Alle Artikel in: Rezensionen

Anleitung zur sexuellen Unzufriedenheit

“Seminarkabarett-Comic“ steht auf dem Umschlag. Drei Begriffe, die auf den ersten Blick unvereinbar scheinen. Dass „Seminar“ und „Kabarett“ zusammengehen können, beweist der Steyrer Bernhard Ludwig seit 1992 auf diversen Bühnen. Der gelernte Psychologe machte aus einem sexualtherapeutischen Seminar ein erfolgreiches Kabarettprogramm, das inzwischen auch als Kinofilm gezeigt wird. Kann der Transfer ins Medium Comic ebenso gut gelingen?

Vampire Boy 1 – Die Auferstehung

Eduardo Risso, bei uns u.a. bekannt als Zeichner von Vertigos Hit-Serie 100 Bullets, hat zusammen mit dem argentischen Author Carlos Trillo den Comic Boy Vampire – für unsere Ohren von Cross Cult eleganter mit Vampire Boy „übersetzt“ – erschaffen. Der Titel macht eigentlich schon alles klar: es geht um einen Vampir im Körper eines Jungen.
Die beiden interpretieren dabei einige typischen Mythen neu: man wird nicht durch einen Biss zum Vampir, Sonnenlicht heilt, anstatt zu töten, Vampire essen in einem durchaus erstaunlichen Ausmaß normales Essen, und sie wollen nicht ewig leben – zumindest nicht der eine der zwei vampirischen Erzfeinde, um die sich dieser Comic dreht.

Epidermophytie 12

Seit dem Erscheinen der ersten Ausgabe von dem Berliner Comiczine mit dem erstmal unaussprechlichen Namen (der im übrigen das Fachwort für „Fußpilz“ ist) ist sind mittlerweile schon 11 Jahre ins Land gegangen.
Den12. Band dieser hochkarätigen Reihe, der diesmal aus leiter Wimmelbildern (also Bilder mit extrem vielen Details) besteht, bespricht unser Redakteur Karsten Schreurs, der selber schon an einigen Ausgaben beteiligt war. Ausnahmsweise ist dies also eine total befangene Besprechung… 😉

Supreme Power 3

Der Autor J.M. Straczynski (Babylon 5) und der Zeichner Gary Frank hatten mit ihrem zwölfteiligen Mystery-Comic Midnight Nation (dt. im Infinity-Verlag) hervorragende Arbeit geleistet. Frank ist seitdem auf meiner persönlichen Lieblingszeichnerliste ganz weit oben.
Grund genug, mein Misstrauen gegenüber Superheldencomics zurückzudrängen und mich an eine weitere Kooperation von ihnen zu wagen. Und die ist selbst für Superman-Skeptiker so gut gelungen, dass ich auch bei Sammelband 3 immer noch dabei bin.

Tarot 1 – Hexenkrieg

Ausgeschrieben heißt dieser Comic eigentlich “Tarot – Witch of the Black Rose Band 1: Hexenkrieg“ und ist das Ergebnis, wenn Jim Balent, langjähriger Zeichner von Catwoman (1993-1999) und einiger Ausgaben von Purgatori, Lobo u.a. seine selbstgeschriebene Serie umsetzt.
Der Comic wird beworben mit “magisch-erotisches Abenteuer“ – nun, wer das andauernde Inszenesetzen von Russ-Meyer-Oberweiten als das Nonplusultra anregender Zeichnungen sieht, der ist hier gut bedient. Alle anderen, die noch ein Fünkchen Logik in solchen Geschichten suchen, seien gewarnt.

Asterix 33: Gallien in Gefahr

Wer kennt das Paar nicht? Der Kleine und der Dicke, alias Asterix und Obelix. In ihrem neuen Abenteuer „Gallien in Gefahr“ teilt Albert Uderzo Seitenhiebe in Richtung des Superhelden-Genres aus. Die charakteristische Eigenständigkeit seiner beiden Helden scheint ihn schon lange nicht mehr zu interessieren.

Serenity – Those Left Behind (US)

Ja, das ist hier tatsächlich ein Comic über die Crew der Serenity – des Raumschiffs, das die Heimat eines zusammenwürfelten Haufens von eigenwilligen Charakteren aus Joss Whedons (Schöpfer von Buffy) kurzlebiger und nichtsdestotrotz fantastisch guter Fernsehserie Firefly darstellt.
Und wenn man sich die prestigeträchtigen Namen der Zeichner anschaut, die für die drei hier in einem TPB zusammengefassten Comics Variantcover und anderes hübsches Beiwerk geliefert haben, dann hat die Serie auch eine enorm hohe Fanschar in den Zeichnerreihen.

Courtney Crumrin und die Gilde der Geheimnisse

Endlich setzt Eidalon diese tolle Serie fort und veröffentlicht den zweiten Band über ein Mädchen, das nicht so recht zu den anderen Kindern passt – aber sie würde es auch gar nicht wollen.
Seit sie mit ihren Eltern zu ihrem geheimnisvollen Großonkel Aloysius gezogen ist, lernt Courtney eine Welt neben der „normalen“ kennen; besiedelt von den geheimnisvollen Wesen der Nacht, Hexen, Magiern und sprechenden Katzen.
Dabei gelingt Ted Naifeh die Balance zwischen Horror, Humor, Sozialkritik und Anteilnahme ausgezeichnet – und zeichnen kann der Mann auch noch.

Wanted (US)

teaser_wanted.jpgMark Millar legt in Wanted einen wirklich netten Start hin. Zugegeben, da schwingt ein große Prise Fight Club mit, wenn Wesley Gibson uns seine erbärmliche White-Collar-Existenz mit all den Schwierigkeiten und Problemen des täglichen Lebens vorstellt, ehe er in die Welt der Superschurkerei eingeführt wird und sein altes Dasein hinter sich lassen kann. Aber das ist ja nichts Schlimmes, immerhin war Fight Club ein ziemlich guter Film und ein ebenso gutes Buch. Das Problem ist nur, da wo Chuck Palahniuk in Fight Club konstant interessante Ideen mit Gesellschaftskritik und Charakterkonflikten verband, da fällt Millar schnell auf eine altbekannte Geschichte und viel pubertäres Machogehabe zurück.

Tokyo Punk!

Tokyo Punk ist das zur Hamburger Messe „Heftich“ Ende 2005 erschienene Magazin der Initiative Comic Kunst e.V. (INC). Der Grundgedanke: Deutsche Undergroundzeichner versuchen sich an Manga.
Das zuerst auf ein Heft geplante Heft wurde im letzten Moment auf zwei Teile aufgesplittert, da die Anzahl der Beiträge zu groß wurde. Nun sind es insgesamt 128 qualitativ und stilistisch sehr unterschiedliche Seiten geworden.