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DC Premium 60: Joker

Es ist ja in Zeiten, da Comicverfilmungen boomen, keine Seltenheit, dass etablierte Figuren quasi ein Neudesign erhalten und sich auch im Comic der Kinoversion anpassen. Meistens beschränkt sich dies jedoch auf das Äußere – man denke an die X-Men in schwarzen Latexkostümen oder den neuen Dr. Octopus ohne Topfschnittfrisur. Und meist wird solch eine Änderung auch schnell wieder rückgängig gemacht und das altbewährte Design kehrt schleichend zurück.

Im Falle von Brian Azzarellos und Lee Bermejos Comic mit dem schlichten Titel Joker, für das der Erzfeind Batmans das aus The Dark Knight bekannte Aussehen erstmalig auch in Comicform verpasst bekommt, fragt man sich eher: Warum hat man im Comic nicht schon immer auch diesen Joker verwendet? Denn Azzarello gelingt es tatsächlich, den Wahnsinn des psychopathischen Verbrechers so in seine Geschichte zu transportieren, wie ihn Heath Ledger im Kino verkörpert hat. Die Story kommt fast komplett ohne Batman aus. Aus der Perspektive von Jokers neuestem Handlanger wird erzählt, wie der aus Arkham entlassene Clown sich seine Stadt zurückerobern will. Gestik, Mimik, die ganze unberechenbare Irrationalität der Figur ist brillant aus dem Film übertragen und in spektakulären Bildern von Bermejo umgesetzt worden. Nebenbei werden auch noch andere Schurken, die hier einen Auftritt absolvieren, optisch aufgepeppt und so nebenbei (auch vom ganzen Auftreten) ein Stück realistischer gemacht.

DC Premium 60 – Joker
Panini Comics, April 2009
124 Seiten, farbig
SC: 16,95 Euro; HC: 25,- Euro

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100% Marvel 40: Die Zwölf 1

 So muss eine gut erzählte Superheldenstory sein. J.M. Straczynski (Rising Stars, Thor) und Chris Weston (The Invisibles, The Filth) erwecken eine Gruppe von zwölf Superhelden des Golden Age erneut zum Leben und das gleich im wahrsten Sinne des Wortes, denn die unbekannten Kostümträger wurden von Nazis während des Zweiten Weltkrieges tiefgefroren und jetzt, 60 Jahre später werden sie von der US-Regierung aufgetaut und erneut in den Kampf um ihr Vaterland geschickt.

Dass hierfür frische, unverbrauchte, teils skurrile Charaktere zu Tage gefördert wurden, tut dem Zwölfteiler, dessen erste Hälfte in diesem Band abgedruckt ist, durchaus gut, denn die Erforschung der einzelnen Gruppenmitglieder, ihrer Psychosen, Einstellungen und Hintergründe macht einfach Spaß und wird einem von Straczynski eindrucksvoll nähergebracht. Zudem zeichnen sich Westons Bilder sowohl durch Detailtreue als auch durch einen nostalgischen Charme aus. Alles in allem ein Zweiteiler, der aus der aktuellen Marvelschiene herausragt. Auf die Fortsetzung wird man allerdings noch warten müssen, da die Serie in den USA nach dem neunten Heft für unbestimmte Zeit pausieren musste.

100% Marvel 40: Die Zwölf 1

Panini Comics, Februar 2009
148 Seiten, farbig, SC
Preis: 16,95 Euro

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Comicgate gewinnt ICOM Independent-Comic-Preis

 Eine freudige Nachricht! Am Samstag wurde auf dem Münchner Comicfestival zum 16. Mal der ICOM Independent-Comic-Preis verliehen, der vom Interessenverband Comics vergeben wird. Wir hatten bei der Jury wie in den Vorjahren auch das aktuelle Comicgate-Magazin eingereicht und gewannen mit der dritten Ausgabe den Preis in der Kategorie Sonderpreis der Jury für eine besondere Leistung oder Publikation. Zitat: „[…] den Sonderpreis erhält Comicgate in erster Linie für seine Nachwuchsförderung.“
Wir sind überrascht, stolz und glücklich über diesen Preis, den wir auch als Anerkennung für die mittlerweile neunjährige Existenz unseres Online-Magazins verstehen und als Ansporn, dieses fortzusetzen. Vielen Dank – insbesondere an unsere Redakteure und alle teilnehmenden Künstler im Print und Web, ohne die wir die Comicgate-Magazine und die Website nicht mit Leben füllen könnten!

