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Pelikan Protokoll 1 – Erste Phase

Cover Pelikan Protokoll 115 Menschen aus aller Welt werden entführt in der geheimen Station „Pelikan B“ untergebracht. Über den Grund ihrer Verschleppung werden sie nicht informiert. Nur eins scheint sicher: Die Entführten sind weniger Gefangene als vielmehr Probanden eines groß angelegten Experiments.

Augenscheinlich haben die 15 Protagonisten nichts gemeinsam, weder Nationalität, noch Alter oder Geschlecht. Warum wurden also genau diese Menschen ausgewählt? Aufschluss darüber könnte die Einsicht in das sogenannte Pelikan-Protoll geben, an das sich Forscher und Aufseher sklavisch halten müssen. Genau das wird aber im ersten Band dieser Serie nicht näher spezifiziert. Im Gegenteil. Man bekommt viel eher den Eindruck, dass auch die eigentlichen Versuchsleiter Teil des Experiments sind und in gewisser Weise ahnungslos dem Protokoll folgen. Der erste Teil dieser vierteiligen Reihe liest sich dementsprechend wie die Betrachtung einer Doppelblindstudie, bei dem man sich als Leser nie wirklich klar sein kann, welche Person im Versuchsaufbau wieviel weiß, und welches Ziel die Aktion verfolgt.

Zunächst sind die Versuchspersonen (laut Protokoll ausschließlich als „Einheiten“ bezeichnet) isoliert in videoüberwachten Einzelzellen. Kontakt haben sie zumeist nur zu den Wärtern (= Kameraden), außer in den wenigen Sitzungen bei den Forschern (= Berater) der Einrichtung. Um die Reaktion der Teilnehmer auf andere Entführte zu untersuchen, wird kurzzeitig eine „Vernetzung“ initiiert, bei der alle Zellen geöffnet werden und ein Austausch untereinander stattfinden kann (interessanterweise auch zu den „Kameraden“, was den Eindruck verstärkt, dass auch diese Hilfskräfte unfreiwillig Teil der Sozialstudie sind).

Damit haben Richard Marazano (Text) und Jean-Michel Ponzio (Zeichnungen) nach Der Schimpansenkomplex einen weiteren spannenden Mysterycomic gestartet. Diesmal begeben sie sich weniger in das SciFi-Genre als vielmehr in psychologische Gefilde. Bereits jetzt lässt sich die Serie gut an. Viele Fragen werden aufgeworfen, viele Momente, wie die aufgezeichneten Interviews aller 15 Hauptfiguren, sind wirklich gelungen. Außerdem spielt Marazano ganz wunderbar mit drei Perspektiven: Wissenschaftler, Aufseher, Insassen. So ist jede dieser Parteien mal im Zentrum und man bekommt deren Sichtweise präsentiert. Das ist bei so vielen unbekannten Variablen und Rätseln ein echter Balanceakt für einen Autoren.

Seite aus Pelikan Protokoll 1Analog zu Der Schimpansenkomplex zaubert Ponzio auch hier wieder wunderschöne Bilder aufs Papier. Auch wenn sich manche Szenen aufgrund ihres Fotorealismus vom Hintergrund hin und wieder schablonenhaft abheben, gefällt mir dieser Stil außerordentlich gut.

Weniger positiv überrascht war ich von der Enführung der Einheit Nummer 4, Isabell. Sie ist unter einer Gruppe von Hauptfiguren quasi nochmal die ganz besondere Hauptfigur, der Held, wenn man so will. Daheim musste sie ihren kleinen Bruder zurücklassen, für den sie allein verantwortlich ist und der, sie wird nicht müde es zu erwähnen, ohne sie nicht klarkommt. Natürlich ist Isabell im Zuge dessen getrieben von einer Art Mutterinstinkt und zeigt sich als die taffe Alleinerziehende, die sich den Forschern widersetzt, wo sie nur kann. Ob es so eine klischeehafte Figur unbedingt gebraucht hätte, nur um krampfhaft Emotionen beim Leser wecken zu wollen, bleibt anzuzweifeln.

 

Wertung: 9 von 10 Punkten

Klasse Beginn einer mysteriösen Verschwörung, auch grafisch sehr zu empfehlen

 

Pelikan Protokoll 1 – Erste Phase
Splitter Verlag, Januar 2013
Text: Richard Marazano
Zeichnungen: Jean-Michel Ponzio
Übersetzung: Tanja Krämling
64 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 13,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-562-5
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

Batman – Das Making-of der Dark Knight Trilogie

Cover Batman – Das Making-of der Dark Knight TrilogieDie Batman-Trilogie von Christopher Nolan ist Geschichte. Bekommt, wer die Filme bereits als Blu-ray besitzt, noch dazu in aufwändigeren Editionen inklusive Audiokommentar und Making-of, mit diesem Buch nur ein nettes Souvenir, einen hübschen Coffee-Table-Bildband mit entbehrlichen Info-Häppchen? Braucht man nicht, ist auch viel zu teuer? Dreimal Nein!

Dieses hochwertig verarbeitete Buch richtet sich an anspruchsvolle Cineasten, die idealerweise auch Batman mögen, aber auch Leser, die wegen Nolan und nicht wegen des Mitternachtsdetektivs zu diesem Prachtband greifen, dürften voll auf ihre Kosten kommen! Das Verhältnis zwischen Bild und Text ist ausgewogen. Wer einen reinen Bildband erwartet, dürfte bemängeln, dass die Fotos meist eher zu klein sind und dass sie kaum bislang unbekannte Bilder enthalten. Die Kapitel sind klar gegliedert: Informationen zu Drehbuch, Besetzung und fast schon zu viel zum Thema Batmobil lässt sich schnell nachschlagen. Comic-Freunde dürfen sich über Abbildungen aus „The man who falls“ und anderen Vorbildern für die Verfilmungen freuen.

Interessant sind hierbei auch Nolans Überlegungen, welcher Schurke dabei sein durfte und welcher nicht – Killer Croc war offenbar zu grotesk. Andere, wie der Pinguin,  wurden abgelehnt, weil sie bereits in den alten Filmen waren. Zwar sollte und durfte sich das Team an den alten Comics orientieren, Anne Hathaway durfte gerne zu Filmen von Hedy Lamarr greifen (die Bob Kane ursprünglich zu Catwoman inspiriert haben soll). Praktisch tabu war aber alles, was in den alten Batman-Filmen zu sehen war. Dabei wäre sicherlich amüsant zu wissen, was das Team um Nolan von Bane in Batman & Robin oder von Tommy Lee Jones als Two-Face halten – dürfte schwer sein, darüber etwas Nettes zu sagen, ohne zu lügen. Wer also solche Vergleiche erwartet, etwa auch zwischen Burtons Batman oder dem TV-Batman der Sixties, wird in diesem Buch nicht fündig. Dafür wird, wie bereits der Titel des Buches verrät, ein Making-of der Dark-Knight-Trilogie geboten, das ebenso wie die Filme keine lieblose Pflichterfüllung ist, sondern fast schon ein Seminar zum Thema Filmhandwerk.

Seite aus Batman – Das Making-of der Dark Knight TrilogieIm Rückblick sind die drei Filme von Christopher Nolan eine Meisterleistung, die schwer zu übertreffen sein wird. Liest man ohne viel Vorwissen dieses Buch, dann drängt sich wahrscheinlich folgender Eindruck auf: Als Batman Begins ins Kino kam, war das eine Sensation. So eine realistische, grandiose Superhelden-Verfilmungen hatte es vorher noch nie gegeben – ist das wahr? Allzu (selbst-) kritische Töne, finden sich in diesem Buch nicht. Das ist dann auch mein größter Kritikpunkt an diesem ansonsten ganz hervorragenden Buch. Sicher, noch mehr seiten-füllende Fotos wären ebenfalls schön gewesen, aber am meisten stört die stellenweise etwas zu dick aufgetragene Selbstlobhudelei.

Bezieht man auch die Comics mit ein, dann waren Werke wie Watchmen oder eben die Vorlagen für die Filme, The Long Halloween, Year One oder Knightfall, lange vor Nolans Versuchen, die Schumacher-Schmach (Batman Forever, 1995 und Batman & Robin, 1997) wieder gut zu machen, da. Konzentriert man sich nur auf das Medium Film, waren für Comic-Kenner Bryan Singers X-Men Filme, für ein Massenpublikum aber vor allem Sam Raimis Spider-Man das neue große Ding, Jahre bevor Batman Begins erschien – das war die eigentliche Revolution und nicht Batmans Neustart. Nolans Film verdankt diesen Vorgängern extrem viel, deshalb ist es schade, dass in diesem Buch so vielen Respekt gezollt wird (Bob Kane, Frank Miller usw.), dass aber Bryan Singer und Sam Raimi so wenig gewürdigt werden (was daran liegen dürfte, dass Sony und Warner Brothers Wettbewerber sind). Zumindest weist Nolan am Ende des Buches darauf hin und bedauert, dass die Figuren aus den Filmen zum größten Teil nicht seine eigenen Schöpfungen, sondern nur geliehen sind. Ähnlich geht es Regisseuren für James-Bond-Filme. Tatsächlich ähnelt Nolans Batman viel eher Bond als knallbunten Marvel-Verfilmungen wie Captain America oder The Avengers.

