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Pressemitteilung: Watsch ’nen Watchman

„Wer watscht die Watchmen?“ Eine Frage, die in den COMICGATE-Redaktionsräumen in den letzten Wochen häufig zu hören war. Nun, da DC Comics seine Pläne für mehrere neue Watchmen-Comics endlich enthüllt hat, können auch wir die Antwort darauf lüften.

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PRESSEMITTEILUNG (mof) Anlässlich der lange herbeigesehnten Prologe zu Alan Moores und Dave Gibbons‘ epochal historischer Graphic Novel Watchmen, die der US-Verlag DC Comics soeben für den Sommer 2012 angekündigt hat, ist COMICGATE, das führende deutsche Comicmagazin, seinerseits hoch erfreut, seinen Lesern eine neue Rezessionistenkolumne mit den beiden beliebten Rezensören Wederhake und Frisch bekannt zu geben.

Im Sommer 2012 wird sich die COMICGATE-Leserschaft also erneut von den beiden Feingeistern der deutschen Rezissionärskultur, bekannt aus „52 mal berührt„, verzaubern lassen können, wenn es hier regelmäßig heißt: „Wer watscht die Watchmen?“ Die Begeisterung in der COMICGATE-Redaktion kennt schon jetzt keine Grenzen.

„Hui“, sagte COMICGATE-Chefredakteurin Frauke Pfeiffer. „Ja mei“, ließ COMICGATE-Chefredakteur Thomas Kögel auf seinem Landsitz bei Berchtesgaden verlauten. „Aha“, gluckste COMICGATE-Co-Rezessör Marc-Oliver Frisch. „Es ist [DINGSBUMS] gelungen, Figuren, die fast älter sind als ich, zu nehmen und für ein neues Jahrtausend relevant zu machen“, so COMICGATE-Co-Rezensiker Björn Wederhake. „Es steht zu hoffen, dass DC auch andere Klassiker einer solchen Frischzellenkur unterzieht.“ Watchmen-Autor Alan Moore konnte vor Redaktionsschluss leider nicht für eine Einschätzung erreicht werden; laut seinem Bart sei Moore gerade dabei, Kontakt zur „Occupy DC“-Bewegung aufzunehmen.

Wir freuen uns, unseren Lesern dieses Schmankerl bieten zu können!

Die besten Zeiten

Cover Die besten ZeitenIch muss gestehen, dass mir der Name Andreas Dierßen bislang nicht geläufig war. Dabei zählt dieser zu den „alten Hasen“ der deutschen Comiclandschaft. Vor allem in den Neunziger Jahren war er aktiv, unter anderem mit Projekten bei Ehapa, Carlsen, fürs Schwermetall und bei Zwerchfell. Für den japanischen Verlag Kodansha schuf er unter anderem die Krimireihe Kunz, von der auch ein Band bei Carlsen vorliegt. Nach einigen Jahren Pause meldete er sich 2011 mit Die besten Zeiten zurück.

Leider enthält das Buch selbst keinerlei Angaben über Autor und Zeichner, so dass mancher potentielle Käufer, der im Laden hineinblättert, Dierßen fälschlicherweise für einen Newcomer halten könnte. Der Inhalt macht dagegen schnell klar, dass wir es hier keineswegs mit einem Anfänger zu tun haben. Artwork und Storytelling sind sehr routiniert und lassen auf eine Menge Erfahrung schließen.

Seite aus Die besten ZeitenDie besten Zeiten ist eine lose zusammenhängende Sammlung von Alltagsepisoden, die alle in der gleichen Stadt (Hamburg?) spielen. Sowohl die Geschehnisse als auch die Protagonisten wirken auf den ersten Blick gewöhnlich, fast banal, aber Dierßen gibt ihnen einen kleinen, behutsamen Twist: so wie zum Beispiel dem Herrn und der Dame, beide deutlich im Rentenalter, die gut gekleidet und mit höflichen Umgangsformen auf den Bus warten. Man könnte denken, dass sie ins Theater oder in die Oper gehen, stattdessen entpuppen sie sich als Taschendiebe.

Wir lernen außerdem kennen: einen stets gut gelaunten Mann, der für seinen stets schlecht gelaunten Kumpel eine Frau sucht, eine resolute Kneipenwirtin, einen gierigen Businesstypen und eine männliche Fee, die Wünsche erfüllen kann und den Businesstypen an der Nase herumführt. Dierßen lässt diese Figuren durch die Stadt streifen; es kommt zu flüchtigen Begegnungen oder aber zum zufälligen Aufeinanderprallen mit überraschenden Ergebnissen. Der Comic wechselt zwischen den Figuren und Episoden hin und her – sie haben nichts miteinander zu tun, sie finden auch nicht in einem großen Finale zusammen, aber sie geschehen gleichzeitig in der gleichen Stadt. Ein (fast) ganz normaler Tag im Leben von (fast) ganz normalen Leuten. Allerdings mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus und schwarzem Humor. Nicht alle, so viel kann man verraten, werden diesen Tag überleben.

Seite aus Die besten ZeitenEs ist ein ungemein trockener Witz, mit dem Andreas Dierßen seine Episoden garniert. Immer wieder setzt er kleine, manchmal fiese Pointen – keine Schenkelklopfer zum lauten Loslachen, eher leise, verschmitzte Schmunzler. Die besten Zeiten verbreitet eine sehr lakonische Stimmung, wie man sie etwa aus Filmen von Jim Jarmusch oder Aki Kaurismäki kennt: Alltagsroutinen mit einer leichten Verschiebung ins Absurde, Figuren, die lieber schweigen als reden, kleine, unaufgeregte Geschichten anstelle von großen Dramen. Die Graustufen, mit denen Dierßen seine Bilder versieht, passen bestens zu dieser Stimmung – in Farbe wäre dies ein völlig anderer Comic. Die Zeichnungen sind realistisch, verzichten auf allzu viele Details und konzentrieren sich aufs Wesentliche – und das sind die Figuren. Dierßen hat ein Händchen für markante Gesichter, denen er mit ganz wenigen Strichen eine große Vielfalt von mimischen Ausdrücken verleihen kann. Entsprechend setzt er diese Gesichter auch meist in Close-Ups in Szene.

Anders als Kaurismäki oder Jarmusch gelingt es Andreas Dierßen jedoch nicht, seine Figuren dem Leser wirklich nahe zu bringen. Sie bleiben uns fremd, wir erfahren nicht, wo sie herkommen und was sie bewegt. Von den meisten lernen wir noch nichtmal ihren Namen. Sie huschen vorbei, wie Passanten in einer großen Stadt, von denen man vielleicht ein paar Gesprächsfetzen aufschnappt, bevor sie um die nächste Straßenecke ziehen. Das hat durchaus seinen Reiz – wer ein Faible für lakonisch erzählte Großstadtepisoden hat, dem ist Die besten Zeiten auf jeden Fall zu empfehlen. Da Dierßen aber auf einen durchgehenden Handlungsfaden ebenso verzichtet wie auf eine spannende Dramaturgie und eine klassische Auflösung, wird nicht jedermann mit diesem Comic etwas anzufangen wissen.