Hier die Laudatio der Jury im Wortlaut:

 

Comicgate kann mit seiner Website auf eine bereits 8-jährige Internetpräsenz zurückblicken. Parallel erscheint seit 2006 einmal jährlich das Comicgate-Magazin.
Sowohl im Netz als auch auf gedrucktem Papier gelingt es dem Comicgate-Team anhand von zahlreichen Artikeln, Interviews und Hintergrundberichten, den Leser mit einer Fülle von interessanten Informationen rund um das Thema Comic und den Comicmarkt zu füttern.

Die Urkunde Aber den Sonderpreis erhält Comicgate in erster Linie für seine Nachwuchsförderung. Denn neben den Beiträgen kann das Comicgate-Magazin eine beachtliche Anzahl von Comic-Kurzgeschichten vorweisen, mehrheitlich aus der Feder von Newcomern, von denen einige noch keine Veröffentlichung vorweisen konnten. Hier trifft man auf Künstlernamen wie „Lapinot“, Sarah Burrini, David Füleki, Martin Hoffmann und Renatus Töpke. Einige Namen sind bekannt, andere weniger. Und wem das nicht genug ist, der darf auf der Internetseite von Comicgate die Webcomics anklicken und gleich weiterlesen.

Alle Verantwortlichen wie Frauke Pfeiffer und Thomas Kögel arbeiten nur in ihrer Freizeit am Comicgate-Projekt. Und dass ihnen der deutsche Comic am Herzen liegt, kann man besonders daran erkennen, dass ihnen von vielen der vielversprechenden Talente so viel Vertrauen entgegengebracht wird – unter anderem auch vom aktuellen ICOM-Preisträger „Lapinot“. Daher ist eine rein idealistische Förderung der deutschen Zeichner-Szene als tragendes Vorbild mehr als sonderpreiswürdig.
Nicole Klementz

 

Fotos von unserer Preisübergabe (Hui, ein Scheck!) und aller Gewinner.

 

Die weiteren Preisträger:

Bester Independent-Comic: Die sechs Schüsse von Philadelphia von Ulrich Scheel (Reprodukt)

Bester Kurzcomic: Raues Sitten von Leo Leowald (Reprodukt)

Herausragendes Szenario: Tara oder Der Marterpfahl, der Leben heißt von Spong (Katzenjammer Verlag)

Herausragendes Artwork: Der Schicksalsgnom von Robert Mühlich und Bastian Baier (Zwerchfell Verlag)

Sonderpreis der Jury für eine bemerkenswerte Comicpublikation: Orang 7, herausgegeben von Sascha Hommer (Reprodukt)

Lobende Erwähnungen: Fashionvictims, Trendverächter (Ulli Lust, avant verlag)
Kommissar Eisele – Kripo Stuttgart (Martin Frei, Gringo Comics),
Paralleluniversum – Urknall  (Ivo Kircheis, Beatcomix)
Schalke – Helden von ganz unten (Michael Vogt, Konturblau)

Comicgate-Laudatio hier, und die kompletten Informationen zum ICOM-Preis 2009 gibt es hier. Einen Filmmitschnitt der Preisverleihung kann man sich bei Splashcomics ansehen.

Comicgate auf dem Comicfestival München

 Von Donnerstag, dem 11. Juni bis Sonntag, dem 14. Juni, findet wieder das alle zwei Jahre veranstaltete Comicfestival in München statt, direkt im Herzen der Stadt: im alten Rathaus am Marienplatz (und ein paar anderen Locations in der Nähe). Seit dem vorletzten Festival 2005 ist eine Verlagsmesse das Herzstück der Veranstaltung, wo zahlreiche größere, kleinere und winzige Verlage ihre neuesten Comics vorstellen und ihre Zeichner signieren lassen. Dazu gibt’s Ausstellungen, Vorträge undsoweiter. Comicgate ist mit einem eigenen Stand auf der Messe vertreten und bringt druckfrisch das neue Comicgate-Magazin Nr. 4 mit. Außerdem berichten wir vom Festival und experimentieren dabei mit dem aktuellen Hype der Stunde: mit Twitter.

