Neueste Artikel

Prototyp

Cover Prototyp Ralf König erzählt in Prototyp die Schöpfungsgeschichte frech und respektlos neu. Der Prototyp der Menschheit ist Adam, die Hauptrolle kommt jedoch einer Schlange zu, dem guten alten „Luz“, wie sie genannt wird. Der Leser wird durch die von König inszenierten Dialoge – vornehmlich zwischen Luz und Gott, der nur als Stimme in Fraktur in Erscheinung tritt – in eine ganze Reihe von Erwägungen zur Schöpfung und dem Menschsein verwickelt. Und diese zeichnen sich durch ein Maximum an Wort- und Bildwitz aus, der aufs Königlichste zu amüsieren weiß und manchmal zum Nachdenken verführt.

aus PrototypDer Humor lebt vor allem von der Konfrontation aus modernen Gedanken und altbackenen Kirchenklischees und von allgemeinmenschlich skurrilen Szenen, etwa wenn den Tieren ihre Stimmen zugeordnet werden und Luz seitenweise inspiziert, was zwischen Adams Beinen baumelt. Allerdings kam König nicht umhin, hier ein Feigenblatt einzufügen, das sich in der biblischen Schöpfungsgeschichte nicht dort befindet – manchmal ist die Gegenwart eben prüder als religiöse Literatur … Aber wie man das von Königs Knollennasenmännchen kennt, wird das Feigenblatt auch mal beiseite genommen, dann geht es gar nicht mehr prüde zu, ist aber nur ein Experiment der göttlichen Frakturstimme. Eine Reihe von Andeutungen im Wortwitz setzen allerdings eine ganz ordentliche Allgemeinbildung voraus, um die Anspielungen auf Kreationismus, Albert Einsteins Relativitätstheorie, Martin Heideggers Philosophie, Platons Höhlengleichnis und anderes richtig einordnen zu können. Die biblischen Aussagen sind vor allem da treffend in Szene gesetzt, wo der Mensch beim Durchspielen verschiedener Entwürfe Adams zu einem verstandesbegabten und eigenverantwortlichen Menschen wird; streng genommen dürfte man erst dann vom Ebenbild Gottes sprechen.

aus PrototypSehr fein ist Luz charakterisiert, der mal argumentiert, mal verzweifelt, mal ganz modern daher kommt, aber immer den Schalk im Nacken sitzen hat. Die Frakturstimme ist durch Kirchenklischees charakterisiert, weniger durch den alttestamentlichen Gott: Wo der biblische Gott der Propheten Gerechtigkeit statt Loblieder einfordert (z.B. beim Propheten Amos: „Weg mit dem Lärm euerer Loblieder, vielmehr sei die Gerechtigkeit ein nie versiegender Bach in eurem Land.“), da findet die Frakturstimme demütigen Lobgesang unterhaltsam. Wo das Alte Testament die Sexualität und Fruchtbarkeit als Gabe Gottes sieht, da reagiert Königs Frakturstimme fast immer verschämt auf Sexuelles (s. Bildbeispiele), so wie die griechische Leibfeindlichkeit ins frühe Christentum eingesickert ist. Die Sinnen- und Leibfreundlichkeit des „Hohenlieds“ (in unübertroffener Poesie seitenlang im Alten Testament) findet kurz vor Schluss Eingang in den Prototyp – und zwar als Kompliment von Adam an Eva: „Deine Brüste sind zwei Kitzlein, die unter Lilien weiden“. – „Pffh … Wo hast du das her?“ entgegnet Eva apfelkauend. Für Kenner der biblischen Materie ergeben sich aus solchen Diskrepanzen nette Gelegenheiten zum Schmunzeln.

Prototyp ist Ralf Königs Beweis, dass er sich nicht auf Schwulencomics festlegen lassen muss, und eine treffliche Erweiterung seines künstlerischen Themenspektrums. Prototyp ist Ralf König gut gelungen, überaus köstlich und stellenweise auf hohem Niveau. Derzeit läuft in der FAZ, in der 2007 zunächst zehn Strips von Prototyp als Urlaubsvertretung von Volker Reiches Strizz abgedruckt wurde, seine Nachfolgereihe Archetyp als reguläre Nachfolgeserie von Strizz, die die biblische Erzählung von Noah und der Arche in neuen Worten und Bildern nachzeichnet.

Prototyp
Rowohlt, November 2008
Text/
Zeichnungen: Ralf König
110 Seiten, Hardcover, Farbe; 14,90 Euro
ISBN 978-3498035426

Die Prototyp-Folgen der FAZ lesen

mal Grunz-Humor, mal auf hohem Niveau, überaus köstlich

Jetzt bei Comic Combo anschauen und bestellen!

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Prototyp © Ralf König

Neu: Der Kri-Ticker als Blog!

