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Post Mortem Blues

 Nach längerer Pause gibt es wieder mal eine Comicbesprechung von zwei Redakteuren in Dialogform. Benjamin und Thomas beschäftigen sich mit Post Mortem Blues, dem aktuellen Werk von Horus. Der sogenannte „Wort-Bild-Roman“ erzählt von einem Mädchen, dass eigentlich einen recht normalen Eindruck macht — dabei ist sie eigentlich schon tot.

Benjamin: Zu Beginn gleich mein Bekenntnis: Ich hab diesen Comic einfach nicht verstanden. Okay, die 16-jährige Diona bekommt am Anfang also die Diagnose gestellt, sie sei tot. In diesem festen Glauben befindet sie sich weiter unter den Lebenden. Aber wenn sie sich nur einredet, tot zu sein, quasi als Mittel zur Abgrenzung eines unzufriedenen Teenagerlebens (meine Interpretation), welche Bedeutung kommt dann ihren wirren Träumen zu und ist das letzte Kapitel überhaupt als für die Erzählung plausibel einzuordnen? Also mal ehrlich, Thomas, ohne zuviel von der Handlung zu verraten, was wollte Horus mit seinem neuesten Werk nun aussagen?

Thomas: Puuh, das kann ich auch nicht so recht beantworten. Wobei sich natürlich die Frage stellt, ob man einen Comic (oder einen Film, einen Roman oder sonstwas) immer eindeutig „verstehen“ muss und ob immer eine eindeutige Aussage erkennbar sein muss. Horus lässt in Post Mortem Blues eine ganze Menge offen, es bleibt viel Interpretationsspielraum für den Leser.

Für mich dient der Ausgangspunkt der Story („Ich bin tot, aber ich weile weiter unter den Lebenden“) vor allem als Metapher für das Sich-anders-fühlen eines Teenagers. Diona fühlt sich ausgegrenzt und grenzt sich selber aus. Ob das mit dem Tot-sein nun wörtlich gemeint ist oder nicht, ist eigentlich nicht so wichtig.

Denn davon abgesehen ist Post Mortem Blues eine recht geradlinige Geschichte von einem Teenage-Mädchen und ihrem Blick auf die Welt, der vor allem geprägt ist von Abscheu gegenüber den Gleichaltrigen, für die Shopping und Mode viel wichtiger sind, als z.B. Bücher. Diona findet dann ja auch einen Gleichgesinnten, mit dem sie sich halbwegs versteht.

Neben dieser klaren Ebene haben wir aber noch die Traumsequenzen. Und die geben dem Leser dann wirklich Rätsel auf.

 Benjamin: Und genau diese Rätsel sind für mich dann auch Teil meines eigentlichen Kritikpunktes. Denn Horus packt einfach zu viel in ein eigentlich simples Teenagerdrama. Diona wird in Träumen von diversen Personen besucht, sie lernt dadurch deren Lebensablauf kennen, hauptsächlich bleibt ihr von diesen Menschen aber ein Mann namens Anton Pulmann im Gedächtnis. Aber wer ist er und welche Bedeutung nimmt er ein? Ist seine Existenz nur Einbildung oder ist er auf metaphorischer Ebene ein Teil von Diona selbst? Außerdem sinniert diese noch über gewisse „Freunde hinter der Wand“. Einiges bleibt ungeklärt, aber leider in dem Sinne, dass man gerade beim Lesen der letzten Seiten nur noch konfus zurückbleibt.

Aber apropos „zu viel in einen Band gepackt“: Hattest du auch das Gefühl, dass der Kontrast zwischen den pathetischen Textpassagen und den fast zu übercoolen Sprechblasen etwas zu ausgeprägt ist? Oftmals dachte ich mir, der Autor hat’s sprachlich einfach viel zu gut gemeint. Liegt vielleicht auch daran, dass Horus sich zuvor eher weniger mit dem jugendlichen Metier und der Gefühlswelt junger Menschen in seinen Comics auseinandersetzte, sondern zuletzt mit Wüstensöhne und Schiller historische Stoffe umsetzte.

 Thomas: Auf jeden Fall verwendet Horus Sprache auf eine interessante Art und Weise. Es ist sicher kein Zufall, dass Post Mortem Blues auf dem Cover als „Wort-Bild-Roman“ bezeichnet wird. Horus wollte also wohl keinen „herkömmlichen“ Comic machen, er packt überdurchschnittlich viel Text zu seinen Bildern. Theoretisch spricht da überhaupt nichts dagegen. Es muss keine strikte Trennung zwischen Comic und Prosa geben, längere Textpassagen in einer grafischen Erzählung können durchaus sinnvoll sein (der einzige mir bekannte Comic, der dieses Mittel regelmäßig verwendet, ist Terry Moores Strangers in Paradise).

