Horst und sein Pony-Express I
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Oh nein! Ich bin ein Mädchen! 2. Akt, 1. Kapitel
Das 1. Kapitel des 2. Akts ist online und hier zu finden.
Musik trifft Comic: Von pornophonique zu den Kolkas
Alle Welt spricht von Radiohead und ihrem revolutionären Ansatz, ihre Musik ohne große Plattenfirma direkt im Internet anzubieten und dem Konsumenten selbst zu überlassen, wieviel er bezahlen möchte (oder ob er überhaupt zahlen möchte). Zusätzlich zum Download-Angebot wollen Radiohead mit dem Verkauf eines „wertigen“ DVD-Packages mit edler Verpackung verdienen.
Dabei ist dieses Konzept zwar neu und radikal für eine große Band, wird aber von kleineren, unabhängigen Musikern und Bands in ähnlicher Form längst praktiziert: Die pure Musik gibt es im Internet zum kostenlosen Download, daneben wird auch eine CD zum Kauf angeboten, die aber einen zusätzlichen Mehrwert bieten sollte, z.B. eine besonders hübsche Gestaltung.
Genau das ist der Fall bei 8-bit lagerfeuer, der zweiten CD-Veröffentlichung von pornophonique aus Darmstadt. Ihre Songs gibt es unter CC-Lizenz zum freien Download oder aber auf einer schön ausgestatten CD: Die kommt in einer runden Blechdose mit Sichtfenster und acht ebenso runden Coverblättern, so dass jeder sein Lieblingscover nach vorne legen kann.
Zu jedem Song auf dem Album gibt es ein eigenes Cover. Die wurden, und hier sind wir endlich beim Comicbezug, von acht verschiedenen Comickünstlern gestaltet, die für Leser dieser Website keine Unbekannten sein dürften – unter anderem sind Arbeiten von Sascha Thau, Flix, Mawil, Naomi Fearn und Joscha Sauer vertreten.
Alle Cover im Detail gibt es hier zu sehen.
Dass Duo pornophonique pflegt diverse Beziehungen in die Comic-Szene und ist mit seiner ganz speziellen Mischung aus Gitarrenpop und Gameboy-Sounds auch schon beim Erlangener Comic-Salon oder bei Lesungen und Signierstunden diverser Zeichner aufgetreten.
Einen besonderen Synergieeffekt zwischen Musik und Comic gab es beim Song sad robot, dessen Cover von Holger Hofmann stammt. Dieser steuerte nicht nur diese Zeichnung bei, sondern ließ sich von dem Lied auch für seinen neuen Comic inspirieren. Von Hofmanns Science-Fiction-Funny-Serie Die Kolkas, deren erster Band im Jahr 2000 den ICOM Independent Comic Preis erhielt, erschien bei Gringo Comics gerade der fünfte Band mit dem Titel „Red Robot“, in dem ein sehr trauriger Roboter im Mittelpunkt steht. Der Band ist auch als limitierte Auflage mit beiliegender CD-Single zu erwerben (die zwei Versionen von sad robot enthält).
Die ersten Seiten aus „Red Robot“, die direkt mit einem Songzitat beginnen, könnt ihr in unserer Leseprobe ansehen. Am besten hört ihr euch dazu den passenden Song an:
pornophonique – sad robot
Übrigens: Obwohl es bisher nur drei Bände der Kolkas gab, erscheint „Red Robot“ als Nummer 5, da es sich hier um eine eigenständige Story handelt. Band 4 ist derzeit in Arbeit und wird inhaltlich an den dritten anschließen.
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pornophonique – Offizielle Website
Die Kolkas – Offizielle Website
8-bit lagerfeuer – Das ganze Album als Gratis-Download
CD-Bestellung
“Red Robot“ bei der Comic-Combo bestellen
“Red Robot“ Limited Edition bei der Comic-Combo bestellen
Gus 1: Nathalie
Gus und seine beiden Kumpanen Clem und Gratt sind rauhe Burschen des Wilden Westens. Sie überfallen Banken, Postkutschen und Eisenbahnen in Serie, ohne gefasst zu werden. Es lebt sich gut als Gangster. Wenn da nicht die Frauen wären, denn die drei sind echte Schwerenöter mit einer sehr romantischen Ader. Und so sind nicht sie es, die die Herzen der Damen brechen, sondern eher umgekehrt.
Das Album Gus versammelt eine lange und vier kürzere Episoden dieser sehr ungewöhnlichen und sehr charmanten Westernhelden. Die Gaunereien der drei dienen dabei meist nur als Aufhänger für Geschichten von unerwiderter Liebe, verhängnisvollen Affären und mehr oder weniger gelungenen Aufrissversuchen. Unter der rauhen Schale der Banditen steckt ein weiches, sentimentales Herz — Christophe Blain erzählt davon ohne jeden Kitsch, dafür mit viel Ironie und Humor. In „Isabella“, der abschließenden und vielleicht schönsten Geschichte des Albums, entdecken die Jungs sogar einen Sinn für Häuslichkeit und „schöner Wohnen“, während einer der drei als Familienvater zum Teilzeitverbrecher auf Pendlerbasis mutiert. Damit's nicht zu harmonisch wird, darf zwischendurch aber immer wieder mal jemand abgeknallt werden.
Autor und Zeichner Christophe Blain gehört zu den Vertretern des jungen, eigenwilligen französischen Comics, die weniger Wert auf ausgefeilte, detailreiche Zeichnungen legen, dafür aber von einer unbändigen Lust am Erzählen angetrieben werden. Was dazu führt, dass diese Comicschaffenden einen extrem umfangreichen Output zustandebringen, parallel an zahlreichen Projekten für verschiedene Verlage arbeiten können und schon in jungen Jahren auf eine stattliche Liste von Veröffentlichungen kommen. Nicht nur darin ähnelt Christophe Blain seinem Kollegen Joann Sfar (mit dem er auch gemeinsam an diversen Donjon-Bänden arbeitet), auch stilistisch gibt es Gemeinsamkeiten. Ähnlich Wie Sfar begnügt sich Blain mit einem groben, skizzenhaften und sehr direkten Strich. Im Vergleich zu seiner Serie Isaac, der Pirat (ebenfalls bei Reprodukt) fallen die Bilder in Gus noch etwas roher aus, seine Figuren wirken auf den ersten Blick recht bizarr: Gus mit seiner Pinocchionase und Clem mit einer Frisur, die aussieht, als wüchsen zwei Füße auf seinem Kopf.