 WICHTIG: Wir haben den „Kri-Ticker“ umgebaut. Unsere Rubrik für Kurz-Rezensionen gibt es jetzt nicht mehr als Sammelartikel im Abstand von vielen Wochen, sondern in Form eines Blogs mit einzelnen Kurz-Rezensionen, das wir sehr häufig aktualisieren werden. Wie gewohnt geht es hier querbeet durchs Comicangebot. Aktuell befinden sich schon einige Einträge darin, z.B. kurze Besprechungen von Iron Man 1, Der Killer 6, Knochen-Jochen, Kind des Blitzes 3 oder Warrior Cats 1. Hier geht's zum Kri-Ticker.

Ojo (US)

Ojo CoverAnnies Leben sieht ganz schön beschissen aus. Ihre Mutter ist tot, ihr Vater irgendwo auf Reisen und ihre große Schwester ein fieses Biest der Extraklasse. Gelebt wird in einem Trailer, was die Sache nicht eben besser macht. Auf so engem Raum ist Rückzug beinahe unmöglich. Hausherr Großpapa versucht mit Ruhe und Geduld die zerrissenen Geschwister daran zu hindern, sich gegenseitig zu zerfleischen. So sollte die Welt eines kleinen Mädchens nicht aussehen.

Um irgendeinen Sinn im Leben zu haben, wünscht sich Annie ein Haustier. Nacheinander kümmert sie sich um eine Eidechse (Phred), eine Maus (Molly) und einen Käfer (Käfer). Doch sie beweist ein schlechtes Händchen bei der Pflege ihrer Schützlinge: Phred stirbt auf der Heizung, Molly zerquetscht ein Brett, Käfer gerät unter einen Schuh. Annie muss einsehen: Sie hat’s nicht so mit Haustieren. Für jedes gräbt sie ein Loch neben dem Trailer, bald die Eigentümerin eines kleinen Friedhofs, aber immer noch einsam. Dann findet sie Ojo, ein Phantasieviech mit Tentakeln, das wahrscheinlich nur sie sehen kann.

Ojo nimmt reißausDie Grundidee der Story ist prima, gefühlvoller schwarzer Humor, gleichermaßen die erste Episode der Handlung, in der das Verhältnis der beiden Schwestern herrlich hysterisch ausgeleuchtet wird. Auch der Zeichenstil macht noch Spaß. Abwechslungsreicher Seitenaufbau, Bilder, die zwischen Strichmännchen und fast realistischer Darstellung hin- und herwechseln, abhängig davon, wie es eben gerade für das Erzählte angemessen ist. Leider gerät danach die optische wie inhaltliche Aufregung aufs Abstellgleis.

Die Geschichte leidet darunter, dass Autor Sam Kieth (The Maxx) zwei Ziele zugleich verfolgt. Auf der einen Seite möchte er eine innere Handlung erzählen, nämlich wie Annie den Unfalltod ihrer Mutter verarbeitet. Auf der anderen Seite möchte er aber auch eine äußere Handlung erzählen, wie Annie und Ojo miteinander auskommen, wie sie ihn am Leben hält etc. Die innere Handlung dominiert das Geschehen, wird von der äußeren jedoch immer wieder unterbrochen. Mal wird die Aufmerksamkeit auf den Tod von Annies Mutter gelenkt, da bricht irgendein Ojo-Problem herein, das einen in diesem Moment nur mäßig interessiert. Umgekehrt das gleiche Spiel. Eben verwandeln Ojo und seine in einem Abflussrohr lebende Riesenmutter das Ding in einen Monster-Comic, da kommt Großvater daher und möchte ein bisschen über Mama plaudern.

Zeichnerisch baut der Band nach der ersten Episode (nach 24 Seiten) stark ab. Die Strichmännchen sehen bald aus wie hingeschluderte Scribbles, wenig atmosphärisch, hin und wieder gar zweidimensional. So ist Ojo insgesamt ein mittelmäßiger Inde-Comic mit einem dicken Hänger in der Mitte, der gegen Ende wieder ein bisschen aufholt, indem er der Geschichte einen nicht besonders überraschenden, dafür aber schönen und runden Abschluss gibt.

Ojo
Oni Press, April 2005
Text: Sam Kieth
Zeichnungen: Sam Kieth, Alex Pardee, Chris Wisnia
144 Seiten, Softcover, schwarzweiß; 14,95 US-Dollar
ISBN 9781932664133

5-page-preview auf onipress.com

Mittelmäßiges Inde-Drama

Jetzt bei Comic Combo anschauen und bestellen!
Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen: © Sam Kieth / Oni Press

Spam

 Wer kennt sie nicht, die unerwünschten E-Mails, die man Tag für Tag in seinem Spam-Ordner (oder, schlimmer, direkt im Posteingang) findet. Meistens sind sie nur lästig, manchmal bergen sie aber auch unfreiwilligen Humor in sich. Nicolas Mahler schafft es wie kein zweiter, das Absurde und Komische an Spam-Mails herauszuschälen und legt mit SPAM ein Buch vor, das aus realen Betreffzeilen und realen Absendernamen kleine Miniaturen macht, die umwerfend komisch sind. Und ganz nebenbei gelingt ihm eine tragische Geschichte vom Abenteuer Penisvergrößerung.

