlich wie politisch.

Szene aus Alois NebelTrotz dieser Einblicke in seine Psyche kommen wir diesem Alois Nebel im Verlauf des Films nicht wirklich nahe. Er bleibt ein mürrischer, rätselhafter Sonderling, nicht unsympathisch, aber keiner, mit dem man von ganzem Herzen mitfühlt. Es ist nicht leicht, einen emotionalen Zugang zu den Figuren zu bekommen. Hier wirkt die Rotoskopietechnik, die die Gesichter der Schauspieler mit weißen Flächen und schwarzen Linien übermalt, wie ein allzu übereifriger Maskenbildner, der dafür sorgt, dass zu wenig Nuancen in der Mimik zu erkennen sind. Vielleicht ist das der Grund, dass Alois Nebel und seine Nebenfiguren dem Zuschauer seltsam fremd bleiben – ein Realfilm hätte hier womöglich ganz anders gewirkt. Insgesamt sorgt die Rotoskopietechnik für eine unterkühlte, etwas sterile Stimmung. Das Organische, das gezeichnete Bilder (ob im Film oder im Comic) ausmacht, geht Alois Nebel völlig ab.

Auch das Drehbuch macht es dem Zuschauer nicht leicht. Obwohl es sehr langsam, manchmal geradezu träge erzählt, gibt es immer wieder Lücken und Auslassungen. Vieles muss man sich selbst zusammenreimen. Wie und warum Nebel zum Beispiel in die Nervenheilanstalt hinein- und wieder herauskommt, oder in welcher Beziehung die einzelnen Figuren zueinander stehen, wird nur in Ansätzen erklärt, viele Fragen bleiben offen. Auch der zeithistorische Hintergrund wird nicht groß erklärt, Lunák und Rudiš gehen davon aus, dass das Publikum das nötige Grundwissen schon mitbringt.

Szene aus Alois NebelMan muss schon ein Faible haben für wortkarge Typen und eine lakonische Erzählweise, um Gefallen an Alois Nebel zu finden, denn „Spaß“ im klassischen Sinn macht der Film eigentlich nicht. Wer aber Filme von Aki Kaurismäki oder Jim Jarmusch mag, dem dürfte die trüb-melancholische Stimmung des Films durchaus zusagen. Die Komik, die in all der Tragik durchaus angelegt ist, schimmert leider nur ganz selten ein wenig durch und kam mir persönlich deutlich zu kurz.

 

Wertung: 6 von 10 Punkten

Lakonisch-düsterer Animationsfilm mit Tiefgang, der etwas zu unterkühlt bleibt

 

Alois Nebel läuft ab dem 12.12.2013 in diesen Kinos

Abbildungen © Pallas Film

Lescheks Flug

Cover Lescheks FlugAls ich das Cover von Lescheks Flug das erste Mal in all seiner pulpigen, detaillreichen Pracht in einer Vorschau sah, stand schon fest: „Muss ich haben“. Und nach der Lektüre die gute Nachricht: Innen drin sieht es erfreulicher Weise genauso aus, wie es der auf Retro-Optik getrimmte Einband verheißt: Eine schmuddelige Science-Fiction-Welt, bewohnt von eigensinnigen Robotern in allen möglichen Formen und Designs sowie anderen schrägen Wesen. Wenn die Universen von Star Wars und Firefly einen „used look“ haben, so ist der von Leschecks Flug mindestens „extremely used“. Fast alles scheint hier alt, schmutzig und abgeschrammelt, so auch Titelfigur Leschek selbst, ein sympathisch-rundlicher Roboter mit naivem Gemüt.

Lescheks Fantasie und Kreativität passen eher suboptimal zu seinem Job, als einer von vielen Robotarbeitern im Akkord und unter der Fuchtel böswilliger Aufseherinnen hässliche Spielzeugfiguren für den interstellaren Horima-Konzern zusammenzusetzen. Als er überraschend in den Besitz eines Raumschiffs kommt, will der von Fernweh geplagte Außenseiter den industriellen Albtraumplaneten Neulins so schnell wie möglich hinter sich lassen. Aber um seinem trüben Schicksal zu entkommen und zu den Sternen zu fliegen, benötigt er einen menschlichen Piloten und eine schier unerreichbare Summe an Würfeln, der herrschenden Währungseinheit …

Lescheks Flug Beispielseite 1Sebastian Stamm, der hier als Autor, Zeichner, Tuscher und Kolorist in Personalunion firmiert, ist in der Indiegamer-Szene als Teil des Black Pants Studios bekannt, das für das originelle Puzzle-Plattformer-Spiel Tiny & Big eine Menge Lob und Auszeichnungen einheimsen konnte. Lescheks Flug ist seine Abschlussarbeit an der Kunsthochschule Kassel und erschien folgerichtig beim Verlag Rotopolpress, der einst von anderen Absolventen seiner Uni gegründet wurde und mittlerweile eine beachtliche Zahl grafisch ausgefallener Comicbücher im Portfolio hat. Stamms Stil erinnert in seinem organischen Look leicht an jenen des mexikanischen Ausnahmekünstlers Ladrönn; in Deutschland kommt er wohl dem, was die Herren Wittek und Ralph Niese fabrizieren, am nächsten. Wunderbar eigenwillige Designs und ein teils fast erschlagender Detailreichtum, dazu ein guter Blick für Bildsprache und Farben machen seinen ersten Langcomic optisch aus und zur visuellen Entdeckungsreise. Auch bemerkenswert: der schöne Einsatz von Soundwörtern und die vielfältigen Symbole und Piktogramme, die teils an Stelle der Dialoge treten.

Lescheks Flug Beispielseite 2Erzähltechnisch kann der Comic leider nicht so ganz mit der äußerst gelungenen grafischen Umsetzung mithalten. Einigen der allzu gemütlich ausgewalzten Szenen hätten Kürzungen und ein höheres Tempo gut getan. Die Ausgangslage wird derart ausführlich geschildert, dass man im letzten Drittel, wenn die Erzählung in Fahrt kommt, das Gefühl hat, Lescheks Abenteuer hätte gerade erst richtig angefangen – und dann ist es auch schon wieder vorbei. Zudem hat es sich der Autor mit der Bewältigung einer nicht unwichtigen Hürde für die Hauptfigur (Wie kommt Leschek an den Bauplan für den Safeschlüssel?) allzu leicht gemacht und liefert auch keine Erklärung für diese aus dem Rest der Geschichte unangenehm herausstechende „magische“ Lösung nach. Abgesehen davon ist die Story aber durchweg solide, die Hauptfigur sympathisch, die Nebenfiguren schön exzentrisch und auf emotionaler Ebene knistert es auch: Man leidet mit dem allzu menschlichen Robot-Träumer, fiebert zum dramatischen Finale mit ihm und wünscht sich, dass die Geschichte weitergehen möge. Und das ist etwas, was vielen altgedienten Comicprofis mit ihren Werken nicht immer gelingt.

 

Wertung: 7 von 10 Punkten

Visuell ungemein spannende und erzählerisch solide Entdeckungsreise durch eine herrlich rostige Roboterwelt

 

Lescheks Flug
Rotopolpress
Text & Zeichnungen: Sebastian Stamm
120 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 19 Euro
ISBN: 978-3-940304-86-5
Leseprobe

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen © Sebastian Stamm

Anders

Die Horroranthologie AndersFür Anders versammelt die Edition Kwimbi acht etablierte Webcomic-ZeichnerInnen, um für eine gruselige Horror-Anthologie mal ordentlich auf den Putz zu hauen. Hierbei treten an: Sarah Burrini für das schicke Cover, Kaydee für die bitterböse Rahmengeschichte um eine wirklich garstige alte Dame sowie Mario Bühling, Max Vähling, Leander Aurel Taubner, Michael Roos, Marvin Clifford und TeMel für sechs kurze, aber knackige Horrorstories, die allesamt um keinen Schockeffekt verlegen sind.

Kwimbi ist in erster Linie ein Webshop und Online-Vertrieb für Artikel aus dem Webcomic-Umfeld, zum Beispiel selbst verlegte Druckversionen diverser Web-Strips, passendes Merchandise oder auch Originalseiten. Kwimbi löst damit ein Problem, das die Szene schon seit Anbeginn plagt: Webcomics sind zwar eine sehr demokratische, rein für sich genommen aber auch weitestgehend brotlose Veröffentlichungsform. Durch Kwimbi können Webcomic-MacherInnen ihre Werke durch Begleitartikel nun auch einträglicher vermarkten. Zudem erledigt Kwimbi den Online-Vertrieb einiger Verlage wie Zwerchfell oder Delfinium Prints und wird als Edition Kwimbi nun auch selbst verlegerisch tätig.

Beispielseite aus Anders von Mario BühlingSich für eine selbstverlegte Printpublikation bei Talenten aus der Webcomic-Szene zu bedienen, liegt angesichts des Profils von Kwimbi natürlich nahe. Interessant hierbei ist aber, dass die KünstlerInnen das Printmedium als Experimentierfeld gegenüber ihren gewöhnlichen Arbeiten begreifen. Galt der Webcomic nach Scott McClouds Reinventing Comics aus dem Jahr 2000 als revolutionärer Gegenentwurf zum konventionellen Printcomic, der neue Ausdrucksweisen und Darstellungsmöglichkeiten im Comic ermöglichte, scheint sich mittlerweile ein Generationswechsel vollzogen zu haben.

Webcomics erwiesen sich letztendlich als längst nicht so revolutionär, wie McCloud prophezeit hatte. Serielles Veröffentlichen im Netz tendiert überwiegend zu klassischen Comicseiten- und Stripformaten, sei dabei eine spätere Zweitverwertung im Druck einkalkuliert oder nicht.

Ist das wöchentliche Comic-Blog mit seinen klassischen Cartoon-Stilen und -Formaten der eher konservative Normalzustand, wird eine Publikation, die explizit für den Druck entwickelt wurde, zum Spielplatz für Experimente. Plötzlich wird nicht mehr der Webcomic als das Andere zum Printcomic aufgefasst, sondern der Printcomic selbst wird zum Anderen. Allein unter diesem Gesichtspunkt ist der Titel der Anthologie sehr passend gewählt.

Der Ansatz scheint dagegen sehr klassisch: Die Horror-Anthologie aus diversen Kurzgeschichten mit meist fiesen Twist-Enden, oft in eine Rahmenhandlung gebettet, ist ein vielfach erprobtes Konzept. Wohlige Erinnerungen werden da wach an Filmklassiker aus dem Hause Hammer oder Corman, an Tales from the Crypt, an Gespenstergeschichten, an Creepy. Aber von nostalgischer Verklärung ist bei Anders keine Spur: Hier werden keine Gefangenen gemacht. Stattdessen geht’s kräftig zur Sache. Die Geschichten sind durchweg ziemlich gemein und erzählerisch angesichts der knappen Seitenzahlen sehr gut auf den Punkt gebracht. Alle Beteiligten, auch wenn in dem Bereich bisher überwiegend unerprobt, verstehen also ihr Horror-Handwerk, und die meisten Beiträge dürften über die Lektüre hinaus nachwirken.

Beispielseite aus Anders von Marvin CliffordZeichnerisch lag ein erklärtes Ziel der Anthologie, den KünstlerInnen einen Ausbruch aus den typischen Stilgewohnheiten ihrer Webcomics zu ermöglichen, das Comiczeichnen also mal etwas anders anzugehen. Das Ergebnis ist erfrischend heterogen. Inwieweit einen die einzelnen Geschichten visuell ansprechen, liegt letztendlich wohl im Auge des Betrachters. Mir persönlich waren die Beiträge von Max Vähling etwas zu krakelig, von Leander Taubner graphisch etwas zu chaotisch und von Michael Roos etwas zu matschig und unproportional in den Figurendarstellungen, wohingegen Kaydees stilvolles Schwarz-Weiß-Artwork, Mario Bühlings sanfte Kolorierungen, Marvin Cliffords expressive Dynamik und TeMels beunruhigende, bedrohlich-rote Farbgebung mich deutlich mehr angesprochen haben. Aber hier wird wohl jeder selbst zu seinen eigenen Favouriten kommen. Viel entscheidender war für mich, dass mich alle Beiträge als Erzählung überzeugt haben. Und das ist ja das Wichtigste. Sarah Burrinis ebenso schlichtes wie effektives Cover ist aber ein ziemlicher Volltreffer, darauf kann man sich wohl einigen.

Aufmachung, Grafik und Druckqualität des Paperbacks sind tadellos. Die Edition Kwimbi dürfte sich also qualitativ und aufgrund des originellen Ansatzes zu einer echten Bereicherung für den deutschen Comicmarkt entwickeln. Ich bin sehr gespannt auf weitere Veröffentlichungen!