Soweit es uns möglich ist, werden wir uns regelmäßig mit Twitter-Kurznachrichten vom Comicfestival melden. Immerhin sind wir mit sechs, wenn nicht sogar sieben Redakteuren dort anwesend! Diese „Tweets“ könnt ihr entweder direkt in dem Kasten hier auf der Seite lesen oder auf unserem Twitterprofil twitter.com/Comicgate. Wer selbst bei Twitter angemeldet ist: Wir freuen uns natürlich über Follower!
Damit Ihr die Beiträge zuordnen könnt, wird der jeweilige Ersteller – insofern das die begrenzenden 140 Zeichen zulassen – seine Initialen hinterlassen.
Wir sind gespannt auf das Ergebnis des Experiments – und wie es bei Euch ankommt!

Violetta 3 & 4

Violetta 3 Die ersten beiden Alben der französichen Serie Violetta erschienen 2003 beim Carlsen Verlag, danach war erstmal Schluss, obwohl im Original inzwischen fünf Bände vorliegen. Ein Fall für den Finix Comic Club, der genau zu diesem Zweck gegründet wurde: Comicreihen, die in Deutschland nicht fortgeführt wurden, abzuschließen. Neben einigen ernsthafteren und „erwachseneren“ Stoffen, die Finix veröffentlicht, ist Violetta im Funny-Stil gehalten und richtet sich (auch) an jüngere Leser.

Die Heldin der Serie ist ein kleines Mädchen mit der besonderen Gabe, die Gedanken anderer Menschen lesen zu können. In den ersten beiden Alben verschlägt es sie auf der Suche nach ihrem verschollenen Vater nach Afrika, wo sie dazu beiträgt, eine Diktatur zu stürzen. Ihren Vater konnte sie jedoch noch nicht finden. Hier setzt der dritte Band, Die Eisenkralle, ein: Violetta setzt ihre Spurensuche fort und es gelingt ihr endlich, ihren Vater aufzuspüren. Doch diverse zwielichtige Gestalten sind aus unterschiedlichen Gründen hinter ihr her. Als Neuleser, der erst hier einsteigt, tut man sich anfangs ein bisschen schwer, findet aber schließlich doch bald ins Geschehen hinein, so dass man das Album durchaus auch lesen kann, wenn man die ersten beiden Teile nicht kennt.

Violetta 4Der vierte Band Höhle des Vergessens besteht dann zu großen Teilen aus Rückblenden, in denen wir die Vorgeschichte von Violettas Vater erfahren, was sowohl Vater als auch Tochter zusätzliche Tiefe verleiht. Zum anderen geht es um den Wettlauf zu einer Kupfermine, die große Reichtümer verspricht, was natürlich allerlei gierige Herrschaften auf den Plan bringt. Begleitet wird Violetta dabei stets von der kleinen weißen Maus Belphegor und dem trotteligen Medizinmann Kombo, der einen etwas plumpen, aber lustigen Sidekick abgibt.

Autor Tronchet schreibt ein sehr lebendiges Abenteuer, das vor allem von seiner sympathischen Hauptfigur lebt. Jüngere Leser dürften viel Freude an den aufregenden Geschichten haben, und auch für Erwachsene ist Violetta unterhaltsamer Stoff. Letztere könnten sich aber durchaus an manchen Aspekten stören: Aufbau und Lösung der diversen kleinen Hindernisse in Violettas Heldenreise sind manchmal arg simpel geraten, die Bösewichte sind eindimensional und die bedrohliche „Eisenkralle“, die dem dritten Band den Titel gibt, ist ein eher lächerliches Schurken-Werkzeug. Außerdem hat die Darstellung des senilen Medizinmanns Kombo mit Lendenschurz, Knochen im Haar und „Kombo nicht gehen wollen“-Sprache einen unangenehm rassistischen Beigeschmack.

Seite aus Violetta 4Gezeichnet ist die Serie in einem schwungvollen, modernen Funny-Stil, wobei der Zeichner mitten im dritten Band wechselt: Fabrice Tarrin wird von Jean-Marc Krings abgelöst. Dessen Zeichnungen sind nicht ganz so dynamisch wie die seines Vorgängers, sind diesem aber so ähnlich, dass der Zeichnerwechsel im Grunde kaum auffällt.