„All texts in this book where found in my mailbox“. So steht es (inklusive Schreibfehler) am Beginn des kleinen, giftgrünen Hardcover-Büchleins. Es folgt auf jeder Seite eine einzelnes Panel, bestehend aus der Betreffzeile einer Spam-Mail (alle auf Englisch), Datum und Name des Absenders sowie einer kleinen Zeichnung im typischen minimalistischen Stil von Nicolas Mahler. Für seine Bilder lässt sich Mahler vor allem von den oft herrlich bescheuerten Namen inspirieren, die als Absender der Werbepost fungieren. Shlomo Nhum, Henryk Semmelhack oder Erwin Kun-Tsun heißen sie zum Beispiel, und es ist ein großes Vergnügen, die Charaktere zu betrachten, die Mahler diesen Namen zuordnet.

Dazu kommen ihre Botschaften, die sich hauptsächlich um das primäre männliche Geschlechtsteil und dessen Größe drehen, die ja bekanntlich immer zu gering ist. Denn es ist nunmal so: „Huge love weapon is never too much“. Mahler illustriert diesen Satz von einem gewissen Narciso Smirnov mit einem grimmigen, panzerfahrenden Soldat, der eine Pickelhaube trägt. Auf diese Weise entstehen kleine Vignetten, die, jede für sich, als einzelner kleiner Cartoon funktionieren.

 Erst auf den zweiten Blick merkt man, dass SPAM keine schlichte Sammlung von Einseitern ist, sondern darüber hinaus auch eine durchgehende Geschichte erzählt. Zwischen den Zeilen (bzw. zwischen den Panels) wird man Zeuge, wie der Adressat jener Mails sich auf die Werbebotschaften einlässt, denn „Pen!s enlargement is not a myth“, und schließlich eine Bestellung abschickt, bis es heißt „Your order approved“. Und natürlich steckt hinter dieser Geschichte – wie immer bei großem Humor – eine gewisse Tragik. Nicolas Mahler ist hier wirklich ein kleines Kunstwerk gelungen. Hinter dem schlichten Erscheinungsbild des Bandes und den scheinbar so simplen, mit grüner Farbe dezent geschmückten Bildern steckt ein Comic, der auf mehreren Ebenen funktioniert und bei dem sich auch eine wiederholte Lektüre sehr lohnt.

Wer kaum Englisch spricht, wird wenig Freude an dem Buch haben, da wie gesagt alle Spam-Mails in ihrer Original-Sprache, dem Englischen, belassen wurden. Dafür hat man hier einen international einsetzbaren Band, der hoffentlich auch im Ausland Abnehmer finden wird. Denn SPAM eignet sich nicht nur hervorragend zur Eigentherapie für Spam-geplagte Internetuser, sondern gibt auch ein prima Geschenkbuch ab. Gegen Spam ist leider kein Kraut gewachsen, also bleibt der Humor wohl unsere einzige Waffe gegen die Seuche. Diese hier ist besonders scharf.

SPAM
Reprodukt
, März 2009
Textauswahl und Zeichnungen: Nicolas Mahler
Hardcover; schwarz-weiß-grün; 64 Seiten; 12,- Euro
ISBN: 978-3-941099-17-3

Hochgradig komisch

Jetzt bei Comic Combo anschauen und bestellen!

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

 

Abbildungen: © Nicolas Mahler / Reprodukt

The Goon 2 – Was ein Elend!

Cover The Goon 2Meine Damen, meine Herren!
Sehr geehrte Fischmenschen, werte Harpyien und Werwölfe!
Liebe Zombies!

Herzlich Willkommen bei The Goon!

Nur keine Angst! Zögern Sie nicht! Rein in die gute Stube! Meine Großmutter pflegte immer zu sagen: „Junge! Schlafen kannst du noch, wenn du tot bist! Wenn man erst einmal unter der Erde steckt, glaub mir, da bleiben einem nicht mehr viele Freizeitmöglichkeiten!“ Naja, Comics lesen ginge vielleicht noch …
Wie Sie sicherlich schon bemerkt haben, hat meine Haushälterin heute frei. Lassen Sie sich nicht von den Flecken irritieren! Sicher, das ist Ketchup! Überall, wenigstens hier vorne an der Bühne, äh … Wir hatten gestern eine Party, es wurde spät, und … Als guter Nachbar sollte man tolerant sein, finden Sie nicht auch?
Aber jetzt zuhören! Augen nach vorne! Hier spielt die Musik!

Herzlich Willkommen bei The Goon, dem außerordentlichen Geniestreich des ehrbaren US-Bürgers Eric Powell! Ausgezeichnet mit diversen Eisner-Awards ist diese Funny-Horror-Serie … –

So geht das nicht! Ich kann’s einfach nicht ausstehen! Immer steht einer hinten doof inner dunklen Ecke rum, als ob’s ihn nix anginge! Ja, Sie da dürfen sich angesprochen fühlen, mein Herr! Kommen Sie ruhig näher! Ist ja nicht so, dass wir von Ihrer hässlichen Visage Augenkrebs kriegen würden! Ja, Sie meine ich, mit dem Zylinder und den fauligen Zähnen! Ich beiße nicht.
Aber …! Sind Sie nicht …? Kenne ich Sie nicht …?

