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Mumins 1

Cover Mumins 1Der Berliner Verlag Reprodukt überrascht mal wieder und nimmt mit der jetzt gestarteten Mumins-Gesamtausgabe einen wirklichen Klassiker in sein Programm auf. Ursprünglich wurden der Troll Mumin und seine Freunde von ihrer Schöpferin, der finnisch-schwedischen Künstlerin Tove Jansson, als Kinderbuchfiguren erschaffen. Deren Popularität führte aber auch zu einer Serie von Comicstrips, die ab 1954 in der englischen Zeitung „The Evening News“ erschienen. Die kompletten Strips aus den 50ern legt Reprodukt jetzt erstmals komplett in hochwertigen HC-Alben auf.

Die bis heute erfolgreichste Comicreihe Finnlands scheint auch deutschen Lesern zu gefallen, immerhin war knapp zwei Monate nach Veröffentlichung die erste Auflage von Mumins 1 bereits nahezu vergriffen.

Beispielseite aus Mumins 1Kein Wunder, dem Charme des verschrobenen Mumintals ist man leicht verfallen. Janssons Geschichten faszinieren trotz simpler Ausgangslage durch unvorhergesehene Wendungen und einfallsreicher Dialoge.

Aber wer oder was sind diese nilpferdähnlichen Mumins eigentlich? Kurzum, eine so exzentrische wie liebenswerte Familie, in deren Mittelpunkt der Troll Mumin steht, ein liebevolles, naives Wesen. Zusammen mit seinen Angehörigen oder im Team mit seinem besten Freund Schnüferl gerät er in verzwickte Situationen und lässt sich zu allerlei Dummheiten hinreißen. Die Mumins schlittern von einem Abenteuer ins nächste, die vier Geschichten der ersten Ausgabe führt sie u.a. in die Hände eines Räubers, auf eine einsame Insel und an die Riviera.

Beispielseite aus Mumins 1In schwarz-weißen Zeichnungen gelingt es Tove Jansson immer wieder hervorragend, den subtilen Humor ihrer Stories zu transportieren. Die niedlich-anrührende Mumin-Gesellschaft unterbricht sie mit skurrilen Momenten, wodurch ihr Werk automatisch auf eine erwachsenere Ebene gestellt wird.

Der erste Band der Mumins-Gesamtausgabe bietet zeitlosen Comicgenuss, der damals wie heute ungewöhnlich und experimentierfreudig genug erscheint, um sich selbst ein Bild von der Eigenart der Mumins-Erzählungen machen zu müssen. Reprodukt trägt dieser bezaubernden Comicreihe gebührend Rechnung, das Album wirkt unter anderem durch den Leinenrücken recht edel. Da kann man sich wirklich auf die nächsten vier geplanten Bände in gleicher Qualität freuen – Band 2 ist für den Juni 2009 angekündigt.

 

Mumins 1
Reprodukt; November 2008
Text/Zeichnungen: Tove Jansson
96 Seiten, schwarzweiß, Hardcover; 24,- Euro
ISBN 978-3-941099-04-3
Leseprobe auf reprodukt.com

zeitlose Comicstrips mit Charme

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Mumins © Tove Jansson, der dt. Ausgabe Reprodukt

From Hell


cover_from_hellDüstere Grüße einer finsteren Seele!

From Hell ist mit 600 Seiten nichts für Leute, die Comics verschlingen wollen, weil ihnen Bücher zu dick sind. From Hell ist goldrichtig für alle, die ein Werk in aller Ruhe genießen und mit Schauer bis zum bitteren Ende verfolgen wollen  – vom Anspruch, Spannung und Historizität vergleichbar mit Umberto Ecos Der Name der Rose im Comicformat! Neun Jahre haben der Engländer Alan Moore und der Schotte Eric Campbell daran gearbeitet, dafür recherchiert und wieder überarbeitet.

Alfred Hitchcock soll gesagt zu haben, dass die einfachste Erzählweise die sei, die Spannung darauf zu legen, wer denn nun der Mörder sei, wie in den typischen Who's-done-it-Movies. Moore macht dem Meister des Suspense Ehre, wenn er die Identität des Mörders der fünf Freudenmädchen im viktorianischen London 1888 und seiner Hintermänner sofort offenlegt. Spannung und Grusel bauen die Verfasser mit den weiteren Ereignissen auf. Hitchcock hätte an From Hell seinen Schauer und seine Freude gehabt! Gänsehaut stellt sich auf beim Blick in die Abgründe, die sich in der viktorianischen Gesellschaft auftun, sei es im Königshaus, der ehrenwerten Gesellschaft der Freimaurer, sei es bei der Polizei oder bei den (ganz modernen) reißerischen Medien, die alle gekonnt ihren Gewinn aus den bestialischen Morden an den fünf Londoner Frauen ziehen (wollen). Moore stellt die beteiligten Personen so sorgfältig und in ihren Beziehungen verästelt vor, dass allen, auch den scheinbaren Randfiguren in diesem morbiden Spiel, Leben und Plastizität eingehaucht wird, jede Figur hat ihren eigenen Sprachduktus und ihre individuelle Biografie. Und gerade diese authentische Lebendigkeit schafft dann die verstörenden und grausamen Momente; auch, weil niemand aus reiner Boshaftigkeit erpresst, mordet, lügt, sondern seine Wahlmöglichkeiten innerhalb seiner sozialen Zwängen auswählen muss oder sein Tun an seinem kollektiven Ehrkodex ausrichtet.
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Nebenbei: Die Verfilmung „From Hell“ mit Johnny Depp hat all dies Herausstechende weggelassen und versucht, einen klassischen Krimi in diesem Szenario zu bieten, was reichlich misslungen ist und der Comic-Vorlage überhaupt nicht gerecht wird.

