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Hau die Bässe rein, Bruno!

Liest man ein Werk des Comickünstlers Baru, weiß man mittlerweile, woran man ist. Der bsse1Franzose versteht sich auf Milieustudien, er skizziert das Leben in den französischen Vorstädten, berichtet von Losern, gefallenen Champions, Kleinkriminellen und fängt damit die Tragik des gesellschaftlichen Lebens Frankreichs immer wieder aufs Neue so gut ein wie kaum ein anderer Autor.

Dabei lässt es sich Baru jedoch trotz realistischer Darstellung nicht nehmen, jedem seiner Comics eine spezifische Genrenote zuteil werden zu lassen. Im Falle seines neuen Werks Hau die Bässe rein, Bruno! schuf er einen verwobenen Krimi mit leicht komödiantischem Einschlag.

Der Comic folgt zwei Handlungen, die im Laufe der Geschichte miteinander verknüpft werden: In der ersten Geschichte geht es um den jungen Slimane, der in einem afrikanischen Dorf als Fußballtalent entdeckt wird und sich daraufhin in den Laderaum eines Flugzeugs schmuggelt, um nach Frankreich zu gelangen und Karriere zu machen. Dort erwartet ihn jedoch das harte Leben als illegaler Einwanderer, der sich mit Gelegenheitsjobs durschlagen muss.

bsse2Die zweite Handlung fokussiert sich auf Zizou (ein Namensvetter des berühmten Fußballers Zinedine Zidane, hier wird bereits der Brückenschlag zu Slimane sichtbar), der frisch aus dem Gefängnis entlassen bereits seinen nächsten großen Coup plant. Doch für den Überfall auf einen Geldtransporter muss Zizou sich ausgerechnet auf ein paar alternde Ganoven verlassen.

Baru spinnt die beiden Ebenen auf ruhige Weise fort und vernetzt sie nach und nach miteinander. Das ist für den Leser an einigen Stellen etwas verwirrend, aber nicht umso weniger interessant. Am Ende des gewohnt seicht kolorierten, rasant gestalteten Bandes ergibt sich eine schlüssige Auflösung. Souverän, wie man es von vorherigen Arbeiten Barus in vergleichbarem Stil (z.B. Wut im Bauch und Elende Helden, beide Edition 52) kennt, strukturiert der französische Künstler seine Einzelelemente zu einem stimmigen Ganzen. Am bemerkenswertesten ist jedoch, dass er dabei sogar soziokulturelle Themen wie Migration und das Älterwerden subtil in seine Verbrecherstory mit einfließen lässt.

 

Wertung: Wertung: 8 von 10 Punkten

Gelungener Comicband, der bewährte Motive aufgreift und ihnen auf kluge Weise neue Aspekte abzuringen vermag

 

 Hau die Bässe rein, Bruno!
Verlag: Edition 52, Mai 2011
Text: Baru
Zeichnungen: Baru
128 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 22,- Euro
ISBN: 978-3-935229-83-8

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Abbildungen © Baru, der dt. Ausgabe: Edition 52

Largo Winch Sammelband 1

Cover Largo Winch Sammelband 1Beim Verlag Schreiber & Leser hat man bereits seit geraumer Zeit das „Graphic Novel“-Format (für das es freilich keine einheitliche Richtlinie gibt) für sich entdeckt und beginnt jetzt auch vermehrt, Albenreihen in verkleinerten Sammelbänden neu aufzulegen. So jüngst geschehen beim französischen Comicklassiker Largo Winch, einer Serie von Philipe Francq und Jean van Hamme.Der erste vorliegende Sammelband enthält die ersten vier Alben der Serie, und wurde, ebenso wie die Einzelalben in den vergangen Jahren, unter dem Sublabel „Alles Gute“ publiziert.

Der Protagonist heißt eigentlich Largo Winczlav und erfährt nach seinem Ausbruch aus einem türkischen Gefängnis von einem weitreichenden Erbe: Sein Adoptivvater Nerio Winch ist gestorben und hat dem jungen Largo einen milliardenschweren Konzern, die Gruppe W, hinterlassen. Vom erfahrenen Vorstand wird der draufgängerische Spross kritisch beäugt. Doch nicht nur gegen den Vorstand muss Largo ankämpfen, kaum im Amt liegt es an ihm, die feindliche Übernahme der Firma zu verhindern.

Das Grundthema, die Leitung eines Großkonzerns, mag sich trocken anhören und mutet in einer Comicgeschichte doch etwas ungewohnt an. Doch Largo Winch ist eine Serie, die aufgrund der Komplexität ihrer wirtschaftlichen Verstrickungen sehr ansprechend ist und den Leser herausfordert. Schließlich ist die Welt der Hochfinanz ein Haifischbecken, erst Recht für den impulsiven Neuling Largo Winch, der sich Intrigen, Verrat und Missgunst ausgesetzt sieht. Und schlussendlich ist Francqs und van Hammes Comic mit ungemein rasanten Actionsequenzen gespickt, die die langen Textpassagen immer wieder auflockern und eine Spannung erzeugen, wie man sie in etwa von einem James-Bond-Streifen kennt.

Seite aus Largo Winch 1Das Kleinformat des ersten Sammelbandes lässt die Zeichnungen von Philippe Francq, seine äußerst filigrane, detailreiche Strichführung und die satte Kolorierung leider überhaupt nicht gut zur Geltung kommen. Zudem strengt es beim Lesen richtiggehend die Augen an. Bei manchem Comic mag das Schrumpfen der Seiten kein Problem sein, im Falle von Largo Winch ist diese Praxis aus meiner Sicht eher suboptimal. So richtig genießen sollte man die Serie eigentlich im Albenformat.

Ein gutes Kaufargument ist jedoch, dass man gleich vier Storys in einem Band bekommt und das zu einem relativ günstigen Preis. Gerade für Einsteiger, die noch nicht die Einzelalben besitzen, könnte das entscheidend sein. Auf der anderen Seite hat man sich mit dem knappen Vorwort von Andreas C. Knigge und dem Abdruck einiger kleinerer Skizzen aber auch nicht gerade darum gerissen, den Sammelband auch eingefleischten Sammlern als echte Option zur Verfügung zu stellen.

 


Wertung: 7 von 10 Punkten

Hervorragender Inhalt, karger Extrateil, unpassendes Format

 

Largo Winch Sammelband 1
Schreiber & Leser (Alles Gute), Aprill 2011

Text: Jean van Hamme
Zeichnungen: Philippe Francq
208 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 29,80 Euro
ISBN: 978-3-941239-58-6
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Schreiber & Leser

Cryozone

Was kommt dabei heraus, wenn sich der Szenarist von Aquablue, Thierry Cailleteau, und Cover Cryozoneder Schöpfer von Universal War One, Denis Bajram, zusammenschließen? Mit recht hoher Wahrscheinlichkeit ein solider Sci-Fi-Comic. Als ein solcher lässt sich Cryozone, dessen Untertitel auch „Zombies im Weltall“ lauten könnte, auch am treffendsten umschreiben.

Mit der Veröffentlichung in Finix‘ Edition Solitaire, die auf ausgewählte, abgeschlossene Geschichten abonniert ist, begeht der Verlag gleich zwei Premieren: Zum einen fasst der vorliegende Gesamtband erstmals eine aus zwei Alben bestehende Serie zusammen (bisher fanden sich in der Edition Solitaire ausschließlich Einzelalben), zum anderen beinhaltet er zum Teil bereits veröffentlichtes Material. Carlsen hatte gegen Ende der 90er Jahre das erste Album veröffentlicht, die Serie aber nie fortgesetzt. Finix schließt diese Lücke und schlägt damit die Brücke zu seinem regulären Programm.