Sehr zu loben ist schließlich die Aufmachung der Softcover-Alben, die vom Papier bis zu Übersetzung und Lettering absolut hochwertig ist. Man merkt diesen Comics keinesfalls an, dass sie von Nicht-Profis produziert wurden. Für den abschließenden fünften Band hat Finix übrigens ein besonderes Schmankerl für Sammlerherzen angekündigt. Dieser wird zusätzlich 20 Seiten eines nicht-vollendeten sechsten Teils enthalten, die selbst in Frankreich bisher unveröffentlicht sind.

Violetta
Finix Comics

Text: Tronchet
Zeichnungen: Fabrice Tarrin (Nr. 3, S. 1-16), Jean-Marc Krings
Softcover; farbig; 48 Seiten; je 11,80 Euro

Toll für Kids, für Ältere okay

Band 3: Die Eisenkralle
ISBN: 978-3-941236-02-8

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Band 4: Über die Zeiten hinweg
ISBN:
978-3-941236-05-9

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Abbildungen: © Finix Comic Club

Charlatan Ball (US)

 Mit US-Autor Joe Casey und mir ist das so eine Sache. Ich mag seine Comics sehr, aber ich bin auch der erste, der zugibt, dass diese oft nicht besonders gut und manchmal sogar schlecht sind. Charlatan Ball, gezeichnet von Andy Suriano, ist auch wieder so ein schwieriger Fall. Qualitativ liegt der Comic insgesamt im oberen Mittelmaß, aber ich finde ihn trotzdem klasse.

Die Hauptfigur ist Chuck Amok, ein glückloser Zauberkünstler, der durch mysteriöse Umstände plötzlich von einer kosmischen Instanz auf eine Reise über mehrere Dimensionen geschickt wird. Grund: Chuck, der es bisher nicht einmal fertig bringt, ein ordentliches Karnickel aus dem Hut zu ziehen, soll an einem Wettstreit der Zauberer teilnehmen.

Stilistisch ist das ganze Gødland, einer weiteren Casey-Eigenschöpfung die zurzeit bei Image erscheint, nicht unähnlich: Auch Surianos Zeichnungen erinnern stark an die Jack Kirbys. Und die Erzählweise steht der von Gødland in Sachen Wahnwitz in nichts nach. Charlatan Ball, könnte man sagen, ist sowas Steve Ditkos „Doctor Strange“ auf Anabolika, gemischt mit Alice im Wunderland auf LSD, oder umgekehrt.

Ein übergroßer, gebildeter aber latent gewalttätiger weißer Hase namens Caesar kommt vor und eine Liebesgeschichte wird unterwegs erzählt, aber hauptsächlich verkloppen sich irgendwelche riesenhaften Magier oder Dämonen. Und mit denen ist nicht zu spaßen: „Er FRISST Aggression. Er KACKT Prügel,“ heißt es über einen von ihnen. Der arme Chuck, der von Haus aus tatsächlich über keinerlei übernatürliche Kräfte verfügt, ist irgendwie immer mittendrin, muss abwechselnd rennen, hüpfen und den Kopf einziehen wie in einem alten Nintendo-Spiel. Die Rückblende einer Ausgabe fasst die Sachlage knapp und treffend zusammen: „Chuck steckt ganz tief in der Scheiße.“

Vermutlich bin ich der einzige, dem sowas gefällt, denn die Serie wurde nach den ersten sechs Heften leider „vorübergehend eingestellt“. Mit auf die Insel* kommt sie trotzdem.

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(* Der Beitrag entstand ursprünglich für die Rubrik „Comics für die Insel“, die im Comicgate-Printmagazin zu finden ist, wo er leider aus Platzgründen herausfallen musste. Gut, dass im Web genug Platz ist.)

Charlatan Ball
Image Comics, Mai 2009
160 Seiten, farbig, SC
Preis: 16,99 US-Dollar 

 

Bis in den Himmel

 Ein Verkehrsunfall zwischen einem Lieferwagen und einem Motorrad. Beide Fahrer landen schwer verletzt im Krankenhaus. Der Fahrer des Lieferwagens, ein Mann um die 40, stirbt an den Unfallfolgen. Der Motorradfahrer, erst 17 Jahre alt, überlebt. Doch als er aus dem Koma erwacht, stellt sich heraus: Er weiß nicht mehr, wer er ist. Seine Erinnerungen sind die des Unfallgegners.