Bei Horus allerdings gibt es, wie du schon angedeutet hast, eine Schere zwischen den ausführlichen Textpassagen und den Dialogen in Sprechblasen. Erstere sind sehr literarisch, letztere in einer (ziemlich bemüht auf jugendlich getrimmten) Jugendsprache. Man will als Leser nicht recht glauben, dass es in beiden Fällen Diona sein soll, die da zu einem spricht.

Benjamin: Da geb ich dir völlig Recht, im Endeffekt ist der selbsternannte Wort-Bild-Roman ein interessanter Versuch, aber sprachlich ist mir das in beide genannten Richtungen zu dick aufgetragen, respektive, um deinen Terminus zu wiederholen, zu bemüht. Lustig übrigens, dass ich auch schon einen Vergleich mit Strangers in Paradise herbeiziehen wollte, allerdings weniger bezogen auf die Textpassagen, sondern um eine gewisse Ähnlichkeit zwischen der jeweiligen Hauptperson anzumerken. Diona erinnert mich schon etwas an Katchoo aus SiP, ein freches, schlagfertiges, blondes Mädel eben. Aber qualitativ kann Post Mortem Blues mit der genialen US-Serie von Terry Moore leider nicht mithalten…

Thomas: Wobei das auch ein leicht hinkender Vergleich ist…

Positiv vermerken möchte ich, dass Post Mortem Blues durchaus seine Momente hat. Vor allem die Szenen, in denen Diona ihre Verachtung für die übliche klischeehafte Teenagerwelt zum Ausdruck bringt, blieben bei mir hängen.

Und zeichnerisch gibt es gar nichts zu meckern. Horus ist ein routinierter, professioneller Zeichner, den man sich ohne weiteres auch in einer französischen oder amerikanischen Produktion vorstellen könnte. Auch das Spiel mit schwarz und weiß beherrscht er sehr effektiv.

 Benjamin: Ja, optisch ist der Comic solide, obgleich Horus‘ Zeichnungen aus meiner Sicht bei anderen Produktionen besser zur Geltung kamen. Besonders gut gelang tatsächlich die emotionale Ebene, z.B. immer dann, wenn Diona ihren „Todes-Zustand“ als Vorwand für ihre Verhaltensweisen hernimmt oder sie die Andersartigkeit zu ihren Altergenossen ins Extreme führt. Die Szenen, in denen sie einfach nachdenklich durch die Gegend läuft, sind auch sehr eindrucksvoll gestaltet.

Letztlich ist Post Mortem Blues für mich in der Gesamtwertung ein Werk mit guten bis sehr guten Einfällen, aber mit zuviel Verwirrungen und einem zu voll gepacktem Konzept. Horus brachte das verstörende Leben und die Gedankenwelt eines Teenagers aber durchaus gelungen zu Papier, alles was in diesem Comic über diesen Aspekt hinausgeht, bleibt bei mir weniger positiv in Erinnerung.

Thomas: Ich schließe mich deinem „gemischten“ Urteil an. Mir hat vor allem die formale Idee gefallen, an einigen Stellen deutlich mehr Text zu verwenden, als es bei Comics sonst üblich ist. Ein solches Experiment würde ich, bei passender Gelegenheit, gerne wieder mal sehen.

Post Mortem Blues. Ein Wort-Bild-Roman
Gringo Comics, Dezember 2006
Text und Zeichnungen: Horus
120Seiten, Paperback im A5-Format, schwarzweiß; 9,80 Euo
ISBN: 978-3-940047-00-7

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Bildquelle: Gringo Comics

Horst und sein Pony 48

Nostalgie-O-Mat! Eine Zeitreise zurück in die Zeit, als alles noch so neu und aufregend war!

Dieser und die nächsten Comics spielen in den Tagen, da das Pony gerade erst in Horsts Leben getreten war.
Die ersten, zaghaften Annäherungsversuche …

Die erste Nacht I

Horst und sein Pony 48

Special zu Andrax 1


Wir gratulieren den Gewinnern

  • Markus aus Waldkappel
  • Thorsten aus Langendamm
  • Mario S. aus Berlin

Viel Spaß mit Andrax 1, das Euch in den nächsten Tagen zugesandt wird.

