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Vita Obscura

Cover Vita ObscuraMit seinen ersten beiden Comics drüben! und Packeis hat Simon Schwartz eindrucksvoll auf sich aufmerksam gemacht und bewiesen, dass er im Moment wohl einer der talentiertesten, deutschen Comiczeichner ist. Sein neues Buch Vita Obscura resultierte aus einer regelmäßigen Publikation in der Wochenzeitung Der Freitag. Darin begab sich Schwartz, mit viel künstlerischer Freiheit ausgestattet, auf die Spur des klassischen Zeitungsstrips.

Die Idee hinter Vita Obscura ist im Prinzip eine geistige Ausdehnung von Packeis, das die bislang kaum bekannte Geschichte von Matthew Henson erzählt, dem ersten Menschen am Nordpol. In Vita Obscura finden sich zahlreiche solcher Lebensläufe wieder, skurrile, humorvolle, tragische Biografien, die auf je einer Seite und in wenigen Bildern komprimiert werden. Für den vorliegenden Sammelband wurden die Strips aus Der Freitag teilweise überarbeitet und erweitert, sowie neue Episoden geschaffen.

Schwartz‘ Arbeit ist eine Zeitreise quer durch beinahe alle Epochen der Menschheitsgeschichte, die genau an den Biografien halt macht, die die Geschichtsbücher normalerweise vernachlässigen: der erste und einzige Kaiser von Amerika, der eigentlich ein Obdachloser war, ein Arzt, der das Gehirn Albert Einsteins stahl, die Witwe des Waffenfabrikanten William Winchester, die ihr Haus geistersicher bauen ließ, Kim Jong-Il, der vergeblich versuchte, eine nordkoreanische Filmindustrie aufzubauen. Das sind nur einige der schrillen Episoden. Auf brillante Weise setzt Simon Schwartz diese grafisch um, jede auf ihre ganz eigene Weise. Die Kunstfertigkeit des Autors rangiert hierbei zwischen allen möglich Stilen, Farben und Formen, sowie innerhalb schier unbegrenzter Möglichkeiten des Layouts und der Seitenaufteilung. Das Leben der Jazzmusikerin Valaida Snow abstrahiert er mit Buntstiften, das der jüdischen Leichtathletin Gretel Bergmann in dunklen Pinselstrichen. Grobe Tuscheskizzen, Bleistiftzeichnungen oder abfotografierte Modellierungen sind ihm allerdings ebenso wenig fremd.

Seite aus Vita ObscuraDas Besondere an dieser Zusammenstellung von Comicstrips mit ganz unterschiedlichr Thematik ist, dass die grafische Umsetzung stets im Dienste der jeweiligen Inhalte steht und einfallsreich mit den Eigenheiten der Geschichte beziehungsweise der dahinter stehenden Biografie spielt. So ist beispielsweise die Flugzeugentführung durch den berüchtigten D. B. Cooper in der grafischen Form einer Flugsicherheitsanweisung bebildert. In einer weiteren Episode werden für Victor Lustigs Coup, den damals unbeliebten Eiffelturm an Schrotthändler zu verschachern, die Abschnitte eines abgerollten Kamerafilms als Comicpanels entfremdet. Es befindet sich in Vita Obscura sogar eine Erzählung in 3D-Optik, inklusive einer Anleitung, mit der man sich selbst eine entsprechende Brille zum Betrachten bauen kann.

Die Strips in Vita Obscura sind nicht nur allesamt sehr unterhaltsam, sondern auch durchaus historisch lehrreich, weil sie dunkle Flecken in der Zeitgeschichte aufhellen. Es handelt sich um Biografien, die es in jedem Fall wert sind, erzählt zu werden. Und Simon Schwartz hat deutlich Lust darauf, dies auf möglichst eindrückliche Art mit seinen Bildern zu tun. Er zeichnet, malt, knetet liebevoll und variantenreich. Das Ergebnis ist erstaunlich. Bitte gerne mehr davon in einem zukünftigen zweiten Sammelband.

 

Wertung: 9 von 10 Punkten

Tolle Idee, tolle Umsetzung: Vita Obscura ist ein Comicstrip auf hohem Niveau

 

Vita Obscura
Avant-Verlag, März 2014

Text und Zeichnungen: Simon Schwartz
72 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 19,95 Euro
ISBN: 978-3-939080-94-7
Leseprobe

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Abbildungen: © Simon Schwartz/Avant-Verlag

Saga 2

Cover Saga 2Die frisch gebackenen Eltern Alana und Marko befinden sich, gemeinsam mit ihrem Baby Hazel und einem untoten Kindermädchen, immer noch auf der Flucht vor den sich bekriegenden Völkern, von denen die beiden abstammen. Auf ihrer Reise quer durch die Galaxie sind ihnen dabei unter anderem auch der Kopfgeldjäger Der Wille, sowie der adlige Heerführer Prinz Robot IV. auf den Fersen.