Blain spielt hier oft und gerne mit grafischen Mitteln, die man eher aus Kindercomics kennt: Beim Nachdenken sieht man Zahnräder in Denkblasen, aus Geldsäcken kommen kleine Sprechblasen mit Dollarzeichen, und die Gedanken der verliebten Jungs sind in rosarote Wölkchen getaucht. Zu dieser Naivität passt auch die Kolorierung von Walther mit ihren flächigen und oft sehr grellen Farben. Mit scheinbar simplen Stilmitteln wie diesen erzeugt Blain eine ganz unmittelbare Nähe zu seinen Figuren, die man als Leser sofort ins Herz schließt.
Würde Woody Allen jemals einen Western drehen, das Ergebnis sähe wohl ähnlich aus. Ein witziger, kluger und sehr charmanter Comic, der zeigt, dass zwischen Lucky Luke und Blueberry noch jede Menge Platz für etwas schrägere Geschichten ist.
Gus 1: Nathalie
Reprodukt, Oktober 2007
Text und Zeichnungen: Christophe Blain
Softcover-Album, 80 Seiten; 15,00 Euro
ISBN 13: 978-3-938511-55-8
Horst und sein Pony 45
Aliens 1
Cross Cult läutet, wie gewohnt im A5-Format mit Hardcover, mit diesem Band eine Art Best-of-Reihe der Comics um die berühmt-berüchtigen Aliens ein. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Nicht nur langjährige Aliens-Fans dürften diesen Auftakt als grandios bewerten. Dabei setzt der Verlag, ganz puristisch, auf s/w-Stories von Zeichnern, die ohne Zweifel ihre Qualitäten gerade ohne Farben voll ausspielen können.
Das Ergebnis ist dem Thema entsprechend an jeder Stelle nüchtern, fast kühl, prädestiniert also für Weltraumabenteuer und Alienkämpfe. Und auch wenn Aliens-Comics wohl nie zu den ganz großen Meisterwerken der Comicliteratur zählen werden, können die recht kurzen Geschichten, die hier zum Abdruck kamen, einem hohen Anspruch gerecht werden.
David Lloyd (V wie Vendetta) erzählt in „Glaskorridor“ von einem Killer, dessen Schicksal ihn auf die blutrünstigen Aliens treffen lässt. Als blinder Passagier auf einem Raumschiff wird er zur letzten Hoffnung für die sich in Not befindliche Besatzung.
Guy Davis' (B.U.A.P.) detailreicher Bilderrausch lässt sich im längsten Beitrag des Bandes „Überleben“ bestaunen. In einer Geschichte von Autor James Vance verwischt die Grenze zwischen Realität und Einbildung. Für Thompson, den Protagonisten, beginnt damit ein schwieriges Spiel zwischen Alien-Krieg und Familienidylle. Vance und Davis inszenieren dieses sich im Delirium darstellende Science-Fiction-Drama sehr intelligent und optisch sehr überzeugend.
In „Earth Angel“ schildert Altmeister John Byrne (u.a. Fantastic Four) die erste Alieninvasion auf der Erde in den 50er Jahren, und damit einhergehend das naive Verhalten der Bevölkerung.
Dave Gibbons (Watchmen) und Zeichner Mike Mignola (Hellboy) berichten in „Erlösung“ vom Überlebenskampf zweier Raumfahrer, die allein auf einem Planeten voller Aliens landen. Doch einer von ihnen, der gläubige Mann namens Selkirk, hat zudem mit seinem Gewissen und mit schwierigen Entscheidungen zu kämpfen.
Abgerundet wird ein gelungener und großartig zusammengestellter Band durch einen zweiteiligen redaktionellen Abschnitt, in welchem sich Peter Osteried mit der kompletten bisherigen Historie der Aliens-Filme und -Comics auseinandersetzt und sie in knapper Form aufbereitet.
Ich persönlich freue mich jetzt bereits unheimlich auf weitere Bände der Aliens-Reihe. Für 2008 sind dann u.a. Stories von Kelley Jones, Eduardo Risso und Richard Corben geplant. Entsprechende Qualität dürfte also zumindest in grafischer Hinsicht schon mal garantiert sein.
ALIENS 1
Cross Cult, Juli 2007
von Mike Mignola, Dave Gibbons, Guy Davis, James Vance, John Byrne und David Lloyd
A5, Hardcover, sw, ca. 160 Seiten; 16,00 Euro
ISBN 13: 978-3-936480-57-3

Interview mit Andi Watson (OmU)
Watson ist ein sehr vielseitiger Künstler, der sich nicht auf ein bestimmtes Genre beschränkt und sich auch zeichnerisch für jedes seiner Projekte verändert, wobei er trotzdem einen unverwechselbaren Stil entwickelt hat.
Comicgate-Redakteur Thomas Kögel traf Andi Watson auf der Frankfurter Buchmesse 2006 (Ja, das ist ein Jahr her! Sorry!) zum Interview. Ein Schwerpunkt des Gesprächs lag auf dem Spannungsfeld zwischen Kunst und Kommerz bzw. zwischen Auftragsarbeiten und eigenen kreativen Schöpfungen.
Wir bieten Euch das Interview im Original auf Englisch und übersetzt auf Deutsch an.
Für das Originalinterview bitte hier klicken – please click here for the English version.
Andi Watson, geboren 1969 im englischen Yorkshire, macht seit den frühen 90er jahren Comics. Seine Abschlussarbeit für das Graphikdesign-Studium war der Comic Samurai Jam, den er selbst veröffentlichte. Dadurch wurde der US-Verlag Slave Labor Graphics auf ihn aufmerksam, für den er bis heute diverse Comics geschrieben und gezeichnet hat (z.B. Skeleton Key und Slow News Day).
Außerdem schuf Watson Miniserien und Graphic Novels für Oni Press (Breakfast After Noon, Love Fights, Little Star) und das neue DC-Label Minx (Clubbing). Aktuell erscheint bei Image Comics Glister, ….
Neben seinen recht persönlichen Arbeiten im Indie-Bereich arbeitet Watson auch als Autor für Mainstream-Comics wie z.B. Buffy the Vampire Slayer oder Star Wars (Dark Horse).
CG: Breakfast After Noon ist dein erster Comic, der auf deutsch veröffentlicht wird. Dein Verleger Stefan Heitzmann schreibt auf der Verlags-Website , dass das deine beste Arbeit sei. Siehst du das auch so?
AW: Ääähmm… nein. Ich glaube, die letzte Arbeit findet man immer am besten, aber Breakfast After Noon ist, vom Aufbau der Geschichte her, am klassischsten strukturiert. Ich kann also verstehen, dass das befriedigender zu lesen ist. Little Star dagegen, das ich kürzlich abgeschlossen habe, war nicht so gründlich strukturiert. Das Ende war viel offener. Die Charaktere lernen nicht unbedingt etwas, es gibt keine Lektion am Ende, während es in Breakfast After Noon eine Art moralischen Subtext gibt.