Dass im Buch immer wieder darauf hingewiesen wird, wie sehr alles Übertriebene, Science-Fiction-hafte und alles andere, was wohl im negativen Sinne als „comichaft“ gilt, unbedingt vermieden werden sollte, lässt sich so deuten, als wären den Machern einige Facetten von Batman peinlich. Bei aller berechtigten Kritik an Schumachers Filmen, sie hatten zumindest auch Humor, waren selbstironisch und, um den Joker zu zitieren: „Warum denn so ernst?“ Ein erwachsener Mann im Fledermauskostüm – das schreit geradezu nach Parodien. Comics bzw. Filme wie Watchmen und Kick-Ass haben das, woran es Batman, auch in der zweifellos großartigen Nolan-Trilogie, etwas mangelt: Humor, Sex, Abgründe, Kritik an Selbstjustiz und der Weltpolizei USA, und ja, auch das, tatsächlichen Realismus. Kick-Ass zeigt sehr schön, wie Superheldenkämpfe im echten Leben aussehen würden und was passiert, wenn man mit einem Umhang vom Dach springt. Batman ist schon einer der realistischsten Superhelden, aber so ganz falsch liegt Aaron Eckhart nicht, wenn er ihn auf Seite 97 „den MacGyver der Superhelden“ nennt.

Seite aus Batman – Das Making-of der Dark Knight TrilogieIn der Einleitung lobt Alfred-Darsteller Sir Michael Caine den Regisseur Christopher Nolan. Im Vorwort dankt dieser seinem Ensemble, im Nachwort würdigt er Heath Ledger. Bereits der Text von Caine ist äußerst lesenswert und ein hervorragender Appetitanreger für das Buch, hier wird sehr gut auf den Punkt gebracht, wie groß die Leistung Nolans war und wie cool Batman dank ihm wieder wurde, nachdem er in Joel Schumachers Filmen zur Witzfigur degradiert wurde. Dank seiner Rolle als Butler von Bruce Wayne werde Caine endlich wieder Respekt für seine aktuellen Leistungen entgegengebracht. Statt den Töchtern Autogramme für die Mütter zu schreiben fragten nun die Mütter nach einer Signatur für die Töchter. Der Text von Caine liest sich interessant und er wirkt aufrichtig begeistert und dankbar, dass Nolan diese aufwändigen Filme gedreht hat – das wäre dann auch mein verkürztes Fazit zu diesem Buch.

Wen interessiert schon, wie die Musik für einen Film komponiert wird und welche Bedeutung sie hat? Wieso sollte man etwas über die Marketing-Kampagne eines Films erfahren wollen? Ist das nicht alles eher nebensächlich und langweilig? Doch selbst solche vermeintlichen Kleinigkeiten wirken in diesem Buch äußerst spannend und ihre große Bedeutung wird deutlich herausgearbeitet. Während in anderen Filmen die Musik chaotische Szenen besser aussehen lasse, habe Nolan ganz bewusst anders gearbeitet – hier sollten die Bilder erst mal ohne Musik funktionieren und erst dann wurden sie mittels Ton noch verbessert. Eines von vielen Beispielen dafür, wie akribisch Nolan und sein Team selbst an winzigsten Details arbeiteten, die dann beim flüchtigen Betrachten der Filme so mühelos wirken.

Tatsächlich gibt es in diesem Buch nicht eine Zeile zu viel. So vieles wird als selbstverständlich betrachtet, aber wie genau wurde denn die Szene mit dem fliegenden Bat gedreht? Wie werden Dialoge am Set aufgenommen? Okay, das Batmobil ist ein tatsächlich fahrbares Auto, aber wie genau entstanden denn die Szenen damit? Dieses Buch beantwortet so viele Fragen, wie es das Bonusmaterial von Filmen wie Star Wars, Der Herr der Ringe oder eben der Dark-Knight-Trilogie nicht mal annähernd schafft. Warum ich Nolans Batman in eine Reihe mit den eben genannten Filmen stelle, obwohl ich sowohl Batman Begins als auch The Dark Knight für über- und The Dark Knight Rises für unterbewertet halte, beantwortet dieses Buch! Wobei man anmerken muss, dass zu viel Wissen natürlich auch die Magie der Filme entzaubern kann.

 

Wertung: 9 von 10 Punkten

Hochinformativ und höchst unterhaltsam: Wie alles anfing, was bei dieser Trilogie anders war als bei anderen Batman-Filmen, und viele weitere Fragen beantwortet dieses Buch.

 

Batman – Das Making-of der Dark Knight Trilogie
Knesebeck Verlag, August 2012
Text: Jody Duncan Jesser, Janine Pourroy
Design: Chip Kidd
304 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 34,95 Euro
ISBN: 978-3-86873-460-7

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Abbildungen aus der US-Ausgabe, © Abrams Books

Frisch aus der Druckerei: Januar 2013

Das Comicjahr 2013 beginnt ohne ganz große Highlights, aber mit zahlreichen interessanten Neuheiten, unter denen auch einige Titel für junge Leser sind. Außerdem ging eine Sammelreihe mit Marvel-Comics an den Start, die vielleicht ein neues, breiteres Publikum für Superheldencomics erschließen könnte. Hier ist unser Überblick über die wichtigsten Novitäten des vergangenen Monats:

HIGHLIGHT DES MONATS

VakuumBei Reprodukt erscheint mal wieder ein Debüt eines jungen deutschen Zeichners: Vakuum ist der erste buchlange Comic von Lukas Jüliger, Illustrationsstudent an der HAW Hamburg. Seine Coming-of-Age-Geschichte erzählt von der seltsamen Zeit, wenn die Schule endet und das Erwachsenenleben noch nicht angefangen hat, allerdings mit übernatürlichen Elementen. Anders als bei einigen seiner Kollegen handelt es sich bei dem Comic nicht um seine Abschlussarbeit, vielmehr hat er sein Studium für zwei Jahre unterbrochen, um an Vakuum zu arbeiten. Sieht, der Leseprobe nach zu urteilen, aus, als habe es sich gelohnt.

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EIGENPRODUKTIONEN

A propos HAW, a propos Abschluss: Ein solcher ist die zehnte Ausgabe der Anthologie Orang, die 2003 von Sascha Hommer als studentisches Projekt an der HAW gegründet wurde. Orang X wird die letzte Ausgabe sein (mehr dazu im TagesspiegelInterview mit Hommer) und steht unter dem Motto „Heavy Metal“. Eine Vorschau gibt es auf orang-magazin.net.

Ferdinand 1Flix und Ralph Ruthe sind in der Regel Zeichner und Autor in Personalunion. Dass sie auch arbeitsteilig werkeln können, zeigt ihre Koproduktion Ferdinand, bei der Ruthe als Texter und Flix als Zeichner fungiert. Ferdinand ist ein kleiner, gelber Reporterhund, den die beiden für das Kindermagazin Dein Spiegel erschaffen haben, wo seit Herbst 2009 jeden Monat ein One-Pager erscheint. Bei Carlsen gibt es nun den ersten Sammelband mit Ferdinand-Geschichten. Und damit Beweisstück 1 für die These, dass 2013 ein sehr gutes Jahr für Kindercomics werden könnte. Hier eine Episode in der animierten Version:

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Beim Schwarzen Turm gibt es einen neuen erotischen Manga unter dem Label „Hentai Hearts“: Der erste Band von Lieben$wert der Zeichnerin Sami06 wurde vorab bereits online in der Dojinshi-Sektion bei Animexx veröffentlicht, außerdem erscheint der Comic kapitelweise im Magazin COMIX.

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AUS DEN USA

Robert Venditti ist der Autor des Überraschungserfolgs The Surrogates, das 2009 mit Bruce Willis verfilmt wurde. 2011 legte er die Graphic Novel The Homeland Directive vor, gezeichnet von Mike Huddleston (Butcher Baker, the Righteous Maker), die nun auf Deutsch bei Carlsen erscheint. Der Polit-Thriller dreht sich um tödliche Seuchen, Mord und Verschwörung innerhalb amerikanischer Regierungsbehörden. Eine Leseprobe des Originals gibt es beim US-Verlag Top Shelf.

