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Die Füchsin 5: Karneval der Toten

 Mit dem fünften Album der Serie veröffentlicht Finix nach langer Zeit eine Fortsetzung von Die Füchsin, der Comicreihe von Brice Tarvel und Mohamed Aouamri, die zwischen 2001 und 2003 bei Carlsen in vier Bänden erschien. Während diese vier einen Storyzyklus bildeten, beinhaltet Band 5 eine abgeschlossene Einzelerzählung. Zudem stammen die Zeichnungen erstmals aus der Feder von Rafa Garres, der das mittelalterliche Grundkonzept noch um einiges tiefer in einen düsteren Stil zieht. 

In Die Füchsin dreht sich alles um eine rothaarige Frau namens Florie, die im Jahr 1138 ihr Dasein als Hexe fristet und sich dementsprechend mit Magie und Monstern herumschlagen muss. In dreckigen Bildern erzählt das fünfte Album von einer Bedrohung durch eine abstruse, umherwandelnde Mumie, die das Maskierungs- und Verkleidungsspiel einer karnevalistisch vergnügten Gesellschaft mit ihren blutrünstigen Attacken ad absurdum führt. Die Handlung setzt sich dabei aus hauptsächlich aus Horror- und Fantasyelementen zusammen, lässt aber auch immer wieder Platz für erotische, morbide und sogar selbstironische Momente.

Ein seltsamer Mix, der für mich als Einsteiger in die Serie stellenweise nett anzuschauen ist, aber letztlich nicht so wirklich funktionieren will. Vielleicht liegt's am Konzept- und/oder Zeichnerwandel, vielleicht fehlt aber auch nur das Wissen aus den vorherigen Bänden, auf die trotz inhaltlich weitgehender  Losgelöstheit auch im neuen Album öfter Bezug genommen wird. Gerade mit der Figur der Füchsin kann man ohne genauere Charakterisierung wenig anfangen und sie wirkt in der Geschichte irgendwie deplatziert. Eine kurze Zusammenfassung hätte da wohl mehr Licht ins Dunkel gebracht.

Die Füchsin 5: Karneval der Toten
Finix Comic Club, August 2008
48 Seiten, farbig, SC
Preis: 11,80 Euro
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Bite Club 1

Cover von Bite ClubEin guter erster Eindruck: Titel mit Wortspielchen, Inhalt eine Mischung aus Mafia-Krimi und moderner Vampir-Geschichte, Cover ganz nett (aber wer hat diese Finger durchgehen lassen?!). Okay, den christlichen Elementen entkommt man wie so oft bei Blutsauger-Storys auch hier nicht – wenn's überzeugend erzählt ist, nimmt man's halt zähneknirschend hin.
Aber je mehr man eintaucht in die Welt, die Howard Chaykin und David Tischman vor uns ausbreiten, desto enttäuschter wird man. Viel versprechend angefangen mit einem Priester, der gemäß des Testaments seines Vaters nach dessen Tod die Geschicke des Vampirclans widerwillig lenkt und immer weiter in Intrigen inner- und außerhalb seiner Familien gezogen wird, fällt die Geschichte zusammen wie ein Soufflé. Die Autoren wollen so viel erzählen, dabei erreichen sie nur, dass für keinen Aspekt genug Zeit bleibt, um sich darauf einlassen zu können. Die verruchte, von sich eingenommene Schwester schießt dabei den Vogel ab – offensichtlich soll sie die Coolste von allen sein,  wirkt aber so konstruiert, dass es über das Wunschdenken nicht hinausgeht. Dass am Ende ein doppeltes Spiel aufgedeckt wird und ein paar Leute draufgehen, von denen man es nicht unbedingt erwartet hätte, entschädigt nur marginal für die Langeweile, die sich bis dahin aufgebaut hat.
Die Zeichnungen von David Hahn können zum Inhalt kein ausgleichendes Gegengewicht erzeugen. Sie sind recht einfach gehalten – was ja durchaus ein Stilmittel sein kann -, wirken leider aber auch in Actionszenen statisch. Atmosphärische Hintergründe lassen sich nur selten finden. Stimmungsvoll hingegen ist die monochromatische Kolorierung von Brian Miller, deren Grundfarbe von Szene zu Szene wechselt, der sich aber durch seine Schattentechnik keinen Gefallen tut – durch die verwaschenen Grenzen wird die vermittelte Konsequenz der Farbgebung zum Teil wieder aufgehoben.
Anfang April ist der zweite, abschließende Band erschienen.