Die Ermordeten sind normale Frauen aus dem Arbeitermilieu, einige verheiratet. Sie verdienen ihr Geld fürs Mittagessen und die nächtliche Unterkunft auf die ihnen zugängliche Weise. Und wenn die Erträge aus dem Pflegejob nicht ausreichen und die Herberge keinen Rabatt gewährt, dann müssen sie wieder auf die nebligen Straßen Londons, um sich bezahlen zu lassen, um selber bezahlen zu können. Manchmal reicht die Einnahme nur für den Gin, mit dem man das gerade Erlebte wegspült. Soziale Unterschiede der Akteure verdeutlicht Moore zusammen mit Campbell effektvoll zum Beispiel durch die Parallelisierung des geordneten Tagesbeginns des gutsituierten Dr. William Gull mit dem mühevollen Abrackern der Prostituierten Marie Kelly, die in unterschiedlichen Stilen per Federstrich die Weichheit und Härte der beiden Leben gegenüberstellt (vgl. Abbildung). Der harte, krakelige Strich bleibt dabei die hauptsächliche Zeichentechnik für das Buch. Die Empfänglichkeit der armen Schichten für kleine Aufmerksamkeiten seitens der Oberschicht und die Verletzlichkeit des täglichen Lebens wird in der Begegnung mit dem Mörder zu einem morbiden Spiel der Ungerechtigkeit.

from_hell_bsp2Die Arrangements der Seiten, die oft mit mehreren Querverweisen durch Aufbau und Gestaltung durchzogen sind, machen die Lektüre streckenweise zum grandiosen Genuss (auch dazu ein Beispiel bei den Abbildungen). Die viktorianische Umgebung ist authentisch ihrer Zeit nach erzählt, allerdings deutlich um freimaurische Elemente und einen mythologischen Frau-Mann-Konflikt erweitert. Der zu dieser Zeit gesellschaftsfähige Rassismus wird nicht beschönigt, wenn Indianer (heute: Native Americans) von „Buffalo Bills Wild-West-Show“ verdächtigt werden („In Anbetracht der Barbarei des Verbrechens, könnte kein Engländer …“) oder der Verdacht sofort auf Juden fällt (“Verfluchte Juden. Verflucht typisch. Ich wüsste, was ich täte.“) – während dem Leser der wahre Mörder bekannt ist.

Ein übel aufstoßender Wermutstropfen: Moore leitet Kapitel 8 kommentarlos mit einem Hitlerzitat aus dessen nationalsozialistisch verblendeter Dummheit ein. Diese Sorte Würgen hätte ich mir in From Hell gerne erspart.

from_hell_lp3Im Anhang beschreibt Moore kapitelbezogen, welche Recherchen ihn zu dieser Darstellung bewogen haben, erläutert Hintergründe und Zeitgeschehnisse, gesteht seine Interpretationen ein und gibt die Quellen an. Keine Sorge! Dieser Anhang ist nicht zwingend notwendig, um die Geschichte beim ersten Lesen zu verstehen. Aber erst mit einem vertiefenden Einblick in diesen Hintergrund ermisst man die mühsame Recherche und fast besessene Kleinarbeit und unermüdliche Detailtreue, die in den Darstellungen und den Verlauf der Story von Moore und Campbell gesteckt wurden: selbst die Bäckerei auf der Straßenseite gegenüber eines Schauplatzes entspricht den historischen Gegebenheiten, Lieder sind der Zeit entnommen, nur hin und wieder zur besseren Verständlichkeit moderne Sprachentwicklungen einbezogen. Auf welchem Niveau Moore mit seiner Interpretation der Jack-the-Ripper-Morde diskutiert, entzieht sich meiner Fachlichkeit, aber gewiss lohnt sich für Kenner der Materie auch hier die ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Beitrag aus dem Comic-Genre.

Auf Deutsch als Softcover bereits 2004 bei Speed Comics erschienen, ist die Aufmachung von Cross Cult beinahe makellos: Hardcover, die schwere 600 Seiten fassen, feines Druckbild und ein Einlegebändchen zum angemessenen, aber freilich stolzen Preis. Leider klebten bei meiner nagelneuen Ausgabe etwa 100 Seiten an einigen Stellen aneinander, so dass dort jetzt unschöne Flecken zurückgeblieben sind. Da der Verlag bekannt ist für seine Kulanz beim Umtausch, sollte dies aber für Käufer, die fehlerhafte Exemplare erwischt haben, kein Problem darstellen.

Fazit: Ein Comic, der unversehens in den Bann zieht. Und dies gewiss noch bei der zweiten und dritten Lektüre.

From Hell
Cross Cult, Dezember 2008
Text: Alan Moore

Zeichnungen: Eddie Campbell; mitwirkender Zeichner: Pete Mullins
ca. 600 Seiten, s/w, Hardcover mit Einlegeband; 49,80 Euro
ISBN: 978-3936480535

Leseprobe auf cross-cult.de
Der „Der Name der Rose“ unter den Comics – ein Meisterwerk!