Richtige Antworten:
1.) c
2.) a
3.) c
4.) b
5.) a

Die weiterführenden Links unseres Specials:

Interview mit Andreas Mergenthaler

Rezension Andrax 1


Wen die Fragen interessieren, hier das abgelaufene Gewinnspiel:

Beantwortet die folgenden fünf Fragen (aufmerksame Leser werden die richtigen Antworten schnell finden) und schickt das vollständig ausgefüllte Formular bis zum 25.11.2007 ab, um der neue Besitzer eines von drei Andrax 1-Bänden zu werden. Wie immer bei unseren Gewinnspielen darf jeder Haushalt nur einmal teilnehmen, bei mehr richtigen Einsendungen als Gewinnen entscheidet das Los und die angegeben Daten werden nicht oder nur zu Zwecken des Comicversandes an Dritte weitergeben.

Danke an Cross Cult für die Zurverfügungstellung der Gewinne!

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Interview mit Andreas Mergenthaler über die Andrax-Neuauflage


Comicgate: Hast Du Andrax früher selbst gelesen, Andreas?
Andrax 1 – Experiment des Grauens

Andreas Mergenthaler: Nein, ich war damals kein großer Kauka-Leser. Mein Ding war eher Yps und dann später die Endphase von Zack. Ich kannte Andrax aber vom Namen her.

CG: Warum hat Cross Cult Andrax neu herausgebracht?

AM: Die Serie Torpedo (Rezension Band 1, Band 2), ebenfalls gezeichnet von Jordi Bernet, läuft sehr gut, und außerdem mag ich Fantasy mit klassischem „nach der Katastrophe“-Setting. Deshalb haben wir uns um die Andrax-Lizenz bemüht, nachdem es in unserem Forum (auf Comicforum.de) von Lesern vorgeschlagen worden war.

CG: Wie war die Zusammenarbeit mit Autor Peter Wiechmann und Kauka Promedia?

AM: Im Großen und Ganzen gut. Nur was die Kosten und den Arbeitsaufwand angeht, gab es einige Überraschungen, die so nicht eingeplant waren. Die Zusammenarbeit mit Herrn Wiechmann läuft aber sehr gut. Er verfügt über einen reichen Erfahrungsschatz, von dem wir profitieren können.

CG: Wie verlief die Arbeit bei der Rekonstruktion der Andrax-Geschichten? Gab es bestimmte Arbeitsschritte?

AM: Das war eine regelrechte Puzzlearbeit, da nach über dreißig Jahren niemand mehr so recht weiß, wie viele Episoden es eigentlich gibt oder in welcher Reihenfolge sie wo erschienen sind. Wir haben zwar ein großes Paket mit Vorlagen von Kauka Promedia bekommen, aber das Material ist leider nicht vollständig. Zudem liegen viele Geschichten in verschiedenen Arbeitsstufen vor: Originalzeichnungen, Repros mit und ohne Korrekturen der damaligen Redakteure, mit eingefügten Texten und geänderten Sprechblasen, dann teilweise noch handkolorierte Seiten etc. Auf jeden Fall war die Herstellung ein erheblicher Aufwand, insbesondere für unsere Repro-Fachleute.

CG: Welche Aufgaben hatte Peter Wiechmann?

AM: Manche der Geschichten sind nie auf Deutsch veröffentlicht worden. Wir mussten also zuerst mit Herrn Wiechmann klären, was vorliegt und was er noch beschaffen kann bzw. soll. Dann hat Peter Wiechmann die Storys auf die Bände verteilt – nicht unbedingt chronologisch, aber so, dass die Geschichten gut zueinander passen. Und dann hat er alle Sprechblasentexte überarbeitet bzw. komplett neu getextet.

CG: Enthält die Gesamtausgabe wirklich alle jemals produzierten Andrax-Seiten?

AM: Nein. Wir haben das auch nie als Gesamtausgabe bezeichnet. Rein aus rechtlichen Gründen können wir zum Beispiel die letzte Geschichte nicht veröffentlichen, da sie laut Kauka Promedia widerrechtlich für einen spanischen Verlag entstanden ist, obwohl die Rechte bei Kauka liegen. Es kann auch sein, dass sich Vorlagen für zwei oder drei weitere Kurzgeschichten nicht auftreiben lassen. Unsere Ausgabe wird aber auf jeden Fall mehr als neunzig Prozent der jemals entstandenen Andrax-Geschichten beinhalten. Zudem wird Peter Wiechmann zu jedem Band fundierte redaktionelle Artikel beisteuern, in denen unter anderem auch ausführlich auf die letzte Andrax-Episode eingegangen wird.