 

Wertung: 6 von 10 Punkten

Lakonische Großstadtepisoden mit sarkastischem Witz, aber ohne dramaturgische Höhepunkte


Die besten Zeiten
Carlsen Verlag, Mai 2011
Text und Zeichnungen: Andreas Dierßen
160 Seiten, schwarz-weiß, Hardcover
Preis: 19,90 Euro
ISBN: 978-3-551-78837-5

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Abbildungen: © Andreas Dierßen/Carlsen Verlag

Links der Woche: Mit Piraten in Frankreich, Übersetzern im Radio und Science-Fiction in Berlin

Unsere Links der Woche, Ausgabe 4/2012:

 

Französische Comic-Piraten scannen mehr als 30.000 Titel ein – Verlagsbranche profitiert davon
e-book-news.de, Ansgar Warner
France : 8000 à 10.000 titres BD piratés sont réellement accessibles
ActuaLitté, Lea Lavagen
Laut einer Studie von Le MOTif (einer Organisation, die Marktforschung in der Buchbranche betreibt) wird in auch in Frankreich Comicpiraterie im großen Stil betrieben. Über 30.000 Comics gibt es als illegale Scans, davon sind etwa 8.000 bis 10.000 über einschlägige Quellen im Netz verfügbar. Eine wichtige Rolle spielen zum einen Scanlations von Manga, also von Fans selbst erstellte Übersetzungen japanischer Comics, die noch nicht auf Französisch erhältlich sind, zum anderen Scans von vergriffenen Comics, die nur antiquarisch im Handel zu bekommen sind. Beliebt sind aber auch und vor allem Bestseller und Klassiker wie Tintin, Largo Winch oder Naruto. Den größten Anteil haben ältere Comics, die aktuellsten Neuerscheinungen spielen nur eine geringe Rolle. 58% der illegal verbreiteten Comics gibt es nicht als legale digitale Kopie. Eine Übersicht über die Zahlen gibt es hier als PDF. Ob die Schlagzeile von e-book-news.de, („Verlagsbranche profitiert davon“) so korrekt ist, ist eher zweifelhaft. Zwar verzeichnet der französische Comicmarkt eine Titelflut, die Verkaufszahlen einzelner Titel sind dagegen eher rückläufig.

20 Jahre ComicRadioShow
Comic-Report, Matthias Hofmann
Die ComicRadioShow kennt man heute als Online-Magazin, hat aber ihre Wurzeln (wie im Namen ja unschwer zu erkennen ist) in einer Radiosendung. Diese ging 1992 erstmals auf Sendung. Zum 20. Geburtstag führt der Comic-Report ein Interview mit Gründer Markus Gruber. Dieser verspricht dann auch, es werde „sicherlich weiterhin ein extrem archaisches Design“ auf der Seite geben.

Päng, grübel, schluck
DRadio Wissen, Dirk Schneider
Ein sechsminütiger Radiobeitrag zum Thema Comicübersetzungen. Schwerpunkt ist das Übersetzen von Soundwords. Zu Wort kommen Thomas Pletzinger, der Übersetzer von David Mazzucchellis Asterios Polyp, der zuvor noch keinen Comic ins Deutsche übersetzt hat, und Michael Groenewald, der u.a. die Peanuts-Werkausgabe redaktionell betreut.

Der micomics Podcast: Folge 2
micomics, Simon, Spiri und Marcus
Deutlich mehr Zeit zum Hören muss man sich für den zweiten Podcast des Comic-Blogs micomics nehmen. Über zwei Stunden dauert das Gespräch, das sich den Comicverfilmungen widmet, die im Jahr 2012 ins Kino kommen werden. 

Wir alle können träumen – we all can dream
Comicforum, Jot
Jot startet nach Oh nein, ich bin ein Mädchen! (komplett hier bei Comicgate verfügbar) ein neues Webcomic-Epos. Worum es geht, ist nach den ersten Seiten noch unklar, es handelt sich jedenfalls um ein Science-Fiction-Szenario, das in Berlin angesiedelt ist. 

Why Manga Publishing Is Dying (And How It Could Get Better)
io9, Jason Thompson
Ein interessanter, ausführlicher Artikel über die Krise des amerikanischen (und auch des japanischen) Manga-Marktes, der unter stark fallenden Verkaufszahlen leidet. Eine Ursache ist für Jason Thompson auch die Piraterie im Internet: die Kernzielgruppe von Manga sind nach wie vor Teenager, daher können die Verlage im Gegensatz zu Anbietern „traditioneller“ Comics kaum Umsatz mit teuren Sammlerausgaben und anderen Reprints machen. Und für legale digitale Angebote fehlen die Strategien. 

Why I Quit Static Shock
John Rozum
Comicautor John Rozum schrieb mit Static Shock eine der 52 neu gestarteten Serien von DC Comics, sprang aber nach vier Ausgaben schon wieder ab. Auf seinem Blog erklärt er die Gründe, vor allem geht es um die wenig harmonische Zusammenarbeit mit Redakteur Harvey Richards und Co-Autor und Zeichner Scott McDaniel. Alles in allem distanziert sich Rozum von Static Shock (von dem mittlerweile feststeht, dass es nach 8 Heften eingestellt wird) und sagt, für den Inhalt der Hefte sei er so gut wie nicht verantwortlich. 

iBooks Author: First Impressions and Making a Comic
danidraws.com, Dani Jones
Seit ein paar Tagen bietet Apple die kostenlose Software iBooks Author an, mit der es kinderleicht sein soll, eBooks für das iPad im ibook-Format zu erstellen. Die Comic- und Kinderbuchzeichnerin Dani Jones hat ausprobiert, ob sich das Tool für Comics eignet und berichtet über ihre Erfahrungen.

Julia & Roem

Cover Julia & RoemDer Titel „Julia & Roem“ klingt nicht von ungefähr wie eine Anlehnung an Shakespeares Romeo & Julia. Denn eben jene tragische Geschichte von einer nicht gebilligten Liebschaft ist die Grundlage des neuesten Albums des französischen Künstlers Enki Bilal.

Bilal versetzt die Liebeserzählung direkt in seine postapokalyptische Welt, die auch schon in seinem Comic Animal’z Ort des Geschehens war. Die Erde ist nach dem sogenannten Blutsturz, einer globalen Klimakatastrophe, nahezu unbevölkert, die Ressourcen sind knapp und der Mensch muss sich mehr als jemals zuvor an eine unwirtliche Umwelt anpassen.

