Alle Artikel in: Rezensionen

In dieser Rubrik finden sich alle Arten von Comic-Besprechungen, von den Kurzrezensionen im „Kri-Ticker“ bis hin zu ausführlicheren Einzelvorstellungen bestimmter Titel.

Sugarshock (US)

Als Dark Horse Comics im Jahr 2007 die Kooperation mit MySpace startete, bei der einmal im Monat exklusive Comic-Kurzgeschichten unter dem Titel MySpace Dark Horse Presents veröffentlicht werden, brauchte man ein prominentes Zugpferd. Dieses fand man in Autor Joss Whedon, der durch seine TV-Serien (Buffy, Angel, Firefly) und diverse Comic-Arbeiten bekannt ist. Für MSDHP schuf er Sugarshock, einen abgedrehten, sehr vergnüglichen Mix aus Rock'n'Roll, Science-Fiction und Action, der mit einem Eisner Award für denbesten Webcomic ausgezeichnet wurde. Es geht um eine Rockband, bestehend aus drei Frauen und einem Roboter, die bei einem intergalaktischen Bandwettbewerb um den Fortbestand des Planeten Erde kämpfen muss. Die Handlung, wenn man sie denn so nennen will, holpert auf sehr skurillen Wegen zu ihrer Auflösung. Das stört jedoch nicht, im Gegenteil: Es macht sehr viel Spaß! Denn Whedon ist sich jederzeit dessen bewusst, dass er hier einen augenzwinkernden Spaßcomic abliefert und kein ausgefeiltes Genredrama. Er wirft also eine Menge skurille Ideen (z.B. fanatischer Hass auf Wikinger), verrückte Charaktere und lässige Dialoge in einen Topf und rührt kräftig um. Nebenbei erfährt man …

Dark Entries: A John Constantine Novel (US)

 Mit Dark Entries legt DC den ersten Band seines neuen Sub-Imprints Vertigo Crime vor. Die unter dem Crime-Signet erscheinenden Comics sind kleine Hardcoverbände in Schwarz-Weiß, die für sich allein stehende Geschichten von unterschiedlichen Autor-/Zeichnerteams erzählen. Mit Ian Rankin hat man, das muss man Vertigo zugestehen, direkt einen ziemlich renommierten Krimiautor für den Start der Reihe gewinnen können. So weit klingt das alles ganz gut. Und damit: Kommen wir zum 'Aber'.

Batman: Die besten Storys aller Zeiten 1

Wenn sich klassische Superhelden-Stories auf dem deutschen Markt überhaupt noch als rentabel erweisen sollen, dann hat man mit Material aus dem Umfeld von Batman die vielleicht besten Karten. Deswegen legt Panini jetzt auch einen Sammelband mit Batman-Geschichten vor, die auf fast 200 Seiten, ganz unbescheiden, als „Die besten Storys aller Zeiten“ gelten sollen. Nun, das sind sie natürlich nicht, um der Sache gleich mal den Wind aus den Segeln zu nehmen. Denn die Idee hinter diesem Band ist nicht die eines „Best-of“ im Sinne von „Wir veröffentlichen zum x-ten mal die klassiker Killing Joke, Year One oder Dark Knight Returns“. Vielmehr bemühte man sich, einen Querschnitt durch die Jahrzehnte der Bat-Historie zu präsentieren. Das ist sicherlich eindrucksvoll gelungen, von der naiv-kindlichen Erzählung über Catwomans Identität aus den 30er Jahren bis hin zur realistischen und emotionalen Beleuchtung von Bruce Waynes Privatleben aus dem Jahre 2002 bietet sich ein breites Spektrum. Und auch von Künstlerseite kann der Band mit etlichen großen Namen aufwarten, darunter z.B. Bob Kane, Jim Aparo, Frank Miller, Alan Davis oder Mark Millar. Haupmotiv …

Miss Endicott 1: Die Vergessenen

 Sein Lebenslauf klingt wie der Traum eines jeden Popkultur-Nerds: Jean-Christophe Derrien hat sein Studium mit einer Arbeit über Twin Peaks abgeschlossen, war Fanzine-Chefredakteur und Drehbuchautor für Zeichentrickadaptionen von Comic-Klassikern wie Blake und Mortimer oder Spirou und Fantasio. Heute arbeitet er als Filmkritiker und als Szenarist für seine eigenen Comics. Einer davon ist die zweiteilige Albenreihe Miss Endicott, die in Frankreich 2007 erschien und nun beim Piredda Verlag auf Deutsch herauskommt.

