Alle Artikel in: Rezensionen

el Niño 1+2

 Vera Michailov kommt viel herum. Die junge Frau reist nämlich als Freiwillige des Roten Kreuzes in fremde Länder, um humanitäre Hilfe zu leisten. Dass das nicht ungefährlich ist, zeigt sich auch während ihres Aufenthaltes auf dem afrikanischen Kontinent, bei dem sie die Nachwehen einer Dorfplünderung hautnah miterleben muss. Zurück in Frankreich begegnet sie vor dem Grab ihres kürzlich verstorbenen Vaters einer Gruppe Zigeuner, die eine für sie persönlich äußerst informative Geschichte zu berichten wissen. Darin geht es um den Stargeiger Jakob, Veras Vater, der sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlug. Und es fällt der Name eines gewissen Kolyas, der angeblich ihr Zwillingsbruder sein soll

Die Lichter des Amalu

 Mit der Fantasy-Reihe Les Lumières de l'Amalou wurde Zeichnerin Claire Wendling bekannt und mehrfach preisgekrönt. In den neunziger Jahren erschienen die ersten drei Alben der fünfbändigen Serie auch auf deutsch; Teil 1 und 2 als Amalu, Teil 3 als Die Lichter von Amalou. Obwohl Wendling beim Comic-Salon 2004 mit einer Ausstellung geehrt wurde, musste man in Deutschland auf die beiden letzten Episoden sehr lange warten. Nun gibt es also endlich die komplette Serie, mit einem abermals leicht veränderten deutschen Titel: In der Carlsen-Ausgabe heißt die Fantasy-Geschichte Die Lichter des Amalu, was auch sinnvoll ist, da es sich bei dem titelgebenden „Amalu“ um einen Fluss handelt.

Burka

 Wenn man über Religionsgrenzen hinaus Humor betreibt, muss der jeweilige Künstler auf Kritik nicht lange warten: Der Vorwurf der Missachtung der kulturellen Besonderheiten oder gar Blasphemie kann einem vorgeworfen werden. Wir erinnern uns, nur welchen politischen Aufruhr die Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung Jyllands-Posten erzeugt haben. Nun hat die freischaffende Künstlerin Eva Schwingenheuer in ihrem Buch mit dem schlichten Titel Burka den Versuch unternommen, sich der Bekleidung der vollverschleierten Muslima von außen zu nähern. Sie lädt die Leser nicht nur zum Rätseln ein, was sich da für Konturen unter dem „großen Schwarzen“ abzeichnen, sondern kritisiert – wenngleich auch etwas ungestüm – diese Form der Vollverschleierung.

Calvin und Hobbes – Von Monstern, Mädchen und besten Freunden

 In den vergangen Jahren wurden viele beliebte Comicserien einer Frischzellenkur unterzogen. Die Ehre gebührte z. B. Charles M. Schulz' Peanuts: In einer speziellen 25-bändigen Reihe werden derzeit alle Comicstrips chronologisch gesammelt und bei Carlsen neu aufgelegt. Bei gleichem Umrechnungskurs hätte es Schulz' Freund und Kollege Bill Watterson mit seinem Strip Calvin and Hobbes auf nur fünf Bände gebracht (1985-1995). Obwohl es bei ihm dann nicht für die Sonderausgabe gereicht hat, bringt Carlsen nun eine neue Auflage auf dem Markt. „Von Monstern, Mädchen und besten Freunden“ lautet der Titel dieses Sammelbandes, einer Auslese, die sich auf die ersten beiden deutschen Einzelbände „Calvin und Hobbes“ und „Was sabbert da unterm Bett?“ stützt.

Tanatos 1 – Der Sohn des Todes

 Na also, nachdem einige der Comics, die für das „All in One“-Konzept von Ehapa ausgewählt wurden, von eher durchwachsener Qualität waren, bringt der Verlag mit Tanatos nun eine französische Albenreihe, die man schließlich beinahe ausnahmslos loben muss. Angesiedelt in Frankreich des frühen 20. Jahrhunderts, handelt der erste abgeschlossene Zyklus „Der Sohn des Todes“ von dem sich entfaltenden Masterplan des französischen Superschurken Tanatos, der im Jahr 1914 die Politik der Nationalversammlung direkt beeinflusst und durch Anschläge und Attentate insgeheim zum kriegsauslösenden Faktor wird.