In Animal’z waren die Figuren bevorzugt auf dem Meer unterwegs, vereinzelt auch auf Pferden (und zitierten als Zeitvertreib bereits eifrig diverse Schriftsteller). Als zentrales Thema hob Enki Bilal dabei die Genmanipulation hervor.

In Julia & Roem sieht man hingegen die Kehrseite der Postapokalypse: Eine Gruppe Überlebender siedelt sich in einem alten Hotel an und baut dort eine Minigesellschaft auf. Die Neuankömmlinge, darunter der junge Roem, reisen in einem schicken Auto an.

Seite aus Julia & Roem (frz. Original)Man bekommt hier als Leser eine andere Natur vorgesetzt als in Animal’z: Weites Ödland erstreckt sich rund um das Hotel, darüber kreisen ein paar Adler und der einzige Hubschrauber. Bilal verwendet erneut eine düstere, graugetönte Farbgebung, ein Rohschnitt aus Bleistift- und Kreideschraffuren. So ungeschliffen und kalt die Bilder einen Eindruck der Welt nach dem Blutsturz vermitteln, so meisterhaft und vollendet sind die Texte in diesem Comic.

Enki Bilal legt manchen Charakteren ab einem gewissen Punkt fast ausschließlich Originalzitate aus Shakespears Romeo & Julia in den Mund und führt damit das gesamte Szenario ad absurdum.

Julia & Roem ist optisch wie inhaltlich ein Genuss. Man muss sich allerdings auf das anspruchsvolle und ungewöhnliche Unterfangen erst einmal einlassen.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Enki Bilals spezielle Art einer Sci-Fi-Romanze mit literarischen Anleihen ist allemal bemerkenswert

 

Julia & Roem
Ehapa Comic Collection, Juli 2011
Text und Zeichnungen: Enki Bilal
96 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 24,99 Euro
ISBN: 978-3-7704-3494-7

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Abbildungen aus der französischen Originalausgabe: © Casterman

Frisch aus der Druckerei: Dezember 2011

Unser monatlicher Rückblick auf die aktuellen Comic-Novitäten ist, nach ein paar Monaten Unterbrechung, wieder da: Diesmal unter anderem mit Vampiren und Piraten, Prinzen und Bären, Ballerinas und Schwertkämpferinnen.

HIGHLIGHT DES MONATS

Das tapfere Prinzlein und die sieben ZwergbärenZugegeben, es ist ein bisschen verwegen, dieses Buch zum Highlight des Monats zu erklären, denn ich habe außer dem Cover noch keine Seite daraus gesehen (Hallo, Carlsen, wie sieht’s aus mit Leseproben?!?). Aber der Comic stammt von Émile Bravo und dessen großartiger Spirou Spezial und das preisgekrönte Meine Mutter ist in Amerika…  sind Anlass genug für Vorschusslorbeeren. Das tapfere Prinzlein und die sieben Zwergbären ist der Auftakt einer Serie von kleinen, 32seitigen Büchlein, die Motive aus den verschiedensten Märchen fröhlich durcheinander würfeln. Das richtet sich ausdrücklich an eine junge Leserschaft, dürfte aber auch das ältere Publikum mit seinem Charme verzücken.

EIGENPRODUKTIONEN

Im Wechsel mit Mawil, Flix und Arne Bellstorf bestückt Tim Dinter seit 2006 sonntags eine halbe Seite im Berliner Tagesspiegel. Seine Strips unter dem Titel Lästermaul & Wohlstandskind erzählen kurze Alltagsepisoden aus Berlin, die ersten 50 Folgen werden nun beim Avant Verlag erstmals in einem Buch gesammelt. Kostproben stehen auf Tim Dinters Website.

ReigenEbenfalls bei Avant erschien Reigen, der erste Langcomic einer Künstlerin, von der Andreas Platthaus schon 2009 schrieb: „Auf Birgit Weyhe müssen wir achten“. Und Felix Giesa meint auf satt.org: „Ihre Geschichte einer transnationalen Wanderschaft einer goldenen Taufkette ist nicht weniger als genial und, ähnlich wie Das Jahrhundert einer Ratte, eine Genealogie des langen 20. Jahrhunderts, von den Schützengräben des Ersten Weltkrieges bis heute.“ Zwei Seiten daraus sind hier zu sehen.

Der Schwarze Turm erweitert seine Reihe „Turm offline“ um den Band Weimarer Flausen von Ulf Salzmann. Dieser sammelt Zeitungsstrips aus der Thüringischen Landeszeitung, kleine (mehr oder weniger autobiografische) Alltagsepisoden, die zwar in Salzmanns Heimat Weimar spielen, aber laut Eigenaussage „nicht nur für Weimarer“ sind. Auf flausen.net kann man sich einen Eindruck verschaffen.

Vermutlich eher nur im Raum Hannover interessant: Hanoman, eine Superheldenparodie von Michael Fredrich, die 2007/08 im Stadtmagazin Stadtkind erschien und nun gesammelt beim Verlag Phantastische Zeiten zu haben ist. Online sind die zwölf Episoden auf Fredrichs Homepage zu sehen.

AUS GROSSBRITANNIEN

Leben und Ansichten von Tristram Shandy, GentlemanLiteraturadaptionen als Comic sind nichts Neues, finden aber gerade wieder verstärkte Aufmerksamkeit sowohl bei einigen Verlagen als auch in der Presse, wie zum Beispiel dieser Artikel aus der Süddeutschen Zeitung zeigt. Bei Knesebeck erschien nun eine britische Comicversion des satirischen Klassikers Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman von Laurence Sterne, ein Fortsetzungsroman aus den 1760er Jahren. Die Adaption stammt von Martin Rowson, der vor allem als Karikaturist für englische Zeitungen bekannt ist. Dieser fügt dem Original noch eine schöne Metaebene hinzu, indem er seinen Versuch, die ständig abschweifende Erzählung in den Griff zu bekommen, thematisiert und selbst in dem Comic auftritt. Bei Book2look gibt’s eine Leseprobe.

AUS FRANKREICH UND BELGIEN

Quer durch alle Feuilletons und Comicseiten (auch bei uns) abgefeiert wurde der neue Comic von Bastien Vivès: Polina (Reprodukt) erzählt die Lebensgeschichte einer russischen Balletttänzerin (Leseprobe). Hier der Trailer zum Buch:

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Kafka für AfrikanerWeit weniger Aufmerksamkeit bekamen bislang die anderen Dezember-Novitäten von Reprodukt, die beide aus dem flämischen Teil Belgiens stammen: Kafka für Afrikaner (Untertitel: Sofie und der schwarze Mann) heißt der erste lange Comic von Judith Vanistendael. Es geht, semi-autobiografisch, um eine junge Frau, die sich in einen illegalen Einwanderer aus Togo verliebt. 11 Seiten daraus sind hier zu sehen.