The NobodyDer kanadische Autor und Zeichner Jeff Lemire (Essex County, Sweet Tooth) befindet sich gerade auf dem Weg vom Geheimtipp zum Starautor. Eben hat er bei DC die Serie Green Arrow übernommen und wird hoffentlich nicht vom Superhelden-Mainstream verheizt. Bei Panini erschienen im Januar gleich zwei Comics von ihm: Die Graphic Novel The Nobody (im Original bei Vertigo) als schicker Hardcoverband, der eine moderne Variation von H.G. Wells‘ Klassiker Der Unsichtbare erzählt und in Schwarz, Weiß und Hellblau gehalten ist (myComics-Leseprobe).

Während The Nobody auch von Lemires unverwechselbarem Zeichenstil lebt, ist er bei Superagent Frankenstein nur der Autor, die Zeichnungen stammen von Alberto Ponticelli. Die Serie gehört zu den originelleren Neustarts im Rahmen von DCs „New 52“-Aktion und könnte als eine Art „Hellboy im DC-Universum“ bezeichnet werden. Jedenfalls gibt es ordentliche Kloppereien zwischen allerlei monströsen Gestalten. Das erste Kapitel kann man bei myComics lesen.

Die großen Crossover-Events von DC und Marvel veröffentlicht Panini in der Regel zunächst in Heftform am Kiosk und bringt dann später noch einmal einen Sammelband. So auch bei Flashpoint, der Miniserie von Geoff Johns, in deren Anschluss dann der komplette DC-Neustart folgte (Leseprobe der Heftausgabe).

Thor – Der mächtige RächerEine unerwartete Perle verbirgt sich hinter dem Sammelband Thor: Der mächtige Rächer. Der enthält alle erschienenen Hefte der Reihe Thor: The Mighty Avenger von Roger Langridge (The Muppet Show) und Chris Samnee. Die Serie, die den Donnergott in seinen Jugendjahren zeigt und teilweise auch eine romantische Liebesgeschichte ist, erhielt durch die Bank sehr positive Kritiken, verkaufte sich jedoch eher schlecht – nicht zuletzt, weil Marvel um 2010 herum ein ganzes Bündel von Thor-Serien auf den Markt warf, um vom erfolgreichen Kinofilm zu profitieren. Nach nur acht Ausgaben wurde die Serie wieder eingestellt. Umso erfreulicher, dass sie nun trotzdem auf Deutsch erscheint. Kapitel 1 gibt’s bei myComics.

Es gehört zu den Grundbedürfnissen der großen Superhelden-Verlage, die Ursprungsgeschichten ihrer Superhelden immer und immer wieder neu zu erzählen. Marvel betreibt dies zur Zeit mit Comics unter dem Titel Season One, die nicht als Heftchen, sondern direkt als „Graphic Novel“ in Buchform aufgelegt werden und auch im klassischen Buchhandel Leser finden sollen. Auf deutsch erschienen bei Panini bereits die „Season One“-Geschichten von Spider-Man, den Fantastic Four, den X-Men und dem Hulk. Im Januar war der blinde Held Daredevil an der Reihe, dessen Origin-Story hier von Antony Johnston (Wasteland) und Wellington Alves neu interpretiert wird (Leseprobe).

„Für alle Fans von Ben Reilly und der KLON-SAGA!“ schreit Panini im Ankündigungstext zum ersten Band der neuen Reihe Scarlet Spider von Chris Yost und Ryan Stegman. Mal sehen, ob es die tatsächlich gibt. Die Serie ist jedenfalls ein Seitenprojekt zu Spider-Man und handelt von Peter Parkers Klon Kaine, der ebenfalls im Spinnenkostüm herumturnt, allerdings nicht in New York, sondern in Houston, Texas (Leseprobe).

Der französische Verlag Hachette ist ein Spezialist für sogenannte „Partworks“, der diverse Sammelobjekte in Serienform am Kiosk veröffentlicht. Das können Modellautos, Schiffsbausätze, Taschenuhren, DVD-Reihen oder das Gallische Dorf von Asterix sein – nun gibt es auch eine Reihe mit insgesamt 60 Comicbänden: Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung erscheint alle 14 Tage und enthält jeweils eine gesammelte Storyline in einem Hardcover-Band. Die Serie dürfte zu den ganz wenigen Comics gehören, die aktuell mit Werbespots im Fernsehen beworben werden. Die erste Ausgabe (Spider-Man: Heimkehr von Straczynski und Romita Jr.) gab es zum Einstiegspreis von 3,99 Euro, die zweite (Astonishing X-Men: Begabt von Whedon und Cassaday) für 8,99. Ab Nummer 3 (Iron Man: Extremis von Warren Ellis und Adi Granov), die heute erscheint, kosten alle Bände 12,99 Euro. Panini ist als Kooperationspartner mit im Boot und steuert Übersetzungen und Bonusmaterial bei. Wenn sich die deutsche Ausgabe an der Hachette-Reihe orientiert, die seit einem Jahr in Großbritannien läuft, erwarten uns noch einige empfehlenswerte Klassiker wie Frank Millers Daredevil: Born Again oder Kurt Busieks Marvels. Infos und Abomöglichkeiten unter zeit-fuer-superhelden.de, die Kollegen von Splashcomics haben Hintergründe zu dem Projekt gesammelt.

AUS FRANKREICH UND BELGIEN

Marilyn the WildDie Noir-Reihe von Schreiber & Leser bekommt wieder Zuwachs: Mit Marilyn the Wild adaptiert der Franzose Frederic Rebena einen Krimi von Jerome Charyn aus den Siebziger Jahren, dessen Held Isaac Sidel ein Polizist der besonders hartgesottenen Sorte ist. Eine Kostprobe gibt’s hier.

Und hier kommt Beweisstück 2 für die These, dass 2013 ein sehr gutes Jahr für Kindercomics werden könnte: Benni Bärenstark, geschaffen von Schlümpfe-Erfinder Peyo, kehrt zurück. 1971 kam er in Fix & Foxi erstmals nach Deutschland, zwischen 1980 und 2004 gab es zwölf Alben bei Carlsen, nur das 13. und bislang letzte ist bisher bei uns nicht erschienen. Nun übernimmt Toonfish, Splitters Label für Kinder- und Funny-Comics, und bringt zeitgleich sowohl den 13. Band als auch eine Neuauflage des ersten Albums. Die Teile 2 bis 12, alle neu koloriertund neu übersetzt, folgen in den nächsten Monaten. (Leseproben zu Band 1 und Band 13)

Zum 75. Geburtstag von Spirou, der 1938 seinen ersten Comic-Auftritt hatte, legt Carlsen eine schöne Spezialausgabe auf: Das sehr empfehlenswerte Spirou-Album Porträt eines Helden als junger Tor von Emile Bravo aus dem Jahr 2009 (unsere Rezension) in einem Jubiläumsschuber, der zwei Hardcover enthält: einmal den fertigen Comic und zusätzlich eine Skizzenversion der kompletten Geschichte.

Dreamland 1Ein Shonen-Manga made in France ist die Serie Dreamland von Reno Lemaire. Es geht um einen Jungen, der zwischen der realen und der Welt der Träume hin- und herreisen kann und bietet eine genretypische Mischung aus Action und klamaukigem Humor. In Frankreich ist die Reihe ein Bestseller mit fünfstelligen Auflagen. Auf der Tokyopop-Website gibt es dazu nicht nur eine ausführliche Leseprobe, sondern auch ein großes Gewinnspiel.

Die Ehapa Comic Collection veröffentlicht wieder eine französische Albenreihe komplett im All-in-One-Format: Das Grab Alexanders des Großen von Isabelle Dethan und Julien Maffre ist eine Abenteuergeschichte um rivalisierende Archäologen, die im ahr 1858 in Ägypten auf der Suche nach dem Grabmal von Alexander dem Großen sind (PDF-Leseprobe).

Eine dreiteilige Adaption des Klassikers Der Glöckner von Notre Dame erscheint beim Splitter Verlag. Robin Recht und Zeichner Jean Bastide adaptieren Victor Hugos berühmten Roman in einem sehr gefälligen Semi-Funny-Stil (Leseprobe).

 

AUS ENTENHAUSEN

LTB Fantasy 1An den Kiosken bringt Egmont Ehapa die neue sechsbändige Reihe Lustiges Taschenbuch Fantasy, die im Zweimonatsrhythmus erscheint. Der erste Band enthält neun italienische Duck-Stories, die alle mit Elementen des Fantasygenres spielen. Die vier langen Geschichten darin sind Nachdrucke aus alten LTB-Ausgaben, dazu gibt es einige Einseiter und kurze Gagstories als Erstveröffentlichungen.