Bite Club 1
Panini Comics, November 2008
148 Seiten, farbig, SC
Preis: 16,95 Euro

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Die Rächer – Die Initiative 3

Cover von Die Rächer – Die Initiative 3Die „50 Staaten-Initiative“, der zufolge jeder US-Bundesstaat sein eigenes Heldenteam bekommen soll, läuft alles andere als rund. Im Ausbildungscamp für Heldennachwuchs geht es beinahe schlimmer zu als während des Civil War: Rekruten rebellieren, Ausbilder misstrauen einander, jeder kocht sein eigenes Süppchen und mittendrin darf ein ehemaliger Nazischurke auf Staatskosten fröhlich Supersoldaten klonen. Die einzige Übereinstimmung ist wohl der kollektive Hass auf den verantwortlichen Superhelden-Minister und Ober-Unsympath Henry Peter Gyrich.

Die Autoren Dan Slott und Christos M. Gage jonglieren mit scheinbarer Leichtigkeit mit einem riesigen Figurenrepertoire und gefühlten 100 Nebenplots herum, ohne dass sie oder die Leser dabei die Übersicht zu verlieren. Respekt! Für langjährige Marvelfans ist die Serie ohnehin ein wahres Fest, denn unter den Ausbildern und Rekruten der Initiative gibt es ein Wiedersehen mit Dutzenden von altbekannten Helden und (reformierten) Schurken aus der zweiten Reihe, die hier trotz ihres Massenaufgebots oft interessanter wirken als je zuvor. Wer hätte gedacht, dass man ausgerechnet für den Ex-Bösewicht und nun widerwillig als Heldenausbilder tätigen Taskmaster Sympathie empfinden würde?

In der vorliegenden, extra-umfangreichen Ausgabe mit 140 Seiten geht es zum Einstieg noch etwas gemütlicher los mit fünf Kurzgeschichten aus dem The Initiative Annual 1, welche die Hintergründe verschiedener Figuren beleuchten; in dem darauf folgenden Vierteiler „Killed in Action“ werden aber alle Register gezogen: Eine mit hohem Tempo erzählte Geschichte, in der eine (wirklich) überraschende Wendung die nächste jagt, geschickt eingeflochtene, handlungserhellende Rückblenden, trockener Witz, tolle Figureninteraktion und der (herrlich unheroische) neue Ant-Man machen diesen Band zum Pflichtkauf für Freunde guter Superheldencomics. Und wenn hier eine Geschichte „Killed in Action“ heißt, kann man sich wirklich um die Gesundheit der Figuren sorgen, denn niemand scheint sicher und es rollen im wahrsten Sinne des Wortes Köpfe – was Zeichner Stefano Caselli, der ja auch an Hack/Slash beteiligt ist, wahrscheinlich gefreut hat. Die für eine Mainstream-Superheldenserie relativ blutigen Actionszenen sind dementsprechend auch das einzige, was man hier bemängeln kann, wenn einen denn so etwas stört. Ansonsten: Ein echter Geheimtipp, der mehr Spaß macht als manche Bestsellerserie!

Die Rächer – Die Initiative 3
Marvel Deutschland / Panini Comics, November 2008
Text: Dan Slott und Christos M. Gage; Zeichnungen: Stefano Caselli, C. Weston
140 Seiten, farbig, SC
Preis: 16,95 Euro

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Kri-Ticker: Neues Format

kri-ticker_stapel.jpgIn eigener Sache:
Unsere Kurzbesprechungskolumne Kri-Ticker kennen Stammleser schon seit etlichen Jahren als unregelmäßig erscheinende Sammlung von etwa zehn kürzeren Rezensionen. Da dies jeweils ein ziemlicher Batzen zum Zusammenbasteln ist und auch die Aktualität unter der Erscheinungsweise leidet, wird der Kri-Ticker ab sofort als häufig aktualisiertes Blog, integriert in unsere Website, veröffentlicht. Jede Kurz-Kritik erscheint dabei einzeln als Beitrag. Über Updates werdet Ihr auf der Startseite (es erscheint der neueste Beitrag) und in der linken Spalte (unterhalb der Welt am Draht) auf dem Laufenden gehalten. Die Abonnierung eines Feeds ist auch möglich, wobei wir aber vorhaben, bald einen Gesamtfeed für Comicgate anzubieten (momentan gibt es drei: einen für die Welt am Draht, einen für die Inhalte der Website und einen für den Kri-Ticker).