Cryozone handelt vom Schicksal einer Raumschiffcrew, die sich plötzlich gegen eine Horde Zombies erwehren muss. Die U.N.S.S. Neil Alden Armstrong begibt sich in einer nicht allzu entfernten Zukunft auf einen 30 Jahre dauernden Weg, um einen entlegenen Planeten zu kolonisieren. Neben der Steuerbesatzung befinden sich insgesamt 9600 weitere Männer und Frauen im kryogenen Schlaf.

Ausgelöst durch einen Notfall müssen die Kryokammern vorzeitig abgeschaltet und die Reservemannschaft unplanmäßig aufgeweckt werden. Leider verursacht genau das eine Zombifizierung, auf dem Schiff bricht schließlich der Krieg gegen die Untoten aus.

Die Story ist solide, aber nicht bahnbrechend neu. Sie liegt thematisch irgendwo zwischen Aliens und Dead Space. Auch die Figuren sind nicht wirklich überzeugend dargestellt oder sonderlich innovativ: Dem Bösen, personifiziert durch Zdic, einem Vertreter der skrupellosen Kryogen-Firma, stellt sich ein Duo, bestehend aus Schiffsärztin Caron und dem zwielichtigen Kopp, entgegen. Zwischen Überlebenskampf und Aufdecken der geheimen Machenschaften der Firma schleichen sich aber auch immer mal wieder unvorhersehbare und amüsante Szenen ein.

Seite aus CryozoneUnd das muss man vor dem Lesen wissen: Cryozone ist kein knallharter Horrorthriller. Es geht zwar mitunter sehr blutig zu, aber vor allen Dingen geht es um möglichst viel Spaß beim Zombiegemetzel. Überhaupt weicht der Comic von Cailleteau und Bajram von einem klassischen Sci-Fi-Setting ab. An Bord der Neil Alden Armstrong befinden sich unter anderem Kameraleute, die für das eigene „Bord-Fernsehen“ aufzeichnen, Stiere, ein lächerlich aussehendes Feuerwehrteam und einige Indianer, die als Techniker arbeiten, weil sie keine Höhenangst kennen und deshalb unter künstlicher Schwerkraft keine Probleme haben.

Das sind schrullige Einfälle, die mir gerade am Anfang überhaupt nicht gefallen haben, die aber im Endeffekt genau für diesen halbgaren Mix aus Horror und Comedy sorgen. Vielleicht bleibt einem Cryozone im Vergleich zu vielen anderen Serien aus dem Genre auch wegen dieser Schrulligkeit in Erinnerung. Für einige unterhaltsame Minuten ist er in jedem Fall gut.

14 Seiten Making-Of schmücken den Anhang des mit Spotlackeffekt veredelten Albums. Darin wird die Entstehungsgeschichte von Cryozone aus Künstlersicht und anhand vieler Skizzen anschaulich aufbereitet.

Schade nur, dass im Comicteil vier Seiten des Bandes auffallend unscharf abgedruckt sind. Der Grund dafür sind fehlerhafte Daten, die der Lizenzgeber zur Verfügung gestellt hat – ein Problem, das leider erst nach dem Druck sichtbar geworden ist. Das Lettering ist von dieser Unschärfe im Übrigen nicht betroffen, weil dieses von Finix nachträglich eingefügt wurde.

 

Wertung: 7 von 10 Punkten

Unterhaltsame Horroraction, mit soliden Zeichnungen und einem Hauch Absurdität im Setting

 

Cryozone
Finix Comics (Edition Solitaire), Juni 2011
Text: Thierry Cailleteau
Zeichnungen: Denis Bajram
112 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 22,80 Euro
ISBN: 9783941236448
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Finix Comics

Smoke City 1

Cover Smoke City 1Auf zwei Bände angelegt, erzählt der erste Band von Smoke City eine klassische Heist-Story: Eine Bande von Kriminellen, deren Mitglieder sich zur Ruhe gesetzt haben, wird reaktiviert, um aus einem Museum eine Mumie zu stehlen. Die eine Hälfte des Albums dreht sich ganz genregerecht um die Vorstellung der Figuren und die Animositäten innerhalb der Gruppe. In der zweiten Hälfte geht es dann, wieder ganz genregerecht, um den Coup an sich, der zunächst natürlich alles andere als planmäßig verläuft, da ansonsten ja auch keine Spannung aufkommen würde. Verrat und Liebe spielen selbstverständlich auch eine Rolle.

So weit ist das alles bekannt. Wenngleich nichts besonderes, ist es doch immerhin recht kurzweilig und spannend zu lesen. Der Clou der Macher besteht aber nun darin, dass es mit der gestohlenen Mumie mehr auf sich hat, als es zunächst den Anschein hat. Dies wird direkt zu Beginn klar gemacht, aber das vergisst der Leser schnell, da er eine Geschichte aus einem ganz anderen Genre zu lesen bekommt. Erst im allerletzten Panel wird dieser Aspekt wieder aufgegriffen. Wohin die Reise im nächsten Band gehen wird, ist noch nicht absehbar, da die Story im Grunde erstmal abgeschlossen ist. Hier im ersten Band hat man einen Krimi vorliegen, aber was kommt im nächsten? Horror? Fantasy? Der Phantasie ist genügend Spielraum gegeben.

Seite aus Smoke City 1Kleine, gut versteckte Zitate deuten dabei in eine grobe Richtung. Das Eröffnungspanel lebt nicht nur von dem ersten Blick auf die moderne Großstadt, ganz in metallenes Grau getaucht, sondern auch von dem Kontrast mit einer Krähe, die mit bedrohlich geöffnetem Schnabel durch die Luft fliegt. Da sich die Krähe nicht in ihrer gewohnten Umgebung befindet, wird schon angedeutet, dass etwas geschehen wird, was nicht geschehen soll. Dass Krähen auch als Unglücksvögel gelten, passt dazu. Vielleicht auch schon eine kleine Anspielung auf The Crow von James O’Barr? Die Frage, ob man schon einmal mit dem Teufel im fahlen Mondlicht getanzt habe, entstammt dem ersten Batman-Film von Tim Burton und zeigt deutlich, dass die titelgebende „Smoke City“ ein ebensolcher Moloch wie Gotham City ist. Der Titel erinnert nicht nur phonetisch an Sin City von Frank Miller, auch die Flucht eines Helden erinnert ein bisschen an die Flucht von Marv aus dem ersten Sin City-Band. Und die asiatische Ninja-Kämpferin, die hier auftaucht,  könnte auch Frank Millers Noir-Epos stammen. Hier wird aber nicht plagiiert, da alle drei genannten Elemente sehr versteckt sind. Vielmehr werden sie als Zitat eingebaut, um die Story inhaltlich zu verorten: Mystik (Krähe), gotischer Einfluss (Batman), Großstadtsaga, Krimi, Action und verführerische Frauen (Sin City).

Seite aus Smoke City 1Passend zur düsteren Story sind die Bilder von Benjamin Carré zum größten Teil in sehr blassen, kalten, düsteren Farben gehalten, die nur selten aufgehellt oder farblich intensiviert werden. Die Hintergründe führt er manchmal sehr detailliert aus, was mit der sehr rudimentären und glatten Figurenzeichnung bisweilen störend kollidiert. Hier hat man einen naturalistischen Ansatz und da sehr flächig gestaltete Figuren, die bisweilen unfertig wirken. Der Stilbruch lässt sie deplatziert wirken, was immerhin zu Verbrechern passt, die sich nicht in die Gesellschaft einordnen (wollen), aber es befremdet etwas zu Beginn. Dennoch sind die Zeichnungen für ein Debüt recht gelungen, wenn man sich nicht daran stört, dass sie erkennbar auf Fotovorlagen basieren.

