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Links der Woche 31/13: But you can keep ‚em for the birds and bees

Unsere Links der Woche, Ausgabe 31/2013:

 

Förderprojekte statt Herzensprojekte?
tagesspiegel.de, Erik Wenk
Die Diskussionen um das vor zwei Wochen in Berlin vorgestellte Comic-Manifest gehen weiter. Stellvertretend für ablehnende und unterstützende Haltung deutscher Comiczeichner zu dem Manifest, das mehr staatliche Förderung für Comicschaffende fordert, zitiert der oben verlinkte Artikel einerseits Flix („Ein guter Comic entsteht daraus, dass er das Herzensprojekt eines Einzelnen ist“), andererseits Atak („Es geht vor allem darum, dass es in der Kulturpolitik einen Ansprechpartner für Comics gibt“). Unter dem Titel „Das ist uns niemand schuldig“ kommt Flix auch in einem Interview beim Deutschlandradio zu Wort (MP3, 11 Minuten). Sein Kollege Spong verliert auf seinem Blog „ein paar Worte des Grummelns“ zum Manifest. Derweil ist auf dem Blog des neuen Online-Comicladens Novel Graph ein ausführliches Interview mit Ulli Lust zu lesen, die zu den Erstunterzeichnern des Manifests gehört. Darin nimmt sie u.a. auch zu denjenigen Stellung, die sich gegen die Forderung nach staatlichen Geldern aussprechen.

Sonne, Rasen und Faßbrause – Ein Erlebnisbericht
Splashcomics, Christian Recklies
Vergangenes Wochenende fand in Leipzig wieder der Comicgarten statt. Kollege Recklies war dort und berichtet.

Veranstaltungen im Comic-Zentrum
Splashcomics
Eine Liste aller Veranstaltungen, die im Comic-Bereich auf der Frankfurter Buchmesse (9.-12. Oktober) stattfinden werden. Neben der publikumswirksamen Vorstellung des neuen Asterix-Bandes, der am 24.10. erscheint, liegt ein Schwerpunkt auf dem Buchmessen-Gastland Brasilien, aus dem auch einige Comickünstler anreisen werden.

DC and Palmiotti Respond to Criticism of Harley Quinn Contest Page
Comics Alliance, Matt D. Wilson
Das DC-Fettnäpfchen der Woche war ein Aufruf zu einem Zeichenwettbewerb: Unter dem Motto „Break into comics with Harley Quinn!“ rief DC auf seinem Blog dazu auf, eine Seite für die im November neu startende Serie Harley Quinn zu zeichnen. Dazu wurde das Skript für diese eine Seite veröffentlicht (geschrieben von Jimmy Palmiotti and Amanda Conner), nicht aber der Rest des Skripts. Demnach haben die Teilnehmer vier Panels zu zeichnen, in der die Figur Harley Quinn versucht, sich umzubringen, davon einmal in der Badewanne sitzend. Die darauf folgende Internet-Empörung lief folglich unter der Überschrift „Wenn du dich bei DC bewirbst, musst du nackte Frauen beim Selbstmord zeichnen“. Eine durchaus nachvollziehbare Kritik, zumal DC einen gewissen „track record“ beim unsensiblen Umgang mit weiblichen Figuren hat und die ganze Aktion peinlicherweise auch noch während der „National Suicide Prevention Week“ stattfand. Den Aufschrei hätte DC vielleicht verhindern können, wenn sie – statt die unkommentierte Beschreibung einer einzelnen Comicseite ins Netz zu stellen – etwas Kontext mitgeliefert hätten. Wie Autor Palmiotti inzwischen erklärte, gehören die vier Panels zu einer Traumsequenz, die – wie der ganze Comic – in einem comedy-haften, übertriebenen Stil à la MAD daherkommen soll. Das macht Gags zum Thema Selbstmord nicht geschmackvoller, lässt die Sache aber schon viel weniger empörend erscheinen. Und dass sich daraus durchaus schicke Comicseiten machen lassen, die eine Harley Quinn in der Badewanne nicht gleich zum Sexobjekt machen, zeigt z.B. dieser Versuch von Zeichner Phillip M. Jackson.

Your 2013 Ignatz Winners
The Comics Reporter, Tom Spurgeon
Der bekannteste Preis für Independent-Comics in den USA ist der Ignatz Award, der letzte Nacht auf der Small Press Expo vergeben wurde. Der Preis in der Kategorie „Outstanding Graphic Novel“ ging an Ulli Lust für Today is the Last Day of the Rest of Your Life, die US-Ausgabe von Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens. 2010 hatte Ulli Lust in Erlangen sowohl einen Max-und-Moritz-Preis als auch den ICOM Independent Comicpreis für dieses Werk erhalten. Insgesamt drei Preise durfte Michael DeForge mit nach Hause nehmen: Er wurde als „Outstanding Artist“ prämiert, außerdem für „Outstanding Anthology or Collection“ und „Outstanding Series“.

Der beste deutsche Mangaka 2013 – Top 10
YouTube, der Hugi
Wenn wir in Zukunft alle Diskussionen in der Comicszene auf diesem Niveau führen könnten – die Welt wäre womöglich eine bessere:

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42 intergalaktische Agenten 1 – Nitaar

Cover 42 intergalaktische Agenten 1Oha, diese neue Science-Fiction-Serie könnte zu einem großen Mammutwerk ausarten. Man mag den Obertitel 42 intergalaktische Agenten dann auch kaum glauben. Sollte wirklich jeder dieser 42 Agenten separat in einem Album vorgestellt werden, dann wäre dies wirklich ein Mammutprojekt – zumal jetzt schon mindestens ein Mehrteiler über eine bestimmte Agentin angekündigt ist. Aber laut Verlag ist die Serie dann doch nur auf überschaubare fünf Bände angelegt. In der vorliegenden Story spielen insgesamt drei Agenten eine Rolle, aber der Fokus liegt auf der Titelheldin Nitaar, während die anderen beiden eher korrigierende Spiegelbilder zu der Heldin sind.

In einer Welt, in der seit langer Zeit Krieg zwischen zwei verfeindeten Bündnissen herrscht, ist Nitaar eine noch recht junge und übermütige Agentin, die voller Stolz auf ihre Position ist. So sieht sie es als unter ihrer Würde an, dass sie einen anderen Agenten auf einer diplomatischen Mission unterstützen soll, da sie sich hauptsächlich als Kriegerin versteht. Um einen Bürgerkrieg zu beenden, dessen Wurzeln in unterschiedlichen religiösen Auffassungen wurzelt, fasst sie einen folgenschweren Plan.

Seite aus 42 intergalaktische Agenten 1Natürlich ist es immer schwierig, eine neue Serie anhand des ersten Bandes zu beurteilen. Noch schwieriger wird es, wenn der erste Teil eine abgeschlossene Geschichte erzählt und, wie in diesem Fall, jede Ausgabe von unterschiedlichen Zeichnern und Autoren kommt. So sind alle Aussagen nur für diesen Band gültig und nicht für die komplette Reihe. Jedenfalls ist die Konzeption bislang eine Mischung aus Arleston (Lanfeust von Troy), Die Legende der Drachenritter und ganz viel Sillage. Zwar verzichtet Louis auf den Witz von Arleston, behält aber trotz der ernsten Themen einen lockeren Unterton bei, der sehr an den Meister erinnert. Das Konzept von abgeschlossenen Stories im Verbund mit einer speziellen Gruppe von Kriegern ist der Legende der Drachenritter entlehnt.

Vor allem aber ist der Einfluss von Jean-David Morvans Science-Fiction-Comic Sillage spürbar. Mal abgesehen davon, dass beide zum gleichen Genre gehören und auch zeichnerisch einige Ähnlichkeit besteht, kann man hier wie dort deutlich politische Thesen und Abhandlungen ausmachen. Generell gibt es wahrlich schlechtere Inspirationen.

Insofern ist dieser Auftakt schon sehr gelungen, auch weil Louis ein ganz zentrales Thema behandelt, dessen Formen und Auswüchse er an der Heldin näher untersucht: den Hochmut. Religiöser Fanatismus spielt auch eine wesentliche Rolle, wenn auch eher als Spielart des Hochmuts, da sich jeder dem anderen gegenüber im Recht fühlt. Geschickt wird das alles in eine actionreiche Story verwoben, so dass kein Leser zu kurz kommt. Man kann seinen Intellekt an den Subtexten schärfen, aber gleichzeitig dem reinen Eskapismus frönen. 

Man mag der Serie einen gewissen Mangel an Eigenständigkeit vorwerfen, aber man fühlt sich sehr gut unterhalten mit einer intelligenten Actionstory, wie man sie gar nicht mal so oft vor die Augen bekommt.

 

Punkte: 9 von 10 Punkten

Die Einflüsse sind zwar mehr als deutlich, aber die intelligenten Subtexte sind sehr harmonisch in eine packende Actionstory eingebaut.

 

42 intergalaktische Agenten 1 – Nitaar
Splitter Verlag, August 2013

Text und Zeichnungen: Louis
Übersetzung: Tanja Krämling
42 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 13,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-193-1
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

Kick-Ass 2

Cover Kick-Ass 2Man kann über die erste Kick-Ass-Serie von Mark Millar aus den Jahren 2008 bis 2010 mit Fug und Recht viel Schlechtes sagen. Was man ihr aber kaum absprechen kann, ist ein irgendwie mitreißender Punch: Die Story um den jugendlichen Möchtegern-Superhelden Dave Lizewski hat Frische und Drive, ist flott erzählt und bringt einigen satirischen Biss mit. Mit anderen Worten, ich habe Kick-Ass 1, obwohl mir auch dessen Schwächen ins Auge fielen, gerne gelesen. Von der Fortsetzung kann ich das leider nicht sagen.

Nachdem sich der erste Kick-Ass um die Frage drehte, wie es einem Teenie-Superhelden in unserer echten Welt ergehen würde, wiederholt Mark Millar nun das gleiche Konzept für Superheldenteams à la Avengers oder JLA. Nach den Erfolgen des Selfmade-Superhelden im Taucheranzug und seinem Sidekick Hit-Girl wollen noch mehr idealistische Bürger in bunten Kostümen für das Gute kämpfen, und so entsteht ein Team namens Justice Forever. Doch wo ein Heldenteam ist, gibt es auch ein Schurkenteam – das wird angeführt von Daves ehemaligem Mitstreiter Chris alias Red Mist, dem Sohn des Mafioso, der im ersten Teil von Kick-Ass und Hit-Girl besiegt wird. Nun will er sich rächen, als richtig übler Bösewicht, der sich den Namen „The Motherfucker“ gibt und eine Truppe kostümierter Schläger um sich schart, mit der er eine große Schlacht auf dem Times Square anzetteln möchte. Seine schärfste Waffe dabei ist Mother Russia, eine in jeder Hinsicht monströse Auftragskillerin, die keine Skrupel kennt.

Natürlich sind sie alle wieder da, die typischen Mark-Millar-Stilmittel, von denen er nicht lassen kann (und die in Björns Artikel zu Kick-Ass 1 ausgiebig seziert wurden): Die nervigen Popkultur-Anspielungen, die Homophobie, der Männlichkeitswahn, das unangenehme Frauenbild, die platten Klischees. Alles zu finden in Kick-Ass 2, zum Teil aber in schwächerer Ausprägung als im Vorgänger. Ganz im Gegensatz zum Stilmittel der exzessiven Gewalt, die hier noch einmal eine Gangart härter und krasser daherkommt als im ersten Teil: Da werden Knochen gebrochen, Tiere geköpft, Kinder erschossen und natürlich – ein klassisches Millar-Motiv – Männer per Hundebiss kastriert.