Beispiel The Goon 2Jetzt reicht's mir aber! Verdammte Scheiße! Ich versuche hier den Herrschaften etwas über The Goon zu erzählen! Und dann tauchen Sie plötzlich auf! Was soll das, hm?! Warum treiben Sie sich in meiner Rezension herum? Sie sollten in der Lonely Street sein! Pläne schmieden, Trolle beschwören, durch die Dimensionen zappen …! Was weiß denn ich …

Aber wenn Sie schon einmal hier sind … Hab mich schon immer gefragt: Was treibt ein Zombie-Priester den lieben langen Tag über? Toto Lotto spielen? TV Total glotzen? Todernst aus der Wäsche gucken? Na ja, keine Antwort ist auch 'ne Antwort! Aber … Sie brauchen nicht extra auf die Bühne zu kommen. Nur keine Umstände! Was soll denn dieses fiese Grinsen?! Mein Herr, ich bitte Sie als Gentleman, verlassen Sie diese Rezension! Auch meine Gutmütigkeit kennt Grenzen! Hilfe! Ich … Sind das etwas Tentake?!!

Aaah …!

[Es handelt sich um eine vorübergehende technische Störung. Wir bitten um Entschuldigung. Das Programm wird in Kürze fortgesetzt.]

The Goon 2 – Was ein Elend!
Cross Cult, März 2009
Text/Zeichnungen: Eric Powell
Übersetzung: Frank Neubauer
144 Seiten, Hardcover, farbig; 19,80 Euro
ISBN 978-3941248212

Leseprobe bei Cross Cult

Verstörend komisch!

Jetzt bei ComicCombo anschauen und bestellen!

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen The Goon © Eric Powell, dt. Ausgabe Cross Cult

Conan 9: Auf dem Schlachtfeld geboren

Cover Conan 9Der erste Band der Conan-Serie war ein Kracher. In Die Tochter des Frostriesen betrat ein neuer Conan die Bildfläche, der sich mit früheren Arbeiten – insbesondere mit den erfolgreichen von John Buscema, Barry Windsor-Smith und Frank Frazetta – messen lassen musste. Autor Kurt Busiek und Zeichner Cary Nord ist es zu verdanken, dass sich die neue Serie inzwischen in die Reihe der erfolgreichen Conan-Publikationen der vergangenen Jahrzehnte einfügt. Conan ist und bleibt aktuell. Im Februar erschien der neunte Band auf deutsch bei Panini. Titel: Auf dem Schlachtfeld geboren.

Dabei konnte man zwischenzeitlich immer wieder das Gefühl bekommen, der Serie ginge die Puste aus. Ein grober Schlächter, der herumläuft und sich gerne prügelt, ist eben nicht automatisch ein Garant für gute Unterhaltung. Und so sehr sich viele Geschichten auch bemühten, die Komplexität von Howards fiktivem Fantasy-Kosmos ist nicht einfach zu transportieren und darzustellen. Dabei ist Conan im Ursprung durchaus ein komplexer Charakter und seine Umwelt ein vielschichtiges System. Nicht jeder Story gelang es, diesen Grundton auch zu treffen.

Eine Schwierigkeit dabei war wahrscheinlich die fehlende Kontinuität der Serie. Da erzählt ein böser Wesir einem jungen Prinzen von Conans Leben, sprunghaft, der siebte Band schließt inhaltlich an den vierten an… Wer sollte da noch den Überblick behalten? Oder auf Charakterentwicklung achten?

Umso erfreulicher, dass mit Auf dem Schlachtfeld geboren ein Band vorliegt, der sich wieder um Conans Innenleben schert. Erzählt werden Conans Kinder- und Jugendtage, bis zu dem Zeitpunkt, als er als junger Mann die dunklen Wälder von Cimmeria verlässt und zum Abenteurer wird. Gezeichnet wurden die insgesamt fünf US-Hefte nicht von Stammzeichner Nord, sondern von Greg Ruth. Zu sehen ist ein düsterer braun-rot-schmieriger Stil, der ganz sicher bei Frank Millers 300 abkupfert. Macht aber nix, denn der Sache dient es.