Jiro Taniguchi erzählt in seinem gewohnt ruhigen Stil eine verstörende Geschichte: Was wäre, wenn das Bewusstsein eines Menschen in Körper eines anderen Menschen wechseln würde? In Hollywood macht man aus solchen Fragen lustige Body-Switch-Komödien (wie z.B. aktuell mit 17 Again). Bei Taniguchi dagegen wird daraus ein sensibles Charakterdrama. Beinahe alle Beteiligten leiden unter der neuen Konstellation: die Eltern des jungen Takuya, die ihren eigenen Sohn nicht wiedererkennen, genauso wie Ehefrau und Tochter von Kazuhiro Kubota, die um ihren verstorbenen Mann und Vater trauern, als plötzlich dieser plötzlich vor ihrer Tür steht – allerdings in Gestalt des jungen Motorradfahrers Takuya.

 Der Manga schildert überzeugend das verwirrende Innenleben von Takuya bzw. Kubota. Schon bald ist nicht mehr klar, wer hier eigentlich „Ich“ ist. Steckt der eigene Geist in einem fremden Körper oder steckt umgekehrt ein fremder Geist im eigenen Körper? Während im Subtext von Bis in den Himmel derlei philosophische Fragen verhandelt werden, versucht Takyua/Kubota seinen ganz normalen Alltag auf die Reihe zu kriegen. Besonders wichtig ist dabei die Hilfe von Okita, die vor dem Unfall Takuyas Freundin war und sich nun des „vertrauten Fremden“ annimmt. Dieser hat im Verlauf der Geschichte damit zu kämpfen, dass sich in Takuyas Kopf bald auch Takuyas altes Bewusstsein wieder meldet und seinen Platz beansprucht, es ringen also zwei Seelen um einen Körper.

Was an diesem Band besonders auffällt, ist seine Unaufgeregtheit. Die Konflikte und dramatischen Zuspitzungen der Story werden nie voll ausgereizt. Letztlich strebt Zeichner und Autor Jiro Taniguchi genauso nach Harmonie und Augeglichenheit wie die Hauptfigur des Buches. Das liest sich sehr angenehm, allerdings bekommt man dafür ein nahe am Kitsch wandelndes Happy-End aufgetischt. Ein etwas weniger freundliches Ende wäre hier vielleicht passender gewesen. Und auch die Kritik an der extremen japanischen Leistungsgesellschaft, die der Autor hier untergebracht hat, wirkt ein bisschen banal.

Trotzdem ist Bis in den Himmel empfehlenswert, auch wenn es wohl nicht Taniguchis bestes Werk ist. Seine filigranen Schwarz-Weiß-Bilder sind wie immer ein Genuss und dank ihrer bodenständigen Charaktere ist die unwahrscheinliche Geschichte jederzeit glaubwürdig und nachvollziehbar. Shodoku (das Manga-Label von Schreiber & Leser) hat sich erstmals dazu entschlossen, die Seiten zu spiegeln, also nicht die originale japanische Leserichtung beizubehalten. Puristen werden das bemängeln, doch vielleicht kann es den ein oder anderen Leser zum Kauf bewegen, der sonst einen Bogen um Comics aus Asien macht.

Bis in den Himmel
Shodoku
, März 2009
Text und Zeichnungen: Jiro Taniguchi
Softcover mit Klappenbroschur; 304 Seiten; 16,95 Euro
ISBN: 978-3-941239-10-4

Nachdenkliches Charakterdrama

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Abbildungen: © Schreiber & Leser