Autor Brian K. Vaughan führt seine Space Opera mit Band 2 nahtlos fort und lässt an seinem Konzept weiterhin keinerlei Schwächen erkennen. Die Handlung ist ein gelungener Mix aus Radikalität, Humor, Sci-Fi, Fantasy und Romantik. Vaughan gelingt es sogar, gewisse Plotelemente aus dem ersten Sammelband hier noch weiter zu intensivieren. So erhält die komplexe Familiengeschichte der beiden Hauptprotagonisten nochmal zusätzlich mehr Raum, durch die Einbeziehung von Alanas Schwiegereltern entsteht eine weitere Ebene im verwandtschaftlichen Beziehungsgeflecht. Und auch Der Wille ist kein stereotyper Söldner, das wird abermals deutlich unterstrichen, sondern eine diffizil angelegte Figur mit starken Momenten, etwa wenn der Mann mit Cape höchst emotional um das Leben seines Schoßtiers, der Lügekatze, bangt. Per Rückblenden und wiederum mit der Erzählstimme von Baby Hazel, bekommt der Leser einen Einblick in Markos Kindheit und erfährt mehr über dessen erstes Kennenlernen mit Alana.

Seite aus Saga 2Saga ist auch in der zweiten Ausgabe voll mit überraschenden, herzzerreißenden oder absurden Szenen, die man so noch nie in einem Comic gesehen hat. Da gibt es etwa den fischköpfigen Manager einer Talentagentur, der seinen Schreibtisch am offenen Strand stehen hat, den monströsen Typen mit schaurig hängendem Gemächt oder den Mäusesanitäter, der Prinz Robot IV. auf dem Schlachtfeld verarztet, während auf dessen Kopfmonitor ein Porno läuft. So primitiv, wie sich diese Beispiele anhören, ist Saga allerdings mitnichten. Denn Vaughan schafft es, jede Szene, jeden Dialog, jedes Detail ungemein präzise und punktgenau zu platzieren und so ein einzigartiges Lesevergnügen zu gewährleisten.

So ist Saga zwar vordergründig eine galaktische Lovestory mit Romeo-und-Julia-Blaupause, aber in Wahrheit gibt es in dieser Comicserie noch wesentlich mehr zu entdecken. Und Zeichnerin Fiona Staples untermauert mit diesem zweiten Sammelband den hervorragenden Ersteindruck. Die Bilder passen perfekt zu diesem Comic und können ihm gerade beim Design der Alienrassen und bei der einfühlsamen Charakterisierung und beim Ausdruck der Figuren ihren Stempel aufdrücken. Damit bleibt Saga als Gesamtkunstwerk auch weiterhin ganz großes Kino und die mit großer Wahrscheinlichkeit aktuell wohl beste Comicreihe.


Wertung
: 9 von 10 Punkten

Wer diese Serie nicht liest, verpasst etwas. Saga ist brillant inszenierte Unterhaltung.

 

Saga 2
Cross Cult, Dezember 2013
Text: Brian K. Vaughan
Zeichnungen: Fiona Staples
Übersetzung: Marc-oliver Frisch
160 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 22 Euro
ISBN: 978-3-86425-188-7
Leseprobe


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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Cross Cult

Disclosure/Offenlegung: Die deutsche Ausgabe von Saga 2 wurde von den CG-Redakteuren Marc-Oliver Frisch und Frauke Pfeiffer übersetzt bzw. lektoriert.

Eine erlesene Leiche

Cover Eine erlesene LeicheNach der wunderbaren Graphic Novel Wie ein leeres Blatt, die in jeder Hinsicht überzeugen konnte und vollkommen zu Recht bejubelt wurde, kommt nun also Eine erlesene Leiche. Das erweckt natürlich eine große Erwartungshaltung gegenüber dem neuen Werk von Pénélope Bagieu, die hier auch selbst das Skript verfasst hat, zumal der Comic auch in der Preisauswahl des Festivals von Angoulême zu finden war. Angesichts dieser hohen Erwartungen konnte man fast nur enttäuscht werden.

