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Ganges 2 (US)

Ganges 2 CoverMit Ganges #2 beweist der Amerikaner Kevin Huizenga ein weiteres Mal, wie einfach es ist, interessante Geschichten zu erzählen und dabei auf knallige Farben oder Superhelden als Akteure zu verzichten. Der neue Band beinhaltet im Grunde genommen nur zwei Geschichten, die zwar miteinander verbunden sind, sich aber nicht gegenseitig bedingen und so auch getrennt gelesen werden können. Auf dem bräunlichen DIN A4 Karton des Comics wirken die schwarz-weißen Zeichnungen hervorragend und werden durch blau-graue Farbtöne, die dem Ganzen Tiefe verleihen, vervollständigt. Beide Geschichten zeugen von Huizengas unprätentiösem Zeichenstil, der ein kostbares Paralelluniversum im Comic erschafft, das unserer eigenen Welt und ihren Schwächen doch bis aufs Haar ähnelt. Während die erste kürzere Geschichte ein futuristisches, zweidimensionales Kampfspiel darstellt, erzählt Huizenga in der zweiten Geschichte „pulverize die Erlebnisse seines bekanntesten Protagonisten Glenn Ganges, der diesmal nicht nur Ego-Shooter ins Herz schließt, sondern gleich noch Steve Jobs und die gesamte start-up-Klitsche auf die Schippe nimmt.

Mit jedem weiteren neu erscheinendem Comic aus der „ignatz“-Reihe wird deutlich, was für ein herber Verlust es für die deutsche Comicszene ist, dass der avant-Verlag diese Reihe nach nur neun erschienenen Bänden einstellen musste. Zum Glück leben wir in einer globalen Welt und können auf den amerikanischen Markt zurückgreifen, wo letzten Monat Kevin Huizengas Ganges #2 bei Fantagraphics erschienen ist. Dieser zweite Band steht ganz im Zeichen von virtuellen Computerspielwelten.

Abstraktes Videospiel
Auf den ersten elf Seiten führt Huizenga seine Leser in ein etwas grotesk wirkendes Computerspiel ein, das wie eine skurrile Verbindung aus Lewis Trondheims Monsieur I und Videospielen wie Beautiful Katamari wirkt. Obwohl sich die dargestellte Handlung auf einen zweidimensionalen Kampf zwischen zwei knuddeligen Monster-Avataren beschränkt, zelebriert Huizenga die Freude, die man an solchen simplen Spielen haben kann. Über die ersten zwei Seiten hinweg folgt man einem an ein Pokemon erinnerndes Wesen, das über eine menschenleere Ebene läuft, nur um nach einigen panels auf ein ähnliches Geschöpf zu treffen.

Zwischen den beiden entbrennt ein Kampf. Huizenga ergänzt dieses simple Setting durch die obligatorische Lebensanzeige am unteren Bildrand und lässt anschließend seine Kreationen aufeinander losgehen. Doch das Gefecht wird nicht durch Brutalität, sondern durch ein Freudenfest für Metamorphosenfreunde entschieden. Auf den folgenden zehn Seiten liefern sich die Wesen eine erbitterte Schlacht der Verwandlungen, die sogar den Bildaufbau des Comics bestimmen; Arme verdoppeln sich, Beine lösen sich vom Körper, ein Eigenleben beginnend, nur um sich nach ein paar Panels wieder zum Wesen hinzuzufügen. Der Leser wird erst entlassen, als nach einer Vielzahl von Verwandlungen einer der beiden Protagonisten zu Boden fällt. Huizenga schafft auf diese simple Art und Weise ein großartiges Plädoyer für die Freude am Verwandeln, an den Modifikationen, die auch unsere heutige Videospielwelt beherrschen, in der man wie z.B. in Flower gleich eine ganze Blumenwiese spielen kann. Diese Art der Narration steht ganz im Gegensatz zu der folgenden Geschichte „pulverize“.

Von diesen abstrakten Darstellungen noch leicht verzaubert, gelangt man zu Glenn Ganges, Huizengas viel verwendetem Protagonisten, der immer wieder in verschiedene Rollen schlüpft, dabei aber den Anschein einer continuity erzeugt, die auch ihn als Spieler des oben beschrieben Videospiels ausweist. Doch nutzt Huizenga in dieser Episode eine ganz klassische Comic-Narration. Mittels einfacher PanelStrukturen erzählt Huizenga die Geschichte von Glenns Job bei Requestra.com, einer kleinen Online-Start-up-Firma. Sehr einfühlsam führt Huizenga in der dritten Person mittels Captions die Abendbeschäftigung der Angestellten von Requestra.com ein: pulverize. Das Computerspiel basiert auf den bekannten und als Killerspielen verrufenen Titeln wie Counterstrike oder auch Doom. Obwohl sein Protagonist sich schnell in die Welt von pulverize einreiht, bleibt der Erzähler auf Distanz und bietet ein neutrales Bild, das sowohl die Freude am Computerspielen zelebriert als auch auf die Risiken des Realitätsverlusts hinweist.

Monica Lewinsky mit PanzerfaustIm Gegensatz zu Video- und Computerspieladaptionen wie der Halo Graphic Novel bemüht sich Huizenga erst gar nicht um eine versionsgetreue Abbildung des Spiels. Immer wieder springt die Erzählung von Sequenzen aus pulverize in Glenns Realität und wieder zurück ins Computerspiel, was zu einer Vermischung aus den beiden führt. Mit dem ihm ganz eigenen Charme demaskiert Huizenga dabei die scheinbare Endlosigkeit der Computerwelt als Pixelwelt, welche die Spieler nach ein paar Sekunden an anderer Stelle wieder ausspuckt. Auch wird mit viel Liebe fürs Detail die Benutzung von Pseudonymen beschrieben, die eben nicht als Identitätsverlust gedeutet wird: So trifft Glenns Figur auf dem virtuellen Dach eines virtuellen Schlosses auf Monica Lewinsky, die mit einer Panzerfaust auf ihn feuert. Bei jedem tödlichen Treffer arbeitet Huizenga kleine schwarze Totenköpfe ein, um das virtuelle Ableben der Figur darzustellen. Durch diese Symbolhaftigkeit nimmt Huizenga den Killerspielen das „Killer“-Präfix und lässt sie als bloße „Spiele“ stehen, denen man verfallen kann oder auch nicht. So verbringt Glenn seine Abende mit seinen Arbeitskollegen nach Feierabend in der Firma und frönt seiner Obsession.

