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Einmal durch den Louvre

Cover Einmal durch den LouvreDavid Prudhomme (Rembetiko, Die Plastikmadonna) ist einer von vielen Besuchern, die täglich die unendlichen Flure des berühmten Louvre durchstreifen. Von den Kunstwerken ist er wenig gebannt, deshalb telefoniert er lieber und schlendert auf der Suche nach seiner Freundin Jeanne etwas gelangweilt die Gänge ab. Der französische Zeichner erkennt in den vielen gerahmten Bildern an den Wänden ohnehin eher Panels, in allen Größen und Stilen. Ein stiller Comic in 3D gewissermaßen. Nur mit der zusammenhängenden Geschichte will es nicht so richtig klappen. Dafür macht sich Prudhomme so seine Gedanken, lässt seinen Blick schweifen und fabriziert seine ganz eigene Comicerzählung aus dem, was er um sich sieht.

Einmal durch den Louvre ist eine Hommage an das weltbekannte Pariser Museum, in der Prudhomme sich weniger um die eigentlichen Kunstwerke kümmert, als um die Menschenmassen, die diese bestaunen wollen. Er reflektiert deren Verhalten und Eigenarten und nimmt dabei auch mal die Perspektive der Gemälde und Skulpturen ein, die ihrerseits den interessierten Blicken der Besucher ausgesetzt sind. Was denkt eigentlich die Mona Lisa, wenn täglich hunderte oder tausende Menschen sie aus der Nähe sehen wollen? Überall stehen die Besucher Schlange, beugen sich nach vorne, fotografieren. Wie seltsam die wuselnden Leute doch anmuten, vor den starren, alten Meisterwerken. Und doch präsentiert uns dieser Comic gelungene Vergleiche, fängt skurrile Begegnungen ein und verwischt die Grenzen zwischen den Betrachtern und den betrachteten Gegenständen. David Prudhomme nimmt hier die Rolle eines Museumsführers ein, der sich vor allen Dingen durch eine gute Beobachtungsgabe und Menschenkenntnis auszeichnet.

Seite aus Einmal durch den LouvreSo flüchtig wie er durchs Museum huscht, so flüchtig erscheinen Prudhommes Zeichnungen. Fast skizzenhaft bildet er mit einem Repertoire von Blei- und Holzfarbstiften seine Eindrücke des Louvre ab. Das Werk des Franzosen ist ein lockerer, nicht zu ernsthafter Versuch, sich Kunstgeschichte unverkrampft zu nähern, der gleichermaßen Comicleser wie Freunde klassischer Kunst begeistern dürfte. Es ist ein etwas anderer Ausstellungskatalog, der einmal im Schnelldurchlauf durch den Louvre führt, um dessen Faszination aus einem bisher nicht gekannten Blickwinkel einzufangen. Nur schnell durch ist man mit dem Lesen des Bandes. Aber ewig aufhalten wollte sich Prudhomme im Louvre ja auch nicht. Von daher passt es also: Einmal quer durch den Louvre und wieder raus.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Rundgang durch den Louvre, wunderbar ungewöhnlich inszeniert

 

Einmal durch den Louvre
Reprodukt, August 2013
Text/Zeichnungen: David Prudhomme
Übersetzung: Ulrich Pröfrock
80 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 20 Euro
ISBN: 978-3-943143-72-0

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Abbildungen © , der dt. Ausgabe: Reprodukt

 

Dan Cooper Gesamtausgabe 3 – Gewagte Geheimnisse

Cover Dan Cooper Gesamtausgabe 3Dan Coopers Abenteuer, das sind Die großen Abenteuer unserer Zeit, das sind Die großen Flieger- und Rennfahrercomics. Dan Cooper, das ist MV-Comix und vor allem Zack. Dan Cooper, der Testpilot, ist nicht subversiv oder defätistisch. Er steht für die Werte des Westens, für den Sieg der Technik über die Natur und für die Segnungen des Fortschritts. Dan Cooper, das ist ist auch Kameradschaft und Treue, der Glaube ans Gute und das Vertrauen und Wissen darüber, auf der richtigen Seite zu stehen. Ist es naiv, an die gute starke Hand von Militär und Staat zu glauben, die die Dinge richten kann?

Albert Weinbergs Dan Cooper ist auch die Reihe, die gleich zweimal durch den französischen Starautor Jean Michel Charlier gerettet worden ist: Einmal, als dieser sich bereit erklärte, für Albert Weinberg die Szenarien zu schreiben und ein weiteres Mal, als er damit wieder aufhörte. Es war Charliers Beitrag, der Weinbergs anfänglich eher brave Ligne-Claire-Serie zum modernen Actionkracher verwandelte. Trotzdem verließ Charlier die Reihe noch rechtzeitig, bevor die Serie vollends vom Charlier-Touch umprogrammiert wurde.