Dabei sind die Voraussetzungen für einen Erfolg gegeben. Denn auch Eine erlesene Leiche handelt indirekt von einer Identitätskrise. Zoé ist unzufrieden mit ihrem Leben. Ihr Job als Hostess hängt ihr zum Hals raus und ihr arbeitsloser Freund ist ihr keine große Unterstützung mehr. Durch einen Zufall lernt sie den berühmten Schriftsteller Thomas kennen, der vollkommen zurückgezogen lebt. Zoé wird zu seiner Muse und sie genießt dessen Aufmerksamkeit, doch haben beide unterschiedliche Vorstellungen vom Leben.

Während die Identitätskrise in Wie ein leeres Blatt wörtlich zu nehmen war, da sich die Heldin des Comics an nichts mehr erinnern konnte, ist das Thema hier nicht so offensichtlich. Ja, jede der Hauptpersonen steckt in einer Sinnkrise und kann ihren Weg nur zusammen mit anderen finden und sich so von allem befreien. Allerdings sind die Figuren hier nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit anderen unzufrieden. Insofern ist die Lösung etwas unbefriedigend. Man merkt Bagieus Graphic Novel stellenweise auch manche Unsicherheit an und ist versucht, einige der besten Momente des Vorgängerbandes dem damaligen Autor Boulet zuzuschreiben. Eine erlesene Leiche kann also die Erwartungen nicht ganz erfüllen, ist aber dennoch ein großer Wurf.

Seite aus Eine erlesene Leiche (frz. Ausgabe)Wie kann das sein, wenn sich die bisherigen Zeilen bislang wie ein Verriss gelesen haben? Zum einen liegt es an der Unvorhersehbarkeit des Plots. Zu Beginn fühlt man sich an eine Version des Filmes Finding Forrester erinnert, die Story geht aber andere Wege und führt nicht nur die Figuren, sondern auch den Leser dezent in die Irre. Diese Unvorhersehbarkeit wird interessanterweise mit einer recht einfachen Geschichte, die nur das Dornröschenthema wieder neu variiert, kombiniert und entfaltet dadurch einen großen Charme. Dabei wird die Macht und Zerstörungskraft von Literatur nur nebenbei behandelt (dazu lese man die herausragende Serie Unwritten), vielmehr wird die Trias der Figuren in den Mittelpunkt gestellt.

Da die Emotionen und Eigenheiten der Protagonisten zentral sind, fühlt sich der Leser empathisch angesprochen. Zum anderen ist die Geschichte grafisch sehr geschickt umgesetzt. Das ist auf den ersten Blick überraschend, denn einerseits setzt die Künstlerin cartoonhafte mimische Übertreibungen ein und verzichtet andererseits auf so gut wie alle Symbole. Was hier zu sehen ist, ist also in Gestik und Mimik alles andere als dezent, aber dennoch gehen die Zeichnungen ans Herz, denn Humor und Ironie dienen als eine Art Spiegelung und sprechen den Leser direkter an, als es Symbole könnten. Bis zum Schluss, der eine schöne Rache an der Männerwelt ist, ist man gebannt, was hier passiert, obwohl es sich eigentlich nicht um einen Krimi handelt, wie es der Titel suggeriert.

Was zum verqueren Charme des Comics zusätzlich beiträgt, ist die Tatsache, dass die Figuren im Grunde gar nicht sonderlich sympathisch sind, einem aber doch näher kommen. Somit fühlt man sich am Ende etwas ertappt und muss zugeben, dass man verzaubert wurde, ohne wirklich sagen zu können, warum. Ein erlesenes Vergnügen.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Geradlinig mit Witz und Ironie in das Herz des Lesers.

 

Eine erlesene Leiche
Carlsen Verlag, Oktober 2013
Text und Zeichnungen: Pénélope Bagieu
Übersetzung: Ulrich Pröfrock
128 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 16,90 Euro
ISBN: 978-3-551-73646-8

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Abbildungen: © der frz. Ausgabe: Gallimard

Auf den Spuren Rogers

rogers1Der Zeichner Florent Silloray hat sich in einem sehr persönlichen Comic mit der Kriegsgefangenschaft französischer Soldaten im Zweiten Weltkrieg beschäftigt. Ein bislang eher wenig beleuchtetes Thema, dessen historische Aufarbeitung nun umso wichtiger ist. Parallel zu Silloray legte inzwischen auch Jacques Tardi mit Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB eine Erzählung über die Kriegsgefangenschaft seines Vaters vor.