CG: Sind neben Andrax bei Cross Cult weitere Veröffentlichungen aus dem Kauka-Universum geplant?

AM: Angedacht ist noch El Capitan (früher Capitan Terror; die Namensänderung ist noch nicht definitiv) – aber das hängt vom Verkaufserfolg der Andrax-Reihe ab. Zudem denken wir über einige Serien nach, die schon viel zu viele Jahre im Archiv von Peter Wiechmann schlummern: Thomas der Trommler, Hombre, Dietrich von Bern – teilweise Serien, die damals in Yps erschienen sind. Besonders die Reihen des leider viel zu früh verstorbenen Zeichners Mendez sind eine absolute Augenweide und hätten eine gesammelte Ausgabe mehr als verdient.

CG: Ich danke sehr für das Gespräch!

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Cross Cults Website

Andrax-Special bei Splashcomics

Peter Wiechmanns Homepage

Peter Wiechmann bei kauka.de

Andrax bei Kaukapedia

Andrax 1: Experiment des Grauens

 Andrax heißt eigentlich Michael Rush und ist der erfolgreichste Zehnkämpfer aller Zeiten. Eben noch läuft er mit anderen Olympioniken um die Wette, schon findet er sich von einem verrückten Wissenschaftler entführt. Er erwacht in einem Labor, gefesselt an Armen und Beinen. Und das Ding neben ihm? Es piepst, leuchtet und surrt. Keine Frage, das ist eine Zeitmaschine. Prompt erscheint der durchgeknallte Professor Magor, der Erfinder des Apparats. Er vergeudet nicht viel Zeit und erklärt dem Zehnkämpfer, wie außerordentlich geeignet er als Versuchskaninchen sei. Und geehrt dürfe er sich auch noch fühlen. Zwei Jahrtausende soll es für ihn in die Zukunft gehen. Nachdem der Professor den Startknopf gedrückt hat, nennt er seinen unwilligen Schützling via Videobotschaft noch fix Andrax, vielleicht weil Michael Rush doch ein bisschen lahm klingt für das vierte Jahrtausend. Und schon geht es los. Andrax bereist die ferne, fremde Welt der Zukunft. Und der Leser? Der reist rückwärts in der Zeit, nämlich in die Siebziger.

Der erste Band der neuen Andrax-Edition enthält die vier Geschichten „Experiment des Grauens“, „Die tote Stadt“, „Horror-Hölle“ und „Super-City“. Hinzu kommt eine kurze Einleitung der Lizenzinhaberin Alexandra Kauka und ein Nachwort vom Andrax-Autor Peter Wiechmann. Möchte man den ersten Andrax-Band ins Universum aktueller Comic-Neuerscheinungen einordnen, stellt sich schnell heraus, dass herkömmliche Kategorien dafür nicht besonders geeignet sind. Andrax ist 100% Retro, ähnlich wie Flokati, Moonboots und lila Schalensessel. In erster Linie dürften sich Leser angesprochen fühlen, die den etwas farblosen Helden Andrax noch aus ihrer Jugend kennen. Solch älteres Publikum wird seine Freude an der neuen Ausgabe haben. Bernet spielt in der Oberliga des europäischen Schwarzweiß-Strichs. Seine Bilder sind dynamisch, nicht überladen und trotzdem detailreich. Hinzu kommt, dass die Reproduktion des alten Materials außerordentlich gut gelungen ist: Kein matter Abglanz, sondern ein voller, kräftiger Druck, als hätte Bernet erst gestern den Stift geschwungen. In Verbindung mit dickem Papier und festem Einband zeigt sich auch hier einmal wieder, dass das Team von Cross Cult sein Handwerk versteht.

 Inhaltlich sollte man den Vergleich mit aktuellen Szenarien vermeiden. Beinahe naiv kommen die Geschichten daher, driften, ohne festen Punkt, ohne klares Storytelling, hin und her, nur vorangetrieben von der Phantasie des Autors. Sicherlich, ein paar Rahmenbedingungen mussten auch damals schon beachtet werden. Denn der Leser mag Prügeleien, Schießereien und Verfolgungsjagden, also bitte her damit. Außerdem spielte der Jugendschutz eine Rolle. Wer Bernets Torpedo kennt und Andrax liest, spürt beinahe, wie schwer es dem Zeichner gefallen sein muss, die Oberweite seiner Heroinnen klein und bedeckt zu halten. Tjaja, die Siebziger … Von solchen Notwendigkeiten einmal abgesehen, hat der Autor freie Hand und fabuliert, wie es ihm gefällt. Facettenreiche Charaktere? Eine kohärente Fantasy-Welt? Ein roter Faden? Neumodischer Kram, wird alles überschätzt. Stattdessen tummeln sich eifrig Aliens neben Barbaren und Vampiren, tauchen Städte aus dem Nichts auf und verschwinden wieder. Dazu kommen Technikrelikte aus vergangener Zeit, die einen Flair entfachen wie auf dem Planeten der Affen.

