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Links der Woche 11/14: Zeitspar-Ausgabe I

Das (beinahe) allwöchentliche Zusammentragen, Auswerten und Kommentieren von wichtigen und interessanten Links aus der Comicwelt mache ich zwar sehr gerne, es frisst aber erhebliche Mengen von Zeit. Zeit, die in den kommenden Wochen für andere Aufgaben gebraucht wird. Da ich aber trotzdem nicht ganz auf die Links der Woche verzichten möchte, gibt es im April und Mai eine etwas andere Version dieser Rubrik: Als Zusammenstellung von Links und Tweets mit Hilfe von Storify. Ohne Kommentierung und Einordnung, aber immerhin in einer visuell angenehmen Form. Viel Spaß damit!

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Du bist ein Dinosaurier / Der nächtliche Besuch / Staatsexamen

Der Berliner Jaja-Verlag hat letztes Jahr neben seinen Comicbüchern auch sehr schöne Bilderbücher herausgebracht, von denen hier einige kurz vorgestellt werden sollen. Wer sich für eine weitere Beschäftigung mit diesen jungen Talenten interessiert, sollte auch deren jeweilige Webseiten besuchen, die in den einzelnen Besprechungen verlinkt sind. Ansehen lohnt sich.

 

Cover Du bist ein DinosaurierDu bist ein Dinosaurier
Text und Zeichnungen: Dirk Wachsmuth
36 Seiten, vierfarbig, 11cm x 11cm
Preis: 5,00 €
Jaja-Verlag 2013
Leseprobe

Du bist ein Dinosaurier ist ein Mini-Bilderbuch im Format der bekannten Pixi-Bücher. Das Buch richtet sich an jede Person vorgerückten Alters, die genug Humor hat, sich die zunehmenden Gebrechen des Alters auf humorvolle Art und Weise unter die Nase reiben zu lassen. Das geschieht in diesem Büchlein viel charmanter und netter als mit gängigen Postkarten mit Sprüchen wie „Ich bin 40, bitte helfen sie mir über die Straße“. Dennoch sehe ich hier das größte Problem des Büchleins: Einerseits kauft man sich so etwas normalerweise nicht selbst, sondern bekommt es idealerweise geschenkt, andererseits dürfte es schwierig sein, eine geeignete Zielperson zu finden. Wem kann man dieses Büchlein schenken, der es zu würdigen weiß und nicht wie andere Grußkarten schnell achtlos beiseite legt? Am besten nicht viel nachdenken und schon allein des Preises wegen selber kaufen, lesen und schmunzeln, auch wenn man (noch) nicht zur Zielgruppe gehört. Und Kindern wird es sicher auch gefallen.

Weitere Arbeiten des Künstlers findet man unter dirkwachsmuth.com

Wertung: 8 von 10 Punkten

Charmantes Bilderbuch mit originellem Inhalt.

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Cover Der nächtliche BesuchDer nächtliche Besuch
Text und Zeichnungen: Ebeneeza K. (Stefanie Klück)
28 Seiten, zweifarbig, 15cm x 15 cm
Preis: 12,00 €
Jaja-Verlag 2013
Leseprobe

Morbide kommt Der nächtliche Besuch von Ebeneeza K. alias Stefanie Klück daher. Da verliert gleich am Anfang ein kleiner Junge seine Mutter, was das Glück der Familie jäh zerstört. Aber die Mutter kehrt zurück. Sie ist eine Untote geworden und in einer Vollmondnacht klopft sie ans Fenster des Jungen. Die Geschichte dieses kleinen quadratischen Büchleins im Format 15 x 15 cm ist schnell erzählt und nicht gerade wahnsinnig originell, aber die Aufmachung des Buches ist der Hammer. Die eleganten, nur in schwarz, weiß, rot und grau gehaltenen Bilder, kommen auf dem verwendeten Karton äußerst gut zur Geltung. Die Druckqualität, die Farbsättigung und der abnehmbare, im Siebdruckverfahren bedruckte Umschlag machen aus dem Büchlein ein kleines Gesamtkunstwerk, das man gerne zur Hand nimmt und einfach nur darin blättert. Kein Wunder, dass dieses liebevoll hergestellte Bändchen auf 250 Exemplare limitiert ist. Sehr zu empfehlen.

Weitere Arbeiten der Künstlerin findet man unter ebeneeza-k.com

Wertung: 8 von 10 Punkten

Betörend schön aufgemachtes Bilderbuch, das keine Wünsche offen lässt.

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Cover StaatsexamenStaatsexamen
Text und Zeichnungen: Frollein Motte (Teresa Mönnich)
96 Seiten, schwarzweiß, 15cm x 14 cm
Preis: 10,00 €
Jaja-Verlag 2014
Leseprobe

Frollein Motte, oder Teresa Mönnich, wie die Künstlerin mit richtigem Namen heißt, lässt uns in diesem ebenfalls kleinformatigen Büchlein Teil haben an ihrem Studentenleben als Lehramtsstudentin. Sie beschreibt unter anderem, dass es ein schwieriges Unterfangen ist ist, das Studium an zwei Unis gleichzeitig zu koordinieren, dass jede Uni ihren eigenen Charakter hat, dass Schulen wie belegte Brötchen sind und dass der erste Kontakt zu echten Schulkindern eine recht fordernde Sache sein kann. Das ganze wirkt in der Darstellungsweise ein bisschen wie Sesamstraße für Erwachsene und ist auf Dauer vielleicht etwas zu knuffig geraten. Sicherlich wird das Büchlein Studenten finden, die diesem Identifikationsangebot etwas abgewinnen können, denn Frollein Motte ist für das Thema Studium, Selbstfindung und Abfeiern durchaus eine veritable Illustratorin mit dem Talent, an den richtigen Stellen zu reduzieren. Der skizzenhaft-karikierende Stil ist für ein ganzes Buch aber dann doch etwas wenig und wirkt manchmal etwas verloren, fast als würde das eigentliche Buch mit dem Haupttext fehlen. Staatsexamen wirkt wie ein studienbegleitendes Begleitheftchen, wie es von manchen Fachschaften ausgegeben wird. Am Ende entscheidet Frollein Motte, dass das Lehrerdasein nicht so das ihre ist und beschließt., Illustratorin zu werden. Das Büchlein, so erfährt man, ist ihre Einstiegsarbeit. Ach, wenn es nur nicht so wahnsinnig goldig und nett wäre.

Weitere Arbeiten von Frollein Motte findet man auf der Seite illustrationsautomat.de

Wertung: 5 von 10 Punkten

Eine amüsante Auflistung von Erfahrungen, wie sie ohnehin jeder Student macht. Gut gemeint und nett gemacht.

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Abbildungen: © Jaja Verlag, Dirk Wachsmuth, Stefanie Klück, Teresa Mönnich

Links der Woche 10/14: Dance along if you feel like dressing up like cartoons

Unsere Links der Woche, Ausgabe 10/2014:

 

„Projekte ermöglichen, die sonst in den Filtersystemen stecken bleiben“ 
Buchreport
Daniel Lieskes erfolgreicher Webcomic The Wormworld Saga soll nicht nur in Deutschland und Frankreich als gedrucktes Buch angeboten werden. Da bislang kein Verlag für den englischsprachigen Markt gefunden wurde, wollen Lieske und sein deutscher Verlag Tokyopop das nun selbst angehen. Helfen soll dabei eine Crowdfunding-Kampagne, mit der das nötige Kapital gesammelt werden soll. Der Buchreport hat dazu ein Interview mit Verleger Joachim Kaps sowie zwei kurze Videoclips mit Daniel Lieske.