Steve Stane ChatWie im wirklichen Leben scheint neben pulverize die eigentliche Handlung der Geschichte in den Hintergrund zu treten. Doch gerade diese zeigt Huizengas Liebe zum Detail, denn während Glenns Firma zu Beginn expandiert, obwohl keiner eigentlich weiß, was dort gearbeitet wird, zeigt sich das Ende des IT-Booms schneller als gedacht. Ergänzt wird der Abgesang auf eine vergangene Zeit im Comic durch die Figur des Steve Stane. Glenns Boss erinnert nicht nur wegen seiner Badelatschen und seinem legeren Kleidungsstil an seinem Namensvetter Steve Jobs, sondern auch durch seine Dialoge mit den Angestellten. So wird aus jedem „Steve chat“ nach nur zwei Sätzen ein Wust von „blablablas“ und „etcs.“. Huizenga schafft es auch hier den eigentlichen Grund für den Zusammenhalt der Belegschaft zu zeigen: das gemeinsame Computerspielen, die verspielte Freude des eigentlichen Firmengründers.

Mit Ganges #2 sagt sich Kevin Huizenga von langweiligen Computer- und Videospieladaptionen los und erschafft so eine wirkliche Basis, auf der man sich diesen Spielen nähern kann. Der Comic lohnt sich also nicht nur als „Ego-Shooter for Dummies“, sondern auch als ganz persönliche Hommage an eine Zeit, in der man noch ganz ungezwungen Computerspiele spielen konnte.

Ganges 2
Fantagraphics and Coconino Press, März 2008
Szenario und Zeichnungen: Kevin Huizenga
Softcover; blaugrau-weiß; 32 Seiten; 7,95 US-Dollar
ISBN 13: 978-1-56097-942-5

Vorsicht, ein Killercomic

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Huizengas Blog: The Balloonist
Bildquelle: fantagraphics.com, usscatastrophe.com

Comicgate auf dem Comic-Salon 2008

Comic-Salon 2008Zum zweiten Mal hat Comicgate einen Stand auf der größten und wichtigsten Comicmesse Deutschlands, dem Comic-Salon, welche vom 22. bis zum 25. Juni 2008 in Erlangen stattfindet. Dort erhaltet Ihr an unserem Stand (diesmal in der Haupthalle, Nr. 49) unsere drei Printmagazine, wobei wir Ausgabe 3 druckfrisch mitbringen. Außerdem veranstalten wir mit der Comic Combo ein Gewinnspiel und in der Endausscheidung des Comic-Duells 2008 mit unserer Jury Breitschuh/Dinter/de Bruin wird der diesjährige Sieger ermittelt. Thomas Kögel nimmt an einer Podiumsdiskussion teil. Und zwei Stickermotive für das offizielle Sammelalbum haben wir auch in petto.

Der Comic-Salon findet nur alle zwei Jahre statt. Anreisepläne, Eintrittspreise, Öffnungszeiten uvm. gibt es auf der oben verlinkten Homepage.

Der Stand:
Unser Stand trägt diesmal Nr. 49 und ist in der Haupthalle hinter der Treppe zu finden. Mit den netten Kollegen von Blotch und Cartoonkeller, Gabor Racsmany und Walter Pfau, die wir als Nachbarn auf dem letzten Comic-Salon kennen gelernt haben, teilen wir uns diesmal einen Gemeinschaftsstand.

Hier die Lage unseres Stands in einem Messeplanausschnitt:

Ausschnitt Messeplan Comic-Salon 2008

Den kompletten Messeplan in einer zum Drucken ausreichenden Version findet Ihr hier als jpg auf der Website des Comic-Salons.

Das Printmagazin:
Cover Comicgate-Magazin 3Unser 3. Printmagazin erscheint ofenfrisch zum Comic-Salon. Es hat diesmal einen deutlich erhöhten Umfang (anstatt 80 nun 128 Seiten!), kostet aber trotzdem weiterhin nur 5,- Euro.
Für mehr Infos und Leseproben hier klicken.

Die Rest-Exemplare unserer ersten beiden Printmagazine bringen wir natürlich auch mit.

Signiertermine (Update 19.05):
Viele der am neuen Printmagazin beteiligten Künstler sind auch persönlich auf dem Salon anwesend.
An unserem Stand signieren und beantworten gerne Eure Fragen am

  • Donnerstag
    15-16: Bastian „Lapinot“ Baier (“Das Ende der Monarchie“, Freitag?-Cartoons auf comicgate.de)
    16-17: Alexander Gellner (Cover + „Schrottbot und Max: Für eine Hand voll Kroketten“)
    17-18: Jan Dinter (Autor „Comic-Duett – die gezeichnete Rezension“), Manuel Clavel (Zeichner „Comic-Duett – die gezeichnete Rezension“ und Cover Comicgate-Magazin 2)
  • Freitag
    11-12: Lapinot
    14-15: Anna-Maria Jung (“Mary Jenkins Brown – okkultistische Detektivin“)
    16-17: Jan Dinter, Manuel Clavel
  • Samstag
    11-12: Alex Gellner
    12-13: Jan Dinter, Manuel Clavel
    13-14: David Füleki (“Monsterjagd“)
    14-15: Lapinot
    15-16: Anna-Maria Jung
    16-17: Sarah Burrini (“Dinge, die ich bereue“)
  • Sonntag
    11-12: Sarah Burrini
    13-14: Lapinot, Jan Dinter


Achtung
: Keine Garantie auf die Zeiten – es können sich noch weitere Termine ergeben oder bestehende verschieben! Aktuell wird das immer am jeweiligen Tag am Stand ausgehangen.

Das Gewinnspiel:
Zusammen mit der Comic Combo Leipzig veranstalten wir ein kleines, feines Gewinnspiel auf dem Comic-Salon: Ihr könnt eine von drei oder vier Luxus-Editionen gewinnen im Gesamtwert von über 200,- Euro! Die genauen Preise geben wir noch bekannt.
Besten Dank an dieser Stelle für die Zurverfügungstellung!

Die Entscheidung im Comic-Duell 2008:
Comic-Duell, logo copyright Eckart Breitschuh Wie Ihr vielleicht schon mitverfolgt habt, haben wir die Spacken-Verleihungen erstmal ausgemustert und ein Comic-Duell als Wettbewerb eingeführt. Die Juroren sind altbekannt: Eckart Breitschuh, Stefan Dinter und Ans de Bruin geben sich wieder die Ehre. Die Live-Entscheidung finden am 22.05 abends direkt nach der ICOM Independentcomicpreis-Verleihung im Rathaussaal statt.

Sammelbilder:
Auch Comicgate beteiligt sich an der offiziellen Sammelbilderjagd auf dem Comic-Salon! Bei uns erhaltet Ihr zwei Sticker, eins vom neuen Printmagazin und ein allgemeines von Comicgate. Die original Panini-Sammelalben erhaltet Ihr kostenlos im Comicfachhandel und auf dem Comic-Salon selber.