Der Mann, der seinen Bart wachsen ließ stammt aus der Feder von Olivier Schrauwen, dessen Bilder laut Deutschlandfunk aussehen, „als hätte ein Comiczeichner aus den 30er Jahren zu viel LSD genommen“. Der surreale Inhalt der Kurzgeschichtensammlung lässt sich wohl kaum in kurzen Worten zusammenfassen. Einen ersten Eindruck gibt die Leseprobe.

BlutprinzessinSchreiber & Leser bringt in seiner „noir“-Edition den Krimi Blutprinzessin, basierend auf einem Romanfragment von Jean-Patrick Manchette, das dieser vor seinem Tod im Jahr 1995 nicht mehr fertigstellen konnte. Die Story spielt in den Fünfziger Jahren in Florida und dreht sich um einen Fall von Kindesentführung (Leseprobe).

Gleich mehrere Verlage bringen neue kinderfreundliche Comics aus Frankreich zu uns: Tokyopop baut sein „Comics für Mädchen“-Programm mit der Serie Hey Schwester! von William und Cazenove aus, eine Art Sitcom um die Hassliebe zweier Schwestern. Hier eine französische Leseprobe, einen Trailer gibt’s auch:

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Irgendwo im Mittelfeld zwischen Bilderbuch und Comic, Humorbüchlein und Poesiealbum steckt Benjamin von Alberto Varanda, der sonst vor allem Fantasystoffe wie Die Legende der Drachenritter zeichnet. Die beiden bei Toonfish erschienen Bände „Benjamin angelt sich den Mond“ (Leseprobe) und „Benjamin fliegt zu den Sternen“ (Leseprobe) sammeln kleine Episoden, die auf Französisch zunächst als Blog veröffentlicht wurden.

Ebenfalls bei Toonfish erschien der erste Band von Gastoon. So hieß der Neffe von Franquins legendärer Figur Gaston (der seinerzeit vor allem in Werbecomics auftrat), ist also nicht Gaston als Kind, aber dennoch eine kindliche Version des chaotischen Antihelden. Das Prinzip ähnelt also Konzepten wie den Muppet Babies, Tiny Toons oder dem Kleinen Spirou. Die Zeichnungen (stilistisch sehr eng an Franquin angelehnt) stammen von Simon Léturgie, Autoren sind dessen Vater Jean und Yann (Spoon & White). Eine Kostprobe steht hier.

Die Gnome von Troy 1Das gleiche Prinzip (die Erweiterung eines bekannten Franchise durch kindliche Figuren) wendet Christophe Arleston in seinem Troy-Universum an, das durch immer weitere Nebenserien ausgebaut wird. Die Gnome von Troy ist nicht ganz so kindgerecht, weil eher mit Halbstarkenhumor à la Titeuf ausgestattet. Bei Splitter erschienen im Dezember gleich zwei Bände der von Tarquin in einem modernen Funny-Stil gezeichneten Comics (Leseproben zu Band 1 und Band 2).

Und noch ein Troy-Spin-Off, diesmal bei Carlsen: Lanfeust Odyssee, ein zweiteiliger Zyklus vom gleichen Kreativteam wie die Gnome.

Der Piredda Verlag bringt die neue Reihe der Macher von Ethan Ringler, Denis-Pierre Filippi und Gilles Mezzomo: Die neue Welt, ein Abenteuercomic, der 1755 auf dem neu entdeckten Kontinent Amerika spielt. Hier eine Leseprobe.

Das Schloss der stummen SchreieIn der Ehapa Comic Collection erschien ein neuer „All-in-One“-Band: Das Schloss der stummen Schreie von David Munoz, Tirso und Javi Montes ist eine Fantasygeschichte, die in einem abgelegenen Waisenhaus spielt, wo sich – so der Ankündigungstext – „seltsame und schreckliche Szenen abspielen“ (PDF-Leseprobe).

Piraten und Vampire, geschrieben von Eric Corbeyran, gibt’s beim Splitter Verlag, allerdings sauber getrennt in zwei verschiedenen Serien: Der Dreiteiler Unter Schwarzer Flagge (gezeichnet von Brice Bingono) ist ein klassisches Freibeuter-Abenteuergarn mit Schatzsuche, Verwünschungen und geheimnisvollen Schönheiten (Leseprobe). Die dreiteilige Reihe Zwielicht (Zeichner: Tiho) ist laut Verlag ein „unkonventioneller Vampir-Thriller mit Steampunk-Einschlag“, dessen Hauptfigur Wölfel ein Mischwesen aus Mensch und Vampir ist. Hier gibt’s eine Kostprobe.

Bei Finix Comics ist wieder ein Einzelband in der „Edition Solitaire“ erschienen. Kleines Wunder von Valérie Mangin und Griffo spielt zur Zeit der Französischen Revolution und handelt von einem Mann, dessen Kopf vom Körper getrennt ist (Leseprobe hier, unsere Rezension dort).

Außerdem schließt Finix die mehrfach abgebrochene Serie Der rote Falke ab. Das Historienabenteuer von Patrick Cothias, André Juillard und Marco Venanzi lief Ende der 80er Jahre beim Feest Verlag (Teil 1 bis 3), später bei Kult Editionen (Teil 4 bis 7). Finix bringt sowohl die Bände 8 bis 10, die die Reihe vollenden, als auch die längst vergriffenen Nummern 1 bis 3. Band 1 und 8 sind seit Dezember im Handel.

Im BSE Verlag gibt es ein Comeback der Serie Robert & Nina von Malo Louarn. Diese Abenteuerreihe erschien in den 80er Jahren (auf Deutsch bei B&L). Nach knapp 20 Jahren Pause kehrte Louarn zu seinen Figuren zurück, so dass es nun den ersten Band von Die neuen Abenteuer von Robert & Nina gibt: Im ersten Album „Das Land, wo die Bäche Flüsse sind“ verschlägt es den Reporter Robert in die Bretagne.