Neuer Anlauf mit E-Comics
Buchreport
Der erste Anlauf mit der eigenen App “Panini Digits” ist mittlerweile beerdigt, nun startet Panini am 1. April einen zweiten Versuch auf dem Markt der digitalen Comics. Gemeinsam mit dem Dienstleister Bookwire sollen die Comics auf verschiedene digitale Plattformen, u.a. den iBookstore von Apple bringen. Ebenfalls beliefert wird die deutsche App-Plattform MadDog Comics und künftig auch der US-Marktführer Comixology. Angeboten werden zunächst Comics aus Serien wie Star Wars, Wonderland, Buffy, True Blood und Der dunkle Turm, auch Eigenproduktionen wie die neue Graphic Novel Schattenspringer von Daniela Schreiter sind dabei.

Französische Comic-Autoren zünden den Turbo im Netz
Deutschlandfunk, Katja Petrovic
Ein Radiobeitrag beschäftigt sich mit dem Stand der digitalen Comicwelt im Nachbarland Frankreich. Auch dort wird natürlich viel experimentiert, unter anderem mit dem sogenannten “Turbomedia”-Modus. (MP3, 3:44 Minuten)

Cosplay – A Happy Parody
YouTube, D Piddy
Tolle Interpretation des Überhits von Pharrell Willams, gebaut vom Cosplayer D Piddy, der mit seinen Auftritten als Deadpool schon eine kleine Berühmtheit in der Szene geworden ist:

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Frisch aus der Druckerei: Februar 2014

Der Februar war ein ziemlich starker Monat, nicht nur was deutsche Eigenproduktionen angeht. Unter anderem gibt es preisgekrönte Comics aus den USA und womöglich ein neues Standardwerk über Geschichte, Stile und Künstler des Comics. Hier kommt unser Überblick über auf die interessantesten und wichtigsten neuen Comics des Vormonats.

 

HIGHLIGHT DES MONATS

Vasmers BruderNach den erfolgreichen Comics Gift und Haarmann schließt Peer Meter seine „Serienmörder-Trilogie“ mit Vasmers Bruder (Carlsen) ab. Wie auch in den Vorgängern geht es um einen realen Kriminalfall aus vergangenen Zeiten, diesmal um einen Zeitgenossen von Fritz Haarmann: Karl Denke, der zwischen 1903 und 1924 in Schlesien mindestens 30 Personen getötet und verspeist hat. Die Zeichnungen stammen diesmal vom Berliner David von Bassewitz, der mit Kohle und Bleistift eine angemessen düstere Stimmung schafft. Meters Szenario ist in der Gegenwart angesiedelt, in der ein Reporter im heutigen Polen für einen Film über Denke recherchiert und spurlos verschwindet. [Leseprobe]

EIGENPRODUKTIONEN

Jens Harder legt mit Beta …civilisations den Nachfolger zum mehrfach preisgekrönten Alpha …directions vor, den zweiten Teil seines Mammutprojekts, in dem er mit graphischen Mitteln die komplette Geschichte der Erde darstellt. Alpha reichte vom Urknall bis zum ersten Auftauchen eines homo erectus, in Beta geht es nun um die Geschichte der Menschheit. Harder teilte dieses Kapitel in zwei Teile auf, der jetzt bei Carlsen vorliegende Band endet mit der Geburt Jesu. Aus der geplanten Trilogie, die sich schließlich auch noch der Zukunft widmen soll, werden nun also wohl vier Bände werden.

Was zur Hölle?Beim Kinder- und Jugendbuchverlag Fischer Sauerländer erschien Was zur Hölle?! von Patrick Wirbeleit, in dem ein Junge auf der Suche nach einem Nebenjob in der Hölle landet, wo er als Aschefeger sein Taschengeld aufbessern möchte. Nach diversen Szenarien (u.a. für Kiste und Störtebeker) und Bilderbuch-Illustrationen ist dies der erste Comic, bei dem Wirbeleit selbst für Text und Zeichnungen zuständig ist. [Leseprobe]

Mit seinen Adaptionen von Thomas Bernhard, Robert Musil und H.C. Artmann bei Suhrkamp ist Nicolas Mahler in der Welt der Hochkultur gelandet, die mit der Kunstform Comic natürlich fremdelt, was zu sehr komischen Situationen führen kann. Nachdem er jahrelang gefragt wurde, ob das denn auch wirklich Kunst sei, was er da mache, lautet die Frage nun, ob es wirklich Literatur ist. Daraus machte Mahler autobiografische Episoden, die nun bei Reprodukt in dem Band Franz Kafkas nonstop Lachmaschine gesammelt werden. [Leseprobe]

In der Monatszeitung Le Monde Diplomatique dürfen regelmäßig internationale Comiczeichner und Illustratoren auf einer ganzen Seite austoben, darunter Künsler wie Michael Meier, Cyril Pedrosa, Gipi, James Sturm oder Marc-Antoine Mathieu. Bei Reprodukt erschien nun mit Comics zur Lage der Welt zum zweiten mal ein Sammelband mit diesen Werken. [Leseprobe]

Alkandoor 1Bei Epsilon startet eine auf sieben Bände angelegte Albenreihe namens Alkandoor. Christine Kaiser erzählt darin von einer Gruppe von Kindern, die von Piraten entführt werden und nun Teil von deren Schiffscrew werden. Angesiedelt ist die Serie in einer Fantasywelt voller anthropomorpher Tiere, die ein wenig an Blacksad erinnert. [Leseprobe]

Frostfeuer, die Adaption eines Fantasyromans von Kai Meyer, die von Yann Krehl und Zeichnerin Marie Sann umgesetzt wurde, erschien beim Splitter Verlag zunächst in Form einzelner Alben. Parallel zum abschließenden dritten Band veröffentlicht man nun auch die komplette Geschichte in einem Band im kleineren Format als „Splitter Book“. [Leseprobe]

AUS GROSSBRITANNIEN

Der gigantische Bart, der böse warDer gigantische Bart, der böse war heißt die deutsche Version des Comics vom englischen Zeichner Stephen Collins, der in einem Inselstaat spielt, in dem alles extrem wohlgeordnet ist – bis dem Protagonisten in Rekordzeit ein enormer Bart wächst und großes Chaos auslöst. In Großbritannien schaffte es das Buch bereits auf etliche Bestenlisten, die deutsche Ausgabe gibt’s beim Atrium Verlag. [Leseprobe]

AUS DEN USA

Ganz neu im Comicbereich ist die Edel AG mit ihrem Verlag Eden Books, wo im Februar Leckerbissen erschien, ein kulinarisch-autobiographischer Comic von Lucy Knisley, in dem es um die Liebe zu gutem Essen geht, garniert mit einigen Kochrezepten. Knisley, die sich mit ihrem Webcomic Stop Paying Attention einen Namen gemacht hat, wuchs in einer Familie voller Köche und Feinschmecker auf, deren Leidenschaft sie nun in Comicform verarbeitet. [Leseprobe]

Relish, wie Leckerbissen im Original heißt, erschien in den USA beim Verlag First Second, der sich erfolgreich auf Graphic Novels für vorwiegend jüngere Leser spezialisiert hat. Aus dem gleichen Verlag kommt Anya’s Ghost von Vera Brosgol, das 2012 sowohl den Eisner als auch den Harvey Award als bester Comic für junge Erwachsene gewann. Es geht um ein russischstämmiges Mädchen, das die typischen Pubertätsprobleme erleidet, ehe es eines Tages auf den Geist eines seit langer Zeit toten Mädchens trifft. Auf deutsch ist Anyas Geist jetzt bei Tokyopop erschienen. [Leseprobe]

