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Die grüne Hölle von Troy

Cover Die grüne Hölle von TroyBei dem enormen Output des französischen Starautors Christophe Arleston ist es kein Wunder, dass er sich in den letzten Jahren zunehmend Unterstützung von anderen Autoren geholt hat. Alleine kann man das ja kaum noch bewerkstelligen. Wobei sich natürlich etwas der Gedanke aufdrängt, wie sehr er selber noch die Skripte schreibt oder nur überwacht, was mit seinem Universum angefangen wird. Arlestons Schöpfung, die Welt von Troy, angefangen mit Lanfeust von Troy, hat sich mittlerweile mit ihren diversen Spin-Offs und One-Shots zu einem einzigen Opus Magnum entwickelt. Dabei muss es nicht unbedingt stringent zugehen, da vieles voneinander losgelöst ist und manche Erzählungen auch für sich genommen funktionieren.

Den einzelnen Abenteuern tut das nur gut, denn so besteht die Möglichkeit, viele verschiedene Themen unterhaltsam zu verpacken und sich von den Vorgaben, die sich durch etablierte Figuren ergeben, zu lösen. Wenn man sich nämlich hier so betrachtet, was einer der männlichen Helden „erleidet“, so wäre das mit Lanfeust selbst schwer möglich gewesen, ohne einen Teil der großen Fanschar zu erbosen. Schließlich lebt gerade das Genre der Fantasy von seinen virilen Helden, die muskelbepackt und schwertschwingend die knapp bekleidete, meist blonde, Schönheit aus den Fängen des Drachen, der Orks, der Zauberer, Monstren oder anderen Testosteronbolzen befreien muss. Conan ist etwa so ein Archetypus. Doch in der Welt von Troy wurden solche archetypischen Figuren und Situationen immer schon gerne unterlaufen und so ist es gerade in diesem Zusammenhang ein wunderschöner Einfall, einen Mann in eine Frau zu verwandeln.

Seite aus Die grüne Hölle von TroyMahalon und Ploneis sind zwei Abenteurer, die den dichten Dschungel Questiens durchqueren, um mit den unberechenbaren einheimischen Kopfjägern Handel zu treiben. Nach einem geglückten Coup und mit Beuteln voller Gold werden sie allerdings ausgeraubt und in ein Bordell verfrachtet, deren Betreiberin Lyra die Gabe besitzt, Männer in Frauen zu verwandeln – was Ploneis am eigenen Leibe zu spüren bekommt. Mahalon will seinen Freund befreien, muss aber erkennen, dass sein Gefährte als Ploneia äußerst attraktiv ist.

Waren manche der letzten Abenteuer qualitativ nicht unbedingt herausragend, aber immer noch gut, ist Arleston, diesmal unterstützt von Co-Autor Jean-Luc Sala, hier wieder auf voller Höhe. Das vorgelegte Tempo ist enorm und so hoch, dass man manche Situationen und Gags gerne etwas ausführlicher gelesen hätte. Was natürlich auch wieder für die Qualität der Scherze spricht. Generell hat dieses Abenteuer wieder alles, was die Welt von Troy ausmacht: Action, die durchaus mal sehr blutig ausfallen darf, Tempo, Witz, der öfters auch satirisch ist und viele soziale Anspielungen, die sich in den letzten Jahren auffallend oft mit der Rolle der Frau beschäftigen (Die Kriegerinnen von Troy, Das Schattenreich von Troy, Alunys‘ Expedition durch Troy).

Dabei ist diese, wie schon erwähnt, im Fantasygenre meist ein Stereotyp. Und mit eben diesen Stereotypen wird hier genussvoll gespielt. Auch Fans von Gender-Swapping werden ihren Spaß haben, auch wenn manche Gegensätze zwischen Mann und Frau hier etwas platt geschildert werden. Aber es geht ja schließlich um die Aufdeckung von Klischees und insofern ist es da auch ein schöner Einfall, dass die zauberkräftige Lyra  schon der Name verweist auf Poesie und auf das antike Griechenland, wo die Zauberin Circe ähnliche Kräfte hatte  Männer nur dann in Frauen verwandeln kann, wenn sie gerade ihre Tage hat. Aber auch die Trolle werden anders, nämlich flirtend, dargestellt und gerade die Indios unterlaufen schön alle Klischees. Auf jeder Seite jagen sich die Ideen und Überraschungen, so dass die Lektüre ein wahres Vergnügen ist. Eric Hübschs charmante und geschickt gestaltete Zeichnungen, insbesondere was die Panelaufteilung angeht, tragen dazu noch ihren Teil bei.

 

Wertung: 9 von 10 Punkten

Ein temporeiches Abenteuer voller schöner Ideen, welches lustvoll Klischees untergräbt.