Wie gehabt besprechen wir im Kri-Ticker kurz und knapp einzelne Comics neueren und älteren Datums. Aktuell befinden sich schon einige Einträge im Blog, z.B. Besprechungen von Iron Man 1, Der Killer 6, Knochen-Jochen, Kind des Blitzes 3 oder Warrior Cats 1.

Detailliertere Betrachtungen, hauptsächlich zu One-Shots oder Serienstarts, findet Ihr wie gewohnt unter ausführliche Besprechungen (die neuesten zehn erscheinen in der rechten Spalte mit den bunten Bildchen).

Warrior Cats 1

Cover Warrior Cats 1Warrior Cats ist zunächst einmal eine recht erfolgreiche Jugendromanreihe über wild lebende Katzenclans aus der Feder eines dreiköpfigen Autorinnenteams, das sich hinter dem Pseudonym „Erin Hunter“ verbirgt. Beim vorliegenden Manga von Dan Jolley und James L. Barry handelt es sich um ein Spin-Off, also eine Ergänzung der Hauptgeschichte, die aber durchaus ohne Vorkenntnisse gelesen werden kann. Der Katzenkrieger Graustreif ist in menschliche „Gefangenschaft“ geraten und soll nun sein Dasein als Hauskater in der verwirrenden Welt der Zweibeiner fristen. Die schnell geplante Flucht stellt sich aber als schwieriger heraus als gedacht.

In die Stil-Kategorie „Manga“ wurde dieser Band wie einige andere Comics wohl eher aus marketingtechnischen Gründen geschoben. Genau genommen handelt es sich nämlich um nichts anderes als einen westlichen Schwarz-Weiß-Comic mit viel Rastereinsatz und allenfalls leicht manga-inspirierten Zeichnungen. Diese sind relativ einfach gehalten, aber solide, und von der Geschichte kann man an sich das gleiche sagen. Alles andere als spektakulär, aber ganz gut und flüssig lesbar. Größtes Manko: Die Länge beziehungsweise Kürze. Nach der Lektüre bleibt man mit dem Gefühl zurück, gerade einmal den Prolog der eigentlichen Geschichte gelesen zu haben – wofür der relativ günstige Preis von 5 Euro etwas entschädigt. Letztendlich macht das Ganze eher Lust darauf, sich einen Warrior Cats-Roman zu kaufen (auf Deutsch bei Beltz & Gelberg) als die Fortsetzung, denn die Verweise auf die Hauptgeschichte und die enthaltene Leseprobe versprechen durchaus interessante Tierfantasy. Und vielleicht ist man danach infiziert genug, um sich auch die nachfolgenden Bände des Comics zu besorgen (Band 2 und 3 als Abschluss der ersten Trilogie bereits erhältlich). Band 1 reicht als Kaufargument nicht wirklich aus.

Warrior Cats 1: Der Verlorene Krieger
Tokyopop, Oktober 2008
Text: Erin Hunter, Dan Jolley
Zeichnungen: James L. Barry
115 Seiten, s/w, Softcover
ISBN: 978-3867194754
Preis: 5,00 Euro

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Fumetto 2009

Fumetto 2009Am vergangenen Freitag hat in Luzern zum achtzehnten Mal das jährliche Comic-Festival Fumetto begonnen. Neben dem Stargast David Shrigley und dem „Artist in Residence“ Blutch sind dieses Jahr zum ersten Mal japanische Manga in der Schweiz zu sehen. Direktor Lynn Kost erwartet vom 27. März bis zum 5. April 670 Künstler zwischen 6 und 55 Jahren und natürlich viele Freunde der neunten Kunst.