Wertung: acht von zehn Punkten

Eine dicke Empfehlung für alle Horrorfreunde und alle, die wissen wollen, zu was Webcomic-Macher sonst noch so fähig sind

 

Anders
Edition Kwimbi, Oktober 2013
mit Beiträgen von Sarah Burrini, Kaydee, Mario Bühling, Max Vähling, Leander Aurel Tauber, Michael Roos, Marvin Clifford, TeMel
92 Seiten, Softcover, vierfarbig
15,- Euro

Leseprobe und bestellen bei Kwimbi
Direktlink zur Bestellung von Anders inklusive einer Originalzeichnung

Abbildungen © Sarah Burrini, Mario Bühling, Marvin Clifford

Links der Woche 43/13: I am the son and heir of nothing in particular

Unsere Links der Woche, Ausgabe 43/2013:

 

Berlusconi und Chris de Burgh in der Hölle
Die Welt, Waldemar Kesler
Ein Porträt des Verlags Rotopolpress, der von Studenten der Kunsthochschule Kassel gegründet wurde, zu dem auch eine Galerie und ein Studio gehören, und der neben schönen Comics auch andere kreative Dinge mit Papier herausbringt. Der erste Satz des Artikels ist super. Den zitieren wir hier aber nicht, der Springer-Verlag mag sowas nicht.

How to do “Jimmy Corrigan”
Reprodukt Blog, Dirk Rehm
Das Lettering, also das Setzen von Worten in Comics (meistens in Sprechblasen), ist gehört zu den Aspekten der Kunstform, die oft allzu stiefmütterlich behandelt werden. Ein Künstler wie Chris Ware dagegen (der auch schon einige Male für sein eigenes Lettering ausgezeichnet wurde), legt höchsten Wert darauf – ebenso wie sein deutscher Verlag Reprodukt. Was das für die deutsche Ausgabe von Jimmy Corrigan bedeutet hat, beschreibt Dirk Rehm in diesem Posting.

A Few Thoughts on Comics Translation
comiks debris, Marc-Oliver Frisch
Marc-Oliver Frisch, Mitglied der Comicgate-Redaktion und Übersetzer von Comics aus dem Englischen ins Deutsche (u.a. The Walking Dead und Saga) beantwortet Fragen eines Hochschulprojekts zum Thema Comicübersetzung. Und zwar auf Englisch.

Der Blogger: Wer verdient am Erbe?
Arte
In der Arte-Sendung Der Blogger geht es in der aktuellen Ausgabe um Erbschaften, unter anderem um das Vererben von Urheberrechten. Ab Minute 15 wird zunächst über die Erben von Hergé gesprochen, die die Rechte an Tintin auf sehr restriktive Weise verwalten. Als Gegenbeispiel wird François Schuiten porträtiert, der sein Werk noch zu Lebzeiten an Stiftungen verschenkt.

Weihnachten in Entenhausen: Bah, Humbug!
Spiegel Online, Stefan Pannor
Bei SpOn erscheint an jedem Adventssonntag ein Artikel, in dem es darum geht, wie Weihnachten in verschiedenen Comicwelten begangen wird. Nach den Peanuts letzte Woche geht es in der aktuellen Folge um Weihnachten in Disney-Comics.

Autogen – The Motion Comic
Indiegogo, Ben Kautz
Auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo wirbt der Dürener Autor Ben Kautz international um Unterstützung für Autogen, eine animierte Comicstory, die kostenlos als Serie bei YouTube veröffentlicht werden soll. In der halb-autobiographischen Geschichte geht es um einen jungen Mann, der in seinen Tagträumen als Superheld unterwegs ist und darum, wie er mit dieser Allmachtsfantasie umgeht.

Lässig: RTL Nitro überrascht mit „Yps – Die Sendung“
DWDL.de, Thomas Lückerath
Auf dem Spartensender RTL Nitro lief letzten Montag die erste Folge von Yps – Die Sendung, einem Wissensmagazin, das laut Sender-PR „ganz im Stil der Kultmarke aus den 70er, 80er und 90er Jahren gehalten ist und sich sich an Yps-Leser und Fans der ersten Stunde richtet.“ Das Medienmagazin DWDL war von der halbstündigen Sendung positiv überrascht und sah „eine extrem lässige Sendung“ mit „kultiger, aber unaufgeregter und sympathischer Inszenierung“. Eine zweite Folge ist aber bislang nicht angekündigt.

Der Trödeltrupp – Micky Maus adé
RTL II Now
Trash-TV mit Comicbezug: Noch bis Ende Dezember ist diese Folge der Serie Der Trödeltrupp abrufbar, in der ein Sammler versucht, eine riesige Sammlung von Micky-Maus-Merchandise und -Comics zu Geld zu machen. Wer schmerzfrei genug ist, das typische Strickmuster von Dokusoaps des Privatfernsehens (plus dazwischengeschaltete Werbung) auszuhalten, bekommt in Teil 2 der Sendung zu sehen, wie Experte Uwe Lochmann von der Koblenzer „Sammlerecke“ die Sammlung begutachtet und bewertet.

Und zum Abschluss gibt’s wieder reichlich neue Jahresbestenlisten: zum Beispiel die Unforgettable Graphic Novels of 2013 von salon.com, die Top 10 Comics and Graphic Novels vom Time Magazine, die Comicempfehlungen des National Public Radio (NPR) oder die Best Graphic Novels & Comics, die von den Usern von goodreads, dem Social Network für Leseratten, gewählt wurden.

3D-Comics zum Abtauchen: Interview mit Matthias Picard

Matthias PicardIn der Kindercomics-Schiene von Reprodukt ist vor kurzem Jim Curious: Reise in die Tiefen des Ozeans erschienen  – ein dreidimensionaler Comic, der mit 3D-Brille gelesen werden muss. Sein Schöpfer, der Franzose Matthias Picard, war vor kurzem zu Besuch in Deutschland, wo Jim Curious im Rahmen einer Ausstellung auf der „Buchlust“ in Hannover vorgestellt wurde. Picard, geboren 1982 in Reims, lebt heute in Paris, seine Comics erscheinen unter anderem beim Verlag L’Association. 2010 war er mit einem Beitrag in einer Ausgabe des Magazins Strapazin vertreten. Stefan Svik hat sich mit ihm über die Faszination der Tiefsee, die Besonderheiten von 3D und Comics ohne Text unterhalten. Das Interview wurde per E-Mail auf Englisch geführt. 

 

Comicgate: Matthias, soviel ich weiß, ist Jim Curiuos der erste Comic von dir, der in Deutschland veröffentlicht wird. Was hast du davor gemacht, seit wann zeichnest du Comics?

Matthias Picard: 2011 habe ich bei L’Association Jeanine gemacht, etwas völlig anderes als Jim Curious. Es ist eher eine Graphic Novel. Zeichnen tue ich schon von klein auf, so wie die meisten. Als ich meinen ersten Comic machte, war ich acht Jahre alt, er handelte von einem Fußballspiel. Jede Menge Spannung, Action und Tore. Zur Halbzeit habe ich echte Anzeigen aufs Papier geklebt. Der Comic hatte über 10 Seiten! Das war cool! Vielleicht der beste meiner Comix.

Als Student, in Straßburg, machte ich mit ein paar Freunden ein Fanzine namens Ecarquillettes. Wir schrieben kleine Geschichten, druckten sie und verkauften sie auf Festivals wie Angoulême. So konnten wir den Leuten unsere Arbeiten zeigen. Das Herzeigen ist sehr wichtig.

Cover Jim CuriousWäre Jim Curious ohne die 3D-Erfahrung ein völlig anderer Comic?

Natürlich! Tatsächlich habe ich die 3D-Drucktechnik in Blau und Rot schon 2006 entdeckt, damals gab es keine 3D-Filme im Kino. Ich kann mich nur an alte Cornflakes-Packungen mit 3D erinnern. Wie geht das?, fragte ich mich. Kann ich selbst auch ein Bild in 3D zeichnen? Dann habe ich versucht, eine 3D-Brille aufzutreiben und fing an zu zeichnen. Es war unglaublich, das Gefühl des Schwebens, dieses magische Gefühl, wenn man versucht, seine Hand durch das Papier zu stecken. Das hat mir gefallen und ich wollte eine Geschichte mit 3D-Bildern schreiben.

Aber ich wollte 3D nicht nur als Effekt benutzen, ich benutzte es für eine eigene Welt, die anders ist. Deshalb sehen wir am Anfang von Jim Curious kein 3D, das kommt erst, wenn die Hauptfigur ins Meer eintaucht. Am Ende des Buches ist die zweidimensionale Welt dann in 3D. Jim Curious hat seine Wahrnehmung der Welt verändert.

Auch was die Bildkompostition angeht, versuche ich 3D für jedes Bild anders einzusetzen. Am Ende stellt man fest, dass manche Bilder nur in 3D interessant sind (zum Beispiel das mit den großen Treppenstufen am Schluss). Ich denke, man kann viele Dinge mit dieser Technik tun. Ich zeichne gerne „normal“, aber Bilder als Reliefs anzulegen ist was Besonderes und sehr interessant.

Jim Curious spielt hauptsächlich unter Wasser. Wie hast du für das Buch recherchiert? Bist du selbst Taucher?

Nein, leider nicht. Ich liebe Naturzeichnungen. Pflanzen und Tiere, vor allem die Bilder von Forschern des 18. und 19. Jahrhunderts (Buffon, Ernst Haeckel, Cuvier …). Und ich liebe Stiche, wie man sie in alten Büchern findet (Riou schuf viele wundervolle Bilder für Jules Verne). Ich habe viele Abbildungen des Meeres studiert und damit geübt. Ich träume davon, einmal eine Enzyklopädie zu zeichnen, mit allen Tieren, die es auf der Welt gibt. Aber ich bin zu faul dafür!

Ernst Haeckel

Édouard Riou

Karel Zeman

Picards Inspirationen: Illustrationen von Ernst Haeckel und Édouard Riou, Szene aus einem Film von Karel Zeman

Wie entsteht so ein 3D-Comic? Wie wird er gezeichnet und wie wird das Buch produziert?

Zuerst überlege ich mir die Bildanordnung und zeichne eine Skizze dieser Idee.

Skizze von Matthias Picard

Skizze von Matthias Picard

Dann nehme ich transparente Plastikfolie, trage mit einem Pinsel schwarze Tusche auf und lasse sie trocknen. Die Zeichnung kratze ich dann mit dem Schabstift, einer Art Bleistift aus Metall, aus der Tusche heraus, so entstehen weiße Linien auf schwarzem Grund.

Zeichnung von Matthias Picard

Ich zeichne auf mehreren Ebenen, um unterschiedliche Details festzuhalten. Die Folien werden dann eingescannt und ich spiele mit blauer und roter Farbe für jede Ebene, um den Eindruck eines Reliefs zu erzielen. Im Prinzip zeigt man dem Leser zwei Bilder: ein rotes und ein blaues (die jeweils ein bisschen verschieden sind). Mit der 3D-Brille auf der Nase sieht ein Auge das blaue Bild und das andere das rote. Und das Gehirn fügt beide dann zu einem dreidimensionalen Bild zusammen.

Inzwischen ist 3D im Kino ja sehr populär, beispielsweise im Superheldengenre. Wie siehst du diese Entwicklung?

Ich habe erst drei Filme in 3D gesehen (Avatar habe ich noch nie gesehen). Die Technik ist fantastisch, aber ich finde es nicht besonders interessant, weil 3D nur als Effekt benutzt wird. Alle diese Filme kann man auch in 2D sehen und es bleiben die gleichen Filme. Das Relief ist nicht Teil der Geschichte.

Außerdem denke ich, dass diese Actionfilme viel zu schnell geschnitten sind. Alles sieht unglaublich schön aus, aber man hat nur eine halbe Sekunde, um eine Landschaft zu betrachten. In einem Buch ist das ganz anders, man hält Bilder in der Hand, kann sie berühren und stundenlang anschauen, wenn man möchte. Man kann die Seite bewegen und seinen Blickwinkel verändern, das mag ich sehr. So etwas verzaubert jeden.

Andererseits habe ich letzte Woche Gravity gesehen und den mochte ich sehr. Mir gefiel der minimalistische Hintergrund, das Gefühl der Schwerelosigkeit und der Bewegung, und Sandra Bullock.