Auf den ersten Seiten passiert eigentlich nicht viel. Conan prügelt sich mit seinem jugendlichen Widersacher Donal (und gewinnt, natürlich), Conan kämpft mit Wölfen (und gewinnt), Conan verliebt sich in die rothaarige Arianne (bzw. hat unglaublichen Sex mit dieser aquilonischen Jungfrau). Alles wirkt irgendwie noch recht harmlos und oberflächlich. Dumm nur, dass der Vater der Jungfrau ein Zauberer im Exil ist, der es gar nicht schätzt, wenn sich ein Barbar an seiner Tochter vergreift. Schnell ist Aquilonia informiert und marschiert auf. Das mächtige Großreich giert nach cimmerischen Rohstoffen. Und plötzlich ergibt Vieles, was bisher in der Geschichte vorbereitet wurde, einen Sinn. Die Erzählungen von Conans Großvater über die legendäre Schlacht in Britas Tal beispielsweise. Oder der Hass von Donal, der verfliegt, als er in Conans Armen sein Leben aushaucht. Oder auch Arianne, die nach der letzten, von Conan und seinen Mannen gewonnenen Schlacht unter den Trümmern liegt. Conan erlebt in diesem Band nicht nur ein Abenteuer nach dem anderen, ist nicht nur auf der Erfolgsgeraden, sondern er ist gezwungen, über seine früheren Entscheidungen nachzudenken und zu zweifeln. Am Ende bleibt ihm fast nichts. Außer der Gewissheit, fortgehen zu müssen. Ein bisschen Tragik haben Busiek und Ruth da hinbekommen.

Nicht nur die Handlung fügt sich zum Schluss zu einem Ganzen zusammen, auch der durchgängige, erdfarbene Zeichenstil von Greg Ruth trägt dazu bei, diesen Band als Einheit wahrzunehmen. Nicht wieder zahllose unzusammenhängende Geschichten von mehreren Zeichnern, sondern ein gelungener Spot auf die Jugend- und Kinderjahre des wahrscheinlich berühmtesten Barbaren der Welt.

Conan 9: Auf dem Schlachtfeld geboren
Panini, Februar 2009
Text: Kurt Busiek
Zeichnungen: Greg Ruth
Übersetzung: Michael Strittmatter
148 Seiten, Softcover mit Faltcover, farbig; 16,95 Euro
ISBN 9783866077164

Viel Action, etwas Tiefgang, gute Barbarenkost

Jetzt bei Comic Combo anschauen und bestellen!
Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Fuck

 Chester Browns autobiografisches Comicwerk Fuck beginnt mit einem verlassen wirkenden Einzelpanel, dem Bild eines Mädchens und der nüchternen Textzeile: „Connie Pug wohnte gegenüber…“. Distanz und Leere sind zwei der Merkmale, die sich für den Leser dadurch bereits ankündigen und die als durchgängiges Charakteristikum für den kompletten Band gelten können.

Thematisiert wird Chester Browns Jugendzeit in einem kanadischen Vorort, eine Zeit der Orientierung und Zurückgezogenheit. Brown berichtet unaufgeregt vom zunehmenden sexuellen Interesse der Schulkameradinnen, ähnlich sachlich schildert er den fast emotionslosen Umgang mit seiner schwer erkrankten Mutter. Und schließlich macht er in Fuck seine komplizierte Persönlichkeit zum Gegenstand, die ihn in der Familie und im Freundeskreis zum Außenseiter machte. Immer wieder wird auch das Verweigern von Gefühlen als prägendes Motiv für Browns Entwicklung in der Pubertät herangezogen.

 Es entsteht ein befremdliches Bild des jungen Künstlers, dem eine verbale Liebesbekundung gleichermaßen schwer fällt wie das Aussprechen von Schimpfwörtern. Auf über 180 Seiten geht der Comic viel weiter als die meisten anderen autobiografischen Geschichten rund um das Erwachsenwerden. Fuck entblößt das Innenleben des Autors aufs Schmerzhafteste, indem es die die Distanz der Hauptfigur, Chester Brown selbst, perfekt in einer bemerkenswerten Bildabfolge einfängt.

In ständig wechselnder Seitenaufteilung sind die Panels in mal größerer, mal geringerer Anzahl angeordnet und richten sich demnach nicht nach einer äußeren Struktur, sondern passen sich vorwiegend der durch die Charaktere transportierten Stimmung an. Mit der großzügigen Nutzung unvorhersehbarer Arrangements schafft es Chester Brown auch endgültig, seine Jugendjahre für den Leser plastisch zu gestalten. Und das auf eine so schonungslose Art und Weise, wie sie der Eigenwilligkeit des Künstlers gerecht zu werden scheint.

 

Fuck
Reprodukt, Januar 2009
Text und Zeichnungen: Chester Brown
192 Seiten, schwarzweiß, 16,00€
ISBN 978-3-938511-96-1

Autobiografische Coming-of-Age-Story, ungewöhnlich inszeniert

Jetzt bei Comic Combo anschauen und bestellen!
Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen aus der dt. Ausgabe: © Reprodukt

Blood Bowl: Blut und Spiele

 Im Hause Panini findet man neben dem großen Sortiment an Marvel- und DC-Lizenzen auch immer mal wieder Comics aus kleineren amerikanischen Verlagen. So haben zum Beispiel die durch den Spieleproduzenten Games Workshop inspirierten Comics ihren Platz im Regal direkt neben den amerikanischen Superhelden eingenommen. Während die epischen Schlachten von Warhammer und Warhammer 40k vielen Lesern bereits bekannt sein dürften, handelt es sich bei Blood Bowl – auch unter den Tabletop-Spielern – wohl eher um ein unentdecktes Kleinod. Leider erfährt diese kleine Perle unter der Regie des amerikanischen Comic-Verlags Boom Studios eine Heimpleite. Das Auswärtsspiel für Blood Bowl: Blut und Spiele kann bei der deutschen Lesergemeinde wegen mangelnder Bekanntheit des Spiels eigentlich nur noch schlechter ausfallen.