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From Hell © Alan Moore und Eddie Campbell, der dt. Ausgabe Cross Cult

Frank 1

 Es passiert nicht mehr oft, dass junge deutschsprachige Comic-Enthusiasten ihre eigenen Projekte auf eigene Faust als Heftserie veröffentlichen. Jetzt haben zwei Österreicher diesen Schritt gewagt: Frank (oder, wie es in der Originalschreibweise heißt: {FRANK}) erscheint als schwarz-weißes Heft im US-Format, und erzählt eine Geschichte, die zunächst wie ein klassischer Noir-Krimi daherkommt, später aber eine andere Richtung einschlägt …

Hinter Frank (Untertitel: Jeder trägt seinen eigenen Fluch) stehen zwei Wiener: Autor Erik R. Andara und Zeichner Christian Schreiner, beide Anfang 30. Ihr erstes Heft druckten sie in einer kleinen Auflage von 250 Stück. Die waren jedoch bald ausverkauft, so dass eine zweite Auflage nachgeschoben wurde. Frank ist der Name eines Privatdetektivs, der im New York des Jahres 1949 einen Auftrag von einer schönen und reichen Frau annimmt. Der scheint harmlos zu sein, es geht um Seitensprünge und Beweisfotos, doch bald dämmert Frank, dass er hier in etwas Größeres geraten ist: Es dauert nicht lange, bis die erste Leiche auftaucht, es stellt sich heraus, dass Frank Teil eines schwer durchschaubaren Intrigenspiels geworden ist, und dann wird der Detektiv auch noch von der Polizei verhaftet.

 Der Comic beginnt mit Frank im Gespräch  mit einem Psychiater, von wo aus die Geschichte dann in Rückblenden erzählt wird. Die Zeitsprünge, die so entstehen, lassen die an sich geradlinige Story komplexer und interessanter werden. Allzu leichte Kost möchte Frank nicht sein: Vieles bleibt rätselhaft, manches wird nur angedeutet und erstmal nicht vollständig erklärt. Auch die Zeichnungen sind eher sperrig, auf den ersten Blick wirken sie vielleicht sogar ungelenk. Aber Erik R. Andara verfolgt durchaus einen individuellen, ziemlich kantigen Stil, der manchmal an Holzschnitte erinnert und gut zur Stimmung der Geschichte passt. Regelmäßig gibt es wortlose Passagen, in denen Andara viel mit Close-Ups arbeitet: Der Leser sieht kleine Details und darf sich das große Ganze selbst zusammenreimen.

Die meiste Zeit über ist das erste Frank-Heft ein Hard-Boiled-Krimi mit allen Zutaten, die das Genre braucht: ein einsamer Ermittler, der durch die dunkle Stadt streift, zwielichtige Charaktere mit unklaren Absichten und die unvermeidliche Femme Fatale, schön aber gefährlich. Mit den letzten Seiten ändert sich jedoch die Stimmung: Ein mystisches Artefakt taucht auf, die bis dahin bodenständige Geschichte wird um ein übersinnliches Element erweitert. Ob dieses Element der Story guttut, lässt sich nach dem ersten Heft noch nicht mit Sicherheit sagen, es zeigt jedoch, dass Schreiner und Andara nicht allein auf ausgetretenen Genre-Pfaden gehen, sondern Neuland betreten wollen, eher in die Richtung eines Mystery-Thrillers. Dort ist natürlich auch die Gefahr größer, sich in mystischem Hokuspokus zu verlieren.

 Dass die Ambitionen der Macher über pure Comic-Unterhaltung hinausgeht, zeigt sich auf deren Homepage: Sie verstehen ihre Miniserie als Kunstprojekt, dem sie vier Verfremdungsebenen mitgeben. Eine ungewöhnliche Form der Publicity, die den Comic mit einer Bedeutungsschwere auflädt, die er gar nicht braucht. Den Lesern können Verfremdungsebenen egal sein, denn der Auftakt zum auf vier Teile angelegten Werk ist insgesamt gelungen: Wenn man sich mit dem ungewohnten Zeichenstil anfreunden kann, ist das Interesse schnell geweckt und man wird wissen wollen, wie es weitergeht. Im April 2009 soll es soweit sein.

{FRANK}: Jeder trägt seinen eigenen Fluch, Nr. 1 von 4
Eigenverlag, September 2008
Text: Christian Schreiner

Zeichnungen: Erik R. Andara
Heft; schwarz-weiß; 34 Seiten; 4,- Euro

Noir-Krimi mit Mystery-Schlagseite

Bezugsmöglichkeiten und weitere Infos unter www.frankcomic.at

Jahrhundert der Comics – Die Zeitungs-Strip-Jahre

 Jahrhundert der Comcis – Cover Im ostwestfälischen Bielefeld gastiert noch bis zum 5.April 2009 die Ausstellung „Jahrhundert der Comics – Die Zeitungs-Strip-Jahre“ (s. unseren Hinweis in der Welt am Draht). Dabei zeigt das Museum Huelsmann unter Leitung von Kurator Dr. Alexander Braun frühe amerikanische Zeitungs-Strips, die so bisher in Deutschland noch nicht zu sehen waren. Die Sammlung, die fast ausschließlich aus dem Privatbesitz des Kurators selbst stammt, führt den deutschen Leser in eine Welt der Zeitungscomics ein, die eigentlich als Wegwerfkultur gedacht war. Ein gern gesehener Begleiter jeder Museumsausstellung – hat man selbige nun besucht oder auch nicht – ist immer der entsprechende Katalog zur Ausstellung. Auf den bebilderten Seiten des stattlichen Folianten findet der Leser neben Reproduktionen der Exponate einen unerlässlichen Fundus an Informationen über die frühen Strips und deren geschichtlichen Kontext. Im Fall dieses begleitenden Katalogs geht jedoch das gedruckte Wort in all seiner Fülle über die Kraft der ausgestellten Bilder hinaus.