Seite aus Jim CuriousNachdem Comics lange den Ruf hatten, ein Kindermedium zu sein, gab es seit den 1980er Jahren immer mehr Comics für Erwachsene. Jetzt gibt es wieder einen kleinen Trend hin zum Kindercomic. Verstehst du Jim Curious als Comic für Kinder oder für die ganze Familie? Hast du selber Kinder? Wie versetzt du dich in die Perspektive eines Kindes? Liest du Comics aus deiner Kindheit, um dich in die richtige Stimmung zu versetzen?

Dieses Buch habe ich nicht speziell für Kinder gemacht. Ich habe es für mich gemacht, aus Spaß, weil ich es genieße, Figuren und Zeichnungen Leben einzuhauchen. Beim Schreiben dachte ich an meine Kindheit und an die Dinge, die mich zum Träumen verleiteten. Ich war und bin immer noch fasziniert vom Mysterium eines Bildes, was es zeigt und was es nicht zeigt. Ich liebe Bilder, die man stundenlang betrachten und nach Details suchen kann, die man nicht auf Anhieb entdeckt, und aus denen man wieder neue Geschichten spinnen kann – seine eigenen Geschichten. Jim Curious kann jeder Leser für sich selbst interpretieren. Ein Leser – ein Erwachsener – erzählte mir, dass er das Buch leise in seinem Bett gelesen habe und sich fühlte, als wäre er im Bauch seiner Mutter.

Ich habe selbst keine Kinder, aber ich mache jede Woche Workshops mit Kindern. Ich mag es, eine Verbindung zur Kindheit zu erhalten.

Ein Buch nur für Kinder zu machen, ist schwierig, denke ich. Schließlich kaufen die Eltern das Buch für das Kind. Zuerst müssen sie es mögen und dann entscheiden, es dem Kind zu geben. Und wenn wir erwachsen sind, wissen wir eigentlich gar nicht, was das Kind wirklich will (vielleicht mag es ja überhaupt nichts?). Aber ich glaube, Kinder haben mehr Fantasie als Erwachsene und ich bin sicher, wenn du ein Buch mit einem Kind zusammen liest, liest es eine andere Geschichte und sieht andere Bilder als du. Ich wollte ein Buch machen, das dem Leser diese Freiheit lässt und die Erwachsenen ermuntert, wieder zum Kind zu werden.

Ich mag Geschichten wie Alice im Wunderland, Gullivers Reisen oder Little Nemo in Slumberland sehr. Ich mag sie, weil sie nicht nur für Kinder sind. Sie sind bildreich, seltsam und auch realistisch. Wir wissen nicht genau, ob es sich um Träume handelt oder nicht.

In Jim Curious gibt es keinen Text, was in Comics ziemlich selten ist. Warum besteht dein Buch nur aus Bildern? Würden Sprechblasen den Effekt vermindern? Oder ist dir Text einfach nicht so wichtig?

Möglicherweise würde dem Leser übel werden, wenn er in einem 3D-Buch Text lesen muss. Bei diesem Buch wollte ich Reliefs in den Zeichnungen erzeugen. Wenn ich Text verwendet hätte, hätte ich auch mit der Schrift in 3D spielen müssen, aber das wollte ich bei dieser Geschichte nicht. Vielleicht beim nächsten Mal, warum nicht?

Ich verwende Text nur, wenn er notwendig ist. In diesem Buch kommt Text nur dann vor, wenn er ein Geräusch darstellt. Das Meer aber ist das Königreich der Stille, Jim ist allein, nur mit dir, dem Leser, und den Fischen. Ich wollte große, kontemplative Bilder schaffen, in die man abtauchen kann. Ich stelle mir das wie eine innere Reise vor, eine geistige Reise. Diese Geschichte funktioniert wie Musik ohne Text, wie klassische Musik, oder vielleicht auch wie psychedelische Musik. Wenn ich zeichne, bin ich gern allein und höre Musik. Ich liebe die deutsche Band Can, z.B. „Animal Waves“, oder „Echoes“ von Pink Floyd und ähnliches.

Ich habe mit Jim Curious parallel zu Jeanine begonnen. Dieser Comic enthält viel Text, die ganze Geschichte basiert auf den Dialogen. Das war sehr komplex zu schreiben, also habe ich zwischendurch immer wieder an diesem völlig anderen Projekt gearbeitet. Deshalb unterscheiden sich meine Erzählweisen so deutlich: Ich sorge damit für einen Ausgleich.

In der „Jim Curious“-AusstellungDu hast kürzlich die „Buchlust“ in Hannover besucht und auch Signierstunden in Comicläden abgehalten. Hast du dort mehr Erwachsene als Kinder getroffen?

Wenn ich Jim Curious auf einem Festival oder in einer Buchhandlung signiere, sind die meisten Besucher Erwachsene. Wie gesagt, die Erwachsenen kaufen die Bücher für ihre Kinder, aber die Hälfte meiner Signaturen sind für Erwachsene, nicht für Kinder.

In Frankreich gibt es eine große Offenheit für verschiedene Spielarten des Comics. Sie gelten dort als Neunte Kunst. Als ich neulich die brasilianischen Künstler Fábio Moon und Gabriel Bá interviewt habe, sagten sie, in Frankreich hätten viel mehr Comics eine Chance, die von amerikanischen oder deutschen Lesern ignoriert würden. Gibt es in Frankreich viele Schätze und Perlen, die wir in Deutschland nicht zu Gesicht bekommen, weil sie sich nicht ins Ausland exportieren lassen?

Ja, in Deutschland muss man neue Leser finden, und das wird, wie in Frankreich, lange dauern. Hier haben wir viele Comickünstler mit ganz unterschiedlichen Stilen, alle möglichen Themen werden behandelt. Die Künstler erforschen neue Wege des Zeichnens und des Geschichtenerzählens, das ist sehr interessant, es ist eine echte Chance. Wir haben sehr viele Festivals, überall, das ganze Jahr über, und die Presse schreibt viel über Comics.

In Deutschland bekommt man die französischen Bestseller: Christophe Blain, Guy Delisle, Marjanne Satrapi oder David B. Das ist prima, das sind die besten, aber es gibt noch viele andere Perlen von kleinen Verlagen oder jungen Zeichnern, die ihr leider nicht lesen könnt. Ich denke, wenn man Zugang zu diesen Schätzen haben möchte, muss man die junge deutsche Zeichnergeneration ermutigen, ihre Bücher kaufen und dann bin ich sicher, wird es irgendwann so sein wie in Frankreich. Ich kenne die Werke von Atak oder Henning Wagenbreth, ich liebe deren Arbeiten, sie sind sehr einzigartig. Diese Künstler arbeiten auch als Lehrer. Schaut euch in ihrem Umfeld um, unter ihren Studenten, dann findet ihr eure Schätze. Die werden wir dann auch bald in Frankreich verlegen wollen. 😉

Was sind deine nächsten Projekte? Wird es weitere 3D-Comics von dir geben?

Pssst, das ist ein Geheimnis. 
Ich arbeite an einem weiteren Jim Curious, im Dschungel ….

Herzlichen Dank für das Interview!

 

Übersetzung aus dem Englischen: Thomas Kögel
Abbildungen: © Matthias Picard/Reprodukt

Stefan Sviks Rezension von Jim Curious gibt’s drüben bei ComicRadioShow!

Comicgeschenkideen 2013

alt

Comics und Artverwandtes unterm Weihnachtsbaum! Alle Jahre wieder schreiben die Comicgate-Mitarbeiter auf, was sie als Weihnachtsgeschenk empfehlen können. Hier kommen unsere neuen Geschenketipps, wie immer fein säuberlich nach Zielgruppe sortiert.

Unsere Geschenketipps aus den Vorjahren sind hier zu finden:  2005, 2006, 2008, 2009, 2010, 2011 und 2012.

Die Empfehlungen kommen in diesem Jahr von Andreas Völlinger (av), Benjamin Vogt (bv), Christian Muschweck (cm), Daniel Wüllner (dw), Marc-Oliver Frisch (mof), Michel Decomain (md), Stefan Svik (ssv) und Thomas Kögel (tk). Die Links hinter den Preisen führen zu Amazon (Partnerlink). Falls ihr dort kaufen wollt, bleibt ein bisschen was bei uns hängen. Noch mehr freuen sich aber eure freundlichen Comic- oder Buchhändler, wenn ihr bei ihnen kauft!

(Abbildung: Cover von Giant Superhero Holiday Grab-Bag aus dem Jahr 1975, von John Romita, © Marvel Comics)

 

 

FÜR HIPSTER, HIPSTER-HASSER UND (HEIMLICHE) REALITY-TV-GUCKER:
 
Roxanne & GeorgeRoxanne & George
von Carolin Walch
Reprodukt
17 Euro
 
Zwei alternde Rockstars, die mit ihrer Band einst sehr erfolgreich waren, wohnen zwar noch immer Villa an Villa in Beverly Hills, haben aber seit Jahren nicht mehr miteinander gesprochen, während ihre beiden Kinder beste (Party-)Freunde sind. Klingt wie die Blaupause für eine erfolgreiche MTV-Reality-Show und genau um eine solche geht es hier. Der über-kitschige goldene Einband, das Tigerfell auf dem Cover und nicht zuletzt der ironisch-lakonische Erzählton machen den Comic auch über ein Jahr nach seinem Erscheinen noch zum treffsicheren Hipster-Geschenk, während die nüchtern-enthüllende Darstellung der angestrengt hippen Hollywood-Twens paradoxer Weise gleichzeitig Hipster-Hassern Freude bereiten dürfte. Zudem wird jeder, der auch nur die leiseste Erinnerung an eine der zahlreichen Reality-Star-Shows der letzten zehn Jahre besitzt, seinen Spaß daran haben, wie Carolin Walch in ihren schnörkellosen Schwarz-Weiß-Zeichnungen unterhaltsam unseren Voyeurismus bedient. Ich hätte Roxanne & George bestimmt mal eingeschaltet. av

 

 

FÜR KLEINE UND GROSSE TRÄUMER:
 
Hilda und der MitternachtsrieseHilda und der Mitternachtsriese
von Luke Pearson
Reprodukt
18 Euro
 
Ein klarer Fall von Comic, der bereits unter dem Weihnachtsbaum gelesen werden will und danach vermutlich von Familienmitglied zu Familienmitglied wandert. Die  skurril-märchenhafte Welt, in der die eigensinnige Titelheldin auf sehr kleine wie auch sehr große Fantasiegeschöpfe trifft, ist einfach zu anziehend. Autor und Zeichner Luke Pearson trifft mit seinem einnehmenden Zeichen- und Erzählstil genau den richtigen Ton zwischen Humor und Ernsthaftigkeit, um Hilda das ganz besondere Etwas zu geben. av

 

 

FÜR WELTENTDECKER:
 
Ferdinand 2Ferdinand – Der Reporterhund
von Flix und Ralph Ruthe
Carlsen
2 Bände, je 9,95 Euro
 
Die hier gesammelten und um neue Illustrationen ergänzten Comics aus dem Kindermagazin Dein Spiegel sind teils kompakt-unterhaltsame Wissensvermittlung zu Themen wie Evolution, Roboter und Heftpflaster, teils herrlich abstruser und fantasievoller Quatsch. Also genau richtig für die angepeilte Zielgruppe. Mit dem Reporterhund Ferdinand ist Ralph Ruthe, der hier ausnahmsweise „nur“ als Autor firmiert, und Zeichner Flix außerdem eine Comicfigur mit so viel Charme gelungen, dass auch die Großen gerne mal reinschmökern werden. av

 

 

FÜR ALT-68ER:

WaechterWaechter
von F.K. Waechter
Diogenes
46 Euro

Die 68er-Generation schmückt sich gerne mit der Frankfurter Schule. Doch freut sich Opa an Weihnachten nicht wirklich über die gesammelten Werke von Theodor W. Adorno. Denn auch Elche wollen gerne lachen. Der ziegelsteingroße Band mit den Karikaturen von F.K. Waechter versammelt allerhand groteske Gedanken und herrliche Zoten: Paarungsrituale von Förstern, küssende Hühner, an Afrika erinnernde Brustbehaarung und Schweine, die Käsekuchen lieben. Die Karikaturen fordern Aufmerksamkeit, belohnen dafür aber mit viel Humor. Wenn uns die 68er eins gelehrt haben, dann ist es die Einsicht, dass wir uns nicht immer so ernst nehmen sollten. Waechter tut das für uns – auch wenn mal wieder kein Schwein guckt. dw

 

 

FÜR MÄRCHENFREUNDE:

SchönheitSchönheit
von Hubert und Kerascoët
Reprodukt
36 Euro

Es war einmal ein Mädchen, das sich danach sehnte, schön zu sein. In dem Comic Schönheit wird der jungen Morue dieser Wunsch von einer Fee erfüllt. Doch diese Schönheit liegt nur im Auge ihrer Betrachter; Bauern wie Könige verzehren sich nach der armen Magd, sie selbst erkennt ihre wirkliche Schönheit nicht. In perfekter MDR-Märchen-Manier inszenieren Hubert und Kerascoët ihren Comic und bedienen sich grafischer Anleihen aus den Geschichten aus Tausendundeiner Nacht. Mit einer einfachen Moral von der Geschicht‘ gibt sich Schönheit nicht zufrieden. Immer weiter und schneller zieht Morues Aussehen die Menschen in ihren Bann – bis niemand mehr klar denken kann. Am Ende bleibt nur die philosophische Frage, was Schönheit eigentlich bedeutet. dw

 

 

FÜR JUGENDLICHE MANGA-FANS UND DESIGNER AUF INSPIRATIONSSUCHE:

Soul Eater Soul ArtSoul Eater Soul Art
von Atsushi Ohkubo
Carlsen Manga
24,90 Euro

Atsushi Ohkubos Soul Eater gehört als infantiler Action-Manga zwar nicht gerade zur Krone des Genres. Seine Covers und Illustrationen zählen aber zu den besten seiner Zunft. Hier erhält man einen wunderschönen Einblick in den gegenwärtigen Status Quo der Manga-Kunst, was nicht nur toll aussieht, sondern auch für Nachwuchs-Mangaka (und sicher auch einige Nachwuchs-Designer) sehr interessant ist. Die Harcover-Ausgabe im Schuber ist wunderschön aufgemacht und sehr preiswert. md

 

 

FÜR MANGA-CONNAISSEURE (UND SOLCHE, DIE ES WERDEN SOLLTEN):


Das Feld des RegenbogensHier gibt es gleich zwei Empfehlungen:

Das Feld des Regenbogens
von Inio Asano
Tokyopop
14 Euro

Tokyopop hat dieses Jahr gleich eine Reihe hochkarätiger Titel von Meister-Mangaka Inio Asano verlegt. Das Feld des Regenbogens ist dabei bisher der einzige Einzeltitel und daher wohl am besten für ein Geschenk geeignet. Aber auch davon abgesehen hat man hier ein echtes Meisterwerk vor sich, irgendwo zwischen Jugenddrama, Mystery und drohender Apokalypse. Tief bewegend, wunderschön gezeichnet und erzählt und in hochwertiger Aufmachung gibt dieser Band ein Geschenk ab, das im Gedächtnis bleiben sollte. md

 

 

The Chronicle of the Clueless AgeThe Chronicle of The Clueless Age
von Otsuichi und Usamaru Furuya
Egmont Manga
15 Euro

Visuelle Überwältigung, absurde Weltuntergangsszenarien, groteske Horrorvisionen – und dennoch eigentlich nur ein Jugenddrama über acht Jugendliche und ihre Schwierigkeiten, mit der Welt um sie herum klarzukommen. Man merkt schon, kein ganz alltägliches Werk, aber eins, das sich lohnt! Ein absolutes Meisterwerk für Leute auf der Suche nach etwas ganz, ganz Besonderem. EMA sah das wohl auch so und hat dem Band einen wirklich wunderschön aufgemachten Schuber verpasst. Genau das Richtige, wenn ihr bei Geschenken als Reaktion erst ein verwundertes „Huh, was ist das denn?“, gefolgt von einem erstaunten „Wow!“ erwartet. md

 

 

FÜR SCHLACHTENBUMMLER:
 
The Great WarThe Great War – July 1, 1916: The First Day of the Battle of the Somme. An Illustrated Panorama
von Joe Sacco und Adam Hochschild
W. W. Norton
35 US-Dollar
 
Der Beginn des Ersten Weltkriegs wird sich 2014 zum hundertsten Mal jähren. Joe Saccos knapp sieben Meter langes, an den Teppich von Bayeux angelehntes Panorama erzählt den ersten Tag der verheerenden Schlacht an der Somme aus britischer Sicht. Auf 24 wortlosen und detailreichen Schwarzweiß-Seiten folgt die Darstellung dem Weg der Truppen: vom Planungszentrum der Offiziere durch die Lager der Infanterie, hinweg über Artilleriestellungen und Schützengräben zum anhaltenden Trommelfeuer im Niemandsland der Front und schließlich zurück durch ein Feldlazarett und zu notdürftigen Soldatengräbern. Nachdem er sich mit seinen Comics einen Ruf als gewissenhafter, zugleich betont subjektiver Krisenreporter erarbeitet hat, erweitert Sacco derzeit seine erzählerische und thematische Bandbreite. Days of Destruction, Days of Revolt, seine letztjährige Zusammenarbeit mit Autor Chris Hedges, war eine Bestandsaufnahme der herabgewirtschafteten Industriestätten Amerikas; derzeit arbeitet Sacco an einer groß angelegten geschichtlichen Darstellung über Mesopotamien; und nächstes Jahr startet bei Fantagraphics eine Reihe namens Bumf, in der Sacco fiktive, humoristische Geschichten erzählen will. Und The Great War? Anders als in seinen Reportagen scheint Sacco hier bestrebt, das Geschehene nüchtern und wertneutral abzubilden. Die Rolle des Beobachters und Berichterstatters, nunmehr um eine historische Perspektive erweitert, bleibt also der übergeordnete Gegenstand von Saccos Werk. Neben dem Panorama selbst, einem ausklappbaren „Akkordeon-Buch“ zwischen zwei harten Deckeln, enthält der massive Schuber ein Heft mit Fußnoten des Zeichners und einem Aufsatz des US-Historikers Adam Hochschild. mof

 

 
FÜR GRENZGÄNGER:
 
The Best of Milligan & McCarthy The Best of Milligan & McCarthy The Great War
von Peter Milligan und Brendan McCarthy
Dark Horse
25 US-Dollar
 
Peter Milligan schreibt seit Jahren mittelmäßigen Superhelden-Mainstream mit bestenfalls halbherzig satirischem Anliegen, während Brendan McCarthy sich neuerdings berufen fühlt, in den Facebook-Kommentarspalten seiner Kollegen rassistische Ressentiments abzusondern. Da gerät leicht in Vergessenheit, dass die beiden Briten zwischen 1978 und 1992 miteinander eine ganze Reihe lesenswerter Comics mit kuriosen Helden gemacht haben: dem amerikanischen Superproleten Paradax etwa, dem Bollywood-Mystiker Rogan Gosh oder dem extravaganten Wilde’schen Zauberkünstler Mirkin. Die Texte launige Trash-Poesie voller Anspielungen, die Zeichnungen virtuos und um keinen stilistischen Hakenschlag verlegen – diese Comics zeugen vor allem von erzählerischer Experimentierfreude. Dem endzeitlichen Wasserwelt-Exzess „Freakwave“ steht „Summer of Love“ gegenüber, ein formal eher konventioneller Strip aus einer linken Sonntagszeitung, der sich um zwei verliebte Teenager dreht. Mit „The Hollow Circus“ folgt eine abgründige, aus alptraumhaften Bildern montierte Kurzgeschichte über den Selbstmord eines entstellten Jungen, bevor in dem klassischen 2000AD-Strip „Sooner or Later“ ein Jugendlicher aus dem Arbeitermilieu in eine tausend Jahre ferne Zukunft entführt wird, nur um sich dort auf Jobsuche zu begeben. Einer der Höhepunkte dieser mal schwarzweißen, mal neonbunten Wundertüte ist das krude 35-seitige Drama „Skin“, über einen Contergan-geschädigten Halbstarken, der zum brutalen Schläger wird. Auch Milligans und McCarthys erste Zusammenarbeit überhaupt, der 1978 in einer Musikzeitschrift erschienene Strip „The Electrick Hoax“, ist enthalten. The Best of Milligan & McCarthy ist ein gut 250-seitiges, ansprechend gestaltetes Hardcover-Brikett in Übergröße, durch und durch vom Thatcher-Regime geprägt und kein Œuvre für Zartbesaitete. mof
 
 

 

FÜR DEN COMICLESER, DER SCHON ALLES HAT:
 
The Best of Comix Book: When Marvel Went Underground The Best of Comix Book: When Marvel Went Underground
von Denis Kitchen und John Lind (Hrsg.)
Kitchen Sink/Dark Horse
35 US-Dollar
 
Kein Scherz: Anfang der 1970er soll Stan Lee drauf und dran gewesen sein, Anthony Burgess, Tom Stoppard, Kurt Vonnegut und Václav Havel als Comic-Autoren für ein neues Marvel-Magazin unter der redaktionellen Ägide von Harvey Kurtzman zu gewinnen. Arbeitstitel: Bedlam. Auch mit Will Eisner und Denis Kitchen stand er in Verbindung. Es war eine wundersame Zeit, in der Lee, beseelt vom Erfolg seiner Superhelden, nun mit anspruchsvollen Magazinen um die Anerkennung älterer Leser buhlen wollte, so Sean Howe in seinem Referenzwerk Marvel Comics: The Untold Story. Einzig das von Crumb-Verleger Kitchen produzierte Magazin Comix Book, von dem sich Lee ein Stück vom Kuchen der Undergrounds erhoffte, fand letztlich seinen Weg in die Druckerei. Aber Crumb hatte abgesagt, weil Marvel für ihn der Inbegriff dessen war, was er nicht wollte. Und die Comics, die enthalten waren, wollten zwar irgendwie unerhört sein, durften die Grenzen des guten Geschmacks dann aber doch nicht zu sehr strapazieren. Zudem gab Lee den Forderungen der Underground-Zeichner nach, die ihre Rechte an den Comics nicht abreten wollten – was laut Jordan Raphaels und Tom Spurgeons Lee-Biographie für großen Unmut unter Marvels regulären Kreativen sorgte: „Wieso werden diese gottverdammten Hippies bei allem bevorzugt?“ Das Resultat war also weder Fisch noch Fleisch, verkaufte sich offenbar miserabel und wurde auch wegen der Scherereien im eigenen Hause nach nur drei Heften wieder eingestampft. Zwei weitere veröffentlichte Kitchen noch in Eigenregie, und der 180-seitige Hardcover-Sammelband, den er nun zum 40-jährigen Jubiläum des Unterfangens bei Dark Horse herausbringt, ist wohl eher ein Kuriosum als ein Werk, das man unbedingt gelesen haben müsste; insbesondere, da Dark Horse offenbar lieber keine vollständige Liste der Beteiligten ins Netz stellen will. Immerhin schmückt man sich mit Namen wie Kim Deitch, Harvey Pekar und S. Clay Wilson, auch Art Spiegelman ist vertreten: mit seiner Ur-„Maus“ nämlich, die Ende 1974, etwa zwei Jahre nach ihrem Erscheinen in Funny Aminals 1, von Marvel in Comix Book 2 noch einmal neu aufgelegt worden war. mof

 

 

FÜR ANGEFIXTE TV-JUNKIES:

The Walking Dead Kompendium 1The Walking Dead Kompendium 1
von Robert Kirkman, Tony Moore, Charlie Adlard
Cross Cult
50 Euro

Die TV-Adaption der Zombieserie The Walking Dead läuft überaus erfolgreich in der mittlerweile vierten Staffel. Da dürften sich viele Zuschauer fragen: Wie sieht die Vorlage aus? Die Antwort liefert ein fetter Sammelband, der die Comicreihe nochmal von vorne aufrollt und sage und schreibe  über 1000 Seiten Lesefreude verspricht. Genau gesagt verbergen sich darin die ersten acht regulären deutschen Sammelbände als Reprint. Etwas anders als im TV, noch tiefgehender, extremer. Mit dem Kompendium spart man mehr als 50 Prozent zum Kauf der Einzelausgaben, weshalb der Einstieg hier besonders leicht fällt. Über die hohe Qualität des Comics muss man wohl nicht mehr viel sagen … bv

 

 

FÜR FLEDERMAUS-FREUNDE:

Batman Paperback 1 – Der Rat der EulenBatman Paperback 1: Der Rat der Eulen
von Scott Snyder, Greg Capullo
Panini Comicserie
16,99 Euro

Das neue Kreativ-Dreamteam lautet Scott Snyder und Greg Capullo. Zum Start des DC-Relaunches begannen die beiden ihre Zusammenarbeit und haben mit ihrem ersten Run „Der Rat der Eulen“ gleich mal eine der beeindruckendsten Batman-Stories (mindestens) der vergangenen Jahre vorgelegt. Durchdachte Handlung, beklemmende Atmosphäre, brillante Zeichnungen. Mit diesem Kauf kann man wenig falsch machen. Natürlich gibt es den Zyklus auch in ungebündelter Heftform. bv