 

Wertung: 6 von 10 Punkten

Finstere Noir-Story, die inhaltlich nicht viel Neues erzählt, aber viel verspricht für den zweiten Band.

 

Smoke City 1
Splitter Verlag, Juli 2011
Text: Benjamin Carré, Mathieu Mariolle
Zeichnungen: Benjamin Carré
48 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 13,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-289-1
Leseprobe

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Abbildungen © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

Green Lantern

GREEN LANTERN FilmplakatGreen Lantern
USA 2011
Regie: Martin Campbell
Hauptdarsteller: Ryan Reynolds (Hal Jordan / Green Lantern), Blake Lively (Carol Ferris), Peter Sarsgaard (Hector Hammond), Mark Strong (Sinestro), Tim Robbins (Hammond), Angela Bassett (Doctor Waller)

Zum Green Lantern-Gewinnspiel geht es hier!

 

Eins sei gleich vorausgeschickt: Ich kenne mich nicht aus in der (seit 1940 existierenden) Mythologie um Green Lantern, aber da geht es mir nicht anders als dem Großteil des von Warner Brothers angepeilten Kinopublikums. Schließlich soll mit dem in 3D präsentierten, mit einem dicken Budget von 200 Millionen Dollar ausgestatteten Film Green Lantern ein Blockbuster geschaffen werden, der ein mögllichst großes Publikum anspricht. So wie Konkurrent Marvel es geschafft hat, mit Superhelden aus der zweiten Reihe, die nicht jeder kennt (z.B. Iron Man oder Thor), möchte auch Warner Brothers aus dem großen Fundus der DC-Superhelden schöpfen, um ein weiteres Standbein neben Christopher Nolans äußerst erfolgreicher Batman-Franchise zu schaffen. Bisher ist das nicht gelungen – was sich wohl auch mit Green Lantern nicht ändern wird.

Szene aus Green LanternAls Regisseur engagierte man den Neuseeländer Martin Campbell, der mit zwei Zorro- und zwei James-Bond-Filmen (Golden Eye und Casino Royale) ausreichend Erfahrung im Action-orientierten Blockbusterkino mitbringt. Bei der Besetzung verzichtete man auf die ganz großen Namen, verpflichtete aber ein solides Ensemble mit Ryan Reynoldsals Hauptfigur Hal Jordan und Leuten wie Peter Sarsgaard, Mark Strong und Tim Robbins in weiteren Rollen. An den Schauspielern liegt es nicht, wenn der Film scheitert, diese liefern einen soliden Job ab. Aber im Mittelpunkt steht bei Green Lantern nicht die Schauspielkunst, sondern Action und Effekte. Und auch die sind durchaus gelungen: gut designte außerirdische Welten und rasante Kampfszenen, in denen man nicht den Überblick verliert und die in 3D durchaus etwas hermachen. Ebenfalls gelungen: das Figurendesign der am Computer animierten außerirdischen Lebensformen wie dem galaktischen Vogel Tomar-Re und dem Hünen Kilowog. Optisch also weiß Green Lantern durchaus zu gefallen. Aber eigentlich soll ein Film ja auch eine Geschichte erzählen, und da fangen die Probleme an. 

Wie in allen Superheldenfilmen üblich, die keine Fortsetzung sind, muss erstmal die Ursprungsgeschichte erzählt werden: Wie kommt der Held zu seinen Superkräften und was kann er damit anfangen? In diesem Fall ist es der hochbegabte Kampfpilot Hal Jordan, der scheinbar zufällig auf ein abgestürztes Raumschiff trifft. Darin findet er den verletzten Abin Sur, ein Mitglied des intergalaktischen Green Lantern Corps, das das ganze Universum vor dem Bösen beschützt. Er liegt im Sterben und erklärt Hal, dass dieser fortan seinen Ring, der ihm besondere Macht verleiht, tragen soll. Gesagt, getan, Hal schnappt sich den Ring und die beiliegende grüne Laterne, sagt einen Eid auf und wird fortan einer der Green Lanterns, zuständig für Sektor 2814, zu dem auch die Erde gehört. Schon bald bekommt er es mit Hector Hammond zu tun, einem Wissenschaftler, der vom Oberbösewicht Parallax besessen und dadurch zu einem eierköpfigen Fiesling mutiert ist, der Gedanken lesen kann und aussieht wie das Klischeebild des hässlichen Comicsammlers.

Szene aus Green LanternWer nun als Zuschauer fragt, wieso ausgerechnet dieser Hal Jordan „auserwählt“ sein soll, warum gerade er zum Weltretten berufen ist, und was für ein Problem eigentlich dieser Hector Hammond hat, stellt die falschen Fragen. Denn der Film weiß es auch nicht. Das Drehbuch hakt eifrig Punkt für Punkt auf der To-Do-Liste ab, die sich die Autoren aus 70 Jahren Comicgeschichte herausgepickt haben, weiß aber mit den Figuren nichts anzufangen. Alle, wirklich alle, Figuren bleiben extrem blass, keiner entwickelt charakterliche Tiefe oder tut an irgendeiner Stelle etwas unerwartetes. Weder der Titelheld noch eine seiner Nebenfiguren strahlt genug Charisma aus, um das Publikum wirklich mitzureißen. In Sachen Motivation der Figuren ist den Drehbuchautoren nur eins eingefallen: Probleme mit dem Vater. Hal Jordan hat Daddy Issues, seine Kollegin Carol Ferris (mit der es später zu einer völlig unprickelnden Lovestory kommen wird) hat Daddy Issues, und auch Fiesling Hector hat, richtig geraten, Daddy Issues. Vermutlich das Thema, das im Grundkurs Kreatives Schreiben in Hollywood als erstes besprochen wird.

Überflüssigerweise werden Personen eingeführt, mit denen man durchaus etwas anstellen könnte, wenn man eine Idee hätte. Stattdessen werden sie einfach vergessen (Hals junger Neffe), als Kollateralschaden verheizt (Dr. Amanda Waller) oder sind einfach nur da (Hals Kumpel Thomas Kalmaku). Die interessanteste Figur des Films ist der von Mark Strong gespielte Sinestro, ein weiterer Green Lantern, der die bisherigen Methoden des Corps in Frage stellt. Doch dieser bekommt leider nur sehr wenig Screentime (dafür dürfte er wohl, falls es zu einem zweiten Teil kommen sollte, dort eine wichtige Rolle spielen).

Szene aus Green LanternMan darf also weder von der Story, und wie sie erzählt ist, etwas erwarten, noch von den Figuren dahinter. Übrig bleiben die visuellen Schauwerte, die zweifellos gegeben sind. Trotzdem fehlt auch hier das gewisse Etwas. Vielleicht hätte ein wenig mehr Augenzwinkern geholfen. Denn seien wir ehrlich: Eine Geschichte, deren Held seinen grünen Ring an einer grünen Laterne aufladen muss, damit er in den Weltraum fliegen und dort allerhand Bösewichte bekämpfen kann, indem er sich Gegenstände ausdenkt, die dann in grüner Farbe erscheinen und als Waffe einsetzbar sind, ist schon ziemlich gaga. Was man in gezeichneter Form ohne weiteres akzeptiert, kann in einem Realfilm schnell peinlich wirken. Es sei denn, man würde mit Augenzwinkern und Selbstironie dagegensteuern. Stattdessen nimmt sich Green Lantern über weite Strecken viel zu ernst und baut nur äußerst selten kleine Gags ein. Der Spaß, den man zum Beispiel bei einem Film wie Iron Man hat, der immer wieder entwaffnende Komik einstreut, stellt sich hier niemals ein.