Planetary 27 (US)

Was lange währt, wird endlich gut. Im Falle der brillanten US-Serie Planetary von Warren Ellis und John Cassaday musste der Leser knapp drei Jahre auf das neue Heft und damit auf den Abschluss der Reihe warten. In Anbetracht der immer weiter auseinanderklaffenden Intervalle zwischen den einzelnen Nummern und der vollen Terminkalender der beiden Künstler kam die enorme Wartezeit sicherlich nicht allzu überraschend. Vorab war klar, dass Ellis seine Handlung mit den bisherigen 26 Ausgaben im Grunde abgeschlossen hatte, demnach stellt die 27. Nummer tatsächlich eine Art Epilog dar, in dem ein letzter Handlungsfaden zu Ende gebracht wird. Und das auf dem gewohnt anspruchsvollen Niveau, welches Planetary schon immer auszeichnete. Planetary, das ist eine Organisation, die moderne archäologische Arbeit betreibt. Die Mitglieder um den mysteriösen Elijah Snow erforschen das Unmögliche und halten die Welt am Laufen. Zugegeben, nur die wenigsten dürften bei Ellis' verschachtelten Konstrukten über Dimensionen, Zeitgefüge und Technologie die Übersicht behalten, aber wer will auch schon alles bis ins Tiefste verstehen? Planetary ist ein Comic, der bewusst solch komplexe Themen mit diversen Mysterien verknüpft, …

Jeff Jordan Gesamtausgabe 1

 1956 entwarf der belgische Zeichner Maurice Tillieux für das Magazin Spirou die Figur des Jeff Jordan (im Original „Gil Jourdan“ genannt). Die Serie gilt heute als Tillieux' bekannteste und beste Serie, weshalb Jeff Jordan auch als großer Klassiker der frankobelgischen Comickunst angesehen werden muss. Sicherlich reicht die allgemeine Bekanntheit nicht an die der Werke von Franquin, Peyo oder Morris, allesamt Kollegen mit Wurzeln im Spirou-Magazin,  heran, eine neu zusammengestellte Gesamtausgabe aller Abenteuer Jeff Jordans war trotzdem überfällig.

The Surrogates

 Der Wecker reißt dich an einem dunklen, nasskalten Arbeitstag früh morgens aus dem Schlaf, du wälzt dich aus dem Bett, schlurfst gähnend in die Küche, um dir ein heißes Getränk zu machen. Dann lässt du dich damit in einem bequemen Sessel nieder, kuschelst dich in eine Wolldecke, während der Regen ans Fenster prasselt, und setzt ein Headset auf. Weiter musst du nicht. Zur Arbeit geht nämlich dein Surrogat, eine perfekte technische Kopie. Die physische Idealausgabe von dir, die nicht müde oder krank wird, deren Muskeln nicht erschlaffen und deren Bauchumfang nie wächst. Und du steuerst diesen Fleisch gewordenen (bzw. fleischlich wirkenden) Avatar mittels deiner Gedanken, erlebst die Welt durch seine Augen und Ohren. Als ob du dabei wärst – und irgendwie bist du es ja auch. Nur ersparst du dir all die Unanehmlichkeiten des Alltags … Klingt verlockend, nicht wahr?

Der Schatz von Wörgl

 Der opulente Titel-Schriftzug lässt zunächst vielleicht eine Abenteuergeschichte mit Heimatfilm-Deko vermuten, aber wenn man dann am unteren Rand den Schriftzug „Michael Unterguggenberger und das Freigeldexperiment“ liest, ahnt man schon, dass es möglicherweise doch um was anderes geht. Wer auf eine Geschichte hofft, die irgendwas mit einem Schatz zu tun hat, der wird schließlich enttäuscht: Es handelt sich bei dem Heft schlicht um eine Werbebroschüre für die Interessen der Humanwirtschaftspartei. Das klingt recht trocken, und so liest sich der Comic leider auch.

RG 1: Riad an der Seine

 Der Autor dieses Comics, Pierre Dragon, heißt in Wirklichkeit ganz anders. Hauptberuflich arbeitet er nämlich beim Nachrichtendienst der französischen Polizei, den „Renseignements Généraux“, kurz RG. Ein echter Geheimagent also. Dieser lernte 2006 (im Zusammenhang mit dem Konflikt um die Mohammed-Karikaturen) Joann Sfar kennen, den französischen Hansdampf in allen Comic-Gassen. Sfar war fasziniert von den Geschichten, die ihm Dragon aus seinem Arbeitsleben erzählte und brachte ihn mit dem Schweizer Zeichner Frederik Peeters (Blaue Pillen) zusammen. Wenig später erschien dann der erste Band von RG bei Bayou, der von Sfar betreuten Comic-Edition im Verlag Gallimard.

Marvel Exklusiv 82: The Hood

 Während der letzten Marvel-Events Civil War und Secret Invasion bahnte sich klammheimlich ein neuer Superschurke den Weg an die Spitze der Unterwelt. Hood heißt er und glänzte bislang vornehmlich durch Kurzauftritte in Brian Bendis' New Avengers oder Ed Brubakers Daredevil. Doch erst jetzt wird die Frage nach der Identität des Gangsterbosses mit der roten Kapuze enthüllt.