Erzählerisch ist das alles nicht besonders sinnvoll, geschweige denn notwendig. Es geht Millar einzig und allein um den Schockeffekt, um sich und seinem Zielpublikum (Männer in verschiedenen Stadien der Pubertät) zu zeigen, was für eine harte Sau man ist. Das ist für sich genommen schon ziemlich ekelhaft, wird aber noch gesteigert durch ein Vorwort von Joe Carnahan, Regisseur des A-Team-Films und einer der vielen Hollywood-Kumpels, mit denen sich Millar so gerne brüstet. In einem völlig missglückten Versuch, irgendwie ironisch-witzig zu sein, spricht Carnahan den Leser direkt an: „Hey, du Arschloch, wir wissen genau, dass das hier total perverses Zeug ist, an dem du dich aufgeilst, aber es macht einfach so verdammten Spaß.“ (Wortlaut ähnlich)

Seite aus Kick-Ass 2Dass sich Millar wirklich keine tieferen Gedanken darüber macht, was er in seinen Comics eigentlich erzählt, bewies er jüngst durch eine Interviewäußerung im Magazin New Republic. Angesprochen auf die Kritik an einer Vergewaltigungsszene in Kick-Ass 2 antwortet der Autor: „I don’t really think it matters. It’s the same as, like, a decapitation. It’s just a horrible act to show that somebody’s a bad guy.“ So läuft das halt bei Mark Millar: Wir brauchen krasse Gewalt, um zu zeigen, dass die Bösen richtige Monster sind (und damit es okay ist, wenn sie am Schluss von den Guten niedergemetzelt werden). Die Gewalttaten an sich sind dann austauschbar, die schlimmsten Vergehen sind gerade gut genug – Kopf ab oder Vergewaltigung, wurscht, Hauptsache es ist schön krass.

Solche Entgleisungen wären vielleicht noch halbwegs verzeihlich, wenn der Comic denn wenigstens etwas zu erzählen hätte (was in Teil 1 für mich noch der Fall war). Kick-Ass 2 dagegen ist an keiner Stelle originell oder überraschend. Es ist im Grunde kaum mehr als ein erneutes Aufwärmen einer bereits erzählten Geschichte. Das Nachwürzen dieses Eintopfs erfolgt bei Millar schlicht, indem er alles noch einmal steigert. Mehr „Helden“, mehr Schurken, mehr Gewalt – lauter, fieser und derber. Aber eben auch: dümmer, plumper und langweiliger. Wie es besser geht, hat der Filmemacher James Gunn in Super gezeigt, wo er das Konzept vom Möchtegern-Superhelden im realen Leben auf boshaft-witzige Weise weiterdrehte bis hin zu einem sehr bitteren Ende. Mit Super hat Gunn diesen Seitenzweig des Genres zu einem Höhe- und Schlusspunkt geführt, der eigentlich jede Fortsetzung von Kick-Ass überflüssig macht.

Konstant gut bleibt immerhin das Artwork von John Romita Jr., dessen dynamischer Stil gerade in den Kampfsequenzen wirklich toll anzusehen ist. Sein Strich ist nicht so cartoonig wie bei einer Zeichentrickserie für Kinder, aber doch weit genug weg von jenem Realismus, der im Superheldenmainstream den Ton angibt. Romitas Zeichnungen sind „comic-haft“ im besten Sinne, und nur dadurch ist es – nebenbei bemerkt – für den Leser überhaupt möglich, das heftige Gewaltpensum zu ertragen, ohne direkt einen Kotzeimer neben den Lesesessel zu stellen.

Bei Panini erschien Kick-Ass 2 zunächst aufgeteilt in zwei Bänden und kurz vor dem Kinostart der Verfilmung nochmal als dicker Sammelband, der die gesamte Geschichte enthält. Ebenfalls erschienen ist das Spin-Off Hit-Girl, das sich noch einmal um den heimlichen Star der Serie dreht. Damit läge eigentlich genug Material vor, um endlich den Deckel auf das überstrapazierte Konzept drauf zu machen. Aber da kennt man Mark Millar schlecht: In den USA sind schon die ersten zwei Hefte von Kick-Ass 3 erschienen …


Wertung
2 von 10 Punkten

Das große MEHR: lauter, fieser und derber als der erste Teil. Aber auch dümmer, plumper und langweiliger.

 

Kick-Ass 2 
Panini Comics, 2013 
Text: Mark Millar
Zeichnungen: John Romita Jr.
Übersetzung: Bernd Kronsbein
212 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 19,95 Euro
ISBN: 978-3-86201-504-7
Leseprobe

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Panini Comics

Links der Woche 30/13: Share it fairly but don’t take a slice of my pie

Unsere Links der Woche, Ausgabe 30/2013:

 

Das Comic Manifest
Internationales Literaturfestival Berlin
In Berlin wurde am Montag ein von 80 Erstunterzeichnern unterstütztes „Manifest“ vorgestellt, in dem eine bessere, auch staatlich finanzierte Förderung der Comickunst gefordert wird. Neben finanzieller Förderung von Comicprojekten wird auch die Schaffung eines deutschen Comicinstitutes gefordert, „das Künstler zusammenführt, ihre Arbeit wissenschaftlich reflektiert und der kulturellen Bildung dient.

Das „Comic-Manifest“ fordert die Anerkennung des Comics
Deutschlandradio Kultur
Verlesen wurde das Manifest von Ulli Lust, wie man in einem Hörfunkbeitrag des Deutschlandradios hören kann. Ein etwas längeres Telefoninterview mit ihr, das ebenfalls im Deutschlandradio zu hören war, ist hier als MP3 abrufbar).

Auch Die Welt, die Berliner Zeitung und der Tagesspiegel berichten über das Manifest und die Veranstaltung, in deren Rahmen es vorgestellt wurde.

Manifesto
Gringo Logbuch, Bela Sobottke
Einen Blick hinter die Kulissen erlaubt der Blogeintrag des Berliner Zeichners Bela Sobottke, der an dem ersten von mehreren Treffen teilnahm, auf denen das Manifest entstand: „Bei allen Beteiligten […] herrschte eine stillschweigende Übereinkunft, welche Comics ‚gut‘, bzw. förderungswürdig sind, und welche nicht. Es gab hier allgemein einen akademisch-künstlerischen Zugang zu Comics, während mein eigener Zugang eher aus dem Bauch heraus kommt und handwerklich geprägt ist.“ Wirklich vertreten fühlt er sich also eher nicht, da es ihm aber „um den Comic als ganzes und nachfolgende Generationen von Zeichnerinnen und Zeichnern“ gehe, habe er das Manifest unterzeichnet.

Das Comic-Manifest – eine vertane Chance
Animexx, roterKater
In einem ausführlichen Blogbeitrag fragt sich roterKater, wie hilfreich öffentliche Förderung auch für die Mangaszene sein könnte. Die jedoch ist bei den Urhebern des Manifests überhaupt nicht vertreten: „Ziel der Comic-Förderung nach dieser Ideologie ist weniger ein Aufbau eines Talent-Pools für deutsche Comic-Kunst quer durch alle ihre Ausdrucksformen, damit sie irgendwann international und kommerziell mit anderen Comic-Nationen mithalten kann, sondern ein Subventionsprogramm für Comic-Schaffende, die von einem durchweg intellektualisierten, elitären Auserwähltengremium als würdig für das Attribut ‚anspruchsvoll‘ erachtet wird.“

Diejenigen, die die Forderungen des Manifests kritisieren, wenden sich zum einen grundsätzlich gegen Subventionen und staatliche Fördergelder, zum anderen wird die Befürchtung geäußert, dass nur ein bestimmterTeil der Comicszene von solchen Quellen, sollten sie einmal fließen, profitieren könnte. Fil (Didi & Stulle) weist aus diesem Anlass bei Facebook noch einmal darauf hin, dass „Graphic Novel“ nur ein Marketingbegriff ist: „Dass wir jetzt so tun, als wäre die Graphic Novel eine eigene Kunstform, die irgendwelche geheimnisvollen Möglichkeiten des Mediums Comic ausschöpfen soll, stresst mich persönlich seit Jahren.“ Unter dem Beitrag (auch für Nicht-Facebooker zugänglich) entspinnt sich eine lesenswerte Diskussion, an der sich auch etliche Comiczeichner beteiligen.

Ebenfalls Gedanken zum Thema machen sich Jähling, Millus und – hier bei Comicgate – Marc-Oliver Frisch. Auch auf Twitter wurde kontrovers diskutiert. Eine Auswahl der zahlreichen Tweets habe ich hier bei Storify zusammengetragen. Und natürlich gibt es auch im Comicforum eine Debatte zum Thema (die aber auch mehrfach vom eigentlichen Thema abschweift).

Festivalzeitung
Joomag, Comicfestival Hamburg
Vom 3. bis 6. Oktober läuft das Comicfestival Hamburg mit Ausstellungen, Lesungen, Künstlergesprächen und mehr. Das schick gestaltete Programmheft kann man jetzt online lesen.

Dirk, der Duck
jetzt.de, erik-brandt-hoege
Ein Interview mit Walter W. Wacht, der den Tumblr „This Duck is Tocotronic“ ins Leben gerufen hat, auf dem Panels aus Disney-Comics mit Tocotronic-Zitaten gemixt wurden.

Yps Comic-Wettbewerb
Facebook, Yps
Die wiederbelebte Zeitschrift Yps hat vor einigen Wochen zu einem Comic-Wettbewerb aufgerufen. Jetzt kann auf Facebook per „Like“ abgestimmt werden. Die zehn meistgemochten Beiträge kommen in die Endauswahl, aus der eine sechsköpfige Jury dann den Sieger kürt, dessen Beitrag in Yps veröffentlicht wird.

Your 2013 Harvey Awards Winners
The Comics Reporter, Tom Spurgeon
In Baltimore wurden die Harvey Awards vergeben. Bei diesem Preis werden sowohl die Nominierungen als auch die endgüligen Gewinner über eine Umfrage bestimmt, an der alle teilnehmen können, die professionell in der US-Comicbranche arbeiten. Großer Gewinner war auch hier die Science-Fiction-Serie Saga von Brian K. Vaughan und Fiona Staples, die zuletzt schon mit drei Eisners sowie den Hugo Award ausgezeichnet wurde. Bei den Harveys räumte die Serie sogar in sechs Kategorien ab.

Heartbroken
hadenblackman.com, W. Haden Blackman
Das Kreativteam hinter der DC-Serie Batwoman, J.H Williams und W. Haden Blackman, gab diese Woche bekannt, die Serie abzugeben. Als Begründung nennen sie zu viele, meist sehr kurzfristige Änderungswünsche seitens der Redaktion bei DC: „We’ve always understood that, as much as we love the character, Batwoman ultimately belongs to DC. However, the eleventh-hour nature of these changes left us frustrated and angry — because they prevent us from telling the best stories we can.“ Zu den Dingen, die Willliams und Blackman erzählen wollten, aber nicht durften, gehört u.a. die Heirat zwischen Batwoman alias Kate Kane und ihrer langjährigen Freundin. DC hat damit ein Problem, nicht weil das Paar lesbisch ist, sondern weil DC-Superhelden gefälligst nicht heiraten sollen: DC-Verlagschef Dan DiDio sagte auf der Baltimore Comic Con: „Helden sollten kein glückliches Privatleben haben. Sie sind dazu verpflichtet, diese Person zu sein und andere zu verteidigen und dafür ihre eigenen persönlichen Interessen zu opfern.“ Ob das eine sinnvolle Haltung ist, kann man diskutieren, aber das Hauptproblem für DC ist derzeit, dass der Verlag mit seinen strengen redaktionellen Vorgaben immer mehr Autoren aktiv verprellt. Williams und Blackman sind kein Einzelfall, sondern reihen sich in eine immer länger werdende Liste von Autoren ein, die wegen Differenzen mit den Redakteuren im Verlag vorzeitig das Handtuch werfen.

Der Widerspenstigen Förderung

„Comic-Manifest“ – das klingt romantisch, nach Aufbruch, nach Bambule im Untergrund. In Wahrheit geht es bei dem Berliner Begehren um Fleischtöpfe, schnöde Planstellen und die Deutungshoheit einer sehr speziellen Lobby über den Comic-Begriff.