Auch der Verlagsbruder Ehapa Comic Collection, der für den Buch- und Comichandel zuständig ist, legt bekanntlich immer wieder neue Variationen von Disney-Comics auf. Im Januar war das der erste von zwei Fähnlein Fieselschweif-Bänden, die alle Geschichten aus der Feder von Carl Barks enthalten, die sich um die Pfadfindergruppe von Tick.Trick und Track drehen. Die Hardcover-Reihe Enthologien ist mittlerweile bei Band 16 angekommen, besteht mittlerweile aber nur noch aus identischen Nachdrucken der Reihe Lustiges Taschenbuch Spezial. Der 16. Enthologien-Band „Der Duck der Dinge“ entspricht inhaltlich dem LTB Spezial 9 „Sagenhaftes Entenhausen“ von 2003.

AUS ASIEN

Carlsen Manga startete im Januar die Serie Devils and Realist von Utako Yukihiro und Madoka Takadono. Der Manga, zu dem gerade auch eine Anime-Umsetzung angekündigt wurde, dreht sich um den Sprössling einer reichen Familie, der im Keller des elterlichen Anwesens auf einen Dämon trifft, der direkt aus der Hölle kommt – und dort herrscht gerade ein Wahlkampf, in dem zahlreiche Dämonen versuchen, Luzifers Stellvertreter zu werden.

SEKUNDÄRLITERATUR

The Golden Age of DC ComicsDer Taschen Verlag glänzte im vorletzten Jahr mit dem wuchtigen Coffee-Table-Book 75 Years of DC Comics von Paul Levitz (unsere Rezension). Nun legt man noch einmal mit einer weiteren Edition nach, die auf dem voluminösen Werk basiert, aber über weitaus mehr Bilder und teilweise erweiterte Texte verfügt. Die Reihe besteht aus fünf Einzelbänden, die die Geschichte von DC Comics chronologisch abhandeln, und beginnt mit The Golden Age of DC Comics, das die Zeit von 1935 bis 1956 abdeckt. Die Bücher sind im Format kleiner und handlicher und im Preis erschwinglicher (wobei alle fünf Bände zusammen letztlich noch mehr kosten als die 150 Euro, die für den Großband fällig werden). Einige Beispielseiten sind hier zu sehen.

Links der Woche 6/13: So I go hunting for witches

Unsere Links der Woche, Ausgabe 6/2013:

 

Großes Kino um kleinen Comic
Lippische Wochenschau,
Comic über Lemgoer „Hexenrichter“ erregt Politikergemüter
Lippische Landes-Zeitung
Der Comic Der Hexenrichter von Luisa Preißler, der bereits vor über einem Jahr in Ausgabe 27 der Horrorschocker (Weissblech Comics) erschien, war Thema im Stadtrat von Lemgo. Einige Stadträte empörten sich über die Kurzgeschichte, die auf der realen historischen Figur des „Hexenrichters“ Hermann Cothmann basiert, der im 17. Jahrhundert als Bürgermeister für zahlreiche Prozesse gegen angebliche Hexen verantwortlich war. Dabei hat Preißler ihre Abschlussarbeit an der Lemgoer Fachhochschule ausdrücklich als „fiktionialen Comic“ tituliert. Anstoß nehmen die Lokalpolitiker wohl vor allem daran, dass die ernste Thematik aus ihrer Sicht sexistisch ausgeschlachtet werde. Während der CDU-Fraktionschef den Prüfungsausschuss der Hochschule zur Rechenschaft ziehen möchte, kritisiert ein besonnener Kommentar in der Lokalzeitung die „Betroffenheitsmaschinerie“ und schreibt: „Es darf bezweifelt werden, ob die Kritiker Preißlers Comic tatsächlich gelesen haben“ (Scan des Kommentars). Unterdessen hat das Crowdfunding-Projekt, mit der eine Verfilmung des Comics finanziert werden soll, sein Ziel erreicht und mehr als 5.000 Euro eingesammelt.

The Epilogue
Don Rosa
Don Rosa, der nach Carl Barks wohl prominenteste und angesehenste Zeichner von Disney-Comics aus Entenhausen, beendet seine Karriere und erklärt die Gründe dafür in einem Kommentar, der eigentlich als Epilog im Abschlussband der Don Rosa Collection erscheinen sollte. Der Disney-Konzern gestattete den Abdruck jedoch nicht, so dass Rosa den Text nun online veröffentlicht, wo ihn statt ein paar tausend Käufer der teuren Sammlerausgabe viele Millionen lesen können. In dem Aufsatz „Why I quit“ zählt er sechs Gründe auf, die ihn dazu bewegten, keine Duck-Comics mehr zu zeichnen. Neben einer gewissen Ausgebranntheit und gesundheitlichen Problemen nennt er als Grund Nummer 1 „the Disney comics system“, bei dem außer einer festen Summe pro Seite keinerlei weiteren Tantiemen gezahlt werden, auch wenn ein Comic sehr erfolgreich ist und immer wieder nachgedruckt wird (von den europäischen Verlagen der Egmont-Gruppe bekam er allerdings Sonderzahlungen). Der Text soll in Kürze auch in deutscher Übersetzung verfügbar sein.

Eine Stadt für die Comics
Neue Zürcher Zeitung, Christian Gasser
Angoulême 2013 
comic.de, Andreas Dierks und Eckart Sackmann 
Schon letzte Woche hatten wir zahlreiche Links mit Berichten vom großen Festival von Angoulême – hier sind zwei weitere.

ICOM Independent-Comic-Preisverleihung 2013
Interessenverband Comic (ICOM)
Der jährlich vergebene, mit insgesamt 2.000 Euro dotierte ICOM Independent-Comic-Preis wird in diesem Jahr am 31. Mai in München verliehen. Publikationen aus dem Jahr 2012 können bis Mitte März eingereicht werden.

Das Grundrauschen dieser Stadt: Neue Comicserie in der zitty
zitty, Moritz Honert
Im Berliner Stadtmagazin zitty erscheint ab sofort alle zwei Wochen der Fortsetzungscomic Berliner Mythen von Reinhard Kleist, der sich mit der Berliner Stadtgeschichte beschäftigt. Als Bindeglied zwischen den einzelnen Episoden dient ein türkischer Taxifahrer.

Bourbon Street 2 – Abschiedstournee

Cover Bourbon Street 2Wie der Titel schon vermuten lässt, ist „Abschiedstournee“ der zweite und letzte Band der kleinen, dem Jazz huldigenden Serie Bourbon Street. Und das wunderschöne Cover spiegelt alles wider, was in diesem Album zu finden ist und was ein Titelbild auch häufiger leisten sollte. Es macht nicht nur neugierig auf den Inhalt, zeigt nicht nur, was den Leser erwarten sollte, sondern gibt auch die jeweiligen Themen und Grundstimmungen vor. Dieses Cover verströmt Geheimnis, Sinnlichkeit, Freude, Erotik und Verführung (auch der Musik), ist aber aufgrund der großen Schwärze auch melancholisch, unheilvoll und bedrohlich.

Wenn sich nun die wiedervereinigte Band der alten Männer auf eine Tournee begibt, so ist das nicht nur rührend, weil sie ihren Traum erfüllen wollen, sondern auch traurig, wenn es nicht so klappt, wie es sollte. Mal wird die Band nicht bezahlt, mal fällt ein Auftritt wegen Trunkenheit aus und ein anderes Mal sind sie musikalisch auf dem komplett falschen Dampfer. Können die Männer das noch manchmal mit Humor nehmen, wiegen die auferweckten Erinnerungen doch sehr viel schwerer und drohen die Musiker in den Abgrund zu zerren.

Seite aus Bourbon Street 2Wenn man von der Zukunft wenig zu erwarten hat, allein schon aufgrund seines hohen Alters, schält sich immer mehr die Vergangenheit aus der Schwärze hervor und holt einen ein. Der erste Band war in dieser Hinsicht noch etwas verhalten und konnte nicht hundertprozentig überzeugen. Was vor allem daran lag, dass der Leser nur bedingt emotional eingebunden war. Diesmal ist es aber so, als ob man mit alten Freunden in ihren Tourbus steigt – von Beginn fühlt manan mit den Figuren und wünscht ihnen, dass sie sich ihren Traum erfüllen können.

Generell handelt Bourbon Street viel von Träumen. Und der Traum alter Männer ist es häufig, einstmals verlorene Träume und Ziele wieder zu beleben und damit auch ihre Jugend wieder zu gewinnen. Nur kommt einem da häufig die Vergangenheit selber in die Quere. So wird der Swing zum Blues. Manche Träume werden wahr, manche scheitern. Zudem wird sehr schön gezeigt, wie Musik Vergangenheit aufruft und Erinnerungen lebendig werden, sobald man eine bestimmte Melodie hört.