Im vorliegenden Band, der zwar die Nummer 3 trägt, aber als erster in dieser Gesamtausgabe von Epsilon erschien, befinden sich die zweite und dritte von Charlier geschriebenen Geschichte, auch wenn dessen Name auf dem Cover nicht vermerkt ist. Seine Autorenschaft war lange Zeit nur Eingeweihten bekannt, bevor sie öffentlich wurde (siehe u.a. den Artikel von Bernd Weckwert in Sprechblase 225), doch spürt man seine Handschrift in jedem Panel. Die schon beinahe minutiös getaktete Verschwörung in der ersten Geschichte, „Ein Handstreich“, ist ebenso unverkennbar Charlier wie der typische Pilotenklamauk, der immerhin eine recht authentische Militäratmosphäre erzeugt und tatsächlich mitunter recht amüsant ist. Der Plot handelt davon, dass eine fremde Macht einen Prototypen entführen möchte, der während der Testphase spionagesicher im eisigen Nordkanada abgeschirmt ist. Dazu sprengen die Verschwörer kurzerhand ein Flugzeug mit Experten, das zum Testgebiet unterwegs ist, in die Luft und ersetzen es punktgenau mit einem identischen Zweitflugzeug mit eigenen Leuten. Dieses Husarenstück ist aber nur der Auftakt einer spannenden, wendungsreichen Geschichte in polarer Eiswüste, die Charlier ebenso routiniert wie geschickt von einem Höhepunkt zum nächsten treibt.

Seite aus Dan Cooper Gesamtausgabe 3Die zweite Geschichte, „Die Jaguarstaffel“, spielt in Lateinamerika: Banditen wollen mit gezielten Flugzeugattacken einen Konflikt zwischen Nicaragua und Honduras provozieren. Dan Cooper übernimmt die Leitung einer kleinen, internationalen Pilotengruppe, die mit Aufklärungsflügen eine kriegerische Eskalation verhindern soll. Die Geschichte ist psychologisch geraten. Zwar sind die Figuren, wie stets, feste Typen mit eingeschränktem Entwicklungspotenzial, doch sind sie keine strahlenden Helden mehr, dafür sind sie zu verstrickt in widersprüchliche Befehle, Gruppenprozesse und persönliche Abhängigkeiten. Die interessantere Figur ist der amerikanische Pilot Lang, der in seiner Karriere stets Pech hatte und deshalb den Grobian und Säufer gibt. Er wird von den Piloten des Teams angefeindet und die Gruppendynamik lässt Lang bis zuletzt keinen Platz in der Gesellschaft der Guten finden, zumal intrigante Verschwörer den Gruppenkonflikt zusätzlich anschüren. Dieses persönliche Drama ist das eigentliche Herz der Geschichte, die ich persönlich zu den besten mir bekannten Beiträgen zum Fliegergenre rechne.

Man merkt beiden Geschichten an, dass Charlier Dan Cooper in seiner erzählerisch wohl fruchtbarsten Phase schrieb. Vielleicht sind die Geschichten sogar deswegen so gut geraten, weil er sie nicht für seine Stammserien Mick Tanguy und Buck Danny entwarf, denn dies erlaubte ihm, neue Ideen und Ansätze auszuprobieren. Und dass er diese starken Plots damals ohne namentliche Erwähnung verfasste, zeugt von seiner damals wohl grenzenlosen Souveränität. Gute Geschichten, so scheint es, sind ihm nur so aus dem Handgelenk geflossen.

Die letzte Geschichte, „Gewagte Geheimnisse“, ist von Albert Weinberg selbst verfasst. Auch Weinberg baut reichlich Spannungsmomente und Drama in die Geschichte ein, doch erreicht diese nur ansatzweise die Dichte eines Charlier-Plots. Dennoch sollte sich der Autorenwechsel langfristig als wohltuend für die Reihe erweisen. Dass Albert Weinberg nicht die Popularität eines Charlier erreicht hat, liegt sicherlich an dem mitunter belehrenden Duktus seiner späteren Geschichten, die er oft mit technischen Daten und Zeichnungen überfrachtete. Davon war er in den Sechziger Jahren aber noch weit entfernt. In den Folgejahren sollte er noch viele unterhaltsame Geschichten kreieren, die es von einem Charlier nie gegeben hätte.

Dan Coopers Abenteuer, so dachte ich einmal, das wären im Zeitalter der Smartphones und Drohnen schon lange nicht mehr die Abenteuer unserer Zeit. Aber es scheint, dass man gerade im angehenden 21. Jahrhunderts wieder verstärkt von Provokateuren und Banditen lesen muss, die tatsächlich Kriege schüren wollen. Und auch als kürzlich Nachrichten über ein verschwundenes Flugzeug die Welt in Atem hielten, hatte man das Gefühl, dass die Welt manchmal einem Comic gleicht. Das hätte es nicht gebraucht.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Fliegergeschichten aus der goldenen Ära der europäischen Abenteuercomics. Mitreißend und unendlich nostalgisch.