Zum Kinostart in den USA gab es weitgehend vernichtende Kritiken und ein enttäuschendes Einspielergebnis. Während Marvel mit einigem Erfolg Held um Held ins Kino bringt, um sie im kommenden Jahr in The Avengers zu vereinen, wird DC weiterhin auf Batman bauen müssen, um im Superheldenkino etwas zu reißen. Die Suche nach einem zweiten Standbein geht weiter.

 

Wertung: 3 von 10 Punkten

Ordentliche Spezialeffekte treffen auf ein uninspiriertes Drehbuch und wenig interessante Figuren.

 


Offizielle Film-Website (englisch)
Offizielle Film-Website (deutsch)
Green Lantern in der Wikipedia

 

Abbildungen © Warner Bros. Pictures

Frisch aus der Druckerei: Juni 2011

Der Juni ist dank der großen Comicfestivals traditionell der novitätenreichste Monat (wobei diese Behauptung jetzt nicht auf einer empirischen Zählung, sondern auf subjektiver Wahrnehmung beruht). Vor allem die kleineren Verlage sparen sich ihre Neuheiten gerne auf, um sie in Erlangen oder, wie dieses Jahr, in München vorzustellen. Aus diesem Anlass gibt es diesmal mehr als nur ein Highlight des Monats, und, weil wir schon wieder ziemlich spät dran sind, eine teilweise etwas gerafftere Form bei den Importen aus Frankreich, USA und Japan.    

HIGHLIGHTS DES MONATS

Fünftausend Kilometer in der SekundeDer italienische Weltenbummler Manuele Fior (der nach Berlin und Oslo mittlerweile in Paris lebt) erzählt in Fünftausend Kilometer in der Sekunde von jungen Italienern, die es ebenfalls in unterschiedlichste Richtungen verschlägt. Eine episodische Geschichte um Liebe, Annäherung und Entfernung, bei der Fior vor allem viel Wert auf den Einsatz von Farben legt. Beim Festival in Angoulême wurde der Comic Anfang des Jahres als Bestes Album 2011 ausgezeichnet, nun erschien die deutsche Ausgabe beim Avant-Verlag. Hier eine PDF-Leseprobe.

Mit Israel verstehen in 60 Tagen oder weniger von Sarah Glidden erscheint ein anspruchsvoller Comic mit politischem Hintergrund bei einem Verlag, von dem man das nicht unbedingt erwartet hätte, bei Panini nämlich. Auch die US-Originalausgabe hatte mit dem DC-Label Vertigo schon eine eher ungewöhnliche Verlagsheimat für solcherlei Stoffe. Lobenswerterweise hat sich Panini in Sachen Aufmachung, Übersetzung und Pressearbeit bemüht, dass dieser Comic aus der Masse seiner Veröffentlichungen heraussticht. 25 Seiten Leseprobe bei myComics.

 

LocalDas Eidalon-Label Modern Tales bringt die amerikanische Indie-Serie Local von Brian Wood und Ryan Kelly in einem voluminösen Hardcoverband mit 320 Comicseiten und einem umfassenden Bonusteil. Die reguläre Ausgabe kommt also gleich ausgestattet wie eine Special Edition. Local erschien im Original zwischen 2005 und 2008 als zwölfteilige Maxiserie bei Oni Press. Jedes Einzelheft enthielt eine in sich abgeschlossene Geschichte, die jeweils in einer anderen amerikanischen Stadt spielte. Verbunden sind diese Geschichten durch die Hauptfigur Megan, die in jeder Episode auftritt und jedes Jahr in einer anderen Stadt lebt. Damit erzählt Wood sowohl von der Entwicklung einer Frau als auch vom Leben in den USA innerhalb eines Jahrzehnts. Kostproben gibt es auf dem Blog von Stefan Pannor, der den Band übersetzt hat.

Aus Spanien stammt der Comic Kein Blick zurück von Dani Montero. Das Organisationsduo des Comicfestivals München, Heiner Lünstedt und Michael Kompa, lernte Montero beim Festival in A Coruña kennen, luden ihn nach München ein, wo er im Rahmen des „Comicgastlands Spanien“ eine Ausstellung bekam, und schlugen seine Graphic Novel dem Verlag Edition 52 zur Veröffentlichung vor. Dort erschien nun die Roadmovie-artige Geschichte vom jungen Mann und seinem Hund, die sich gemeinsam auf eine Reise ins Ungewisse begeben. Einen Vorgeschmack gibt es als PDF und in Form dieses sehr schön animierten Trailers:

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Noch bevor Posy Simmonds ihren Comic Tamara Drewe machte, schrieb und zeichnete sie Gemma Bovery. Ebenso wie Tamara Drewe erschien dieses Werk als Fortsetzungscomic in der Tageszeitung The Guardian, verknüpft Comicseiten mit längeren Textpassagen und lehnt sich lose an einen literarischen Klassiker an, in diesem Fall Gustave Flauberts Madame Bovary. Laut Reprodukt „ein vielschichtiges Panoptikum über Ehebruch und seine Konsequenzen, Betrug und Enttäuschung, Träume und Lebenslügen“. Eine Kostprobe daraus ist hier zu sehen.

EIGENPRODUKTIONEN

Winnetou – Hommage an Karl May und Helmut Nickel ist ein Sammelband mit kurzen Beiträgen von zahlreichen deutschen Comicmachern, entstanden als Hommage an den Ehrengast des Münchner Comicfestivals und erschienen bei Edition 52. Wie schon vor zwei Jahren bei einem ähnlichen Projekt für Hansrudi Wäscher trommelte Herausgeber Gerhard Schlegel eine illustre Runde von sehr verschiedenen Zeichnern zusammen, die sich auf unterschiedlichste Weise mit Nickel und/oder Winnetou beschäftigen.

Sarah Burrinis Das Leben ist kein Ponyhof startete vor gut zwei Jahren und mauserte sich in der Zwischenzeit zu einem der beliebtesten deutschen Webcomics. Nun ist bei Zwerchfell die erste gedruckte Ausgabe erschienen. Darüber freuen wir uns nicht zuletzt deshalb sehr, weil zu den Vorläufern dieses „semi-autobiographischen Comicstrips“ auch die kleine Serie längerer Geschichten zählt, die hier bei Comicgate erschienen sind.

Mingamanga, die bayerische Multikulti-Story von Robert Platzgummer, hat zwar viel mit Minga (also München), aber nichts mit Manga zu tun. Vielmehr ist sie in einem klassischen frankobelgischen Funnystil gehalten, hatte ihren Ursprung im Münchner Fanzine Comicaze und wurde später als Fortsetzungsgeschichte im ZACK-Magazin gedruckt. Bei der ZACK Edition erschien nun ein erstes Album namens „Kruzitürk und Sowobinibayer“. Mehr Infos zum Comic gibt es in diesem Auszug aus ZACK 128.

Stephan Hagenow veröffentlicht bei Gringo Comics in schneller Folge immer neue Bände seines Norddeutschland-Krimis Kommissar Fröhlich. Eine Nebenfigur dieser Serie bekommt nun ihren eigenen Spin-Off: Bei Tumba, benannt nach dem Assistenten des Kommissars darf es etwas mehr in Richtung Mystery und Paranormales gehen als beim bodenständigen Fröhlich. Anders als bei der Hauptserie macht Hagenow bei Tumba nicht alles selber: Tusche und Graustufen übernimmt Kollege Geier (Horst), was den Seiten deutlich anzumerken ist. Bei myComics gibt es die ersten elf Seiten zu lesen.

