Alle Artikel in: Rezensionen

In dieser Rubrik finden sich alle Arten von Comic-Besprechungen, von den Kurzrezensionen im „Kri-Ticker“ bis hin zu ausführlicheren Einzelvorstellungen bestimmter Titel.

Singularity 7 (US)

 Singularity 7 war, wenn ich das richtig verstanden habe, Ben Templesmiths Debut als Autor und Zeichner eines eigenen Comics. Und es ist, ähnlich wie auch seine spätere Serie Wormwood, die Gentleman-Leiche, ein Beleg dafür, warum bestimmte Zeichner schlicht besser funktionieren, wenn sie mit einem fähigen Autor zusammenarbeiten. (Was leider auch fast zwei Jahrzehnte nach der „Image-Revolution“ immer wieder erwähnt werden muss.)

Donjon -83 – Der letzte Ritter

 Diesen Frühling öffnet der Reprodukt Verlag wieder einmal die Tore des Donjon und lädt deutsche Leser zu den Abenteuern der diversen Zeitstränge von Joann Sfars und Lewis Trondheims Fantasiewelt ein. Leider ist der Ausflug in die Vergangenheit des Donjons mit Der Letzte Ritter keine erzählerische Perle, sondern eher eine Murmel.

Neandertal 1+2

Die Steinzeitära bildet auch im Bereich der Unterhaltungsindustrie eine steinzeitliche Wüste. Dieser geschichtliche Abschnitt ist sträflich vernachlässigt worden und diente höchstens mal als Kulisse für einige Zeitreiseepisoden verschiedenster Auswüchse. Als Hintergrund einer eigenständigen Erzählung diente die Steinzeit nur selten, wie z.B. in dem Film Am Anfang war das Feuer oder, im weiteren Sinne, in 10.000 B.C. Im Bereich der Literatur ist vielleicht Ayla die bekannteste Adaption. Angesichts dieser wenigen Erzeugnisse kann man Emmanuel Roudier eigentlich nicht genug dafür loben, die Steinzeit als historischen Hintergrund zu verwenden und obendrein den weithin unterschätzten Neandertaler als Helden zu etablieren.

Fantastic Four 4 – Dark Reign

Paralleluniversen sind ein heiß geliebtes Szenario in Superheldencomics, wie auch allgemein im fantastischen Genre. Zu oft artet deren Einbezug aber in allzu generischen und fantasielosen „Helden und Schurken vertauschen die Rollen“-Geschichten aus, die nicht viel mit den Figuren und somit dem Leser anstellen. Der Ansatz in der Miniserie Fantastic Four: Dark Reign ist anders: Hier begibt sich die dehnbare Wissenschaftskoryphäe Reed Richards mittels seiner neu entwickelten „Brücke“ gezielt auf eine Reise durch eine Vielzahl von Parallelwelten. Sein Ziel: herausfinden, wie und ob die beiden letzten großen Krisen im Marveluniversum, der Civil War und die Secret Invasion, zu verhindern gewesen wären und welche Rolle er dabei inne gehabt hätte. Im zweiten Handlungsstrang der Geschichte wird der Rest des Teams durch eine unliebsame Fehlfunktion der Realitätenbrücke durch zunehmend abstrusere Szenarien gejagt. Das sorgt für Action und ein paar tolle Bilder, aber damit ist auch schon alles über diesen Teil gesagt. Was das mit Dark Reign zu tun hat? Nun, im dritten Handlungsstrang geht es um Norman Osborn, den neuen starken Mann im Marveluniversum, der mit einem Trupp …

Fahrenheit 451

 Zum 90. Geburtstag von Ray Bradbury inszeniert Tim Hamilton (u.a. MAD, DC Comics, Dark Horse Comics) die dystopische Vision Fahrenheit 451 als Crime-Noir-Adaption. Der Roman ist längst nicht mehr nur ein Science-Fiction Klassiker, sondern hat sich in die Annalen der Literaturgeschichte eingeschrieben. Ein Grund mehr, die Geschichte über eine nicht allzu ferne Zukunft, in der die Menschen sich von den Büchern losgesagt haben, zu adaptieren. Was ist aber nun besser? Das Buch, der Film (François Truffaut, 1966) oder die 2010 beim Eichborn Verlag erschienene Graphic Novel? Jeder Anhänger des jeweiligen Mediums wird natürlich auf seine Version pochen und unnachgiebig nach Schwachstellen in den jeweils anderen Medien suchen. Diese und andere Gedanken zum Comic haben sich Marco Behringer und Daniel Wüllner in Form einer Dialogrezension gemacht.