Zunächst erfüllt der Katalog gehorsam seine Aufgaben: Auf 240 Seiten werden den Besuchern der Ausstellung, aber auch allen, die es nicht nach Bielefeld geschafft haben, noch einmal alle Exponate in bestechender Qualität vorgeführt. Dazu gehören Originalzeichnungen von Walt Kellys Pogo, aber auch sehr selten gezeigte Strips von Charles Forbells Naughty Pete. Ebenso wie in den Ausstellungsräumen des Museums Huelsmann führt Alexander Braun auch im Katalog chronologisch durch die Zeitgeschichte der amerikanischen Zeitungs-Strips. Von Pionierjahren des Strips über die Familien- und Abenteuer-Strips begleitet der Leser sowohl die Geschichte des Mediums als auch die der Vereinigten Staaten von Amerika.

 Walt Kelly – PogoSo dient der Katalog „Jahrhundert der Comics – Die Zeitungs-Strip-Jahre“ nicht nur als bloße Sammlung von Ausstellungstücken, sondern als Handbuch zur amerikanischen Historie. Braun erläutert dabei, warum der Zeitungs-Strip gerade im New York der Einwanderungszeit, im amerikanischen Schmelztiegel, solche Popularität erfahren hat und auch wie der erbitterte Kampf der Zeitungsmogule Pulitzer und Hearst die Produktion von Comics immer wieder aufs Neue angetrieben hat. Der Strip dient dabei dem Zeitstrahl nicht nur als treuer Begleiter, sondern wie im Fall von Walt Kellys Pogo als kritischer Beobachter der Geschehnisse. Zusätzlich zu den Bildbeispielen fügt der Autor genauste Erläuterungen selbiger hinzu, wie z.B. der Tatsache, dass das anthropomorphe Schwein in Pogo den russischen Ministerpräsidenten Nikita Chruschtschow verkörpern soll.

Während Terry and the Pirates von Milton Caniff und Blondie von George McManus so zu einem festen Bestandteil der amerikanischen Populärkultur geworden sind, untersucht Braun  jeden der dargestellten Künstler in einem gesonderten Kapitel äußerst fachmännisch: So finden sich neben den Kin-Der-Kids-Strips auch Lyonel Feiningers berühmtere Werke wie Die Kirche von Mellingen.  Lyonel Feininger – Kirche von MellingenErst durch die Gegenüberstellung von Kunst und Comic schafft Braun ein Verständnis für die Parallelen, welche die Künstler in ihren Strips nutzen, aber auch erst erzeugen. So datiert George Herrimans Krazy Kat das skurrile Theater eines Samuel Beckett vor, Alex Raymonds Agent X-9 stellt das verlorene Bindeglied zwischen den pulp magazines von Dashiell Hammet und den berühmten Film Noir-Klassikern dar. Der Zeitungs-Strip wird unter der Feder von Braun zu einer lebendigen Kunstform, die sich gerade aufgrund ihrer Ausnahmestellung bei jeder anderen Kunstform bedient, diese aber gleichzeitig durch neue Innovationen selbst bereichert.

Spricht man also über das Buch „Jahrhundert der Comics – Die Zeitungs-Strip-Jahre“ ist der Begriff „Katalog“ sicherlich die falsche Bezeichnung; vielmehr hat sich Dr. Alexander Braun damit in die Comicforschung eingeschrieben und bietet seinen Lesern ein unschätzbares Handbuch für den Umgang mit amerikanischen Comic-Strips. Für jeden Freund der bunt bedruckten Zeitungsstrips lohnt sich diese Investition jedoch.

Mehr zur Ausstellung findet Ihr hier im Bericht bei tagesspiegel.de.

Jahrhundert der Comics – Die Zeitungs-Strip-Jahre
Huelsmann Stiftung
Text: Dr. Alexander Braun

Hardcover, farbig, 243 Seiten; 30,- Euro
ISBN: 978-3-9812373-0-6

Universelles Handbuch über Comic-Strips

Bezugsmöglichkeiten:
Bestellt werden kann der Band direkt beim Museum Huelsmann, beim Comicladen Grober Unfug  oder  bei  der Galerie Laqua (Weitere Hinweise gerne über unser Kontaktformular).

Zur Ausstellung:
Die Ausstellung in Bielefeld endet am Sonntag den 5. April. Anschließend wird sie vom 24. April bis zum 12. Juni im RWE Tower in Dortmund zu sehen sein (Mo-Fr von 9.00 bis 18.00 Uhr, Eintritt frei, an Wochenenden geschlossen). Die vorerst letzte Möglichkeit einen Blick auf die amerikanischen Zeitungs-Strips zu werfen, bietet sich vom 5. September bis zum 20. Dezember in der Galerie der Stadt Remscheid.

