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Ich/I/Je/Io

 Im Rahmen eines internationalen Workshops für Studierende an Kunsthochschulen in Hamburg, Bologna und Brüssel entstand die beinahe 500 Seiten starke Publikation Ich/I/Je/Io. Es handelt sich um eine Anthologie von dutzenden Künstlern, die die Thematik des autobiografischen Erzählens in ihrer eigenen Comicform interpretierten. Im Mami-Verlag, der von Anke Feuchtenberger und Stefano Ricci  jüngst gegründet wurde, erschien schließlich der Band, der die Ergebnisse des Projektes dokumentiert.

Aber nicht nur die zahlreichen Comicbeiträge, die während des von Ricci und Feuchtenberger initiierten Workshops entstanden, lassen sich bestaunen, auch etliche Animationsfilme werden auf einer der beiden beiliegenden DVDs mitgeliefert. Die zweite DVD enthält eine Dokumentation, in der man auch Vorträge der eingeladenen Gastkünstler David B., Gipi, Rutu Modan und Renee French zu sehen bekommt. Insgesamt bekommt man eine interessante s/w-Anthologie, die mit 15 Euro auch noch sehr günstig ist.

Ich/I/Je/Io
Mami Verlag, Juni 2008
464 Seiten, s/w
Preis: 15,- Euro 

Zu bestellen unter feuchtenbergerowa (at) googlemail.com oder bei Modern Graphics

Andrax 5: Gnadenlose Jagd

 Michael Rush ist wieder zurück! Zum fünften Mal! Besser bekannt ist der Zehnkämpfer und Zeitreisende allerdings unter dem Namen Andrax. Cross Cult startete im Oktober 2007 die Wiederbelebung des ehemaligen Primo-Helden. Gut anderthalb Jahre später, im März diesen Jahres, legte die kleine Asperger Comicschmiede den Abschlussband vor. In fünf Geschichten werden hier wieder ordentlich Schurken vermöbelt und Phrasen geschwungen (»Freiheit braucht ihre Fesseln!«). Zusammen mit seinem Stichwortgeber Holernes stürmt und stolpert Andrax quer durch die Epochen und Genre, eigentlich vermittelt als die ausgebombte Welt um circa 4000 n. Chr., grandios gezeichnet von Jordi Bernet.

Wir erinnern uns: D-Mark, drei Programme, Ferienlager, und Helmut Schmidt hatte noch was zu tun. Hach, was waren die Siebziger schön! Da durften sich noch Westernhelden schamlos neben Atombomben und Glaskuppeln tummeln! Es scheint lange her zu sein, dass der Unterhaltungscomic seine Naivität verloren hat. Zum Glück gibt es den Retro-Trend! Einleitend grübelt Alexandra Kauka darüber nach, ob Andrax eventuell mit neuen Episoden fortgesetzt wird. Das ist charmant. Aber um jemanden zu finden, der den altmodisch-sperrigen Stil der Serie trifft, müsste sie wahrscheinlich selbst zur Zeitreisenden werden. So bekommt das heute niemand mehr hin.

Andrax 5: Gnadenlose Jagd
Cross Cult, März 2009
144 Seiten, s/w, Hardcover
Preis: 18,- Euro 

ZWEITE MEINUNG: Kritik von Benjamin Vogt bei den auführlichen Rezensionen

 

 

Andrax 5: Gnadenlose Jagd

 Es ist vollbracht, die fünfteilige, neu bearbeitete Andrax-Gesamtausgabe liegt jetzt also komplett vor. Auch wenn die Stories aus den 70ern an vielen Stellen vornehmlich durch hölzerne Dialoge und übertriebene Handlungen auffallen, so beweist die spanisch-deutsche Koproduktion von Autor Peter Wiechmann und Zeichner Jordi Bernet dennoch, dass überbordende s/w-Fantasycomics auch heute noch ihren verdienten Platz innehaben können.

Es ist der Charme der suboptimalen, nichtperfekten Erzählung, die die Geschichten um den aus der Vergangenheit stammenden Helden Andrax und seinen Wegbegleiter Holernes zu einem zeitlosen Klassiker machen. Während zahlreicher und unterschiedlich langer Abenteuer ändert sich die personell simple Zweierdynamik nicht, stattdessen stürzen die Protagonisten von einem ungewöhnlichen Szenario in ein noch ungewöhnlicheres. Die Erforschung der neuen, fremden Zukunftswelt, die einen Rückfall in barbarische Zeiten durchlaufen zu haben scheint, will nicht enden, ebenso wenig die Suche nach einer Rückkehrmöglichkeit für Andrax in seine eigene Zeit.