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Es gab Entrecôte mit Pfeffersauce, dazu zwei, drei Bier, vielleicht auch vier, und ehe sich ein Schreiberling aus Saarbrücken versah, hatte auch schon jemand seine Rechnung beglichen. Das war etwas unangenehm, trübte die Stimmung aber nur unwesentlich an jenem lauen Sonntagabend im Juni 2013, und den gesponserten Kaltgetränken folgte auch noch das eine oder andere selbst erworbene.

Apropos Menü: Der war auch da. Jean-Christophe Menu, Mitbegründer von L’Association, ebenso wie Comic-Prominenz aus Österreich, Finnland und Belgien, aus Berlin, Hamburg, Köln und Kassel, und obendrein der New Yorker Eric Drooker. Letzterer immerhin hielt sich im Rahmen eines vierwöchigen Lehrauftrags an der Saarbrücker HBK in der saarländischen Landeshauptstadt auf, und er blieb auch nicht so lange nach dem Essen.

So viele große Namen der Branche im kleinen Saarland? Das war zunächst: eine angenehme Überraschung. Leider jedoch war die dazugehörige Ausstellung im Saarbrücker Kultusministerium nicht unbedingt auffällig beworben worden, ebenso wenig wie das „Graphic-Novel-Symposium“ am folgenden Montag, Beginn 10:00 Uhr.

Und so rutschten die wenigen Zuhörer – wir reden von einer Zahl im niedrigen zweistelligen Bereich, lass es 30 gewesen sein – immer tiefer, während die Künstler ihre Projekte vorstellten und die Zeit verrann.

Am Ende, so gegen fünf, durfte Herr Menu, der zuvor die ganze Zeit tapfer und mit versteinerter Miene ausgeharrt hatte, noch im Schnelldurchgang irgendwas zu seiner Karriere erzählen. Obwohl die französische Grenze sich in Spuckweite befand, wurde Monsieur dabei gedrängt, doch bitte en anglais zu parlieren. Ob das die Auswahl des Bandshirts beeinflusst hatte, welches er an diesem Tag trug (große Aufschrift vorn: „You Kill Me“; große Aufschrift hinten: „No Means No“), sei dahingestellt. Vielleicht kann ihn ja bei Gelegenheit jemand fragen – dann bitte in seiner Muttersprache. Als Rausschmeißerin wurde noch Dominique Goblet auf die Bühne geschickt mit der Ermahnung, es möge flott gehen, während Eric Drooker im Hintergrund schon mal demonstrativ seine Klampfe einspielte. Er hatte für seinen Auftritt sogar Publikum mitgebracht.

Die eigens für die sonntägliche Vernissage und das montägliche Symposium angereisten Zeichner machten sich teilweise schon mittags während der Veranstaltung wieder auf den Nachhauseweg, was verständlich war, denn einige hatten einen sehr, sehr langen Weg vor sich.

Es soll also keiner behaupten, der Comic in Deutschland würde nicht bereits kräftig gefördert.

Natürlich: Es gab tolle Gespräche, das Essen und das Bier haben geschmeckt, und Gelegenheit, so viele namhafte Comicmacher auf einem Haufen anzutreffen oder kennenzulernen, erhält man nur sehr, sehr selten. Auch die Künstler selbst, die Kuratoren und Moderatoren haben einen guten Job gemacht, den Umständen entsprechend. Ein internationales Comic-Treffen im Saarland? Jederzeit gerne.

Aber wenn der Autor dieser Zeilen von einigen der Angereisten den Spitznamen „Das Publikum“ erhält, was nur mäßig übertrieben ist, dann wage ich zu behaupten: Die Mittel, die an jenen beiden Tagen in die Anreise, Unterbringung und Vergütung der 15 internationalen Comicschaffenden in Saarbrücken geflossen sind, hätte man auch sinnvoller investieren können.

Es hätte durchaus Künstler mit regionalem Bezug gegeben, die man hätte einbinden können. Bernd Kissel etwa, oder Erik, oder Flix. Das sind sicher keine kleinen Lichter im deutschen Comic, und die Vermutung, dass ihre Beteiligung vielleicht auch dafür hätte sorgen können, dass das Event von Menschen wahrgenommen und besucht wird, liegt nicht fern. Auch unter den Studenten der HBK Saarbrücken sind beim Thema Comic viel Begeisterung und Tatendrang vorhanden, was sich schon in mehreren vielversprechenden, in Eigeninitiative herausgegebenen Anthologien niedergeschlagen hat. Auch sie hätte man stärker involvieren können.

Entsprechen Comics wie die von Flix, Erik oder Kissel vielleicht nicht dem hehren Ideal der literarisch anspruchsvollen Graphic Novel, das offenbar so vortrefflich zur Akquise von Fördermitteln taugt? Man kann darüber spekulieren, ebenso wie über die Frage, ob es sich um einen Zufall handelt, dass es zwischen den Teilnehmern des Graphic-Novel-Symposiums und den Unterzeichnern des aktuellen Berliner Begehrens verblüffend viele Überschneidungen gibt. Vielleicht sieht man nun eine greifbare Chance, Mittel zeitnah und dauerhaft zum Fließen zu bringen.

„Comic-Manifest“ – das klingt schön romantisch, nach Aufbruch, nach Bambule im Untergrund von Leuten, die die Schnauze voll haben, sich unterbuttern zu lassen. In Wahrheit geht es bei dem Berliner Begehren aber um schnöde Fleischtöpfe, Planstellen und die Deutungshoheit einer sehr speziellen Lobby über den Comic-Begriff.

Es ist eine schöne Vorstellung, dass zur Verfügung gestelltes Geld „den Richtigen“ hilft und „den Comic“ in Deutschland fördert. Wenn das Saarbrücker Graphic-Novel-Symposium allerdings ein Vorgeschmack auf das war, worauf die Berliner Unterschriftensammlung abzielt – was aufgrund der Unterzeichner und Initiatoren ja nicht abwegig erscheint –, dann darf man das durchaus als Bedrohung für eine lebendige und organisch gewachsene Comic-Kultur verstehen.

Marc-Oliver Frisch ist freier Übersetzer und Autor und lebt in Saarbrücken.

Zwischen Zensur und Zügellosigkeit – Hellblazer 1998 bis 2001

Nach der dreiteiligen Artikelreihe über die frühen Jahre der Vertigo-Serie Hellblazer und einem weiteren Aufsatz über die Paul-Jenkins-Jahre folgt nun der fünfte Teil von Christian Muschwecks Hellblazer-Betrachtungen, in dem er sich mit den recht umstrittenen Runs der Autoren Warren Ellis und Brian Azzarello beschäftigt:

 

Cover Hellblazer 129DC-Comics, Vertigo, 1998: Langsam deutete sich an, dass die Formel, mit der Vertigo 1993 gestartet wurde, keinen dauerhaften Erfolg garantieren kann. Serien wie Swamp Thing, Sandman und Shade sind inzwischen eingestellt worden; und so hat sich Vertigo seitdem zu DCs Experimentierküche gemausert. Waren die ursprünglichen Serienkonzepte sehr fantasylastig gewesen, wandten sich die Serien nun mehr und mehr Crime-, Thriller- und Reality-Stoffen zu. Serien wie Preacher, Scene of the Crime und 100 Bullets waren das Resultat. Eine gewisse Unsicherheit und ein zunehmender Erfolgsdruck wurden spürbar und erste Sparmaßnahmen dämpften die Euphorie der frühen Jahre. Nicht zufällig wurden zu dieser Zeit die Leserbriefseiten in den Heften eliminiert, für Interaktion zwischen Leser und Verlag war ab sofort allein das Internet zuständig. Wer sich an die launigen Leserbriefseiten erinnert, die viele Serien bis zu diesem Zeitpunkt unterhielten, konnte diesen Schritt nur bedauern.

 

Ein Ennis-Intermezzo

Auch die Serie Hellblazer wurde umgekrempelt. Nach dem behäbigen Paul-Jenkins-Run sollte die Reihe saftiger und härter werden. Der angekündigte neue Star-Autor Warren Ellis hatte sogleich angekündigt, er wolle „Handgranaten in die Serie“ werfen. (Nachzulesen auf der Leserbriefseite von Heft 128, der letzten von Paul Jenkins geschriebenen Nummer). Zuvor durfte aber schon einmal Garth Ennis die Leserschaft auf einen Wechsel einstimmen. Sein Fünfteiler Son of Man bricht radikal mit der Figur des menschenfreundlichen John Constantine der vorangegangenen Jahre. Das wäre in Ordnung gegangen, wenn Ennis an die Qualität seiner früheren Hellblazer-Erzählungen angeknüpft hätte, aber leider entschied er sich für einen recht faden Mix aus Splatterkomödie und Gewalt-Groteske.

Ennis versucht, alte Themen des Hellblazer-Kosmos komödiantisch zu variieren, wie sich beispielsweise in folgender Szene zeigt, die Johns Verhältnis zu seinem Vater aufgreift, der ja bekanntlich in der Hölle brennt. Ein Besessener versucht Constantine zu provozieren: “Your father sucks the flaking cocks of lepers in the lowest circle of hell“ (Genre-Fans erkennen das Exorzist-Zitat). Darauf Constantine: „Does he swallow? […] Just wondering if he swallowed. That’d be horrible.“1

Bild 1, Hellblazer 131 (Garth Ennis, John Higgins)

Solche Dialoge wirken bemüht und sind einfach nicht spritzig genug. Ennis‘ Humor wirkt so, als wäre er zu dieser Zeit stark durch South Park inspiriert gewesen, und tatsächlich ist Garth Ennis erklärtermaßen großer South Park-Fan. Dennoch bleibt es gewöhnungsbedürftig, wenn Rick the Vic, bekannt aus Ennis‘ früheren Episoden, seine Kirchengemeinde „I’m worshipping Satan“2 singen lässt oder John eine Lesbierin flachlegt. Der Humor wirkt gezwungen und John Higgins ist wohl auch nicht der geeignete Zeichner für diese Art von Comedy.

Bild 2, Hellblazer 130 (Garth Ennis, John Higgins)

Bild 3, Hellblazer 131 (Garth Ennis, John Higgins)

Darüber hinaus gibt es den üblichen Mix aus extremer Gewalt und Splatter und eine angedeutete Vorahnung von dem, was Ennis Jahre später mit Crossed noch explizit zu Papier bringen sollte. „Son of Man“ ist ein früher Beleg der Tatsache, dass Garth Ennis nicht nur ein großes Erzähltalent hat, sondern auch einen ziemlichen Sprung in der Schüssel. Der Hauptplot handelt von einem dämonischen Jungen, der die Geburt des Antichristen in die Wege leiten will, was die Perversion bzw. Umkehrung der gängigen Rituale und Vorgänge erfordert (nicht umsonst ist das umgedrehte Kreuz ein Satanssymbol). Aber wie inszeniert man die Ankunft des Antichristen? Der Dämonenjunge weiß die Antwort: „It has to be a perversion of […] the virgin birth. I’m building a religion here. […] I thought a man made pregnant by the seed of hell and shitting out a child would do nicely.“ – „But how?“ frägt sein Diener?“ – „I cut a slit in his belly and fucked him through it.“3

Bild 4, Hellblazer 133 (Garth Ennis, John Higgins)

Die Geschichte ist es nicht wert, sich noch weitere Gedanken darüber zu machen.

 

Enter Warren Ellis

Nach Garth Ennis‘ Abschied blieb der Zeichner John Higgins der Reihe noch ein halbes Jahr erhalten und illustrierte auch Warren Ellis‘ erste Geschichte, „Haunted“. Warren Ellis macht in „Haunted“ vieles richtig und nimmt die Figur Constantine ernst. Dabei wirft er einige Altlasten über den Haufen und erfindet die Figur für sich neu. Sein Constantine ist eine ziemlich mächtige Figur, die mit der Stadt London und deren Vergangenheit eine fast symbiotische Beziehung unterhält. In Haunted ist die düstere Vergangenheit dieser Stadt stets präsent und John Constantine wird von den Geistern der Londoner Stadtgeschichte ebenso heimgesucht wie von seinen persönlichen Geistern, daher auch der Titel der Storyline.