Der Schimpansenkomplex 3 – Zivilisation

Cover von Der Schimpansenkomplex 3Was könnte ich noch über den Abschlussband dieser hochwertigen, dreiteiligen Reihe sagen, was ich nicht bereits erwähnt habe (Rezension Band 1, Band 2)? Nun, vielleicht soviel: Das Mysterium, das Astronautin Helen Freeman in den Weiten des Weltalls aufzudecken versucht, wird auch zum Ende hin nicht gänzlich fassbar. So viel Spannung wie dieser Comic aus seinem Mystery-Charakter bezieht, so verwirrt lässt er den Leser dann zurück. Darüber kann man aber auch nicht wirklich traurig sein, denn alle drei Bände verfolgen jeweils eine leichte veränderte Ausrichtung, so dass es einem selbst überbleibt, wie man die Teile zusammenfügt. Lieber einige offen Fragen nach der Lektüre als eine enttäuschende Auflösung, das scheint durchaus Sinn zu ergeben.
Das Szenario von Richard Marazano und die Zeichnungen von Jean-Michel Ponzio sind schlichtweg brillant. Jetzt, da alle drei Bände vorliegen, kann ich wirklich sagen, dass Der Schimpansenkomplex eine der wenigen Comicreihen in den letzten Jahren ist, bei deren Lesen ich von Anfang bis Ende begeistert und gespannt die nächste Seite aufgeschlagen habe. Ist es nicht die beklemmende Weltraumatmosphäre, dann sind es spätestens die umwerfenden Bilder, die diesen Comic zum Fest machen.

Der Schimpansenkomplex 3: Zivilisation

Splitter, April 2009
64 Seiten, Hardcover, farbig
13,80 Euro

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Star Trek – Countdown

Cover von Star Trek – CountdownIm Zuge der aktuellen Neuinterpretation des Star-Trek-Franchises veröffentlicht Cross Cult rechtzeitig den passenden Comic. „Countdown“ präsentiert die exklusive Vorgeschichte des neuesten Kinostreifens und erzählt, wie Bösewicht Nero zu dem Schurken wurde, der er im Film ist, was ihn antreibt und wie er in die Vergangenheit reisen konnte. Eigentlich also ein spannendes Vorhaben, dem man sich hier verschrieben hat. Zudem ist die Handlung acht Jahre in die Zukunft verlagert (vom letzten Film aus gesehen), was zusätzlich Potenzial bietet: Es kommt zu einem Wiedersehen mit der alten Next-Generation-Crew; Picard ist jetzt Botschafter, Data ist Captain der Enterprise und auch Worf und La Forge bekommt man bei neuen Aufgaben zu sehen.

Leider krankt der Versuch, damit die Brücke zum aktuellen Streifen zu schlagen, zum einen genau an diesen oftmals nicht nachvollziehbaren Auftritten, zum anderen an der schlecht konzipierten Hintergrundgeschichte Neros. Dabei ist es schon fast eine Kunst, die Story trotz spektakulärer Verwicklungen so verzichtbar zu gestalten. Beliebig erscheinen dann auch die Bilder des italienischen Zeichners David Messina, der deutliche Perspektiv- und Ausdrucksprobleme besitzt. Was bleibt, ist der Eindruck, dass mit diesem Comic ein verzichtbares Prequel gelang, an dem wohl hauptsächlich hartgesottene Fans Gefallen finden könnten. Für die ist vielleicht auch die limitierte Hardcover-Variante (19,80 Euro) etwas.

Star Trek – Countdown
Cross Cult, April 2009
von Tim Jones, Mike Johnson und David Messina
US-Format, Softcover, vierfarbig, 104 Seiten
14,80 Euro

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Queen & Country 8 – Operation: Red Panda

Cover von Queen & Country 8Queen & Country spielt im Geheimdienstmilieu. Es ist aber kein James-Bond-Verschnitt, sondern zieht seinen Reiz gerade aus dem Gegenteil davon. Keine Hochglanz-Szenarien und keine technischen Gimmicks; stattdessen desillusionierte Spione, die oftmals in moralischen Zwickmühlen stecken und Figuren auf dem Schachbrett der internationalen Politik sind.
Mit diesem Band endet der erste Handlungsbogen der hochgelobten Serie um Tara Chace, Geheimdienstmitarbeiterin im Dienste ihrer Majestät. Genauer: eines Sondereinsatzkommandos des Auslandsgeheimdienstes.

Das Besondere dieses achten Bandes: Der Comic spielt zwischen zwei Romanen (beide bei dtv erschienen), die ebenfalls von Greg Rucka stammen und nimmt die Ereignisse von „Dschihad“ auf. In „Ein Job in Taschkent“ kann man dann nachlesen, wie es mit Tara nach  „Operation: Red Panda“ weitergeht.