Zeichner Alexis Chabert arbeitet mit geradezu filmischen Überblendungen und verschiebt die Zeitebenen ineinander. Da gerät es zum Vorteil, dass sich die Männer im Alter zeichnerisch kaum von ihren jungen Alter Egos unterscheiden. Erinnerungen und Vergangenheit sind in der Musik ewig und eins. Trotz der schönen Überblendungen und der geschickten Zeitsprünge kann man dem Comic auch eine gewisse Härte und Abgeklärtheit nicht absprechen. So etwa, wenn das harte Tourleben und die Vergangenheit die Musiker einholt, und die Enttäuschungen und unerfüllten Hoffnungen sich immer weiter breit machen. All diese Widrigkeiten bestärken jedoch  die Romantik des Tourneelebens, der Musiker und nicht zuletzt der Musik an sich. Und dieses Lebensgefühl, den Zauber, welchen die Musik ausübt, um allen Widrigkeiten zu trotzen, kann die „Abschiedstournee“ wunderschön vermitteln.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Im Gegensatz zu dem ersten Band hat dieser deutlich mehr Handlung und versteht es, den Leser emotional einzubinden.

 

Bourbon Street 2 – Abschiedstournee
Ehapa Comic Collection, November 2012
Text: Philippe Charlot
Zeichner: Alexis Chabert
Übersetzung: Horst Berner
56 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 13,99 Euro
ISBN: 978-3-7704-3551-7

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Abbildung aus der frz. Originalausgabe: © Grand Angle

Cyann – Die Tochter der Sterne 1&2

Cover Cyann – Die Tochter der Sterne 1Cyann ist keine neue Serie. Vor einigen Jahren erschien das opulente Werk des Meisters François Bourgeon schon einmal beim Carlsen Verlag. Warum also wieder zugreifen? Die Druckqualität hat sich verbessert, das große Hardcover-Format und die vielen Skizzen und Anmerkungen der Werkausgabe sind ein zusätzliches Kaufargument. Aber der größte Pluspunkt besteht darin, dass der Splitter Verlag nun auch die beiden Abschlussbände veröffentlichen wird, die in Frankreich erst nach längerer Pause auf den Markt kamen. Doch zunächst sollen die ersten beiden Alben betrachtet werden, welche die erste große Storyline umfassen.

Cyann ist die Tochter des mächtigen Patriarchen Olsimar. Der Planet Olh wird von Clans beherrscht und es herrscht eine rigide gesellschaftliche Ordnung. Diese Ordnung ist bedroht, da eine Seuche die männliche Bevölkerung dezimiert, darunter Cyanns Bruder, und Unzufriedenheit die Gesellschaft erschüttert. Olsimar entschließt sich, eine Expedition auf den fernen Planeten Ilo auszurüsten, um dort nach einem Wirkstoff suchen zu lassen. Seine Wahl zur Expeditionsleiterin fällt auf die wilde Cyann, die nichts als ihr Vergnügen zum Lebensinhalt hat und deren Freundin Nacara so ihre liebe Mühe und Not hat, Cyann zu bändigen. Deswegen wird sie ihr zur Seite gestellt. Doch viele Interessengruppen legen alles darauf an, die Expedition scheitern zu lassen. Und auch auf dem Planeten Ilo ist alles anders als gedacht und die Expedition gerät in große Gefahr.

Cover Cyann – Die Tochter der Sterne 2Nach den ersten vier Alben, die zwischen 1993 und 2007 bei Carlsen erschienen, gab es eine lange Pause. Erst 2012 kam in Frankreich ein fünfter Band heraus, der bei Splitter für April geplant ist. Angesichts der detaillierten Gestaltung der Zeichnungen ist es kein Wunder, dass Bourgeon für seine Comics länger braucht als andere Zeichner. Allein schon seine anderen Serien wie Reisende im Wind und Gefährten der Dämmerung strotzen vor Details und penibler Ausarbeitung noch des kleinsten Knopfes. Und in Cyann werden, dem Science-Fiction-Genre gemäß, nicht nur eine, sondern gleich mehrere Welten entworfen. Und das braucht Zeit. Zeit, die sich lohnt: Optisch sind die beiden Bände, wie immer bei Bourgeon, äußerst beeindruckend.

Manchmal geht das aber zu Lasten der Story. Und auch wenn er sich hier Unterstützung von Claude Lacroix geholt hat, kränkelt sie hier und da und macht die Bände etwas sperrig. Das liegt zum einen daran, dass vieles erstaunlich unspektakulär vonstatten geht. Manche dramatischen Szenen haben kein richtiges Ende, sondern werden anstatt auf szenischer Ebene im Dialog weitergeführt. Viele Hintergründe und Folgen dramatischer Episoden werden auf diese Weise aufgearbeitet, wodurch keine richtige übergeordnete Dramaturgie entstehen will. Andererseits ist auch die Heldin Cyann nicht gerade sympathisch, was vor allem den ersten Band stellenweise zu einer Geduldsprobe macht. Aber wie es sich für das Genre gehört: Die Heldin wächst an ihren Aufgaben. So sind alle Geschehnisse auch dazu gedacht, die Heldin reifen zu lassen. Und am Ende des zweiten Bandes ist sie anders als zu Beginn.

Seite aus Cyann – Die Tochter der Sterne 2Somit ist Die Tochter der Sterne nicht nur eine Abenteuergeschichte, sondern indirekt auch eine Coming-of-Age-Story. Inhaltlich wird hier viel geboten: Das Epos bietet Intrigen, Sex, Mord, Action, Drama, Romantik und und und. Vor allem aber beeindrucken die Welten, welche Bourgeon hier entwirft. Man muss sich erst in dieser Gesellschaft, dem Leben auf dem fremden Planeten und seiner Flora und Fauna zurechtfinden. Die Story droht da immer wieder in der zeichnerischen Opulenz unterzugehen – aber man kann es nicht mehr erwarten, die folgenden Bände zu lesen, um zu sehen, wie es nach dem deutlichen Abschluss des ersten Zyklus weiter gehen mag.

 

Wertung: 9 von 10 Punkten

Vielleicht das Opus Magnum von Bourgeon, wobei die manchmal kränkelnde Story den Weg zum Meisterwerk verhindert.

 

Cyann – Die Tochter der Sterne
Splitter Verlag, November/Dezember 2012
Text: François Bourgeon, Claude Lacroix
Zeichnungen: François Bourgeon
Preis: je 26,80 Euro

Band 1: Der sterbende Planet
Übersetzer: Harald Sachse
144 Seiten, farbig, Hardcover
ISBN: 978-3-86869-549-6
Leseprobe

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Band 2: Sechs Monde auf Ilo
Übersetzer: Harald Sachse, Dominik Madecki
128 Seiten, farbig, Hardcover
ISBN: 978-3-86869-550-2
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

B.U.A.P. 10 – König der Furcht

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buap10aFast zeitgleich zum finalen Schicksal Hellboys (Hellboy 12 – Der Sturm) bekommt der deutschsprachige Leser auch das Zyklus-Finale der B.U.A.P. präsentiert, jener Ablegerserie, die sich durch einen fantastischen Mix aus Abenteuer, Horror und Fantasy auszeichnet.

Im zehnten Band, „König der Furcht“, schließen Mike Mignola und John Arcudi den Kreis, der sich schon ganz früh mit der Thematik rund um die sogenannte Froschplage öffnete. Doch nicht nur diese uralten Froschwesen tauschen hier als globale Bedrohung auf, „König der Furcht“ ist gewissermaßen eine Wiederkehr vieler bisheriger Motive der Serie: Die Schwarze Flamme, die Hyperboreaner, Lobster Johnson oder Liz Shermans Bestimmung als Retterin der Erde.

All diese Elemente werden von Mignola und Arcudi, zugegeben etwas unvermittelt, nochmals aus dem Hut gezaubert und mit einem gigantischen, grotesken Monster à la Lovecraft ergänzt. Neben dem fulminanten Showdown, der eine tiefe Zäsur für die Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen darstellen dürfte, gönnen die Autoren der Handlung auch kleine Momente abseits des Hauptgeschehens.

Seite aus B.U.A.P. 10So dürfen kurz vor dem Finale sogar noch einmal die ehemaligen Mitglieder Hellboy und Roger der Homunkulus in Erscheinung treten. Ein toller Moment, der daran erinnert, dass es bei allem Abenteuer bei dieser Reihe um die interessanten Figuren geht. Abe Sapien, Liz Sherman, Johann Kraus und viele weitere kleine und große Nebendarsteller wurden über die Jahre hinweg einfach sehr gut herausgearbeitet. Nicht zuletzt hat dieser Aspekt für mich, neben den starken Stories und den wunderbaren Zeichnungen von Guy Davis schon lange dazu geführt, dass B.U.A.P. sich erfolgreich von seiner Ur-Serie Hellboy lösen und einen völlig eigenständigen Kosmos generieren konnte.