Secret Invasion

teaser_secretinvasion.jpgDie Prämisse von Secret Invasion hat wirklich etwas: Heimlich, still und leise unterwanderten außerirdische Gestaltwandler aus dem Volk der Skrulls über einen längeren Zeitraum die irdische Heldengemeinschaft und den Geheimdienst SHIELD, um den Weg zu bereiten für die endgültige Unterjochung des blauen Planeten mit seinen ewig renitenten Bewohnern.

Kirihito 1+2

 Der Klappentext spricht vollmundig von „einem der großen Meisterwerke der Comic-Geschichte“, das nun knapp 40 Jahre nach der Erstveröffentlichung in Japan erstmals auf Deutsch erscheint. Kein Zweifel, Autor und Zeichner Osamu Tezuka gehört zu den ganz großen Comickünstlern der Welt und es ist höchste Zeit, dass seine Werke jenseits von Astro Boy endlich auch bei uns zugänglich werden. Der Carlsen Verlag machte vor wenigen Jahren mit Tezukas Hitler-Parabel Adolf den Anfang und legt nun mit dem Dreiteiler Kirihito nach. Der Manga um eine geheimnisvolle Krankheit, die Menschen zu hundeähnlichen Gestalten mutieren lässt, ist ein vielschichtiger Thriller mit unzähligen visuellen Einfällen, dem man sein Alter kaum ansieht. Ohne Frage ein lesenswerter Comic, aber ein „großes Meisterwerk“? Eher nicht.

Thorinth 2+3

 Puh, Nicolas Fructus verlangt den Lesern seines Erstlingswerkes wirklich eine Menge ab. Wie bei meiner Besprechung zu Band 1, „Der Narr ohne Namen“, bereits erwähnt, lebt sein Comic vom fantastischen und atmosphärisch dichten Innenleben von Thorinth. Letzteres ist der Name eines Labyrinths, welches sich in einem gigantischen Turm befindet. Hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt, entwickelte sich darin eine wahnwitzige Zivilisation, die irgendwo zwischen Kitsch und Wahnsinn rangiert.

Erotische Comics

 Selten hat es ein Cover geschafft, die Essenz eines Buches so gut einzufangen, wie das Titelbild von Erotische Comics. Unser voyeuristischer Blick gleitet von den roten High Heels langsam über die Strapse nach oben. Er umspielt einen kleinen Augenblick zu lange das wohlgeformte Hinterteil; erst dann führt er uns weiter über das adrette weiße Kleidchen und über die süße Schleife hin zu einem wilden Rotschopf. Gelenkt von unserer male gaze nehmen wir Stück für Stück wahr, wie sich die einzelnen Details zu einer kompletten Frau zusammenfügen, die ihrerseits jemanden durch ein Schlüsselloch beobachtet. Obwohl nicht wir das Objekt ihrer Begierde sind, wird uns schlagartig klar, dass wir sie mit unseren Augen ausgezogen haben. Ein Gefühl der Scham setzt ein. Dieses ständige Spiel zwischen Subjekt und Objekt, zwischen Betrachten und betrachtet werden, verfolgt Autor Tim Pilcher über zwei Jahrhunderte und gibt dem geneigten Leser dabei einen interessanten Einblick in das stets wechselnde Verhältnis von Kultur und Sexualität.

Der Wald der Jungfrauen 1 – Verrat

 Wer bei dem Titel oder dem Cover erotische Bilder innerhalb einer historischen Kulisse im Kopf hat, wird enttäuscht sein. Nein, im Auftaktband „Der Verrat“ der Fantasy-Serie Der Wald der Jungfrauen gibt es keine aufreizenden Posen oder unschuldige Frauen zu sehen. Jean Dufaux (Kreuzzug, Splitter 2008) und Béatrice Tillier (Fee, Splitter 2008) inszenieren ein historisierendes Märchen- und Sagenepos, das vom unerbittlichen Kampf zwischen Menschen und Wölfen handelt.