Die Berichterstattung:
Wie bereits 2004 und 2006, so werden wir auch diesmal in unserem Messe-Blog Messe am Draht live vom Comic-Salon berichten und Interviews führen.

Teilnahme Podiumsdiskussion:
Comicgate-Chefredakteur Thomas Kögel diskutiert bei einer der vielen und interessanten Podiumsdiskussionen (unbedingt mal ins Programm reinschauen, da gibt es viel zu entdecken!) mit, und zwar bei:
Wozu noch Verlage? Comics online
Gesprächsrunde mit Stefan Dinter (Zwerchfell Verlag), Thomas Gronle (Moga Mobo), Burkhard Ihme (ICOM), Henning Kockerbeck (splashpages.de), Thomas Kögel (comicgate.de), Leo Leowald (zwarwald.de), Kai Pfeiffer (Electrocomics.com), Lydia B. Schönberger (Die Biblyothek) und Kai-Steffen Schwarz (Carlsen Verlag)
Moderation: Harald Havas
Sonntag, 25. Mai, 12.00 Uhr
Rathaus, Großer Ratssaal, 1. Stock
Pressetext: „
Für manche ist es die Rettung der deutschsprachigen Comic-Szene, für manche der Untergang des Mediums, wie wir es kennen … das Internet! Keine Frage, Comic-Websites boomen, Online-Comics auch, ob das nun aber gut, schlecht oder schlicht die Zukunft ist diskutiert ein Kreis aus Comic-Machern zwischen Klassisch-Print und Digital-Online.“

Das Team:
Diesmal bringen wir für unsere Verhältnisse eine g anze Heerschar mit: Thomas Kögel, Björn Wederhake, Christopher Bünte, Daniel Wüllner, Marc-Oliver Frisch und Frauke Pfeiffer werden für Comicgate unterwegs und natürlich auch am Stand zugegen sein.
Wenn Ihr einem von uns mal was persönlich sagen oder einfach die Leute hinter Comicgate kennen lernen wollt, ist das die Gelegenheit. Wir freuen uns sehr auf Kontakt, Anregungen und Gespräche mit unseren Lesern!
Vielleicht kommt auch wieder einer der beliebten Jam-Comics zustande.

Mouse Guard: Herbst 1152

Cover von Mouse Guard 1Mouse Guard handelt von einer organisierten, vermenschlichten Gesellschaft der Mäuse im mittelalterlichen Jahr 1152. Als Hauptfiguren dienen die drei Mitglieder der Mäusewache Lieam, Kenzie und Saxon, die geschworen haben, das Reich der Mäuse zu schützen. Zu diesem Reich gehören unter anderem auch das idyllische Städtchen Barkstone und die Festung Lockhaven. Doch nicht nur, aus Sicht der Mäuse, riesige Schlangen und Krabben zählen zu den Lebewesen, die zur direkten Bedrohung führen, auch untereinander führt die Mäusezivilisation Krieg, denn die Armee der Schwarzen Axt macht sich auf den Weg, Lockhaven einzunehmen. Die vielleicht letzte Rettung der drei Mäusewächter ist ein lange verschollener, legendärer Krieger …

Seite aus Mouse Guard 1 Mouse Guard ist sicherlich gewöhnungsbedürftig: Denkt man beim ersten Durchblättern, man halte ein Märchenbuch in den Händen, so wird man beim Lesen fasziniert sein, was für eine ernsthafte und einzigartige Erzählung dahintersteckt. David Petersen erschuf hier eine Welt, die bis ins kleinste Detail ausgearbeitet erscheint, wodurch sich der Leser in einer sehr gelungenen, atmosphärischen Fantasy-Darbietung wieder findet. Das Mäusereich ist historisch verankert, immer wieder weist Petersen durch gelungene Unterbrechungen auf vergangene Ereignisse, auf relevante geschichtliche Kontexte hin. Und so niedlich die Protagonisten auch aussehen, so seriös und unlustig ist ihre Geschichte, es ist eine Geschichte voller Heldentum, Ehre und Krieg.

Seite aus Mouse Guard 1David Petersens Bilder sind großformatig angelegt, wirken dadurch auch sehr imposant, und es stellen sich prägnante Unterschiede in den verschiedenen, wohldurchdachten Umgebungen heraus. So bleibt einem in etwa die Darstellung des Kampfes zwischen Mäusewache und Riesenkrabben am Strand ebenso in Erinnerung wie die Formierung der bösen Armee in Regen und Dunkelheit.

„Mouse Guard: Herbst 1152“ ist ein bislang einzigartiges Lesevergnügen. Obwohl es im Fantasybereich wenig Neuland erschließt (ausgenommen die Verwendung von Mäusen, die wie Menschen agieren), ist die Verknüpfung von Wort und Bild als genial zu bezeichnen. Der Band kommt im quadratischen Hardcover daher und macht sich auch daher prächtig im Comicregal, wo er als echtes Highlight der letzten Jahre sicherlich einen Ehrenplatz erhalten sollte.

Von diesem Band ist außerdem eine auf 100 Exemplare limitierte Luxusausgabe erhältlich, sie enthält einen speziell dafür gezeichneten und von Petersen signierten Kunstdruck.

 

Mouse Guard 1: Herbst 1152
von David Petersen
20,5×20,5 cm, Hardcover, vierfarbig, 192 Seiten
Euro 24,90 – ISBN: 978-3-936480-55-9

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Mouse Guard 1: Herbst 1152 – Limitierte Ausgabe
von David Petersen
20,5×20,5 cm, Hardcover, vierfarbig, 192 Seiten
Euro 75,00

wunderbares Vergnügen

Abb. Mouse Guard © David Petersen und Cross Cult

Comicmovie Datenbank: Iron Man

ironmanteaserposter.jpgMit dem heutigen Kinostart von Iron Man beginnt die Saison der Sommer-Blockbuster. Erstmals hat Marvel Comics eine seiner Comicfiguren nicht in die Hände eines großen Hollywood-Studios begeben, sondern produzierte den Film eigenverantwortlich durch die eigene Produktionsfirma Marvel Studios. Die Figur des Tony Stark, Waffenhändler mit Alkoholproblemen, besetzte man mit Robert Downey Jr., der bekanntlich selbst über viel Erfahrung mit Hochprozentigem verfügt. Auch für die weiteren Rollen wurden mit Jeff Bridges, Gwyneth Paltrow und Terrence Howard etliche bekannte Gesichter verpflichtet.

Ob der Film hält, was die Besetzungsliste verspricht, verrät Daniel Wüllner in der Comicmovie Datenbank.

Das Comic-Duell 2008!