 

 

FÜR ALLE, DIE TYPISCHE SUPERHELDENFILME LEID SIND:

Misfits Staffel 3 DVDMisfits, Staffel 1 bis 3
DVD und BluRay
Polyband
je ca. 10-20 Euro

So wie Unbreakable einer der besten, übersehenen Superheldenfilme ist, so ist Misfits eine der cleversten, originellsten und unterhaltsamsten TV-Serien über Superhelden, die bisher, zumindest in Deutschland, deutlich zu wenig Beachtung gefunden hat. Sehr britisch und eigentlich nur an geradezu lächerlich wenigen Drehorten gedreht – aber einfach grandios. Kein Vergleich zur Serie Arrow oder den immer gleichen Marvel-Verfilmungen nach Schema F. ssv

 

 

FÜR ALLE, DIE SELBST IN DIE HANDLUNG EINGREIFEN WOLLEN:

Batman: Arkham OriginsBatman: Arkham Origins
Spiel für Xbox 360, WiiU, Playstation 3 und Windows
Warner Bros. Interactive
ca. 40 Euro

Nicht so genial wie Batman: Arkham Asylum, aber immer noch eines der besten Spiele überhaupt und eine der perfektesten Comicumsetzungen. Großes Kino? Viel besser! Essentiell für alle Batman-Interessierten. ssv

 

 

FÜR TRUE-CRIME-FANS:

Mein Freund DahmerMein Freund Dahmer
von Derf Backderf
Metrolit
22,99 Euro
 
Autobiografisches von Derf Backderf, der sich selbstkritisch fragt, ob er und andere Mitschüler eine Mitschuld daran haben, dass Jeffrey Dahmer zum Serienmörder wurde. Wenn Backderf uns erzählt, wie der junge Dahmer von seinen Kumpels überredet wird, in einer Shopping-Mall Leute zu erschrecken, können George Romeros Kaufhaus-Zombies getrost zu Hause bleiben, so gruselig ist das. Aber hätte man die Zeichen wirklich rechtzeitig erkennen können? Das Ganze ist in klassischem Underground-Stil gezeichnet, Backderfs Zeichnungen sehen dabei ein wenig aus, als hätte Richard Corben mit klarer Linie gezeichnet. Mein Freund Dahmer ist überraschend verstörend und entlarvend. Und eine Dokumentation des Erzählten gibt es als Bonusmaterial außerdem. cm

 

 

FÜR FAMILIENGESCHÄDIGTE:

KiesgrubennachtKiesgrubennacht
von Volker Reiche
Suhrkamp
21,99 Euro
 
Volker Reiche gräbt hier im bewährten Stil seiner Strizz-Strips die Leichen im Keller seiner Familie aus. Das sieht mitunter im Stil etwas betulich aus, passt aber zur Darstellung der trostlosen Nachkriegszeit. In Kiesgrubennacht arbeitet Reiche vor allem das Verhältnis zu seinem Vater auf, einem ehemaligen Nazi-Dichter, der Zeit seines Lebens unfähig war, seine emotionale Verwahrlosung vor der biederen Familienfassade zu verbergen und die Familie mehr als einmal an den Rand einer Tragödie bringt. Das ganze wäre kaum auszuhalten, wenn nicht ab und zu Strizz‘ Haustiere mit ihren unverblümten Kommentaren die Perspektive wieder gerade rücken würden. cm

 

 

FÜR NEUANFÄNGER:

Wie ein leeres BlattWie ein leeres Blatt
von Boulet und Penelope Bagieut
Carlsen Verlag
17,90 Euro
 
Schöne Geschichte um eine junge Frau, die ihr Gedächtnis verloren hat und jetzt ihre Umgebung noch einmal aufs Neue kennenlernen muss. Ulli Lust war es zu seicht, ich dagegen halte Wie ein leeres Blatt für den perfekten Comic. Humorvoll und trotzdem mit einem einnehmenden Plot, inhaltlich zwar weitgehend harmlos aber trotzdem berührend. Es ist eben einfach auch mal schön, wenn ein Comic nicht an die Substanz und ans Eingemachte geht, und deswegen ist das Buch auch ideal zum Verschenken geeignet. cm

 

 

FÜR STERNGUCKER:

Weltraumkalender 2014Weltraumkalender 2014
von Annette Köhn u.v.a.
Jaja Verlag
14 Euro

Der tolle Webcomickalender Fuck Yeah 2014 ist leider schon vergriffen, deshalb empfehle ich den Weltraumkalender 2014, der beim Jaja Verlag zu bekommen ist. Zwölf Kalenderblätter von teils sehr comicaffinen, tollen Illustratoren (u.a. Aike Arndt und Klaus Cornfield) zeigen spacige Motive in schönen dunklen Blautönen und mit Silber als Extra-Druckfarbe! tk

 

 

FÜR MONSTERMÖGENDE MITTELGROSSE:

Monster Allergy 2Monster Allergy
von Alessandro Barbucci u.v.a.
dani books
2 Bände, je 14 Euro

Schon vor sieben Jahren habe ich Monster Allergy als Geschenk für Nichten und Neffen empfohlen. Mittlerweile erscheint die Serie in dicken Sammelbänden bei dani books, und einer meiner Neffen ist inzwischen genau im passenden Alter. Er bekam Band 1 zum Geburtstag und orderte anschließend unmissverständlich den zweiten Teil als Weihnachtsgeschenk. Begründung: „Cooles Buch.“ tk

 

Dr. Grordborts glorreicher Wegweiser zum Triumph

Cover Dr. Grordborts glorreicher Wegweiser zum TriumphDr. Grordborts glorreicher Wegweiser zum Triumph dürfte wohl eine der skurrilsten Publikationen des Jahres sein. Der Hardcover-Band im Albenformat beinhaltet alles bislang verfügbare Material rund um das Leben und Wirken des erfindungsreichen Dr. Grordbort, das der neuseeländische Künstler Greg Broadmore aufgezeichnet hat.

Broadmores Arbeit kann man letztlich nur als Gesamtkunstwerk im breiteren Zusammenhang begreifen. Sein kontrapulatronisches Dings-Verzeichnis illustriert in Form eines Bestellkataloges diverse Errungenschaften einer fiktiven Retro-Zukunft, einer Art futuristisch-viktorianischen Melange aus Sci-Fi und Steampunk. Darunter so irrwitzige Konstruktionen Grordborts wie den Trengtington Terrestrialen Terrorköter, der, laut Anzeige, einen Sandwichmaker bereithält, Feinde mit künstlicher Befruchtung in die Flucht schlägt und auf Kommando „sitz“ machen kann. Oder z.B. der Goliathon 800 Mondhasser Todesstrahl, für den Vergeltungsschlag gegen den „großen, weißen Weltraumidioten“. Die Reihe an aberwitzigen Erfindungen ist schier unendlich. Dass Broadmore diese bis ins allerkleinste Detail ausarbeitet, wunderbar präzise abbildet und sie mit urkomischen Werbetexten begleitet, macht die Angelegenheit für den Leser ungemein plastisch und in der konsequent hochgehaltenen Irrationalität beinahe schon wieder authentisch.

Doch darin erschöpft sich Broadmores Ideenreichtum noch lange nicht. Dazu muss man erwähnen, dass Lord Cockswain sowas wie der Titelheld des Bandes ist. Der britische Adelige kämpft an vorderster Front im Krieg um extraterrestrische Kolonien. Insofern ist Grordborts Wegweiser in Wahrheit ein Kompendium zur Kriegsverklärung. Soldaten werden glorifiziert, Außerirdische brutal ausgemerzt und Tötungsmaschinen frei Haus geliefert. Zynischer könnte man mit dem heiklen Thema Krieg und Kolonisierung fremder Planeten kaum umgehen. Gut, dass der neuseeländische Zeichner dabei dermaßen augenzwinkernd und satirisch vorgeht, dass man beim Lesen einfach nur seinen Spaß hat.

Seite aus Dr. Grordborts glorreicher Wegweiser zum TriumphUnd von dem bekommt man reichlich: Verzeichnisse von Fahrzeugen, der Fauna von Mars und Venus und den Alien-Gegnern erweitern das Hintergrundwissen in ähnlicher Weise wie der eingangs geschilderte Katalog der Waffen. Dazwischen sind immer wieder herrlich altmodisch anmutende Propagandaplakate und Filmposter abgedruckt. Und als Kern des Ganzen ist der Band ebenfalls durchsetzt von relativ kurzen Comicerzählungen, die von Lord Cockswains neuesten, heldenhaften Abenteuern berichten. Für sich genommen sind diese Episoden nicht überragend, aber sie sind zum einen mit ihrer gemäldeartigen Optik sehr aufwändig gestaltet und machen andererseits in der Gesamtschau aller vielfältigen Komponenten des Bandes mehr als Sinn.

Insofern sollte man Dr. Grordborts glorreichen Wegweiser zum Triumph, nicht nur wegen des recht hohen Anteils an Nicht-Comicseiten, nicht als Comicalbum bewerten, sondern ihn als Gesamtwerk begreifen, das einen mit verschiedenen Stilmitteln in seine eigentümliche Welt zieht.

Ein großes Lob geht dabei auch an die deutsche Übersetzung von Maria Morlock. Broadmores Texte leben von ihrem Sprachwitz, der sich aus einer Mischung aus technischen, fiktiven Fachbegriffen, schwarzem Humor und einer flapsigen, direkten Ansprache speist. Dass die Übertragung ins Deutsche in diesem Fall so gut geglückt ist, dass das Lesen einfach nur Freude macht, ist sicherlich nicht selbstverständlich.

 

Wertung: 9 von 10 Punkten

Ein einmaliges Meisterwerk, das man in keine Schublade stecken kann

 

Dr. Grordborts glorreicher Wegweiser zum Triumph
Cross Cult, September 2013
Text und Zeichnungen: Greg Broadmore
Übersetzung: Maria Morlock
160 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 39,80 Euro
ISBN: 978-3-86425-186-3
Leseprobe

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Cross Cult

Links der Woche 42/13: Smiling girls and rosy boys, come and buy my little toys

Unsere Links der Woche, Ausgabe 42/2013:

 

 

Magazin-Menschen (2): Die Gimmick-Einkäuferin – “Quengelfaktor allein reicht nicht”
Kioskforscher, Markus Böhm
Ein Interview mit Jana Gurung, die bei Egmont Ehapa für den Einkauf der Spielzeugbeilagen für Kinderzeitschriften wie Micky Maus zuständig ist.

Adventmails von Jules
Tumblr, Grober Unfug
Jules ist ein Kunde des Berliner Comicladens Grober Unfug, dessen Texte als E-Mails von Jules auf dem Unfug-Blog erscheinen. Es sind weniger Rezensionen im klassischen Sinn, sondern sehr persönliche Comic-Vorstellungen, stets verbunden mit Assoziationen zum Alltagsleben. Im Dezember erscheint täglich ein neuer Text, dazu wurde eigens ein Blog bei Tumblr eingerichtet.

Sélection Officielle 2014
bdanguleme.com
Die Jury des Festivals von Angoulême, das im Januar 2014 wieder stattfindet, hat ihre Auswahlliste für die offiziellen Preise bekanntgegeben. Die „Sélection Officielle“ besteht aus 35 Comics, aus denen die Preisträger gekürt werden. Daneben gibt es noch eigene Auswahllisten für Kindercomics, Neuauflagen von Klassikern und Krimicomics.

Angoulême 2014 oder: Ein Blick in die Zukunft
intellectures, Thomas Hummitzsch
Thomas Hummitzsch begutachtet diese Liste der Nominierten von Angoulême und stellt die Comics und ihre Schöpfer im Hinblick auf den deutschen Comicmarkt vor.

Votez pour le Prix de la BD Fnac 2014
Fnac
Der Prix de la BD Fnac wird von der französischen Buchhandelskette Fnac ausgelobt und wird ebenfalls im Januar 2014 vergeben. Hier stehen 30 Titel zur Wahl, aus denen das Publikum per Onlineabstimmung seinen Favoriten wählen kann.

Top 10 graphic novels of 2013
The Washington Post, Michael Cavna
Die zehn Comics, die der Comic-Blogger der Washington Post für die besten des Jahrgangs hält. Darunter ist auch Today is the Last Day of the Rest of Your Life von Ulli Lust, nicht ihr erstes und sicher auch nicht ihr letztes Auftauchen in einer Jahresbestenliste. Seine Top 10 der Superheldencomics hat Cavna in ein eigenes Posting ausgelagert.