Engel

 In der beschaulichen Gemeinde von Sankt Eustachius halten sich gleich mehrere Schutzengel auf, zwei von ihnen sind die Freunde Jeliel und Yesod. Nach dem Selbstmord eines ihrer Schützlinge und der Übernahme des hiesigen Priesters durch eine dämonische Präsenz, werden die beiden jedoch zusammen mit dem in dieser Zeit neu geborenen, weiblichen Engel Om nach Notre-Dame strafversetzt. Dort angekommen, müssen sie an vorderster Front in den Krieg gegen die dämonischen Armeen eingreifen. Der Ausbruch aus diesen Kriegswirren gelingt dem Trio aber recht schnell, als sie zu Sonderermittlern ernannt werden, um ungewöhnliche Vorkommnisse in einem Mädchenpensionat in der Bretagne zu untersuchen. Jeliel, Yesod und Om landen schließlich im feindlichen, dämonischen Heimatreich und begeben sic auf eine gefährliche Mission…

Engel ist ein unterhaltsamer Fantasy-Comic in drei Kapiteln. Die drei in diesem Gesamtband enthaltenen Originalalben führen die drei Protagonisten in unterschiedliche Szenarien, was eine charakterliche Entwicklung innerhalb der Handlung bedingt: Von unbedarften Schutzengeln werden sie zu Soldaten in einer Schlacht gegen das Böse und entpuppen sich schlussendlich als Schlüsselfiguren für den erhofften Ausgang des Konfliktes zwischen Engeln und Dämonen.

Szenarist Dieter gelang ein fantasievoller Comic mit deutlich überwiegenden Funny-Elementen, ohne aber zu sehr auf Situationskomik zu setzen, sein Humor ist eher subtilerer Natur. So ganz ernsthaft kommt die Geschichte um Jeliel, Yesod und Om also nicht daher, was vor allem in den amüsanten Momenten,  in denen die drei sich mit ihrem vorgesetzten Erzengel auseinandersetzen müssen, einen starken Ausdruck findet. Die Bilder von Zeichner O.G. Boiscommun passen perfekt zu dieser unbeschwerten Art des Erzählens. Mit viel Liebe zum Detail und einer beeindruckenden Kolorierung verleiht er dem Band letztendlich auch seinen besonderen Charme.

Engel ist der dritte und neueste All-in-one Comic von Ehapa, und es ist auch der bislang empfehlenswerteste. Preislich liegt er auf gleicher Höhe wie die anderen Ausgaben, nämlich bei stolzen 39,95 Euro. Natürlich muss man bedenken, dass man für diesen Preis sozusagen gleich drei Alben in einem bekommt, warum jedoch Engel trotz ca. 24 Seiten geringerem Umfang als Hell's Kitchen und mit ca. 25 Seiten mehr als Die Chroniken von Centrum genau den selben Verkaufspreis hat, erschließt sich mir nicht so wirklich.

 

Engel
Ehapa Comic Collection, Januar 2009
Text:
Dieter
Zeichnungen: O.G. Boiscommun
Hardcover; farbig; 168 S.; 39,95 €
ISBN: 978-3-7704-3236-3

toller Fantasy-Comic

 

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Xoth! – Die unaussprechliche Stadt

Cover von XothNach einem trinkfreudigen Abend wird der jugendliche Loser Jacop O‘ Damsel in einer Hintergasse von einem Dimensionsschlürfer entführt. Wieder bei Sinnen, findet sich Jacop in der unaussprechlichen Stadt Xoth wieder, ein Ort voller unbekannter Wesen. Verfolgt vom monströsen Bürgermeister Cthulhu und verehrt von einer humanistischen Sekte bestehend aus kleinen Fischlein versucht er sich zurechtzufinden und Antworten zu bekommen. Die liefert ihm vornehmlich das freundliche Ziegenmädchen Yen-Niggurath, welches Jacop O‘ Damsel auf seiner Erkundungstour begleitet.

Seite aus XothXoth!-Die unaussprechliche Stadt ist ein fantasievoller Comic, der sich dem Werk von H.P. Lovecraft auf humoristische Weise nähert. Es ist Anna-Maria Jungs erste längere Comicgeschichte – dass die Österreicherin dabei ihrem Hang zu verschrobenen Inhalten weiterhin nachkommt, versteht sich von selbst. So ganz von einem Debut kann man hier aber nicht sprechen, immerhin hat sie bereits in einem One-Pager Kafkas „Das Schloss“ adaptiert (zu finden in der Anthologie „50-Literatur gezeichnet“), erzählte eine autobiografische Episode in Panik Elektro und beschäftigte sich mit Hitlers Genmaterial (in „Urbanity“). Aufmerksame Comicgate-Leser dürften sie zudem als Gewinner des Goldenen Spacken 2006 und aufgrund ihrer absurden Comicbeiträge für das Comicgate-Magazin 1 und 3 kennen. Mit Xoth! entstand nun also ein 74-seitiges Werk von ihr, das sich durchaus sehen lassen kann.

Seite aus XothAuf Basis des Cthulhu-Mythos, der von Lovecraft erschaffen wurde, und mithilfe der Beschäftigung mit dem Thema anhand ihrer Diplomarbeit entwickelte Anna-Maria Jung eine ganz eigene Welt; wenn man so will ihre eigene Interpretation der Lovecraftschen Horrorwelt. Ihre Stadt Xoth ist bevölkert von skurrilen, niedlichen, charmanten und vor allem lustigen Figuren Hier sind die Bösen auch noch nicht allzu böse, weswegen der Held Jacop O‘ Damsel auch nach tollpatschigem Durchstreifen der Story in der Lage ist, irgendwie über sich hinaus zu wachsen.