CG: Aber es ist ein guter Einstiegspunkt in dein Werk, oder?
AW: Ja, ich denke schon. Es ist wahrscheinlich der beste Startpunkt, und von da aus geht es hoffentlich nicht bergab (lacht).
CG: Wenn du dir aussuchen könntest, was deine nächste Veröffentlichung in Deutschland werden soll, was würdest du wählen?
AW: Vielleicht sowas wie Slow News Day, weil das auch eher traditionell aufgebaut ist, eher wie ein Film in drei Akten, und es hat ein Happy End. Es gehört zu einem sehr zugänglichen Genre, es ist eine romantische Komödie mit Bürokram. Ich bin mir nicht sicher, wie gut sich das auf Deutschland anwenden lässt, mit der Lokalzeitung und so, inwiefern das hier Sinn ergibt. Aber wenn ich zum Beispiel an Little Star denke, da weiß ich, dass die Unterschiede zwischen den Geschlechtern in Deutschland etwas anders sind. Die Mütter bleiben in der Regel zuhause und die Väter gehen arbeiten. Also keine Ahnung, wie das zur deutschen Kultur passt. Aber ich glaube, wenn die Deutschen Hollywoodfilme gewöhnt sind und sie mögen, dann wäre etwas wie Slow News Day ein guter nächster Schritt.
[Anm. d. Red.: Inzwischen hat Modern Tales Little Star als zweiten Comic von Andi Watson auf deutsch veröffentlicht.]
CG: A propos Happy End: Breakfast After Noon hat so eine Art Happy End, kein echtes Hollywood-Ende, aber auch kein trauriges. Als ich es gelesen habe, habe ich mich gefragt, ob du vielleicht auch erwägt hast, der Geschichte ein weniger glückliches Ende zu geben?
AW: Ich denke, der springende Punkt dieser Geschichte ist, dass Rob einen Abstieg durchmacht und sich selber wieder hochziehen muss. Ich meine, wenn es mit ihm abwärts geht, und dann geht's noch weiter abwärts und das ist dann das Ende, dann ist da nicht viel emotionaler Gewinn für den Leser. Das Ende ist eine Art Auflösung, obwohl man nicht genau weiß, wie stabil ihre Beziehung letztlich ist. Wenn Rob erfährt, dass ein Kind unterwegs it, wird er davon wachgerüttelt und er wird erwachsen. Ich dachte nicht: „Wenn ich ein trauriges Ende schreibe, wäre das Buch weniger erfolgreich“, es war einfach die Art, wie die Figuren gestrickt sind: Rob lernt nicht direkt eine Lektion, aber im Verlauf der Handlung verändert er sich. Wenn er am Anfang selbstsüchtig und am Ende noch selbstsüchtiger wäre, dann gäbe es keine echte Geschichte, kein Drama, keinen Wendepunkt. Wenn er aber eine zeitlang ein egoistischer Depp ist und dann die Konsequenzen seines Verhaltens erkennt, ergibt das ein interessanteres Buch, denke ich.
CG: Du lebst in Großbritannien, machst aber den Großteil deiner Arbeit für amerikanische Verlage. Gibt es eigentlich eine nennenswerte Comicszene in England? Abgesehen von 2000 A.D., was das einzige ist, was ich kenne.
AW: Ja, das ist es so ziemlich. Es gibt einige Kleinverleger, Fanzines und Undergroundcomics. Aber wenn du als Comiczeichner oder -autor Geld verdienen musst, musst du in die USA gehen, für DC oder Marvel arbeiten und in der Regel Superheldencomics machen. Das ist der Weg für die meisten, aber so wie sich Graphic Novels gerade entwickeln, ändern sich die Dinge. Verlage wie Walker Books fangen an, Comicadaptionen von Kinderbüchern wie Stormbreaker herauszubringen. Ich denke, sie sehen einen Wachstumsmarkt und vielleicht wird es in England aufwärts gehen. Ich hoffe, dass die Verlage in britische Kreative investieren werden. Viele Verlage wie Jonathan Cape bringen einfach Neuveröffentlichungen von amerikanischen Autoren. Das verstehe ich nicht. Man will doch seinen eigenen heimischen Nachwuchs heranziehen und Leute, die über die eigene Kultur sprechen. Klar, sowas wie Palestine von Joe Sacco ist ein tolles Buch, aber ich verstehe nicht, warum man das unbedingt von einem britischen Verlag kaufen muss. Wenn die Leute es haben wollen, bekommen sie es sowieso. Ich wünschte, es würde mehr Geld im eigenen Land ausgegeben werden, so dass sich eine eigene britische Comickultur entwickeln kann.
CG: Gibt es bei der Arbeit für amerikanische Verlage Probleme, wenn sich alles quer über den Atlantik abspielt? Vermisst man persönliche Kontakte, hast du überhaupt persönlichen Kontakt zu deinen Verlagen?
AW: Bevor ich Vater wurde, reiste ich jedes Jahr zu den amerikanischen Conventions. Ich merkte, dass das wirklich was bringt. Denn wenn man sich ein paar Jahre nicht sehen lässt, dann gerät man aus dem Blickfeld und existiert nicht mehr. Die Arbeit selber funktioniert prima, alles per E-Mail und FTP, heutzutage ist sowieso alles digital. Man lädt seine Sachen hoch oder runter, da gibt es kein Problem. Aber ich glaube, persönliche Präsenz bei Conventions und Messen bringt wesentlich mehr als immer nur E-Mails zu senden. Man muss da immer wieder rüber. Selbst wenn es dich erstmal Geld kostet, es ist eine Langzeit-Investition. Man sagt „Hey, ich lebe noch, mich gibt's noch, ich arbeite noch“, anstatt einfach zu verschwinden. Die Amerikaner kommen nämlich nicht zu Conventions nach England. Dort ist die Szene sehr klein, so dass es für sie finanziell nicht sinnvoll ist. Da musst du schon selbst zu denen kommen.
CG: Kannst du uns etwas über die Unterschiede zwischen der Arbeit an Lizenzcomics — du hast u.a. Skripts für Buffy– und Star-Wars-Comics geschrieben — und deinen eigenen Schöpfungen erzählen? Ich denke, da gibt es große Unterschiede…
AW: Bei meinen eigenen Comics bin ich bis zu einem gewissen Grad mein eigener Boss. Wobei man trotzdem immer noch Deadlines einhalten muss und sowas. Bei der Arbeit an Buffy, oder an Namor, das ich für Marvel geschrieben habe, arbeitet man für einen Boss, der eine Erwartung hat, was dabei rauskommen soll. Im Grunde hast du zu tun, was man dir sagt. Man kann nicht unbedingt seine Stärken ausspielen — Namor z.B. war ein Action-Abenteuer-Comic für Jungs, und trotzdem wollten sie auch noch eine Romanze einbauen, aber das hat einfach nicht gepasst.