 

Dan Cooper Gesamtausgabe 3 – Gewagte Geheimnisse
Epsilon, August 2013
Text: Jean Michel Charlier, Albert Weinberg
Zeichnungen: Albert Weinberg
Übersetzung: Klaus Jöken
200 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 35,00€
ISBN: 978-3-86693-059-9
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Epsilon

Revival 1 – Unter Freunden

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Cover Revival 1In Wausau, Wisconsin geschehen merkwürdige Dinge: Urplötzlich erwachen Tote wieder zum Leben. Aber nicht als Zombies, sondern als Revivers, also Wiedergekehrte. Und mit diesen einst geliebten Menschen muss die Gemeinde nun irgendwie umgehen. Aber sind es überhaupt noch Menschen? Auf den ersten Blick sind sie zumindest recht unauffällig. Officer Dana Cypress soll das Rätsel rund um die Revivers klären und nebenbei noch einen Mordfall lösen. Unterdessen wird Wausau von der Seuchenschutzbehörde unter Quarantäne gestellt und das Örtchen wird allmählich zur Anlaufstelle für Exorzisten, religiöse Fanatiker und Medienmassen.

Autor Tim Seeley, der kreative Kopf hinter der Comicreihe Hack/Slash, bleibt dem Horrorgenre mit seiner neuen Serie Revival treu. Anders als bei Hack/Slash geht es hier jedoch weitaus ernsthafter und ruhiger zu. Mit dem beschaulichen Wausau als Handlungsort versucht Seeley eine kühle, aber vertraute Atmosphäre aufzubauen. Eine verschlafene Kleinstadt, in der sich jeder kennt, wird aus ihrer Unschuld herausgerissen und von einem Mord, etwas Übersinnlichem oder sonst einem Horror heimgesucht; ein solches Szenario funktioniert eigentlich in jedem Medium. Mit Abstrichen gelingt Seeley die Darstellung der Kleinstadtidylle ganz gut, allerdings sind die Figuren etwas klischeehaft angelegt. Dana Cypress, die Hauptfigur, leitet die Ermittlungen, hat aber zwischendurch genauso mit persönlichen Problemen zu kämpfen wie ihre Schwester. Der Vater der beiden ist übrigens der Polizeichef der Stadt. Ansonsten gibt es in dieser Serie noch eine zu neugierige Reporterin und einen jungen Mann vom Seuchenschutz, der von außerhalb stammt. Man merkt, dass sich der Autor Mühe gibt, den Figuren viel Tiefe und jedem den ein oder anderen ruhigeren Moment einzuräumen, aber die Konstellationen sind kaum überraschend, das Verhalten der Charaktere langweilig.

Seite aus Revival 1Die Handlung lässt unweigerlich Assoziationen an die französische TV-Serie Les Revenants bzw. an die US-Serie Resurrection aufkommen, die in nahem zeitlichen Abstand zu diesem Comic ausgestrahlt wurden bzw. werden und eine fast identische Grundthematik behandeln. Die Idee einer Zombie-Erzählung ohne Zombies kommt für den Leser von Revival vor diesem Hintergrund leider nicht mehr ganz so innovativ daher. Die Fragen, die Seeley in seinem Werk aufwirft, sind jedoch trotzdem spannend: Wie reagiert man auf wiederauferstandene Tote? Wie werden sich diese verhalten? Warum geschehen die Vorkommnisse genau in dieser Kleinstadt? Und was, wenn es einen Toten in der eigenen Verwandtschaft betrifft? Revival nimmt im ersten Band einen Anlauf, all diese Fragen ernsthaft zu diskutieren, verfällt jedoch schnell in Oberflächlichkeiten. Da hilft es auch wenig, dass der Plot mit Geistern und Psychopathen überfrachtet wird, um zusätzlich kurzfristige Schockmomente bzw. Mysterien zu generieren. So bleibt Revival nach dem ersten Band zwar ganz nett und unterhaltsam, scheitert bislang jedoch am eigenen Anspruch, tiefgründigen, modernen Untoten-Horror abzuliefern.