Festivalzentrum KornschütteDie Eröffnungsfeier wurde stilecht im Luzerner Hotel Schweizer Hof zelebriert; dort überreichte Stargast David Shrigley der diesjährigen Wettbewerbsgewinnerin zum Thema Virus, der 1979 geborenen Finnin Anna Sailamaa, ihre Auszeichnung. Lynn Kost teilte des Weiteren noch erfreut mit, dass man dieses Jahr zum ersten Mal in der Geschichte des Festivals Manga im Programm habe und eine Kooperation mit dem Filmfest Locarno vereinbart wurde. Während sich das Festival in diese Richtung öffnet, zeigt man sich jedoch gegenüber dem Mainstream immer noch verschlossen. Im Gegensatz zu anderen europäischen Festivals dieser Art, wie dem Comic-Salon in Erlangen oder dem festival international de la bande dessinée in Angoulême, wirken die Bewohner der idyllischen Stadt in der Schweiz sichtlich unbeeindruckt vom bunten Treiben. Dies hat nicht zuletzt zwei Gründe: Zum einen ist der Normalschweizer nicht gleich überwältigt, wenn er mit Kunst konfrontiert wird, und sei es mit der neunten; zum anderen befindet sich die Stadt nicht so fest im Griff der Comicenthusiasten, wie es bei anderen Festivals der Fall ist – obwohl oder gerade weil die Ausstellungsorte über die gesamte Stadt verteilt sind.

Nach einer nicht enden wollenden Parkplatzsuche beginnt für mich der Samstag, an dem die meisten Punkte auf dem Programm stehen, mit einem regelrechten Gewaltmarsch durch Luzern. Vorbei an der Künstlerin Kati Rickenbach, die, gefolgt von einer Horde Interessierter und Fans, durch ihren Studienort führt, bringt mich mein Weg zunächst zum Festivalzentrum Kornschütte, dem Rathaus der Stadt. Nach erfolgreicher Akkreditierung und kurzer Orientierungsphase bleibt leider keine Zeit, sich richtig umzuschauen. Fast wie blind hetzte ich Richtung Süden zum Café Parterre, der ersten Veranstaltung des Tages: Uli Oesterles Buchvernissage zur Gesamtausgabe von Hector Umbra.

Michael Groenewald, Lynn Kost, Uli Oesterle (v.l.n.r.)Das kleine Café bietet genau den richtigen Hintergrund für den Comic. Während die Fensterfront mit frühen Originalen des ersten Bandes versehen ist, finden sich im hinteren, urigen Teil des Etablissements aktuellere, kleinformatige Originale und fünf einzelne Bilder der Protagonisten in Öl. Neben dem Direktor des Fumetto, der es sich nicht hat nehmen lassen, ein paar einleitende Worte zu sagen, sind auch der Künstler Uli Oesterle selbst und Michael Groenewald vom Carlsen Verlag zugegen. Während Kosts Worte eher als allgemeine Begrüßung zu verstehen sind, freuen sich Groenewald und Oesterle, auf dem Fumetto dabei zu sein, aber verschwenden keine Zeit, den Gästen von Hector Umbra zu erzählen. Nach einem kurzen Apéro (eine schweizerische Stehparty, hier mit belegten Broten und Sekt) beantwortet Oesterle beim Signieren ein paar Fragen. Nachdem wir Münchner extra zum Festival in die Schweiz gereist sind und beim Treffen in der Fremde eine gewisse Verbundenheit auftritt, vereinbaren wir, dass ein längeres Gespräch in einer Münchener Kneipe stattfinden muss. Man will ja schließlich auch so viel vom Festival mitnehmen wie möglich.

Nachdem der erste Programmpunkt in solch angenehmer Atmosphäre stattgefunden hat und belegte Schweizer Riesenbaguettes im Magen liegen, ist der Weg zurück ins Zentrum gar nicht mehr so weit und hektisch wie der Hinweg. Laut Festivalplan befindet sich in fast jeder Strasse eine kleine Ausstellung, doch die Suche nach Orten wie e4 oder d2 ähnelt eher Schiffeversenken. Was als Ausstellung von Exponaten angekündigt ist, stellt sich oftmals als nette Illustration in ordinären Geschäftsschaufenstern heraus. Andererseits auch verständlich, dass neben 18 Großausstellungen jeder noch so kleine Raum genutzt wird. Erst jetzt zeigen sich die durch Luzern fließende Reuss, ihre kleinen Brücken, über die man immer hin und zurück zu den unterschiedlichen Veranstaltungen laufen muss, und der Vierwaldstättersee in voller Pracht. Auch wenn das Wetter recht nass ist, bekommt man schnell einen positiven Eindruck vom Flair der alten Stadt am Wasser mit ihren vielen Türmen und Schlössern.