Frisch aus der Druckerei: Oktober 2013

alt

Im Oktober kam der ohnehin schon enorm hohe Comic-Austoß in Deutschland dank Buchmesse und anstehendem Weihnachtsgeschäft noch einmal richtig auf Touren. Wie üblich fischen wir aus der immer schwerer zu überschauenden Menge an Comic-Novitäten wieder die wichtigsten und interessantesten heraus, quer durch alle Genres und Stile. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei stets auf Einzeltiteln oder auf Startausgaben von neuen Serien.

 

HIGHLIGHT DES MONATS

Calvin & Hobbes GesamtausgabeEndlich gibt es die wunderbare Calvin und Hobbes Gesamtausgabe, bestehend aus drei voluminösen, hochwertigen Halbleinenbänden im Schuber, auch auf Deutsch. In den USA erschien diese vollständige Sammlung aller Strips von Bill Wattersons Zeitungscomic-Klassiker schon Anfang 2005, nun hat sich der Carlsen Verlag ein Herz gefasst und eine deutsche Fassung in gleicher Aufmachung veröffentlicht. Bis 31.3.2014 gibt es den fast zehn Kilo schweren Klotz zum Subskriptionspreis, bei dem man ein Drittel sparen kann. [Leseprobe]

EIGENPRODUKTIONEN

Nach einigen (relativ freien) Adaptionen von Romanen aus dem Suhrkamp-Katalog ist Kiesgrubennacht von Volker Reiche nun der erste Comic im Graphic-Novel-Programm von Suhrkamp, der nicht auf einer literarischen Vorlage basiert. Reiche, der zuletzt mehrere Jahre lang den Zeitungsstrip Strizz für die FAZ gemacht hat, beschäftigt sich in diesem „autobiographischen Großwerk“ (O-Ton Suhrkamp) mit seiner Kindheit in der Nachkriegszeit und der Geschichte seiner eigenen Familie: Reiches Eltern waren aktive Nazis. Erzählt wird abwechselnd aus kindlicher Perspektive und aus der Sicht des erwachsenen Autors im Zwiegespräch mit seinen tierischen Strizz-Figuren. [in der Leseprobe sehe ich nur graue Seiten, aber vielleicht klappt’s ja bei euch?]

Pimo und RexThomas Wellmann (Der Ziegensauger) legt seinen neuen Comic Pimo und Rex parallel in zwei Sprachen vor: Bei Rotopolpress erscheint die deutsche, beim britischen Verlag Blank Slate Books die englische Ausgabe. Das Buch erzählt von zwei (Lebens-) Künstlern, die in einer quietschbunten Welt leben, die direkt neben dem Land of Ooo aus Adventure Time liegen könnte. [Leseprobe]

Die Buchreihe Gregs Tagebuch, die Prosa mit kurzen Comic-Elementen mischt, ist überaus erfolgreich, so dass die Serie natürlich auch Nachahmer auf den Plan ruft. Der Pullacher Autor und Übersetzer Collin McMahon hat Jeff Kinneys Bücher ins Deutsche übertragen und versucht sich nun selbst an einem stilistisch ähnlichen Buch: Lucas & Skotti – Knalltüten im Anmarsch heißt es und erzählt von einem Jungen, der selber Comics zeichnet und ein Schulmaskottchen entwirft, das eines Tages lebendig wird. Die Zeichnungen kommen von einem Künstler, der für Comicleser kein Unbekannter sein dürfte: Ulf K., der schon seit Jahren zwischen Comic und Kinderbuchillustration pendelt und mit diesem Projekt genau in der Mitte landet. [Leseprobe]

Der Onlineshop Kwimbi, der sich auf Begleitmaterial zu deutschsprachigen Webcomics spezialisiert hat, verlegt gelegentlich auch selbst Comics. Rechtzeitig zu Halloween erschien bei Kwimbi die Anthologie Anders, in der sieben Webcomiczeichner (u.a. Mario Bühling, Marvin Clifford, TeMeL und Max Vähling) Horror-Kurzgeschichten erzählen. Der Titel steht dabei sowohl für das andere Medium, in dem sich die Künstler bewegen, als auch für andere Inhalte und Zeichenstile als die, die man von ihnen gewohnt ist. [Leseprobe]

2011 erschien Das Tagebuch des Ricardo Castillo von Alexis Martinez und Gunther Brodhecker als Fortsetzungscomic in der FAZ, eine historische Abenteuergeschichte, die im 18. Jahrhundert in Québec spielt, stilistisch eine Verbeugung vor Hergé. Die Buchausgabe veröffentlichen die beiden nun im Eigenverlag – als schön gebundenes Hardcover im Querformat.

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Mädchenworld ist ebenfalls die Sammlung eines Zeitungscomics und würde im Regal perfekt neben Ricardo Castillo passen – allerdings nur, was das Format angeht. Inhaltlich hat man es hier mit etwas ganz anderem zu tun: nämlich dem, was herauskommt, wenn Fil (Didi & Stulle) seine Version einer Teenager-Mädchen-Geschichte erzählt. Mit Stickern! Ursprünglich in der Wochenzeitung Jungle World abgedruckt, gibt es nun alle Folgen gesammelt beim Zitty Verlag.

Willy Brandt – Sein Leben als ComicWas im Buchmarkt schon längst gang und gäbe ist, passiert nun auch im Bereich der Graphic Novels: Mehrere Verlage bringen parallel Bücher zu Jubiläen und Geburtstagen heraus. In diesem Fall erschienen fast gleichzeitig gleich zwei Comics über Ex-Bundeskanzler Willy Brandt, der im Dezember seinen 100. Geburtstag feiern könnte. Das Szenario für Willy Brandt – Sein Leben als Comic (Knesebeck Verlag) stammt von Heiner Lünstedt, den man als Comicjournalist und als Organisator des Münchner Comicfestivals kennt, die Zeichnungen kommen von Ingrid Sabisch (Mythos Mutti, 41,3 kg – Magersucht?). [Leseprobe]

Der zweite Brandt-Band kommt direkt aus dem Vorwärts Verlag, der zur Medienholding der SPD gehört. Helga Grebing, die Autorin von Willy Brandt – Eine Comic-Biografie ist emeritierte Professorin, deren Spezialgebiet die Geschichte der Arbeiterbewegung ist. Gezeichnet hat das Buch Ansgar Lorenz, der zuvor die Reihe Philosophie für Einsteiger illustriert hat.

Björn Vinzelberg und seine Kollegen vom Derail Studio legen bei Delfinium Prints ihren Comic tessa – a trail of memories vor. Über den Inhalt weiß man wenig, es geht wohl um ein Mädchen, das durch ein marodes Industrieareal streift. Die Leseprobe sieht aber recht interessant aus.

Kitana – Prinzessin der Engel ist ein klassischer Fantasystoff mit Zauberinnen und Barbaren, Schwertern und Fabelwesen. Hoffentlich ist der Inhalt nicht ganz so altbacken wie die dazugehörige Website. Die Geschichte Der Schicksalstempel von Daniel Bekowies und Sabine Weiss erscheint als dreiteilige Albenreihe bei Epsilon. [Leseprobe]

Edition 52 bringt mit Heute ist dein Glückstag! einen Cartoonband mit jeder Menge Witzbildchen von Piero Masztalerz, der gerne mal ein bisschen derber wird als viele seiner Kollegen. Eine Kostprobe gibt es bei SPAM auf Spiegel Online.

Das Magazin Stijlroyal, das sich in jedem Heft neu erfindet, dreht sich in Ausgabe 17 um „Schmalz und Comics“. Mit dabei sind u.a. Oliver Naatz, Christian Nauck, Kiki Thaerigen und Nilz Bokelberg. [bestellbar hier]

In der deutschen Ausgabe von Le Monde Diplomatique erscheinen regelmäßig Comicbeiträge, überwiegend aus der avantgardistischen Ecke. 25 dieser Comics erscheinen nun in Form eines Kalenders, in dem u.a. Anke Feuchtenberger, Hendrik Dorgathen und Jacques de Loustal vertreten sind. [Vorschau]

AUS ISRAEL
Rutu Modan schreibt und zeichnet nicht nur vom Feuilleton gelobte Graphic Novels (Blutspuren, Das Erbe). Beim Verlag Antje Kunstmann ist jetzt ein astreiner Kindercomic von ihr erschienen: In Ketchup für die Königin wird das Mädchen Nina unverhofft zu einem Dinner bei der Queen eingeladen – was sich angesichts ihrer Tischmanieren als große Herausforderung darstellt. [Leseprobe]

AUS SPANIEN

Scheitern als ErfolgBeim neuen Label Egmont Graphic Novel gibt es den spanischen Comic Scheitern als Erfolg – Kung Fu für Unternehmen von David Cantolla und Juan Díaz-Faes. Cantolla ist ein spanischer Unternehmer, der mit seiner Firma Teknoland in der New Economy erst erfolgreich war und später baden ging. Später entwickelte und produzierte er mit Pocoyo eine sehr erfolgreiche Fernsehserie für Kleinkinder. Seine Erfahrungen mit dem Auf und Ab des Kapitalismus verarbeitete er schließlich in dieser autobiografischen GraNo.
[span. Leseprobe]

Der Illustrator Luis Royo, vor allem bekannt durch seine Pin-Up-Illustrationen mit Fantasy-Touch und Hang zum Kitsch, hat zusammen mit seinem Sohn Romulo Zeit des Bösen entwickelt, ein postapokalyptisches Fantasy-Szenario, das in verschiedenen Büchern ausgebreitet wird. Bei Cross Cult sind parallel zwei Titel erschienen: Apokalypse, eine Art illustrierter Roman [Leseprobe], sowie Soum, ein Comic im Manga-Stil von Kenny Ruiz um eine schwertschwingende Heldin. [Leseprobe]

AUS FRANKREICH

Der ein oder andere hat vielleicht davon gehört: Bei Egmont gibt es einen neuen Band aus der Serie Asterix, erstmals mit neuem Zeichner und Autor.

Ich, René TardiJacques Tardis Ruhm als Comiczeichner gründet auf drei Säulen: den Krimiadaptionen von Léo Malet und anderen Autoren, der in mehrfacher Hinsicht fantastischen Serie Adeles ungewöhnliche Abenteuer und nicht zuletzt seinen Arbeiten zum Ersten Weltkrieg. Nun widmet er sich erstmals dem Zweiten Weltkrieg und greift dabei auf die Biografie seines Vaters zurück: Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB, dessen erster von zwei Bänden bei Edition Moderne auf Deutsch erscheint, erzählt von der Gefangenschaft des Vaters in einem Lager im heutigen Polen. [Leseprobe]

Nach der von Boulet geschriebenen Gedächtnisverlust-Story Wie ein leeres Blatt veröffentlicht Carlsen einen weiteren Comic von Pénélope Bagieu: Eine erlesene Leiche handelt von einer Messehostess, die einen geheimnisvollen Schriftsteller kennenlernt. Gäbe es die verunglückte „Graphic Novel for Ladies“-Schiene noch, wäre dieser Titel wohl dort erschienen, aber der Verlag hatte ein Einsehen und legte das Label schnell wieder zu den Akten. [frz. Leseprobe]

Rotopolpress nimmt mit Eugène von Quentin Vijouxs einen ungewöhnlichen Psychokrimi ins Programm: Der Comic dreht sich um einen Mann, der als Kind die Haut eines Fremden in die Handflächen transplantiert bekam. [Leseprobe]

Comics und Kulinarik, Teil I: Die Ignoranten von Étienne Davodeau (Lulu – Die nackte Frau) trägt den Untertitel „Wenn Wein und Comic sich begegnen“ und handelt genau davon: Der Comic entstand, als Davodeau sich von einem befreundeten Winzer dessen Arbeit erklären ließ und er ihm wiederum die seine erklärte. Die deutsche Ausgabe gehört zum Startprogramm von Egmonts neuem Graphic-Novel-Label. [frz. Leseprobe]

Comics und Kulinarik, Teil II: In der Küche mit Alain Passard (Reprodukt) ist ebenfalls ein dokumentarischer Comic und teilweise auch ein Kochbuch. Hierfür durfte Christophe Blain (Isaak der Pirat, Quai d’Orsay) dem vegetarischen Pariser Star- und Sternekoch Alain Passard über die Schulter und in seine Kochtöpfe blicken. [Leseprobe]