 

Wertung: 7 von 10 Punkten

Recht unterhaltsam, aber noch viel Luft nach oben

 

Revival 1 – Unter Freunden
Verlag: Cross Cult, Dezember 2013
Text: Tim Seeley
Zeichnungen: Mike Norton
Übersetzung: Frank Neubauer
128 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 18 Euro
ISBN: 978-3-86425-355-3
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Cross Cult 

 

Links der Woche 15/14: Zeitspar-Ausgabe V

Im April und Mai läuft diese Rubrik in einer zeitsparenden Variante: die interessantesten Links und Tweets der Comicwelt aus der letzten Woche, zusammengestellt mit Storify. Bitteschön:

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Der schreckliche Papst 3 – Gefährliche Tugend

Cover Der schreckliche Papst 3 Nach einer längeren Wartezeit setzt Starautor und Filmregisseur Alejandro Jodorowsky seine Serie um den „schrecklichen Papst“ fort. Dabei ist diese ja selbst schon die Fortsetzung seiner Kollaboration mit Milo Manara über die Borgia (siehe auch CG Rezensionen zu Band 1 und Band 2). Der Kardinal Della Rovere, ein erbitterterer Gegner der Borgias, kann nach dem Tod des Papstes Alexander VI. den Petrusthron ersteigen und lebt seine Lust und seine Grausamkeit nun voll aus. Julius II. ist dabei, seine Macht zu festigen und möchte das in einzelne Königreiche und Fürstentümer zersplitterte Italien einen – natürlich unter seiner Herrschaft. Für diese Ziel scheut er vor keinem Mittel zurück und verliert mehr und mehr die ursprünglichen Belange der Kirche aus den Augen.

Spätestens seit den erfolgreichen TV-Serien über die Borgias, welche schon immer in den unterschiedlichsten Medien die Fantasie des Publikums anzuheizen wussten, ist Kardinal Della Rovere wieder im Bewusstsein der Masse angelangt. Ähnlich wie in den Serien, wo er als schmieriger Gegner der Borgias gezeichnet wird und kaum Schattierungen erhält, sondern einfach nur als monströser Feind einer monströsen Sippschaft geschildert wird, ist er auch in seiner eigenen Comicserie ein einziger Unhold. Grauschattierungen sind hier nicht zu finden. Seine Motive, gegen die Borgias vorzugehen, haben keine moralische Grundlage mehr, sondern beruhen einfach nur auf seinem Machtwillen und dem Drang, seinen eigenen Trieben und Wünschen hemmungslos nachzugehen.

Seite aus Der schreckliche Papst 3 Als Historiencomic gerät das dann natürlich extrem zwiespältig. Die zeitlichen Abläufe und Figuren mögen zwar den Tatsachen entsprechen, doch Übertreibungen und verzerrende Elemente verschieben die Erzählung in ein Zwischenreich zwischen historischer Realität und Fantasie. Anstatt aus der tatsächlichen Geschichte Spannung zu ziehen, etwa indem Intrigen gesponnen und Kriege geführt werden, setzt Jodorowsky auf teils groteske Elemente, auch auf graphischer Ebene, welches alles ad absurdum führen und einen etwas hilflos zurücklassen. Wenn überdimensional voluminöse Frauen gezeigt werden, so kann man das als satirische Hommage an Rubens sehen, aber es ist eben meist nur grotesk und dient dazu, die Skrupellosigkeit des Papstes darzustellen.

Generell liegt der Fokus der Erzählung hier auf den charakterlichen Absonderlichkeiten des Titelhelden. Was auch bezüglich der anderen Figuren gilt: Michelangelo, Raphael oder Machiavelli werden nicht in ihren Leistungen gewürdigt, sondern fast nur anhand ihrer Schwächen und, naja, Perversionen charakterisiert. Das geht manchmal hart an die Grenze des guten Geschmacks. So verkommt der Comic weniger zu einem Sittengemälde der Renaissance, sondern zu einem Panoptikum moralischer Verwerfungen und Ausschweifungen. Statt einem Geschichtsdiorama bekommt man eine Freakshow.

Alles ist rein auf Spektakel ausgerichtet und so passen auch die explizit brutalen Bilder von Zeichner Theo sehr gut in diese Richtung. Diese gehen eine merkwürdige Mischung ein: einerseits Splatter, andererseits eine detailfreudige Wiederauferstehung der Renaissance. Wobei eben die grotesken Einfälle immer wieder zu Brüchen führen. Eine klare Linie fehlt und man rast durch den Band, ohne so recht zu wissen, was man denn davon hatte. Eine bestimmte Szene bleibt jedoch dauerhaft im Gedächtnis, wenn, zugegeben in einer platten Symbolik, der Papst in einem Fiebertraum gegen die Kirche kämpft.

 

Wertung6 von 10 Punkten

Statt aus historischen Gegebenheiten bezieht der Band seine Spannung einzig und allein aus dem Spektakel.