Es ist schwer und in kreativer Hinsicht wird man dafür nicht belohnt, aber man wird bezahlt. Das ist der Hauptgrund, es zu machen. Die bittere Wahrheit ist, dass man nur von regelmäßigen, monatlichen Serien richtig leben kann. Den Rest der Zeit muss man versuchen, die persönlichen Arbeiten mit den kommerziellen unter einen Hut zu bringen.
CG: Es gibt da ein Zitat vom Regisseur Steven Soderbergh, der sinngemäß sagte: „Einen mach ich für sie [die Hollywood-Studios], und dann wieder einen für mich“. Teilst du diese Einstellung?
AW: Ja. Ich meine ich würde lieber ständig „einen für mich“ machen, aber das ist nicht immer möglich. Man muss den Ball am Rollen halten und sicherstellen, dass man immer wieder zu seinen eigenen Arbeiten zurückkommen und an eigenen Ideen arbeiten kann. „Work for hire“ ist sehr verführerisch, es ist ziemlich angenehm, man wird regelmäßig bezahlt und so weiter. Es kann leicht passieren, dass man da reinfällt und Sachen für andere raushaut, die einem selbst nichts bedeuten und die nichts Wert sind. Man füllt halt einfach Lücken im Veröffentlichungskalender…
Es ist also ein ständiger Kampf, wenn man versucht Geld zu verdienen und sich selber auf eine erfüllende Art auszudrücken.
CG: Aber für dich scheint diese Balance zu funktionieren…
AW: Im Großen und Ganzen ja. Ich sag's nochmal, man muss zu den Conventions gehen und die Leute persönlich treffen. Und man muss zumindest so tun, als sei man total begeistert davon, Buffy the Vampire Slayer zu schreiben, auch wenn es nicht stimmt. Man muss offen für diese Art von Arbeit bleiben. Ich würde auch gerne Romane oder sowas schreiben, aber damit lässt sich auch kaum Geld verdienen, also muss ich weiterhin zu Marvel und DC gehen und um Arbeit betteln. Das macht keinen Spaß, muss aber sein.
CG: Auf dem Weg nach Frankfurt habe ich deine Graphic Novel Geisha gelesen. Dort geht es im Subtext sehr viel um das Thema „Kunst oder Kommerz“. Das scheint ein recht wichtiges Thema für dich zu sein.
AW: Ja, das ist wirklich ein sehr interessantes Thema für mich. In einem anderen Comic von mir, Love Fights, der bisher nur ins Spanische übersetzt wurde, leben die Figuren in einer Welt, in der es Superhelden gibt, die ein Copyright auf ihr Outfit besitzen. Es ist eine Welt, in der Kunst und Kommerz zusammenprallen, was ich wirklich interessant finde. Das kommt bei mir immer wieder. Da steckt eine Menge Drama drin.
In Slow News Day ist es das gleiche: Will man für eine kleine Zeitung mit einer kleinen Leserschaft arbeiten oder für ein Millionenpublikum im Fernsehen? Das ist eine tolle Konfliktquelle für Charaktere, die versuchen, sich selbst treu zu bleiben. Es wird immer bedeutsamer, denke ich, wenn man sich ansieht, wie stark die Medien globalisiert werden.
Eine Serie wie Friends verkauft sich auf vielen Märkten in der ganzen Welt. Aber dadurch wächst auch der Druck, dass es nicht zu spezifisch oder ortsbezogen sein darf, damit die Zuschauer in aller Welt es verstehen. Das ist ein interessantes Thema, und das taucht auch in Breakfast After Noon auf: Die Hauptfigur, Rob, arbeitet für eine britische Keramikfirma, aber sein Kaffeservice kauft er bei Ikea. Die Leute machen sich zu wenig Gedanken darüber, dass ihr Kaufverhalten Auswirkungen auf die Welt um sie herum hat, und im Prinzip trägt Rob selber dazu bei, dass er seinen Job verliert.
CG: Du zeichnest und schreibst ja nicht nur deine eigenen Comics, sondern schreibst auch für andere Zeichner, wie bei Paris (mit Simon Gane, SLG Publishing). Was ist der Unterschied, wenn man für jemand anderen schreibt?
AW: Für andere Künstler zu schreiben, ist sehr befriedigend, wenn man ihre Stärken ausspielt. Paris z.B. hat nur sehr wenige Panels pro Seite und es wird mehr Wert auf Details gelegt, wie Architektur oder küssende Mädchen. Mich selbst interessierte das nicht allzusehr, aber Simon wollte unbedingt sowas machen, also gab er mir einen „Einkaufszettel“ mit Dingen, die er zeichnen wollte. Den nahm ich und baute diese Dinge in die Geschichte ein. Und ja, es ist fantastisch, wenn die Seiten von Simon zurückkommen mit diesen wunderschönen Szenen in Paris, das ist einfach eine tolle Erfahrung. Das ist das erste Mal, dass ich wirklich diese Begeisterung spüre. Zuvor waren meine Autoren-Jobs nur „work for hire“ und nichts, womit ich mich persönlich verbunden fühlte.
CG: Hast du mal nach einem Skript eines anderen Autoren gezeichnet?
AW: Äääähm… (überlegt) Ja, nur Kleinigkeiten, nichts großes. Zum Beispiel in diesem DC-Comic Bizarro, einer Sammlung von Kurzgeschichten, dafür habe ich was von Evan Dorkin und ein paar anderen gezeichnet. Das ist schon interessant, denn Autoren bringen dich dazu, Sachen zu zeichnen, die du normalerweise nicht zeichnest. Wenn ich einen Comic mit einem Verkehrsstau zeichnen müsste, wäre das eine echte Herausforderung, denn ich hasse es, Autos zu zeichnen und bin auch nicht sehr gut darin. Man wird also in Gefilde gestoßen, in die man sich sonst nicht hineinwagt, und das ist gut.