Die Erwähnung, dass mit „König der Furcht“ der erste Zyklus endet, legt natürlich nahe, dass diesem ein zweiter folgen wird. Für diesen hat Cross Cult einen weiteren dicken „Geschichten aus dem Hellboy-Universum“-Band geplant.
Zuvor soll 2013, ebenfalls in gebündelter Form, aber auch noch ein Mix aus Comics aus der Zeit vor dem zweiten Zyklus erscheinen. Dass es mit der B.U.A.P. in diesem Jahr tatsächlich so schnell weitergeht, kann man sich nur wünschen.

 

Wertung: 9 von 10 Punkten

Starkes Finale ohne Schwächen, der nächste Zyklus kann kommen

 

B.U.A.P. 10 – König der Furcht
Cross Cult, Oktober 2012
Text: Mike Mignola, John Arcudi
Zeichnungen: Guy Davis
Übersetzung: Frank Neubauer
160 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 19,80 Euro
ISBN: 978-3-942649-30-8
Leseprobe

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Abbildung aus der US-Originalausgabe: © Dark Horse

Interview mit Levin Kurio

Schon seit über 20 Jahren macht Levin Kurio Comics im selbstgegründeten Weissblech-Verlag. Im letzten Jahr bekam er dafür den Sonderpreis der Jury beim ICOM Independent Comic Preis. In der Laudatio heißt es: „Aus seinem Faible für Trash und Schundcomics hat er nie einen Hehl gemacht. Trotzdem sind seine Veröffentlichungen schon seit mindestens einem Jahrzehnt absolut professionell und ergo mittlerweile sogar an fast jedem Bahnhofshandel zu finden – und immer noch von ihm im Alleingang mit Hilfe fantastischer Mitarbeiter zusammengestellt.“

Stefan Svik hat Levin Kurio per E-Mail befragt und sich mit ihm über seine Comics und seinen Verlag unterhalten.

 

Levin KurioComicgate: Woher kommt der Name Weissblech Comics? Ist das WC-Logo eine Anspielung auf das Groschenheft-Image, mit dem Comics in Deutschland zu kämpfen haben, quasi Klolektüre?

Levin Kurio: Nein, so kompliziert ist es nicht – WC ist schlicht die Abkürzung für den Namen WEISSBLECH Comics. Der ist eher ein Zufallsprodukt … oder ausführlicher: so vor rund zwanzig Jahren brauchte ich einen Titelkopf für ein kleines Kopierheftchen. Vorher hatte ich mit relativ viel Sorgfalt einen Schriftzug für eine Art Schwermetall-Satire (oder was man so mit 13 darunter versteht) gezeichnet, den habe ich abgeschnitten und auf die Vorlage geklebt. Das war das allererste Weissblechheft. Der Doppel- bis Dreifachsinn hinter den Namen Weissblech Comics (Der Bezug auf Bierdosenblech war zeitweilig auch eine beliebte Interpretation) wurde später billigend in Kauf genommen. Natürlich überlege ich manchmal, ob ein anderer Verlagsname heuer nicht vielleicht besser oder passender wäre, aber irgendwie hat’s ja auch was.

 

Du bist Autor, Zeichner und Verleger. Wann schläfst Du mal? Wie viele Stunden arbeitest Du pro Woche?

Ich weiss nicht, wieviele Stunden in der Woche ich arbeite, aber es ist viel. Trotzdem schlafe ich vorzugsweise nachts.

 

WC-Comics gibt es im Internet, im Comic-Shop, am Bahnhofskiosk und direkt bei Euch zu bestellen. Welcher Vertriebsweg ist besonders wichtig für WC?

Eigentlich sind sie alle wichtig, und ich möchte nicht auf einen der Vertriebswege verzichten müssen.

 

Cover XXX-Comics 13Ich hatte mich dieses Jahr mal intensiver mit Altersempfehlungen und Zensur bei Comics beschäftigt, wohl auch wegen des Amok-Laufs bei der US-Premiere von Dark Knight Rises, den viele ja wohl eher mit dem Film als mit den Comics verbinden und sinnvollerweise auch eher Stimmen nach strengeren Waffengesetzen laut wurden statt es wieder auf Medienkonsum zu schieben wie bei Columbine oder Erfurt. Dürfen Eure „ab 18“-Comics ganz regulär im Comicshop gekauft werden?

Ja, natürlich! Man darf die Situation in den USA auch auf keinen Fall mit der hierzulande gleichsetzen, da gibt es himmelweite Unterschiede, die zu erläutern mir jetzt allerdings zu weit ginge, und da meine ich nur die Situation in Bezug auf Altersbeschränkungen bei Medien. Nur soviel: Grundsätzlich kann man hier alles verkaufen, solange sichergestellt ist, dass – in dem Falle der „Ab 18!“- Titel – keine Jugendlichen darauf Zugriff haben. Unsere „Ab 18!“ Titel sind ohnehin nicht wegen extremer Gewaltdarstellungen altersbeschränkt, sondern wegen ihrer explizit pornographischen Inhalte, und die haben mit Amokläufen ja nun nicht so viel zu tun.

 

Sind die Horrorschocker eine Hommage an EC-Comics und Creepy? Ich finde, manches könnte ruhig noch gruseliger sein, aber Dir ist Humor auch sehr wichtig, oder?

Cover Horrorschocker 30Ich würde eher sagen, Horrorschocker ist einfach auch eine Horroranthologie wie die genannten und benutzt die üblichen Genrestilmittel. Wenn’s nur eine Hommage wäre, hätte das Ganze wohl nicht schon über 30 Ausgaben getragen. Mit dem Grusel ist das immer so eine Sache, das hängt auch davon ab, was man darunter versteht. Splatter zum Beispiel ist nicht unbedingt mein Ding, schon deshalb, weil es unglaublich schwierig ist, damit glaubhafte Geschichten zu erzählen. Ich meine, es tut schon sauweh, wenn man sich mit einem Hammer auf den Daumen haut, deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass irgendwer einen klaren Gedanken fassen kann, wenn er an eine Foltermaschine à la Saw angeschlossen ist. Zumal dann immer die Frage ist: Wie ist der Betreffende in so eine Situation gekommen?! Letzten Endes ist mir immer am wichtigsten, eine in sich logische Geschichte zu haben, auch wenn der Horroreffekt nur eine Seite betrifft. Bei EC oder bei Creepy war es oft nur ein einziges Bild, aber das wird gerne vergessen, da nur die extremen Geschichten gesehen werden. Humor ist mir schon deshalb wichtig, weil es einfach Spaß macht, so etwas zu schreiben …

 

Über die Titel wie „Schlüpfer-lüpfende Manga-Schlampen“ musste ich laut und herzlich lachen! Magst Du keine Mangas?

Naja, der genannte Titel ist eine Veralberung, die mit den Klischees und Vorstellungen spielt, welche Nicht-Mangaleser von Mangas haben. Die Satire richtet sich eher gegen die Billigvertreter der comicähnlichen Produkte in Mangaoptik … Ich habe zur Recherche damals etliche Werke gelesen, die zielgruppentechnisch meilenweit an mir vorbei gehen, und ich fand’s logischerweise teilweise grotesk scheiße, zum Beispiel die aus Animation-Stills zusammengefummelten „Mangas“ zu bestimmten TV-Serien. Dass diese Sachen der Gattung Manga nicht ganz gerecht werden, ist mir allerdings bewusst.

 

Sind Stan Lee, Steve Ditko und Jack Kirby Vorbilder für Dich?

Ja. Obwohl … mit Steve Ditko bin ich nie so ganz warm geworden. Aber ich finde seine kauzige Eremitennummer sympathisch.

 

In einem Deiner Comics gibt es eine Anspielung auf das vermeintlich dumme Medium Fernsehen. Lehnst Du das Fernsehen komplett ab und scheidet das somit als Inspiration für Deine Comics aus?

Äh … nein?! Ich finde Fernsehen toll … natürlich wäre es mir am liebsten, wenn man Fernsehen, Internet, Radio, am besten überhaupt alle anderen Medien außer Comics abschaffen und dann komplett vergessen würde, dass es sie je gegeben hat. Dann würde die Comicbranche sicher einen Sprung nach vorne machen.

 

Wirst Du außerhalb von Messen mal auf Signiertour gehen?

Vorläufig eher nicht. Das ist unheimlich zeitaufwendig und anstrengend, und ich verwende meine Energien lieber darauf, neue Comics zu machen.