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Vampire Kisses ist eine Jugendbuchreihe aus dem erfolgreichen Genre der romantischen Mystery-Stories. Die Autorin Ellen Schreiber hat in den USA neun Romane aus dieser Reihe vorgelegt, 2007 entstand die erste Comicadaption im Mangastil beim damals noch existierenden US-Verlag Tokyopop. Während die Reihe in den USA den Verlag wechselte, bleibt in Deutschland alles beim Alten, so dass bei Tokyopop nun ein zweiter Band namens Vampire Kisses: Graveyard Games erscheinen konnte. [Leseprobe]

Nicht nur Peer Meter macht Comics über real existierende Serienmörder. Green River Killer – Die wahre Geschichte eines Serienmörders handelt vom Fall von Gary Ridgway, der in den 1980er Jahren im Bundesstaat Washington 49 Prostituierte umgebracht hat. Einer der örtlichen Polizisten, die die Mordserie untersuchten, ist der Vater von Comicautor Jeff Jensen, der in seinem Comic aus dessen Sicht erzählt. 2012 gewann das Buch den Eisner Award in der Kategorie „“Best Reality Based Work“. [US-Leseprobe]

Wir bleiben noch bei „Reality Based Works“: Panini bringt Der fünfte Beatle – Die Brian Epstein Story, einen biographischen Comic über Brian Epstein, den Manager der Beatles, der trotz deren Riesenerfolge kein glücklicher Mensch wurde und mit nur 32 Jahren verstarb. Autor ist Vivek J. Tiwary, ein erfolgreicher Produzent am Broadway, die Zeichnungen kommen von Andrew Robinson und teilweise von Kyle Baker. Die deutsche Ausgabe als Hardcover-Album folgt nur wenige Monate auf die amerikanische Originalversion, die Ende 2013 von der Kritik sehr positiv aufgenommen wurde. Eine Verfilmung ist in Arbeit. [Leseprobe]

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In der Panini-Vorschau gibt es für einige Comics den Stempel „Sexy Tipp“. Dieses Qualitätssiegel bekommt zum Beispiel der erste Band der deutlich vom Grindhouse-Kino inspirierten Image-Serie Nancy in Hell von El Torres und Juan Jose Ryp. Darin landet eine wenig bekleidete Heldin in der Unterwelt und versucht, bewaffnet mit einer Kettensäge, sich ihren Weg dort heraus zu kämpfen. [Leseprobe]

Unter dem Label „Marvel Now“ startete eine neue Serie um den intergalaktischen Helden Nova, geschrieben von Jeph Loeb mit Zeichnungen von Ed McGuinness. Panini bringt die Reihe in Form von Paperback-Sammelbänden. [Leseprobe]

Wer die aktuelle Spider-Man-Serie, in der der Geist von Doctor Octopus und nur noch ein kleiner Rest von Peter Parker im Körper von Spidey steckt, nicht in Form von Einzelheften liest, bekommt sie nun auch gesammelt. Der erste Band „Im Körper des Feindes“ ist als Soft- und als Hardcover zu haben. [Leseprobe]

Nostalgische Sehnsucht nach den 90er Jahren bedient Panini mit einem Nachdruck der kompletten Spider-Man Klonsaga in sieben dicken Sammelbänden. In dieser Storyline, die sich gut zwei Jahre lang durch verschiedene Marvel-Serien zog, schlüpfte ein Klon von Peter Parker namens Ben Reilly ins Spinnenkostüm. Die Klonsaga verkaufte sich gut, geriet aber mit der Zeit immer mehr außer Kontroll, verwirrte und verärgerte mit diversen inhaltlichen Sprüngen viele Fans und gilt für viele als die schlimmste Phase in der über 50-jährigen Geschichte von Spider-Man. [Leseprobe]

Superman Unchained 1Seit dem großen DC-Neustart von 2011 ist die Batman-Serie von Autor Scott Snyder der unangefochte Spitzenreiter unter den DC-Comics, was die Verkaufszahlen angeht. Wenn man diesen erfolgreichen Autor jetzt noch den guten alten Superman schreiben lässt und ihm Zeichnerstar Jim Lee zur Seite stellt, hat man quasi eine Bestseller-Garantie. Hat auch funktioniert, allerdings beenden Snyder und Lee die Serie bereits nach neun US-Heften wieder. Panini startet für Superman Unchained trotzdem eine eigene Heftserie, die damit zur Zeit die siebte laufende DC-Heftserie auf dem deutschen Markt ist. [Leseprobe]

Dass Panini ausgerechnet die DC-Serie Phantom Stranger auch auf Deutsch herausbringt [Leseprobe], die nicht gerade zu den Bestsellern zählt, lässt sich leicht erklären: Dieser Comicheld gehört nämlich zur „Trinity of Sin“, die eine Hauptrolle im nächsten großen Crossover-Event Trinity War spielt, das hauptsächlich innerhalb der Justice League-Serie stattfindet. Los gings damit in Heft 21 von Justice League, das ebenfalls im Februar herauskam. [Leseprobe]

AUS SKANDINAVIEN

Mumin und der KometMit den Mumins von Tove Jansson hat Reprodukt einen Comicklassiker am Start, der bisher als Werkausgabe in wertigen Sammelbänden in Schwarz-Weiß herauskam. Weil aber dieses Jahr Autorin Tove Jansson ihren 100. Geburtstag feiern würde, weil ein neuer Mumin-Film ins Kino kommen wird, und weil Reprodukt mittlerweile ein eigenes Kinderprogramm hat, startete jetzt eine weitere Mumins-Edition: Diesmal in Farbe, in querformatigen Hardcover-Büchern zu einem relativ taschengeldfreundlichen Preis. Los ging es gleich mit zwei Ausgaben: Mumin und der Komet [Leseprobe] und Ein Urwald im Mumintal [Leseprobe].

AUS FRANKREICH UND BELGIEN

Ein weiterer Comic zum Dauerbrennerthema Nahostkonflikt ist bei Carlsen erschienen: Das Attentat handelt von einem Araber mit israelischem Pass, der als Arzt in Tel Aviv lebt und dessen Leben sich nach einem Selbstmordanschlag plötzlich ändert: Seine eigene Ehefrau soll die Attentäterin gewesen sein! Die Adaption des Romans von Yasmina Khadra besorgten Loic Dauvillier und Zeichner Glen Chapron. [Leseprobe]

Émile Bravo ist hierzulande vor allem für das ebenso gute wie erfolgreiche Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen und den Spirou-Sonderband Porträt eines Helden als junger Tor bekannt, hat aber noch viel mehr Stoff produziert, der bisher bei uns unveröffentlicht geblieben ist. Bereits seit 1998 läuft in Frankreich die Reihe Une épatante aventure de Jules, die es schon auf sechs Alben gebracht hat. Als Pauls fantastische Abenteuer kommt sie nun via Carlsen auch zu uns. Held der Geschichten ist ein zehnjähriger Junge, der im ersten Band für eine Weltraummission ausgewählt wird. Wie immer bei Émile Bravo dürfte das sowohl für Kinder als auch für Erwachsene toll zu lesen sein.