AUS DEN USA

Direkt mit zwei Bänden gleichzeitig startet Cross Cult seine Ausgabe der US-Serie Das Schwert, und auch die Folgebände werden in einem sehr schnellen Rhythmus veröffentlicht: Alle weiteren Ausgaben (es werden insgesamt vier) sollen im kurzen Abstand von 1 bis 2 Monaten erscheinen. The Sword, in den USA bereits abgeschlossen, war die dritte Serie des Bruderpaars Jonathan und Joshua Luna alias Luna Brothers (nach der Miniserie Ultra und der langen Mysteryserie Girls, die beide bislang nicht auf Deutsch erschienen sind). Der Comic, von den Brüdern als „modern-day fantasy“ beschrieben, ist eine epische Rachegeschichte mit übernatürlichen Elementen, das namensgebende Schwert verleiht der Protagonistin Dara übermenschliche Kräfte und sorgt für reichlich Blutvergießen.
Leseproben gibt’s auf der Verlagswebsite (Band 1, Band 2) und auf YouTube steht ein Trailer zur Serie:

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FVZA – Federal Vampire and Zombie AgencyIn der Regel importiert Splitter Comics aus dem frankobelgischen Raum, hatte aber neulich mit Last Days of American Crime schon mal einen Titel vom US-Verlag Radical Comics im Programm. Aus diesem Haus stammt auch FVZA – Federal Vampire and Zombie Agency. Die beiden Horror-Trendthemen der Stunde werden hier verquickt von Autor David Hine und Zeichner Roy Allan Martinez. Die Miniserie, bei Splitter im Buchformat veröffentlicht, spielt in einem alternativen Amerika, in dem es eine staatliche Behörde zur Abwehr von Zombies und Vampiren gibt. Hier eine Leseprobe.

Neal Adams gehört zu den wichtigsten Batman-Zeichnern der Siebziger Jahre und wird von den Fans nach wie vor sehr verehrt. Nach einer langen Pause kehrte er 2010 zu DC und zu Batman zurück und fungiert bei Batman: Odyssey als Autor und Zeichner. Panini sammelt die Maxiserie in zwei Bänden der Reihe DC Premium, deren erster im Dezember erschienen ist. Man sollte sich auf einiges gefasst machen, denn anscheinend durfte Adams hier seinen zum Teil eher kruden Ideen freien Lauf lassen. Für Comics Alliance war es „the most insane comic book we have ever read.“ Der lange Artikel, in dem zwei  Redakteure gemeinsam versuchen, die ersten sechs Hefte zu kapieren, ist ziemlich unterhaltsam. Wer’s selbst versuchen will: Bei myComics steht das erste Kapitel.

In 100% Marvel 59: Spider-Man und die Fantastic Four blicken Christos N. Gage und Mario Alberti mit nostalgischem Blick zurück auf diverse Abenteuer, die Spidey mit den Fantastischen Vier erlebt hat. Das gleiche Prinzip hatten die beiden bereits in Spider-Man und die X-Men verfolgt. Hier das erste Kapitel.

Max Comics 43: Deadpool: Lust & HiebeAußerdem brachte Panini im Dezember zwei der unzähligen Nebenreihen, die Marvel zuletzt dem großmäuligen Söldner Deadpool gewidmet hat: In Deadpool Pulp verschmelzen Mike Benson und Adam Glass den Superhelden mit der Ära der Groschenromane und siedeln ihre Geschichte in der McCarthy-Ära an (Leseprobe). Unter dem Label Marvel Max durfte derweil der Sex- und Gewaltregler weiter aufgedreht werden. Das Kreativteam David Lapham (Stray Bullets) und Kyle Baker lässt aufhorchen, aber ein Meisterwerk sollte man von Max Comics 43: Deadpool: Lust & Hiebe eher nicht erwarten. Björn hat die US-Ausgabe neulich bei uns besprochen, eine Leseprobe gibt’s bei myComics.

Bei Ehapa durften sich Sammler mit großem Geldbeutel über den ersten von drei Schubern der Don Rosa Collection freuen, einer Edelausgabe der Duckgeschichten des inoffiziellen Carl-Barks-Nachfolgers. Alle Schuber zusammen kosten 525 Euro. In diesem Video (featuring Fliesentisch!) stellt Redakteur Jano Rohleder das Projekt vor:

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AUS ASIEN

Manhole 1Carlsen Manga will künftig verstärkt auch ältere Leser ansprechen (siehe dazu das Interview mit Programmleiter Kai-Steffen Schwarz beim Comic-Report). An diese Zielgruppe richtet sich auch die dreiteilige Horror-Miniserie Manhole von Tetsuya Tsutsui, in der es um eine mysteriöse Seuche geht, durch die immer mehr Menschen von tödlichen Parasiten befallen sind.

Dem Werk des chinesischen Künstlers Benjamin widmet sich Tokyopop mit großer Hingabe. Mittlerweile gibt es bereits das fünfte Buch von ihm: Savior enthält drei surreale Kurzgeschichten.

EMA startete die neue Serie Ninja 4 Life von Makoto Tateno, die vor allem für ihre Boys-Love-Geschichten bekannt ist. Hier wechselt sie das Genre und erzählt von (natürlich sehr hübschen) Ninjas, die tagsüber in zivilen Berufen arbeiten und nur nachts ninjieren.

SEKUNDÄRLITERATUR

In der neuesten Ausgabe des monothematischen Magazins Reddition geht es diesmal um Fumetti, also um Comics aus Italien. Im Zentrum stehen Künstlerporträts, von Klassikern wie Guido Crepax bis zu aktuellen Vertretern wie Manuele Fior. Kostproben auf reddition.de.

Kleines Wunder

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Cover Kleines WunderKleines Wunder ist das neueste Comicalbum aus Finix‘ Edition Solitaire, darin enthalten sind beide französischen Originalalben. Die Handlung spielt zwischen 1766 und 1794, begibt sich also mitten in die Französische Revolution hinein. Sehr prominent ist diese Epoche bis heute u.a. wegen des übermäßigen Köpfens von Verurteilten. Szenaristin Valérie Mangin (Die Geißel der Götter) greift diese Thematik auf und benutzt die Einführung der Guillotine als Vehikel für die Erzählung bislang unbekannter historischer Ereignisse.

1766 wird der Chevalier de la Barre auf dem Schafott hingerichtet. Nonnen des Ursulinenordens sollen den Leichnam aufbahren, doch eine von ihnen vergeht sich am toten la Barre. Unerklärlicherweise wird die Frau schwanger, was für eine Nonne ohnehin schon problematisch genug ist. Dazu kommt, dass das empfangene Kind mit abgetrenntem Kopf auf die Welt kommt. Der Junge, Denis genannt, muss vor der Öffentlichkeit versteckt werden. Doch das gelingt nicht lange und Denis sieht sich als vermeintlich dämonisches Wesen Anfeindungen ausgesetzt und wird zeitweise als Attraktion vermarktet. Allerdings, forciert durch den Diakon Talleyrand, gerät das Kleine Wunder, wie er von den Nonnen betitelt wurde, in gehobene Kreise und spürt mit zunehmender Macht die Rachelust in sich aufsteigen. Denis möchte seinen Vater rächen und dessen Ruf wiederherstellen.