Aber bei Comics sind das Tempo und das Seitenlayout derart wichtig, dass es selten eine echte Verbindung [zwischen Autor und Zeichner] gibt, außer es sind zwei Leute, die wirklich gleich ticken und die gleichen Interessen haben. Bei Paris ist das der Fall, Simon und ich mochten wirklich die gleichen Sachen: Kunst und Ingres und klassische Malerei und all das Zeug. Wir waren wirklich einer Meinung. In diesem Fall klappte es also, aber ich weiß nicht, ob es Spaß machen würde, eine Graphic Novel über einen Stau zu zeichnen. Nur Autos über Autos, verstehst du? Das kann schon interessant sein, aber ich arbeite lieber an meinem eigenen Kram, wann immer es geht.
CG: Wo wir grade beim Zeichnen sind: Fast alle deine Comics sind in schwarz-weiß. Das kann finanzielle oder auch künstlerische Gründe haben. Wie ist das bei dir?
AW: Schwarz-weiß ist viel direkter und es braucht weniger Zeit. Und wenn man Erfahrung hat, kann man mit schwarz-weiß die gleichen Effekte erzielen wie mit Farbe. Und natürlich gibt es noch den finanziellen Aspekt. Mit Farben kann man den emotionalen Ton eines einzelnen Bildes beeinflussen, aber dann muss man auch alle Panels auf einer Seite im Auge behalten und in der Balance halten. Das ist viel mehr Arbeit, da steckt viel mehr drin.
Im Idealfall, wenn ich etwas farbiges machen würde, würde ich mit einem wirklich guten Koloristen arbeiten wollen, mit dem ich auf der gleichen Wellenlänge bin. Sowas wie Hellboy, was wirklich wunderschön koloriert ist. Die Kolorierung ist hier ein Element des Storytelling. Mike Mignola arbeitet offensichtlich in schwarz-weiß, aber er hat die Farben die ganze Zeit im Kopf und weiß, wie es später auf der Seite aussehen wird. Ich bewundere die Art, wie das funktioniert, aber es schüchtert mich auch ein bisschen ein, weil es so schwierig ist.
Ich bin es gewohnt, in schwarz-weiß zu arbeiten, und bei Farbe muss man einfach mit viel mehr Dingen jonglieren, wenn man eine Seite zusammenbaut. Es ist natürlich toll, verschiedene emotionale Effekte herauszuholen, aber das bedeutet auch weitere Stunden am Schreibtisch, vor dem Computer. Aber ich denke man kann solche Effekte auch in schwarz-weiß erzielen und es dauert einfach nicht so lange, was immer ein Vorteil ist.
CG: Du hast Hellboy angesprochen. Ironischerweise veröffentlicht der deutsche Verlag [Cross Cult] die Hellboy-Comics in schwarz-weiß, weil man dort der Ansicht ist, das sähe besser aus und Mignola sie eigentlich in schwarz-weiß zeichnet. Und alle, naja nicht alle, aber die meisten Leser sind begeistert davon, sogar Mignola selbst und [der US-Verlag] Dark Horse sagen, dass es toll aussieht. Ich glaube, bei Hellboy funktioniert beides.
AW: Ja, auf jeden Fall. Ich habe seine ersten Hellboy-Episoden in Dark Horse Presents gesehen, die waren schwarz-weiß und sind fantastisch. Mike Mignola weiß einfach, wie man ein Panel ins Gleichgewicht bringt und wie man tiefes Schwarz gegen weiße Flächen einsetzt. Darin ist er brilliant. Ja, ich würde auch beides kaufen.
CG: Schau's dir an, der Stand von Cross Cult ist direkt gegenüber vom Modern-Tales-Stand…
AW: Oh toll! Dann will ich eine Ausgabe.
CG: Meine letzte Frage hat mit Manga zu tun. Manga gehört ja auch zu deinen Einflüssen, vor allem bei deinen frühen Arbeiten. Hier in Deutschland haben wir einen sehr stark getrennten Markt. Die Mangafans auf der einen Seite und die Anhänger westlicher Comics auf der anderen. Einige Verlage machen zwar beides, aber die meisten Leser lesen entweder nur Manga oder westliche Comics. Alles ist zweigeteilt, und in den USA und im UK wird es nicht viel anders sein. Ich finde das furchtbar schade, schließlich geht es immer ums Geschichtenerzählen in Form von sequentieller Kunst. Was denkst du, wie ließe sich das ändern?
AW: Ich denke, es wird sich mit der Zeit ändern. Es wird nicht sofort geschehen, aber die Kids, die jetzt Mangas lieben, werden irgendwann eigene Comics zeichnen wollen. Einige werden sklavisch Manga-Stilen folgen, aber ich glaube, viele werden verschiedene Elemente aufgreifen, aus westlichen Comics, aus der Illustration usw. Und mit der Zeit, hoffe ich, wird das nicht mehr so stark getrennt sein und zusammenwachsen. In Frankreich geht das schon los, da gibt es eine Bewegung, die gezielt mit beiden Elementen arbeitet. Für mich ist das alles visuelles Geschichtenerzählen. Der Comic ist wirklich eine universelle Sprache.
Ich kann verstehen, wenn junge Leser ziemlich hardcore sind. Das ist doch wie bei der Musik: Du hörst Heavy Metal und sonst nichts, oder du hörst ausschließlich Punkrock. Wenn die Leute älter werden, werden sie hoffentlich nicht mehr so verklemmt auf Labels, aufs Dazugehören achten. Aber egal, ich bediene mich gerne bei Bandes Dessinées und bei Manga und bei Superheldencomics. Filme, Romane, bildende Kunst, das alles steht mir zur Verfügung, das alles kann ich frei verwenden und mich davon inspirieren lassen.
CG: Was man deinen Comics auch ansieht…
AW: Danke! Ja, ich meine, man muss einfach nur die Augen offenhalten. Ansonsten bleibt man für immer in einem Stil hängen und verliert die Energie und den Enthusiasmus. Man muss dauerhaft offen für Neues sein, sonst wird man nur alt und langweilig (lacht).
andiwatson.biz: Offizielle Website mit Arbeitsproben, Blog und Interview-Links
Andi Watson bei Modern Tales: Biographie und Leseproben
Andi Watson bei Oni Press : Infos und Leseproben
Andi Watson bei SLG Publishing: Infos im SLG-Blog
Comicgate-Rezension von Breakfast After Noon
Bildquellen: Andi Watson, slgcomic.com, onipress.com, darkhorse.com, modern-tales.de. Fotos: Thomas Kögel
{mospagebreak title=Interview with Andi Watson (English)}
Englishman Andi Watson is wrting and drawing Comics for various American publishers for more than ten years, but it wasn't until 2006 that his first German translation came out: Breakfast After Noon was published by the Label Modern Tales, a comic about a young couple which ist planning their wedding, as the groom loses his job.
Watson is a very versatile artist whose work isn't restricted to a certain genre and whose style changes from project to project, although developing a distinctive personal touch.