So ist es sicherlich nicht vermessen festzustellen, dass Andrax nicht nur den Charme, sondern auch einige Schwächen des Comics seiner Zeit besitzt. Einige der fabelhaften Conan-Abenteuer von John Buscema lesen sich ähnlich holprig. Sie werden nur manchmal dadurch aufgefangen, dass die Textgrundlage von Robert E. Howard gut aufgebaut und geschrieben war. Dass es sich bei Andrax nicht nur um eine typische Schwäche der Comics aus den Siebzigern, sondern auch um eine persönliche Note des Autors handeln könnte, davon zeugt das Nachwort. Vermutlich möchte Peter Wiechmann den Lesern erzählen, wie das damals so war, in den Siebzigern, mit Andrax und Co. Nur leider erzählt er nicht, sondern wirft nur Bruchstücke hin, bringt sie in eine Reihenfolge und lässt den Leser dann alleine. Stilistisch ähnelt sein Text seinem Comic, nur dass es im Comic nicht stört, sondern charmant retro ist. Als Auftakt zu einer hochwertigen Neuedition hätte man hinsichtlich des Nachworts mehr erwarten können. Vielleicht wäre ein Interview mit Wiechmann an dieser Stelle passender gewesen.

 Der erste Band der Andrax-Gesamtausgabe macht – wie von Cross Cult gewohnt – einen guten Eindruck. Gerade im Zuge diverser Neueditionen der jüngsten Zeit (Die Peanuts, Blueberry, Garfield, Lucky Luke, Hägar) stimmt es froh, dass mit Andrax auch anderes Terrain erschlossen und für die Nachwelt bewahrt wird. Einen kleinen Minuspunkt gibt es für das redaktionelle Drumherum. Nicht nur der holprige Text von Peter Wiechmann trägt dazu bei, sondern auch das Versäumnis, auf die ursprüngliche Erscheinungsweise der vier Geschichten hinzuweisen. Wann sind die Szenarien zum ersten Mal erschienen? Und in welcher Form? Wie sind sie entstanden? Angereichert mit ein paar Erinnerungen des Autors hätten solche Informationen den Band sicherlich aufgewertet. Aber Fans sollten sich von solchen Kleinigkeiten nicht abhalten lassen. Andrax ist wieder da!

Andrax 1 – Experiment des Grauens
Cross Cult Oktober 2007
Text: Peter Wiechmann
Zeichnungen: Jordi Bernet
144 Seiten; schwarzweiß; Hardcover; 18 Euro
ISBN 9783936480757

www.cross-cult.de
www.primo.kauka.de

Tolle Helden-Reproduktion aus den Siebzigern

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Wilhelm Busch und die Folgen

CoverEs ist schon hundert Jahre her:
Der Wilhelm Busch, er lebt nicht mehr.
In Hannover sein Museum
beschließt, dass man zum Jubiläum
etwas Besonderes kredenzt
für Wilhelm Busch und seine Fans.

Für Ausstellung und Sonderband
braucht's Leute mit viel Sachverstand.
Die gibt es auch, zum Beispiel den
Chefredakteur der Comixen'.

Martin Jurgeit kuratiert,
stellt zusammen, arrangiert
ein Ausstellungs- und Buchprojekt,
das voller Comic-Künstler steckt.

Doch zu Beginn, das heißt am Start,
steht erst ein Comicreferat.
Ralf König Andreas Knigge legt uns dar,
wie das mit der Geschichte war
von Bildgeschicht' zum Comic hin —
so ein Essay macht durchaus Sinn.

Ralf König soll als Zugpferd dienen
auf dem Cover und auch innen.
Bei ihm sind Max und Moritz, klar,
ein schwules Knollennasenpaar.
Die Verse — ganz und gar nicht bieder —
schreibt er, wie Busch, in Reimform nieder.

Die nächsten Seiten darf dann tünchen
die Laska-Comix-Gang aus München.
„Plisch und Plum“ erzähl'n sie neu
und bleiben ziemlich werkgetreu.

Es folgt ein hübscher Bilderbogen
von Ulf S. Graupner dreist erlogen.
Ulf S. Graupner Es geht um Harems-Eskapaden
in feinen monochromen Farben.