Valérie Mangin erzählt in diesem Album eine fiktive Geschichte, die historisch aber sehr genau in die Zeit unmittelbar vor der Französischen Revolution eingebettet ist. Dementsprechend treten einige bekannte Persönlichkeiten auf, z.B. Marie Antoinette, Marquis de Sade oder Joseph-Ignace Guillotin. Das Kleine Wunder wird von ihr als in Vergessenheit geratene oder bis heute geheim gehaltene Episode skizziert, die Existenz des lebendigen Kindes mit abgetrenntem Kopf, das direkt die Geschicke Frankreichs mit beeinflusst, ist in diesem Sinne die Ergänzung der Geschichtsbücher um ein Kuriosum.

Seite aus Kleines WunderLeider kann mich diese Erzählform, die beispielsweise auch in den Comics Vinci oder Tanatos (beide Ehapa) zum Einsatz kam, im vorliegenden Fall nicht überzeugen. Die Story beginnt interessant, verliert sich dann für meine Begriffe zu sehr in der Darstellung von Hochadel und Politik des 18. Jahrhunderts. Die Hauptfigur, Denis, bleibt für den Leser lange Zeit recht unscharf und man bekommt den Eindruck, dass Mangin sich noch kein rechtes Ziel für den Jungen ausgedacht hat. Umso befremdlicher ist dann auch die Wandlung zum „Bösen“ in der zweiten Hälfte der Handlung. Wo man gerade noch Mitleid mit einem herumgeschubsten Kind hatte, sieht man ich jetzt plötzlich einem rachsüchtigen Schurken ausgesetzt.

Vielleicht spielt Kleine Wunder aber auch einfach in einem Zeitalter, mit dem ich nicht so recht warm werde. Schön umgesetzt hat es Zeichner Griffo (Giacomo, Samba Bugatti) immerhin: Erdige Farben, detailierte Hintergründe, äußerst passend für einen fantasiereichen Historiencomic.

 

Wertung: 5 von 10 Punkten

Ein Comic, aus dessen Grundidee man mehr hätte machen können. So lässt die Spannung leider schnell nach.

 

Kleines Wunder
Edition Solitaire bei Finix Comics, Dezember 2011
Text: Valérie Mangin
Zeichnungen: Griffo
96 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 19,80 Euro
ISBN:978-3-941236-52-3
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Finix Comics

Links der Woche: Mit Winsor McCay, digitalen Comics und sexy Superhelden

Unsere Links der Woche, Ausgabe 3/2012:

 

Digitale Comics – Eine Bestandsaufnahme
Splashcomics, Bernd Glasstetter
Die zunehmende Verbreitung von Tablet-Computern sorgt für Aufbruchsstimmung auf dem Gebiet der digitalen Comics. Während in den USA mittlerweile alle großen Verlage die meisten ihrer Comics auch digital anbieten (inzwischen auch überwiegend gleichzeitig mit der Print-Veröffentlichung), ist man in Deutschland noch relativ zurückhaltend. Trotzdem experimentieren inzwischen schon etliche Verlage mit digitalen Comics. Splashcomics hat bei 18 Verlagen nachgefragt, welche Aktivitäten sie auf dem neuen Feld betreiben oder planen.

Unangenehme finanzielle Situation für Fumetto
DRS 1
In Luzern will die konservative Schweizer Volkspartei (SVP) per Volksabstimmung den Haushalt der Stadt ablehnen. Teil davon ist ein Zuschuss von 190.000 Franken, mit dem die Stadt das traditionsreiche Comicfestival Fumetto unterstützt. Derzeit läuft eine Unterschriftensammlung, bis zu deren Abschluss im Februar das Geld gesperrt ist. Wer keine Angst vor Schwyzerdüütsch hat, kann sich auf der DRS-Website auch einen Audiobeitrag zum Thema anhören. 

Der eine zahlt, der andere zeichnet
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Andreas Platthaus
Comics, Filme, Träume
Deutschlandfunk, Christian Möller
Mit großem Medienecho begann in Troisdorf eine Ausstellung über Winsor McCay, dem wir nicht nur die Comics um Little Nemo verdanken. Andreas Platthaus bespricht die Ausstellung in der FAZ und schwärmt ein paar Tage später auf seinem Comic-Blog weiter. Im Radio stellt der Deutschlandfunk McCay und die Ausstellung vor(MP3-Download hier), und der Comic-Report interviewt Alexander Braun, den Kurator der Schau und Autor des Katalogs. „Comics, Filme, Träume“ läuft im Bilderbuchmuseum Troisdorf bis zum 4. März und wird danach auch in Hannover, Erlangen, Basel, Backnang und Dortmund zu sehen sein.

Comicempfehlungen erstes Halbjahr 2012
satt.org
Die Jahresbestenlisten haben wir inzwischen hinter uns – hier kommen nun Vorfreudelisten: Auf welche Comics (und Bilderbücher) sind Nana Wallraff, Lutz Göllner, Sven Jachmann, Gerd Ruprecht und Felix Giesa am meisten gespannt?

Und wenn sie nicht gestorben sind …
Selektive Erinnerung, Haiko Hörnig & Marius Pawlitza
Der Webcomic Selektive Erinnerung lief von Herbst 2006 bis Ende 2008, danach war Funkstille. Jetzt meldet sich das Duo Haiko & Marius zurück. Mit Furzwitzen!

Eure Comics für JAZAM! Vol. 7 – “Vier Elemente”
Jazam! Blog, Adrian vom Baur
Die Anthologie JAZAM! hat sich in den letzten Jahren zur unentbehrlichen Talentschau des einheimischen Comicnachwuchses gemausert. Nun steht das Thema für Ausgabe 7 und die Organisatoren rufen zur Teilnahme auf.

Dieses Kostüm schneidet meinen Hintern in zwei Teile
Telepolis, Twister (Bettina Hammer)
Gedanken zur Darstellung weiblicher Figuren in Superheldencomics

The Myth of Sexy Superman and the Search for Superhero Beefcake [Op-Ed]
Comics Alliance, Andrew Wheeler
Ähnliches Thema, ganz anderer Ansatz: Andrew Wheeler dreht den Spieß um und schreibt aus der Sicht eines schwulen Lesers auf der Suche nach männlichen Figuren, die als Sexobjekte dargestellt werden. „Male superheroes are not written sexy, they’re rarely drawn sexy, and they do not dress sexy“, stellt er fest und freut sich über Chris Hemsworths Auftritt in der Thor-Verfilmung.

