Alle Artikel in: Rezensionen

In dieser Rubrik finden sich alle Arten von Comic-Besprechungen, von den Kurzrezensionen im „Kri-Ticker“ bis hin zu ausführlicheren Einzelvorstellungen bestimmter Titel.

Agents of Atlas (US)

It's the concept that just will not die. Seit 2006 reaktiviert Marvel konstant alte Superhelden aus den 1950ern, als man noch von Martin Goodman als Atlas Comics verlegt wurde, und lässt diese Figuren dann klassische Superheldenabenteuer erleben, was ein schönes Kontrastprogramm zum heulsusig-düsteren Rest des Marvel-Universums des letzten Jahrzehnts darstellt. Nur bei den Fans scheint die Serie einfach nicht Fuß fassen zu wollen, was hochgradig bedauerlich ist. Denn diese klassischen Superheldenabenteuer, von denen wir hier reden, tun genau das, was Superheldencomics tun sollten: Sie machen Spaß. Wir sprechen hier von Comics, in denen die Göttin der Liebe, Namors Cousine, ein Alien, ein Killerroboter und ein hawaiihemdentragender Gorillasöldner mit Maschinengewehren in allen vier Händen und Füßen sich mit menschenfressenden Pflanzen, ebenfalls menschenfressenden Dinosauriern, bösartigen Kultisten (man möchte nicht ausschließen, dass die Menschen fressen) und den fiesen Blagen aus The Happening prügeln. So hat Hochkultur auszusehen, besonders wenn sie mit so viel Elan und Freude am Detail visuell umgesetzt wird. Die treffsichere Charakterisierung der Figuren und die verspielten Dialoge der Atlas-Agenten miteinander,stellen da nur die Glasur auf …

Star Trek: Spock + Star Trek: Nero

 Der neueste Star Trek-Film von J.J. Abrams bescherte dem altgedienten Franchise bislang viel Aufmerksamkeit. Folgerichtig hat man beim US-Verlag IDW, der die Lizenz für Star Trek-Comics innehält, nicht lange gezögert und in den vergangenen Wochen und Monaten die Veröffentlichung ergänzender Geschichten zur Filmthematik richtig angekurbelt. Die beiden jetzt auf Deutsch erschienenen Bände, schlicht mit den Titeln Spock bzw Nero versehen, spielen vor den Ereignissen des Films, jedoch nach Countdown, dem Comicprolog zum Streifen (als erster Star Trek-Comicband ebenfalls bei Cross Cult). Damit ist klar, dass noch offene Lücken geschlossen und die beiden Hauptakteure, ein gealterter Spock und dessen brutaler Widersacher Nero, näher beleuchtet werden sollen.

Die Schanzen-Babes

Zuletzt erregte Zeichner Calle Claus meine Aufmerksamkeit mit der märchenhaften (und wortlosen) Unterwassergeschichte Findrella. Diesmal lässt er zwei freche Gören auf die Leser los, die in Hamburg ihr Unwesen treiben. Liz und Gwen heißen die beiden sogenannten Schanzen-Babes, in kurzen Episoden lässt Calle Claus sie bevorzugt über Fußball, Männer und Clubbesuche palavern. So richtig zünden will diese Idee bei mir jedoch nicht. Weder die pubertären und pseudocoolen Sprüche der Girls noch die halbgaren bis reichlich platten Gags am Ende jeder Episode versetzen mich beim Lesen in Entzücken. Gut, da die Geschichten  im Laufe der letzten Jahre zum Teil im Hamburger Stadtmagazin hamburg-pur abgedruckt wurden, gehöre ich möglicherweise weder zur regionalen, noch zur altersmäßigen und/oder geschlechtlichen Zielgruppe, wer weiß. Zudem muss man ehrlich sagen, dass die deutlich regionale Einfärbung und Thematisierung vielleicht beim ein oder anderen Hamburger mehr Anklang finden könnte, als dies bei mir der Fall ist. Denn immerhin: Vom Schanzenviertel über den FC St. Pauli bis hin zum Fischmarkt liefert Calle Claus für Einheimische viele Querbezüge. Als Highlight sind sicherlich die Gastbeiträge anderer bekannter …

Barbara 1

teaser_babara.jpgVor allem bekannt für seine Animationsfilme Astro Boy und Kimba, der weiße Löwe, erscheinen langsam aber sicher auch Osamu Tezukas Manga auf dem deutschen Markt. Der Großmeister des japanischen Comics entwickelte neben den moralisch angehauchten Kindercomics auch den gekiga, den Manga für Erwachsene, ständig weiter und führte diese scheinbar entgegen gesetzten Welten immer näher aneinander heran. Nachdem mit Kirihito bei Carlsen Comics bereits ein Werk aus dieser Schaffensphase Tezukas übersetzt wurde,  folgt nun der Schreiber und Leser Verlag mit Barbara, einer Geschichte, die meisterlich zwischen Ästhetik und Slapstick, zwischen Erotik und Literatur oszilliert.