Es sind Fragen, die letztlich unbeantwortet bleiben, da sie für den eigentlich kaum existierenden übergeordneten Handlungsablauf von sekundärer Natur sind. Der Schwerpunkt liegt in der kurzweiligen Umsetzung simpel gestrickter Action- und Abenteuer-Plots, die zuweilen höchst amüsant ist. Insbesondere dann, wenn absurde Elemente einen gelungenen, unvorhersehbaren Kontrapunkt setzen. So verwundert es auch im abschließenden fünften Band der Serie „Gnadenlose Jagd“ nicht, dass Andrax und Holernes in einem Düsenjet vor einer Bombe fliehen, sie auf Frankensteins Monster treffen oder sie in eine Wildwest-Geisterstadt geraten.

 Als besonderer Bonus sind im Anhang des Buches Auszüge aus einer nicht autorisierten Abschlussstory von Jordi Bernet abgedruckt. Dessen Idee war, Andrax ein würdiges, rundes Ende zu geben, was aber offiziell nie realisiert wurde.

So schade es auch sein mag, dass jetzt zwangsweise, weil das Material erschöpft ist, keine weiteren Bände von Andrax mehr erscheinen werden, umso mehr darf man gespannt sein, ob demnächst weitere alte Primo-Comics ihr Revival in einer Gesamtausgabe feiern dürfen. Bei ähnlicher inhaltlicher Qualität und gewohnt souveräner Cross-Cult-Bearbeitung kann man sich gewiss darauf freuen.

Andrax 5: Gnadenlose Jagd
Cross Cult, Februar 2009
Text/Zeichnungen: Peter Wiechmann/ Jordi Bernet
A5, Hardcover, s/w, 144 S., 18,00 €
ISBN: 978-3-936480-79-5

gelungener Abschlussband eines Klassikers

ZWEITE MEINUNG: Kurzbesprechung von Christopher Bünte im Kri-Ticker

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Abbildungen: © Kauka Promedia / Cross Cult

Andrax 4: Im Sog des Verderbens

 Wer auf schnörkellose Action und Schwertkampfkunst steht, der wird sich auch im mittlerweile vierten Band der Gesamtausgabe von Andrax gut aufgehoben fühlen. Die Schwarz-Weiß–Serie aus den 70ern verläuft nach sich stetig wiederholenden Mustern ab: Andrax, den es in eine altertümliche Zukunft verschlagen hat, und sein Freund Holernes durchstreifen die Weiten der Landschaft und müssen sich schlagkräftig gegen allerlei Widersacher zur Wehr setzen und hin und wieder ein friedliches Volk von einem Despoten befreien.

Im jüngsten Band stehen u.a. die Konfrontationen mit einem verrückten Wissenschaftler, einer verfluchten Schiffscrew und außerirdischen Eismenschen auf dem Plan. Die vier versammelten Stories von Autor Peter Wiechmann und Zeichner Jordi Bernet machen in ihrer simplen, manchmal fast naiven Erzählstruktur einfach Spaß, vielleicht gerade deshalb, weil sie offensichtlich vor langer Zeit entstanden sind. Die Dialoge sind dennoch charmant, die Abenteuer spannend, Bernets Bilder zeitlos und ausdrucksstark. Kurzum, eine weitere Perle innerhalb einer gelungen Gesamtausgabe.

Andrax 4: Im Sog des Verderbens
Cross Cult, Dezember 2008
160 Seiten, s/w, Hardcover
Preis: 18,- Euro 

 