Das Comic-Duell 2008!Es hat sich erstmal ausgespackt – wir wollen sehen, was Ihr außer debil grinsenden Aliens und Saturday-Night-Helden sonst noch drauf habt!

Unseren diesjährigen Wettbewerb haben wir „Comic-Duell“ getauft. Er wird wieder neutral, feinfühlig und kompetent begleitet von den Spacken-bewährten Jurymitgliedern Eckart Breitschuh, Stefan Dinter und Ans de Bruin und besteht aus vier Runden: drei online und die letzte live auf dem Comic-Salon Erlangen (22.-25. Mai).

Jede Runde bekommt ihr eigenes Motto, zu dem ihr Cartoons, Illustrationen, Comicstrips oder auch, ganz im Trend der Zeit, Graphic Novels einreichen könnt. Wir sind da nicht kleinlich. (Kleiner Tipp: Herr Dinter hat im Vorgespräch betont, dass Comicstrips direkt mal einen Grundbonus von ihm bekommen.) Das jeweilige Motto wird immer erst zum Start der nächsten Runde ausgegeben.

In der ersten Runde werden aus allen Einsendungen zum Thema „Der böse Blick“ 16 Zeichner ermittelt, die weiterkommen (Update: Änderungen s. u). Ab dann folgen die Duelle: per Los werden immer zwei Zeichner ermittelt, deren Beiträge gegeneinander antreten. Die Sieger werden am Sonntagabend bekanntgegeben und kommen jeweils eine Runde weiter, bis am Ende noch vier Zeichner übrig bleiben. Aus ihren neuen Einsendungen ermittelt die Jury dann in Erlangen zuerst die Finalisten aus dem Halbfinale, dann im Finale den Sieger des Comic-Duells 2008!

Der Zeitplan und die Themen:

Runde Ort Teilnehmer Einsendeschluss Motto
1 Comicgate unbegrenzt 27.04, 10 Uhr Der böse Blick
2 Comicgate 10 04.05, 12 Uhr Damoklesschwert
3 Comicgate 8 11.05, 12 Uhr Geistesblitz
4 Comic-Salon,
22.05.08, ca. 21 Uhr
(nach ICOM-Independent-
Preisverleihung) im Rat-
haussaal
6 20.05, 17 Uhr Für eine Handvoll Dollar


Updates:

1.) Die ersten Einsendungen in der 1. Runde sind online: Der böse Blick

2.) Die Gruppeneinteilung steht fest, die Beiträge sowie die Bewertungen sind online – von den zehn Zeichnern (eigentlich elf, aber USa. wird nicht weiter teilnehmen), eingeteilt in zwei Gruppen, kommen nach der nächsten Entscheidung nur acht weiter; vier pro Gruppe.

3.) Acht Zeichner sind weitergekommen, nur vier können in die nächste Runde gelangen: die Gegner wurden ausgewürfelt,ihre Beiträge und die Bewertungen sind online.

4.) Aufgrund von zwei Unentschieden gelangen sechs anstatt nur vier Zeichner weiter. Ihre Beiträge zeigen wir nicht vor der Entscheidungsveranstaltung auf dem Comic-Salon in Erlangen, auch die Juroren bekommen sie nicht vorher zu Gesicht. Nach einer Schnellbegutachtung der Beiträge fallen zwei raus, vier Zeichner kommen weiter ins Halbfinale. Die Duellpaarungen dafür werden ausgewürfelt aus den verbleibenden Zeichnern, die Sieger duellieren sich im Finale.
Der Sieger ist ermittelt wurden! Alle Beiträge der letzten Runde sowie Fotos von der Liveentscheidung gibt es hier.

Presse:

Über das Comic-Duell 2008 wurde berichtet bei
Splashcomics (Video der Endausscheidung auf dem Comic-Salon 2008)
Comic.de
TU Chemnitz

Kleingedrucktes:

Wie schon von den Spackenwettbewerben gewohnt, so sei hiermit explizit betont, dass dies in erster Linie ein Spaßwettbewerb ist.
Das da oben zu unseren Entscheidern ist ironisch gemeint – die Jury fällt mitunter Urteile, die zartbesaiteten Künstlern nicht immer gefallen werden. Aber vorgeworfene Perlen erkennt sie schon, also strengt Euch an und zeigt's diesen Ungläubigen – ob gaga oder ernst, ob feinstsatirisch oder mit dem Holzhammer, ob zärtlich-romantisch oder wild!

  • Unsere drei Juroren Ans de Bruin, Stefan Dinter und Eckart Breitschuh sind, jetzt mal ernsthaft, allesamt erfahrene Zeichner mit diversen Publikationen im Comicbereich. Auch wenn manche von Euch es lieber glauben würden, dass die drei keine Ahnung haben – auch im fiesesten Kommentar von ihnen steckt vermutlich ein Körnchen Wahrheit. Man sollte es nur nicht in den falschen Hals bekommen
  • Zu gewinnen gibt es natürlich auch was:
    Ein Comicpaket mit von unserer Jury signierten Ausgaben von Argstein 1, Katie Cat, Der Schicksalsgnom und Spieltrieb 2 sowie die drei Ausgaben des Comicgate-Magazins.
    Und ein fantastisches Einzelstück, die Ehrenurkunde zum Hinhängen: ein Gemeinschaftswerk unserer drei Juroren – inklusive nach Ermittlung des Siegers eingezeichnetem Kopf, der hoffentlich seinem echten ein wenig ähnlich sieht (Ihr wisst: die Anwesenheit bei der Preisverleihung steigert die Gewinnchancen erheblich!)!
  • Hier noch die Rahmenbedingungen und das Kleingedruckte:
    Die Einsendungen sollten als jpg an duell2008(at)comicgate.de geschickt werden und max. 200 kb groß sein.
    In der ersten Runde könnt Ihr so viele Stücke einsenden, wie Ihr lustig seid.
    Sie werden online auf Comicgate mit Namen veröffentlicht. Künstlernamen sind natürlich erlaubt. Wir behalten uns vor, Bilder, die gegen aktuelles Recht verstoßen oder uns sonstwie nicht passen (z.B. alles, was FSK16 überschreitet, d.h. pornografisches und gewaltverherrlichendes Material), nicht online zu nehmen. Die Rechte verbleiben bei den Verfassern.
  • Und ein Hinweis: Bedenkt, dass Ihr je nach Erfolg bis zu vier Beiträge in vier Wochen erstellen müsstet. Überlegt Euch also, ob Ihr die Zeit dazu haben werdet. Das Duell lebt davon, dass die, die weiterkommen, auch neue Beiträge liefern.
    Sollte es mal zu einem Ausfall eines Zeichners kommen, dann kommt der Gegner automatisch in die nächste Runde.
  • Fragen könnt Ihr natürlich an die o.a. mail-Adresse oder aber in unserem Forum oder in der Diskussion im Künstler-Café stellen.
    Und interaktiv sind wir auch ganz doll: Wer eine Motto-Idee hat, egal ob Teilnehmer oder Leser, der reiche sie bitte ebenfalls an die angegebene mail-Adresse ein. Wer weiß, vielleicht ist sie so gut, dass wir unsere Ideen über Bord werfen!
  • Cover Panik Elektro 6Der Vorgänger-Wettbewerb „Der Goldene Spacken“ fand ja immer zum Thema der aktuellen Ausgabe der Anthologie Panik Elektro statt. Natürlich legen wir Euch auch dieses Jahr diese schöne Zeichner-Schau ans Herz, die von Wittek und Thomas Gilke mit viel Engagement zusammengestellt wird. Der sechste Band von Panik Elektro mit dem Thema „Donnerstag, 10.1.2008“ erscheint druckfrisch zum Comic-Salon in Erlangen am Stand von Schwarzer Turm (Stand 32)!