Bild 5, Hellblazer 135 (Warren Ellis, John Higgins)

Es geht darum, dass John den bestialischen Mord an einer jungen Frau, Isabel, aufklären möchte, mit der er in den 80ern eine Beziehung hatte. Isabel war, wie viele von Constantines Bekanntschaften dieser Zeit, der Droge Magie verfallen und wurde in ihrer Naivität Opfer eines skrupellosen Nachwuchszauberers, der sie mit dem satanistischen Credo „Tu was du willst“ verführte und später dann missbrauchte und ermordete.

Bild 6, Hellblazer 138 (Warren Ellis, John Higgins)

Warren Ellis macht aus dieser Grundprämisse eine fast klassische Whodunnit-Story, die er im Stil düsterer Hardboiled-Krimis erzählt. Die Dialoge wirken wie dem Stil von James-Ellroy-Romanen entlehnt4 und die Figuren sind entsprechend tough. Gleichzeitig ist „Haunted“ aber nicht sonderlich plotlastig, sondern lebt vor allem von seinen Stimmungsbildern. Die inneren Monologe tendieren dabei mitunter zur Redundanz und teilweise betreibt Ellis Seitenschinderei. Aber Zeichner Higgins kleidet die Story stets in stimmungsvolle Panels und man merkt dem Team auf jeder Seite an, dass es seine eigene Vision von Hellblazer hat. Durch Warren Ellis wird John Constantine wieder zu einer geheimnisvollen Figur. Er charakterisiert ihn als wirkmächtigen Zauberer, dessen Gabe, aus der Ferne Angstzustände auslösen zu können, beispielsweise nicht weiter erklärt wird.

Hellblazer ist bei Warren Ellis äußerst düster, humorlos und blutig ausgefallen. Nach längerer Zeit wird auch das Element der Drogensucht und sozialer Missstände wieder stark in den Focus gerückt, aber im Gegensatz zu Jamie Delano ist der Blick darauf weniger empathisch. Bei Ellis dient dieser Aspekt lediglich der Staffage, um eine möglichst verkommene, kranke und kaputte Atmosphäre zu zeigen.

 

Exit Warren Ellis – Vier Kurzgeschichten und ein vorzeitiger Bruch

Warren Ellis‘ zweiter Hellblazer-Zyklus sollte ein Reigen von sechs pointierten Kurzgeschichten werden, jeweils von einem unterschiedlichen Künstler gestaltet. Letztlich sind davon nur noch vier Hefte in der regulären Reihe erschienen, die skandalöse fünfte Story über School Shootings wurde erst über 10 Jahre später in einem Sonderheft unter dem Motto Vertigo Resurrected erstveröffentlicht. DC wollte diese Geschichte über amoklaufende Schüler 1999 angesichts des gerade erst geschehenen Columbine-Massakers aus Pietätsgründen nicht veröffentlichen. Warren Ellis aber hatte keine Lust auf Kompromisse und ließ seinen Hellblazer-Run unvollendet.

Die ersten beiden Hefte dieses Zyklus möchte ich beide – vielleicht etwas hochtrabend – als Reflexionen über die Banalität des Bösen bezeichnen. Beide Geschichten handeln von Psychopathen, die sich über ihre bestialischen Mordtaten definieren und für übermächtig halten. Da ist es natürlich an Constantine, diesen Wahnsinnigen den Spiegel vorzuhalten und ihnen zu zeigen, was für unbedeutender Abschaum sie trotz allem sind. In beiden Geschichten wird Constantine von den Zeichnern reichlich kaputt und verlebt interpretiert. Vor allem Tim Bradstreet, der zu dieser Zeit auch die Covers gestaltete, zeigt John stinkend, dreckig und zerknittert, dass man sich wundern muss, wie dieser Mann je in einen Pub gelassen wurde. Ob das der Figur die nötige Street-Credibility verleihen sollte, um mit Mördern und Psychopathen auf Augenhöhe verhandeln zu können? Warren Ellis und Tim Bradstreet nehmen John Constantine hier den letzten Rest Glamour – John ist hier nicht nur zwielichtig, er ist eklig.

Bild 7, Hellblazer 141 (Warren Ellis, Tim Bradstreet)

Ansonsten tritt Hellblazer zu diesem Zeitpunkt inhaltlich etwas auf der Stelle, denn nimmt man den bösen Okkultisten aus „Haunted“ dazu, hat Warren Ellis seinen Mördern dreimal hintereinander die gleiche Motivation zugeschrieben: Den Wunsch, dem eintönigen Leben durch Mord und Hass einen Sinn zu geben und sich selbst über andere zu stellen. Warren Ellis‘ Hauptthema ist damit überdeutlich sichtbar.

Das dritte Heft des Reigens präsentiert gleich zwei Kurzgeschichten. In der gefälligeren der beiden Episoden lässt Constantine, mal wieder besoffen, seine alten Liebschaften Revue passieren. Das ist von James Romberger schön gezeichnet und angemessen melancholisch erzählt. Die andere Episode, „Setting Sun“, ist dagegen ziemlich biestig. Warren Ellis zitiert (klaut) dabei schamlos ganze Szenen eines ultraharten Hongkong-Films der 80er Jahre, Men Behind the Sun, der in äußerst drastischen Bildern japanische Kriegsgreuel aus dem Zweiten Weltkrieg nachstellt und dabei auch vor Tierquälerei und echten Leichenteilen nicht zurückschreckte.5 Es geht in dieser Episode um einen alten Japaner, der grauenvolle Menschenversuche in einem japanischen Konzentrationslager zu verantworten hat und deshalb keinen Frieden findet. Er sagt, er habe hat zu viel Leid ausgeteilt und dabei zu wenig selbst an gleichwertigen Gefühlen empfangen. Daher bittet er John Constantine darum, die Gleichung wiederherzustellen: Er soll ihn bei lebendigem Leib sezieren.

Bild 8, Hellblazer 142 (Warren Ellis, Javier Pulido)

Ist Warren Ellis mit solchen Geschichten anspruchsvoll oder prätentiös? Gerade mit seinen Kurzgeschichten begibt er sich oft auf eine Gratwanderung zwischen Exploitation und Küchenpsychologie und seine Ideen überzeugen dabei nicht immer.

Die letzte Kurzgeschichte, „Telling Tales“, ist immerhin recht unterhaltsam geraten. Constantine gibt hier den Münchhausen und erzählt einem Reporter allerhand erfundene Räuberpistolen über das angeblich so okkulte London, ein Schlangenkult im Buckingham Palace und ein Komplott gegen Lady Di inklusive. Hier tritt zum ersten mal der Argentinier Marcelo Frusin als Zeichner auf, der noch viele Hellblazer-Hefte zeichnen sollte.

 

Shoot

Die Folge „Shoot“ war geschrieben und von Phil Jimenez fertig gezeichnet, bevor die Tragödie um das Columbine High School Shooting Amerika erschütterte. Nach dieser Tragödie war das Thema von um sich schießenden Schülern verständlicherweise nicht gern gesehen. Warren Ellis wurde nahegelegt, einige Details in seinem Skript zu ändern, aber dieser hielt an seiner ursprünglichen Vision fest und war zu keinen Zugeständnissen bereit. Ein Kompromiss hätte sicher die Pointe der Geschichte zerstört, aber Tatsache ist auch, dass diese Pointe nicht so geistreich ist, wie Ellis sie selbst sieht. Kurz zusammengefasst geht die Geschichte so: Überall in Amerika erschüttern Schießereien unter Schülern die Bevölkerung. Einer jungen Wissenschaftlerin, die darüber forscht, ist auf Videodokumenten aufgefallen, dass John Constantine an vielen Tatorten anwesend war und stellt daher Nachforschungen an. Aber auch John, so zeigt sich, wollte nichts anderes, als die Hintergründe dieser Vorkommnisse aufdecken. Seine Erkenntnis: Die Jugendlichen, auch die Opfer, wollten sterben. Sie hassten das Leben, in das sie hineingeboren werden, den schulischen Drill und ihre Perspektivlosigkeit. Warren Ellis projiziert auf diese Weise den Nihilismus der School Shooters auf deren Opfer und fällt sein unfaires Urteil über eine ganze Generation.

Vertigo Comics warben immer damit, intelligent, ausgefallen, provokativ und gefährlich zu sein, aber was Warren Ellis und sein Zeichner Phil Jimenez zu Papier gebracht haben, kann tatsächlich als Verhöhnung von Opfern solcher School Shootings gesehen werden. Um die Zensur von „Shoot“ wurde damals viel Wind gemacht und Paul Levitz, Vorsitzender des DC-Verlags, hätte heutzutage bei ähnlicher Vorgehensweise wohl einen Shitstorm ohnegleichen zu ertragen gehabt. Das ändert nichts daran, dass Warren Ellis‘ Sicht der Dinge – vor allem angesichts tatsächlicher Ereignisse – prätentiös und überheblich ist. Als hätte John Constantine die Wahrheit alleine für sich gepachtet, kanzelt er die Wissenschaftlerin mit fragwürdigen Allgemeinplätzen ab: „I’ve read your notes, your bloody thesis … You don’t have the faintest idea what you’re looking at, just like the rest of the stupid fucking country …“.6

Fast schon unfreiwillig komisch, singt Constantine bzw. Ellis (die beiden sprechen hier wohl mit gleicher Stimme) dazu noch das Hohelied auf eine Jugend, die ohne Zensur Zugang zu allem haben soll, als wäre das alleine schon ein sinnstiftender Wert: „I mean, it’s typical, ennit? You’re looking for that one thing to subtract out of children’s lives to make it all better. Take out the videogames, the funny music, the food coloring, kids won’t shoot each other anymore.“7

Bild 9, Vertigo Ressurected 1 (Warren Ellis, Phil Jimenez)

Und weiter geht die Predigt, mit der John Constantine das Video eines Schuljungen kommentiert, der seine Pistole auf Mitschüler richtet: „He’s drawn a gun and non of these children are running away. I see kids in a schoolyard in some dead-end hole of a town in some asshole county in some crumbling state with no education and no hope and no future and they’re waiting. They’re just standing there. Born into a life that’s already slid out of view, Looking forward to turning out just like their mommies and daddies. Life already lived for them. Life in a world mommy and daddy couldn’t be arsed to build properly, a world that makes no fucking sense. A world where kids actually go to special classes to learn to recognize real emotions and body language because they were raised by the television. They’re only kids, for christ’s sake. This is the best response they can manage to the insane fucking world they’re in. They stand there and wait for the bullet.“8 Schuld sind im Zweifelsfall eben immer die anderen und Wissenschaftler haben sowieso keine Ahnung.

Bild 10, Vertigo Resurrected 1 (Warren Ellis, Phil Jimenez)

DCs Hauptverantwortlicher Paul Levitz signalisierte, dass die Geschichte auf keinen Fall erscheinen würde, solange er bei DC etwas zu sagen hätte. Tatsächlich dauerte es nach dem Führungswechsel bei DC nicht lange, bis „Shoot“ im Anthologie-Heft Vertigo Ressurected doch noch seine späte Auswertung fand. Für Warren Ellis war es die einmalige Gelegenheit, sich als kompromisslos und visionär zu präsentieren und den DC-Verlag als bornierte Zensoren dastehen zu lassen. Mit „Shoot“ hat er sich aber ein recht zweifelhaftes Denkmal gesetzt.9

 

Hard Times, Hell and High Water – Enter Azzarello

Warren Ellis‘ Nachfolger war Brian Azzarello, ein Autor, dessen Skripts nicht weniger hart und explizit sind. Vertigo signalisierte damit deutlich, dass man auch weiterhin am provokativen Konzept festhalten wollte. Aber trotz gewisser Gemeinsamkeiten legt Azzarello seinen Constantine deutlich anders an. Während Warren Ellis in der Regel trotz allem Zynismus klar und direkt auf eine Message abzielt, ist Azzarello um einiges schwieriger.