 

Der schreckliche Papst 3 – Gefährliche Tugend
Splitter Verlag, Februar 2014
Text: Alejandro Jodorowsky
Zeichnungen: Theo
Übersetzung: Tanja Krämling
64 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 14,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-461-1
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

Links der Woche 14/14: Zeitspar-Ausgabe IV

Im April und Mai läuft diese Rubrik in einer zeitsparenden Variante: die interessantesten Links und Tweets der Comicwelt aus der letzten Woche, zusammengestellt mit Storify. Bitteschön:

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Links der Woche 13/14: Zeitspar-Ausgabe III

Im April und Mai läuft diese Rubrik in einer zeitsparenden Variante: die interessantesten Links und Tweets der Comicwelt aus der letzten Woche, zusammengestellt mit Storify. Bitteschön:

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Frisch aus der Druckerei: März 2014

Die Zeit, die diese Kolumne jeden Monat beansprucht, ist zur Zeit eigentlich nicht vorhanden, aber so ganz unter den Tisch fallen soll sie auch nicht. Wir beschränken uns daher für den Monat März (und auch in der nächsten Folge für den April) auf jene Comics, die uns besonders am Herzen liegen: die einheimischen Eigenproduktionen, von denen im März eine ungewöhnlich große und vielfältige Menge auf den Markt kam. Eine Auswahl interessanter neuer Lizenztitel aus dem Ausland gibt es dann weiter unten in Listenform.

EIGENPRODUKTIONEN

SchattenspringerAnfang 2012 begann die Berliner Zeichnerin Daniela Schreiter alias „Fuchskind“ einen autobiografischen Fortsetzungscomic auf ihre Website zu stellen. In Schattenspringer erzählt sie von ihrer Kindheit und Jugend mit dem Asperger-Syndrom und erklärt an ihrem eigenen Beispiel, was Menschen mit Asperger von anderen unterscheidet und wie es sich anfühlt, damit zu leben. Die ersten vier Kapitel stehen nach wie vor als Webcomic online, ein fünftes gibt es exklusiv im gedruckten Hardcover, das im März bei Panini erschienen ist. [Leseprobe]

Als der Egmont-Verlag vor zwei Jahren sein erstes „Comicstipendium“ auslobte, gewann Olivia Vieweg mit ihren Entwürfen zum Comic Antoinette kehrt zurück, der nun als fertiges Buch bei Egmont Graphic Novel herauskommt. Erzählt wird die ziemlich böse Geschichte einer jungen Frau, die nach Amerika ausgewandert ist, aber noch einmal in die deutsche Kleinstadt zurückkehrt, in der sie aufgewachsen ist. Dort hatte sie eine Jugend voller Mobbing und Demütigungen erlebt. [Leseprobe]

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Hinter dem Pseudonym CHASM stecken die Zeichnerin Marika Herzog (Grimoire) und der Autor Michel Decomain (der auch regelmäßig Artikel für Comicgate beisteuert). Für EMA produzierte das Duo den Manga Demon Lord Camio, in dem ein junger, chaotischer Dämonenlord sein Unwesen auf der Erde treibt [Leseprobe]. Auf demonlordcamio.de gibt es dazu den wöchentlich fortgesetzten Webcomic Leid und Verderben, der im Yonkoma-Stil die Vorgeschichte erzählt. [Leseprobe]

Alpha², ein Boys-Love-Manga um zwei Werwölfe von der Zeichnerin Kamineo, erschien zunächst in drei Bänden beim Verlag Schwarzer Turm, nun gibt es eine preisgünstige Gesamtausgabe bei Carlsen Manga. [Leseprobe]. Parallel dazu erschien bei Schwarzer Turm das Artbook Of Wolves and Men – The Art of Kamineo.

Das Thema Religion, mit dem sich Ralf König mehrere Jahre lang in etlichen Büchern beschäftigt hat, scheint er erst mal zu den Akten gelegt zu haben: Mit Konrad & Paul – Raumstation Sehnsucht kehrt König zurück zu seinem Urthema, den komischen Seiten des schwulen Alltags, und zu seinem Protagonistenpärchen, das er schon seit vielen Jahren immer wieder begleitet. Diesmal versucht sich Paul als Schriftsteller und schreibt einen pornografischen Science-Fiction-Roman. [Leseprobe]

Auch Rezzo und Elisabeth handelt von einem Paar in einer langen Beziehung, die allerdings gerade zerbricht. Autor und Zeichner Till Thomas, der einige Kurzgeschichten für Strapazin und Orang gemacht hat und Mitbegründer der Künstlergruppe Treasure Fleet ist, hat seine surreal angehauchte Geschichte in mehreren Episoden der selbstverlegten Minicomicserie Zirp veröffentlicht, nun erscheint sie komplett als Buch beim Avant-Verlag. [Leseprobe]

Simon Schwartz, der mit seinen Langcomics drüben! und Packeis bekannt wurde, zeichnet seit 2012 für die Wochenzeitung Der Freitag die Serie Vita Obscura. In jeder Episode wird mit ständig wechselnden Stilmitteln eine kaum bekannte historische Figur vorgestellt, die eher am Rande eines großen Ereignisses der Geschichte stand, z.B. eine Schiffskrankenschwester der „Titanic“ oder die Ehefrau des Waffenfabrikanten Winchester. Bei Avant gibt es nun einen Hardcover-Sammelband dieser Strips. [Leseprobe]