Storm 1 und 23

Cover Storm 1Nach längerem Hickhack hinter den Kulissen war Ende des vergangenen Jahres der Weg frei für die deutsche Version einer Gesamtausgabe der Abenteuerserie Storm, die urspünglich aus den Niederlanden stammt. Die Albenreihe lief von den späten 70er Jahren bis weit in die 90er und lebte vor allem vom detailreichen Artwork des englischen Zeichners Don Lawrence. Gute vier Jahre nach dessen Tod erscheint nun eine edle Neuauflage und gleichzeitig ein neues Album mit einem neuen Zeichnerteam.

Die Aufmachung, in der der Splitter Verlag diese Reihe als „Collectors Edition“ präsentiert, ist der feuchte Traum eines jeden Comicsammlers: Zum Überformat und dem soliden Hochglanz-Hardcovereinband (beides ist bei Splitter ohnehin Standard) kommt noch eine exzellente Druck- und Farbqualität (sämtliche Vorlagen wurden neu bearbeitet), ein beiliegender Druck auf Schmuckpapier und in jedem Band ein 16-seitiger Anhang, der im Stil von DVD-Extras reichlich Hintergrundinformationen, Skizzen, Illustrationen und Fotos enthält. Mit dieser Ausstattung zu einem ordentlichen Preis setzt Splitter einen Maßstab für edle Alben-Veröffentlichungen.

Zum Auftakt der Storm-Edition, in der die komplette Serie neu aufgelegt werden soll, erschienen gleichzeitig der erste Band aus dem Jahr 1977 sowie ein völlig neues Abenteuer. Der erste Band „Die tiefe Welt“ erzählt davon, wie der Held Storm, eigentlich ein Astronaut, in die Fantasy-Welt gelangt, in der die Geschichten spielen. Offenbar ist Storm nach einem Trip zu einem kosmischen Wirbelsturm wieder auf der Erde gelandet, die sich aber viele Jahre in der Zukunft befindet. Seite aus Storm 1Es ist allerdings keine futuristische Hightech-Erde, sondern eher das Gegenteil, eine archaische Welt ohne Autos, Flugzeuge und Computer, bevölkert von Barbaren. Der Story ist deutlich anzumerken, dass sie vor mittlerweile knapp 30 Jahren entstanden ist. Inhalt und Erzähltechnik wirken inzwischen doch recht angestaubt. Vor allem die Tendenz, dass in Captions und Sprechblasen ständig erklärt wird, was man ohnehin in den Bildern sieht, lassen den Comic etwas altbacken wirken. Wer aber auf simple Pulp-Geschichten mit nostalgischem Charme steht, den wird das sicher nicht stören.

Das Hauptverkaufsargument für Storm sind ohnehin nicht so sehr die Geschichten, sondern das Artwork von Don Lawrence, der mit seinen Zeichnungen für die Serie Maßstäbe gesetzt hat. Seine Bilder, mit unheimlich feinen, farbigen Pinselstrichen gemalt, sind extrem detailreich und wirken sehr plastisch. Dass der Storm von 1977 mit seinem Felljäckchen und der Schmalzlocke aus heutiger Sicht nicht allzu cool wirkt, liegt in der Natur der Sache.

Cover Storm 23 Behutsam modernisiert findet man Storm und seine Mitstreiter dagegen im gleichzeitig erschienenen Band 23. Der entstand 2007, drei Jahre nach dem Tod des großen Don Lawrence. Die holländischen Verleger suchten ein neues Zeichnerteam, das den Mut hatte, in dessen Fußstapfen zu treten, und fanden Romano Molenaar, der bislang vor allem als Zeichner für TopCow-Serien wie Witchblade und The Darkness in Erscheinung getreten ist. Seine Bleistiftzeichnungen werden von Jorg de Vos koloriert. Vor allem de Vos bemüht sich dabei, dem Stil von Don Lawrence treu zu bleiben, was ihm auch bemerkenswert gut gelingt. In Sachen Panel-Layout und Figurendesign bleibt das neue Team zwar eng am klassischen Vorläufer, trotzdem wirkt ihr Artwork im direkten Vergleich mit dem 30 Jahre älteren Comic deutlich frischer und zeitgemäßer.

Seite aus Storm 23 Als Autor sorgt Storm-Erfinder Martin Lodewijk für Kontinuität. Wie man im Anhang erfährt, war die neue Geschichte „Der Nabel des doppelten Gottes“ explizit als „altmodisches“ Storm-Abenteuer geplant. Das ist sie auch geworden; neu erfunden wird hier gar nichts, stattdessen gibt es solide erzählte Unterhaltung in einer fantastischen Welt. Wie zu Don Lawrence' Zeiten setzt man eher auf grafische Opulenz und detailreiches Artwork als auf raffiniertes Storytelling und originelle Geschichten. Storm 23 ist keine Neuerfindung für ein neues Publikum, sondern die Fortführung einer Tradition, die sich an eine älter gewordene Leserschaft richtet, die den Helden seit ihrer Jugend liebt.

Dass dieses Konzept bei der Zielgruppe ankommt, zeigen die guten Absatzzahlen und die begeisterten Reaktionen, die der Splitter-Verlag in seinem Forum erntet. Der Doppelpack mit beiden Bänden, der vom Verlag zum Start der neuen Reihe angeboten wurde, war ruckzuck ausverkauft.

Was die Aufmachung angeht, gehört diese Albenreihe sicher zum Besten, was derzeit auf dem Markt ist. Auch zeichnerisch bekommt man hohe Qualität geboten. Ob die simplen Abenteuergeschichten dem äußeren Rahmen gerecht werden, muss jeder selbst beurteilen. Nostalgiker und Freunde des Barbaren-Genres werden sicherlich weit mehr Freude an Storm haben als Leser, die nach innovativen und originellen Stoffen suchen.