© Fumetto 2009 Luca SchenardiIm Verlauf des Nachmittags sammeln sich gleich eine ganze Reihe an besichtigten Ausstellungen auf meinem Block, die alle explizit auf den Unterschied hinweisen, den Comics in der Schweiz machen. So sind Luca Schenardis kunstvolle, nachcolorierte Collagen (Bild links) aus Popmotiven, Werbung und heimlich-unheimlichen Szenerien in Das ist ja das Schöne daran eine Augenweide, doch sehen wir uns da gerade einen Comic an? Mit der Vergabe der „Fumetto Schleuder“, die die Unterstützung eines Nachwuchskünstlers bei Publikation und Ausstellung darstellt, an Schenardi dürfte die Antwort der Festivalbetreiber auf diese Frage wohl klar sein. Auch Kost weist in schönstem Schweizerdeutsch noch einmal darauf hin, welche Kraft Schenardis Bilder haben. Diese ist unbestritten, aber von panels oder einer erzählenden Bildabfolge ist hier keine Spur mehr.

Immer weiter führen die Fumetto-Ausstellungen in Bilderwelten hinein, die ohne Frage in Kraft und Ausdruck den Bildern in einem Museum in nichts nachstehen: Daisuke Ichibas erotisch-groteske Darstellung von verstümmelten Frauen, Missgeburten und perversen Sexualpraktiken spiegelt sein Bild der japanischen Gesellschaft wider. Als Gegenstück dazu finden sich gleich einen Raum weiter die Bilder vom Genfer Künstler Alex Baladi, der mit seinen verträumten Bilderfetzen Bezüge zwischen Einzelbildern erzeugt.

Kunstmuseum LuzernBeim diesjährigen Fumetto ist man noch einen Schritt weiter gegangen und hat die Werke des Stargasts David Shrigley neben Bildern von Elvis Studio und Yuichi Yokoyama im pompösen, origami-artigen Kunstmuseum Luzern untergebracht. Noch bevor man das Gebäude betreten hat, dessen gigantisches Dach wie ein flaches schwarzes Raumschiff aussieht und von dem dicke Wassertropfen herabfallen, um in einem großen Wasserbecken eine Linie zu ziehen, ist man beschwingt durch das Gefühl, dass es Comics in den Olymp des Museums geschafft haben. Abgabe von Jacke und Kamera endlich machen den Eintritt in diese Sphäre offiziell, wo zur gleichen Zeit auf vier Ebenen auch noch die Luzerner Festspiele beherbergt werden. Leider finden sich die Comics erst in der hinterletzten Ecke des vierten Stocks auf drei mittelgroße Räume verteilt. Obwohl alle drei Künstler den Raum, der ihnen geboten ist, voll ausnutzen, bleibt ein fader Beigeschmack: Ging es wirklich nur darum, Comics ins Museum zu bringen? Erst die restlichen Ausstellungen in kleinen, malerischen Fachwerkhäusern oder Gebäuden aus der Gründerzeit führen wieder auf den subversiven Pfad der neunten Kunst zurück.

© BlutchDie wohl interessanteste Figur des diesjährigen Festivals ist Blutch (Beispielbild links). Dieser Umstand ist nicht unbedingt der Tatsache geschuldet, dass er dieses Jahr in Angoulême mit dem Grand Prix de la Ville d'Angoulême ausgezeichnet wurde, sondern vielmehr, dass seine Comics ihm in Luzern den Statuts des „Artist in Residence“ beschert haben. Eine wirklich schöne Auszeichnung, die es dem Franzosen erlaubt, auf Kosten des Festivals im noblen Hotel Schweizer Hof direkt am See zu residieren und eben dort in der Empfangshalle täglich neben kaffeetrinkenden Damen und älteren Herren im Zweireiher neue Werke auszustellen. An diesem Samstag sind es Skizzen von Männern, die auf Pariser Balkons stehen und rauchen, oder auch Der kleine Christian, der sich nackte Frauen auf ein Blatt Papier fantasiert. So müssen sich Comics präsentieren – als Kunst des Zwischenraums, die immer ihren Platz findet. Und Blutchs Erfolg wird hier trotz der feudalen Atmosphäre sicher nicht enden.