Totes MeerEiner der am schwersten definierbaren, aber auch besten und witzigsten Comicstrips, die in deutschen Zeitungen erscheinen, ist Totes Meer von 18 Metzger alias Olav Korth, der in der Jungle World erscheint und es mittlerweile auf über 400 Strips gebracht hat. Eine Auswahl daraus erscheint nun erstmals gedruckt (und teilweise kommentiert) beim Ventil Verlag. Es geht um Schiffe und Matrosen, vor allem aber um Politik und Gesellschaft, um Banales und Grundsätzliches, also um alles. [Leseprobe]

Der Hamburger Graphic-Novel-Förderpreis „AFKAT“ wurde im letzten Jahr zum zweiten Mal ausgeschrieben. Gewonnen hat ihn die aus Korea stammende Sohyun Jung mit dem Buch Vergiss nicht, das Salz auszuwaschen, das nun beim Mairisch Verlag vorliegt. Der Untertitel verspricht „eine kleine Reise in die koreanische Küche“, doch es geht nicht nur um das perfekte Kimchi, sondern auch um das Ankommen in einer neuen Heimat, um Heimweh und das Verhältnis zur Familie in der Ferne. [Leseprobe]

Dietmar Dath kennt man als Popkultur-Theoretiker, Journalist im FAZ-Feuilleton und Romanautor. Nachdem er bereits eine Kurzgeschichte für Zwerchfells Zombie-Epos Die Toten beigesteuert hat, bringt der Verbrecher Verlag mit Mensch wie Gras wie nun Daths ersten Langcomic heraus. Gezeichnet wurde er von Oliver Scheibler und erzählt nonlinear von einer Biologin, die sich zwischen ihrer Genforschung und zwei komplizierten Beziehungen bewegt. In einem Anhang berichtet Dath schließlich von seinen Erfahrungen mit der Arbeit in der Kunstform Comic. [Leseprobe]

Suskas Lötzerich wurde als Mensch geboren, dessen Geschlecht nicht eindeutig bestimmbar ist. Suska soll zunächst als Mädchen aufwachsen, doch bald hat sie, bzw. er, immer stärker das Gefühl, im falschen Körper zu stecken. In Hexenblut (Luftschacht) erzählt Lötzerich autobiografisch vom Heranwachsen im Punkmilieu und der Suche nach sexueller Identität. [Leseprobe]

Wild BoyEbenfalls bei Luftschacht erschien der dicke Band Wild Boy, in dem der Wiener Künstler Alexander Strohmaier semi-autobiografisch mit expressiven, pop-artigen Bildern von einer wilden Jugend in den 1970er Jahren erzählt. [Leseprobe]

Ein Biocomic über den Jazzgitarristen Coco Schumann, der als junger Mann von den Nazis ins KZ gesteckt wurde, den Holocaust überlebte und bis heute auf der Bühne steht, erschien im Berliner be.bra-Verlag, der schwerpunktmäßig Bücher zu Geschichte und Zeitgeschichte sowie zu regionalen Themen veröffentlicht. Das Szenario zu I got rhythm stammt von Caroline Gille, die Zeichnungen von Illustrator Niels Schröder. [Leseprobe]

Mehr als 500 Episoden gibt es in zwischen von Ralph Ruthes Comicstrip Frühreif! über Kinder am Rande der Pubertät, der auch als Zeitungscomic in verschiedenen Tageszeitungen abgedruckt wird. Jetzt gibt es bei Carlsen den ersten Sammelband in Buchform.

AUS JAPAN

Attack on Titan 1Attack on Titan 1 von Hajime Isayama (Carlsen Manga)

Sonate des Schicksals von Kaoru Ichinose (Carlsen Manga)

Big Order 1 von Sakae Esuno (EMA)

Darum Liebe von Mio Nanao (EMA)

Inu Yasha New Edition 1 und 2 von Rumiko Takahashi (EMA)

Dear Brother! 1 von Maki Enjoji (Tokyopop)

Seishun Survival von Kyosuke Motomi (Tokyopop)

Girls in my Glasses 1 von Yuki Azuma (Planet Manga)

AUS FRANKREICH UND BELGIEN

Das Imperium des Atoms von Thierry Smolderen und Alexandre Clerisse (Carlsen)

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Die Rückkehrer von Olivier Morel und Maël (Carlsen)

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Der Fall E.P. Jacobs – Ein Leben für den Comic von Rodolphe und Louis Alloing (Carlsen)

Gröcha von Peggy Adams (Avant-Verlag)

Der Mann, der sein Leben ermordete von Emmanuel Moynot nach Jean Vautrin (Edition 52)

Der Fremde von Jacques Ferrandez nach Albert Camus (Jacoby & Stuart)