 

Welten des Schreckens – Ausgabe zum Gratis-Comic-Tag 20132013 gibt es wieder einen Gratis Comic Tag. Wie sind Deine bisherigen Erfahrungen damit?

Die sind sehr positiv – bei den bisherigen GCTs habe ich viele Neuleser gewinnen können. Die Bestellmengen im Comicfachhandel haben klar zugenommen. Und bei den Signieraktionen war auch sehr viel los …

 

Ist der GCT ausreichend oder hättest Du Ideen und Wünsche für andere Aktionen, um Verlage wie Weissblech bekannter zu machen?

Naja, man kann nie genug machen. Was mir wirklich fehlt, ist ein Vertriebskatalog für den Endkunden, wie es ihn früher mit dem Graphic Attack-Katalog vom Modern Graphics-Vertrieb gegeben hat – und bei dem wohl der Previews Pate gestanden hat. Ein Katalog also, über den sich der Leser über das gesamte deutschsprachige Programm informieren kann, dass er dann gegebenenfalls direkt bei den Händlern kaufen oder bestellen kann. Aber verständlicherweise haben weder die Vertriebe (denen das zu teuer ist) noch die großen Verlage (die schon ihre eigenen Kataloge haben) daran wirklich Interesse.

 

Du hast Dich mit etwas Sarkasmus über Graphic Novels geäußert. Manchmal hat man das Gefühl: da zeichnet jemand besonders schlicht, verkauft es zum doppelten Preis, der für einen Comic verlangt werden kann und wird dafür über Gebühr von der Kritik gefeiert. Fühlst Du Dich als Zeichner da etwas veralbert, weil Deine Mühe nicht genug gewürdigt wird?

Das mit den schlicht gezeichneten Comics zum doppelten Preis hast Du jetzt gesagt. Ich fühle mich nicht veralbert, aber der heilige Ernst, mit dem GNs als Nicht-Comics vermarktet werden, fordert seinerseits zur Veralberung heraus, und veralbern ist etwas, das Comics sehr gut können. Deshalb hab ich’s gemacht, sofern es die Geschichte in WWC #20: „Schauriger Schund“ ist, auf welche Du anspielst. Ich freue mich allerdings auch darüber, dass durch die GNs plötzlich sehr viele deutschsprachige Zeichner zum Zug kommen; zumindest habe ich das Gefühl, dass da mehr geht als je zuvor. Vom Prinzip her ist es mir egal, ob Manga, Graphic Novel oder wie auch immer die Sache benannt wird: Es sind alles Comics.

 

verleger kleinDeine sehr selbstironischen Verleger-Comics, in denen es um die Konflikte mit den Künstlern geht, finde ich sehr lustig! Die erinnern ein wenig an den Zwist zwischen Verleger und Redakteur im MAD-Heft unter Herbert Feuerstein – war das eine Inspiration für diese Idee?

Das Feuerstein-MAD war klasse und hat mich sehr geprägt. Kann also sein, dass etwas von der Idee daher kommt. Grundsätzlich war der Verleger mal dazu gedacht, (ich sage mal) „unpopuläre“ verlegerische Entscheidungen humorvoll zu kommunizieren. Das hat sich dann mit der Zeit verselbstständigt.

 

Welche Comic-Klassiker magst Du am liebsten und welche aktuellen Comics liest Du gerne?

Ganz aktuell lese ich gerade Fighting American von Simon und Kirby. Eine spaßige Sache, man merkt, dass den beiden ihr beinharter patriotischer Ansatz immer mehr entgleitet und schliesslich so übertrieben ist, dass es zur Satire wird. Im Moment kommen so viele Nachdrucke von uraltem Zeug, dass ich mich gar nicht so sehr mit aktuellen Comics beschäftige. Ich lese regelmäßig einige Webcomics und das COMIX von JNK, das war es im Moment auch schon.

 

Kommt bei Deiner Arbeit der Computer viel zum Einsatz?

Ziemlich viel, denn für Colorierung, Lettering, aber auch für die Buchhaltung und die Verwaltung ist der Kasten unverzichtbar. Daher behalte ich mir vor, die Zeichnungen selbst noch analog anzufertigen.

 

Wie war das vergangene Jahr für Deinen Verlag?

2012 war ein wirklich gutes Jahr, und auch 2013 läuft nicht schlecht an …

 

Cover Welten des Schreckens 6Was waren Deine persönlichen Top-3-Comics 2012 (egal ob eigene oder von anderen Verlagen)? 

Uff, da war einfach zuviel, was auf die eine oder andere Art gut war. Mein hauseigener Favorit war unsere Welten des Schreckens-Alien-Invasions-Ausgabe.

 

Was dürfen die Leser von WC 2013 erwarten?

Vor allem den Fortgang der Serien, es gibt neue Ausgaben von Horrorschocker, Welten des Schreckens und von XXX-Comics. Im Moment haben wir ziemlich viele Geschichten in Arbeit …

 

Vielen Dank für das Interview!

 

Links der Woche 5/13: Pardon my French

Unsere Links der Woche, Ausgabe 5/2013:

PALMARES OFFICIEL 2013
Festival de la Bande Dessinée d’Angoulême
Gestern ging das Festival von Angoulême, Europas größtes und wichtigstes Comicfestival, zu Ende. Am letzten Tag werden traditionell die angesehenen Preise verliehen. Als bestes Album wurde Quai d’Orsay von Abel Lanzac und Christophe Blain (auf Deutsch bei Reprodukt) ausgezeichnet. Der Spezialpreis der Jury ging an den Briten Glyn Dillon für The Nao of Brown. Der Preis für die beste Serie ging an Âama von Frederik Peeters (Band 1 soll im Herbst bei Reprodukt auf Deutsch erscheinen). Den „Grand Prix“, eine Art Lebenswerkpreis, erhält der bei uns weitgehend unbekannte Niederländer Willem (i.e. Bernard Willem Holtrop). Er wird im kommenden Jahr als Präsident das Festival leiten. Einen Sonderpreis zum runden Jubiläum des Festivals bekam Akira Toriyama, der Schöpfer von Dragon Ball.

Hoch-Zeit für die Neunte Kunst
Generationswechsel in Angoulême
„Quai d’Orsay“ als bestes Album des Jahres geehrt
Der König der Gallier
tagesspiegel.de, Thomas Hummitzsch
Für das Comic-Portal des Tagesspiegel berichtet Thomas Hummitzsch umfangreich aus Angoulême, wo in diesem Jahr das 40. Festivaljubiläum gefeiert wurde. Zu den Highlights gehörte eine große Werkschau von Albert Uderzo, der seinen Asterix in diesem Jahr in die Hände zweier Nachfolger legen wird: „Das Festival und seine Besucher verneigen sich tief vor Uderzos Werk.“ Auch einen deutlich jüngeren Zeichnerstar hat der Korrespondent ausgemacht: Bastien Vivès. „Nach vier Tagen in Angoulême muss man den Eindruck haben, dass der junge Autor der neue Star in Frankreich sein wird.“

Bart Beaty In Angouleme 2013 01: Opening Day
Bart Beaty In Angouleme 2013 02: Bartarazzi
Bart Beaty In Angouleme 2013 03: Rainy Day Blues
Bart Beaty In Angouleme 2013 04: An Eight-Cosplayer Year
The Comics Reporter, Bart Beaty
In englischer Sprache berichtet Bart Beaty in Wort und Bild vom Festival (und vom Wetter). Und er hat sogar ein paar vereinzelte Cosplayer gesichtet: „There are about eight cosplayers here, which is seven more than I had ever seen at this festival.“

Toute l’actualité
Festival de la Bande Dessinée d’Angoulême
Wer Französisch versteht, findet auf der offiziellen Festival-Website im Bereich Actualité zahlreiche Berichte, Fotos und Videos.

König des Comics – Ralf König
arte +7, Rosa von Praunheim
Eine Kurzfassung des Porträts von Comiczeichner Ralf König, die vergangenes Jahr im Kino lief, wurde am Wochenende bei Arte gezeigt. (Online abrufbar bis Samstag, 9.2. – wegen Jugendschutz nur zwischen 23:00 und 05:00 Uhr, Wiederholung im Fernsehen: 15.2., 03:40 und 21.2., 02:40)

Spirous lustige Abenteuer
arte +7, Pascal Forneri
Zum 75. Geburtstag von Spirou erzählt diese hübsche, knapp einstündige Doku nicht nur von der Geschichte des berühmten Comichelden in der Pagenuniform, sondern auch vom gleichnamigen Comicmagazin, das zu den berühmtesten und einflussreichsten Publikationen des frankobelgischen Comics gehörte. Zu Wort kommen ehemalige Spirou-Mitstreiter ebenso wie eingefleischte Fans und aktuelle Zeichner wie Zep oder Émile Bravo. Außerdem gibt es Archivmaterial von Legenden wie Franquin, Morris und Yvan Delporte. (Online abrufbar bis Samstag, 9.2., Wiederholung im Fernsehen: 21.2., 10:25 Uhr)

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Willkommen beim Gramic Award
gramic.de
Der Evangelische Presseverband für Bayern e.V. lobt einen mit 5.000 Euro dotierten Preis aus, für den er die wunderschöne Wortschöpfung „Gramic“ kreiert hat. In drei Kategorien können Profis und Amateure bis Ende April Arbeiten zum Thema „Toleranz“ einreichen. In der Jury sitzen u.a. Uli Oesterle und Prof. Mike Loos.