Im Picasso-Museum, das in einem kleinen Stadthaus mit gewundener Treppe untergebracht ist, findet sich ein Destillat aus Kunst, Geschichte und Politik, dargestellt durch Comics. Auf drei Etagen gelingt es den Veranstaltern, Mark Newgardens komische Wiederholungsspiele (Little Nun), Rutu Modans politisch brisante Erzählung (Blutspuren), Ever Meulens Interpretation der ligne claire und eben Blutchs grafische Vielseitigkeit zu einem perfekten Paket zusammenzuschnüren. Die jeweiligen Originale werden durch Podcasts begleitet, die auch noch nachträglich auf der Homepage des Festivals runtergeladen werden können. Wenn ich auf diesem Festival nur eine Stunde Zeit gehabt hätte, hätte ich sie hier verbracht.

Hey Hey HeroAuch der Kunsthochschule Luzern wurde ein Ausstellungsraum zur Verfügung gestellt, den die jungen Künstler voll ausgenutzt haben. Auf circa fünfzig Quadratmetern breiten sie ihre Superheldeninstallation Hey Hey Hero (Bild rechts) aus, die trotz interessanter Neoprenkostümierung der Studenten in ihrer Handarbeit-und-Werken-verwandten Papmachéartigkeit leider komplett ins Leere läuft. Da in Luzern nicht die üblichen Fans anzutreffen sind, die mit ihrer Begeisterung in der Welt der Comics viel bewegen, ist der Mainstream so gut wie nicht vertreten. Eine Superhelden-Persiflage wirkt aus diesem Grund nicht nur fehl am Platz, sondern auch etwas albern.

So scheint der utopische Traum von Comics als Kunst nicht mehr ganz so erstrebenswert nach einem Tag in Luzern. Doch gerade bevor ich wieder aufbrechen wollte, betrete ich ein zweites Mal das Festivalzentrum Kornschütte und finde dort neben dem reichhaltigen Sortiment des Zürcher Comicladens Analph auch die Wettbewerbsbeiträge zum Thema Virus. Ich wandere entlang der einzelnen Bilder von Kindern, die gerade mal acht Jahre alt sind, bis hin zu versierten Profis. Dann habe ich doch noch die Zeit, kurz mit Uli Oesterle über die Besonderheit multilingualer Comicläden in der Schweiz zu reden. Zum Schluss finden sich hier alle (auch David Shrigley) zum Zeichnerduell zwischen Minicomic-Künstler Frank Santoro und – wem sonst – Blutch ein.

ZeichnerduellAlles, was man über Comics weiß oder zu wissen glaubt, drängt sich mit Wein, Bier und Kaffee in diesen einen Raum und erfreut sich der Vorstellung der beiden Zeichner. Für eine halbe Stunde vergisst man alle Ausstellungen, alle Fragen über Comics und Kunst. Durch seine unnachahmliche Energie und Vielseitigkeit hat es Blutch geschafft, diese Positionen zu versöhnen. In nur fünfzehn Minuten füllt der Franzose zwei weitere Seiten mit seiner Feder, nachdem er bereits die Aufgabe des Zeichnerduells – das Thema war Adventure – absolvierte. Der arme Santoro schaffte es kaum, mit seinen Blau- und Rosastiften Schritt zu halten. Als ich nach einer köstlichen Vorstellung die Kornschütte verlasse und nach Hause aufbreche, kommen die Gedanken wieder: Das Spektrum der Comics ist nun mal so breit, dass neben Superhelden- und Underground-Comics auch die künstlerische Avantgarde ihren Platz findet. Falls jemand nur nach The Incredible Hulk # 368 für seine Sammlung sucht, dem sei vom Fumetto abzuraten, da man in der Schweiz Comics gerne aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Wenn man sich aber etwas Zeit nimmt, dann entdeckt man in einer freundlichen Stadt Comics, die man anderswo nur selten zu Gesicht bekommt.

Das Fumetto 2009 läuft noch bis zum 05.April 2009.