Storm 1: Die tiefe Welt
Splitter
, März 2008
Szenario: Philip „Saul“ Dunn
Zeichnungen: Don Lawrence
Hardcover; farbig; 64 Seiten; 15,80 Euro
ISBN: 978-3940864468

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Storm 23: Der Nabel des doppelten Gottes
Splitter
, März 2008
Szenario: Martin Lodewijk
Zeichnungen: Romano Molenaar, Jorg de Vos
Hardcover; farbig; 64 Seiten; 15,80 Euro
ISBN: 978-3940864741


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Leicht altbackene Stories in großartiger Verpackung

Bildquelle: splitter-verlag.de

Rex Mundi 3 – Die verlorenen Könige

 Rex Mundi ist historischer Unsinn von der ersten bis zur letzten Seite. Allein die Idee, bestimmte historische Ereignisse hätten einfach nicht stattgefunden, ist vollkommen absurd. Als Beispiele seien nur die Reformation und die Französische Revolution genannt. Beide haben in dem Mystery-Comic von Arvid Nelson und Eric J keinen Platz. Dabei gibt es genug Untersuchungen, die zeigen, dass beide Ereignisse strukturelle Ursachen hatten, also keine Zufälle waren, sondern zwangsläufig geschehen mussten, so oder so. Es sind Weichenstellungen in der europäischen Geschichte, die nicht so einfach gestrichen werden können, ohne heftigen Unglauben zu hervorzurufen.

Im Fahrwasser ihrer fundamentalen Eingriffe entfalten Autor und Zeichner ein Europa des Jahres 1933, das es nie gab: Die katholische Kirche ist noch immer mächtig, das Heilige Römische Reich existiert noch immer und die Iberische Halbinsel wird noch immer von Moslems beherrscht. Das Ganze mischt sich dann mit historischem Bruchwerk anderer Epochen: Ein Vielvölkerstaat auf dem Balkan sorgt für Unruhe, die Nationalstaaten (hier mit Fokus auf Frankreich) formulieren selbstbewusst-rüpelhaft ihre Weltmachtansprüche und mittendrin betritt Winston Churchill plötzlich die Spielfläche der internationalen Politik. Das Ganze liest sich wie die Collage eines Kindes, das seine liebsten Versatzstücke der europäischen Politikgeschichte genommen und neu arrangiert hat, ohne Rücksicht auf Verluste.

 In dieser Welt lebt Doktor Julien Saunière, Arzt, Wahrheitssuchender und Hauptfigur von Rex Mundi. Seit sein Freund Pater Marin ermordet wurde, hat sich Saunière immer tiefer in einem Ränke- und Intrigenspiel verlaufen, das bis in die höchsten Häuser Frankreichs hinaufreicht. Aber er gibt nicht auf. Er will die Wahrheit herausfinden. Er will wissen, wer seinen Freund getötet hat und was der Grund dafür war. Die Wurzeln der Ereignisse reichen bis weit zurück in die Vergangenheit, als die Merowinger von den Karolingern vom Thron gestoßen wurden, vielleicht sogar noch weiter, bis zur Kreuzigung Christi. Hat die Kirche Dreck am Stecken? Ist Louis XXII. der rechtmäßige König von Frankreich? Ist der Heilige Gral ein Gefäß oder etwas anderes? Fragen über Fragen, die im zweiten Band von Rex Mundi für reichlich Verwirrung sorgten. Im dritten Band werden einige davon beantwortet, insbesondere was es mit dem Wahlspruch der Familie Lorraine, „Et in arcadia ego“ auf sich hat.

Es muss leider einmal gesagt werden: Die Zeichnungen von Rex Mundi könnten besser sein. Eric Js Leistung bei der Entwicklung der Serie in allen Ehren, aber seine Figuren wirken hölzern, anatomisch nie ganz korrekt und immer dann um einige Jahre zu alt, wenn der Schattenwurf im Gesicht mal wieder nicht richtig funktioniert hat. Die Ausstattung seiner Bilder kommt ebenfalls etwas sperrig daher. Viele gerade Linien wirken wie mit dem Lineal gezogen. Zum Glück tut sich in dieser Hinsicht etwas. Rex Mundi – zuerst bei Image, dann bei Dark Horse – wechselte im Laufe der Jahre nicht nur den Verlag, sondern auch den Zeichner. Insgesamt haben drei davon an dem aktuellen Band mitgearbeitet: Eric J (Kapitel 1 und 2), Jim di Bartolo (Kapitel 3 und 4) und Juan Perreyra (Kapitel 5 und 6). Ob der Wechsel von Eric J zu Bartolo wirklich eine Verbesserung war, sei einmal dahingestellt. Viel tut sich da nicht. Immerhin sitzt gegen Ende bei Perreyra die Anatomie der Figuren, wenngleich er mit seinem glatten Strich den Superhelden gefährlich nahe kommt. Wäre Rex Mundi ein deutscher Comic, ich hätte mir Reinhard Kleist, Piwi oder Isabel Kreitz als Zeichner gewünscht.

 Aber das Artwork ist ja nicht alles. Der grafische Teil von Rex Mundi funktioniert, trotz der hier genannten Schwächen, ist aber kein Höhenflug. Inhaltlich sieht es dagegen schon anders aus. Wie bereits angedeutet, müsste eigentlich jeder Leser die Geschichte nach wenigen Seiten aus der Hand legen. Historischer Unsinn von der ersten bis zur letzten Seite. Aber unglaubwürdig? Arvid Nelson entwirft in Rex Mundi eine alternative Realität, die so detailliert und weit gedacht ist, dass der Leser sie glaubt. Er hat nicht einfach nur Ereignisse aus der Geschichte ausgeschnitten, sondern er hat sie ersetzt, modifiziert und umgewandelt, um die entstandenen Lücken zu schließen. Man hat den Eindruck, dass es bei Rex Mundi ein vollständig entwickeltes politisches System gibt, sowohl die Innen- als auch die Außenpolitik Frankreichs betreffend. Geschichte, Religion und das politische Tagesgeschehen gehen fließend ineinander über, ohne konstruiert zu wirken. Nelson hat bei seiner Collage aus historischen Versatzstücken ordentliche Arbeit geleistet. Vermutlich wollte er seinen Lesern mehr bieten, als einen eilig dahingeschriebenen Abklatsch von Dan Browns Da Vinci Code.