Auf den Spuren Rogers geht jedoch im Vergleich zu Tardi einen anderen stilistischen Weg und verfolgt das Schicksal von Sillorays Großvater vor Ort. Im Jahr 2002, nachdem dieser gestorben ist, entdeckt seine Familie auf dem Dachboden ein Notizbuch, in dem er seine Erlebnisse sehr detailiert festgehalten hat. 1939 wurde Roger Brelet zum Kriegsdienst eingezogen und musste Frau und Hof zurücklassen. Nach der Besetzung Frankreichs durch die deutschen Truppen kam er zusammen mit vielen anderen Franzosen in ein deutsches Arbeitslager. Nach dem Weltkrieg hat der Großvater von dieser Zeit nie wirklich gesprochen. Das hat seinen Enkel Florent Silloray wohl schlussendlich dazu bewogen, die ausführlichen Notizen in einem Comic aufzubereiten. Silloray beginnt zu recherchieren, vergleicht Fotos, möchte die damalige Zeit nacherleben. Dazu reist er sogar nach Deutschland, wo er mit Hilfe eines Übersetzers die Originalschauplätze ausfindig macht. Er begibt sich buchstäblich auf die Spuren seines Großvaters, immer Land und Leute so authentisch wie möglich skizzierend.

Seite aus Auf den Spuren RogersDer Comic selbst spielt dabei auf zwei Zeitebenen, die sich gegenseitig abwechseln: Im Jahr 2003 kann man die Recherche Sillorays mitverfolgen. In realistischen Bildern dokumentiert der Zeichner sein Vorgehen möglichst präzise und erzählt, wie er den Weg der französischen Kriegsgefangenen, darunter sein Großvater, verfolgt. Im Jahr 1939 erleben wir Rogers Gefangennahme und hartes Leben im Arbeitslager. Diese Passagen setzen sich ab, da sie allein von den wortwörtlich abgedruckten Notizen Rogers leben und die Panels eher aneinandergereihten Fotos ähneln, die versuchen, die Augenzeugenberichte bildhaft zu unterfüttern.

Seite aus Auf den Spuren RogersSillorays Großvater war zum Zeitpunkt der Entstehung des Comics bereits tot, so dass er nicht mehr persönlich befragt werden konnte. Die Zeichnungen wirken dennoch äußerst authentisch und vermitteln in Kombination mit den realen Tagebucheinträgen eine ziemlich gute Vorstellung von den damaligen Verhältnissen. Passend zu den Rückblenden ist auch die Farbgestaltung gewählt. Mit kräftigem Braun als Grundfarbe ergibt sich für den Leser ein nostalgisches Ambiente. Und nebenbei hat Silloray damit die richtige Kulisse für die Trübheit und die Abgründe des Zweiten Weltkriegs beziehungsweise. für die Zeit der Kriegsgefangenschaft gefunden.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Ein persönliches Buch über das selten im Comic behandelte Thema Kriegsgefangenenschaft

 

Auf den Spuren Rogers
Verlag: Avant-Verlag, August 2013
Text/Zeichnungen: Florent Silloray
Übersetzung: Volker Zimmermann
112 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 24,95 Euro
ISBN: 978-3-939080-85-5
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Avant-Verlag

 

Comicgate-Magazin 8 – Farbe

Cover Comicgate-Magazin 8Wir haben es wieder getan! Auf dem Comic-Salon Erlangen im Juni erscheint zum achten Mal ein Comicgate-Printmagazin, 136 Seiten dick und erstmals komplett in Farbe. Und das ist dann auch das Thema dieser Ausgabe: In ausführlichen Artikeln beleuchten wir aus verschiedenen Perspektiven das Verhältnis von Comics und Farbe. Dazu gibt es exklusive Kurzcomics von Falk „Zapf“ Holzapfel und David Müller. Das Covermotiv stammt von Geier und wurde von acht verschiedenen Künstlern koloriert. Im Innenteil zeigen wir jede Kolorierung auf einer ganzen Seite, kommentiert von den Koloristen. Das Titelbild ist eine Collage der verschiedenen Kolorierungen.