 

Die grüne Hölle von Troy
Splitter Verlag, November 2014
Text: Christophe Arleston/Jean-Luc Sala
Zeichnungen: Eric Hübsch
Übersetzung: Tanja Krämling
Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 13,80 Euro
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

 

Links der Woche 34/14: At least we dig each other

Unsere Links der Woche, Ausgabe 34/2014

 

Mit Dig, Dag und Digedag um die Welt
n-tv, Markus Lippold
Am 8. November starb im Alter von 89 Jahren Hannes Hegen, Erfinder der Zeitschrift Mosaik und deren Helden Dig, Dag und Digedag. Mit dem Mosaik, dem ersten und einzigen regelmäßig erscheinenden Comicheft der DDR, prägte Hegen ganze Generationen von Lesern. Zwar erschien das Blatt im Verlag Junge Welt, der zur staatlichen Jugendorganisation FDJ gehörte, doch Hegen und seinen Mitarbeitern gelang es, staatliche Einflüsse relativ gering zu halten und so zu vermeiden, dass das Mosaik zum reinen Propagandainstrument der sozialistischen Regierung wurde. Längere Nachrufe gibt es u.a. auch beim Tagesspiegel, der Welt und der Berliner Zeitung.

Sprechblasen, geplatzt
Der Freitag, Georg Seeßlen
Nach dem Bekanntwerden von Hannes Hegens Tod schafften es die Digedags letzten Freitag auf die Titelseite der Frankfurter Allgemeinen. Im Inneren der FAZ ist es dafür erst einmal vorbei mit Comics. Nach 14 Jahren wurde der tägliche Comicstrip im Feuilleton aus Kostengründen eingestellt (siehe Links der Woche 32/14). In der Wochenzeitung Der Freitag beklagt Georg Seeßlen diese Entscheidung, blickt aus diesem Anlass zurück auf die Geschichte des Zeitungscomics und schreibt: “Ohne Comics wäre das, was in der Zeitung steht, und noch mehr das, was nicht darin steht, nicht auszuhalten.”

Comic Collab zum Ende der Comics in der FAZ
Dreimalalles, Christian Maiwald
Einen ähnlichen Tenor haben auch viele der etwa 20 Comicbeiträge zur Einstellung der FAZ-Comics, die in der letzten Woche im Netz auftauchten. Die deutsche Webcomicszene, die regelmäßig in sogenannten “Comic Collabs” ein gemeinsames Thema bearbeitet, beschäftigt sich auf vielfältige Weise mit diesem Ende einer Ära. Alle Beiträge werden auch ausgedruckt und als Leserbriefe an die Redaktion in Frankfurt geschickt. Eine Übersicht über alle Teilnehmer gibt’s in der hier verlinkten Meldung. Kurz gesagt:

{source}
<blockquote class=“twitter-tweet“ lang=“en“><p>Wenn Zeitungen Comics einsparen, regt sich was in der Szene! <a href=“https://twitter.com/hashtag/FAZprotestcomic?src=hash“>#FAZprotestcomic</a> <a href=“https://twitter.com/hashtag/Netzcomic?src=hash“>#Netzcomic</a>&#10;<a href=“http://t.co/kzRuw5QBKU“>http://t.co/kzRuw5QBKU</a> <a href=“http://t.co/V9E8Usy7sF“>pic.twitter.com/V9E8Usy7sF</a></p>&mdash; Schlogger (@theschlogger) <a href=“https://twitter.com/theschlogger/status/532819890143772672″>November 13, 2014</a></blockquote><script async src=“//platform.twitter.com/widgets.js“ charset=“utf-8″></script>
{/source}

 

Closure – Kieler e-Journal für Comicforschung
Uni Kiel, div. Autoren
Unter dem Titel Closure bringt eine Gruppe von Geisteswissenschaftlern der Uni Kiel eine Sammlung von Aufsätzen zur Comicforschung in digitaler Form heraus. Die erste Ausgabe des kostenlosen “e-Journals”, das jährlich erscheinen soll, enthält sechs Aufsätze sowie Rezensionen von Sekundärliteratur und einer großen Bandbreite von Comics. Zitat aus dem Editorial: “Closure richtet sich an Neueinsteiger_innen in die wissenschaftliche Welt ebenso wie an etablierte Expert_innen für Bild und Text, Panel und grid – und ist dabei konsequent dem Prinzip des Open Access verpflichtet.”

Schwerpunkt “Comic”
Daumenkino, div. Autoren
Die Website Daumenkino, ein Projekt der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, das sich hauptsächlich mit Filmkritik beschäftigt, präsentiert einen “Schwerpunkt Comic”, in dem es um Adaptionen von Comics und Graphic Novels zu Kinofilmen geht. Unter anderem werden Sin City, American Splendor, Iron Man und Blei im Schädel in ausführlichen Aufsätzen behandelt.