Cromwell StoneIn Deutschland nicht sonderlich bekannt, in Frankreich seit langem eine feste Größe: Der in der DDR geborene und als neunjähriger nach Düsseldorf übergesiedelte Andreas Martens, der sich als Comiczeichner nur Andreas nennt, lebt schon lange in Frankreich, wo er seit den 1970er Jahren regelmäßig veröffenlticht, unter anderem die langlebigen Serien Capricorne und Arq. Von 1984 stammt das Album Cromwell Stone, das zusammen mit der Fortsetzung vor 20 Jahren beim Alpha Comic Verlag erschien. Der dritte Band wurde bislang nicht übersetzt, jetzt erscheint bei Schreiber & Leser eine Gesamtausgabe mit allen drei Alben. In stark schraffierten, expressionistischen Schwarzweißbildern erzählt Andreas eine mysteriöse Schauergeschichte, die sich um die Überlebenden eines Schiffsunglücks dreht, von denen jedes Jahr am Jahrestag des Unglücks einer stirbt. [Leseprobe]

Die Liebe heißt ein Band von Bastien Vivès, der mit seinen Graphic Novels Der Geschmack von Chlor, In meinen Augen und Polina zum Feuilletonliebling avancierte. Auf seinem Blog veröffentlicht der äußerst produktive Künstler immer wieder sehr minimalistische, rasch hinskizzierte Comicstrips, die hauptsächlich über die Dialoge funktionieren. Ein Teil davon ist nun in diesem kleinformatigen Band gesammelt, in dem es um diverse Facetten des Zwischenmenschlichen geht. [Leseprobe]

Überlebende heißt ein weiterer Albenzyklus von Léo, der in der gleichen Welt spielt wie seine Science-Fiction-Reihen Aldebaran, Betelgeuze und Antares. Die deutsche Ausgabe erscheint bei Epsilon. [Leseprobe]

Während Léo für realitätsnahe Science Fiction steht, ist Horlemonde von Patrick Galliano, Cédric Peyravernay und Bazal eine klassische, actionreiche Space Opera, in der es Welten gibt, in denen sich die Zivilisation auf ein archaisches Niveau zurückentwickelt. Der Zweiteiler, der auf einem französischen Roman von Julia Verlanger basiert, ist als „Splitter Double“ in einem Band erschienen. [Leseprobe]

Bei Bunte Dimensionen startet eine neue Albenreihe, die im Zweiten Weltkrieg spielt: Blut und Tränen von Laurent Rullier und Hervé Duphot will vor allem den Alltag der ersten Kriegsjahre in Frankreich zeigen. [Leseprobe]

AUS DEN NIEDERLANDEN

Das Fußball-WM-Jahr darf auch am Comicmarkt nicht spurlos vorüber gehen: The Champions heißt eine Heftreihe, die am Kiosk vertrieben wird und vom niederländischen Verleger Frank Zomerdijk stammt. Enthalten sind Fußballcomics vom türkischen Zeichner Gürsel.

AUS ASIEN

Kigurumi Planet 1„Eine schräge Geschichte für Comedy liebende Boys-Love-Fans“ verspricht Carlsen Manga beim ersten Band von Kigurumi Planet von Ellie Mamahara. Zumindest den Covern nach zu urteilen, dürfte das hier zu den ungewöhnlicheren Beiträgen in diesem Genre zählen. Die Hauptfigur verliebt sich darin in jemanden, der in einem Hasenkostüm als Werbefigur herumläuft und dann auch die allermeiste Zeit in diesem Kostüm steckt (das japanische Wort Kigurumi steht für diese Art der Maskottchen-Kostümierung).

Fröhliches Genderbending gibt’s in Mimic Royal Princess von Utako Yukihiro. Die Mangaserie, die bei Carlsen gestartet ist, spielt in einer von Frauen regierten Welt, in der Männer nur Diener und Sklaven sind. Einer davon wird als Diener an ein Adelshaus verkauft, wo sich herausstellt, dass er der Prinzessin sehr ähnlich sieht, so dass er künftig als ihr Doppelgänger fungieren darf.

Area D (ebenfalls Carlsen Manga) ist eine neue Actionserie von Zeichner Yang Kyung-Il (Defense Devil, March Story), geschrieben von Kyouichi Nanatsuki. Die titelgebende Area D ist eine Gefängnisinsel, auf die Mutanten mit übernatürlichen Kräften gesteckt werden, die nach einer Naturkatastrophe plötzlich aufgetaucht sind. Dort kämpfen sie gegenseitig ums Überleben. Die Story mag nicht allzu originell klingen, doch die Zeichnungen sehen immerhin sehr schick aus. [jp. Leseprobe]

Der Einzelband Kirschblut – Dead Friend’s Love Letter von Hina Sakurada (EMA) ist eine düsteres Liebesdrama mit Liebe, Eifersucht und Selbstmord unter Schülern. [Leseprobe]

Paninis Manga-Imprint Planet Manga lizensiert besonders gerne Serien mit mehr oder weniger deutlichem Erotikeinschlag. Den gibt es auch in Sundome von Kazuto Okada, wo es ziemlich freizügig zugehen soll. Es geht um die seltsame Beziehung zwischen einem Jungen, der dem Jungrauenclub seiner Highschool angehört, und einer Mitschülerin, die ihm kleine sexuelle Gefälligkeiten gewährt, wenn er Aufgaben für sie erfüllt.

SEKUNDÄRLITERATUR

Der Comic„Eine Kulturgeschichte des Comics schreiben zu wollen ist […] nahezu unmöglich. Es gibt kaum eine andere Kunstform, die sich gleichermaßen dem Zugriff entzieht und sich so wenig festlegen lässt“, schreibt Klaus Schikowski im Vorwort zu seinem Buch Der Comic – Geschichte, Stile, Künstler, das im Reclam Verlag erschienen ist. Er versucht es trotzdem und gliedert seine Betrachtung in zwei Teile: Eine Rückschau auf das 20. Jahrhundert, in dem sich auf verschiedenen nationalen Märkten unterschiedliche Comictraditionen entwickelten, die weitgehend getrennt voneinander blieben. Und eine Bestandsaufnahme des gegenwärtigen Comics im 21. Jahrhundert, in dem die diversen Stile und Kulturen mehr und mehr verschmelzen und neue Formen entstehen. Das Buch könnte auf dem deutschen Markt, auf dem es kaum umfassende Grundlagenwerke zur Kunstform Comic gibt (Andreas C. Knigges Alles über Comics von 2004 ist längst vergriffen) zu einem neuen Standardwerk werden. [Leseprobe]

Im Verlag Philipp von Zabern, der sich auf Archäologie und Geschichte spezialisiert hat, ist der Band Caesar, Attila & Co. erschienen, der sich damit beschäftigt, wie die Antike in Comics dargestellt wird. Erfreulicherweise spielt das naheliegendste Beispiel Asterix hier eine eher kleine Rolle, stattdessen geht es unter anderem um „römische Erotik im italienischen Comic“ oder Comics als Lektüre im Lateinunterrricht. Herausgeber der Aufsatzsammlung ist Dr. Filippo Carlà, der Alte Geschichte an der Uni Mainz lehrt. [Inhaltsverzeichnis]

 

Mjöllnir

Cover MjöllnirNach den Splitter Books, die komplette Serien in einem handlichen Format beinhalten geht der Bielefelder Verlag mit dem neuen Format „Splitter Double“ nun auch dahin, kurze Serien aus Frankreich in einem Doppelpack zu veröffentlichen. So besteht der nun auf Deutsch erschienene Mjöllnir aus beiden Alben der französischen Ausgabe und beinhaltet somit die komplette Erzählung in einem Band.