Seine Premiere feiert das Magazin auf dem Comic-Salon Erlangen (19.-22. Juni) an unserem Stand Nr. 33. Danach erhält man es entweder per Direktbestellung bei uns, bei kwimbi.de, und im Comicfachhandel (Vertrieb: PPM)

INHALT:

  • Wie kommt die Farbe in den Comic? Ein Streifzug durch die Geschichte des Kolorierens (Thomas Kögel)
  • Die vielen Farben der Comics: Farbeditionen im Vergleich (Christian Muschweck)
  • Miracleman: Zurück aus dem Rechte-Limbo (Christian Muschweck)
  • Manga: Die buntesten Schwarz-Weiß-Comics der Welt (Michel Decomain)
  • Das Covermotiv von Geier in acht verschiedenen Farbversionen, kommentiert von den Koloristen (Bouncie D., Markus Freise, Lancha, Ivo Kircheis, Laska Comix, Kolja, Véro, Janusz Polewski)
  • Comic: Slim & Bronson (Falk „Zapf“ Holzapfel)
  • Bis an die Grenzen des Machbaren! Interview mit den UPgrade-Künstlern Ulf S. Graupner und Sascha Wüstefeld (Andreas Völlinger)
  • Bunte Farben wie gedruckt: Ein Drucktutorial (Till Felix)
  • Das richtige Papier (Frauke Pfeiffer)
  • Das Comic-Duett – die rezensierte Illustration (Jan Dinter und Manuel Clavel)
  • Rassismus im Comic (Björn Wederhake)
  • Inselcomics: Acht Comicrezensionen zum Themenschwerpunkt
  • Comic: Gefallen (David Müller)

 

LESEPROBE (PDF, 22 Seiten, 4,4 MB)

 

Bestellung Comicgate-Magazin 8 in unserem Shop. Zahlung per PayPal oder Überweisung möglich.

Außerdem ist das Magazin im Fachhandel erhältlich bzw. kann zeitnah bestellt werden.

 

 

 

Links der Woche 18/14: Ich will ja keine Schlösser bau’n, nur eben dass es reicht

Schluss mit den knapp gefassten Zeitspar-Ausgaben der letzten Woche, ab sofort gibt es hier wieder eine sorgfältig kuratierte und kommentierte Auswahl der interessantesten und wichtigsten Link aus dem weltweiten Comic-Web.

Unsere Links der Woche, Ausgabe 18/2014:

 

»Tardi fühlt sich hier sehr wohl«
Titel-Kulturmagazin, Andreas Alt
Ein Interview mit Bodo Birk, dem Leiter des Comic-Salons Erlangen. Das größte deutsche Comicfestival geht in knapp drei Wochen über die Bühne, hier gibt Birk einen Ausblick auf die Veranstaltung und ihre Highlights.

Webcomic im Fokus: Das Programm
Comic Solidarity, Lukas R.A. Wilde, Sebastian Kempke und Eva Junker
Die Gruppe “Comic Solidarity” ist ein Zusammenschluss von Webcomic-Schaffenden, der im letzten Jahr auf Facebook entstanden ist und sich u.a. “Lobbyarbeit für Digital Artists und Self-Publisher aus dem Comicbereich” zum Ziel gesetzt hat. Im Rahmen des Comic-Salons (19.-22. Juni) veranstaltet die Gruppe eine Reihe von Panels, Lesungen und Vorträgen, die das Thema Webcomic umfassend beleuchten.

Bruno Maïorana, auteur de Garulfo, a décidé d’arrêter la BD
ActuaLitté, Julien Helmlinger
Der französische Comicautor Bruno Maïorana (Garulfo, D) sorgte vergangene Woche für Aufsehen, indem er auf Facebook seinen Ausstieg aus dem Comicgeschäft verkündete: Von den mageren Honoraren für seine Comics könne er nicht mehr leben. In einem Interview mit der Zeitung Sud-Ouest (nicht kostenlos online verfügbar) übt er deutliche Kritik an den Verlagen, die den steigenden Kostendruck auf dem Rücken der Künstler austragen würden. Szenarist Philippe Bonifay (Zoo, Piraten) tat es seinem Kollegen kurz darauf gleich und kündigte ebenfalls an, keine Comics mehr machen zu wollen.

Bande dessinée: les auteurs en danger
Charente Libre, Richard Tallet
Dieser Artikel erklärt etwas mehr zu den Hintergründen: Offenbar ändert sich in Frankreich die Berechnung der Beiträge für die Altersversorgung für Künstler (dem französischen Pendant zur Künstlersozialkasse), so dass viele nun deutlich höhere Abgaben leisten müssen, die sie kaum finanzieren können. Im Durchschnitt verdiene man in der französischen Comicbranche etwa 1.000 Euro im Monat.