Wer Rex Mundi in Ruhe genießt und nicht schnell durchblättert wie einen Superhelden-Comic, wird schnell in eine fabelhaft ausgedachte Welt eintauchen, die unserer ganz ähnlich ist. Und dort bekommt er die Gelegenheit, etwas zu begreifen: Dass nämlich trotz aller strukturellen Vorbedingungen der Mensch immer noch der Herr seines eigenen Handels ist. Nichts muss zwangsläufig geschehen, es gibt nur bestimmte Wahrscheinlichkeiten. Reformation, Französische Revolution… Eine Menge von dem, was heute Vergangenheit ist, stand nicht von vornherein fest, sondern war das Resultat von Entscheidungen. Und hier kommt Rex Mundi plötzlich in der Gegenwart an. Denn über die Zukunft entscheiden wir — jetzt.

Rex Mundi 3 – Die verlorenen Könige
Ehapa Comic Collection ,November 2007
Text: Arvid Nelson
Zeichnungen: Eric J, Jim di Bartolo, Juan Perreyra
Originalausgabe: Rex Mundi #12-17 (Image, Sept 2004 – März 2006)
176 Seiten; Hardcover; vierfarbig; 20 Euro
ISBN 9783770431724

Toller Kirchen-Thriller

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Interview mit Marc Hempel (OmU)

Wir bieten Euch das Interview im Original auf Englisch und übersetzt auf Deutsch an.

Für das Originalinterview bitte hier klicken – please click here for the English version.

Comicgate: Du hast Gregory vor über zehn Jahren erschaffen. Was ist das für ein Gefühl, wenn du diese Figur heute betrachtest?

Marc Hempel (c) José Villarrubia at insightstudiosgroup.com Marc Hempel: Eigentlich ist es sogar fast 20 Jahre her, als ich die Arbeit am ersten Buch begann! Gregory ist eins meiner „Kinder“, und ein sehr besonderes … also wird er mir immer nahe am Herzen liegen.

CG: Offensichtlich ist Gregory ein Kind, trotzdem wird sein Alter, sein Hintergrund an keiner Stelle erwähnt; demnach ist er gewissermaßen ein anonymes menschliches Wesen. Gab es einen besonderen Grund, Gregory so zu erschaffen, wie er ist, oder war die Idee eines Kindes mit dreieckigem Kopf in Zwangsjacke einfach Teil deines Planes, den Wahnsinn auf die Spitze zu treiben?

MH: Gregory trat das erste mal in der ursprünglichen Version von „It’s Spring!“ auf, damals noch als größerer, schlaksigerer Erwachsener (mit runderem Kopf). Das war ca. 1987 in Honk!, einem humoristischen Magazin von Fantagraphics. Ich mochte die Story und die Figur an sich, aber über diesen Auftritt hinaus gab es keine weiteren Pläne. Aber ich war dadurch mit dem Charakter vertraut genug, um weitere Storys für ihn zu schreiben und ihn auch optisch weiter zu entwickeln. Über die Zeit wurde er kleiner, runder und süßer, weil ich merkte, dass das Gefühl von Geringschätzung und Machtlosigkeit in dieser Form am besten rüberkommt.

Seite aus Gregory 1CG: War es von Anfang an deine Absicht, Herman Vermin komplette Kapitel und Stories zu widmen, in denen Gregory kaum eine Rolle spielt, oder entwickelte sich die Figur dahingehend?

MH: Herman wurde erst ein paar Storys nach Beginn entwickelt und war als zynischer, bitterer Kontrapunkt zu Gregorys unschuldigem Wesen gedacht. Zum Spaß entschied ich, dass der zweite Band ein alleiniges Herman-Projekt werden sollte (oder beinahe zumindest …). Aber hauptsächlich ist er dazu da, um als Gregorys Sidekick zu fungieren.

CG: Es scheint, als wäre dein Interesse in manchen Episoden mehr an Herman Vermin als an Gregory gelegen. Oder an der Darstellung der Außenwelt. Wie wichtig ist Gregory überhaupt für die Erzählungen?

MH: Nun, als ich zu den späteren Storys kam, gingen mir die Ideen für einen einfachen, fast stummen Charakter aus … Also interessierte ich mich mehr für Herman und Wendell, die tatsächlich in der Lage sind, miteinander zu interagieren … und für Geschichten über Familienkonflikte und komplexere Beziehungen. Hätte ich je ein fünftes Gregory-Buch gemacht, wäre es durchaus möglich gewesen, dass Gregory selbst darin gar nicht aufgetaucht wäre! Nachdem ich für Sandman gezeichnet hatte, widmete ich mich im Anschluss meiner nächsten „Familie“, Tug & Buster.

Seite aus Gregory 2CG: In der zweiten deutschsprachigen Ausgabe findet sich ein Beitrag, den du dafür erstmals koloriert hast. Gregory erforscht darin die Welt außerhalb der Anstalt. Bist du zufrieden mit dem Ergebnis? Glaubst du, dass die Serie komplett in Farbe für dich und die Leser hätte funktionieren können?

MH: Genau so sollte die Story „Out“ von Anfang an sein — also ja, ich bin ziemlich zufrieden mit dem Ergebnis. Damals, das war 1993, wollte DC die Kosten für den Farbdruck nicht übernehmen (obwohl sie zuvor zustimmten), also erschien stattdessen eine recht witzlose s/w-Version der Story. Die war zwar immer noch lesbar, aber die teilweise Kolorierung, die ursprünglich geplant war, sollte eben den wichtigsten Punkt der Geschichte ausmachen – um die Unterschiede zwischen Gregorys subjektiver Wahrnehmung der Außenwelt und der Realität zu unterstreichen. Nun, es hat 14 Jahre gebraucht, aber jetzt liegt „Out“ endlich so vor, wie es sein sollte (zumindest für die glücklichen Leser der deutschsprachigen Ausgabe).
Gregory komplett farbig? Ich wüsste nicht warum, da es das Material nicht witziger oder pointierter machen würde. In Gregorys trister, kleiner Welt gibt es sowieso nicht viel Farbe … also für mich wäre das nur unnötige visuelle Information. Zudem könnte man sagen, dass diese Art von Humor in einer schlichteren s/w- Anordnung besser funktioniert.

Seite aus Gregory 2CG: Ich hab gelesen, dass Gregory in gewisser Weise autobiografisch ist. Inwieweit stimmt das Gefühl der Isolation und des Unverständnisses der Figur mit deiner persönlichen Kindheitserfahrung überein? Welche Teile deines Lebens finden sich in den Büchern wieder?

MH: Ich hatte eine traumatische Kindheit, die bewirkte, dass ich gegenüber anderen Menschen sehr zurückhaltend und misstrauisch bin. Und ich habe seitdem mit geringem Selbstbewusstsein und einem Gefühl der Machtlosigkeit zu kämpfen. Gregory (das Buch und die Figur) ist ein Ausdruck dieser Gefühle … von der Angst vor der Außenwelt und der inneren Freude, die das Leben auch unter den schwierigsten Umständen lebenswert macht.