Beim Kleinverlag Epsilon erscheinen immer wieder Eigenproduktionen von Newcomern, die bisher niemand auf dem Schirm hatte. Ein solcher ist der Österreicher Christoph Pirker mit seinem Projekt Mazehopper, dessen erstes Album „Die fünfdimensionale Karte“ jetzt erschienen ist. Die skurrile Fantasygeschichte über eine Gruppe seltsamer Gestalten, die versucht, aus einem riesigen Labyrinth zu entkommen, erinnert ein wenig an Lewis Trondheims Donjon-Saga, der Autor beschreibt’s als „Funtasy Fiction mit hohem Jump-and-Run-Faktor“, „als hätte Alf Poier den Herrn der Ringe geschrieben“ (Leseprobe bei myComics).

Ganz anders, aber auch ein wenig skurril, erscheint das Comicprojekt Die phantastischen Abenteuer des Glücksritters Wigalois, das vom Kulturamt des Landkreises Forchheim herausgegeben wurde. Dort, im oberfränkischen Gräfenberg, entstand Anfang des 13. Jahrhunderts das mittelhochdeutsche Heldenepos namens Wigalois von Wirnt von Grafenberg. Der Gräfenberger Autor Manfred Schwab hat dieses nun zu einem Comic umgearbeitet, und dessen Freund Peter Wiechmann vermittelte den Kontakt zum spanischen Comicon-Studio, wo die (nicht gerade modern wirkenden) Zeichnungen herstammen. Die Entstehung des Projekts lässt sich im Comicguide-Forum nachverfolgen.

Mehr als sechs Jahre hat es gedauert, bis die hochgelobte Wolfgang-Hohlbein-Adaption Die Chronik der Unsterblichen von Benjamin von Eckartsberg und Thomas von Kummant (Ehapa Comic Collection) endlich fortgesetzt wurde. Das lag vor allem daran, dass von Kummants Artwork sehr zeitaufwendig und als Fulltime-Job kaum finanzierbar ist. Mit Unterstützung des Lizenznehmers aus Frankreich, wo das erste Album ebenfalls ein großer Erfolg war, gelang nun doch eine Fortsetzung (PDF-Leseprobe), und wie man hört, sollen dies noch nicht der letzte Comic dieser Reihe gewesen sein. Ein bisschen Background zur Finanzierungs-Situation findet man im ZACK-Interview mit Benjamin von Eckartsberg, das in Auszügen hier zu lesen.

AUS GROSSBRITANNIEN

Der Kanadier Patrick McEown arbeitet schon lange im Comicbereich (u.a. zeichnete er Kurzgeschichten für Dark Horse und Vertigo und die Miniserie Grendel: War Child von Matt Wagner). Seine erste abgeschlossene Graphic Novel Hair Shirt, die er sowohl schrieb als auch zeichnete, erschien ursprünglich beim britischen Indieverlag SelfMadeHero (die u.a. auch Comics von Mawil, Reinhard Kleist oder Arne Bellsdorf auf Englisch veröffentlichen) und liegt nun bei Avant auf Deutsch vor. Es geht um zwei junge Erwachsene, John und und Naomi, die sich schon als Kinder kannten, sich nun wieder treffen und ineinander verlieben. Anstelle einer romantischen Lovestory ist Hair Shirt aber eher ein düsteres, alptraumhaftes Drama und eine alles andere als leichte Kost. Bei Broken Frontier heißt es in einer Rezension: „McEown zeigt 120 Seiten lang keine Gnade und belädt seine Protagonisten mit so viel emotionalem Ballast, dass es einem beinah körperliche Schmerzen bereitet.“ Dieser Trailer gibt einen recht guten Eindruck:

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Der Zwerchfell Verlag, der ja fast ausschließlich heimische Eigengewächse verlegt, hat von seinen jährlichen London-Besuchen einen britischen Import mitgebracht. Lizz Lunney heißt die Künstlerin aus Birmingham, die ziemlich schräge und humorvolle Minicomics und Cartoons zeichnet, die online bei TopShelf und auf lizzlizz.com zu sehen sind. Die deutsch übersetzte Auswahl dieser Arbeiten trägt den Titel Ich liebe Katzen und Katzen lieben mich, was ein bisschen nach süßlichem Geschenkbuch klingt. Diese Befürchtung kann allerdings entkräftet werden, wenn man Lunneys kindlich-reduzierten Strich und die lakonisch-seltsamen Inhalte sieht.

AUS FRANKREICH

HemingwayVon dem heute in Frankreich lebenden Norweger Jason erschienen 2003 zwei Comics (Psssst! und Hey, warte mal…) beim Verlag Schwarzer Turm. Seitdem war der Zeichner äußerst produktiv, sammelte international Preise und Kritikerlob, nur bei uns erschienen keine weiteren Titel. Reprodukt verspricht nun endlich Abhilfe und startet mit Hemingway, einer Geschichte, deren Hauptfiguren die berühmten Schriftsteller Ernest Hemingway, F. Scott Fitzgerald, James Joyce sind, die im Paris der 20er Jahre ein Bohème-Leben führen. Allerdings haben sie hier Hundeköpfe und sind Comiczeichner! Hier eine Leseprobe.

Mit B. Traven – Porträt eines berühmten Unbekannten beschreibt der französische Comickünstler Golo Leben und Werk des deutschen Schriftstellers, dessen bekanntestes Werk  der von Hollywood verfilmte Abenteuerroman Der Schatz der Sierra Madre ist. Über den Autor jedoch, dessen erste Werke in den 1920er Jahren erschienen, der zahlreiche Pseudonyme benutzte und aus Deutschland nach Mexiko auswanderte, weiß man nur wenig, vieles ist Gegenstand von Spekulationen. Eine gezeichnete Biographie wirkt da umso passender (PDF-Leseprobe).

Hot RockMit Hot Rock vom Zeichner Lax erweitert Schreiber & Leser sein Noir-Label. Der Comic ist die Adaption eines Krimiromans von Donald Westlake (der auch als Richard Stark bekannt wurde). Die erste von mehreren Stories um den Dieb John Dortmunder, die von einem missglückten Diamantenraub handelt, wurde bereits in den siebziger Jahren mit Robert Redford verfilmt, die Comicversion stammt aus dem Jahr 2008. Hier eine Leseprobe.

Bei Salleck Publications startet die neue Albenserie Esteban von Matthieu Bonhomme (Der Marquis von Anaon). Sie erzählt von einem jungen Indianer, der im Jahr 1900 auf einem Walfängerschiff anheuert. Der erste deutsche Band enthält die beiden ersten französischen Alben, „Auf dem Walfänger“ und „Gejagt“.

Von dem „Science-Fiction meets Zombies“-Comic Cryozone von Denis Bajram und Thierry Cailleteau erschien 1997 nur einer von zwei Bänden im Carlsen Verlag. Die auf das Abschließen unvollendeter Serien spezialisierten Finix Comics bringen nun in ihrer „Edition Solitaire“ die komplette Geschichte als Gesamtausgabe in einem Band, hier eine Leseprobe.

Zwei neue Albenreihen mit Noir-Feeling gibt es beim Splitter Verlag: In Smoke City geht es um einen großen Raubzug à la Oceans Eleven (Leseprobe) und der Plot von Schmetterlingsnetzwerk erinnert ein wenig an den Nicolas-Cage-Film 8 Millimeter, allerdings mit Steampunk-Elementen (Leseprobe hier, CG-Rezension da).

Bei Epsilon erschien der erste Band von Golden Cup, einer Spin-Off-Reihe zu Daniel Pecqueurs Serie über die Tiefseestadt Golden City, in der ein Rennfahrer und seine Autorennen im Mittelpunkt stehen. myComics bietet eine Leseprobe.