SchönheitWir bleiben bei Reprodukt: Das Zeichnerduo Kerascoët hat nach Fräulein Rühr-mich-nicht-an wieder mit dem Szenaristen Hubert zusammengearbeitet. Schönheit erzählt den märchenhaften Stoff von einem Mädchen, dem eine Fee den Wunsch erfüllt, für jeden Betrachter als wunderschöne Frau zu erscheinen. Laut Verlag ist der Comic „reich an Bezügen zu Tausendundeiner Nacht und zur mittelalterlichen Buchkunst“. Auf Deutsch erscheinen die drei französischen Alben direkt in einem dicken Band, der auch als Vorzugsausgabe erhältlich ist.  [Leseprobe]

Der Schweizer Frederik Peeters (Blaue Pillen, Koma) gehört inzwischen auch zu den Stammautoren bei Reprodukt. In Sandburg setzt er ein Szenario des Filmemachers Pierre Oscar Lévy um, das an einem hübschen Badestrand spielt, wo der Fund einer Leiche das Idyll zerstört. [Leseprobe]

Wer in letzter Zeit an einem Comicladen vorbeigekommen ist, hat dort vielleicht eine rote und eine blaue Folie im Schaufenster kleben sehen, dahinter das aufgeschlagene Buch Jim Curious – Reise in die Tiefen des Ozeans. Dieser Comic aus dem Kinderprogramm von Reprodukt, geschrieben und gezeichnet von Matthias Picard, lässt den Leser gemeinsam mit seinem Helden in die Tiefsee abtauchen, und zwar in 3D. Zwei Brillen liegen dem Buch bei. [2D-Leseprobe]

Der Literaturklassiker Herz der Finsternis von Joseph Conrad entstand, nachdem der Autor im Jahr 1890 eine Reise auf dem Kongo unternommen hatte. Der Comic Kongo – Joseph Conrads Reise ins Herz der Finsternis (Avant-Verlag) vom Schweizer Team Christian Perrissin (El Niño) und Tom Tirabosco (Das Ende der Welt, Im Dunkeln) erzählt als eine Art „Making of“ von dieser Reise. [Leseprobe]

Bei Knesebeck ist ein weiterer biographischer Comic erschienen: In Marx – Die Graphic Novel tritt Karl Marx selbst als Ich-Erzähler auf. Das Szenario stammt von Corinne Maier, die mit dem Bestseller Die Entdeckung der Faulheit bekannt wurde. Zusammen mit Zeichnerin Anne Simon legte sie bereits einen Comic über Sigmund Freud vor, Marx ist nun ihr zweiter Bio-Comic. [frz. Leseprobe]

Schreiber & Leser bringt einen weiteren Band aus dem Zyklus der „Geheimnisvollen Städte“ von François Schuiten und Benoît Peeters: In Fieber in Urbicand wird ein rätselhafter Würfel entdeckt, aus dem ein ganzes Netz weiterer Würfel entsteht, das sich über die ganze Stadt ausbreitet. Dieser Band ist eine Neuauflage vom 1989 bei Feest erschienen Fieber des Stadtplaners, ergänzt um einen 18-seitigen Anhang. [Leseprobe]

Die Albenserie Miss October von Stephen Desberg und Alain Queireix, die bei Alles Gute, dem Schreiber & Leser-Label für klassische frankobelgische Alben, erscheint, erzählt einen Hardboiled-Krimi um einen Serienmörder, der Frauen tötet und im Stil von Pin-Up-Girls drapiert. [Leseprobe]

Beim Splitter Verlag werden künftig einige französische Stoffe, die im Nachbarland in Form von zwei einzelnen Alben erschienen sind, als „Splitter Double“ direkt in einem Band veröffentlicht. Den Anfang macht der Wikingercomic Asgard von Xavier Dorison und Ralph Meyer. [Leseprobe]

Der Wind in den WeidenSplitters Schwesterlabel Toonfish bringt eine Neuauflage von Der Wind in den Weiden, der Adaption von Kenneth Grahames Kinderbuchklassiker von Michel Plessix, die bei ihrem ersten Erscheinen (bei Carlsen in vier Bänden) auch in Deutschland mehrere Preise gewann. Ein paar Wochen später erscheint dann auch die Fortsetzung Der Wind in den Dünen. [Leseprobe]

Die Egmont Comic Collection startet zwei neue Gesamtausgaben von bekannten frankobelgischen Klassikern der 1960er und 70er Jahre: Die dreiteilige GA der Agentenserie Bruno Brazil von Louis Albert alias Greg und William Vance enthält pro Band vier Originalalben und einen Sekundärteil. Der Rote Korsar von Jean-Michel Charlier und Victor Hubinon ist ein klassischer Piratenstoff. Von dieser Gesamtausgabe, bei der die Comics neu koloriert wurden und die ebenfalls umfangreiches Bonusmaterial enthält, erschienen Band 1 und 2 fast gleichzeitig. [frz. Leseprobe]

Kein Comic, eher ein illustriertes Märchen, ist Der Seufzer von Marjane Satrapi (Persepolis). Überraschenderweise erscheint die deutsche Ausgabe weder bei einem Kinderbuchverlag noch in Satrapis Hausverlag Edition Moderne, sondern bei Panini. [Leseprobe]

AUS GROSSBRITANNIEN

Die Britin Isabel Greenberg gewann 2011 den vom Observer und dem Verlag Jonathan Cape ausgelobten „Graphic Short Story Prize“ für ihre Kurzgeschichte Love in a Very Cold Climate (siehe auch das hier eingebettete Video). Daraus wurde nun die Graphic Novel The Encyclopedia of Early Earth, die zeitgleich zur englischen Veröffentlichung auch auf Deutsch erscheint, und zwar als Die Enzyklopädie der Frühen Erde beim zu Suhrkamp gehörenden Insel Verlag. Eingebettet in eine Rahmenhandlung erzählt Greenberg Mythen und Legenden aus der Frühzeit der Erde. [Leseprobe]

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AUS DEN USA

Dan Clowes gehört zu den großen Vertretern des ernsthaften amerikanischen Autorencomics. Klassische Superheldengeschichten wird jemand wie er vermutlich nie produzieren, aber natürlich ist auch er mit Superhelden aufgewachsen und wurde von ihnen geprägt. Dies ließ er in seinen Comic „The Death-Ray“ einfließen, der 2004 im Rahmen von Clowes „One-Man-Anthology“ Eightball erschien und mehrere Harvey Awards sowie einen Eisner Award gewann. Clowes erzählt darin die Coming-of-Age-Geschichte eines Außenseiters und, so schreibt Der Tagesspiegel, „zerstört quasi im Vorbeigehen alles, was in irgendeiner Weise aufregend an Superhelden ist“. Die deutsche Ausgabe Der Todesstrahl gibt es nun bei Reprodukt. [Leseprobe, CG-Rezension]

Das Schweigen unserer FreundeAuch einen amerikanischen Titel hat das neue Label Egmont Graphic Novel im Programm: Das Schweigen unserer Freunde von Mark Long, Jim Demonakos und Nate Powell erzählt, teilweise autobiographisch, von einer weißen und einer schwarzen Familie in Texas auf dem Höhepunkt der schwarzen Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre. [US-Leseprobe]

Das dreibändige Projekt The Graphic Canon von Herausgeber Russ Kick versucht, einen Kanon der Weltliteratur, vom Gilgamesch-Epos der Babylonier bis zur Gegenwart, in Form von Comicadaptionen unterschiedlicher Länge aufzustellen. Die meisten der beteiligten Zeichner sind kaum bekannt, es gibt jedoch ein paar Ausnahmen wie Will Eisner und Robert Crumb. Eigens für die deutsche Ausgabe (Galiani Berlin) entstanden Illustrationen zum Nibelungenlied von Kat Menschik.   

Bei Edition Moderne erscheint ein neuer Comic von Schabkarton-Meister Thomas Ott. Dark Country basiert auf einem Film von Thomas Jane (der als Schauspieler schon mal der Punisher war), in dem es ein frisch verheiratetes Paar auf Hochzeitsreise mit einem ungebetenen Begleiter zu tun bekommt. Der Comic erschien zunächst in den USA bei der von Thomas Jane gegründeten Firma Raw Studios. [Leseprobe]

Der Sachcomic Economix – Wie unsere Wirtschaft funktioniert (oder auch nicht) (Jacoby & Stuart) stammt vom Autor Michael Goodwin und dem Zeichner Dan E. Burr und versucht mit Mitteln des Comics einen Grundkurs Wirtschaft abzuhalten. Das scheint ihm auch ganz gut zu gelingen, setzt aber, meint Deutschlandradio Kultur, „allzu sehr auf das Motto „Reiche Böse gegen arme Machtlose“.  [US-Leseprobe]

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Wer gerne mal in den Zeitungscomic-Klassiker Prinz Eisenherz von Hal Foster reinschnuppern würde, aber nicht gleich zu der üppigen Gesamtausgabe von Bocola greifen möchte, kann sich jetzt den preiswerten Auswahlband zulegen, der als „Eisenherz für Einsteiger“ konzipiert ist und „eine Auswahl der besten Episoden“ enthält.

Zur Frankfurter Buchmesse, bei der in diesem Jahr Brasilien das Gastland war, erschienen zwei Comics des Zwillingsbruderpaares Fábio Moon und Gabriel Bá, deren verlegerische Heimat in der Regel in den USA liegt (siehe unser Interview mit den beiden). Panini brachte Daytripper, eine preisgekrönte, im Original bei Vertigo erschienene Miniserie um einen Autor von Nachrufen, der selbst am Ende jeder Episode stirbt. [Leseprobe] Bei Cross Cult gibt es dazu noch De:Tales – Geschichten aus dem urbanen Brasilien, einen Band mit schwarz-weißen Kurzgeschichten aus ihrer Heimat. [Leseprobe

Der Schotte Mark Millar ist mittlerweile dank erfolgreich verfilmter Stoffe wie Kick-Ass oder Wanted seine eigene Marke. Stets begleitet von selbstbewusster Eigen-PR, bringt er immer wieder neue Miniserien auf den Markt, die meistens auf bewährten Superheldenthemen aufbauen, sie aber eine Spur weiter drehen als das bei Marvel oder DC üblich ist. Für Super Crooks (Panini Comics) hat sich Millar wie schon bei Superior mit Zeichner Leinil Francis Yu zusammengetan. Darin will eine Handvoll Superschurken nach Spanien gehen und dort den großen Coup landen, weil es in den USA zu sehr von Superhelden wimmelt. Warum gerade Spanien? Hat vermutlich damit zu tun, dass auch hier schon eine Verfilmung in Arbeit ist, noch während der Comic erscheint, und die soll vom spanischen Regisseur Nacho Vigalondo realisiert werden, der im Comic auch als „Co-Plotter“ genannt wird. [Leseprobe]

Avengers: Der endlose KriegWas bei Panini in der Reihe Marvel Graphic Novels unter dem Titel Avengers: Der endlose Krieg erscheint, ist zunächst mal eine weitere Geschichte mit den Rächern. Daran herrscht ja nun wahrlich kein Mangel. Das Besondere an diesem Comic ist, dass er auch in den USA nicht wie üblich zunächst in Form von Einzelheften herauskommt, sondern direkt als abgeschlossener, 120 Seiten dicker Band. Und zwar zeitgleich in verschiedenen Ländern und in verschiedenen Sprachen. Als Autor hat Marvel dafür Warren Ellis gewonnen, der sich in letzter Zeit im Comicbereich etwas rarer gemacht hat, die Zeichnungen stammen von Mike McKone. [Leseprobe]

Bei den „normalen“ Marvel-Serien ist derzeit Jonathan Hickman einer der tonangebenden Autoren. Neben der Reihe Avengers, die bei uns als monatliche Heftserie erscheint, schreibt er auch noch die New Avengers, die kürzlich ebenfalls unter dem Motto „Marvel Now!“ neu gestartet wurden. Hier stehen die „Illuminati“ im Mittelpunkt, die Strippenzieher im Marvel-Universum, zu denen u.a. Captain America, Iron Man, Dr. Strange und der Black Panther gehören. Diese Serie bringt Panini in Form von Sammelbänden, der erste erschien im Oktober. [Leseprobe]

Deadpool, der leicht bekloppte Kopfgeldjäger, ist derjenige von Marvels Superhelden, mit dem der Verlag am liebsten Schabernack treibt. In der Miniserie Deadpool Killustrated kreuzte man den „Söldner mit der großen Klappe“ mit Figuren aus bekannten Klassikern der Literatur wie Moby Dick, Don Quijote, Tom Sawyer oder Sherlock Holmes. Auf Deutsch heißt das dann konsequenterweise Deadpool: Killustrierte Klassiker. [Leseprobe]