Hellblazer 6: Stationen des Kreuzwegs

Stationen des KreuzwegsDie Anzahl der US-Horror-Serien, die regelmäßig auf Deutsch erscheinen, ist überschaubar. The Walking Dead und Hellboy (bzw. B.U.A.P.) mischen im Augenblick sicherlich an der Spitze mit, wenn es hierzulande um die Schergen der Finsternis und das namenlose Grauen geht. Neben der Zombie-Soap auf der einen und einer Mischung aus Indiana Jones und Cthulhu auf der anderen Seite tummelt sich noch eine dritte US-Serie, sozusagen der Horror-Klassiker schlechthin: Hellblazer. Während Rossi Schreiber und ihrem Verlag die Ehre zukommt, den kettenrauchenden Straßenmagier John Constantine nach Deutschland geholt und erstmals verlegt zu haben, gebührt nach der Vertigo-Komplettlizenzübergabe 2006 Panini der Dank, die Serie seit 2007 kontinuierlich fortzusetzen. Der neueste Band „Stationen des Kreuzwegs“ zeigt einmal mehr, welche Qualitäten in dem dunklen Vertigo-Kind schlummern. John ist mal wieder in London, auf der Straße, im Regen, im Dreck, ganz unten also. Trenchcoat und Kippen sind da, aber seine Erinnerung hat er verloren. Eine Dämonenkönigin und ein verfluchter Prophet zerren an ihm, wollen Constantine für ihre Zwecke einspannen. Dahinter schlummert ein gut gearbeiteter Meta-Plot, wie es sich für eine laufende Serie gehört. Garniert wird „Stationen des Kreuzwegs“ mit grausamen und widerlichen Ideen, gestaltet von drei guten Zeichnern, die alle wissen, dass schwarze Flächen und dunkle Zwischentöne eher Pflicht als Kür in einem Horror-Comic sind. Lediglich die Motivation der Hauptfigur fällt ein bisschen schwach aus. Constantine nimmt anders als in früheren Szenarios das Ruder nicht selbst in die Hand, sondern treibt herum, ist mehr Spielball als Spielmacher. Sein Gedächtnis will er nicht unbedingt wiederhaben. Es ist der zögerliche Versuch, eine neue, bessere Identität aufzubauen. Aber da haben andere auch noch ein Wörtchen mitzureden. Wie heißt es bei Sartre? „Die Hölle, das sind die anderen!“ John kann ein Lied davon singen.

Hellblazer 6: Stationen des Kreuzwegs
Panini, April 2009
148 Seiten, farbig, SC mit Faltcover
Preis: 16,95 Euro

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Das 4. Comicgate-Magazin

Cover des vierten Comicgate-MagazinsMitte Juni, zum Comicfestival München (11.-14.06), erscheint die neue Ausgabe unseres Printmagazins – bereits die Nr. 4!

Und dazu direkt eine schöne Nachricht: Wir sind mit dem Comicgate-Magazin für den PENG!-Comicpreis in der Kategorie Sekundärliteratur nominiert (ermittelt durch Abstimmung; wird verliehen auf dem Comicfestival). Juchhu!

Bezug: Unser 4. Printmagazin wird auf dem Comicfestival, über unsere Website (Bestellformular), über den Comicfachhandel und über Amazon erhältlich sein.

Die Gewinner unserer Vorbestellaktion: Gutscheine von Raedan.de haben gewonnen Jürn aus Bremen (40,- Euro), Andreas aus Garching (20,- Euro) und ATELEIA aus Glashütten (20,- Euro). Herzlichen Glückwunsch!

Seite aus Himmelfahrt – Comicgate-Magazin 4Das Cover der diesjährigen Ausgabe stammt diesmal von dem fantastischen Ingo Römling und teasert die zwölfseitige Story „Himmelfahrt“ (aus der Feder von Andreas Völlinger), welche ebenfalls illustriert wird von Ingo. Eine Seite aus der Geschichte seht Ihr links, die Entstehung des Covers hat Ingo auf seiner Seite hier dokumentiert.
Mehr vom Künstler findet Ihr auf seiner Website monozelle.de. Mit dem Musiker ASP hat Ingo die Serie Sieben Jahre mit Garg über den Schriftsteller Benni und sein adoptiertes Monstermädchen Garg entwickelt, von der viele Comicstrips online zu lesen sind und die bald gedruckt erscheinen werden.

Und das ist der redaktionelle Inhalt des 4. Comicgate-Magazins:

  • Das Absurde im Alltäglichen – Interview mit Jamiri
  • Size doesn't matter. Zeichnen, kopieren, tackern – Minicomics
  • Der Hase mit dem Schwert – 25 Jahre Usagi Yojimbo + ein Kurzinterview mit Usagi-Übersetzer Jens R. Nielsen
  • 70 Jahre Marvel – ein Überblick
  • “Löwen ist die Meinung von Zebras egal.“ Über die Hintergründe des US-Marktes – Chuck Rozanski im Interview

Comicseiten beigetragen haben:

Dazu kommen noch ein paar hübsche, kurzgehaltene Beiträge:

  • die Inselcomics (Comicempfehlungen der Redaktion)
  • neu: der Comicgate-Fragebogen (Comicschaffende beantworten 13 Fragen; in dieser Ausgabe mit dabei: Andreas Alt, David Boller, Mark O. Fischer, Flix, Reinhard Kleist, Heidi MacDonald, Sebastian Röpke, Kim Schmidt)

Und hier noch einige Seiten aus dem Magazin als Leseprobe, entweder eine oder zwei Seiten aus verschiedenen Comics und Artikeln zum Anteasern:

Leseprobe als PDF-Datei
(3,3 MB)

Inhaltsverzeichnis                             Erste zwei Seiten Jamiri-Interview    
Comicgate-Magazin 4 InhaltComicgate-Magazin 4 Interview mit Jamiri


Erste zwei Seiten Minicomics-Artikel   Erste zwei Seiten von Jolly Rotten
Comicgate-Magazin 4 MinicomicsComicgate-Magazin 4 Comic von Jolly Rotten




Erste zwei Seiten vom red HAWK       Erste zwei Seiten des Usagi-Artikels
Comicgate-Magazin 4 Comic vom Tech-Trio (Seiten von red HAWK)Comicgate-Magazin 4 Usagi-Yojimbo-Jubiläum

Erste zwei Seiten von Rolf Noelte        Erste zwei Seiten des Marvel-Artikels  
Comicgate-Magazin 4: Comic von Rolf NoelteComicgate-Magazin 4 Marvel wird 75

Erste zwei Seiten von Monozelle/        Erste zwei Seiten des Interviews mit Chuck Rozanski
Andreas Völlinger
Comicgate-Magazin 4: Comic von Monozelle und Andi VöllingerComicgate-Magazin 4 Interview mit Chuck Rozanski

Hintergrund:

Seit 2006 bringen wir einmal jährlich ein Printmagazin heraus, mit einer Mischung aus redaktionellen Texten, Interviews und Comicseiten von Profi-Illustratoren und begabten Nachwuchskünstlern. Bis auf wenige Ausnahmen enstehen alle Beiträge exklusiv für den Druck und sind nicht auf Comicgate.de zu finden. Die Inhalte  sind eher grundsätzlich ausgelegt, so dass sie nicht  schon nach kurzer Zeit unaktuell geworden sind.
Unsere bisherigen Magazine werden hier vorgestellt und können dort direkt bei uns bestellt werden. Sie sind auch über den Comicfachhandel erhältlich.

Jack of Fables 1

Jack of Fables: Flucht nach vornEin Spinoff zu Fables! Irgendwie ist die Idee naheliegend. Die Fantasy-Serie aus dem Hause Vertigo war in den letzten Jahren verdammt erfolgreich. Warum diese Kuh also nicht weiter melken? Kreist das Original um die Enklave der Märchenfiguren, so steht im Spinoff eine Einzelfigur im Mittelpunkt, nämlich Jack, der einst Riesen tötete und die Bohnenranke hinaufkrabbelte (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge). Der Tausendsassa mit dem Hang zu Abenteuern und zur Überheblichkeit bietet sich als Serienheld geradezu an. Wirf Jack in irgendein Szenario und warte ab, was passiert! Nachdem er Hollywood verlassen musste und aus Fabletown verbannt wurde, steht er am Straßenrand und streckt den Daumen aus. Von jetzt an kann alles passieren. Unglücklicherweise landet er in einem Knast für Märchenfiguren. Chefbibliothekar Revise verwaltet das Gefängnis. Die Märchenfiguren sollen so lange hier bleiben, bis sie von den Menschen vergessen wurden und alle magischen Fähigkeiten verloren haben. Aber Jack hinter Gittern? Das passt ihm gar nicht! Weiße Tiger, Dopplerkrähen und Packmänner machen ihm den Weg zurück in die Freiheit nicht einfach.Abgesehen von der inhaltlichen Verschiebung fühlt sich Jack of Fables genauso an wie Fables. Es geht bunt, unterhaltsam und nicht allzu tiefgründig zur Sache, eben genau die richtige Mischung aus Anspruch und Entertainment, die das Original so erfolgreich gemacht hat. Wer Fables mag, wird auch diesen Band mögen. Als Einstieg ins Fables-Universum eignet sich Jack of Fables nur bedingt.