AUS DEN USA

James Sturm arbeitet seit den späten 80ern im Comicbereich, wirkte u.a. an Art Spiegelmans RAW mit, gewann einen Eisner Award für die Marvel-Miniserie Fantastic Four: Unstable Molecules und ist Mitbegründer und Direktor der Comicschule Center for Cartoon Studies  Die Graphic Novel Markttag ist sein erstes Werk, das (bei Reprodukt) auch auf Deutsch veröffentlicht wird. Es geht vordergründig um einen jüdischen Teppichknüpfer, der eines Tages feststellen muss, dass es für seine künstlerisch wertvollen Arbeiten keinen kommerziellen Markt mehr gibt und die Händler und Käufer lieber auf Billigware setzen. Was sich als Metapher natürlich bestens für alle Formen der Künste (auch die der Comics) lesen lässt. Mehr dazu in unserem Interview mit James Sturm und in der Leseprobe

Der Bocola Verlag, allseits gelobt für seine hervorragende Prinz Eisenherz-Gesamtausgabe, widmet sich mit Lance von Warren Tufts einem weiteren, weit weniger bekannten Zeitungscomic-Klassiker, der stilistisch ähnlich ist, aber Western- statt Rittergeschichten erzählt. Eine Leseprobe (PDF) steht hier, bei Comicgate wurde Band 1 bereits besprochen.

Geschichten aus dem Hellboy-UniversumCross Cult feiert sein 10-jähriges Bestehen. Los ging es im Jahr 2001 mit der schwarz-weißen Ausgabe von Mike Mignolas Hellboy im ungewohnten, heute zum Verlags-Markenzeichen gewordenen A5-Format. Das immer weiter expandierte „Mignolaverse“ begleitet den Verlag bis heute, doch nicht jede der zahlreichen Spin-Offs und One-Shots rund um Hellboy und die B.U.A.P., die in den USA erscheinen, sind auf dem deutschen Markt erfolgsversprechend. Deshalb packt Cross Cult einen großen Teil dieser Nebenreihen (Lobster Johnson: Der Eiserne Prometheus, B.U.A.P.: 1946 und 1947 sowie Abe Sapien: Ertrinken) in den extradicken Jubiläumssonderband Geschichten aus dem Hellboy-Universum in limitierter Auflage, der mit 608 Seiten die Form eines Ziegelsteins hat und mit 50 Euro nicht mal überteuert ist. (Leseprobe)

Splitter bringt in seinem „Books“-Format den Sammelband einer amerikanischen Miniserie, die im Original beim kleinen Verlag Radical Publishing erschienen ist und in Kürze als Film mit Sam Worthington auf die Leinwand kommen soll (ein Weg, der bei Radical von vornherein Teil der Verlagsstrategie ist). The Last Days of American Crime, geschrieben von Rick Remender (Punisher), ist eine klassische Heist-Geschichte um einen total genialen Coup, angesiedelt in einer nahen Zukunft, in der die US-Regierung ein Signal auszusenden plant, das alle Menschen daran hindert, Gesetzwidrigkeiten zu begehen. Das Artwork von Greg Tocchini kann sich, siehe Leseprobe, durchaus sehen lassen und spart nicht mit Sex und Gewalt.

Der Tod des Comic-Typs 1Durch die Panini-Neuheiten des Juni hangeln wir uns einmal kurz im Schnelldurchlauf und beginnen mit der Simpsons-Abteilung: Dort startete die dreiteilige Miniserie Der Tod des Comic-Typs mit dem „Comic Book Guy“ in der Hauptrolle und vollgepackt mit mehr oder weniger hintergründigen Anspielungen und Seitenhieben auf das Comicbusiness. Autor Ian Boothby erhielt hierfür eine Eisner-Nominierung als „Best Writer“, außerdem war die Miniserie für „Best Humor Publication“ nominiert.

Im Marvel-Bereich gab es eine Neuveröffentlichung von Spider-Man Blue von Jeph Loeb und Tim Sale, erstmals als Sammelband. In der DC-Ecke: Green Lantern: Secret Origin, eine (hoffentlich) einsteigerfreundliche Neuerzählung der Ursprünge von Green Lantern aus der Feder von Geoff Johns. Der Sammelband Batman: Die Rückkehr von Bruce Wayne enthält die Miniserie, in der Grant Morrison mit verschiedenen Zeichnern den scheinbar verstorbenen Bruce Wayne durch verschiedene Epochen (u.a. die Piratenära, der Wilde Westen und die Zeit der Puritaner) reisen lässt, bis er wieder ins Gotham City der Gegenwart zurückkehren kann. Und im Batman Sonderband 31: Der lange Weg zurück kann man dann lesen, was währenddessen die Nebenfiguren des Batman-Kosmos so treiben, also Red Robin, Batgirl, die Outsiders, Catwoman und andere.

Außerdem brachte Panini das TopCow-Crossover Artifacts von Ron Marz (featuring Figuren aus Witchblade, Angelus und The Darkness) und die Videospieladaption God of War, bei der immerhin Altmeister Marv Wolfman als Autor fungierte.

AUS ASIEN

Mit Monster Hunter Orage hat Carlsen Manga einen Bestsellerkandidaten. Die Reihe basiert nicht nur auf einem bekannten Videospiel, sondern wird auch vom bekannten Mangaka Hiro Mashima gezeichnet, der mit Fairy Tail eine sehr erfolgreiche Serie geschaffen hat.

Psychic Detective Yakumo heißt die neue Tokyopop-Serie von Kaminaga Manabu und Suzuka Oda um einen jungen Detektiv, der die Fähigkeit hat, die Seelen von Verstorbenen sehen zu können. Basiert ursprünglich auf einer Romanreihe, auch eine geleichnamige Animeserie gibt es. 

EMA startet den Zweiteiler Kiiri, eine Mysterygeschichte über zwei Teenager, die (schon wieder!) Geister sehen können. Außerdem gibt es den erotisch-romantischen One-Shot Gothic Love und die neue Serie Adekan, die auf den ersten Blick wie ein x-beliebiger Boys-Love-Titel aussieht, aber verschiedenste Genres (Action, Drama, Mystery, Horror, Humor und Shonen-Ai) so wild mischt, das etwas Besonderes herauskommen könnte.

SEKUNDÄRLITERATUR

Allmächtiger!Dass sich ausgerechnet Andreas C. Knigge in einem umfangreichen Buch mit Leben und Werk von Hansrudi Wäscher beschäftigt, kann man durchaus als Überraschung werten. Schließlich gehörte Knigge zu seiner Zeit als Comixene-Herausgeber zu jenen „jungen Wilden“, die gegen nostalgisch verklärte Sammler anschrieben, die sich nur für die altbackenen Comics ihrer Jugend interessieren. Das führt zu dem angenehmen Umstand, dass bei Allmächtiger! Hansrudi Wäscher – Pionier der deutschen Comics eben kein unkritischer Fanboy am Werk ist, sondern ein distanzierter, aber neugieriger und aufgeschlossener Comicexperte. Siehe dazu auch dieses Interview bei Spiegel Online. Zwei Vorschauen gibt es, wenn man sich angemeldet hat, hier und hier bei issuu.com.

Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß 1 & 2

Der japanische Comickünstler Jiro Taniguchi kann mittlerweile auf eine wahre Fülle an Cover Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß 1Publikationen zurückblicken, von denen in den vergangen Jahren auch recht viele ins Deutsche übersetzt wurden. Jüngst hinzugekommen ist das sich über zwei Bände erstreckende Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß, eine getreue Adaption des Romans der ebenfalls aus Japan stammenden Schriftstellerin Hiromi Kawakami.