Fliegende OrksDas erste Spiel wird in dem Sammelband, der fünf amerikanische Comichefte in sich vereint, auch sofort angepfiffen. Die Aufstellung des Comics liest sich wie folgt: Laut Biografie des Autors, Matt Forbeck, ist dieser scheinbar kein Rookie mehr. Seit 1989 schreibt er Fantasy-Romane, erstellt Gamedesigns für Brett- und Videospiele und hat auch schon zwei auf Videospielen basierende Comics geschrieben. Laut Verlag gibt es keinen Schreiber mit einem besseren Hintergrund für den Job. Neben diesem angeblichen Starspieler schickt Boom Studios Zeichner Lads Helloven aufs Feld, der sich allein schon durch seinen Nachnamen für den Job qualifiziert hat. Hinzu kommt eine ganze Auswechselbank voller Reservekoloristen, die im Verlauf des Comics verdeutlichen, warum sie die Bank drücken.

Die Handlung von Blood Bowl: Blut und Spiele ist schnell zusammengefasst: Das Team der Bad Bay Hackers, angeführt von dem Kapitän Dunk Hoffnung, spielt in fünf aufeinanderfolgenden Episoden um den Gewinn der legendären Blood Bowl-Trophäe. Auf dem Weg dorthin bleiben sowohl gegnerische als auch eigene Spieler auf der Strecke. Die zwei Dinge, die dem blutigen Durchmarsch der Bad Bay Hackers im Wege stehen, sind ein Verräter in den eigenen Reihen und Autor Matt Forbeck selbst, dessen Szenario zwar die ganz eigene Blood Bowl-Atmosphäre einfängt, sich aber liest wie ein Football in die Leisten. Immer wieder verliert der Autor den Überblick über das gesamte Spielfeld und verzettelt sich an Nebenschauplätzen. Erst nachdem diese ausgekostet wurden, fällt ihm auf, dass der Ball bereits weg ist. Diese Erzählweise macht es dem Leser immer schwieriger zu folgen.

Hals über Kopf! Für Kenner des Spiels mag diese Tatsache eher nebensächlich sein, da man durch die aberwitzigen Nebentexte des nichtsichtbaren Kommentatoren­pärchens in die Welt von Blood Bowl gezogen wird. In dieser Welt gehört das Bestechen der Schiedsrichter zum guten Ton  und schweres Gerät auf dem Spielfeld  wird gerne gesehen, außer vom Gegner. Doch wenn man bisher mit dieser Welt noch keinen Kontakt hatte, wird man sie nach der Lektüre sicher nicht besuchen wollen.

Sieht man von der hanebüchenen Handlung einmal ab, entpuppt sich Blood Bowl: Blut und Spiele als ein erfreuliches graphisches Spektakel aus einzelnen Bildern, in denen Köpfe zersägt werden und  jegliche Regel gebrochen wird. Im Gegensatz zu Autor Matt Forbeck hat Zeichner Lads Helloven sein Spiel in den ersten zwei Partien unter Kontrolle. Splashpages, eingeschobene Panels und Close-ups auf abgetrennte Köpfe werden in rasantem Tempo hintereinandergereiht. Die absichtlich übertriebenen Panzerungen und die grotesken Bewegungen der Spieler erleben durch die konsequent krude Kolorierung von Helloven erst ihren schmutzigen Touch. Eben diese Raffinesse fehlt den Auswechselkoloristen Sumi Pak, Andrew Dalhouse und Zac Atkinson, die sich mit ihren Kolorierungen zu strikt an die Vorgaben Hellovens halten und seine Zeichnungen einfallslos wirken lassen.

Alternatives US-Cover Nach diesem Comic kann man für Panini Comics nur hoffen, dass sie sich mit ihren bereits erschienen Games-Workshop-Comics eine Fangemeinde aufgebaut haben, die diesen Comic lesen wird. Einzige Highlights sind der bizarre Humor, der allein aber keine Geschichte transportieren kann, und die Freude an/am graphischen Schlachten, die aber wegen der Kolorierung nur auf den ersten fünfzig Seiten anhält. Abgesehen davon sei Blood Bowl: Blut und Spiele nur Lesern empfohlen, die wirklich jeden Abend vor ihrem hauseigenen Astrogranite sitzen und bis tief in die Nacht Blood Bowl spielen.