Comicgate's editor Thomas Kögel met Andi Watson at the Frankfurt Book Fair 2006 (Yes, that was one year ago! I know I'm late, sorry!) for an interview. Among other things, they talked about the conflicts between art and commerce, between doing work-for-hire and working for one's own creative visions.
Andi Watson, born in 1969 in Yorkshire, England, started creating comics in the earls nineties.
geboren 1969 im englischen Yorkshire, macht seit den frühen 90er Jahren Comics. He made his final degree as a graphic design student with his self-published comic book Samurai Jam. This attracted the attention of US publisher Slave Labor Graphics, which published several of Watson's works ever since (e.g. Skeleton Key and Slow News Day).
Watson has also created miniseries and graphic novels for Oni Press (Breakfast After Noon, Love Fights, Little Star) and DC's new label Minx (Clubbing). Currently, Image Comics ist publishing Glister, a comic about a young girl who attracts unusual and magic occurences.
Apart from his rather personal indie works, Watson is also working as an author for mainstream comics like Buffy the Vampire Slayer or Star Wars (Dark Horse).
CG: Breakfast After Noon is your first published work in a German translation. Stefan Heitzmann, your publisher, says on his website that this is your best work. Do you agree?
AW: Uuuuhm… no. I think the latest work is maybe the best work, but Breakfast After Noon ist the most classicly structured, the way the story is put together. So I can see it's more satisfying to read, whereas the Little Star book I just finished wasn't structured as carefully. The ending was much more open. The characters don't necessarily learn anything, there's not a lesson in the end, whereas in Breakfast After Noon there's kind of a moral subtext.
CG: But it's a good point to start reading your work, isn't it?
Yeah, I think so. It's probably the best way to start, and hopefully it's not downhill from there (laughter).
CG: If you could choose a follow-up book in Germany, which one would you choose?
AW: Maybe something like Slow News Day, because again it's more traditionally structured, more like a three-act movie, and it has a happy ending. It's in a very accessible genre, it's kind of a romantic comedy with office stuff. I'm not sure how it really translates to Germany, with the local newspaper and how much that would make sense. But then, thinking about Little Star, I know that the way the gender divides in Germany is a bit different. Moms generally stay home and dads generally go to work. So I'm not sure how accessible that would be to German culture. But probably, if German people are used to watching Hollywood movies and enjoy them, then something like Slow News Day would be a good next step.
[Editor's note: Meanwhile, Little Star has been chosen to be Andi Watson's second work to be translated into German]
CG: Speaking of happy endings: Breakfast After Noon has a kind of happy ending, not a real Hollywood ending, but still not a sad ending. When I was reading it, I wondered if you considered giving it no happy ending, but a sadder one instead?
AW: I think the point of this story was that Rob goes down and then he has to pick himself back up again. I mean, if he goes down and then he goes down and that's the end, I don't think there's much emotional payoff for the reader. But I always had a kind of an unravelling ending, because you don't necessarily know how stable their relationship is in the end. It's kind of when the child comes along, it really galvanizes Rob and he kind of grows up. I wasn't thinking: „If I put a sad ending to it, it would be a less successful book“, but that was just the way I built the characters: Rob does not necessarily learn a lesson, but he changes over the course of the book. If he was kind of selfish, and then he was more selfish, then there's no real story, there's no drama, no turnaround. Whereas when he's a selfish prick for a while and then he sees the consequences of his ways, it's a more interesting book to read, I think.
CG: You live in Great Britain but you do most of your work for American publishers. Is there a notable comics scene in England, except for 2000 A.D., which is the only thing I know about?
AW: Yeah, that's really pretty much it. There's always a kind of small press, fanzine, underground thing happening. But if you want to make money drawing or writing comics, you have to go the the U.S. and work for DC or Marvel and generally do superheroes. That's the way most people do it, but the way graphic novels are taking off, things are changing. Publishers like Walker Books are beginning to produce comic book adaptations of children's books like Stormbreaker. I think they see there's a growth market and maybe things will take off in England. I hope that publishers will invest in English creators. Lots of companies like Jonathan Cape just republish American authors. I don't understand that. You want to grow your own homegrown talent and people who talk about your own culture. I understand that something like Palestine by Joe Sacco is a great book but I just don't see why you necessarily need to buy it from an English publisher. If people want it, they can get hold of it. I wish they put more money into their own grounds and really grow a comic culture within the U.K.
CG: Are there any problems for you working for American publishers when everything has to go trans-atlantic? Do you miss personal contact, or do you actually have personal contact to your publishers?
AW: Before I had a child, I used to go over to the American conventions every year. I noticed that it really pays off to do that. Because when you skip that for a few years, you kind of slip off the radar, you don't exist anymore. I mean the work itself is fine, it's all e-mail and FTP, everything is digital anyway nowadays. You just download and upload stuff, so there's no problem. But yeah, I think that putting a face, an actual physical presence at a convention, makes much more of an impact than just sending e-mails and stuff. You gotta keep going over. Even if you're losing money on the short term, it's kind of a long-term investment. „Hey, I'm still alive, I'm still here, I'm still working“ rather than just disappearing. Because the Americans don't come over to the UK conventions. It's a very small scene in the UK, so it doesn't make financial sense for them to do so. You have to go to them really.
CG: Could you tell us a little bit about the differences between working on licensed properties – you worked on Buffy the Vampire Slayer and Star Wars comics – and actual creator-owned work? I think there must be huge differences…
AW: I'm my own boss with my own work to some extent. I mean there's still deadlines and stuff that you have to meet. Working on licensed things like Buffy or Namor which I did for Marvel, you're working for a boss who has some expectations of what the work is going to be. You have to do what you're told, basically. You don't necessarily play to your strenghts — like, Namor was kind of an action-adventure comic for boys, and yet they wanted kind of a romantic story to it, but the two just don't meet.
It's hard and it's not very rewarding creatively, but you get paid for it. That's basically the reason to do it. The harsh truth is that the only way to really make a living is to write a book monthly, and the rest of the time you just have to balance your own work with commercial work.
CG: I read a quote by director Steven Soderbergh, who said something like: 'I do one for them [the major studios], and then I'll do one for me.' Can you share this attitude?
AW: Yeah, I can. I mean, I'd rather do 'one for me' all the time, but it's not always possible. I think it's just a matter of keeping your own ball rolling and making sure that you keep going back to your own work, working on your own ideas. It's very easy to be seduced by work for hire, it's reasonably comfortable and you get paid regularly and all this kind of stuff. It's easy to fall into that and just hack out work for other people that has no meaning to you and is not really of any worth. Anyway, it just fills a slot in the publishing schedules…
So it's a constant battle, trying to make a living and express yourself in a way that's fulfilling.