Erzählt wird eine zaghafte Liebesgeschichte, eine Erzählung vom Wesen des Menschen und der Schönheit der Natur, wie sie für Taniguchi typisch ist. Deswegen passt er als Zeichner auch perfekt zu diesem Projekt.Im Mittelpunkt steht Tsukiko, eine hübsche Frau Ende 30, die in ihrem Stammlokal durch Zufall auf ihren alten Japanischlehrer Harutsuna Matsumoto trifft. Die zufälligen Begegnungen häufen sich, meist trinken sie einen Sake in der Bar und gehen anschließend wieder getrennte Wege. Und langsam verabreden sich die beiden zu unverbindlichen Dates, auch außerhalb des Lokals, welches durch die gesamte Erzählung hinweg stets der Dreh- und Angelpunkt dieser Beziehung bleiben soll.

Seite aus Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß 1Der Comic schafft es sehr gut, die fragile Beziehung zwischen der unsicheren Tsukiko und dem wesentlichen älteren und vermeintlich souveränen Exlehrer, den sie nur Sensei nennt, aufzunehmen und sich über viele Kapitel hinweg entfalten zu lassen. Erst spät wird über Liebe gesprochen, ausgelebt wird sie erst recht nicht; die Zeit davor ist von einer gewissen Distanz geprägt, von zaghafter Annäherung ohne Verpflichtungen.

Jiro Taniguchi, der sich nach eigener Angabe sehr eng an die Romanvorlage gehalten hat (leider habe ich Kawakamis Buch nicht gelesen und kann nicht beurteilen, inwieweit sich der Comic dahingehend unterscheidet), lässt zwischen seinen Zeichnungen und dem Leser jedoch keinerlei Distanz aufkommen: Die Emotionen lassen sich den Figuren direkt aus der Mimik ablesen, die detailreichen Hintergründe und unterschiedlichen Perspektiven lassen auch in schwarz-weiß eine stimmige Atmosphäre aufkommen.

Cover Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß 2Das einzige, was manche Leser an der zweibändigen Geschichte kritisieren könnten, ist der ziemlich langsame Erzählfluss. Die einzelnen Kapitel liest man sehr schnell durch, aufgrund der Gesamtzahl der Seiten (über 430) und der Tatsache, dass sich die Handlung bevorzugt zwischen nur zwei Personen abspielt, die zudem auch noch oftmals die fast identischen erneuten Begegnungen zelebrieren, zieht sich das Ganze selbst für Taniguchi-Verhältnisse ganz schön in die Länge.

Wer ruhige, unaufgeregte Erzählungen mag, wird hier jedoch voll auf seine Kosten kommen. Nur muss man für Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß eben ein bisschen Geduld und Durchhaltevermögen aufbringen.

 

Wertung: 7 von 10 Punkten

Eine Romanadaption von Taniguchi, die auch aus dessen eigener Feder hätte stammen können

 

Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß
Carlsen Verlag
Text: Hiromi Kawakami
Zeichnungen: Jiro Taniguchi
 

Band 1
Februar 2011
208 Seiten, schwarz-weiß, Softcover

Preis: 14,90 Euro
ISBN: 978-3-551-75447-9

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Band 2:
Juni 2011
232 Seiten, schwarz-weiß, Softcover
Preis: 16 Euro
ISBN: 978-3-551-75448-6

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Carlsen Comics

Links der Woche: Mit Hansrudi Wäscher, Enjambements und den Eisner Awards

Unsere Links der Woche, Ausgabe 29/2011:

„Er hat das Tempo der Mangas vorweggenommen“
Spiegel Online, Christoph Dallach
Ein Interview mit Andreas C. Knigge über dessen neues Buch Allmächtiger!, in dem es um Leben und Werk von Hansrudi Wäscher geht: „Anfangs, muss ich gestehen, habe ich die Hefte mit etwas spitzen Fingern angefasst. Allein auf deren Ästhetik liegt ja schon eine dicke Schicht Staub. Das sind alles Abenteuergeschichten – aber ich habe die interessante Erfahrung gemacht, dass ich nach spätestens zehn, zwölf Seiten am Haken des Erzählers hing. Es liest sich packend.“

Graphic Novels definieren die Grenze zwischen Kunst und Pop neu
Format, Julia Kospach
Das österreichische Wirtschaftsmagazin Format erklärt seinen Lesern die Graphic Novel als „wichtigen neuen Trend des Buchmarkts“ und macht seine Sache gar nicht schlecht. Da hat man weiß Gott schon üblere Artikel gelesen, die einem fachfremden Publikum diese komischen Erwachsenencomics näherbringen wollten.

Tragisch verliebt in Natalie Portman
taz, Max Wallenhorst
Die taz stellt Robin Vehrs vor, den Macher des wundersamen und -baren Webcomics Enjambements. Der erst 19-jährige Vehrs sei ein „Kind der Blogosphäre – wenn auch ein uneheliches“ und findet „alle deutschen Comiczeichner ganz furchtbar“.

„Superman hat Hitler bekämpft“
Süddeutsche Zeitung, Tobias Dorfer
„Äch bin wieder da!!“
Focus Online, Jakob Biazza
In der Münchner Dependance der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung wurde diese Woche die Ausstellung „Holocaust im Comic“ eröffnet, kuratiert von Ralf Palandt, der seit Jahren zu dem Thema forscht und schreibt. Die Süddeutsche hat ihn interviewt, Focus stellt die Ausstellung vor.

Wilson and Dapper Men Tie for Best Graphic Album at 2011 Eisner Awards
comic-con.org
Am Wochenende wurden auf der San Diego Comic-Con die Will Eisner Industry Awards vergeben, die wohl wichtigsten Preise der US-amerikanischen Comicindustrie. Als erfolgreichster Verlag konnte IDW Publishing abschneiden: Zwei Auszeichnungen gingen an The Rocketeer Artist’s Edition von Dave Stevens, Darwyn Cooke (Parker: Parker: The Outfit) wurde „Best Writer/Artist“ und Joe Hill (Locke & Key) wurde „Best Writer“. Der Preis für den besten Zeichner ging an Skottie Young, der die Wizard of Oz-Romane für Marvel als Comic adaptiert. Der Preis für den besten abgeschlossenen Comic („Best Graphic Album“) wurde erstmals geteilt und ging gleichzeitig an Wilson von Daniel Clowes und an Return of the Dapper Men von Jim McCann und Janet Lee. Zur besten Ongoing-Serie kürte die Jury Chew von John Layman und Rob Guillory, zur besten neuen Serie American Vampire von Scott Snyder, Stephen King, and Rafael Albuquerque und zur besten Miniserie Daytripper von Gabriel Bá und Fabio Moon.

Japanese Publishers Launch Jmanga.com Manga Portal at Comic-Con
Publisher’s Weekly, Calvin Reid
Zu den interessantesten Ankündigungen in San Diego gehörte der Start der Website JManga.com. Mit dieser Website will die „Digital Comics Association“, ein Verbund von 39 japanischen Manga-Verlagen, die Online-Piraterie von Manga-Inhalten (bekannt als „Scanlations“) bekämpfen und digitale Manga auf Englisch (und in anderen Sprachen) selbst anbieten. Der Zugang wird teilweise kostenlos, teilweise kostenpflichtig sein. Bislang ist JManga.com nur für Beta-Tester zugänglich, ein offizieller Starttermin ist noch nicht bekannt.