Ankündigung: Als Ergänzung zu diesem Comic wird demnächst auch ein neues Blood Bowl-Computerspiel erscheinen.

Blood Bowl: Blut und Spiele
Panini Comics, Januar 2009
Text: Matt Forbeck
Zeichnungen: Lads Helloven
Übersetzung: Hartmut Klotzbücher
128 Seiten, Softcover, farbig; 16,95 Euro
ISBN: 9783866075498

Enttäuschende Comicadaption

Jetzt bei Comic Combo anschauen und bestellen!

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen der dt. Ausgabe: © Panini Comics
Abbildungen der engl. Ausgabe: © Boom Studios

Die 101 wichtigsten Fragen: Comics und Manga

 Die 101 wichtigsten Fragen heißt eine Taschenbuchreihe beim Verlag C.H. Beck, die sich auf populäre Art umfassend mit Themengebieten aus Geschichte, Wissenschaft und Kultur beschäftigt, und das mit einer großen Bandbreite. So gibt es u.a. Ausgaben zu Thomas Mann, dem Islam, den Germanen und zur Mathematik. Und seit letztem Herbst auch einen Band über Comics und Manga. Autor ist Andreas Platthaus, der als Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Allgemeinen regelmäßig über Comics schreibt und auch schon diverse Fachbücher veröffentlicht hat.

Wie der Titel schon sagt, besteht das Buch aus 101 Fragen, die dann in kurzen Texten von jeweils ein bis zwei Seiten Länge beantwortet werden. Dabei ist die Sache mit den Fragen eher ein Gimmick, das an das TV-Ratespiel Jeopardy erinnert, denn manche Fragen wirken nicht so, als ob die tatsächlich jemand stellen würde. Aber das ist eben das Konzept der Reihe und funktioniert auch sehr gut. Im Prinzip ist dieser Band eine Sammlung von 101 kurzen Artikeln, die das Thema Comic und Manga umfassend behandeln – zumindest so umfassend, wie es auf knapp 150 Seiten möglich ist. Natürlich ist dies kein enzyklopädisches, umfassendes Standardwerk, das alle Facetten der „Neunten Kunst“ vollständig abdeckt. Das will es auch gar nicht sein. Aber es bietet einen guten Eindruck von der Vielfalt dieses Mediums, seiner Funktionsweise und von seiner Geschichte. Beantwortet werden beispielsweise folgende Fragen:
Was ist ein Panel?
Was ist ein Szenarist?
Warum wurde Calvin und Hobbes eingestellt?
Können Superhelden sterben?
Was ist die Ligne claire?
Wie schlumpft man Schlumpf?
Warum sind so viele Manga-Helden Linkshänder?
Wann schläft Micky Maus mit Minnie?

Platthaus gliedert seine Aufsätze in 15 Themenbereiche, die sowohl formale als auch inhaltliche Aspekte des Comics abdecken, wie z.B. Bildaufbau, Erzählweise, Rezeption, Superhelden, Frankobelgien,  oder „Deutsche Sonderwege“. Und da er das Buch explizit mit einer persönlichen Färbung versehen wollte, bringt das D.O.N.A.L.D.-Mitglied Platthaus auch ein eigenes Kapitel zum Donaldismus und einen Abschnitt mit seinen subjektiven Lieblingscomics unter.

Die 101 wichtigsten Fragen: Comics und Manga liest sich leicht und unterhaltsam, ein typischer, für manche Leser anstrengender „Feuilletonisten-Stil“ ist hier nicht zu spüren. Der Band eignet sich sowohl für Einsteiger, die mal Hintergrundinfos zum Thema bekommen möchten, als auch für Leser, die schon eine kleine Sammlung an Sekundärliteratur besitzen. Bei letzteren passt das kleine Bändchen prima zwischen McCloud und Knigge ins Regal. Auch jeder Bibliothek sei das Buch schwer ans Herz gelegt. Da die Artikel so schön kurz sind und sich ohne weiteres häppchenweise lesen lassen, könnte man sich das Buch auch gut als Klolektüre vorstellen (was jetzt nicht abwertend gemeint ist). Und dank ausführlichem Register eignet es sich auch als kleines Nachschlagewerk.

Einziger Wermutstropfen: Für ein Buch, das sich die ganze Zeit mit einem Medium beschäftigt, das auf Bildern basiert, enthält dieser Band einfach zu wenig Abbildungen. Gerade mal zehn Stück sind es hier. Sehr schade, aber vermutlich ist dies der Tatsache geschuldet, dass sich das Buch in Format und Preis in eine bestehende Reihe eingleidern muss, für die bestimmte Vorgaben gelten. Dafür ist das Buch immerhin erfreulich preiswert geraten: Mit knapp 10 Euro kann man hier nicht viel falsch machen. Im der nicht gerade üppigen Auswahl an nicht-wissenschaftlicher, deutschsprachiger Sekundärliteratur über Comics ist 101 Fragen eine erfreuliche Bereicherung.