Azzarello lässt uns die Welt durch die Augen von Schwerkriminellen und Perversen sehen, und wenn Constantine mit diesen Typen in Interaktion tritt, dann ist auch er nicht ehrlich, sondern spielt eine Rolle, deren Zweck oft undurchsichtig und unkommentiert bleibt. Eine Charakterisierung von John wird von Azzarello kaum geliefert, auch wenn er sehr stark mit Rückblenden arbeitet, die einen jungen John Constantine als Punk zeigen. In der erzählten Gegenwart geht John Constantine völlig auf in der Rolle des Trickster10, der Menschen manipuliert und sich perfekt an seine Umgebung anpasst, bis er dann doch zum geeigneten Zeitpunkt einen Zaubertrick aus dem Hut zieht und damit sein Ziel erreicht.

Auch bei Azzarello ist John Constantine von Anfang an eine geheimnisvolle Figur. Zu Beginn seiner Story rückt er in ein Gefängnis für Schwerkriminelle ein. Dort herrscht eine schwer zu durchschauende Hierarchie nach dem Gesetz des Stärkeren und es ist überlebenswichtig, sich in eine der zahlreichen Subkulturen einzugliedern, die schwarzen Gangs, die Bloods, die Crips, die Black Muslims, die Neonazis, die italienischen Mobsters, die Lebenslänglichen, die Bikers oder die Hispanics. Constantine schmeichelt sich auch alsbald bei seinem schwarzen Mithäftling ein, aber der und seine Kumpanen sind natürlich keine Freunde, und selbst kleine Gefälligkeiten müssen mit teurem Zins zurückgegeben werden. Wer bekommt schon Respekt in diesem gnadenlosen System, wenn er sich ausnützen und anschnorren lässt?

Bild 12, Hellblazer 146 (Azzarello, Corben)

Constantine gibt sich zunächst dumm und unbedarft. Er begibt sich nacheinander in die Abhängigkeit von mehreren harten Burschen, wohlwissend, dass er riskiert, vergewaltigt und fertiggemacht zu werden, wenn er seine Schulden nicht begleicht. Aber natürlich greift hier das Gesetz der Hellblazer-Reihe. Die Magie, die Constantine ausübt, bleibt irrational und unerklärt, aber sie dreht die Machtverhältnisse zugunsten des scheinbar schwachen Constantine um. Sobald das Licht ausgeht, schwindet alle scheinbare Sicherheit und der Schuldner wird zum Gläubiger, der Täter zum Opfer und der Mutige zum Feigling.

Bild 13, Hellblazer 146 (Azzarello, Corben)

Glaubwürdig oder realistisch ist die Figur Constantine bei Azzarello natürlich nicht, ganz im Gegensatz zur Umgebung, in die Azzarello seine Figuren hineinwirft, doch entwickelt sich eine recht reizvolle Spukgeschichte mit Constantine als Dämon unter Monstern. Am Ende eskaliert diese Versuchsanordnung zu einem blutigen Gefängnisaufstand und man erfährt auch einen ersten Teil der Hintergrundstory, die Constantine ins Gefängnis brachte.

Nach dieser von Richard Corben kraftvoll inszenierten Gefängnisstory startet John Constantine auf eine Reise durch Amerika. Er sucht verschiedene Stationen auf, die mit dem Milliardär S.W. Manor in Verbindung stehen, dem Mann, der John ins Gefängnis gebracht hat. Diese Reise führt ihn mitten hinein ins amerikanische Herz der Finsternis. Er kommt in das Dorf Doglick (!), dessen Bewohner nach der Wirtschaftskrise völlig verarmt sind und die nur noch durch Internetpornografie überleben können. Reihum lassen die Bewohner sich foltern und dabei filmen, um Geld zu verdienen. Eine ekelhafte und trostlose – auch hirnrissige – Vision, die uns Azzarello hier zumutet und auch Azzarellos goldener Humor schlägt hier gewaltig über die Stränge, wenn Constantine unter Drogen gesetzt und beim Sex mit einem Hund gefilmt wird.

Bild 14, Hellblazer 152 (Azzarello, Frusin)

Azzarellos nachfolgende Geschichten, inzwischen gezeichnet vom Argentinier Marcelo Frusin, haben durchaus ihren Reiz, sofern man nach „Good Intentions“ noch bereit ist, sich auf Azzarello einzulassen. Bemerkenswert ist die Episode um eine Sekte von Neonazis, die sich im Hinterland Amerikas in einer Ortschaft namens „Highwater“ für den ersehnten Ernstfall rüsten. Eine interessante Geschichte, in der die Neonazis durchaus glaubwürdig als Mischung von ehrlichen Good Old Boys und völlig durchgeknallten tickenden Zeitbomben charakterisiert werden. Und wieder enthält sich Azzarello jeglicher Stellungnahme und konfrontiert den Leser unkommentiert mit inneren Monologen voller Hass und Verblendung. Constantine tritt in dieser Gegend auf wie ein Loner im Italowestern, um seine eigene Vergangenheit mit dem Milliardär und Waffenhändler S.W. Manor aufzuarbeiten, der auch mit den Nazis skrupellos Geschäfte macht.

Bild 15, Hellblazer 165 (Azzarello, Frusin)

Die jungen Nazis töten einen von S.W. Manors Waffenvertretern, den Wolfman, aus dem schlichten Grund, weil dieser seine Maschinenpistolen auch an Schwarze verkauft und weil seine Waffen israelische Produkte sind. Aber welche Wiedergutmachung kann man S.W. Manor, dem Chef des Vertreters für diesen Mord leisten, einem Mann der alles hat, dem Menschenleben egal sind und der zudem vom Hass der Nazis profitiert? Der Milliardär stellt die Ordnung wieder her, indem er den geistigen Führer der Nazi-Sekte, der an ein von Gott gewolltes weißes Amerika glaubt, vor den Augen seiner Tochter demütigt: „I suppose I could take the proverbial eye — or eyes — and be done with this. I’m prepared to do that. But I don’t think it would feel good. And I need to feel good. I need … to cum in somenone’s mouth. Correction. Not just anybody’s … Yours, Ellison, or hers“11, womit Manor die Tochter von Ellison ansieht.

S.W. Manor ist ein Soziopath, der nur um sich selbst und seine perversen Obsessionen kreist. Es ist ein interessanter Kunstgriff, dass Azzarello auf dessen abstoßenden Auftritt das Glaubensbekenntnis eines Skinheads zu seinem hasserfüllten Weltbild folgen lässt. Durch diese Montage wird deutlich, dass gegenüber dem völligen Nihilismus Manors jeder noch so abstruse Glaube zum Wert und Anker werden kann. In der Postmoderne gibt es keine klaren Standpunkte mehr und alles ist relativ. Azzarello, den man als postmodernen Autor sehen kann, zeigt das verworrene Weltbild der Nazis als ein Glaubenssystem, das seinen Sinn ebenso erfüllt wie jede andere Ersatzreligion.

Bild 16, Hellblazer 167 (Azzarello, Frusin)

Am Ende der Geschichte macht John Constantine dann doch noch kurzen Prozess mit der Bande und rächt den Tod des Schiebers, indem er dessen Leiche reanimiert und auf die junge Mörderbande hetzt. Dabei bezeichnet John den wiederauferstandenen Waffenschieber fehlerhaft als Golem. Das klingt zwar schön jüdisch, ändert aber nichts an der Tatsache, dass es sich bei dieser Kreatur um einen ordinären amerikanischen Zombie handelt. Hier hätte Azzarello seine Hausaufgaben durchaus etwas besser machen können. Trotzdem schreibt Azzarello ambitioniert. Es ist charakteristisch für ihn, dass er den Leser zum Mitdenken herausfordert, aber manchmal schießt er über das Ziel hinaus und übertreibt es mit Gewalt und Pornografie. Dennoch überzeugt Azzarellos Run durchgehend durch seine interessante Atmosphäre und seinem Mut zum Experiment.  

Bild 17, Hellblazer 167 (Azzarello, Frusin)

 


1 „Dein Vater lutscht in der Hölle die Schwänze von Leprakranken“ – „Und? Schluckt er? Das wäre doch wirklich abartig, wenn er schlucken würde.“

2 „Ich bete Satan an.“

3 „Es muss die Pervertierung der Jungfrauengeburt sein. Das hier soll eine neue Religion werden und da dachte ich: Ein Mann, geschwängert vom Samen der Hölle, der ein Kind ausscheißt, das wäre doch passend.“ – „Aber wie?“ – „Ich habe seinen Bauch aufgeschlitzt und die Wunde gefickt.“ (!)

4 Isabels Leiche ist zwar nicht in zwei Hälften zerteilt, aber ansonsten zugerichtet wie Elizabeth Short, die berühmte Schwarze Dahlie. James Ellroy hat diesen aufsehenerregenden Mordfall der 20er Jahre in einem fiktiven Roman beschrieben.

5 Men behind the Sun handelt von der Unit 731, einer geheimen Einrichtung der japanischen Armee in der chinesischen Mandschurei, in der Menschenversuche verschiedenster Art durchgeführt wurden, die vor allem der biologischen Kriegsführung dienen sollten. Es gab Tausende Tote. Scott Snyder hat dieses Thema in American Vampire wieder aufgegriffen, als er die Einrichtung, in der die Japaner im Zweiten Weltkrieg eine neue Vampirrasse züchten wollen, Unit 732 nannte.

6 „Ich habe Ihre Aufzeichnungen gelesen, Ihre verdammte Arbeit … Sie haben nicht die leiseste Ahnung, was hier passiert, wie alle anderem in diesem verblödeten Scheißland.“

7 „Ich meine, es ist doch typisch, oder? Irgendetwas muss doch daran schuld sein, dass die Kinder sich gegenseitig erschießen. Videospiele, die komische Musik, bunte Süßigkeiten. Nehmen wir das den Kindern mal besser weg, dann wird’s schon besser werden.“

8 „Er hat die Waffe gezogen, aber keines der anderen Kinder rennt weg. Ich sehe dort Kinder in einem Pausenhof, irgendwo in einer toten, abgeschriebenen Stadt in einer Scheißgegend. Der Staat zerbröckelt, es gibt keine Erziehung, keine Hoffnung und keine Zukunft – und die Kinder warten. Sie stehen einfach nur da. In ein Leben geworfen, das ihnen jetzt schon entgleitet. Die einzige Perspektive ist, so wie ihre Eltern zu werden. Ihr Leben ist schon gelebt, ein Leben in einer Welt, um die ihre Eltern sich einen Scheiß gekümmert haben und die überhaupt keinen Sinn bietet. Eine Welt, in der Kinder in Spezialklassen gehen müssen, um mit ihren Gefühlen umgehen zu lernen und Körpersprache richtig einzusetzen, denn sie wurden ja durchs Fernsehen erzogen. Es sind nur Kinder, Herrgott noch mal. Das ist die beste Reaktion, zu der sie in der Lage sind in dieser wahnsinnigen Welt. Sie stehen da und warten auf die Kugel.“

9SHOOT To Finally Be Published“, warrenellis.com

10 „Die typischen Trickster sind oft an ihren zwiespältigen Charakteren zu erkennen, die auf der einen Seite Regeln brechen, um den Menschen Gutes zu tun, auf der anderen Seite Regeln brechen, um Konflikte (meist zwischen den Göttern) zu provozieren.“ (Wikipedia)

11 „Ein Auge für ein Auge, ich denke damit könnten wir das regeln. Dazu wäre ich in der Lage. Aber würde es sich gut anfühlen? Und jetzt brauche ich gute Gefühle. Dein Mund, Ellison, wird mich jetzt gleich befriedigen. Deiner … oder ihrer!“

 

 

Zu Teil 1: Die Anfänge in Swamp Thing

Zu Teil 2: Die ersten Hellblazer-Hefte von Jamie Delano

Zu Teil 3: Die Garth-Ennis-Jahre

Zu Teil 4: Die Paul-Jenkins-Jahre

 

Superhelden

Cover SuperheldenDer schottische Autor Grant Morrison, der zahlreiche hochgelobte Comics für Marvel (New X-Men) und vor allem für DC (Doom Patrol, Animal Man, Batman: Arkham Asylum, All-Star Superman) geschrieben hat, erzählt in seinem Buch Superhelden – Was wir Menschen von Superman, Batman, Wonder Woman & Co. lernen können die Geschichte der Superhelden von ihren Anfängen 1938 mit Superman bis zum Jahre 2011, in dem dieses Werk in den USA erschien. Morrison streut dabei, zumeist sehr zurückhaltend, Details aus seinem eigenen Leben in das Buch mit ein. Eine Mischung aus Schreibratgeber und Autobiographie – wie etwa Stephen Kings hervorragendes Das Leben und das Schreiben – ist Superhelden nicht. Vielmehr ging es dem kommerziell äußerst erfolgreichen Künstler (auf die Verkaufszahlen von Arkham Asylum und dessen Verwertung etwa als brillantes Videospiel weist er mehrfach und offensichtlich voller Stolz hin) darum, das Genre zu würdigen, das ihn bereits als Kind faszinierte.