CG: But this balance does work for you…
AW: Generally, yeah. I mean, again, you have to keep going to the conventions and meet people face-to-face. And you have to at least appear enthusiastic about working on Buffy the Vampire Slayer even if you're not, you kind of got to keep yourself open to do that kind of thing. I mean, I'd rather write novels or something, but there's no money in that either, so basically I have to keep going back to Marvel and DC and begging for work. It's not fun, but it has to be done.
CG: On my way to Frankfurt, I read your graphic novel Geisha. In the subplot, there's a lot of „art versus commerce“ going on. I suppose this is a quite important subject for you.
AW: Yeah, I find it a really interesting subject. There's another work I did called Love Fights, which hasn't been translated so far, except into Spanish, where the characters live in a world where superheroes are real and have copyrighted likenesses. You know, this kind of world where art and commerce clash which is really interesting. I guess that comes up all the time. I think there's lots of drama there. Even in Slow News Day, it's the same kind of thing: working on a small newspaper with a small audience versus doing a sitcom with a huge audience on TV. It's always a great source of conflict for characters trying to be true to themselves. It becomes more and more relevant, I think, because the way the media becomes globalized…
Something like Friends sold in multiple markets around the world. But there's a growing pressure to not do anything too specific or too local, anything that could alienate viewers around the world. I think it's an interesting subject, a subject I touch in Breakfast After Noon: the main character, Rob, works for a British ceramics company and then he buys his cups and saucers from Ikea. People don't really put these things together in their head but what they buy has an impact on the world around them and effectively Rob helps to lose his job by doing that.
CG: Apart from writing and drawing your own books you also write for other artists, like Paris (with Simon Gane, SLG Publishing). What's the difference between writing for yourself and writing for somebody else?
AW: Writing for other artists is very satisfying when you're playing to their strengths. Something like Paris has very few panels per page and more attention to architectural details or girls kissing. It wasn't necessarily something I was interested in, but Simon really wanted to do that kind of stuff, so he gave me a shopping list of things he wanted to draw and I took those and incorporated them into the story. And yeah, it's fantastic when the pages come back from Simon with these beautiful Paris scenes, that's just a great experience. This is the first time I really got that buzz, because before that I did just work for hire as a writer and not something I was that attached to.
CG: Have you ever drawn after somebody else's script?
AW: Yeah, just small things, nothing big. Like this DC book called Bizarro which is a big collection of short stories, and I've drawn some stories by Evan Dorkin and some other people. It's interesting, 'cause writers make you draw things you wouldn't normally draw. If a writer made me draw comic strips with a traffic jam, it would be a real challenge 'cause I hate drawing cars and I'm not very good at it. So, it's good to be pushed into regions you wouldn't normally dare to go. But with comics, the pacing and the way the page is layed out are so important that it's hard to feel connected, unless it's two people who are really of the same mind and really interested in the same things. That's the case with Paris, Simon and I were really into the same stuff: art and Ingres and classical paintings and all this kind of stuff. We really agreed.
So in this case it worked, but I'm not sure how funny it would be to draw a graphic novel about a traffic jam. You know, just cars and cars… It can be interesting, but I prefer to work on my own stuff whenever I can.
CG: Speaking about drawing: almost all of your books are in black and white. Maybe for financial reasons, but maybe also for artistic reason. What are your views on colour versus black-and-white?
AW: Black and white is much more direct and it takes less time. And you can get the same effects from black and white if you have experience of working in black and white. And of course, there's the financial aspect. In colour, you can change the emotional tone of a panel by different colours, but then you have to balance all the panels on the page. It's a lot of more work, there's a lot more involved.
So, ideally, if I was gonna do something in colour, I'd like to work with a really good colourist who I'm on the same wavelength with. Something like Hellboy, which is really beautifully coloured. The colouring is a storytelling element, the way it's put together. Mike Mignola obviously works in black and white, but he has the colour all in his head, how it's gonna play out on the page. I mean, I admire the way that works but I also am somehow intimidated by how difficult it is.
I'm used to work in black and white, and it's just a whole lotta more things to juggle, putting the page together. But yeah, it's great when you can get different emotional effects but it's another couple of hours on the table, in front of your computer. But I think you can get the same effects with black and white, and it just doesn't take as long, which is always good.
CG: Ironically, speaking of Hellboy, the German publisher of Hellboy does it in black and white, because he says for him it looks better in black and white and Mignola made it in black and white. And everybody, well not everybody but a lot of people seem to be very enthusiastic about it, even Mignola himself and Dark Horse gave him feedback that it looks great in black and white. I think it works in both ways.
AW: Yeah, definitely. I've seen his work serialized in Dark Horse Presents in black and white and it's fantastic. He just knows how to balance a panel and do the solid blacks versus the areas of white. He's just brilliant at that. And yeah, I'd buy both.
CG: You can check it out, their booth is just across the floor of Modern Tales's booth.
AW: Oh, great! I'm interested in getting a copy of that.
CG: My last question is about Manga. Manga is one of your influences as well, especially in your early work. Here in Germany, we have a very divided market. There's the manga crowd and there are the other guys who like western comics and while there are a few publishers who do both, most of the readers do just read either manga or western stuff. Everything is very divided, and I think in the U.S. and in the U.K. it's similar. I think it's a tragedy, because everybody can tell good stories in sequential art. What do you think, how could we change that?
AW: I think it will change over time. It's not gonna happen immediately, but the kids who are into manga now are gonna want to draw their own comics. Some of them will just want to slavishly follow manga styles but I think many of them will start incorporating different elements, you know, western comics and illustration… And, over time, I hope it will not be as divided and the two will kind of merge together. That's what happened in France a bit, there's a movement where they specifically take both elements. But to me, it's all visual storytelling. Comics is really a universal language.
I can understand younger readers being kind of very hardcore. It's like music, you know: you listen to heavy metal and you don't listen to anything else, or you just listen to punk rock. I think when people get older, they'll be hopefully less uptight about labels and belonging to something. But anyway, to me there's something to take from bandes desinees and from manga and from superhero comics. Movies and novels and fine arts and painting, it's all there to take, it's all free to use and be inspired by.