Die große Überraschung dann
ist Volker Reiche, mannomann!
Mit dem Pinsel statt der Feder
zieht er richtig derb vom Leder.
Und so spritzt, das find' ich gut,
in seiner Story auch mal Blut.

Auch Mangas sollten hier nicht fehlen,
so dürfen DuO uns erzählen
von den zwei Enten und dem Frosch.
Die Story ist auch ziemlich posh,
etwas chaotisch, ganz schön schrill,
so ist eben DuOs Stil.

Der Flix, das war uns fast schon klar,
legt autobiographisch dar,
wie er einst als junger Spross
„Die fromme Helene“ sehr genoss.

Martin Tom Dieck Der nächste im Hommagenreigen
ist wie erwartet ziemlich eigen:
Martin tom Dieck, mehr schroff als zart,
das ist schon eher Avantgarde.

Ulf K. begeistert wieder sehr
mit seiner feinen Ligne Claire.
Herr Paul trifft Huckebein, den Raben,
und niemand muss dabei was sagen.
Sie bleiben gänzlich ohne Worte:
ein Comic von der stummen Sorte.

Der letzte Beitrag in dem Band
stammt wieder aus Mangaka-Hand:
Anike Hage, die berichtet,
wie man Streit unter Nachbarn schlichtet.

Letztlich kriegt man für sein Geld
'nen Querschnitt durch die Comicwelt.
Vielfalt wird hier sehr betont —
eine Mischung, die sich lohnt.

DuO Nicht jeder kann mit seinen Streichen
Ralf Königs Top-Niveau erreichen.
Der legt die Latte gleich zum Start
schon ziemlich hoch, das ist dann hart
für den Rest der Zeichnerschar.
Doch eigentlich heißt hier der Star
ganz eindeutig Wilhelm Busch,
der lebe hoch! Hurra und Tusch!

Und wenn ihr jetzt zum Laden lauft
und Mangas, Alben, Hefte kauft,
dann sollt auch diesen Band ihr holen.
Comicgate hat's euch empfohlen.

Wilhelm Busch und die Folgen
Ehapa Comic Collection, September 2007
mit Beiträgen von Ralf König, Laska, Ulf S. Graupner,
Volker Reiche, DuO, Flix, Martin tom Dieck,
Ulf K. & Martin Blatscheit und Anike Hage
sowie einem Essay von Andreas C. Knigge
Kurator: Martin Jurgeit
broschiertes Softcover; farbig; 144 Seiten; 15,- Euro
ISBN: 3-7704-3173-1

Unterhaltsame Mischung in sorgfältiger Aufmachung

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Abbildungen: ©Egmont Verlagsgesellschaften mbH / JNK Media

Perry – Unser Mann im All 133

 Seit 2006 beschäftigt sich das von Karl Nagel gegründete Hamburger Studio Alligatorfarm mit der Wiederbelebung einer Comic-Serie der 70er Jahre: Perry – Unser Mann im All war damals ein psychedelisches Pulp-Vergnügen im Geiste von Barbarella, das im Universum der langlebigen Romanreihe Perry Rhodan spielte.

Die wiederbelebte Version der Serie schloss erstmal eine vor 30 Jahren offen gebliebene Storyline ab, ehe man sich an eigene Geschichten machte. Die kommen nun als gut ausgestattetes Heft mit beigeheftetem Poster auf den Markt.

Das Konzept scheint wohl aufzugehen: Zwar erscheint das Heft eher unregelmäßig, aber es erscheint, und auch ein Spin-Off unter dem Titel Perryversum ist in Planung. Im September kam die Nr. 133, das dritte Heft mit eigenen Geschichten, in die Läden. Neben dem ersten Teil einer längeren Geschichte sind darin auch zwei abgeschlossene Kurzgeschichten enthalten.

Und sie kriegen euch doch! Die Hauptstory „Und sie kriegen euch doch!“, die als Dreiteiler angelegt ist, erzählt von einer Invasion der Millies, die Perry Rhodans Raumschiff Crest II entern. Die Viecher erinnern ein wenig an Papageien, sind aber alles andere als putzige Gesellen: Es entbrennt ein blutiger Kampf, an dessen Ende unser Held Perry in Lebensgefahr schwebt.