Es geht um einen Zwerg, der nach dem Donnergott Thor benannt ist. Doch dieser Thor möchte keine Kriege mehr führen, sondern nur mit seiner Familie in Frieden leben. Als jedoch Menschen seinen Bruder und andere Zwerge entführen, um sie in einer Arena bei sadistischen Spielen kämpfen zu lassen, macht er sich widerwillig auf den Weg zu einer Strafexpedition. Doch diese wird sein Leben verändern, als er einen gewissen Hammer in seine Hände bekommt. Und nicht nur seines, sondern das Schicksal der gesamten Welt wird fortan von seinen Handlungen bestimmt.

Der französische Comicautor Olivier Peru ist ein Phänomen. Und zu Recht erfolgreich. Denn er versteht es wie momentan kaum ein anderer, sich bekannte Genres vorzunehmen und, ohne sie vollkommen auf den Kopf zu stellen, doch gänzlich gegen den Strich zu bürsten. Da konnte er in Nosferatu dem Vampirmythos trotz jahrhundertelanger Tradition neue Aspekte abgewinnen, mit Zombies den Untoten doch frisches Fleisch geben und in Krieg der Orks einige Fantasyklischees aushebeln. Dabei kommen Klischees und typische Konfigurationen bei Peru durchaus vor, aber eben anders.

Seite aus MjöllnirEs spricht für Perus Intelligenz, dass er sich in den Genres auskennt und weiß, wo durch exorbitanten Gebrauch altbekannter Zutaten manches fade schmeckt. Diese ersetzt er durch andere Gewürze und bekommt ein schmackhaftes Gericht, ohne das Rezept grundlegend zu ändern. Besonders hat er anscheinend eine Abneigung gegen die Elfen, welche im Fantasybereich doch oft arg verniedlicht, ja sogar verkitscht dargestellt werden. In Krieg der Orks waren sie die Hauptgegner, und auch in Mjöllnir kommen sie vor. Allerdings haben sie nichts mehr mit den edlen Wilden à la Tolkien zu tun, sondern haben eher den Charakter von vampirischen Monstern und Drogensüchtigen, die am Cold Turkey zu sterben drohen. Man merkt schon, wohin die Richtung geht: eine leichte Verschiebung.

Doch steht hier nicht die Fantasy im Mittelpunkt, sondern die nordischen Göttersagen. Wobei das gar nicht so leicht zu trennen ist, denn in seiner Kombination von klassischen Fantasyelementen mit klassischen Sagen macht Peru zudem deutlich, dass es die moderne Fantasy ohne Mythen und alte Religionen gar nicht geben würde. Diese Verbindung gelingt ihm kongenial und es ist nicht ohne Witz, dass Thor ein Zwerg ist und der listige Loki als Mensch wiedergeboren wird, da diese auch schon bei Tolkien als Wesen ohne Ehre und Wahrheit dargestellt werden. So stehen die beiden Brüder auch für die unterschiedlichen Charaktere der jeweiligen Rasse, mit ihnen bekämpfen sich Traditionen und Moderne und ringen um einen Ausgleich.

Manches erinnert hier an den Herrn der Ringe und es ist beeindruckend, wie stark auf so kleinem Raum eine Verdichtung der Stoffe gelingt. Dabei wirkt Peru bei der Herstellung der Metaebene nie angestrengt, sondern immer leichtfüßig, und die Story kommt spannend, dramatisch und actionreich daher. Kritik an der Religion wird ebenso untergebracht wie die Aussage, dass man sich seinem Schicksal nicht blind ergeben muss. Gerade das alte Götterverständnis, wie es beispielsweise noch in Marvels Thor präsentiert wird, bekommt hier deutliche Risse. Präsentiert wird dies in detailreichen Zeichnungen von Pierre-Denis Goux, dem einige besonders eindrucksvolle Szenen gelingen, die in der Panelkonstruktion auch sehr filmisch ausgefallen sind. Hier ist alles möglich und man kann kaum noch den nächsten Streich von Peru erwarten.

 

Wertung8 von 10 Punkten

Wieder einmal gelingt es Peru, ein Genre zu bedienen und es doch auf den Kopf zu stellen.

 

Mjöllnir
Splitter Verlag, 2014
Text: Olivier Peru
Zeichnungen: Pierre-Denis Goux
Übersetzung: Thomas Schöner
112 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 22,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-661-5
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

Links der Woche 9/14: Fare thee well, my honey, fare thee well

Unsere Links der Woche, Ausgabe 9/2014:

 

Aus für Comic-Zentrum der Frankfurter Buchmesse
Der Tagesspiegel, Lars von Törne
Am vergangenen Montag teilte die Frankfurter Buchmesse mit, dass es das Comic-Zentrum, das seit dem Jahr 2000 seinen festen Platz auf der Messe hatte, in Zukunft nicht mehr geben wird. Der Hauptgrund dafür dürfte sein, dass einige Verlage, die dort in den vergangenen Jahren ihren Standplatz hatten, entweder ganz wegbleiben, oder bewusst in andere Bereiche der Messe umgezogen sind. Mehr zu den Hintergründen und zur Zukunft der Comics auf der weltgrößten Buchmesse gibt es in einem Interview bei Splashcomics mit Andrea Fiala de Ayerbe, die bei der Messegesellschaft u.a. für den Comic-Schwerpunkt verantwortlich war.

Max und Moritz-Publikumspreis 2014, Runde 1
Comic-Salon Erlangen
Zum dritten Mal wird in diesem Jahr einer der Max-und-Moritz-Preise vom Publikum vergeben. Nachdem man beim ersten Mal 2010 nur aus der Liste der Jury-Nominierungen wählen durfte, wurde 2012 ein Vorschlags- und Abstimmungsprozedere eingeführt, das nun auch 2014 wieder angewandt wird. Das ist zwar auch nicht über jeden Zweifel erhaben, sorgt aber immerhin für mehr Einfluss des Publikums. In drei Online-Foren läuft noch bis zum 26.3. eine Vorschlagsrunde, danach folgt eine Abstimmungsrunde, und am Ende landet je ein Comic aus den drei Kategorien „Alben/Graphic Novels“, „amerikanische Comics“ und „Mangas“ zusammen mit den Nominierungen der Jury auf der eigentlichen Wahlliste zum Publikumspreis.

CIB 2014 COMIC ZINE Competition (Deadline April 10th)
Comic Invasion Berlin
Das Festival Comic Invasion Berlin findet am 26. April zum vierten Mal statt. Dazu findet ein Comicwettbewerb statt, dessen Gewinnerbeiträge in einem “CIB ZINE” veröffentlicht werden.

Große Sauerei in der Neuköllner Oper
B.Z., Sebastian Naumann
Am 12. Juni wird an der Neuköllner Oper in Berlin eine ganz besondere Comicadaption uraufgeführt: Didi & Stulle von Fil als Barockoper!

E-Manga Programm
manganet,de, EMA
Während sich das E-Book nach einigem Zögern mittlerweile auch in Deutschland einen beachtlichen Marktanteil erarbeitet hat und digitale Comics in den USA ein wahres Boomgeschäft sind, führen Comics für E-Reader und Tablets hierzulande noch immer ein Schattendasein. Egmont Manga steigt nun mit einem ersten Programm in diesen Markt ein. Dieser umfasst insgesamt 50 E-Books aus verschiedenen Genres und Serien. Die einzelnen Titel kosten jeweils 4,99 Euro. Laut Pressemitteilung des Verlags sind die E-Manga “kompatibel mit allen aktuellen Tablets und Readern”, die Website verlinkt jedoch nur zu Amazon, wo die Ausgaben für die Kindle-Reader verkauft werden.