Donald Ducks Dilemma
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Andreas Platthaus
Am 9. Juni 1934 hatte Donald Duck seinen ersten Auftritt im Trickfilm The Wise Little Hen. Andreas Platthaus betrachtet aus diesem Anlass die Rolle, die der Enterich in diesen acht Jahrzehnten für den Disney-Konzern spielte.

80! Schockschwerenot
Welt am Sonntag, Martin Scholz
In der WamS erschien zu Donalds Geburtstag ein großes Interview, in dem sich Disney-Zeichner Daan Jippes und Bestsellerautor und Duck-Fan Frank Schätzing über Entenhausen im Allgemeinen und Donald Duck im Besonderen unterhalten, aber auch über Carl Barks und André Franquin.

Ein VW-Erbe kauft Fix & Foxi
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Georg Meck
Fix und Foxi, die einst so erfolgreichen von Rolf Kauka geschaffenen Comicfiguren, führen seit etwa 20 Jahren ein unstetes Dasein: 1994 wurde das gleichnamige Comicmagazin erstmals eingestellt. Danach wechselte die Lizenz mehrmals den Besitzer, doch alle drei Verlage (Ehapa, Tigerpress und New Ground Publishing), die sich an Fix und Foxi versuchten, scheiterten. Jetzt gibt es einen neuen Lizenznehmer: Die Your Family Entertainment AG, die früher mal RTV hieß und aus der Spielefirma Ravensburger hervorging, hat von Kaukas Witwe Alexandra alle Rechte an seinen Figuren erworben. Bei RTV wurde 1998 bis 2001 eine Fix-und-Foxi-Fernsehserie produziert. Jetzt hat man wieder große Pläne: Zunächst soll es E-Books geben, später sollen Kino-Inhalte und womöglich ein ganzer TV-Sender folgen.

Die Abrafaxe und das Geheimnis der Zeitmaschine
Theater Vorpommern
Als krisenfester als Kaukas Füchse haben sich die Abrafaxe erwiesen, die nun nicht mehr nur im Mosaik auftreten, sondern auch in einer Musicalproduktion, die man im Sommer als Open-Air-Aufführung in verschiedenen Orten an der Ostsee besuchen kann.

Auslobung: Roland Faelske-Preis für Comic und Animationsfilm 2014
Universität Hamburg, Arbeitsstelle für Graphische Literatur (ArGL)
Die Hamburger Arbeitsstelle für Graphische Literatur lobt wieder einen Preis für Abschlussarbeiten aus den Bereichen Comic und Animationsflim aus. Gesucht werden die beste Magister-, Diplom-, Master- oder Bachelor-Abschlussarbeit (dotiert mit 1.000 Euro) sowie die beste Dissertation (dotiert mit 3.000 Euro).

A Long Time Ago in a China Far, Far Away …
mcgreene.org, Maggie Greene
Schöner Zufallsfund der Historikerin Maggie Greene, die sich mit neuerer chinesischer Geschichte beschäftigt: Auf einem Bücherflohmarkt entdeckte sie ein lianhuanhua (das sind kleinformatige Bilderbücher, die in China sehr populär waren) aus dem Jahr 1980 mit überraschendem Inhalt: Eine illustrierte Adaption von Star Wars, also eine Art chinesischer Pirateriecomic, denn eine offizielle Lizenz war da sicherlich nicht im Spiel. Greene hat die 142 Seiten komplett eingescannt, und der Sinologe Nick Stember arbeitet gerade an einer Übersetzung der begleitenden Texte.

Une planche de Tintin adjugée 2,65 millions d’euros
Le Monde
Neuer Auktionsrekord für Tim und Struppi: Nachdem im Jahr 2012 Hergés Titelblatt für Tintin en Amérique für 1,3 Millionen Euro versteigert wurde, hat eine neue Auktion diese Summe nun fast verdoppelt. Unter den Hammer kam diesmal allerdings weder ein Cover noch eine Titelseite, sondern eine großformatige Bildtafel aus dem Jahr 1937, auf der Tim und Struppi in 34 verschiedenen Situationen zu sehen sind. Die Tafel diente als Vorlage für die eigentlichen Comiczeichnungen. Der neue Besitzer ist ein Sammler aus Nordamerika.

 

Links der Woche 17/14: Zeitspar-Ausgabe VII

Bevor wir im Juni wieder zur gewohnten, kommentierten Version zurückkehren, gibt es diese Rubrik heute ein vorerst letztes Mal in der zeitsparenden Variante: die interessantesten Links und Tweets der Comicwelt aus der letzten Woche, zusammengestellt mit Storify. (Achtung, darin gibt es ein Video, das sich selbständig startet – sorry, das ließ sich leider nicht verhindern.)