Seite aus XothJungs Comic verspricht in jedem Fall Kurzweile. Die Handlung versteht es auf clevere Weise mit Klischees und stereotypen Abläufen in der Mediendarstellung zu spielen und bewegt sich gekonnt in einem einfallsreichen Kosmos vielfältiger Wesen. Auch die zahlreichen, oft versteckten, kulturellen Anspielungen, vornehmlich auf Grant Morrisons Vertigo-Serie The Invisibles, machen Lust, einmal näher hinzusehen. Diese Liebe zu den Details tragen zu einer stimmigen, augenzwinkernden Gesamterscheinung bei, die Jungs Animations-Zeichenstil gelungen zu transportieren weiß. Der ist nämlich auch ohne großen Aufwand immer dann hervorragend, wenn kleine Momente in Szene gesetzt werden sollen. Lediglich eine phasenweise zu beobachtende Inkonsistenz im zeichnerischen Ausdruck, z.B. in der Darstellung der Gesichter in manchen Perspektiven, fällt weniger positiv auf.

Insgesamt ist dieser Comic aber wirklich lesens- und empfehlenswert, Xoth! ist mit einem Vorwort von Noah Berlatsky und ein paar Pin-Ups weiterer Künstler, z.B. von Christian Moser (Monster des Alltags) oder dem fantastischen Jörg Vogeltanz (Anger Diaries) versehen.

 

Xoth! – Die unaussprechliche Stadt
Zwerchfell, Oktober 2008
Text und Zeichungen: Anna-Maria Jung
84 Seiten, farbig, HC; 14,- Euro
ISBN: 978-3928387873

Website zum Comic mit Trailer, Galerie uvm.

witzige Lovecraft-Interpretation

 

einkaufswagen cc

nlintX

 

Xoth! – Die unaussprechliche Stadt © Anna-Maria Jung

Das Leben ist kein Ponyhof 5 – Extrascharf

Folge 5 – ExtrascharfEine neue Folge von Elenas Herzschmerz-Geschichten. Diesmal wird's konkret … Wie angelt man sich den coolen Typen aus der Klasse drüber, wenn man selber noch Häschen-Pullis trägt?

Die Folge hat insgesamt 17 Seiten. Updates erfolgen jeweils so donnerstags/freitags.

Update 22.03: “Extrascharf“ ist komplett online!


Eine Übersicht der Folgen sowie die Vorstellung der Hauptfiguren haben wir hier gesammelt.

Und hier geht's zu Sarahs Blog!

Comicmovie Datenbank: The Spirit

 Will Eisners The Spirit, erstmals erschienen 1940, gehört zu den ganz großen Klassikern der Comicgeschichte. Lange hat sich niemand an eine Verfilmung des Stoffes getraut, bis ausgerechnet Frank Miller verkündete, er werde den Spirit verfilmen. Miller wurde als Comicautor und -zeichner berühmt, und seit die auf seinen Comics basierenden Filme Sin City und 300 zu großen Kassenerfolgen wurden, kennt man seinen Namen auch in Hollywood. Abgesehen von der Co-Regie bei Sin City (neben Robert Rodriguez) ist The Spirit Frank Millers erste Regiearbeit.

Comicgate bringt eine Rezension zum Film, stellt die Hauptfiguren vor und verlost Spirit-Comics. UPDATE 9.3.09: Das Gewinnspiel ist beendet, die Sieger stehen fest.

Ein Spirit im „Look and Feel“ von Sin City. Funktioniert das? Und hat dieser Spirit noch etwas mit den Comics von Will Eisner zu tun? Unser Gastautor Jan Dinter, erklärter Fan der Eisner-Comics, hat sich den Film für uns angesehen. Nachdem, was vorab zu sehen und zu hören war, befürchtete er das Schlimmste. Ganz so furchtbar ist es dann aber nicht geworden:

FREISPRUCH FÜR FRANK MILLER
Im Fall „Frank Miller´s The Spirit“ spreche ich Frank Miller hiermit vom Vorwurf der Vergewaltigung frei.
Dies bedeutet zwar nicht, dass er sich bei der Verfilmung von Will Eisners legendärer Comicserie keiner anderen Vergehen schuldig gemacht hätte, jedoch gebietet die Schwere des Hauptanklagepunktes, Vorwurf und Urteil zu erläutern.
Rezension weiterlesen in der CMDB

 

DIE CHARAKTERE IN FRANK MILLERS COMIC-ABENTEUER THE SPIRIT
Vom Helden The Spirit über die verführerischen Frauen seiner Stadt bis hin zum kriminellen Superhirn Octopus – die Charaktere in Frank Millers neuem Werk The Spirit könnten kaum unterschiedlicher sein. Wir stellen euch die Hauptfiguren des Comic-Action-Abenteuers, das am 29. Januar 2009 in die Kinos kommt, vor:


THE SPIRIT
Auf wundersame Weise kehrt Polizist Denny Colt als The Spirit (Gabriel Macht) ins Leben zurück, um das Verbrechen in Central City zu bekämpfen. Mit Hut und Maske macht er sich auf die Jagd nach seinem größten Widersacher OCTOPUS. The Spirit ist unsterblich und seine Wunden heilen im Zeitraffer – doch er ist ein Held ohne Superkräfte. Seine größte Schwäche ist seine Leidenschaft für schöne Frauen. Dabei gilt seine Liebe eigentlich nur Central City, seiner Stadt.