New Interview! Calvin & Hobbes creator Bill Watterson and Cul de Sac creator Richard Thompson talk libraries, comics, and the creative process with Ohio State
Billy Ireland Cartoon Library & Museum Blog, Caitlin McGurk
Aus Anlass einer Ausstellung im Billy Ireland Cartoon Library & Museum in Columbus, Ohio gibt Calvin and Hobbes-Schöpfer Bill Watterson eines seiner höchst seltenen Interviews. Die Kuratorin der Ausstellung spricht mit ihm unter anderem über seine Arbeitsweise, die Zukunft der Zeitungscomics und seinen Kollegen Richard Thompson, dessen hierzulande kaum bekannten Zeitungsstrip Cul de Sac (2004-2012) man durchaus als würdigen Nachfolger von Calvin and Hobbes betrachten kann. Sein Werk wird parallel ausgestellt und auch mit ihm gibt es ein Interview der Kuratorin.

Ekhö – Spiegelwelt 1: New York

Cover Ekhö – Spiegelwelt 1Woher nimmt der Mann nur seine Zeit? Christophe Arleston hat doch eigentlich mit seiner ausufernden Saga um Troy alle Federn voll zu tun. Neben seinen Hauptwerken um Lanfeust, seine Freunde und die befellten Trolle hat er in diversen Miniserien und One-Shots die Welt von Troy erheblich angereichert und Stories erzählen können, die nicht zu Lanfeust gepasst hätten. Und nun startet mit Ekhö sogar noch eine weitere Serie.

Eine junge Frau sitzt in einem Flugzeug auf den Weg von Paris nach New York, als ihr plötzlich ein sprechendes Eichhörnchen erscheint, das sich als Angestellter eines Anwaltsbüros vorstellt. Das putzige Kerlchen eröffnet der Heldin, dass sie geerbt hat und fragt, ob sie einwilligt, das Erbe anzutreten. Als sie „Ja“ sagt, wird das Flugzeug in eine andere Welt versetzt, in der einiges mit der unseren vergleichbar und doch alles anders ist. So müssen Ludmilla und ihr unfreiwilliger Gefährte nicht nur den Widrigkeiten einer fremden Umgebung trotzen, die beiden bekommen es auch gleich mit einem Mordfall zu tun.

Auch wenn Ekhö auf den ersten Blick nichts mit Arlestons Troy-Universum zu tun hat, wird der Autor seine Fans dennoch nicht enttäuschen. Zum einen bleibt er natürlich seinem Genre, der Fantasy, treu, zum anderen verwendet er seine typische Rezeptur: Genreversatzstücke werden mit ordentlicher Action, Spannung und vor allem mit Humor angereichert, wobei auch immer versteckte kritische und satirische Seitenhiebe auf unsere aktuelle Gegenwart zu finden sind. Erotik ist natürlich auch dabei. Allerdings gibt es hier doch einen erheblichen Unterschied zur Troy-Saga: Erotik, Action und Spannung sind vorhanden, aber ein Subtext findet sich nicht. Anspielungen auf unsere Lebenswelt erschöpfen sich in einer andersartigen Darstellung, die vieles auf den Kopf stellt, aber als Kritik oder Satire ist das nicht unbedingt zu verstehen.

Seite aus Ekhö – Spiegelwelt 1Statt einer gesellschaftlichen Betrachtung oder einem satirischen Kommentar gibt es einen fremden Blick auf eine vertraute Welt, welche von Alessandro Barbucci (Sky Doll, das übrigens ebenfalls bald bei Splitter neu aufegelegt wird) kongenial präsentiert wird. Besonders in den Details gibt es viel zu entdecken, da offenbart sich ein hervorragender Witz, den man schnell übersehen kann. Mal wird ein Drache zur Belohnung am Kinn gekrault, mal gibt es Andeutungen an Genrevorläufer aus Film und Literatur zu erkennen.

Gegenüber dem visuellen Einfallsreichtum und der rasanten Abfolge der Episoden kann die eigentliche Story leider kaum mithalten. Sie zerfällt in viele kleinere Teile und ergibt nicht direkt ein harmonisches Ganzes. Einige Elemente dienen allzu deutlich nur dazu, uns Lesern diese Welt erst einmal vorzustellen. Dieses Primat ist an sich nicht schlecht, verhindert jedoch eine kohärente Handlung und damit eine höhere Wertung. Es ist schade, wie sehr die Story zerfasert, weil schon zu viele Elemente und Storybögen in einen Band gesteckt wurden. Mindestens vier Storyfäden spinnt Arleston hier bereits: den Wechsel der Protagonistin in die Spiegelwelt und ihre Anpassungen, einen Mordfall, eine Monsterjagd im Park und das Geheimnis der Eichhörnchen. Jeder dieser Plots ist zentral, aber eine echte Fokussierung findet nicht statt. Immerhin ist die Figurenkonstellation sehr spritzig und die Zeichnungen geben dem Comic einen enormen Charme. Allein schon die wundervolle Idee mit der Tea-Time und deren Hintergründe, die hier nicht verraten werden sollen, lohnen einen Blick in diese neue Serie.

 

Wertung: 7 von 10 Punkten

Zu viele Handlungsebenen in einem ansonsten spannenden, temporeichen, witzigen und spritzigen Abenteuer

 

Ekhö – Spiegelwelt 1: New York
Splitter Verlag, Februar 2014
Text: Christophe Arleston 
Zeichnungen: Alessandro Barbucci 
Übersetzung: Tanja Krämling
64 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 14,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-675-2
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

Bruce J. Hawker Gesamtausgabe 1

Cover Bruce J. Hawker GA 1Seefahrerromantik, Freiheit, Abenteuer und ein charismatischer Held wie Johnny Depp als lustig-lässiger Pirat – so sieht bei uns das weit verbreitete Bild von Freibeuterei und Marine im 18. und 19. Jahrhundert aus. Etwas wage, sehr frei ausgelegt und alles andere als realistisch. Dass es auch anders geht, beweist der Abenteuercomic Bruce J. Hawker.

2003 gab es im Kino zwei Filme über historische Seefahrt: Peter Weirs Master and Commander und Gore Verbinskis Fluch der Karibik. Ersterer bestach durch Glaubwürdigkeit, Realismus und widmete sich Themen wie der Evolutionstheorie – ein Film für anspruchsvolle Erwachsene. Das andere Werk war von Disney, beruhte auf einem Freizeitparkfahrgeschäft und widmete sich Gespenstergeschichten, Schatzsuchen und Klamauk – ein Film für ein möglichst breites Publikum, der im Gegensatz zu ersterem zu einer Filmreihe mit womöglich bald fünf Teilen erweitert wurde.

Der Comic des Belgiers William Van Cutsem alias William Vance ähnelt eher Weirs stiller und ernster Geschichte mit Hauptdarsteller Russell Crowe. Vance wurde 1935 in Anderlecht geboren, war somit Zeitzeuge des Zweiten Weltkrieges – Skepsis und Abscheu gegenüber Militarismus und Brutalität sind Bruce J. Hawker anzumerken.