Freiburger Comicanalysen
freiburgercomicanalysen.de
Am Institut für Medienkulturwissenschaft der Universität Freiburg läuft ein Seminar unter dem Titel „Ausgewählte Comicanalysen“. Dessen Teilnehmer posten regelmäßig Beiträge zu ihren Forschungsschwerpunkten auf einem gemeinsamen Blog. Unter anderem beschäftigen sich die Studenten mit kultureller Übersetzung von koreanischen Comics, mit Mythenrezeption im Comic, mit Simon’s Cat und Max und Moritz.

Koma
Comicforum/Reprodukt, Dirk Rehm
Im Diskussionsthread zur Albenserie Koma im Forum des Reprodukt-Verlags fragt ein Leser nach der mehrfach verschobenen Veröffentlichung der Fortsetzungsbände. Verlagschef Dirk Rehm gibt in seiner Antwort einen transparenten Einblick in die aktuelle Lage des hiesigen Comicmarktes. Während abgeschlossene Buchtitel a.k.a. Graphic Novels immer besser laufen, verkauft sich das klassische Albenformat nicht mehr so gut: „Durch das Überangebot von Comicalben im Comichandel haben Neuheiten in den Regalen der Comichändler in den letzten Jahren eine zunehmend kürzere Verweildauer erfahren. Dieses begrenzte Zeitfenster schlägt sich letztendlich in den verkauften Zahlen der einzelnen Titel wieder.“

in.puncto : Webcomics, Animationsfilme und Machinima
YouTube, EinsPlus
Der in den letzten Monaten auf jung getrimmte Digitalsender EinsPlus widmet sich in seinem Magazinformat „in.puncto“ dem Thema Webcomics. Zu Gast im Studio ist Johanna Baumann alias Schlogger. Weitere Themen der Sendung sind Animationsfilme und Machinima.

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“Manga I’d Recommend to People Who Think They Don’t Like Manga” by Dave Roman
Astronaut Academy, Dave Roman
Comiczeichner Dave Roman veröffentlicht derzeit sein Astronaut Academy als Webcomic. Unter der Seite 35 findet man ein interessantes Posting, in dem er ein paar Manga empfiehlt, die man auch Leuten ans Herz legen kann, die meinen, keine Manga zu mögen. Die meisten der zehn vorgestellten Titel sind auch auf Deutsch verfügbar.

The best of Hourly Comics Day
The Beat, Zainab Akhtar
Der „Hourly Comics Day“ folgt einem ähnlichen Prinzip wie der „24 Hour Comics Day“. Am 1. Februar sollten (Web-) Comiczeichner in jeder Stunde, die sie wach sind, einen kurzen Comicstrip zeichnen, in dem es darum geht, was sie in der letzten Stunde gemacht haben. Die hier verlinkte Auswahl zeigt ein paar hübsche Beispiele.

Schritte ins Licht 1 – Die Geometrie des Zufalls

Cover Schritte ins Licht 1Dieser Comic hatte schon in Frankreich eine lange Odyssee hinter sich, bis es zu einer Veröffentlichung kam. In all der Zeit hatte sich Autor und Zeichner Bruno Marchand anderen Serien zugewendet (so etwa Dallas Barr), aber nie die mögliche Veröffentlichung dieses seines liebsten Kindes aus den Augen verloren. Schließlich erschien die Serie und kommt nun bei dem noch neuen All Verlag auf Deutsch heraus. Liegt hier ein verkanntes Meisterwerk vor, welches viele Verleger nicht als solches erkannt haben?

Leider nein. Man kann im Gegenteil sogar recht gut verstehen, warum viele nichts mit dem Band anfangen konnten. Mir ging es nämlich ebenso. Bei fast jedem Panel und jeder Szene macht man sich unwillkürlich Gedanken darüber, wie man es anders hätte lesen wollen und was man daraus hätte machen können. Der Stoff hätte eine wundervolle Spionagegeschichte ergeben können. Oder ein Drama. Oder beides, wenn die Heldin ein Notizbuch ihres verstorbenen Vaters sucht und immer mehr über ihn erfährt.

Die junge Marianne lebt in Paris und hängt so ihren Gedanken über Zyklen und kosmischen Verbindungen nach. An Zufälle glaubt sie nicht, aber durch solch einen Zufall lernt sie Peter Banning, einen alten Kriegskameraden ihres verstorbenen Vaters, kennen. Dieser erzählt ihr von einem Notizbuch, welches ihr Vater geführt und einem anderen Soldaten anvertraut hatte, bevor er in Kriegsgefangenschaft geriet und dann dort starb. Marianne ist es wichtig, das Notizbuch zu erhalten, da ihr Vater als Verräter gilt. Sie hofft, ihn dadurch entweder zu rehabilitieren oder zumindest ihn zu verstehen. Peter Banning erklärt sich bereit, ihr zu helfen. Beide ahnen noch nichts von der breiten Ablehnung des Vorhabens und wohin sie ihre Reise führen wird.

Seite aus Schritte ins Licht 1In der Aufdeckung von Familiengeheimnissen liegt genügend dramatisches Potential, und im Verbund mit Spionage und Erlebnissen während des Zweiten Weltkrieges hat das durchaus was – erst recht in Verbindung mit Reisen an entfernte und exotische Orte in bester Abenteuermanier. Schritte ins Licht könnte also ein Mix aus Spionage, Abenteuer, Action und Drama sein. Aber leider geht Marchand nicht diesen Weg – als ob er sich krampfhaft jeder Genrearbeit verweigern wollte und so ein Album vorlegt, das nichts ist. Stattdessen ist es sehr geschwätzig und ziemlich esoterisch verbrämt, was man mögen muss, um sich mit diesem Stoff auseinanderzusetzen. Anstatt die Handlung voran zu treiben, werden Überlegungen über das Wesen des Zufalls und Lebenszyklen angestellt. Marchand geht dennoch nicht so weit, Paranormales einzubauen, um einen Mysterythriller zu erschaffen. Zu befürchten ist eher esoterischer Kitsch, wenn es offenbar in späteren Bänden nach Indien und Tibet geht und der dortige Spiritismus in hippiemäßiger Anwandlung eingebaut werden könnte.

Der Stoff ist eigentlich gut für eine breit angelegte Story geeignet. Umso erstaunlicher ist es, dass sie hier erstaunlich mager daherkommt. Denn auf der eigentlichen Handlungsebene passiert nicht viel (Marianne fährt durch Paris, lernt Peter kennen, sie unterhalten sich, sie trifft ihre Freundin und ihren Opa, sie unterhalten sich, sich unterhält sich mit Peter, sie fahren nach London, um verschiedene Personen zu treffen, um sich mit ihnen, man ahnt es schon, zu unterhalten), was nur mühselig durch die vielen Dialoge und einen ausufernden Off-Kommentar kaschiert wird. Auch die Nebenhandlungen tragen nicht sonderlich dazu bei, die Geschichte weiter zu bringen. Inhaltlich hat sich Marchand ziemlich verzettelt und seinen Stoff anscheinend nicht im Griff. Graphisch hingegen ist der Band angenehm klassisch und passt zur geschilderten Epoche. Ganz im typischen klassisch-frankobelgischen Stil gehalten, erinnert das sehr an Edgar P. Jacobs (Blake und Mortimer) mit klaren Linien, aber detailliert ausgestalteten Settings. Retten kann das den Band leider nicht, da er den Leser einfach nicht zu packen vermag.

 

Wertung: 3 von 10 Punkten

Graphisch angenehm altmodischer Comic, der sich darin verzettelt, tunlichst keine Genrearbeit, sondern esoterisch verbrämte Entwicklungen abzuliefern.

 

Schritte ins Licht 1 – Die Geometrie des Zufalls
All Verlag, Dezember 2012

Text und Zeichnungen: Bruno Marchand
Übersetzung: Saskia Funke
48 Seiten, farbig, Hardcove
Preis: 13,80 Euro
ISBN: 978-3-926970-18-3
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: All Verlag