Fotos © Daniel Wüllner

Weitere Impressionen:

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Kind des Blitzes 3

Cover Kind des Blitzes 3Hatte ich die ersten beiden Bände noch über den grünen Klee gelobt, hat die Begeisterung bei der Lektüre des Abschlussbandes der Trilogie merklich nachgelassen. Liegt es daran, dass Autor Bichebois schon wieder seine etwas befremdliche Strategie anwendet (dieses Mal direkt am Anfang des Albums), eine Zwischenhandlung einfach komplett zu überspringen? Das erscheint keineswegs als eleganter Erzählkniff, sondern erzeugt eher das Gefühl, dass einfach ein paar Seiten aus dem Comic gerissen wurden (was ich sogar für einen kurzen Augenblick vermutete). Vielleicht stellt sich aber auch eine Art Abgeklärtheit ein angesichts der nicht enden wollenden Dramen, die Laith, der Waisenjunge mit den mysteriösen Kräften, durchmachen muss. Irgendwann ist das Mitleidspotenzial für einen Helden, der nun drei Comicalben lang ohne viele Lichtblicke einen Schicksalsschlag nach dem anderen einsteckt, wohl einfach aufgebraucht. Oder ist es eine gewisse Enttäuschung angesichts der mit Spannung erwarteten Aufklärung um Laiths Herkunft und die Ursache für seine besonderen Fähigkeiten? Die gelieferte Erklärung ist zwar eine Abwechslung von der allzu oft  durchgenudelten „Kräfte wurden von Göttern/einem höheren Wesen verliehen“-Leier, aber statt originell zu erscheinen, erweckt sie eher das Gefühl der Beliebigkeit und wird den vorher aufgebauten Erwartungen einfach nicht gerecht.

Doch auch wenn „Wohin die Ströme fließen“ die Hoffnungen, welche die Vorgängerbände geweckt hatten, nicht zu erfüllen vermag, handelt es sich jedoch unbestritten um einen von Didier Poli wunderschön gezeichneten und kolorierten Comicband, dessen optischen Werte die beklagten Mängel einigermaßen ausbügeln. Für die zweite Kind des Blitzes-Trilogie, die als „in Vorbereitung“ angekündigt wird, erhoffe ich mir aber wieder etwas mehr von der Geschichte. Ich habe einfach das Gefühl, dass Manuel Bichebois es noch eine Spur besser kann …

Kind des Blitzes 3 – Wohin die Ströme fließen
Splitter, Februar 2009
Text: Manuel Bichebois
Zeichnungen: Didier Poli
56 Seiten, farbig, Hardcover
ISBN: 978-3940864277
Preis: 13,80 Euro

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Knochen-Jochen

thumb_knochen-jochen.gifAuf dem Comic-Salon null acht in Erlangen
da hat Klein-Dinter gesprochen:
„Kauf Dir ja den Knochen-Jochen!
Tolle Seiten Dir in die Hände gelangen.“

Und wahrlich, recht hatte er, es ist eine Pracht.
Schön ausgestattet, mit Zusätzen wie Skizzen versehen,
ist's trotz Thema als ein munteres Werk zu verstehen.
Aber nun sind ein paar Worte zum Inhalt angebracht.

Alles dreht sich um den Serienmörder Jochen,
der, ganz akkurat, nach jeder Tat, Reime hinterlässt,
so dass jeder weiß: „Knochen-Jochen hat's verbrochen!“
In Reimen verfasst ist auch des Comics kompletter Text,
so wohlkonstruiert, konsequent und durchdacht,
dass sich Helge bei meinem Versuch wohl eins ins Fäustchen lacht.

Ihm auf den Fersen ein Kommissar, der das Morden will beenden.
Nur, wie soll er Jochen auf die Schliche kommen, wie das Segel wenden?
Viele Tricks werden benötigt, sieben Menschen ihr Leben müssen lassen,
bis Jochen endlich gestellt ist, bis ihn die Polizei kann fassen.

Banner Knochen-Jochen Wie das funktioniert, das verrate ich hier nicht.
Ihr müsst es schon selber lesen, das Krimi-Gedicht.
Auf der Website, auf MySpace und als TV-Beitrag bekommt Ihr mehr Informationen,
um abzuwägen, ob sich der Kauf für Euch wird lohnen.