Erstmals erschienen dieser Abenteuercomic im Dezember 1976 im belgischen Frauenmagazin (!) Femmes d‘ Aujourd’hui (Frauen von heute), ab 1979 dann in der populären Comiczeitschrift Tintin. Im Splitter Verlag wurde im Herbst 2013 der erste Teil der zweibändigen Hawker-Gesamtausgabe auf Deutsch veröffentlicht. Neben vier kompletten Abenteuern enthält der Band auch umfangreiches, üppig illustriertes Bonusmaterial. Daraus erfahren wir einiges über den Schöpfer der Serie und seine Vorlagen für den britischen Leutnant.

Neben Vances Bruno Brazil (Carlsen) und den Blueberry Chroniken (Ehapa) ist Hawker einer dieser Comics, den sich heute „eher die über 40-jährigen“ in so einer Luxusausgabe ins Regal stellen, wie Comicexperte Volker Hamann auf der Frankfurter Buchmesse 2013 die angepeilte Zielgruppe einschätzte. In Deutschland wurde und wird dieses Segment der Abenteuercomics im Zack-Magazin bedient. Ist Bruce J. Hawker also vor allem Nostalgie? Nein, der Comic verbindet Anspruch und Unterhaltung für ein reifes Publikum.

Seite aus Bruce J. Hawker GA 1Während sich bei Fluch der Karibik die Epoche nur grob einschätzen lässt, ist diese Frage bei Bruce J. Hawker eindeutig zu klären. In Kurs auf Gibraltar begleiten wir Bruce, den jungen Kapitänleutnant, am Dienstag, den 10. Januar 1800 zum Londoner Hafen, wo er sich von seiner Verlobten verabschiedet und an Bord der königlichen Fregatte „Lark“ geht. Wir begleiten den jungen Mann bei seinen Abenteuern auf hoher See. Trotz seiner grauen Haare steht dieser britische Marinesoldat noch am Anfang seiner Karriere. Seine daheim auf ihr wartende Braut in spe stammt aus angesehen, wohlhabenden Verhältnissen. Ein vernünftiges Zweckbündnis, aber vielleicht ist auch Leidenschaft im Spiel – das bleibt unserer Phantasie überlassen.

Hohe moralische Werte, Edelmut und Tapferkeit zeichnen Hawker aus. Die Geschichten, die wir mit ihm durchstehen, beschränken sich nicht auf die Kapitänskajüte, sondern wir erleben auch den monotonen, anstrengenden Alltag unter Deck. Dabei erfahren wir etwas über „Powder Monkeys“ und die „Press Gang“, also über menschliches „Kanonenfutter“ und Zwangsrekrutierungen, teils von Kindern, weil die so flink in den beengten Schiffen eingesetzt werden können – so zynisch wird das Militär hier präsentiert. Und beim Kielholen wird es dann noch grausamer; auch das wird in einer dieser Geschichten gezeigt, die ganz sicher nichts für Kinder ist. Doch dieser Comic hat nichts reißerisches, sondern zeigt Gewalt nur als Bestandteil einer Handlung und nicht um des Schocks und der Sensation Willen.

Manches gerät dem fleißigen, engagierten Vance dabei zu detailliert, zu technisch – nach der Lektüre fühlt man sich in der Lage, selbst eine Kanone zu befüllen und abzufeuern, so leidenschaftlich ist der Autor und Zeichner bei der Sache. Authentisch, aber eben auch etwas überladen, wirken die englischsprachigen Kommandos in einem ansonsten doch deutschen Text – irritierend und hinderlich, um ganz in die Handlung einzutauchen. Neben all der Technik und Realismus treffen wir auch auf eine nahezu überirdisch schöne Traumfrau mit offenbar übersinnlichen Kräften – das dürfte auch manchen Freund des Karibik-Fluchs und von solch wunderbaren Comics wie Corto Maltese ansprechen.

Seite aus Bruce J. Hawker GA 1Eine Schwäche von Hawker lässt sich dabei auch als Stärke auslegen: Er bleibt recht blass. Wir verstehen sofort, dass er der Gute ist und leiden mit, wenn ihm wiederholt Unrecht geschieht – wohl gerade deshalb, weil wir in unser Vorstellung selbst zu Hawker werden. Er ist nicht so dominant wie Johnny Depp, sondern lässt uns und der Geschichte Raum. Das aus heutiger Sicht etwas behäbige Tempo, die Tatsache, dass er überhaupt Mitglied der Marine ist und auch die Zeichnungen weisen darauf hin, dass diese Comics aus den 1970er Jahren stammen und zwar noch vor den Veränderungen des Punk 1977. Militär und Obrigkeit waren schon suspekt, aber noch mussten es nicht zwingend Antihelden sein, um die Massen anzusprechen.

Die Zeichnungen sind ebenso detailliert wie die aufwändig recherchierten Fakten. Blau- und Schwarztöne herrschen vor. Kein strahlend blauer Himmel, kein Schwelgen in Träumen von Weite und Freiheit. Über Hawker scheint buchstäblich permanent eine Gewitterwolke zu schweben.

Bruce J. Hawker ist ein kluger, ambitionierter Comic, der sowohl technisch und historisch interessierte Leser überzeugen wird, als auch Freunde anspruchsvoller Abenteuergeschichten. Diese Art Comics wird viel zu oft und völlig zu Unrecht übersehen – nicht nur Reisen erweitert den Horizont, auch das Lesen dieses Comics wird die Leser nicht unbeeindruckt zurücklassen. 

 

Wertung8 von 10 Punkten

Ein verflucht guter Klassiker!

 

Bruce J. Hawker Gesamtausgabe 1 (von 2)
Splitter Verlag, Oktober 2013
Text und Zeichnungen: William Vance

Farben: Petra
Übersetzung: Harald Sachse, Tobias Haßdenteufel
Enthält die Geschichten: In den Tiefen der HMS Thunder, Kurs auf Gibraltar, Die Orgie der Verdammten, Press Gang
Extras: 29 Seiten Dossier von Jacques Pessis
192 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 34,80 Euro

ISBN: 978-3-86869-608-0
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

Mindestens eine Sekunde

Cover Mindestens eine SekundeMindestens eine Sekunde ist der Titel des ersten Comicbuchs der Grafikdesignerin Paulina Stulin. Es geht darin um die deutsch-polnische Kunststudentin Agnieszka, die ihr Studium an der Kunsthochschule in Krakau aufnimmt, nachdem sie von der École des beaux-arts in Paris abgelehnt wurde. Das ist vor allem für Agnieszkas Mutter eine gewöhnungsbedürftige Vorstellung, definiert diese ihr Leben doch vor allem dadurch, dass sie dem Osten entfliehen und in Deutschland eine eigenständige und unabhängige Existenz aufbauen konnte. Und nun sollte die Tochter in den Osten zurückkehren?

Aber Agnieszka lässt sich nicht von ihrem Vorhaben abbringen. In Polen angekommen, weiß sie die Freiräume ihres neuen Lebens zunächst durchaus zu schätzen. Bald jedoch wird sie in der Fremde zum ersten Mal wirklich mit sich selbst konfrontiert: Erinnerungen an ihre nicht immer unbeschwerte Kindheit kochen hoch und die künstlerische Inspiration lässt zunächst auf sich warten. Bald macht sie erste Drogenerfahrungen, doch muss sie bald feststellen, dass auch Drogen nicht kreativ machen, im Gegenteil. Es ist eben allemal leichter, sich eine Linie Speed hochzuziehen, anstatt sich Gedanken über drängende Probleme zu machen. Und wie soll man sich von seiner Mutter abnabeln, wenn man ständig auf ihr Geld angewiesen ist, da man sich sonst kein Speed mehr leisten kann?