Jack of Fables 1 – Flucht nach vorn

Panini, April 2009
124 Seiten, farbig, SC
Preis: 14,95 Euro

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Tatjana K.- Das Stigma des Longinus

Cover von Tatjana K. 3“Da Vinci Code meets (russische) Lara Croft“, so oder so ähnlich kann man den Inhalt des dritten Bandes von Tatjana K. grob umschreiben. Hauptprotagonistin ist die kurvenreiche Ex-Agentin einer sowjetischen Sondereinheit, Tatjana Kovolenko, die sich unlängst der aktivistischen Gruppierung „Die letzte Abteilung“ angeschlossen hat. Diese bekämpft ökologische Bedrohungen, d.h. Kovolenko und ihre Mitstreiter schreiten immer dann ein, wo korrupte Politiker, überambitionierte Wissenschaftler oder profitfixierte Wirtschaftsunternehmer das Gleichgewicht der Umwelt stören.

Einen roten Faden findet die Reihe in einem Forscher namens Strigoi, ein allgegenwärtiger Feind, der im Geheimen operiert und offenbar die einzige Verbindung zur Wahrheit über Tatjanas unklare Herkunft darstellt. In „Das Stigma des Longinus“, der Abschluss des dreiteiligen Zyklus, folgt Tatjana K. dem Wissenschaftler bis nach Rumänien, wo dieser sich in Draculas ehemaligem Schloss verschanzt hat und für die katholische Kirche an genetischen Experimenten arbeitet.

Nun, allein der Plot des dritten Bandes, den Finix gerade veröffentlichte, hört sich phasenweise nicht nur absurd an, er ist es auch. Leider, muss man sagen – denn auch wenn die Handlung von Autor François Corteggiani bewusst überspitzt dargestellt und hierbei mit einer speziellen Art der actionlastigen Situationskomik gespielt wird, so kann das Ergebnis dieses Vorhabens nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Das Stigma des Longinus“ ein nur mäßig unterhaltender Semi-Funny ist. Die nicht ohne typische Klischees des Agentengenres auskommende Story ist gespickt von eigentlich unrealistischen Grundzügen (Klonlabore, Vatikanverschwörung, Draculas Schloss), ohne aber deren Stärken hinsichtlich einer lustigen Entwicklung voll auszunutzen. Letztlich bleibt ein Band, den man schnell durchgelesen hat, weil zum einen die Dialoge weder tiefsinnig noch lustig genug, der Inhalt trotz Bemühen um viel Action und Geheimnisse keine wirkliche Spannung garantiert und zusätzlich die glatte, wenig individuell wirkende Optik (gestaltet von Emanuele Barison) nicht unbedingt zum längeren Verweilen einlädt.

Für alle die die ersten beiden Nummern besitzen, die 1999 und 2003 bei Salleck Publications erschienen, bietet sich hier durch Finix ein runder Abschluss, der den Storybogen um die Jagd nach dem irren Wissenschaftler Strigoi beendet. Das Album kann aber auch durchaus alleinstehend gelesen werden, da zu viel Vorwissen nicht zwingend erforderlich ist.

Sehr gut ist Finix die Verarbeitung gelungen, weshalb der schicke Hardcover-Band sich mal wieder perfekt in das bestehende Gesamtbild der Serie einfügt, was für Sammler ja durchaus nicht unwichtig ist. Ein Unterschied zur professionellen Arbeit etablierter, großer Verlage ist praktisch nicht auszumachen. Aufgefallen ist mir auch, dass zu Anfang ein kurzes „Was bisher geschah …“ abgedruckt wurde, was für potentielle Einsteiger wie mich ja doch hilfreich sein kann. Auch wenn nur knapp das grundsätzliche Setting erläutert wird, hätt ich mir dies bei beispielsweise Abersen ebenfalls gewünscht.

Wer darüber hinaus genauere Informationen zur Serie Tatjana K. braucht, dem sei auch folgende Seite der Kollegen der Comicradioshow empfohlen, Michael Hüster hat 2005 ein ausführliches Dossier erstellt: http://www.comicradioshow.com/Article2119.html

 

Tatjana K.- Das Stigma des Longinus
Finix, März 2009
Text: François Corteggiani
Zeichnungen: Emanuele Barison
48 Seiten, farbig, HC; 13,80 Euro

ISBN: 978-3941236042

Leseprobe bei finix-comics.de

seichter, frankobelgischer Stoff

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