Sonnenfinsternis

 Mit dem 288 Seiten stolzen Gemeinschaftswerk von Fane und Jim erweitert der Splitter Verlag sein bisher eher von fantastischer und abenteuerlicher Genrekost geprägtes Programm um ein realistisches Personendrama. Fünf Männer und Frauen in ihren Dreißigern – einer von ihnen mit seinem neunzehnjährigen Internetdate im Schlepptau – kommen in einem abgelegenen Landhaus in Südfrankreich zusammen, um sich eine Sonnenfinsternis anzusehen und ihre Freundschaft aufleben zu lassen. Auch für die beiden Künstler bedeutet dieser Band weitgehend erzählerisches Neuland, machten sie doch bisher – unabhängig voneinander – eher mit anderer Art von Comickost auf sich aufmerksam.

 

Miller & Pynchon

 Miller & Pynchon stammt von dem österreichischen Leopold Maurer und ist im Literaturverlag Luftschaft erschienen, der vor allem Comiczeichner aus Österreich verlegt; man denke an den ebenfalls dort erschienenen Sammelband Perpetuum oder den Comic Molch.
Die beiden Hauptpersonen sind die holzschnittartig mit dem Wesentlichen charakterisierten Miller und Pynchon, die dem Comic auch seinen Titel geben. Der katholische Miller frönt dem Leben, flieht in die Arme vieler Zufallsbekanntschaften und versucht, seinem ihm entgleitenden Leben durch Zahlen und Messungen feste Orientierungspunkte zu geben. Der areligöse Pynchon dagegen versackt in seiner Depression über den tragischen Tod seiner Ehefrau und vergrault alle an ihm interessierten Frauen durch ausführliches Waten im morastigen Leid eines 10-jährigen Witwers, der sich vor aller Augen und Ohren nach seiner Helene zurücksehnt.

Bunte Welt des Frohsinns 1

 Es gibt Zeichner und Autoren, von deren Werken man gar nicht genug bekommen kann und am liebsten sofort den nächsten Comic oder das nächste Buch lesen muss. Fernab von der Welt der Comics lässt sich dieses Phänomen sicherlich am besten bei J.K. Rowlings Harry Potter-Reihe wiederfinden. Mit großem Eifer  haben Horden von Jugendlichen und Erwachsenen die Bücher gelesen und gierig jeden neuen Band herbeigesehnt. Und dann gibt es da noch Eugen Egner, den Meister des grotesken Humors (entsprechende Auszeichnung wurde Egner 2003 in Kassel überreicht). Seine Comics, seine Bildergeschichten und auch seine Cartoons sind eher in geringen Dosen zu genießen und entwickeln so ihr größtmögliches Potential. Diese bestreitbare Tatsache hielt die Verleger von Monsenstein & Vannerdat aber nicht davon ab, mit die Bunte Welt des Frohsinns den ersten Band von Egners Gesamtwerk (exklusive seiner nicht bebilderten Texte) zu veröffentlichen.

Thorinth 1: Der Narr ohne Namen

 Nicolas Fructus legt mit Thorinth, bei dem er sowohl die textliche als auch die zeichnerische Arbeit übernimmt, seine erste Comicreihe überhaupt vor. Herausgekommen ist, wie Band 1 bereits zu belegen weiß, ein reichlich verschrobenes Werk, das keine ungewöhnlichen Themen scheut. Aber kann diese Debutserie auch überzeugen? Letztlich nicht ganz. Der Hauptgrund dafür ist das sich steigernde Verstricken in eine wirr erscheinende Handlung.

Helden ohne Skrupel 9: Östlich von Roswell

 Finix, der Verlag, der sich eingestellter bzw. nicht abgeschlossener Comicserien annimmt und diese zu Ende bringt, hat sich mit Helden ohne Skrupel mal wieder einen Titel ausgesucht, der viele Fans der vorherigen Alben freuen dürfte. Bislang sind von dieser Reihe zwischen 2001 und 2003 elf Alben im Carlsen Verlag erschienen, neben den regulären Nummern 1-8 gibt es eine Nullnummer sowie die Ausgabe 5 in drei Varianten (5a – 5c weisen nicht nur unterschiedliche Covermotive auf, sondern bieten auch alternative Enden). Erwähnenswert ist darüber hinaus auch der Comic Die Weiße Tigerin vom selben Kreativteam, von dem bei Schreiber&Leser seit 2008 vier Alben veröffentlicht wurden. Sie behandeln die Vorgeschichte von Alix Yin Fu, einer Geheimagentin, die in Helden ohne Skrupel eine wichtige Rolle spielt.