Seite aus Mindestens eine SekundePaulina Stulin ist mit dieser Coming-of-Age-Story eine runde kleine Novelle gelungen, die vor allem durch ihren durchdachten Aufbau überzeugt. Jeder auftretenden Figur wurde von der Autorin eine klare Funktion zugewiese, sie macht entweder eine wichtige Entwicklung durch oder treibt die Entwicklung der Hauptfigur voran. Das ist teilweise recht nuanciert dargestellt, so dass sich die Bedeutung einiger Einzelszenen erst im Nachhinein erschließt.

Meiner Meinung nach ist Mindestens eine Sekunde hervorragend für den Einsatz an Schulen geeignet, weil sich das Figurenensemble so schön analysieren lässt. Wie ist das Verhältnis zwischen Agnieszka und ihrer Mutter und wie entwickelt es sich im Verlauf der Geschichte? In welchen Stufen verändert sich Agnieszkas Verhältnis zu Drogen? Welche Phasen der Abnabelung von zuhause durchläuft sie? An welchen Stellen der Geschichte sind die entscheidenden Wendepunkte? Wie werden ihre beste Freundin, wie ihr Dealer charakterisiert? Was motiviert die Figuren? Wie spiegeln sich die künstlerischen und philosophischen Ideen der Figuren in der Handlung wider? Und da Paulina Stulin für den Wechsel zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unterschiedliche Darstellungsweisen verwendet, lässt sich auch die Wahl der Mittel hinterfragen. Paulina Stulin setzt auch andere Formelemente wie Panel-Umrandungen oder bis zum Seitenrand weitergezeichnete Panels, so genannte Bleed-Panels, überlegt ein, um Akzente zu setzen. Die Erzählung ist elliptisch gehalten, sie enthält interpretierbare Leerstellen und ist trotzdem konkret in der Aussage. Alles in allem lässt sich sagen, dass es sich um ein gefundenes Fressen für experimentierfreudige Deutsch- oder Kunstlehrer handelt. Und die Vorbereitungszeit mit Lesen ist dankbar kurz.

Seite aus Mindestens eine SekundeGanz ohne Schwächen ist das Buch allerdings nicht. Obwohl Paulina Stulin durchaus schöne Seiten- und Bildkonstruktionen gelingen, wirken die Bilder auf die Dauer doch steril und eintönig. Gerade die Tatsache, dass die Geschichte in einem ehemaligen Ostblockland spielt, lässt die trist und grau gehaltenen Hintergründe wie eine überkommene Klischeevorstellung wirken. Generell aber lässt sich schon sagen, dass die eingesetzten Mittel überzeugend mit der erzählten Geschichte korrespondieren, so dass Mindestens eine Sekunde, aller kleiner Schwächen zum Trotz, ein überzeugendes Buch geworden ist.

 

Wertung: 7 von 10 Punkten

Eine typische Graphic Novel jüngeren Datums, die sehr bewusst und überlegt mit den Mitteln des grafischen Erzählens arbeitet.

 

 

Mindestens eine Sekunde (und höchstens dein ganzes Leben) 
Jaja-Verlag, Januar 2014
Text und Zeichnungen: Paulina Stulin
116 Seiten schwarz-weiß, Softcover
Preis: 15,- Euro
ISBN: 978-3-943417-39-5
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Abbildungen: © Paulina Stulin/Jaja Verlag

Links der Woche 8/14: And you never ask questions when God’s on your side

Unsere Links der Woche, Ausgabe 8/2014:

 

Raus aus der Wagenburg
Der Tagesspiegel, Andreas Hartung
Andreas Hartung, der als “Aha” selbst Comics zeichnet und das Magazin Epidermophytie herausgibt, blickt nach Finnland, wo das “Kulturministerium die heimische Comic-Kunst mit 300 000 € im Jahr fördert” und schlägt den Bogen zurück nach Deutschland und zur Diskussion um das Comicmanifest, in dem eine ähnliche staatliche Förderung gefordert wird, was innerhalb der Comicszene zu kontroversen Diskussionen geführt hat. Eine sachliche Bestandsaufnahme, die Argumente von Befürwortern und Gegnern abwägt.

Streit um Comic in Malaysia: Regierung zensiert Superheld
Spiegel Online, eba/Reuters
„Ultraman wird respektiert und geachtet wie Allah oder der größte aller Ultra-Krieger“ heißt es im japanischen Comic Ultraman The Ultra Power. Grund genug für die Zensurbehörden in Malaysia, den Comic auf die Liste verbotener Publikationen zu setzen. Siehe dazu auch Malaysia censors Ultraman comic for ‚irresponsible use of the word Allah‘ (Guardian) und A Japanese Superhero Is Apparently Destroying Malaysia (Time).

Im Herzen von Strapazin
YouTube, vojkohos
Für eine Kurzdoku zum 30. Jubiläum des Schweizer Magazins Strapazin besuchte Vijko Hochstätter das Atelier, in dem das Heft entsteht.

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I love Shojo
iloveshojo.tokyopop.de/
Um seine Manga für Mädchen zu promoten, startet Tokyopop eine neue Initative unter dem Motto “I love Shojo”. Dazu gehören neben einem eigenen Blog bei Tumblr auch Accounts bei Facebook und Twitter sowie ein kostenloses Magazin, das im Buch- und Comichandel verteilt werden soll.

Image Publisher Eric Stephenson Emphasizes Direct Market Importance in ComicsPRO Speech
Comic Book Resources, Eric Stephenson
Der Wortlaut einer Rede, die Eric Stephenson, als “Publisher” einer der führenden Köpfe bei Image Comics, vor der Jahresversammlung des Verbands der US-Comichändler gehalten hat. Er betont die Wichtigkeit des “Direct Market”, also des klassischen Comicfachhandels und versucht die Händler zu ermutigen, mehr auf neue, originelle und innovative Stoffe zu setzen, als auf die immer wieder recycelten Superhelden und Franchises aus Film und Fernsehen: “We have trained the world to think of comics as ‚Marvel and DC superheroes.‘ And the world has stayed away. We need to fix that.” Neue Leser werde man nur mit neuen Inhalten erreichen. Als positive Beispiele nennt er natürlich Comics aus seinem Verlag, namentlich The Walking Dead und Saga. Eine besondere Spitze teilte Stephenson gegen Lizenzcomics aus, also Comics, in denen Figuren verwertet werden, die eigentlich aus Kino, Fernsehen oder Spielen stammen. Star Wars-, Transformers– oder G.I. Joe-Comics “will never be the real thing”, sondern nur ein Zusatzprodukt.

Dark Horse’s Mike Richardson And IDW’s Ted Adams Respond To Eric Stephenson’s ComicsPRO Speech
Bleeding Cool, Rich Johnston
Die entsprechenden Gegenstimmen ließen nicht lange auf sich warten. Auf Bleeding Cool antworten Mike Richardson von Dark Horse (wo 23 Jahre lang Star Wars-Comics erschienen, deren Lizenz in Kürze zu Marvel wechselt) und Ted Adams von IDW (die Transformers und viele andere Lizenzcomics produzieren). Interessant ist auch der Artikel When it comes to comics, what is ‘real’? bei Robot 6 von Corey Blake, der anmerkt, dass es ohne Lizenzcomics auch nie Donald-Duck-Geschichten von Carl Barks gegeben hätte.