Die Protagonistin ist nach den Ereignissen in „Dschihad“ körperlich und seelisch an einem Tiefpunkt in ihrem Leben angekommen und fühlt sich verraten. Nachdem sie aus dem Einsatz wieder ins Hauptquartier zurückgelangt ist und bei ihr eine ernstzunehmende psychische Störung diagnostiziert wird, steht sogar erstmal in Frage, ob sie überhaupt wieder als „Minder“, also als Agent vor Ort, und Chefin der Special Section eingesetzt werden kann. Dann aber kommt ein inoffizieller Auftrag von der CIA rein, für dessen Ausführung es keine schlüssige Rechtfertigung gibt. Wenn man aber richtig liegt, dann könnte dadurch das Leben vieler britischer Soldaten gerettet werden. Tara Chace wird als einzige Möglichkeit gesehen, diesen Auftragsmord an einem Politiker durchzuführen. Und so kommt man zu der Überzeugung, dass ein aktiver Einsatz sogar das Beste für sie sei – um ihr zu zeigen, dass der M.I.6 noch immer an sie glaubt.
Sie als Minder 1 und ihr Kollege Nick Poole, Minder 2, reisen als Journalisten getarnt in den Irak. Doch natürlich läuft selten alles wie geplant – besonders auf dem wackligen Parkett im Nahen Osten, wo nichts absehbar ist, und mit einer seelisch kranken Tara Chace als Leiterin der Operation …

Wie schon bei den vorherigen Bänden, so zieht auch „Operation: Red Panda“ seinen Reiz aus einer gefühlten Authentizität der Geheimdienstarbeit. Denn wie im normalen Leben gilt auch hier oft „eine Hand wäscht die andere“, was sowohl die Leser als auch die Minder oftmals frustriert. Letztere führen dann doch, mitunter durch geänderte Pläne und in Eigenregie, ihre Aufträge durch. Nicht selten geraten sie oder ihre Kollegen dabei in Lebensgefahr, und die emotionale Achterbahnfahrt  wie auch eine manchmal zu Tage tretende Hilflosigkeit angesichts des politischen Marionettenspiels hinterlässt bei allen ihre Spuren.

In diesem Band ist mir die Aufteilung allerdings unausgewogen; so gut und wichtig die lange Einleitung ist, so kurz wird diesmal der Einsatz abgefertigt. Die Auflösung  der schwierigen Situation mit ihrer „einer gegen alle“-Mentalität erscheint mir unrealistisch – und das ist bei einer solchen Serie schade. Das Innenleben seiner Protagonisten gelingt es Rucka aber immer wieder hervorragend einzufangen, auch, wenn er vor nichts und niemandem halt macht.  So kalt ihr Handeln nach außen wirkt, so fühlt man doch mit, wenn Tara sich alleine wähnt und der ganze Wahnsinn der Vergangenheit auf sie einstürzt.
Die Zeichnungen von Neuling Chris Samnee unterstützen den Transport der Emotionen hervorragend, die Mimik der Figuren sagt oft mehr als tausend Worte. Und seine kräftigen Tuschezeichnungen mit gut gesetzten Schattierungen lassen keine Farbe vermissen.

Obwohl ich die Romane noch nicht kenne, fiel mir der Einstieg nicht besonders schwer. Durch Rückblenden erfährt man die wichtigsten Geschehnisse aus „Dschihad“, und eine Übersicht der Hauptfiguren sowie eine gute Einleitung von James Lucas Jones tun ihr Übriges. Dort wird dem Leser auch mitgeteilt, dass dieser abschließende Band sicherlich nicht das Ende von Queen & Country bedeutet, was ich sehr beruhigend finde.

Schade, dass dies mit die letzte Publikation von Modern Tales als Softcover ist (der Verlag steigt um auf Hardcover mit Schutzumschlag, die Größe bleibt identisch). Verständlich ist der Schritt schon, aber mir hat das handliche, biegsame Format und die Haptik immer gut gefallen.

Queen & Country 8 – Operation: Red Panda
Modern Tales, März 2009
Text: Greg Rucka
Zeichnungen: Chris Samnee
128 Seiten, s/w, Softcover; 11,90 Euro
ISBN: 9783939585053

Emotionaler Abschluss einer hervorragenden Agenten-Serie

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Queen & Country © Greg Rucka, der dt. Ausgabe Modern Tales