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Das versteckte Kind von Loïc Dauvillier, Marc Lizano und Greg Salsedo (Panini Comics)

Azimut 1 von Wilfried Lupano und Andreae (Splitter Verlag)

John Arthur Livingstone – Herr der Affen 1 von Philippe Bonifay und Fabrice Meddour (Splitter Verlag)

AUS FINNLAND

Unsichtbare Hände von Ville Tietäväinen (Avant-Verlag)

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AUS KANADA

Jane, der Fuchs & ich von Fanny Britt und Isabelle Arsenault (Reprodukt)

AUS DEN USA

Jim Henson’s Tale of Sand von Ramón K. Pérez (dani books)

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Parker: Das Syndikat von Darwyn Cooke nach Richard Stark (Eichborn)

Creepy präsentiert: Richard Corben (Splitter Verlag)

Grimm 1 von Jim Kouf, David Greenwalt und Jose Malaga (Panini Comics)

Captain America Megaband 1: Verschollen in Dimension Z von Rick Remender und John Romita Jr. (Panini Comics)

Marvel Exklusiv 108: Thanos von Jason Aaron und Simone Bianchi (Panini Comics)

Constantine 1 von Jeff Lemire, Ray Fawkes u.a. (Panini Comics)

Trinity of Sin: Pandora von Ray Fawkes, J. M. DeMatteis u.a. (Panini Comics)

Das Opfer (Crossover der Top-Cow-Serien Artifacts, Witchblade und Darkness) von Ron Marz, Tim Seeley, David Hine u.a. (Panini Comics)

Die Links hinter den Titeln verweisen jeweils auf Leseproben zum jeweiligen Comic (falls keine deutsche Leseprobe verfügbar ist, zu einer Version in der Originalsprache).

 

 

The Amazing Spider-Man 2 – Rise of Electro

Poster The Amazing Spider-Man 2The Amazing Spider-Man 2
USA 2014
Regie: Marc Webb

Hauptdarsteller: Andrew Garfield (Spider-Man / Peter Parker), Emma Stone (Gwen Stacy), Jamie Foxx (Electro / Max Dillon), Dane DeHaan (Green Goblin / Harry Osborn), Paul Giamatti (Aleksei Sytsevich), Sally Field (Aunt May)

Zum Gewinnspiel geht’s hier!

 

Nachdem Sam Raimi im Jahr 2007 seine erfolgreiche Spider-Man-Trilogie beendet hatte und ein zunächst geplanter vierter Teil nicht zustande kam, brauchte das Filmstudio Sony eilig Ersatz. So kam es 2012 nach nur fünf Jahren Pause zu einem Reboot, die Filmreihe wurde als Amazing Spider-Man mit Regisseur Marc Webb und komplett neuer Besetzung neu gestartet. Abermals wurde die Ursprungsgeschichte von Peter Parker und seinen Spinnenkräften erzählt, und obwohl Amazing kein wirklich schlechter Film war, konnte er nicht so recht aus Raimis Schatten treten. Zu wenig unterschied sich die Neuinterpretation in Stimmung und Tonalität von den Vorgängern, sie bot kaum eigene Akzente und nie wurde so recht klar, warum das Franchise nach so kurzer Zeit einen Neustart bekommen musste. Ein Erfolg an der Kasse war ASM natürlich trotzdem, und so bekommt Marc Webb mit der Fortsetzung Rise of Electro nun die Gelegenheit zu zeigen, ob er sich doch noch emanzipieren und Spider-Man in eine neue, eigene Richtung führen kann.

Szene aus The Amazing Spider-Man 2Der Hauptunterschied zwischen Webbs erstem Spidey-Film und denen von Sam Raimi war die Grundstimmung, die bei Webb düstererer, ernsthafter und dunkler daherkam, was aber nicht so recht zu Spider-Man passte und der Comicvorlage nicht gerecht wurde, bei der Humor und flotte Sprüche immer eine wichtige Rolle spielten. Das Sequel vollzieht hier eine deutliche Wendung: Von Beginn an fällt eine positivere, fröhlichere Stimmung auf, mit mehr Humor und weniger Düsternis als im ersten Teil. Peter Parker liebt es, Spider-Man zu sein, er hat einen frisch erworbenen Schulabschluss und mit Gwen Stacy eine tolle Freundin. Es geht ihm gut. Natürlich kann das nicht so bleiben, aber generell kehrt hier eine Leichtigkeit zurück, die im ersten Teil schmerzlich fehlte.