The Dangers of SOPA, The Stop Online Piracy Act, to Comic Books and You [Op-Ed]
Comics Alliance, Aaron Colter
Thema der Woche im Netz waren sicher die für alle sichtbaren Proteste gegen die US-Gesetzesinitiativen SOPA und PIPA, hinter denen vor allem die großen Medienkonzerne (darunter auch Marvels Mutterkonzern Disney und DCs Mutterkonzern Time Warner) stehen. Aaron Colters Beitrag fasst die Debatte zusammen, erklärt, warum der SOPA schädlich wäre und enthält zahlreiche interessante Links.

Prinz Eisenherz Gesamtausgabe 16 – Jahrgang 1967/1968

Cover Prinz Eisenherz 16Seit einiger Zeit hat es der Bocola-Verlag übernommen, alle 1788 Seiten von Prinz Eisenherz, die Hal Foster zwischen 1937 und 1971  schuf, auf Deutsch zu veröffentlichen. Dabei werden die Originalseiten digital restauriert und in den Originalfarben veröffentlicht. Die Gesamtausgabe der von Hal Foster allein gestalteten Bände geht mit großen Schritten ihrem Ende entgegen. Immerhin ist bereits der sechzehnte der 18 geplanten Bände erschienen.

Inhaltlich ist der Band eigentlich nur unter dem Begriff „wie üblich“ zu beschreiben. Es gibt Action, amouröse Verwicklungen, Humor, Intrigen und Abenteuer, die sich mit zarten Familienszenen abwechseln. Diesmal ist auch Eisenherz selbst wieder die Hauptfigur (nachdem im Vorgängerband großes Augenmerk auf dessen Sohn lag). Aber es gibt hier durchaus einige sehr interessante Aspekte, welche die Strukturen von Macht und Verantwortung behandeln. Insofern ist der Aufbruch der Sechziger Jahre nicht ganz spurlos an Prinz Eisenherz vorbeigegangen, da er teilweise durchaus politisch ist. So tritt zum Beispiel ein widerwilliger König auf, der nicht herrschen will, sich aber eben aus der Sorge um das einfache Volk zu einem guten König mausert.

Auffällig oft werden hier Aspekte einer guten Regierung geschildert. So wird relativ viel Zeit darauf verwandt, Aleta bei Regierungsgeschäften zu beobachten und zu fragen, wie man wirkungsvoll Dekadenz und Korruption bekämpft. Ebenso wird der Aspekt der Ruhmsucht anhand zweier sehr unterschiedlicher Figuren untersucht. Der eine hat den Geist zum Rittertum, aber nicht die körperliche Kraft und Geschicklichkeit. Der andere ist ein tumber Muskelprotz, der nur am materiellen Vorankommen interessiert ist. Ein perfekter Ritter würde beides in sich vereinen. Es ist spannend und geschickt gemacht, wie dennoch beide, je nach ihrer Disposition, beruflich zufrieden werden können. Leider hat sich Foster irgendwann nicht mehr sonderlich für sie interessiert und hakt sie einfach zu kurz ab. Auch einer der größten Schurken des Bandes wird eher nebenbei besiegt.

Seite aus Prinz Eisenherz 16Solche kleinen Makel sind hier erstaunlich oft zu finden. Ob das schon Ermüdungserscheinungen waren? Ein Abenteuer des Sohnes von Eisenherz, Arn, hat viel Potenzial für weitere Folgen. Ihm wird von einer vermeintlichen Hexe und ihrem verrückten Sohn ein Halluzinogen verabreicht, welches ihn wohl zu einem Berserker machen sollte. Aber ob er nun Menschen unter dem Einfluss der Droge getötet hat oder nicht, wird sträflich vernachlässigt. Das hätte Stoff für einen ganzen Band ergeben, mit den Selbstzweifeln, möglichen Familienkonflikten und Intrigen von Feinden, die das ausnutzen wollen. Und was macht Foster daraus? Nichts! In einem Panel wird Arn gesund gepflegt und Eisenherz sucht die Höhle auf. Dann kommt das alles nicht mehr zur Sprache.

Generell ist der Band trotzdem sehr überzeugend und zeigt alles, was die Serie ausmacht. Von den routinierten Zeichnungen mit dem detailreichen Strich bis zum spannenden und abwechslungsreichen Inhalt. Für Fans ist der Band deshalb sowieso ein Pflichtkauf, aber auch alle, die bisher nicht unbedingt zu diesen gehörten, können hier unbesorgt einen Blick hinein werfen. Spannung, Action, Dramatik, Humor und Romantik mit guten Zeichnungen. Was will man mehr, um gut unterhalten zu werden?

Wertung: 8 von 10 Punkten

Neben der üblichen Mischung aus Spannung, Action, Humor und Dramatik bringt Foster auch politische Aspekte unter, was dem Ganzen ein breiteres Spektrum verleiht.

 

Prinz Eisenherz Gesamtausgabe 16 – Jahrgang 1967/1968
Bocola Verlag, November 2011
Text und Zeichnungen: Hal Foster
112 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 22,90 Euro
ISBN: 978-3-939625-17-9
Leseprobe
(PDF)

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Bocola Verlag

Ganz allein

Cover Ganz alleinWoche für Woche fährt ein kauziger älterer Seemann mit einem kleinen Boot raus aufs Meer, stellt zwei Kisten vor dem Felsen eines anonymen Leuchtturms ab und fährt wieder zurück. Der Grund dafür liegt in einem Versprechen begründet, das der Seemann vor langer Zeit den ehemaligen Wärtern des Leuchtturms gab: Nach deren Tod solle er für die Versorgung ihres Sohnes sorgen, der seitdem allein dort lebt.

Der Sohn, den niemals jemand mit eigenen Augen gesehen hat, wurde auf der winzigen Leuchtturminsel geboren und aufgrund seiner Missbildungen vor der Außenwelt geheim gehalten. Dort kennt niemand den wirklichen Namen des Einsiedlers, die wenigen, die von seiner Existenz wissen, nennen ihn nur „Ganz allein“.

Inzwischen ist Ganz allein ein alter Mann, der noch niemals Kontakt zur Außenwelt hatte. Einzig sein Goldfisch leistet ihm Gesellschaft. Wie kostbare Sammlerstücke drapiert er die wenigen Besitztümer im Leuchtturm, offenbar von seinen Eltern vererbte oder vom Meer angespülte Gegenstände, ein Tennisball, ein Schuh, ein Feuerzeug. Darunter findet sich auch ein zerfleddertes Lexikon, das er immer und immer wieder auf einen Tisch fallen lässt um so auf einer zufällig aufgeschlagen Seite einen neuen Begriff zu lernen.