Der Punisher im Weltraum? Ja, der Punisher im Weltraum. In 100% Marvel 70 – Punisher: In Space von Frank Tieri und Mark Texeira. [US-Leseprobe]

DC Comics testet seit dem letzten Jahr nicht ganz ohne Erfolg die digitale Erstveröffentlichung von Comics. Einige Serien, die nicht zum Kernuniversum der „New 52“ gehören, erscheinen zunächst als digitaler Download und erst später als gedrucktes Heft. Zwei davon bringt Panini nun ganz herkömmlich als Paperback: Zum einen Arrow, der Begleitcomic zur gleichnamigen TV-Serie, die bei uns seit kurzem auf VOX läuft [Leseprobe], zum anderen Ame-Comi Girls, eine Serie mit einem etwas kuriosen Konzept: Sie basiert auf einer Linie von Spielzeugfiguren, für die weibliche DC-Superhelden im Manga- und Animestil designt wurden. [Leseprobe]

Noch mehr weibliche DC-Heldinnen gibt es in Birds of Prey, dessen erster Jahrgang seit dem „New 52“-Neustart bei Panini komplett in einem Megaband vorliegt. [Leseprobe]

Before Watchmen ist mit Silk Spectre beim sechsten von insgesamt acht Bänden angelangt. Diese Miniserie gehört dank des Scripts von Darwyn Cooke und den Zeichnungen von Amanda Conner zu den gelungeneren des insgesamt nicht besonders glücklichen Unternehmens. [Leseprobe]

Aufgepeppte Märchen sind im Comic schon lange ein Erfolgsrezept, wie nicht nur Fables beweist. Auch der kleine Verlag Zenescope hat damit Erfolg. Seit 2005 erscheinen dort Grimm Fairy Tales, in denen klassische Märchen als moderne Horrorgeschichten neu erzählt werden. Wichtigstes Alleinstellungsmerkmal: Auf jedem Cover muss zwingend mindestens eine anatomisch irreale Frau in einer sexy Pinup-Pose zu sehen sein. Bei Panini kann man diese Märchenvarianten nun auch auf Deutsch lesen. [US-Leseprobe]

Den Trend der Mundart-Comics glaubten wir eigentlich schon überstanden zu haben, nun aber bringt Panini den Simpsons Hessisch bei: Simpsons Comics fer Simbel heißt das dann. Weitere Bände sind angedroht.

Tradition hat dagegen die jährliche Halloween-Ausgabe der Simpsons Comics. In Bart Simpsons Horror Show 17 dürfen sich wieder einige Gastzeichner und -Autoren in Springfield austoben und Horror- und andere Filme parodieren. Diesmal sind u.a. Gerry Duggan, Phil Noto und Jim Valentino dabei.

Aus den amerikanischen Boom Studios kommt eine kinderfreundliche Comicverwertung des bekannten Trickfilm-Franchise Ice Age. Zum deutschen Start bei Panini gibt es gleich zwei Bände im quadratischen Hardcover. [US-Leseprobe]

My Little Pony: Freundschaft ist MagieAuch die Comics mit dem Videospiel-Igel Sonic the Hedgehog richten sich an eine jüngere Leserschaft [US-Leseprobe], während man sich bei My Little Pony: Freundschaft ist Magie (beide Panini Comics) nicht so ganz sicher sein kann. Schließlich gilt es in Kreisen junger Großstadt-Hipster als schick, auf eine irgendwie ironische Weise diese rosaglitzernden Pferdchen und Einhörner, ursprünglich vom Konzern Hasbro als Spielzeug für kleine Mädchen erfunden, toll zu finden. Im August trafen sich die „Bronies“ erstmals in Ludwigsburg auf einer eigenen Convention. Die US-Ausgabe der Comicserie jedenfalls, die vor einem Jahr bei IDW startete, überraschte mit eindrucksvollen Verkaufszahlen, weil es gelungen war, sowohl Kinder als auch das ältere Fandom anzusprechen. [US-Leseprobe]

Jeffrey Brown ist mit seinen autobiographischen Comics wie Clumsy anerkanntes Mitgleid der Indiecomic-Szene, den größten kommerziellen Erfolg hat er aber mit seinen humorigen Star Wars-Büchern, in denen er Luke und Leia als kleine Kinder darstellt, die mit ihrem Papi Darth Vader ein ganz normales Familienleben führen. Nach Darth Vader und Sohn erschien nun die Fortsetzung Vaders kleine Prinzessin [US-Leseprobe].

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Ähnlich funktioniert Browns Jedi-Akadamie (ebenfalls im Oktober bei Panini erschienen): Dieses Buch ist – angelehnt an das erfolgreiche Vorbild Gregs Tagebuch – als (Comic-) Tagebuch eines jungen Nachwuchsjedi konzipiert, den typische Schülersorgen plagen. [US-Leseprobe]

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AUS ENTENHAUSEN

Micky Maus feiert in diesen Wochen seinen 85. Geburtstag. Natürlich gibt es aus diesem Anlass (genau wie bei den meisten anderen runden Geburtstagen bekannter Disney-Figuren) wieder einen Jubiläumsband bei Egmont: Der über 400 Seiten dicke Alles über Micky Maus – Vom Dreikäsehoch zum Meisterdetektiv enthält neben sehr frühen MM-Comics aus den 1930er Jahren und ein paar hier erstmals abgedruckten Hommagen an frühe Comics und Trickfilme eine bunte Mischung quer durch die Jahrzehnte, überwiegend aus italienischer Produktion, sowie redaktionelle Begleittexte.

Und auch einen Weihnachtsband gibt es wieder mal: Walt Disneys wunderbare Weihnachten mit langen und kurzen, neuen und alten Weihnachtsgeschichten aus Entenhausen. Eine genaue Auflistung des Inhalts gibt’s hier.

AUS ASIEN

Das Feld des RegenbogensMit dem Einzelband Das Feld des Regenbogens baut Tokyopop seine Werkausgabe der anspruchsvollen Manga von Inio Asano (Solanin, Gute Nacht, Punpun) aus. Es scheint sich um einen recht komplexen und düsteren, gesellschaftskritischen Stoff mit übernatürlichen Elementen zu handeln, der nicht ganz leicht zu durchschauen ist. [Leseprobe]

Brynhildr in the Darkness ist eine neue Mystery-Serie von Lynn Okamoto (Elfen Lied), die vom Verlag die Altersempfehlung 18+ bekommen hat. DIe Hauptfigur des Manga ist ein Junge, der davon überzeugt ist, dass es Außerirdische gibt, vielleicht sogar auf der Erde. [Leseprobe]

Der Animefilm Ame & Yuki – Die Wolfskinder von Mamoru Hosoda (Summer Wars, Das Mädchen, das durch die Zeit sprang) hat es bei uns leider nicht ins Kino geschafft, liegt aber seit Sommer bei Kazé als DVD und BluRay vor. Bei Tokyopop gibt es nun auch eine dreiteilige Mangaadaption des Films, der von zwei Kindern erzählt, die halb Mensch, halb Wolf sind.

Seit ein paar Monaten werden bei Tokyopop mehrere Serien aus dem koreanischen Studio Ylab als sogenannte Online-Manga, bei denen wöchentlich neue Kapitel erscheinen, kostenlos im Netz vorveröffentlicht. Alle Serien erscheinen später auch in gedruckter Form, den Anfang macht nun der erste Band von ENT.: Darin führt ein Mädchen ein Doppelleben als unauffällige Schülerin und parallel als umschwärter Popstar.

Neu bei Kazé Manga ist die Fantasyserie Magi – The Labyrinth of Magic von Shinobu Ohtaka, in der klassische orientalische Märchenstoffe wie die von Aladin oder Ali Baba verarbeitet werden. Die ersten Bände der in Japan sehr erfolgreichen Reihe, die es auch als Anime gibt, erscheinen im Monatsrhythmus.

Bloody Maiden von Kikuhiko Taida und Sutarou Hanao (ebenfalls Kazé) ist ein Horror-Zweiteiler, der laut Verlagsankündigung nicht mit „Splatter, Gore und nackten Tatsachen“ geizt. [Leseprobe]

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Ein eher ungewöhnlicher Titel im Programm von EMA ist der Kurzgeschichtenband The Chronicle of the Clueless Age von Otsuichi (Goth) und Usamaru Furuya (Der Selbstmordclub). In surrealen Episoden geht es um pubertierende Jugendliche und ihre alltäglichen Probleme und Fantasien. EMA spendiert dem großformatigen Band eine hochwertige Aufmachung mit Schuber.

Weitere neue Mangaserien bei EMA: Drachentraum ist ein zweiteiliger Fantasy-Manga von Akira Himekawa, dessen Held ein Hybridwesen zwischen Mensch und Drachen ist. Schwur der Zeit von Shushushu Sakurai führt ins japanische Mittelalter mit Samurai und Ninja. Sonnensturm von Yuiji Aniya erinnert in seinem Setting ein wenig an Y – The Last Man: Hier geht’s um eine Welt, in der das männliche Geschlecht ausgestorben ist und plötzlich ein einzelner Junge auftaucht. Und Tokyo Summer of the Dead von Shiichi Kugura ist ein weiterer Beitrag zum nach wie vor unglaublich populären Zombie-Genre.

SEKUNDÄRLITERATUR

Entenhausen – DIe ganze WahrheitFAZ-Feuilletonredakteur und Donaldist PaTrick Bahners betrachtet in Entenhausen – Die ganze Wahrheit das Universum Entenhausen und seine Bewohner mit jener wissenschaftlich-verschrobenen Ernstahftigkeit, die die Donaldisten seit jeher auszeichnet. Das 200-seitige Buch, das bereits vor 10 Jahren erstmals angekündigt wurde, ist nun bei C.H. Beck erschienen. [Leseprobe]

Wissen durch Bilder (Transcript-Verlag) ist eine Sammlung von Aufsätzen zum Thema Sachcomics. Diese Gattung wird von verschiedenen Seiten beleuchtet, u.a. gibt es Beiträge zum Einsatz von Comics im Unterricht, zur Übersetzung von Sachcomics und einen Praxisbericht zur Entstehung des Sachcomics Out of Somalia. [Leseprobe]

Tim und Struppis Welt (Knesebeck) heißt ein ziegelsteinartiger Bildband, der eine Art Katalog des Musée Hergé im belgischen Louvain-la-Neuve darstellt. [Leseprobe] Hier der Trailer zur französischen Originalausgabe:

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Links der Woche 41/13: Ain’t worth the paper it’s printed on

Unsere Links der Woche, Ausgabe 41/2013:

 

Manga-Freak ersticht Mädchen! – Hurra! Ein Sündenbock ist da!
YouTube, LeFloid
„Manga-Fan tötet 14-jährige“ schlagzeilte die Boulevardpresse dieser Tage über einen tragischen Mordfall in der Nähe von Berlin und stellte ihren Lesern mit zahlreichen Bildbeispielen „die Manga-Welt ihres Mörders“ vor. LeFloid, einer der populärsten deutschen YouTuber mit mehr als 1,3 Mio Abonnenten, erklärt in seinem Format „LeNews“ in klaren Worten, was von solcher Berichterstattung zu halten ist:

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Pure Fruit #6
issuu, Pure Fruit
Das Kieler Comicmagazin Pure Fruit, das halbjährlich erscheint und kostenlos verteilt wird, hat seine sechste Ausgabe veröffentlicht. Neben dem Kernteam (Franziska Ludwig, Gregor Hinz, Tim Eckhorst, Volker Sponholz) ist eine Menge namhafter Gäste mit Beiträgen vertreten, u.a. Flix, Aisha Franz, Ulrich Scheel und Ulf K. Das Thema des neuen Heftes, das in einer ungewöhnlichen Farbgebung daherkommt, ist Essen, folglich heißt es „Pure Food“. Wer keine Printausgabe erwischt, kann das Heft (und die fünf Vorgänger) auch online kostenlos lesen.

Die menschliche Maus – Micky wird 85
Der Tagesspiegel, Lars von Törne
Ein Geburtstagsartikel für Micky Maus, der die mittlerweile 85-jährige Historie der Disney-Maus ausführlich rekapituliert.

Kibbles ‘n’ Bits, 11/19/13 – Sexual Harassment Edition
The Beat, Heidi MacDonald
In der letzten Woche ging die Diskussion über sexuelle Belästigungen in der amerikanischen Comicszene (siehe Links der Woche 40/13), die teilweise an die hiesige #aufschrei-Debatte von Anfang des Jahres erinnert, weiter. Einige relevante Links sammelt der hier aufgeführte Beitrag von Heidi MacDonald.