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42 intergalaktische Agenten 2 – Ari

Cover 42 intergalaktische Agenten 2Schon anlässlich des ersten Teils der neuen Serie 42 intergalaktische Agenten wurde vermutet, dass hier ein monumentales Epos im Entstehen begriffen ist. Denn wenn wirklich in jedem abgeschlossenen Abenteuer ein bestimmter Agent, sein jeweiliger Auftrag und sein Schicksal behandelt werden, so dürfte es bei 42 Agenten ebensoviele Bände geben. Das vorliegende Abenteuer behandelt einen weiteren Agenten, der den Namen Ari trägt.

Dieser Ari wird zusammen mit einer militärischen Einheit auf einen entfernten Planeten geschickt, auf dem eine archäologische Expedition stattfindet. Doch während die Ausgrabung voranschreitet, häufen sich Sabotageakte und Morde. Während das Militär zum Schutz hingeschickt wird und mit den örtlichen Autoritäten in Konflikt gerät, versucht Ari die Täter und ihre Motive ausfindig zu machen. Dabei wird er mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert.

Dieses Science-Fiction-Abenteuer kann man als eigenständige Geschichte lesen, wobei die Rahmenhandlung, im ersten Teil noch eher als Vehikel vermutet, nun etwas mehr ausgestaltet wurde und wohl im künftigen Verlauf eine eigene Geschichte entwickeln wird, die mit den jeweiligen Episoden verschmolzen wird. Das kündigt sich mit einigen kleineren Handlungsfäden an, aber noch ist das Epos nicht so weit fortgeschritten, als dass man den Überblick verlieren könnte.

Seite aus 42 intergalaktische Agenten 2Doch leider haben es die Autoren schon fertig gebracht, sich zu verlieren. Vielleicht hatten sie auch jetzt schon zu sehr das große Ganze im Blick, als sich auf die Story konzentrieren zu können. Denn es gibt einfach zu viele Fäden, die lose Enden haben, um erst später miteinander verbunden zu werden. So franst die Struktur gleich an mehreren Stellen erheblich aus und man hat als Leser Mühe, der eigentlichen Erzählung zu folgen. Wer intrigiert hier gerade gegen wen? Wer hat welches Ziel? Was sind die Motive und was soll das alles eigentlich?

Dass das Autorengespann Jean-Marc Laine und Louis dann auch noch versäumt, dem Leser eine zentrale Identifikationsfigur zu geben, an der er sich orientieren kann, fällt ebenfalls negativ auf. Denn auch wenn Ari seinen Namen für den Titel hergibt, ist er dennoch nicht die zentrale Figur und muss sich die Aufmerksamkeit erst verdienen. Jedenfalls ist die Story ziemlich konfus, leider sowohl auf der dramaturgischen als auch auf der graphischen Ebene. Und so fehlt einem zu oft die Orientierung.

Dabei hätte alles so richtig schön werden können. Setting und Atmosphäre erinnern an viele beliebte Genrevorläufer, damit könnte der Comic so richtig schön punkten. Aber die Autoren wollen zu viel: Sie huldigen Genrevorbildern wie Riddick, Event Horizon, Aliens etc. pp. und bauen einen starken Sillage-Verschnitt auf, wobei hier die politischen Implikationen nicht harmonisch mit der Handlung verwoben werden, sondern schwerfällig und bemüht wirken. Erstaunlicherweise bleibt der Charakter des Ari, der optisch einem gewissen Lobo ähnelt, ziemlich blass und lässt die Dekonstruktion einer Heldin im ersten Band schmerzlich vermissen. So ist schon der zweite Teil der Serie eine gewisse Enttäuschung, wenngleich eine unterhaltsame.

 

Wertung:5 von 10 Punkten

Schon der zweite Teil der Serie kann die Versprechungen des Auftakts nicht mehr erfüllen, wenngleich auf unterhaltsame Art und Weise.