CG: It shows off in your work…
AW: Thanks! Yeah, I mean, you just gotta keep your eyes open. Otherwise, you'll end up drawing in one way forever and you'll lose the energy and the enthusiasm for it. You just gotta be constantly open to new things, otherwise you just grow old and boring (laughter).
andiwatson.biz: Andi's official website
Andi Watson at Oni Press : Information and previews
Andi Watson at SLG Publishing: Blog entries about Andi's comics
Andi Watson at Modern Tales: Information and previews (in German)
Image sources: Andi Watson, slgcomic.com, onipress.com, darkhorse.com, modern-tales.de. Photographs: Thomas Kögel
Horst und sein Pony 44
Messe am Draht – Live von der Frankfurter Buchmesse 2007
Wieder mal ist Comicgate auf der Frankfurter Buchmesse unterwegs.
Insgesamt fünf Mitglieder des CG-Teams werden über die fünf Messetage verteilt vor Ort sein und aus dem Comic-Zentrum berichten. Fotos, Meldungen und persönliche Eindrücke findet ihr ab Mittwoch in unserem Messeblog “Messe am Draht“.
Wer die Einträge lieber in seinem RSS-Reader lesen möchte, bekommt auch einen XML-Feed dazu.
Update: Wir haben eine kleine Bildergalerie mit Eindrücken von der Messe erstellt.
The Red Star 2 – Nokgorka
„Wirf die Gläser an die Wand, Russland ist ein schönes Land, ho, ho, ho, ho, ho, hey!“ So sangen einst Dschingis Khan im Jahre 1979. Ralph Siegels Tanztruppe hatte offensichtlich eine Schwäche für den Wilden Osten. Bei Comic-Mastermind Christian Gossett und seinem Team dürfte das ähnlich sein. Mit The Red Star schufen sie einen Comic, der optisch und inhaltlich aus russischen Brunnen schöpft. Die Serie ist eine anspruchvolle Komposition aus Bleistiftzeichnungen und 3D-Computermodellen. Der zweite Band „Nokgorka“ erschien im August bei Cross Cult.
Als im Januar 2007 der erste Band von The Red Star veröffentlicht wurde, dachte schon so mancher Leser und Rezensent: Wow, ist das ein Brocken! Die Geschichte über „Die Schlacht vor Kar Dathras Tor“, über die Kriegszauberin Maya Antares, ihren Ehemann Markus und seinen vermeintlichen Tod nahm knapp 170 Seiten ein. So zauberte Cross Cult einen Comic-Band, dessen Äußeres seinem Inhalt entsprach: groß, gehaltvoll und pathetisch. Der zweite Band „Nokgorka“ ist noch einmal runde 40 Seiten dicker als der erste. Es gibt wieder einen ansehnlichen Textteil (Einführung, Infos über die Macher sowie ein Lexikon), allerdings liegt die Hauptschuld für den Zuwachs bei einem Kapitel mehr. Der Nokgorka-Zyklus ist nämlich ein Heft länger.
Seit der Schlacht vor Kar Dathras Tor sind sieben Jahre vergangen. Die Vereinigten Republiken des Roten Sterns sind am kränkeln. Das Imperium zerfällt allmählich. Trotz der anhaltenden militärischen Stärke versuchen immer wieder kleine Teile der Republik, die Unabhängigkeit zu erlangen. So auch Nokgorka, ein frostiger Landstrich, in dem die Menschen stolz und kühn sind. Vermittelt wird der ungleiche Kampf durch die junge Soldatin Makita. Obwohl beinahe noch ein Kind, ist sie schnell, zäh und zu allem entschlossen. Auf der anderen Seite der Front folgt man bereits bekannten Figuren. Sowohl die Kriegszauberin Maya Antares als auch die Schleicher-Kapitänin Alexandra Goncharova sind wieder mit von der Partie.
Inhaltlich geht es zweigleisig zu. Auf der einen Seite wird die Schlacht um die Provinz Nokgorka geschildert, auf der anderen Seite spielen Einzelschicksale eine Rolle, die – so sagt eine Prophezeiung – eng mit dem Schicksal des ganzen Landes verwoben sein sollen. Die Leser sehen also nicht nur futuristische Schlachtschiffe, Riesenpanzer und Explosionen, sondern erleben die Handelnden auch in Naheinstellung.
Merkwürdigerweise gelingt es den Machern von The Red Star, Pathos zu erzeugen, ohne dabei lächerlich zu wirken. Das ist eine Seltenheit. Oft wirken Großereignisse in amerikanischen Comic-Serien überzogen, albern und unglaubwürdig. Wie gelingt The Red Star dieser Kunstgriff? Sicherlich trägt die persönliche und dichte Darstellung der Hauptfiguren dazu bei, den Pathos ins rechte Licht zu rücken. Die Leser erfahren ganz unmittelbar von den Sorgen, Ängsten und Nöten der Protagonisten. Obwohl in dieser Serie mächtig geprotzt wird, sind die Figuren verletzliche Wesen, keine Superhelden.
Aber es kommt noch etwas anderes hinzu, um zu erklären, warum der Pathos nicht lächerlich wirkt. Bei aller Gigantomanie ist den Machern von The Red Star immer bewusst, dass für die Entstehung eines Imperiums wie der V. R. R. S. viele unschuldige Menschen leiden mussten. Mit der Freiheit des Individuums ist es nicht weit her. Das Großreich ist nicht glatt und glänzend, sondern hat Risse. Deutlich wird das zum Beispiel, wenn Maya von ihrer Freundin darauf hingewiesen wird, dass sie ein illegales Buch liest. Oder wenn ein Luftmarshall auf eigene Truppen Feuer regnet lässt, um in den Straßenschluchten nebenbei ein paar Gegner zu töten. Oder wenn der gute Geist Pravda davon spricht, wie nach der Revolution – der Geburtsstunde des Imperiums – Millionen Revolutionskämpfer von der Regierung in die Eiswüste geschickt wurden, weil ihre aufsässigen Stimmen zum Schweigen gebracht werden sollten. Bei solchen Rissen bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Der Pathos kommt beim Leser an, weil ihm kein Wolkenschloss vorgesetzt wird. Was gezeigt wird, ist eine Diktatur, die sich trotz der phantastischen Elemente so echt anfühlt, als wäre sie real. Das Thema von The Red Star ist eigentlich nicht mehr und nicht weniger als der Kampf zwischen dem Individuum und dem System. Anspruchsvoll, möchte man sagen. Aber wer einfache Kost bevorzugt, kann ja Schlager hören. Ho, ho, ho, ho, ho, hey!
The Red Star 2 – Nokgorka
Cross Cult, August 2007
Text: Christian Gossett/Bradley Kayl
Zeichnungen: Christian Gossett
Kolorierung: Snakebite
3D-Gestaltung: Jon Moberly/Paul Schrier
Übersetzung: Christian Langhagen
214 Seiten vierfarbig Hardcover; 26,- Euro
ISBN 9783936480504
www.cross-cult.de
www.theredstar.com