Seite aus Gregory 2CG: Wie reagierten die Menschen in den USA auf Gregory?

MH: Das erste Buch bekam viele überschwängliche Kritiken – und die Verkäufe waren auch nicht schlecht (zwei Auflagen mit insgesamt 25.000 Exemplaren). Es war außerdem nominiert für ein paar Eisner- und Harvey-Awards. Die nachfolgenden Ausgaben waren hinsichtlich der Verkaufszahlen nicht ganz so erfolgreich … aber insgesamt war die Resonanz auch in den darauf folgenden Jahren extrem positiv, was natürlich sehr erfreulich ist. Ich meine, an wie viele Comics von 1989 erinnern sich die Leute mit derartiger Wertschätzung, wenn sie sich überhaupt an welche erinnern können?

CG: Ist dir irgendein Projekt bekannt, das sich mit Gregory vergleichen ließe? Vielleicht außerhalb der Comics?

MH: Hmm … Gregory ist einzigartig, vermutlich weil ich selbst einzigartig bin. Ich bin mir sicher, dass es andere Künstler gibt, die ihre persönliche Realität mittels Parabeln und Symboliken ausdrückten … aber mir fiele nichts ein, was sich mit Gregory exakt vergleichen ließe. Meine Einflüsse sind Comicstrips wie Peanuts, Pogo und Barnaby… man kann also Elemente von Gregory in diesen frühen Werken wiederfinden, obwohl darin zugegebenermaßen die intensive persönliche Komponente nicht diesen großen Stellenwert einnimmt.

www.cross-cult.de (Verleger der deutschsprachigen Gregory-Bände, mit Infos und Leseproben)

Marc Hempels MySpace-Seite (englisch)

ausführliche Hempel-Biografie (englisch)

Bibliografie (englisch)

Foto Marc Hempel (c) José Villarrubia at insightstudiosgroup.com
Bildquellen: cross-cult.de
Gregory ist © von Marc Hempel und Cross Cult (dt. Ausgabe)

 

 

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Comicgate: You created Gregory more than ten years ago. How do you feel if you look at this character today?

Marc Hempel (c) José Villarrubia at insightstudiosgroup.com Marc Hempel: Actually, it's been nearly twenty years since I started work on the first book! Gregory is one of my „children,“ and a very special one… so he'll always be close to my heart.

CG: Obviously, Gregory is a little kid, although his age and his background aren't mentioned at all, so he's like an anonymous human being. Was there any special reason for creating Gregory as he is or was a kid with a triangular head in a straitjacket just part of an attempt to push the madness as far as you can?

MH: Gregory began life in the first version of „It's Spring!,“ as a taller, lankier adult (with a rounder head). This was in Honk!, a Fantagraphics humor magazine, ca. 1987. I liked the story and then-nameless character, but there were no plans to go beyond this one appearance. Well, I was drawn to the character enough to write more stories for him, and also to develop him visually. He became smaller, rounder, and cuter over time, as I felt he expressed smallness and powerlessness better in that form.

page from Gregory 1 (German version) CG: Was it your intention from the beginning to write complete chapters and stories about the rat Herman Vermin and nearly without Gregory or was the character still in progress?

MH: Herman was created a few stories later, and was intended to be the cynical, acerbic counterpoint to Gregory's innocence. For the fun of it, I decided to make book two an all-Herman project (or mostly, anyway) … but he's mainly there to function as Gregory's sidekick.


CG: To me, it seems that in some episodes you were more interested in Herman Vermin, and in the outside world, respectively,
than in Gregory. How important is Gregory for the stories, anyway?

MH: Well, by the time I got to the later stories, my ideas for a simple, non-verbal character were running out … so I became more interested in Herman and Wendell, who could actually interact … and in writing stories about family conflicts and more complex relationships. There's a good chance that, had I ever done a fifth book, Gregory himself may not have even appeared! Thusly, after drawing The Sandman, I moved on to my next „family“ of characters, in Tug & Buster.

page from Gregory 2 (German version)CG: There is a story you colored exclusively for the second German book in which Gregory discovers the world outside the asylum. Are you content with the result? Do you think coloring all stories of Gregory would had worked for you and the readers?

MH: This is how the story „Out“ was intended to appear–so, yes, I was quite happy with the results. Back in 1993, DC Comics wouldn't foot the bill for the color printing (after initially agreeing to do so), so a somewhat pointless black and white line version appeared instead. While it was still readable, the planned partial coloring was the main point of the story–there to underscore the differences in Gregory's subjective perception of the outside world versus xobjective reality. Well, it took fourteen years, but „Out“ finally works the way it's supposed to (for lucky German readers, anyway).
A full color Gregory? I don't see the point, as it wouldn't make the material any funnier or more poignant. And there's not much color to Gregory's drab little world, anyway … so, to me, it would just be gratuitous visual information. Also, arguably, this type of humor tends to work better in a simpler, black and white treatment.

page from Gregory 2 (German version)CG: I've read Gregory is in some way autobiographical. How did the isolation and the misunderstanding of the character agree with your own child-experience? Which parts of you can be found in the books?

MH: I had a traumatic childhood which resulted in me becoming very withdrawn and mistrusting of people. And I've struggled with low self-esteem and feelings of powerlessness ever since. Gregory (both the book and character) is an expression of those feelings … of fear of the outside world, and of the inner joy that makes life worth living even under the worst of circumstances.

page from Gregory 2 (German version)CG: How are the reactions on Gregory in the United States?

MH: The first Gregory book received a lot of rave reviews–and healthy sales as well (two printings totalling 25,000 copies). It was also nominated for a few Harvey and Eisner Awards. The subsequent volumes didn't do quite as well in terms of sales … but overall the reaction has been extremely positive in the ensuing years, which of course is very gratifying. I mean, how many comics from 1989 are fondly remembered, or even remembered at all?

CG: Is there any kind of project you know that is like Gregory? Not necessarily a comic…

MH: Hmm … Gregory is unique, mainly because I'm unique. I'm sure there are other creators who have expressed their inner realities via parables and symbolism … but nothing comes to mind that resembles Gregory in any significant way. My influences include comic strips like Peanuts, Pogo, and Barnaby … so you can see elements of Gregory in those earlier works, though (arguably) without the intensely personal focus.

RELATED LINKS:

cross-cult.de (publisher of the German version of Gregory, including example pages for book 1 and 2)

Marc Hempel on MySpace

Marc Hempel's biography

Bibliography

picture of Marc Hempel (c) José Villarrubia at insightstudiosgroup.com
image sources: cross-cult.de
Gregory is © Marc Hempel, and Cross Cult (German version)