 

 

42 intergalaktische Agenten 2 – Ari
Splitter Verlag, Februar 2014
Text: Jean-Marc Laine / Louis
Zeichnungen: Louis
Übersetzung: Monja Reichert
48 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 13,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-194-8

Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

 

Eine Nacht in Rom

Cover Eine Nacht in Rom 1Kurz vor seinem 40. Geburtstag bekommt Raphael eine alte VHS-Kassette zugeschickt. Darauf befindet sich eine Aufnahme von seinem 20-jährigen Ich und seiner damaligen Freundin Marie. Zweck dieser Aufnahme war es, ein Versprechen festzuhalten: Genau 20 Jahre später wollten sie sich unter allen Umständen wiedertreffen und zusammen eine Nacht in Rom verbringen. Raphael, der das Versprechen vergessen hatte und es aus heutiger Sicht eher als unbedachte Jugendsünde betrachtet, ist ob der Konfrontation mit seiner vergangenen Liebe aufgewühlt. Da klingelt bereits das Telefon, Marie lädt ihn nach Italien ein. Das Problem: Sowohl Raphael als auch Marie sind längst mit jeweils neuen Partnern liiert. Dennoch überlegt Raphael, ob er der Stimme aus seiner Vergangenheit nicht folgen, einfach ausbrechen, das Versprechen erfüllen soll.

Autor und Zeichner Jim hat mit Eine Nacht in Rom eine bezaubernde Romanze zu Papier gebracht. Wie bereits in seinen Comics Sonnenfinsternis und Die Einladung ist die Handlung schnell umrissen. Am Anfang dieser Werke steht ein interessante wie simple Ausgangsidee, die die lebensnahen Protagonisten in moralische Zwickmühlen führt. Im Zentrum stehen menschliche Gefühle, Lebenskrisen, Freund- und Liebschaften. Nicht anders verhält es sich also in Jims neuesten Comic, das auf über 200 Seiten, verteilt auf zwei Alben, erzählt wird. Der Plot verlässt die Konventionen einer üblichen Liebesgeschichte zwar vordergründig kaum, kommt aber ohne Klischees, überzogene Melodramatik oder Kitsch aus.

Seite aus Eine Nacht in Rom 2Vor allen Dingen kommt die Beziehung zwischen den Hauptfiguren Raphael und Marie sehr gut rüber. Ob man deren Verhalten als unreif, moralisch falsch oder nachvollziehbar beurteilt, in jedem Fall spürt man ihre Motive und die Anziehungskraft, die sie verspüren. 20 Jahre lang haben sie sich nicht gesehen und auch nicht groß aneinander gedacht. Dennoch hat das leichtfertig auf VHS gebannte Versprechen sofort wieder alte Emotionen ausgelöst. Der Reiz, das jetzige Leben mal kurz hinter sich zu lassen, um eine magische Nacht im romantischen Rom mit der immer noch bezaubernden Jugendliebe zu verbringen, ist für Raphael extrem stark.

Cover Eine Nacht in Rom 2Der Comic lebt von der feinfühligen Mimik der Figuren, dem ruhigen Storytelling und den authentischen Dialogen. Jim hat bereits bei seinen früheren Projekten bewiesen, dass er ein starker Erzähler ist, wenn es um sanfte Geschichten aus dem Alltag geht, die den Leser auf einer emotionalen Ebene berühren und mitreißen. Im vorliegenden Fall überzeugt er auch als hervorragender Zeichner, der sowohl Figuren wie auch Schauplätze akribisch nach Vorlagen detailreich umsetzt und seine Story perfekt mit ausdrucksvollen Bildern unterstützt. Einen Eindruck seiner Arbeitsweise kann man sich jeweils am Ende der Alben verschaffen, in denen kommentierte Skizzenbücher Jims abgedruckt sind. Übrigens war es meines Erachtens nach eine gute Entscheidung des Splitter Verlages, Eine Nacht in Rom in Albengröße zu veröffentlichen und nicht wie Sonnenfinsternis oder Die Einladung als Splitter Books im Kleinformat. Denn die Panels sind hier oftmals bewusst großflächig angelegt, um bestimmte Szenen aus weiter Perspektive einzufangen. Durch das große Format  kommen die Zeichnungen hier sicherlich besser zur Geltung.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Nachdenkliche Romanze mit starker Bildsprache

 

Eine Nacht in Rom
Splitter Verlag
Text und Zeichnungen: Jim
Übersetzung: Tanja Krämling
je 112 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: je 19,80 Euro

Band 1
April 2013
ISBN: 978-3-86869-593-9
Leseprobe

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Band 2
Februar 1014
ISBN: 978-3-86869-594-6
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

Links der Woche 16/14: Zeitspar-Ausgabe VI

Im April und Mai läuft diese Rubrik in einer zeitsparenden Variante: die interessantesten Links und Tweets der Comicwelt aus der letzten Woche, zusammengestellt mit Storify. Bitteschön:

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