SAND SAREF
SAND SAREF (Eva Mendes) ist atemberaubend sexy, war oft und ausgiebig verheiratet und ist scheinbar eiskalt. Sie liebt die glitzernden Dinge im Leben und würde alles tun, um sie zu bekommen. Sie ist die einzige Frau, die die Macht hat, The Spirit das Herz zu brechen. Denn die beiden kennen sich aus längst vergangenen Kindertagen und waren ein Herz und eine Seele, bis ein schreckliches Unglück ihre Wege trennte.


ELLEN DOLAN
Die Chirurgin ELLEN DOLAN (Sarah Paulson) verbinden gleich zwei Lebensabschnitte mit The Spirit: Einst war sie die Verlobte von Denny Colt. Nach seinem Tod vergräbt sie sich in ihre Arbeit als Ärztin. Sie ist es, die The Spirit immer wieder zusammenflickt – und wie besessen davon ist, ihn zu umsorgen.


LORELEI
Die rätselhafte LORELEI (Jaime King) umwirbt The Spirit pausenlos. Doch sie ist keine Frau aus Fleisch und Blut, sondern eine mysteriöse Sirene, ein Engel des Todes.


PLASTER VON PARIS
In PLASTER VON PARIS findet The Spirit eine Frau, die stets für eine Überraschung gut ist. Sie verfolgt mörderische Pläne und ist brandgefährlich. The Spirit und die französische Nachtclubtänzerin verbindet eine gemeinsame Vergangenheit.


SILKEN FLOSS
SILKEN FLOSS (Scarlett Johansson) ist eine punkige Sekretärin und ein kaltes Biest. Als eisiges Genie ist sie die rechte Hand von OCTOPUS und hilft ihm, seine wahnsinnigen Ziele zu verfolgen.


OCTOPUS
OCTOPUS (Samuel L. Jackson) ist THE SPIRITS großer Widersacher. Er bezeichnet sich selbst als „kriminelles Superhirn“ und liebt theatralische Auftritte. SPIRITS Erzfeind ist auf einer größenwahnsinnigen Mission: Er plant, SPIRITS geliebte Stadt auszulöschen, während er nach seiner eigenen Unsterblichkeit strebt.

(Text: Pressematerial)
© 2008 THE SPIRIT, LLC. All Rights Reserved. „The Spirit“ Trademark is Owned by Will Eisner Studios, Inc. and Registered in the U.S. Patent and Trademark Office.

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Offizielle Film-Website (deutsch): www.thespirit-derfilm.de
Offizielle Film-Website (englisch): http://www.mycityscreams.com
MySpace Profil zum Film: http://www.thespirit-derfilm.de/myspace

DAS THE SPIRIT-GEWINNSPIEL

In Kooperation mit Sony Pictures verlosen wir drei Comicbände von Panini Comics:
Seit 2007 lässt DC Comics den Spirit in Comicform wieder aufleben. Die ersten 12 Hefte der neuen Serie wurden geschrieben und gezeichnet von Darwyn Cooke, der schon in zahlreichen Comics bewiesen hat, dass er es wie kaum ein anderer beherrscht, nostalgisches Feeling aufkommen zu lassen und dabei gleichzeitig modern zu sein. Nach der 12. Ausgabe wurde die Serie dann von den Autoren Sergio Aragones und Mark Evanier weitergeführt.

Bei Panini sind bisher drei Sammelbände erschienen. Wir verlosen jeweils ein Exemplar dieser drei Bände.
(© Will Eisner Studios Inc. All Rights Reserved.)

UPDATE 9.3.09: Das Gewinnspiel ist beendet, die Sieger stehen fest. Gewonnen haben Beate aus Lindenberg, Thomas aus Oberhausen und Rita aus Erlangen.


Wer gewinnen will, beantwortet die beiden folgenden Fragen:

{FacileForms : gewinnspiel_spirit, 1 , 0}

Einsendeschluss ist Montag, der 9.2.2009
Achtung: Jeder Haushalt darf nur einmal teilnehmen. Mehrfache Einsendungen mit der gleichen Adresse fliegen raus.

 



Die Druiden 1-3

Cover Band 1 Aremorica, Druiden, keltische Götter: So gut wie jeder Comic-Leser kennt diese Stichwörter und denkt natürlich an Asterix, das gallische Dorf und den dort ansässigen Druiden und Zaubertrankbrauer Miraculix. Das man das Setting auch für einen eher ernsthaften Comic verwenden kann, zeigen die Autoren Jean-Luc Istin und Thierry Jigourel und Zeichner Jacques Lamontagne mit ihrer Serie Die Druiden. Die auf insgesamt sechs Alben angelegte Reihe spielt am Ende des 5. Jahrhunderts, also knapp 500 Jahre später als Asterix. Längst hat sich das Christentum ausgebreitet und drängt den alten keltischen Glauben zurück.