Knochen-Jochen
Gringo Comics, Juni 2008
Text: Helge Grossklaus
Zeichnungen: Bela Sobottke
ISBN: 978-3-940047-35-9
Preis: 7,90 Euro

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Der Killer 6: Modus vivendi

 Vier Jahre ist es her, dass sich der prinzipientreue Killer, dessen Name nie genannt wird, zur Ruhe setzte und sein neues Leben in Venezuela begann. Aber Stillsitzen ist für den Profi auf Dauer zu langweilig, und so nimmt er in seiner neuen Heimat einen weiteren Auftrag an. Verstrickt in einer Reihe von Morden mit politischen Ausmaßen, weicht der Killer erstmals von seiner Linie ab und beginnt die Motive seines Auftraggebers zu hinterfragen.

Lange musste man auf den sechsten Band dieser hervorragenden frankobelgischen Comicserie warten. Er markiert gewissermaßen einen neuen Zyklus: Der Killer beendet seinen selbst erwählten Ruhestand, was ihn zu seinem komplexesten Auftrag führt. Inhaltlich bleibt sich das Kreativteam Luc Jacamon und Matz treu; erzählt wird vornehmlich aus der Sicht des Killers, dessen Vorgehen stets genauestens durchdacht und innerhalb seiner subjektiven moralischen Grenzen seine Begründung und Nachvollziehbarkeit findet. Auch wenn man hier mit einem eigentlich bösen Buben sympathisiert, so ist einem der Killer doch mit jeder Seite ein Stück weit vertrauter und man hofft insgeheim, dass er beim Morden nicht erwischt wird. Außerdem ist die Handlung auch im neuen Setting sehr spannend geraten, so dass man sich noch viele weitere solcher Ausgaben wünscht.

Der Killer 6: Modus vivendi
Ehapa Comic Collection, Dezember 2008
Text: Matz
Zeichnungen: Luc Jacamon
Preis: 12,00 Euro

Iron Man 1

 So mancher Zuschauer wurde vom Iron Man-Film angefixt. Lag es an der Besetzung mit Robert Downey Jr.? Oder an dem Fetisch der schimmernden, goldroten Super-Rüstung? Ganz egal, der Film kam gut weg, das war klasse Popcorn-Kino! In der Folge schnell mal einen Blick in den Starter der neuen Iron Man-Serie bei Panini geworfen.

Erster Pluspunkt: Man kommt inhaltlich mit. Die Handlung setzt an einem Moment ein, an dem man nicht allzu viel über das Marvel-Universum wissen muss, um sich zurecht zu finden. Der Film als Grundlage genügt. Gegenspieler ist der Sohn von Obadiah – nicht sonderlich einfallsreich – dem es gelungen ist, die Iron-Man-Technologie für Bomben nutzbar zu machen. Menschliche Bomben, wohlgemerkt! Mit Hilfe von Extremisten nuked er sich über den Planeten, mal in Tansania, mal in Taiwan. Sein Ziel: Die Vernichtung von Stark Industries, um Rache für seinen toten Vater zu üben. Dazu gibt’s ein bisschen Geplänkel bei S.H.I.E.L.D., ein bisschen Beziehungs-Talk mit Pepper, insgesamt eine ganz erträgliche Mischung, die es nebenbei schafft, einen flüchtigen Blick auf gewisse Grundregeln moderner asymmetrischer Kriege zu werfen.

Leider endet der Band im freien Fall, nichts ist gelöst, aber mit so einem Cliffhanger hätte man ja eigentlich auch rechnen können. Großer Minuspunkt: Die Zeichnungen. Die Gesichter der Figuren sehen durchweg aus wie leblose, geölte Puppen, Anatomie und Physiognomie funktionieren manchmal mehr schlecht als recht, und die Räume sind mit digitalen Texturen zugekleistert. Insgesamt ist der Band weder ein berauschender Höhenflug noch ein vernichtender Absturz. Geht schnell rein und schnell wieder raus. Aber man kann mit seiner Zeit sicherlich Besseres anfangen…

Iron Man 1
Marvel Deutschland / Panini Comics, Februar 2009
Text: Matt Fraction
Zeichnungen: Salvador Larroca
Preis: 12,95 Euro