Das Buch ist chronologisch gegliedert und besteht aus vier Teilen: Das Goldene Zeitalter, Das Silberne Zeitalter, Das Dunkle Zeitalter und Die Renaissance.

Wer sich bereits länger mit Comics befasst, wird gar nicht so mächtig viel Neues erfahren. Das Shuster und Siegel praktisch kaum am finanziellen Erfolg von Superman beteiligt waren, ist hinlänglich bekannt. Was Spider-Man in seinem ersten Comic und später in den Verfilmungen erlebte, ist ebenfalls kein Geheimwissen. Aber gerade hier zeigt sich, wie gut dieses Buch geschrieben ist: Es gibt nicht eine einzige überflüssige oder langweilige Seite, selbst Altbekanntes liest sich spannend und vor allem in vielen Momenten äußerst amüsant. Wer trockenen Humor schätzt, wird laut lachen, wenn Morrison schildert, wie die frühen Batman-Verfilmungen, diejenigen vor Adam West aus den Sechzigern, gestaltet waren: offenbar wahre Trash-Perlen!

Am Ende des Buches, und im Grunde im gesamten Werk, finden sich Lektüretipps für Sekundär- und Comiclektüre zum Thema Superhelden. Hier erfahren wir etwa, dass Wonder Woman ursprünglich eine sehr viel faszinierendere Figur (auf die ihre Schöpfer ihre Phantasien von Dreiecksbeziehungen, freier Liebe und Fesselspiele projizierten) war, als in späteren, weichgespülteren Versionen. Das wiederum gilt auch für Superman und andere Helden, die vor der Einführung des Comics Code viel freier und weniger vorhersehbar waren. Auch über den Vater des Codes, den Psychologen Wertham, hat Morrison einiges zu sagen – sehr lustig auch dies!

Ein gutes Dutzend Zeichnungen findet sich im Buch, etwa zu Jack Kirbys New Gods, das laut Morrison Kirby auf seinem künstlerischen Zenit zeigt. Trotz eines Covers mit Rollator-ähnlicher Transporthilfe, wie es der Schotte süffisant kommentiert, ohne es jedoch an großer Bewunderung für die Zeichnerlegende mangeln zu lassen. Bedauerlich, dass diese Zeichnungen ohne Bildunterschrift auskommen müssen. Und ein Buch zum Thema Comic dürfte auch gerne deutlich mehr Abbildungen, idealerweise in Farbe, enthalten. Ebenfalls angemessen wäre eine Hardcover-Version dieses Buches, zumal es für einige Leser sicher auch als Nachschlagewerk dienen wird.

Mark Millar und andere Weggefährten werden von Morrison wohlwollend erwähnt. Am Ende des Buches weist der schottische Autor darauf hin, dass viele weitere interessante Künstler aus Platzmangel es nicht in dieses Werk geschafft habe. Für Alan Moore nahm er sich einige Seiten und seine Analyse von Watchmen liest sich überaus erhellend. So große Bewunderung wie für Jack Kirby scheint hier aber nicht mitzuschwingen, so störte Morrison zeitweise, wie technisch-kühl Watchmen konstruiert wurde und wie äußerst künstlich das Werk damit wirke.

Nebenbei bekommt der Superhelden-Leser auch Enthüllungen über Drogenerfahrungen, einige Andeutungen über die Bezahlung als Autor für DC, Berichte über übersinnliche Erfahrungen und esoterische Ideen (alles verläuft in Zyklen: Hippies und Punker wechseln sich alle paar Jahre ab – es würde zu weit führen, Morrisons Ideen hier ausführlich zu erläutern) und ein großes Lob für den Film Unbreakable, den Morrison für einen der gelungensten Superheldenfilme hält. Außerdem erfahren wir etwas über seltsame Freaks bei Signierstunden in Comicshops, über die Comic-Con in San Diego und über eine Kindheit in Schottland, in der die Angst vor einem Nuklearkrieg sehr prägend war. Über die Vorliebe für Fetischkleidung, also in seinem Fall Lack und Leder, liest man eher Andeutungen, generell wird Distanz gewahrt und nicht auf sensationelle Enthüllungen oder zu tiefgreifend über Privates geschrieben. Im Vordergrund stehen vor allem die Superhelden und deutlich weniger der Autor, der sich in jungen Jahren auch als Zeichner versuchte.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Viel gelacht, einiges dazugelernt und jede Seite mit Freude aufgesogen, ein wunderbares Buch!

 

Superhelden – Was wir Menschen von Superman, Batman, Wonder Woman & Co. lernen können
Hannibal, Mai 2013
Autor: Grant Morrison
Übersetzung: Paul Fleischmann
496 Seiten, mit Abbildungen in Schwarz-Weiß, Softcover
Preis: 29,99 Euro
ISBN: 978-3854454182

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Links der Woche 29/13: There’s one for you, nineteen for me

Unsere Links der Woche, Ausgabe 29/2013:

 

Das große Schreddern
Der Tagesspiegel, Moritz Honert
Bei Cross Cult müssen Teile des Lagers vernichtet werden, weil das Finanzamt den Wert der Lagerbestände deutlich höher beziffert, als es der Verlag tut. So hoch, dass erhebliche Steuernachzahlungen fällig wären – es sei denn, das Lager wird kleiner. Also werden nun einige Titel aus dem Programm gestrichen und sind nur noch so lange zu kaufen, wie sie bei den Händlern auf Lager sind. Auch andere Verlage kennen dieses Thema und müssen teilweise ähnlich handeln.

Graphic Novel Day
Internationales Literaturfestival Berlin
Am kommenden Sonntag findet im Rahmen des Literaturfestivals Berlin der „Graphic Novel Day“ statt, mit einer Fülle von Podiumsgesprächen, die den ganzen Tag über laufen (u.a. mit Ulli lUst, OL, Atak, Manuele Fior und Nicolas Mahler). Schon am Dienstag abend wird die Ausstellung „Comics aus Berlin – Bilder einer Stadt“ eröffnet, die bis zum 15.9. läuft. Und bereits am Montag mittag wird in Berlin ein „Comicmanifest“ vorgestellt, „das von Comickünstlern, Verlegern, Lektoren des Berliner Comicszene und Mitarbeiter des ilbs formuliert wurde und das Genre Comic als Kunstgenre herausstellt.“

Kunst im Comic
Radio Bremen, Elke Schlinsog
Die Sendung Literaturforum im Nordwestradio beschäftigte sich eine Stunde lang mit jenen Comics, die sich um bildende Künstler wie Edvard Munch oder Picasso drehen, aber auch allgemein mit dem „anspruchsvollen“ Comic a.k.a. Graphic Novel. Zu Gast im Studio waren die Verleger Johann Ulrich (Avant-Verlag) und Dirk Rehm (Reprodukt). Die gesamte Sendung kann online nachgehört werden.

BILL WATTERSON: A cartoonist’s advice
Zen Pencils, Gavin Aung Than
Der australische Zeichner Gavin Aung Than hat ein bekanntes Zitat von Bill Watterson, dem Schöpfer von Calvin & Hobbes, in Form eines kurzen Comics in dessen Stil umgesetzt. Das Zitat stammt aus einer Rede, die Watterson vor Studenten bei einer Abschlussfeier an der Uni hielt, an der er selbst studiert hatte.

Robert Crumb zum 70.
graphic-novel.info
Robert Crumb, die Ikone des Underground-Comix, wurde am 30. August 70 Jahre alt. Die Presse gratuliert mit zahlreichen Würdigungen.

Manga Generator lets you step inside a Japanese manga comic
DigInfo TV
In Japan wird gerade ein „Manga Generator“ entwickelt, mit dem man sich selbst in einen Manga „einfügen“ kann, indem man vor einer Kamera posiert und das aufgenommene Bild in einen interaktiv erzeugten Comic kopiert wird. Ob das mehr als eine technische Spielerei sein kann, wird sich zeigen.

Tatort Tahiti 1914 1&2

Cover Tatort Tahiti 1914 1Wenn Krimis in Zeitgeschichte platziert werden und dann auch noch vor einem exotischen Hintergrund spielen, kann sich der dem Genre zugeneigte Leser kaum noch dem Stoff entziehen. Autor Didier Quella-Guyot bündelt also mit seiner Grundidee viele verschiedene Interessen. Er erzählt einen klassischen Krimi, dessen Handlung vor einem realen historischen Ereignis spielt, welches sich auf Tahiti ereignete (das als Schauplatz für den exotischen Reiz sorgt).

1914 leben auf der französischen Kolonie Tahiti Europäer unterschiedlicher Herkunft und gehen dort entweder ihren Geschäften nach oder sind den engen gesellschaftlichen Regeln Europas entflohen – manche auch vor ihrer eigenen Vergangenheit. Simon Combaud etwa kommt nach Tahiti, um einen Mörder zu finden und ihn seiner Bestrafung zuzuführen. Doch Combaud erliegt den Reizen der Insel und der dortigen Frauen, und bald hat er auch mit einer Mordserie an jungen Frauen zu tun. Aber dann bricht in Europa der Erste Weltkrieg aus, der auch vor Tahiti nicht Halt macht. Denn eines Morgens liegen zwei deutsche Kriegsschiffe vor Anker und eröffnen das Feuer.

Cover Tatort Tahiti 1914 2Zwar bringt Quella-Guyot in seinem zweibändigen Krimi leichte Kritik am Kolonialismus unter, legt den Schwerpunkt aber auf die Figuren und verfällt dadurch doch einer gewissen Kolonialromantik. Die Handlung an sich ist ihm weniger wichtig als die gelungen eingefangene Stimmung, und das lässt alle Kritik am Kolonialismus nicht nur in den Hintergrund treten, sondern sie auch etwas scheinheilig erscheinen, da man sich während des Lesens an die Position der Figuren wünscht. Man möchte auch auf dieser Insel leben und dem süßen Treiben trotz aller Missstände frönen. Insofern ist der Autor gewissermaßen in eine Falle getappt.

Durch den Fokus auf Stimmung und Umfeld zieht sich die Handlung denn auch etwas hin. Zwar ist die Kriegssequenz recht spannend, aber gerade die Krimihandlung ist erstaunlich lieblos ausgeführt und dient erkennbar nur als Gerüst, um eine reale historische Gegebenheit nachzuerzählen. Doch die Auflösung des Kriminalfalls gerät gegen Ende dann doch erstaunlich und ungewöhnlich:  Sie überrascht durch ihre Realitätsnähe, was für an Genrekonventionen geschulte Augen etwas enttäuschend sein könnte. Denn die „Helden“ arbeiten rein deduktiv und überlassen das Handeln anderen. Ähnlich wie ein Kommissar, der nach seinen Ermittlungen den Haftbefehl ausstellt und dann nichts mehr mit der ganzen Angelegenheit zu tun hat.