Secret Warriors 1

teaser_secretwarriors.jpgAlles ändert sich, warum nicht du? − „Dafür bin ich zu lange dabei. Nach einer Weile ist man, was man ist …“

Dieser, beinahe auf Metaebene geführte, Dialog zwischen Nick Fury und seiner alten Flamme Contessa Allegra de Fontaine (deren Schöpfer Jim Steranko wirklich etwas von Agentennamen verstand) bringt auf den Punkt, was den Mann umtreibt. Jemand, der seit den 1960ern – dank einer den Altersprozess stoppenden Droge – ohne Atempause als weltrettender Agent im Einsatz ist, lässt sich nicht einfach in Rente schicken.

Die Sandkorntheorie

 Gewichtsverlust trotz opulenter Speisen? Aus dem Nichts auftauchende Steine, deren Gewicht (6793 Gramm) eine Primzahl ergeben? Sand, der sich in der Wohnung anhäuft und niemand weiß, warum? Das sind die mysteriösen Zutaten in Die Sandkorntheorie. Das Album gehört dem Zyklus Die Geheimnisvollen Städte an und setzt sich deshalb in utopisch-phantastischer Weise mit der Mode- und Kunstgeschichte genauso auseinander wie mit architektonischen, stadtgeographischen und technischen Themen. Die Altmeister des frankobelgischen Comics François Schuiten (Zeichnungen) und Benoît Peeters (Text) sind auf diesem Gebiet also bereits ein eingespieltes Team. Ihre neueste Arbeit kann aber auch unabhängig von den bisherigen Werken oder als Einstieg gelesen werden, da kein Vorwissen nötig ist.

Wolverine: Old Man Logan (US)

 Old Man Logan ist eine dieser After-the-Fall-Superheldengeschichten, die sich seit der Zeit, als Alan Moores Twilight of the Superheroes  nie erschien sehr großer Beliebtheit erfreuen. Age of the Apocalypse. Es ist fünf nach Zwölf in den USA und die Schurken haben gewonnen. Die Superhelden sind tot, die großen Superschurken haben die USA – bzw. das, was von den USA übrig blieb – untereinander aufgeteilt.

Ritter des verlorenen Landes 1 – Morrigan

 In dem neuen Zyklus um das verlorene Land greift der fleißige Autor Dufaux (Raubtiere, Murena, Giacomo C., Kreuzzug, etc.) auf die irische Mythologie zurück, indem er sich der Morrigans bedient. Sind sie in den altirischen Überlieferungen noch Königinnen, die sich der Christianisierung Irlands widersetzen, beschränkt sich Dufaux auf ihre Fähigkeiten der Gestaltwandlung und betont, dass sie Hexen sind. 

Die Ruhmreichen Rächer 6

Nach der „Secret Invasion“ ist bei den Ruhmreichen Rächern Zeit für einen Neuanfang: Eine komplett neu formierte Gruppe will den von Norman Osborn für seine zwielichtige Rächertruppe missbrauchten Teamnamen wieder reinwaschen. Statt der ‚Big Guns’ bieten die neuen Rächer jedoch nur ein paar Helden aus der zweiten bis dritten Reihe auf, angeführt vom blässlichen Ex-Yellowjacket Hank Pym, der nun als männliche Wasp(!) die Nachfolge seiner getöteten Ehefrau antritt. Will man sowas wirklich lesen? – Aber auf jeden Fall! Der Autor heißt nämlich Dan Slott und hat vor allem mit der viel gelobten Serie Sensational She-Hulk bewiesen, dass er eine gelungene Mischung aus Comic-Nerd und talentiertem Erzähler darstellt. Eine Art verbesserter Kurt Busiek-Klon minus dessen manchmal überhand nehmenden Hang zu Betulichkeit. Wie kaum ein Zweiter beherrscht Slott das Kunststück, aus der reichhaltigen Marvelhistorie zu schöpfen und damit Old-School-Fans zum wohligen Lächeln zu animieren, gleichzeitig jedoch frische, zugängliche Comics zu schreiben, die mit ihrem hohen Tempo und gekonntem Story-Hakenschlag auch jedem Neuleser gefallen dürften. Ähnlich gefällig sind die Zeichnungen von Serienkünstler Koi Pham, die mal an Olivier …

Die mechanische Welt

 Auf dem riesigen Ozeandampfer Mekaton wird rauschendes Fest gefeiert, nicht nur zu Beginn des Comics, sondern einfach immer. Die gespielte, fröhliche Welt fungiert als Fassade, um eine mögliche Meuterei zu verhindern, denn den Passagieren des Schiffes ist es nicht gestattet, dieses zu verlassen. Mekaton ist ein Gefängnis, aus dem selbst der Kapitän nicht ausbrechen kann. Dafür sorgt zum Beispiel Oberaufseher Feinvogel, ein antropomorpher Adler.