Kai Hirdt, Karl Nagel und Vincent Burmeister gelingt es hier tatsächlich, den Spirit der überdrehten 70er aufs Papier zu bringen und gleichzeitig einen modernen Comic zu produzieren, der in Storytelling, Seitenlayout und Zeichenstil keineswegs altmodisch wirkt. Burmeisters Artwork erinnert mehrfach an Frank Miller, was bestens zu der ziemlich hartgekochten Story passt. Hier soll keine tiefsinnige Geschichte erzählt, sondern zünftiges Pulp-Entertainment geboten werden, was hervorragend gelingt.

Von Monstern und Menschen Dazu gibt es zwei Kurzgeschichten, in denen die Hauptfigur Perry Rhodan nicht auftaucht. In „Von Monstern und Menschen“ spielen zwei Mitglieder von Perrys Crew, Alaska Saedelaere und Iwan Goratschin, die Hauptrolle. Sie stürzen sich in ein Flirt-Abenteuer, das den Genreregeln gemäß natürlich verhängnisvoll enden muss. Der Plot ist zwar sehr konventionell, die Story (geschrieben von Andreas Völlinger und gezeichnet von Till Felix) gewinnt aber durch ihre sympathische und menschliche Erzählweise.

Zum Abschluss dürfen Olaf Brill und Philip Cassirer nochmal richtig auf die Pulp-Kacke hauen und lassen den Draufgänger Ronald Tekener ein Zocker-Abenteuer im Casino bestehen, in dem nicht nur fiese Monster, sondern auch reichlich barbusige Damen auftauchen. Auch hier ist der Plot keine Offenbarung, man merkt der Kurzgeschichte aber an, dass die Macher hier großen Spaß hatten. Und der überträgt sich letztlich auch auf den Leser.

Spielchen gefällig? All diese Geschichten funktionieren wohl am besten, wenn man als Leser mit dem Perry-Rhodan-Kosmos und seinen Figuren halbwegs vertraut ist. Aber auch als Neuling wird man von der Alligatorfarm an die Hand genommen und bekommt im redaktionellen Teil Infos über Hauptfiguren und wichtige Handlungselemente. Abgerundet wird das Paket mit einem Poster und mehreren Pin-Ups. Insgesamt ist das Perry-Heft ein Comic, dem man anmerkt, dass seine Macher mit viel Spaß und Enthusiamus am Werk sind, was man weiß Gott nicht von allen Lizenz-Comics sagen kann.

Perry – Unser Mann im All 133 (Neue Reihe #3)
Alligatorfarm, September 2007
Verschiedene Zeichner und Autoren
Heft; farbig; 52 Seiten; 4,95 Euro

Deftige SF-Unterhaltung, die Spaß macht.

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Bildquelle: alligatorfarm.de

Schattenbeschwörer

 Comicadaptionen von Romanen, besonders aus dem Fantasygenre, sind momentan sehr beliebt bei Comicverlagen. Werke von Wolfgang Hohlbein, Kai Meyer, George R.R. Martin oder Eoin Colfer werden fleißig in Comicform umgesetzt. Aus England kommt der Fantasyroman Schattenbeschwörer (Shadowmancer) von G.P. Taylor. Das Buch war dort ein Bestseller, ein Film ist in Arbeit und der britische Verlag Markosia setzte es als Comic um. Bei Ehapa gibt es nun eine deutsche Ausgabe.

Die Geschichte spielt im England des 18. Jahrhunderts, wo ein verbitterter Dorfpfarrer sich vom Glauben abgewandt hat und sich lieber der Gegenseite widmet: Schwarze Magie, Okkultismus, Beschwören von Geistern und Dämonen. Natürlich zu dem Zweck, absolute Macht und die Weltherrschaft zu erlangen. Denn Pfarrer Demurral ist hier eindeutig der Böse. Auf der guten Seite stehen die aufrechten Jungrecken Thomas und Kate, die jeweils einen Elternteil verloren haben, und Raphah, ein Junge aus Afrika, der kürzlich mit seinem Schiff gekentert ist. Gemeinsam beschließen sie, sich gegen Demurral zu stellen, und schon haben wir den klassischen Kampf „Gut gegen Böse“, wie man ihn im Fantasy-Genre nur allzu gut kennt. Dazu kommt noch die obligatorische Aragorn-Figur, der zwielichtige Fremde, dem man nicht so recht über den Weg traut, sowie ein ziemlich großes Ensemble von Nebenfiguren. Manche von ihnen, z.B. der Außenseiter Reuben und seine Familie, werden zwar ausgiebig eingeführt, spielen später aber einfach keine Rolle mehr.