Seite aus Tatort Tahiti 1914 1Wie der Inhalt ist auch der optische Stil von Sebastien Morice etwas durchmischt. Einerseits sind deutlich klassische Einflüsse der Ligne Claire zu erkennen, wobei andererseits die Farbgebung diesem Stil widersprechen. Die Zeichnungen werden durch die Kolorierung bisweilen deutlich verfremdet und wirken so sehr modern. Oder unentschieden, je nachdem – was dann wieder sehr gut zum Inhalt passt.

 

Wertung: 5 von 10 Punkten

Zweiteiliger Krimi in exotischen Kulissen vor realem historischen Hintergrund, der leider in die Falle der Kolonialromantik tappt.

 

Tatort Tahiti 1914
Spliiter Verlag
Text: Didier Quella-Guyot
Zeichnungen: Sebastien Morice
Übersetzung: Tanja Krämling
je 14,80 Euro

Band 1: Roter Strand
März 2013
72 Seiten, farbig, Hardcover
ISBN: 978-3-86869-576-2
Leseprobe

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Band 2: Blauer Horizont
August 2013
56 Seiten, farbig, Hardcover
ISBN: 978-3-86869-577-9
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

Frisch aus der Druckerei: Juni/Juli 2013

Jessas, schon fast wieder September und wir hängen schon wieder mächtig hinterher. Aufholen lässt sich das nur, indem wir bei den Neuerscheinungen der Monate Juni und Juli ein wenig tricksen und nur die deutschen Eigenproduktionen und die Sekundärliteratur in gewohnter Weise vorstellen. Bei den Lizenzcomics aus dem Ausland wurde stark selektiert und ein paar Pressezitate reingeworfen. Hier also nun Frisch aus der Druckerei als stark komprimierte Doppelfolge für Juni und Juli 2013 (die August-Ausgabe dann wieder in Normalform).

 

EIGENPRODUKTIONEN

Die Schönheit des ScheiternsAndreas Eikenroth aus Gießen hat zahlreiche Kurzcomics gemacht, u.a. in Anthologien wie Panik Elektro und als einer der vier Köpfe hinter PonyXPress. Nun erscheint bei Edition 52 sein erster Langcomic (mankönnteauchgraphicnovelsagen) Die Schönheit des Scheiterns, eine Slice-of-Life-Geschichte um ein paar junge Kreative zwischen Liebe, brotloser Kunst und Job für den Lebensunterhalt. [Leseprobe]

Carlsen Comics bringt einen Comic aus dem Trendgenre „Gothic Romance“, in dem sich ein blindes Mädchen in einen toten Jungen verliebt. Alisik stammt von Autor Hubertus Rufledt, der schon etliche Abrafaxe-Stories für Mosaik verfasst hat, und Zeichner Helge Vogt und ist auf insgesamt vier Bände angelegt. Vogts sehr aufwendig gestaltetes Artwork sorgt für eine Atmosphäre zwischen niedlich und düster, und im Verlagsforum schreibt ein Comichändler: „Asilik dürfte (…) einer der ganz seltenen Fälle sein, der sowohl die Manga-Leserschaft, als auch die Freunde von francobelgischen Stoffen anspricht.“ [Leseprobe] Hier ein Trailer zum Buch:

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Bei Carlsen Manga startet die Österreicherin Melanie Schober (Personal Paradise) eine neue, vierbändige Serie, die in einer dystopischen Zukunft spielt: Skull Party ist ein Endzeit-Thriller um einen Teenager, der sich gegen die Diktatur dieser Welt auflehnt und einer großen Verschwörung auf die Spur kommt. Anders als der Großteil der einheimischen Manga bei den großen Verlagen peilt diese Serie ein älteres Publikum an, der Verlag empfiehlt die Reihe ab 16 Jahren. [Leseprobe]

Mit Bloody Magic von Alexandra Völker hat auch EMA einen deutschen Manga im Programm. Der Einzelband, der in der gleichen Welt spielt wie frühere Werke der Zeichnerin, dreht sich um ein Vampir-Fangirl, das Fanfiction schreibt und in Turbulenzen mit einer Hexe gerät. Auf diesem Weg wird auch das Manga- und Anime-Fandom auf die Schippe genommen.

Ewiger HimmelDavid Boller ging in jungen Jahren aus der Schweiz in die USA, schrieb sich an Joe Kuberts Comiczeichner-Schule ein und schaffte schnell den Sprung ins professionelle Comicgeschäft. Seit ein paar Jahren ist er wieder zurück in Europa, wo er auf seinem Webcomic-Portal Zampano verschiedene persönliche Comicprojekte veröffentlicht. Der interessanteste dieser Comics ist das autobiographische Ewiger Himmel, das seit 2009 als Fortsetzungs-Webcomic auf Zampano und seit 2010 im Magazin COMIX läuft. Hier erzählt Boller von seinem Werdegang als Comiczeichner in der Fremde, von seiner Ausbildung und privaten Höhen und Tiefen. Nun gibt es bei Virtual Graphics die komplette Geschichte als Sammelband mit dem Untertitel „Ein Schweizer in Amerika“, und zwar als Softcover, als digitaler Download und als signierte und limitierte Hardcover-Variante.

Der Berliner Michael Schröter, der einige Jahre für Mosaik gearbeitet hat, brachte 2011 im Eigenverlag die erste „Kriminaljeschichte“ um Mäcke Häring heraus, einen Detektiv im Berlin der 1920er Jahre. Die Fortsetzung Mäcke Häring – Die Jagd nach dem Kristallschädel ist nun anders als der erste Band in Farbe und lässt die Hauptfigur „eher zufällig zwischen Ringvereinen, Bohemien, UFA, Nazis, Zille-Milljöh und Tanzpalästen hin und her taumeln, alles untersetzt mit typisch berliner Dialekt“, erzählt der Autor bei Splashcomics. [Leseprobe]

Wenn ein Comic Zombies auf der Reeperbahn heißt, ahnt man bereits, was man ungefähr zu erwarten hat. Das trifft auch auf das Werk des Hamburgers Till Mantel alias Tillomat zu, das zunächst auf der Plattform myComics veröffentlicht wurde und jetzt auch gedruckt als dreiteilige Heftserie bei The Next Art erscheint.

Das im Comicforum entstandene Anthologieprojekt JAZAM! geht in die achte Runde und bietet in seinem neuesten Band wieder eine beeindruckende Anhäufung von Zeichnertalent, diesmal zum Thema „Tiere“. [Leseprobe]

Man kennt sie aus jeder größeren Buchhandlung, wo sie in der Humorecke zwischen Mario Barth und Eckart von Hirschhausen darauf warten, dass sie von Leuten gekauft werden, die schnell noch ein hochoriginelles Geschenk brauchen: Berufgruppen-Bildwitz-Bücher. Cartoons für Lehrer, Cartoons für Anwälte, Cartoons für Hotelpagen usw. Wenn aber der große Nicolas Mahler für Edition Moderne ein solches Buch vorlegt, darf man sicher sein, dass es weit besser und vor allem komischer ist als sonstige Titel aus dieser Sparte: Mein Therapeut ist ein Psycho! heißt es und dreht sich, man ahnt es, um Psychotherapeuten und ihre Patienten [Leseprobe].

 

SEKUNDÄRLITERATUR

Gerahmter DiskursDer Ventil Verlag veröffentlicht unter dem Titel Gerahmter Diskurs. Gesellschaftsbilder im Independent-Comic eine Dissertation von Jonas Engelmann, die im letzten Jahr den Roland Faelske-Preis für Comic und Animationsfilm von der Arbeitsstelle für Graphische Literatur der Uni Hamburg erhielt. Darin untersucht er anhand der drei Themenbereiche Rassismus, Krankheit und Religion, wie sich Independent-Comics mit gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzen.

Die 2011er Tagung der Gesellschaft für Comicforschung (ComFor) widmete sich dem Thema Der dokumentarische Comic. Beim Verlag Ch. A. Bachmann erschien nun ein Tagungsband, herausgegeben von Dietrich Grünewald, der die Beiträge der Konferenz sammelt.

In der Edition Comics etc. widmet sich Andreas C. Knigge in Kalenbach – Schnee, der auf Tusche fällt dem Leben und Werk von Dieter Kalenbach. Der Band ergänzt die im gleichen Verlag erschienene Gesamtausgabe von Kalenbachs ZACK-Comic Turi & Tolk.

Aus der Abteilung nerdige Fanprojekte: Sebastian F. Otten gibt in der „Edition Comicographie“ einen dreiteiligen Corben Index heraus, dessen erster Band alle in Deutschland erschienenen Kurzgeschichten von Richard Corben verzeichnet. Neben dem eigentlichen Index enthält der Band einiges an interessantem Zusatzmaterial, u.a. ein Interview mit Corben und etliche Artikel, z.B. über Indizierungen und Zensurmaßnahmen bei Corben-Comics. Mehr dazu im Comicguide-Forum.

AUS DEN USA

Flut!Flut! von Eric Drooker (Avant-Verlag): „Die Rezeption von Flut! hat viel mit der eigenen Interpretationsfreudigkeit zu tun. […] Für die einen dürfte es ein überanalytischer, verquaster Kunst-Comic sein – und für die anderen eine kraftvolle, interpretationsfreudige Gesellschaftskritik, politisch engagiert, psychologisch reizvoll und handwerklich überzeugend. (Tagesspiegel)
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Hieran sollst du ihn erkennen von Jesse Jacobs (Rotopolpress): „Der Kanadier entwickelt seine eigene Vision einer Schöpfungsgeschichte. […] In einer komplexen Bildersprache präsentiert Jacobs die Evolution als phantastischen Wettkampf der göttlichen Schüler. […] Der Konflikt ist vorprogrammiert und wird in farbenfrohen, mitunter bizarren Bildern ausgetragen, wobei Jacobs keineswegs auf explizite Texte oder Schreckensmomente verzichtet.“ (intro)
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Strangers in Paradise 1 von Terry Moore (Schreiber & Leser): „Den Erfolg von Strangers in Paradise machen am Ende nicht der ständige Beziehungsstress, die charmanten Abschweifungen der packenden Story oder die Mischung aus Romantik und Humor und Spannung und Action aus, sondern die Protagonisten, die siegen und scheitern und sich mit einer hohen Fehlerquote vor den Augen des Lesers genauso entwickeln dürfen wie Terry Moores Artwork, das sowohl witzig als auch sexy und reißerisch sein kann […] Vielleicht hat man heute mehr Glück mit diesem Lieblingscomic vieler Leser, der im Grunde eine breite erwachsene Zielgruppe ansprechen und alle weiblichen Leser, Manga-Fans sowie TV-Serien-Enthusiasten mit ins Boot nehmen kann, wenn sie dem Ganzen nur eine Chance geben.“ (Tagesspiegel)
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Before Watchmen: Minutemen von Darwyn Cooke (Panini Comics): „Um es gleich zu sagen: Kaufen Sie die Bände „Ozymandias“ (das ist der beste) und „Minutemen“ (das ist der klügste). Alle anderen – „Rorschach“, „Comedian“, „Nite Owl“, „Silk Spectre“ und „Dr. Manhattan“, dazu noch der gemischt zusammengestellte Band „Crimson Corsair“ – sind ästhetisch enttäuschend und nicht selten auch inhaltlich. (faz.net)
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Dicks 1 von Garth Ennis (Panini Comics): Dicks ließ die Grenzen des guten Geschmacks weiter als jeder andere Ennis-Titel der Neunzigerjahre hinter sich. Hier wurde in vorher kaum und später selten gekannten Ausmaß geflucht, gepisst, geschossen und geschissen, gemetzelt, kastriert und getrunken. […] Andererseits ist Dicks grade wegen seiner gnadenlos hirnrissigen Art, der Pointen- und Fäkaliendichte beachtenswerter als viele von Ennis’ seiner Comics vor allem aus den letzten zehn Jahren. […] Gar keinen Spaß macht dagegen die deutsche Aufbereitung. (Stefan Pannor)
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Fashion Beast 1 von Alan Moore, Antony Johnston, Malcolm McLaren und Facundo Percio (Panini Comics): „Ein klarer Fall für die Verbraucherzentrale, denn hier ist nicht das enthalten, was auf dem Cover versprochen wird. Der Autor dieses Bandes ist eben nicht der zuerst genannte Alan Moore – und auch Punk- und Mode-Impressario Malcolm McLaren hat damit wenig zu tun –, sondern der britische Lohnschreiber Anthony Johnston. […] Dass trotzdem ein lesbares und interessantes Comic raus kam, spricht für den Stoff, der vom Argentinier Facundo Percio auch noch in einem hübschen Retrostil umgesetzt wurde.“ (COMIX)
[Leseprobe]