Schmetterlingsnetzwerk 1 – Nachtfalter

Cover Schmetterlingsnetzwerk 1Die Serie Schmetterlingsnetzwerk von Eric Corbeyran (Metronom, Der Gesang der Strygen, Assassin’s Creed) und Cecil (Holmes, Piccolo) machte schon einmal einen Anlauf in Deutschland. Die ersten beiden Bände erschienen 2001 und 2003 bei Arboris. Zu einer Veröffentlichung des finalen dritten Bandes kam es dann gar nicht mehr. Hoffentlich bekommt die Serie bei ihrem zweiten Anlauf im Splitter-Verlag mehr Aufmerksamkeit als damals. Verdient hätte sie es.

Der etwas merkwürdige Titel „Schmetterlingsnetzwerk“ bezeichnet eine Zunft von Dieben in einer französischen Großstadt, die zwar kriminell sind, aber nach strengen Regeln arbeiten. Eustache und Mücke sind zwei aus jener Zunft, die zusammen Einbrüche begehen. Als sie im Büro des Barons Harcourd einen merkwürdigen Filmstreifen stehlen, auf dem eine Frau gequält wird, beschließen sie, den Baron zu erpressen. Doch der hat mächtige Freunde und die Angelegenheit ist komplizierter, als es den Anschein hat.

Seite aus Schmetterlingsnetzwerk 1Schon der Beginn lässt Anleihen beim Steampunk erkennen, ohne dass der Band diesem Genre direkt zuzurechnen wäre. Allenfalls im Dekor kommen futuristische Elemente vor, die meist die Fortbewegungsmittel betreffen. Ansonsten ist das Ambiente scheinbar ganz in der Belle Époque angesiedelt. Technische Neuerungen wie Film, Automobil oder Telefon kontrastieren mit einem Stadtdekor, welches die Handlung auch einhundert Jahre früher einordnen könnte. Aber um Fantasy handelt es sich bei dem Comic auch nicht. Vielmehr wurde die Geschichte außerhalb jeder greifbaren historischen Zeit angesiedelt und ist eigentlich ein klassischer Noir-Krimi. Nicht nur sind die Helden dem kriminellen Milieu zuzuordnen, auch die Story ist ziemlich düster, in der es um Vergewaltigung, Mord, Voyeurismus und Snuff-Filme geht.

Damit ist beileibe noch nicht zu viel verraten, da diese Elemente noch vor der Hälfte des Bandes für den Leser klar sind. Der Rest ist Action und die Versuche, aus dem Wissen Kapital zu schlagen. Dabei ist die geschilderte Welt und deren Gesellschaft, wiederum ganz im Sinne des Film Noir, völlig verrottet. Hinter dem schönen Dekor gibt es nichts als Dekadenz, Perversion, Unmoral und Verbrechen. Alle Charaktere im Band sind gebrochen und haben anscheinend nur ihr Eigenwohl im Sinn. Gegen Ende zeigt sich, dass zumindest die Kleinkriminellen einen Sinn für Ehre haben. Sie versuchen nur noch sich selbst und die anderen zu retten. Dabei schafft es der erste Band der Reihe, die Geschichte gleichzeitig zu einer Art Abschluss zu bringen, aber dennoch einige wesentliche Elemente offen zu halten, so dass man gespannt auf die Fortsetzung sein kann.

Seite aus Schmetterlingsnetzwerk 1Bei Cecils detailreichen, ja opulenten Zeichnungen kann man sich richtig in den Einzelheiten verlieren und in das Ambiente eintauchen, was bei einer solchen Story die Wirkung noch verstärkt. Die sehr gute Farbgebung setzt geschickt Lichteffekte. Was aber besonders gut gelungen und originell ist, ist der dramaturgische Einsatz der Panelränder. Es gibt in dem Band keine Lautmalereien, stattdessen werden Geräusche an den Panelrändern verdeutlicht. So sind zum Beispiel beim Klingeln eines Telefons oder bei Schüssen leichte „Risse“ an den Seiten zu sehen. Als ein Fahrstuhl sich bewegt, wird die Bewegung dadurch verdeutlicht, dass die Panelränder nicht mehr gerade sind.

Bei Erinnerungsszenen sind die Panels eingerissen und erinnern damit an abgegriffene Fotos, welche ja die Vergangenheit festhalten wollen. Anfangs irritieren diese ungewohnten Elemente den Leser. Aber genau das will man ja haben: einen ungewöhnlich gestalteten, inhaltlich mitreißenden Comicband.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Düstere Noir-Story in historischem Ambiente, graphisch mit sehr guten Ideen umgesetzt.

 

Schmetterlingsnetzwerk 1 – Nachtfalter
Splitter Verlag, Juli 2011
Text: Eric Corbeyran, Cecil
Zeichnungen: Cecil
48 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 13,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-286-0
Leseprobe

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Abbildungen © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

Links der Woche: Mit der Frankfurter Buchmesse, Webcomic-Geschichte und Mythomania

Unsere Links der Woche, Ausgabe 28/2011

 

Interview mit den Machern der Faszination Comic
Splashcomics, Bernd Glasstetter
Der Comicbereich auf der Frankfurter Buchmesse verändert sich. Manche Verlage verabschieden sich ganz von der Messe, andere siedeln in den Belletristik-Bereich um. Gleichzeitig reformiert sich das bisherige Comic-Zentrum, in diesem Jahr wird es einen „Hot Spot Kids & Comics“ geben. Die Splashpages, die seit Jahren die offizielle Web-Berichterstattung über die „Faszination Comic“ machen, haben dazu verschiedene Akteure befragt. In einem Videointerview kommen Birgit Fricke von der Frankfurter Buchmesse und Wolle Strzyz, der beratend für die Messe tätig ist, zu Wort. In kurzen Telefoninterviews spricht Bernd Glasstetter mit Vertetern der Verlage Reprodukt, Schreiber & Leser und CrossCult, die sich für veränderte Standorte innerhalb der Messehallen entschieden haben.

„Wir haben die Überproduktion korrigiert“
Buchreport, Daniel Lenz
Ein Interview mit Joachim Kaps zur Situation bei Tokyopop, in dem sich der Verlagsleite sehr zufrieden mit der aktuellen Lage zeigt und eine Offensive im digitalen Bereich ankündigt.

Die Carlsen MANGA-App ist da!
Carlsen Verlag
Eine solche Offensive hat Konkurrent Carlsen Manga bereits am Start: Seit heute ist eine App für iOS-Geräte verfügbar, über die diverse Manga (überwiegend Eigenproduktionen) gekauft werden können. Zum Start gibt es zwei Manga aus der „Chibi“-Reihe als kostenlosen Download in der App.

The History of Webcomics
The Comics Journal, Shaenon Garrity
In ihrer Kolumne „No One Knows You’re A Dog“ beim Comics Journal schreibt Shaenon Garrity über Webcomics. Die aktuelle Kolumne rekapituliert die bisherige Geschichte der Webcomics, deren Beginn sie tatsächlich schon im Jahr 1985 (!) ansiedelt und deren Verlauf sie in fünf Perioden einteilt.

Mythomania
YouTube, Derek Kirk Kim
Comicautor und -zeichner Derek Kirk Kim (Ganz gleich, American Born Chinese) hat nicht nur vor Kurzem seinen neuen Webcomic Tune gestartet, sondern präsentiert auf einem YouTube-Channel nun auch noch eine Online-TV-Serie namens Mythomania. In beiden Serien agieren die gleichen Figuren, sie erzählen aber völlig unterschiedliche Geschichten und spielen laut Kim in verschiedenen parallelen Realitäten. In der „slice-of-life comedy“ Mythomania geht es um eine Gruppe von talentierten jungen Comicmachern und sie fängt mal direkt mit einer Eisner-Award-Verleihung und einem Gastauftritt von Scott McCloud an. Die ersten beiden Folgen sind schon online, hier die Episode 1:

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