Überhaupt wirkt das Tempo der Romanadaption sehr uneinheitlich: Während sich die Story zu Beginn in Ruhe entfaltet, wirkt sie zum Ende hin immer gehetzter, als hätte Tony Lee, von dem das Skript stammt, Probleme gehabt, den kompletten Roman auf die vorgegebene Seitenzahl zu quetschen. Das ist jedoch leider nicht das einzige Problem bei Schattenbeschwörer.

Dass hier eine recht konventionelle, überraschungsarme Gut-gegen-Böse-Geschichte erzählt wird, ließe sich noch verschmerzen. Schwierig wird es aber durch die aufdringliche christliche Botschaft, die sie transportiert. Entsage dem Bösen, lass dich nicht in Versuchung führen, glaube an Gott und er wird dich retten. Die Figur des Raphah könnte man sogar als Platzhalter für Jesus Christus interpretieren. Dazu muss man wissen, dass G.P. Taylor, der Autor der Romanvorlage, ein anglikanischer Priester war, bevor er mit Shadowmancer einen internationalen Bestseller hinlegte. Taylors eindeutige Message machte ihn zu einem beliebten Autor in christlichen Kreisen, wird aber auf der anderen Seite auch als „christliche Propaganda“ beschimpft. Egal, welche Meinung man persönlich in Glaubensfragen haben mag: Die Botschaft wird, zumindest in der Comicversion, zu sehr mit dem Holzhammer vermittelt und ist alles andere als subtil.

 Einen positiven Eindruck machen dagegen die Zeichnungen — zumindest am Anfang. Hauptzeichner des Projekts, das im Original als 10-teilige Heftserie erschien (die dann aber noch vor dem letzten Heft eingestellt wurde und in Buchform abgeschlossen wurde), ist Pedro Delgado, von dem die ersten fünf sowie das letzte Kapitel stammen.
Dessen Stil orientiert sich stark an Vorbildern wie Humberto Ramos (u.a. Crimson, Die Offenbarung). Zwar ist Delgados Stil nicht ganz so detailiert wie der von Ramos, aber sein lockerer Strich und sein sehr dynamischer Seitenaufbau geben dem Comic den nötigen Schwung. Allerdings leistet er sich hin und wieder handwerkliche und logische Fehler: So befinden sich Personen, die im einen Panel zuvor noch an einer bestimmten Stelle gestanden haben, im nächsten Bild plötzlich woanders, und die Anordnung der Sprechblasen wirkt gelegentlich so chaotisch, dass man sich auch als erfahrener Comicleser nicht mehr zurechtfindet.

Ab Kapitel 6 gibt es einen deutlichen Bruch: Statt Delgado zeichnet Stephen Jorge Segovia. Der hält sich zwar an Delgados Charakterdesigns, kann ihm aber ansonsten nicht das Wasser reichen. Der optische Genuss wird ab Kapitel 8 weiter geschmälert, wenn zusätzlich (und schon zum zweiten Mal) der Kolorist wechselt: Waren die Farben von Eva de la Cruz und von Kieran Oats bis dahin stimmig und atmosphärisch, ist die Kolorierung von Ian Sharman schlichtweg fürchterlich: viel zu grelle Farben, zu starke Kontraste, zu wenig sanfte Farbverläufe. Spätestens hier wird aus einem mittelmäßigen Comic ein mäßiger Comic. Das letzte Drittel des Bandes hat bestenfalls noch das Niveau eines amateurhaften Fanprojekts.

Man könnte über solche Schwächen hinwegsehen, wenn die Lektüre wenigstens Spaß machen würde, oder wenn es ab und zu etwas Ironie und Augenzwinkern geben würde. Nirgends ist etwas von Liebe oder Herzblut der Macher zu spüren. Der Schattenbeschwörer-Comic ist durch und durch ein Lizenzprodukt.

Lob verdient immerhin die Tatsache, dass sich Ehapa entschieden hat, die komplette Geschichte in einem dicken Band zu versammeln, der mit Hardcover und einem schmucken Titelbild recht edel aussieht und im Verhältnis zur Seitenzahl relativ preisgünstig ausfällt. Nur leider wird der Inhalt dem schicken Äußeren nicht gerecht, und man wundert sich wirklich, wie es ein so unausgegorenes Produkt ins Programm der Ehapa Comic Collection schaffen konnte.

Schattenbeschwörer
Ehapa Comic Collection, September 2007
Nach dem Roman von G.P. Taylor
Szenario: Tony Lee
Zeichnungen: Pedro Delgado, Stephen Jorge Segovia
Hardcover; farbig; 240 Seiten; 19,95 Euro
ISBN: 3-7704-3121-9

Außen hui, innen nicht so

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Bildquelle: ehapa-comic-collection.de