Die Druiden waren die geistige und gesellschaftliche Elite der Kelten, vergleichbar mit Mönchen und Priestern bei den Christen. Und genau diese beiden Gruppen treffen hier aufeinander. Auslöser der Handlung ist eine Mordserie: Mehrere Mönche werden in Aremorica (der heutigen Bretagne) tot aufgefunden – enthauptet und mit einem Pfahl durch den Brustkorb. Auf den Pfählen befindet sich eine Aufschrift, geschrieben in Oghams, den Schriftzeichen, die die Kelten für heilige Texte verwenden. Für etliche Mönche und auch für das einfache Volk ist damit klar: Die Täter müssen in den Reihen der letzten verbliebenen Druiden zu suchen sein.

Der Abt Budog jedoch zweifelt an dieser These und ruft deshalb einen besonderen Ermittler zu sich, der ihm bei der Aufklärung des Falls helfen soll: Gwenc'hlan, einen Druiden. Dieser kommt gemeinsam mit seinem jungen Lehrling Taran in Budogs Kloster und beginnt mit den Nachforschungen. Dieser Teil der Geschichte erinnert stark an Umberto Ecos Roman Der Name der Rose – auch dort ermittelt ein Geistlicher mit einem jungen Novizen im Milieu eines Klosters. Dieser Eindruck wird noch dadurch verstärkt, dass Jacques Lamontagne die Figur des Gwenc'hlan deutlich an Sean Connery anlehnt, der bekanntlich die Hauptrolle in der Verfilmung des Romans spielte.

Seite aus Band 1 Befürchtet man anfangs noch eine schamlos geklaute Geschichte, schlägt der zweite Band schnell eine andere Richtung ein: Istin und Jigourel bauen nämlich auch viel Stoff aus der keltischen Mythologie in ihre Geschichte ein. Die Ermittlungen führen Gwenc'hlan und Taran in die Stadt Ys, eine angebliche versunkene, prächtige Stadt, die in etlichen keltischen Legenden vorkommt. In mehreren Rückblenden erfährt der Leser also von Ys, von deren hedonistischer Herrscherin Dahut, von deren Vater, dem König Gradlon, und ihrer Mutter Malgven. Die Autoren interpretieren also alte Sagen und Legenden auf ihre Weise neu und bauen die Krimihandlung als verbindendes Element drumherum.

Dies führt allerdings auch dazu, dass die Erzählung stellenweise zerfasert und ein roter Faden nicht immer erkennbar ist. Gerade im zweiten Band ufert Die Druiden stark aus, Nebenschauplätze und allzu wortreiche Rückblenden hemmen den Erzählfluss. Band 3 ist dagegen wieder stringenter erzählt und rückt die Thrillerhandlung wieder mehr in den Vordergrund.

Seite aus Band 3 Die Bilder von Jacques Lamontagne überzeugen vor allem dann, wenn er größere Stadtansichten oder Naturszenen zeichnet. Unterstützt von der sehr stimmungsvollen Kolorierung schafft er hier ein fast fotorealistisches Setting und lässt die frühmittelalterliche Welt lebendig werden. Weniger stark ist Lamontagne, wenn es um Nahaufnahmen der handelnden Personen geht. Seine Gesichter wirken oft starr und maskenhaft.

Insgesamt ist Die Druiden ein interessanter und ziemlich spannender Mix aus Mittelalter-Thriller, historischem Roman und Fantasy-Elementen. Im Zentrum steht immer wieder die Konfrontation zwischen dem Christentum und der sogenannten „Alten Religion“, also dem Glauben der Kelten, Deren Vertreter werden immer mehr zu einer Minderheit, wohlwissend, dass ihre Kultur vom Aussterben bedroht ist. Um noch einmal die Asterix-Analogie zu bemühen: Gwenc'hlan und seine Glaubensbrüder gehören zu einem kleiner werdenden Häufchen von Unbeugsamen, „die nicht aufhören, dem Eindringling Widerstand zu leisten“. Nur dass dieser Eindringling jetzt nicht vom römischen Kaiser, sondern vom römischen Papst gesandt ist.

Cover Band 3 Leider hielten es Istin und Jigourel für notwendig, diese solide und interessante Basis ihrer Geschichte immer wieder duch recht konventionelle Genre-Zutaten aufpeppen zu müssen. So bekommt man in jedem Band auch Action-Einlagen, erotische Szenen und klischeehafte Nebenfiguren, die die Story eher stören als bereichern. Wobei dieser Einwand sicherlich Geschmackssache ist.

Der Splitter Verlag veröffentlichte die ersten drei Bände in sehr kurzen Abständen und in gewohnt hochwertiger Aufmachung. Auf die Folgebände wird man etwas länger warten müssen: Das vierte Album erscheint im Juni, Band 5 und 6 sind bislang auch in Frankreich noch nicht erschienen. Die ersten drei Bände funktionieren jedoch trotz des offenen Endes schon fast als ein abgeschlossener Zyklus, denn in Band 3 sind wir Zeuge eines ersten großen Showdowns (in einer beeindruckenden Bibliothek) und ein Teil des Mordmysteriums wird bereits gelöst.

Die Druiden
Splitter Verlag
Text: Jean-Luc Istin, Thierry Jigourel

Zeichnungen: Jacques Lamontagne
Hardcover; farbig; jeweils 48 Seiten; 12,80 Euro

Ordentlicher Mittelalter-Krimi mit Schwächen

Band 1: Das Geheimnis der Oghams
ISBN 978-3-940864-40-6

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Band 2: Die weiße Stadt
ISBN 978-3-940864-41-3

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Band 3: Die Lanze des Lug
ISBN 978-3-940864-42-0

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