Die 101 wichtigsten Fragen: Comics und Manga
Beck'sche Reihe im Verlag C.H. Beck
, 2008
Andreas Platthaus
Taschenbuch; 160 Seiten; 9,95 Euro
ISBN: 978-3-406-57361-3

Die ersten Seiten als PDF-Leseprobe

Sekundärwerk für Jedermann

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

 

The Boys 3: Streicheleinheiten

The Boys 3: StreicheleinheitenGarth Ennis galt noch nie als intellektueller Schöngeist. Seine Comics sind gewöhnlich derb und bissig. So auch The Boys, die Serie, die DC nicht wollte, vermutlich, weil sie den hauseigenen Superhelden zu sehr zugesetzt hätte. Streicheleinheiten ist nun Ennis' dritter Streich gegen die fliegenden Strumpfhosenträger.

Es ist mir ein bisschen unangenehm. Ich lese The Boys, diese Serie, die von Wildstorm eingestampft wurde und dann bei Dynamite neues Licht der Welt erblickte. Das soll jetzt kein cool-pubertäres Bekenntnis werden im Sinne von »Woa! Seht her, wie krass ich bin! Dass ich diese fiese Serie lese!« Pfft! Ich bin doch keine Vierzehn mehr! Es ist eher ein peinliches Eingestehen gegenüber mir selbst, dem ich irgendwie noch nicht ganz trauen möchte. Doch allmählich verdichtet sich die Vermutung zu einem Fakt. Ich sehe es ein: Das dritte Trade ist raus, ich bin noch immer dabei – ich muss das Zeug wohl mögen.

Garth Ennis ist so eine Art Meister des derben Humors. Eine Kostprobe gefällig? Im neuen Band sehen wir: Abgehackte Köpfe von Soldaten, die auf ihren Gewehren aufgepflanzt sind. Menstruationsblut im Gesicht von Hughie. Einen Superhelden, der seine eigene Scheiße frisst. Ich meine: Wie komme ich bloß dazu, eine Story mit solchen Elementen unterhaltsam zu finden?!

Wie schon früher bei The Preacher scheut Ennis keine Extreme. Obwohl der dritte Band etwas ruhiger ausfällt als die beiden ersten, bewegt er sich noch immer am Boden des guten Geschmacks. Ein Großteil wird der entflammenden Liebesgeschichte zwischen Hughie und Starlight gewidmet. Er ist der Neue bei The Boys, der Anti-Superhelden-Spezialeinheit, geleitet von Billy Oberarsch Butcher. Sie ist die Neue bei den Seven, dem mächtigsten Superhelden-Team der Welt, angeführt von dem egozentrischen Superman-Verschnitt Homelander. Konflikte sind da vorprogrammiert. Ein weiterer Teil des neuen Trades beschäftigt sich mit der Vergangenheit der Superhelden, ihrer Entstehung, ihren Untaten und ihrer Verflechtung mit der US-Rüstungsindustrie. Wie schon bei seiner Serie War Story zeigt Ennis, dass er viel von Waffen, Militärflugzeugen und solchen Dingen versteht. Gepaart wirt das Ganze dann noch mit einer herrlich verdrehten Nacherzählung der US-Politik seit dem Zweiten Weltkrieg und der Begabung, Figuren erschaffen zu können, die sich so sehr über eine Sache auskotzen, dass einem beim Lesen glatt selber übel wird.

Ob ich die Serie weiterlese, weiß ich nicht. Wahrscheinlich. Wenn ich schon bis zum dritten Band gekommen bin… Garth Ennis' Erzählweise ist nicht schlecht, im Gegenteil, sie funktioniert ganz gut und ist nicht total blöd, auch wenn das im Lichte der erwähnten Details den Anschein haben mag. Hinzu kommt, dass Ennis für beide dargestellten Seiten keine großen Sympathien hegt, weder für die Superhelden, noch für The Boys. Sympathien entwickelt man für Hughie und seine Flamme Starlight, die in ihrem rauen Umfeld nach kleinem, privatem Glück suchen und eigentlich keiner Seele etwas zu Leide tun möchten. Und irgendwie ist The Boys auch ein verdammt bissiger Kommentar zur US-Politik der letzten Jahre. Und zum Superhelden-Geschäft der großen Comic-Verlage. In der Summe betrachtet ist das eigentlich eine ganze Menge für einen Comic, dem ich eine gewisse Abscheu entgegenbringe. Der ehemalige Titanic-Chefredakteur Thomas Gsella hat einmal gesagt: »Satire muss weh tun!« Vielleicht ist das des Pudels Kern. Aber vielleicht kümmere ich mich zur Sicherheit doch besser um einen Psychiater…


The Boys 3: Streicheleinheiten

Panini Comics, Februar 2009
Text: Garth Ennis
Zeichnungen: Darick Robertson
Übersetzung: Bernd Kronsbein
196 Seiten; Softcover; vierfarbig; 19,95 Euro

Derbe Unterhaltung mit einem Schuss Satire

Jetzt bei Comic Combo anschauen und bestellen!