Neil Young – Greendale von Joshua Dysart und Cliff Chiang (Panini Comics): „Der Comic zum Album? Das klingt auf den ersten Blick wie ein weiterer kalkulierter Merchandising-Versuch à la Der Comic zum Blockbuster XY. Ist es aber nicht. Greendale ist ein ziemlich eigenständiges, kunstvoll Traum und Wirklichkeit verknüpfendes, zwischen großer Politik und persönlichem Einfühlungsvermögen oszillierendes Werk.“ (Tagesspiegel)
[Leseprobe]

TMNTTeenage Mutant Ninja Turtles 1 von Kevin Eastman, Tom Waltz und Dan Duncan (Panini Comics): „Wenn TMNT-Miterfinder Kevin Eastman sich einer neuen Inkarnation seines Meisterwerks widmet, dann sollten wir alle die Ohren spitzen und die Lesebrille zurecht rücken, denn das hier dürfte nicht nur eingefleischten Fans der Figuren gefallen, sondern auch für Neulinge interessant sein. […] Alte Fans entdecken viel bekanntes und bekommen trotzdem eine neue, sehr schöne und super toll geschriebene Geschichte, während angehende Fans vielleicht etwas entdecken, dass ihnen sehr viel Spaß bereiten könnte. Nein, wird!“ (Minds Delight)
[Leseprobe]

Injustice: Götter unter uns 1 von Tom Taylor, Mike S. Miller und Jheremy Raapack (Panini Comics): „I’m comfortable saying that it’s one of the single dumbest stories about DC Comics characters ever written, up to and including the entire contents of FanFiction.net. The fact that it even exists is astonishing. To be honest, the only thing keeping it from dethroning the current, reigning and defending Dumbest DC Comic Of All Time Champion — Identity Crisis — is that it’s a video game tie-in comic and is only stupid in its own self-contained world without breaking anything else.“ (Comics Alliance)
[Leseprobe]

Mein Ärger mit den Frauen von Robert Crumb (Reprodukt): „16 „Lebensbeichten“, in denen die Sehnsüchte und Ängste, Fantasien und Obsessionen des schrägen Amerikaners im Mittelpunkt stehen. Dabei begegnen wir mal dem geifernden Fantasie-Crumb und dann wieder dem verschüchterten Reality-Bob, je nachdem, ob von dem an einer katholischen Schule misshandelten Jungen, dem füßelnden und tätschelnden Teenager an der Highschool, dem LSD-Hippie Rob Crumb oder dem chauvinistischen Lüstling R. Crumb erzählt wird.“ (Tagesspiegel)
[Leseprobe]

 

AUS ISRAEL

Das ErbeDas Erbe von Rutu Modan (Carlsen): „Plastische Individuen, eine Handlung, die reich ist an Überraschungen, und ein leichtfüßiger, humorvoller Umgang mit dem Ernst der Geschichte, der dabei doch nie effektheischend wirkt. In der Reihe der Comics, die sich mit den Verbrechen der Deutschen an den europäischen Juden auseinandersetzen, nimmt Das Erbe eine ganz eigene, reizvolle Position ein.“ (Spiegel Online)
[US-Leseprobe]

AUS SPANIEN

Alicia im wahren Leben von Isabel Franc und Susanna Martin (Panini): „Krebs ist ein Wort, welches sofort bei jedem Assoziationen der negativsten Art auslöst. Welche verhindern könnten, dass man sich dieses Buches annimmt. Was schade wäre. Trotz einiger Schwächen geht es hier nämlich nicht um den Krebs an sich oder um Aufklärung, sondern um den Umgang mit der Krankheit.“ (Splashcomics)
[Leseprobe]

AUS ITALIEN

Astrum Noctis: Die Abtei der Geheimnisse von Eva Fairy, Sarah Burrini und Ambra Colombani (dani books): „Mit Versatzstücken und Motiven aus Charles Dickens Oliver Twist (meine Sichtweise) und vielen spannenden Mystery Elementen, eine spannende und fesselnde Geschichte, dazu noch toll gezeichnet, von zwei talentierten Künstlern, ist es eine Geschichte, die Lust auf mehr macht.“ (Comic Review)
[Leseprobe]

AUS ARGENTINIEN

Carlos Gardel von Carlos Sampayo und José Muñoz (Reprodukt): „Gardel gilt als eine der zentralen Figuren in der Geschichte des Tango – nicht zuletzt weil er als einer der ersten die Instrumentalmusik Tango mit Gesang begleitete. Er wurde die Stimme des Tango, eine Ikone. […] Sampayo und Muñoz sind dabei offenbar bemüht, durch ständige Perspektivwechsel ein vieldeutiges Bild von Gardel zu zeichnen. Im Vorwort schreiben sie, der Gardel ihres Comics sei eine fiktive Figur. Der monochrome Zeichenstil von Muñoz mit seiner harschen, groben Schwarzweiß-Ästhetik steht dabei in krassem Gegensatz zu der Erzählung, die klare Aussagen vermeidet und sich eher in dem Grau dazwischen bewegt.“ (Jungle World)
[Leseprobe]

AUS FRANKREICH UND BELGIEN

LuchadorasLuchadoras von Peggy Adam (Avant-Verlag): „Jedem, der sich mit den Morden beschäftigt, eröffnet sich ein schwieriger und verworrener Tatbestand. Die Autorin von Luchadoras Peggy Adams hat den Mut, daraus einen Ausschnitt zu zeigen. Die Geschichte hat weder ein Happy End noch einen richtigen Held, der am Ende alles aufdeckt. Und das bringt Luchadoras ziemlich nah an die Realität der Frauenmorde.“ (Funkhaus Europa)
[Leseprobe]

Stieg Larsson – Vor der Millennium-Trilogie von Guillaume Lebeau und Frédéric Rébéna (Avant-Verlag): „Besonders gelungen ist die skizzenhafte Anmutung mit Schraffuren und der Schwarz-Weiß-Dynamik, die die Schwarz-Weiß-Dialektik von Larssons Kosmos zwischen (Selbst)Gerechtigkeit und dem Kampf gegen Neonazis abbildet. Doch die Geschichte bleibt unvollendet.“ (Tagesspiegel)
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Ein Frühling in Tschernobyl von Emmanuel Lepage (Splitter): „Ein wichtiger Comic über einen Moment unserer Zeit, der dringend konserviert werden muss um nie in Vergessenheit zu geraten. Hat man den ersten eher zähen Akt erstmal hinter sich gebracht, entwickelt sich der Comic zu einem spannenden und emotionalen Augenzeugenbericht.“ (Tofu Nerdpunk)
[Leseprobe]

Die grosse Odaliske von Bastien Vivès, Florent Ruppert und Jérôme Mulot (Reprodukt): „Vivès, Ruppert und Mulot konzentrieren sich auf die Actionszenen ihrer Geschichte, mit einigem blutigen Slapstick, der deutlich an Filme von Quentin Tarantino erinnert. Das steht in einem interessanten Kontrast zu den Schauplätzen, den detailliert ausgemalten Räumen in den beiden berühmtesten Pariser Museen. Überhaupt ist der Kontrast zwischen Zeichnung und Story das Interessanteste an diesem Buch.“ (Deutschlandradio Kultur)
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Wieder unterwegs von Baru (Reprodukt): „Erinnert durch sein Roadtrip-Szenario und die Darstellung der bereisten Landschaft an das Ausreisser-Abenteuer-Werk Autoroute du Soleil, mit dem Baru Mitte der Neunziger der Durchbruch als Comic-Künstler gelungen war. Doch während die Protagonisten in Autoroute in jugendlicher Aufbruchsstimmung auf die Reise gehen, vollziehen die beiden Hauptakteure im aktuellen Werk mit dem Trampen gleichsam einen Trip in die eigene Vergangenheit.“ (intro)
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Das Gedächtnis des MeeresDas Gedächtnis des Meeres von Mathieu Reynès und Valérie Vernay (Salleck): „Da hat der Salleck-Verlag (der Verlag mit der sympathischen, stilistisch und inhaltlich chaotischsten Mischung an Comics, die man sich vorstellen kann) mal wieder eine kleine Perle gehoben: Das Gedächtnis des Meeres – eine in schönen Pastellzeichnungen gezeichnete und ruhig erzählte, subtile Schauergeschichte alter Mystery-Schule.“ (Comics & Graphics)
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Die blauen Boys – Gesamtausgabe 1 von Raoul Cauvin und Louis Salvérius (Salleck): „Die Abenteuer der Helden […] spielen also zur Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs. Bemerkenswert, wie es den Autoren gelang, dieses eigentlich ernste Thema in unglaublich witzige Comedy zu verwandeln.“ (PPM Vertrieb)
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Caline & Calebasse – Gesamtausgabe 1 von Raoul Cauvin und Luc Mazel (Salleck): „Slapstick-Abenteuer-Comics, changierend zwischen albern und originell, allerdings so altmodisch im traditionellen franko-belgischen Funnystil, dass es einem ganz warm ums Herz wird.“ (COMIX)
[Leseprobe]

Charly – Gesamtausgabe 1 von Denis Lapière und Magda (Salleck): „Der phantastische Thriller erzählt die durchaus spannenden Geschichten des sechsjährigen Charly, der ein gefährliches Spielzeugraumschiff […] geschenkt bekommt […] Charly ist in Deutschland gänzlich unbekannt, so dass die aktuelle Gesamtausgaben-Welle inzwischen auch Material auf den Markt spült, welches trotz leichter Patina als Neuentdeckung gewertet werden kann.“ (ALFONZ)
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Sternenwanderer 1 von Moebius (Schreiber & Leser): „Sternenwanderer ist ähnlich psychedelisch wie der Incal, nur viel netter und liebenswerter. Allerdings auch nicht so geradlinig erzählt, denn die Geradlinigkeit hat sich Moebius für die Horizontlinien seiner grandiosen Wüstenpanoramen aufgespart.“ (Otherland Buchhandlung)
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AUS ASIEN

In These Words 1In These Words 1 von TogaQ und Kichiku Neko (Tokyopop): „Viele (ältere) Fans von Boys Love haben auf dem deutschen und amerikanischen Markt oftmals das Problem, dass viele lizenzierte Manga in die Sparte „kitschiger Romance-fluff“ fallen […] Anders verhält es sich nun bei diesem Manga. […] Ein Krimi, ein Psychothriller, an dem nichts „süß“ oder „lieblich“ ist. Ja, natürlich gibt es „Sexszenen“ (faktisch sind es Vergewaltigungsszenen), die sehr detailgetreu gezeichnet sind, aber bei denen schonungslos gezeigt wird, dass Gewalt in jedweder Form angewandt wird und Asano das Opfer ist- ohne etwas zu verharmlosen.“ (AnimePRO)
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Buster Keel 1 von Kenshiro Sakamoto (Carlsen Manga): „Ein Manga, der in die Kategorie “leichte Shounen-Kost” eingeordnet werden kann. Vom Stil der Welt und der Charaktere her erinnert er sehr stark an Werke von Hiro Mashima (speziell Rave), ohne jedoch dessen angenehmen Erzählfluss zu nutzen.“ (Manga-Reviews.de