Seite aus Ganz alleinChristophe Chabouté benutzt hier einen ziemlich guten erzählerischen Trick: In einer äußerst wortkargen Story (die Hauptfigur selbst spricht so gut wie gar nicht) lässt er das Lexikon als zentrales Element, als Verbindung zu einer unbekannten Außenwelt sprechen. Da unter den Begriffen, die Ganz allein nachliest, vorrangig abstrakte Konstrukte stecken, die man ohne entsprechende Sozialisation nicht verstehen kann (z.B. „Metapher“, „Labyrinth“ oder „Symphonie“), sieht man seine Fantasie schweifen. Der einsame Leuchtturmbewohner malt sich die Bedeutung der Wörter auf kindlich-naive Weise bildlich aus.

Hinter dem Bedürfnis, Neues kennenzulernen steckt aber natürlich auch die Sehnsucht nach Kontakt zur Außenwelt. Chabouté benutzt einen jungen Kollegen des Seemanns als Vermittler, wenn dieser ab sofort hilft, die Kisten jede Woche abzuliefern und die Frage stellt, ob man denn so viele Jahre allein in einem Leuchtturm glücklich werden kann.

Das über 360 Seiten dicke Buch berührt. Im Mittelpunkt steht keine epische Handlung, sondern die Kostbarkeit des Lebens. Trotzdem lässt Christophe Chabouté seine schwarz-weißen Bilder zumeist in weiträumigen Panels wirken, die den Leuchtturm, dessen Innenleben und das Meer aus jedem erdenklichen Winkel porträtieren.

Ganz allein ist ein Comic, der sich Zeit nimmt und eine wunderbare Atmosphäre schafft. Auch wenn man wegen des geringen Textanteils relativ schnell durch ist, macht jede Seite in diesem Buch unheimlich Spaß und Freude auf eine zweite Lektüre.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Berührendes Werk, das wirklich außerordentlich gut erzählt ist

 

Ganz allein
Carlsen Verlag, September 2011
Text und Zeichnungen: Chistophe Chaboute
376 Seiten, schwarz-weiß, Hardcover
Preis: 29,90 Euro
ISBN: 978-3-551-78373-8

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Carlsen Verlag

Die wahre Geschichte vom Untergang der Alexander Kielland

Cover Die wahre Geschichte vom Untergang der Alexander KiellandDavid Schraven und Vincent Burmeister nahmen ein reales Geschehen als Aufhänger für ihren Comic. Am 27. März 1980 kenterte die norwegische Bohrinsel Alexander Kielland und riss 123 der 212 Besatzungsmitglieder in den Tod. Als Unfallursache galten damals Ermüdungserscheinungen der Stützstreben, die brachen und damit eine fatale Kettenreaktion auslösten. Die beiden deutschen Comicschöpfer nehmen aber eine menschliche Ursache an und spinnen ein Garn von Einsamkeit und Verzweiflung. 

Der Ich-Erzähler des Bandes ist ein Besatzungsmitglied der Bohrinsel und zuständig für den Bohrkopf. Seine Tätigkeit lässt ihn oft allein in seiner Kabine sitzen. Dementsprechend hat er unter der Besatzung so gut wie keine Freunde. Eines Tages kommt ein neuer Ingenieur auf die Alexander Kielland. Zu seiner größten Überraschung ist er weiblich. Nach einiger Zeit verlieben sich der Erzähler und die Frau und gehen eine Beziehung ein. Nach einer Weihnachtsfeier, an welcher der Erzähler nicht teilnehmen kann, kommt es zu einer verhängnisvollen Begebenheit, die tödliche Konsequenzen nach sich zieht.

Es ist schon oft reizvoll, eine reale Begebenheit zu nehmen und sie auszuschmücken. So kann man Mythen erschaffen oder mit einem realen Hintergrund spielen, gesellschaftliche Strömungen einbauen und das Geschehen als Metapher benutzen (wie es etwa vor allem mit der „Titanic“ gemacht wurde). Der Autor Schraven bezieht sich im vorliegenden Band zwar auf ein reales Geschehen und postuliert eine andere Unglücksursache, aber das allein reicht nicht aus, um eine Mythifizierung zu erreichen. Durch die Verschiebung des Fokus könnte daraus eine Liebesgeschichte und ein Drama auf einem beengten Raum entstehen, das eine klaustrophobische Stimmung zu erzeugen vermag. Aber ach, es sollte nicht sein. Vielleicht kam Schraven da sein Hintergrund als Journalist in die Quere. Vielleicht war er zu sehr auf (vermeintliche?) Fakten erpicht und ließ alle Emotionalität beiseite. Der Funke will nicht zünden, die Figuren bleiben einem fern und eine spannende Handlung kommt so nur begrenzt in Gang. Zudem ahnt man aufgrund des Titels viel zu schnell, was noch kommen wird. Die Handlung steigert sich zwar mehr und mehr, entwickelt aber keine richtige Dynamik, da kein großer Wert auf eine ausgefeilte Dramaturgie gelegt wird. Die an sich vielversprechende Story ist viel zu unterkühlt erzählt und lässt beim Leser leider keine Empathie für die Figuren und die Geschehnisse aufkommen.

Der größte Reiz des Comics besteht in seinen Zeichnungen, die in dem Querformat auch gut zur Geltung kommen. Die Beklemmung im abgeschotteten Kosmos der Bohrinsel kommt, wenn nicht schon in der Story, so doch in den Zeichnungen gut zum Ausdruck. Es ist sehr geschickt, dass Vincent Burmeister keine freien Räume zulässt. Die Panels, die im Inneren der Plattform spielen, sind auf der gesamten Seite wieder von einer Meereszeichnung eingebettet, was die Isolation, die Einsamkeit und die Unentrinnbarkeit schön verdeutlicht. Die Mimik gerade der männlichen Hauptfigur ist bisweilen zwar sehr übertrieben und plakativ, aber die Geschichte ist generell sehr gut umgesetzt. Vor allem das Meer zeichnet Burmeister sehr beeindruckend und stimmungsvoll. Leider wird die Bohrinsel allzu oft abgebildet. Man weiß doch, wo die Handlung spielt und die Totalansichten der Alexander Kielland ermüden auf Dauer etwas.

Außerdem muss man sich Gedanken über das Preis-Leistungs-Verhältnis machen. Ob der recht schmale Band von 64 Seiten wirklich als Hardcover veröffentlicht werden musste, zu einem damit recht happigen Preis, sei mal dahin gestellt. Aber Fans von Meeresansichten und Seegeschichten werden durchaus auf ihre Kosten kommen. Auch wenn hier eindeutig mehr drin gewesen wäre.

 

Wertung: 5 von 10 Punkten

Vielversprechende Story, die nicht richtig zünden will

Die wahre Geschichte vom Untergang der Alexander Kielland
Carlsen Verlag, November 2011
Text: David Schraven
Zeichnungen: Vincent Burmeister
64 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 19,90 Euro
ISBN: 978-3-551-73052-7c
Leseprobe

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