Auch in den Actionszenen hat sich Amazing Spider-Man deutlich verbessert. Die Effektspezialisten wissen die 3D-Technik diesmal viel besser zu nutzen, es macht großen Spaß, als Kinozuschauer Spider-Mans Blickwinkel einzunehmen und mit ihm durch New Yorks Häuserschluchten zu schwingen. Dazu kommt ein häufig eingesetzter Effekt, der ein wenig an den angestauben Bullet-Time-Trick aus The Matrix erinnert, sich aber viel frischer anfühlt: Das Bild wird stark verlangsamt oder ganz eingefroren, während sich die Kamera freischwebend weiter durch die Szene bewegt – im Zusammenspiel mit dem 3D-Effekt ein sehr wirkungsvolles visuelles Mittel.

Szene aus The Amazing Spider-Man 2Neben der überzeugend inszenierten Action legt Marc Webb, dessen erster größerer Filmerfolg die Indie-Romanze (500) Days of Summer war, auch großen Wert darauf, dass sich seine Figuren auch abseits von Kostümen und Kampfszenen entfalten können. Es gibt reichlich ruhigere Momente, in denen es mehr um Schauspielkunst als um Effekte geht. Vor allem Hauptdarsteller Andrew Garfield als Peter Parker weiß hier zu glänzen, besonders schön sind einige Szenen mit Sally Field als Tante May. Im Mittelpunkt steht freilich Peters Beziehung zu Gwen Stacy (Emma Stone, mit der Garfield auch im echten Leben liiert ist). Die geht durch Höhen und Tiefen und spielt von netten Dialogen bis zum ganz großen Drama so ziemlich alle möglichen Tonlagen durch.

Als Hauptgegner bekommt diesmal Electro seinen Auftritt, ein Angestellter der Firma Oscorp, der sich nach einem Arbeitsunfall die Kraft des elekttrischen Stroms zu eigen machen kann. Das Erscheinungsbild von Electro, der von Jamie Foxx gespielt wird, wurde im Vergleich zu den Comics komplett neu designt. Leider bleibt dieser Schurke in Motivation und Verhalten sehr klischeehaft und Foxx vermag es kaum, seiner Figur eigene, originelle Nuancen zu geben.

Szene aus The Amazing Spider-Man 2Das ist aber nicht das größte Problem an Amazing Spider-Man 2. Wenn man sich einerseits auf Electro als Schurken und andererseits auf Peters Privatleben konzentriert hätte, hätte das ein richtig runder, unterhaltsamer Superheldenfilm werden können. Doch Webb und sein Autorenteam (Alex Kurtzman, Roberto Orci und Jeff Pinkner) begehen den gleichen Fehler, den Sam Raimi seinerzeit beim dritten Teil begangen hatte: Sie überladen den Film mit noch einem Handlungsstrang, noch einem Schurken, noch einer Rückblende, noch einem Problem, und diese Überfachtung tut ihm gar nicht gut. Neben den Beziehungsproblemen mit Gwen und der Bedrohung durch Electro bekommt es Peter mit seinem alten Kumpel Harry Osborn (Dane DeHaan) zu tun, der als Green Goblin in die Fußstapfen seines Vaters tritt, und als wäre das noch nicht genug, begibt sich unser Held auch noch auf Spurensuche in der Vergangenheit seines eigenen verstorbenen Vaters.

All das sorgt nicht nur für eine ausufernde Lauflänge von 142 Minuten, was dem Publikum viel Sitzfleisch abverlangt, der Film verliert auch an Schwung, weil sich zu viele Handlungsstränge parallel entwickeln und sich gegenseitig behindern. Jeder dieser Subplots hat seine Berechtigung und wäre in einer lange laufenden Serie (was Spider-Man in seiner Urform als Comic ja auch ist) bestens aufgehoben. In einem abgeschlossenen Film jedoch stehen sie sich gegenseitig im Weg und Peter Parker alias Spider-Man wirkt wie ein überforderter Jongleur, der verzweifelt versucht, allzu viele Bälle in der Luft zu halten.

Szene aus The Amazing Spider-Man 2Die Drehbuchschreiber Kurtzman, Orci und Pinkner sind ein erfahrenes Trio, das schon lange gemeinsam schreibt, bisher vor allem für TV-Serien wie Alias und Fringe. Gut möglich, dass sie hier bewusst versucht haben, dem Kino ein bisschen Serienmentalität einzuhauchen. Das klappt stellenweise auch, zum Beispiel bei der gelungenen Sequenz am Ende, wenn noch einmal ein weiterer Schurke eingeführt wird, was gleichzeitig als Ausblick auf den nächsten Spider-Man-Film bzw. das geplante Spin-Off mit den „Sinister Six“ dient. Insgesamt aber verzetteln sich die Macher in einem Zuviel an Handlung und Nebenhandlung und überfrachten damit einen Film, der eigentlich sehr vielversprechend begonnen hat. Am Ende überzeugt Amazing Spider-Man 2 dann weniger durch seine Story als durch seine Schauwerte und sehenswerte Actionszenen.

 

Wertung: 6 von 10 Punkten

 

 


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