Elender Krieg
elender-krieg.de, AMOC
Zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs hat die französische Organisation AMOC eine dreisprachige Website gebaut, in der diverse Texte, überwiegend vom Historiker Jean-Pierre Verney, mit Bildern aus Jacques Tardis umfangreichem Werk zum Ersten Weltkrieg kombiniert werden. Recht schick multimedial umgesetzt, aber nicht leicht durchschaubar in Navigation und Bedienung.

Den Wald vor Bäumen nicht sehen? Hilfe für den Einstieg in die Comic-Welt
Karikatur & Zeichenkunst, Christian Maiwald
Wie und wo steigt man ein, wenn man beginnt, sich für Comics zu interessieren? Christian Maiwald hat gute Tipps für Comic-Anfänger gesammelt. Wer jetzt gerade diese Zeilen liest, braucht die eher nicht mehr, aber vielleicht ist das ein Link, den man mit dem Teil des Bekanntenkreises teilen kann, der um Comics immer interessiert herumschleicht, aber sich nie recht heran traut.

Vorstellung „75 JAHRE MARVEL“ – im TASCHEN Verlag (mit Interview Reinhard Schweizer)
Comicguide Forum, Alexander Meyer und Gerald Berse
Man kann heute auf vielen Wegen im Internet publizieren. Man kann zum Beispiel ein Interview wie einen gedruckten Text gestalten und als eine Reihe von Fotos in ein Forum stellen. Das ist zwar eher so 1998, aber hier soll der Inhalt zählen, und der ist interessant: Reinhard Schweizer war als Übersetzer ein Mitarbeiter der ersten Stunde bei “Marvel Deutschland”, dem Label, unter dem Panini im Jahr 1995 begann, Marvel-Comics in Deutschland zu verlegen. Anlass des Interviews ist der frisch erschienene Prachtband 75 Years of Marvel aus dem Taschen Verlag, dessen Begleittext von Schweizer übersetzt wurde.

Moving Forward: Why the Future of Comics Isn’t Found in the Past
Multiversity Comics, David Harper
Die amerikanische Comicbranche steht im Moment ziemlich gut da, im Oktober war der Umsatz im “Direct Market” (den Comicfachläden) auf einem Rekordhoch. Der Artikel von David Harper analysiert den aktuellen Stand der Branche, zeigt langfristige Trends auf und zieht interessante Schlüsse.

Five Trends To Watch in Digital Comics for 2015
Publishers Weekly, Rob Salkowitz
Das Branchenblatt Publishers Weekly blickt auf die Trends im Markt der digitalen Comics. Der Platzhirsch ist und bleibt der Anbieter Comixology, der inzwischen zu Amazon gehört, aber drum herum tut sich so einiges.

Comic Bricks!
Flickr, diverse Urheber
Auf der Messe “Designer Con” in Pasadena war eine Ausstellung namens “Comic Bricks” zu sehen, für die berühmte Comic-Cover mit Legosteinen nachgebaut wurden. Einige sehenswerte Highlights dieser Ausstellung sind in der gleichnamigen Flickr-Gruppe zu finden.

Light Brigade

Cover Light BrigadeAutor Peter J. Tomasi hat in der jüngeren Vergangenheit bevorzugt mit Superheldenstoffen wie Batman & Robin oder Green Lantern Corps auf sich aufmerksam gemacht. Bereits vor gut zehn Jahren schuf er zusammen mit dem dänischen Zeichner Peter Snejbjerg die Miniserie Light Brigade für Dark Horse. 

Bei dieser handelt es sich um einen packenden Genremix, der eine Kriegserzählung mit religiösen und Pulpelementen vermengt. Ein Trupp amerikanischer Soldaten wird kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges (und dem Einmarsch in Deutschland) in eine himmlische Konfrontation gezogen: Der letzte der Grigori, der verstoßenen Engel, führt ein Bataillon der Wehrmacht an, das von sogenannten Nephilim, Ergebnis einer Kreuzung aus Grigori und Mensch, besessen ist. Ihr Ziel ist es, das mächtige Schwert Gottes an einem alten Relikt zu entzünden und somit in den Himmel aufzufahren. Unterstützt von einem unsterblichen römischen Zenturio, bilden die G.I.s nun die letzte Front, um die untoten Nazis von ihrem Vorhaben abzuhalten.

Die Handlung des Comics hört sich ziemlich verrückt an, und im Grunde genommen ist sie auch relativ banal. Auf der einen Seite die guten US-Soldaten, auf der anderen die bösen Nazis. Beide metzeln sich gegenseitig in spektakulären Schlachtszenen mit hohem Splatterfaktor nieder. Das Ganze ist ein himmlischer Stellvertreterkrieg für das Schicksal der in Ungnade gefallenen Engel.

Seite aus Light BrigadeDoch Light Brigade überzeugt vor allem durch das fein geschichtete Weltkriegsszenario, das trotz allem Übersinnlichen von den überaus menschlichen Figuren lebt. Jedes Mitglied der Light Brigade ist klar charakterisiert mit erkennbaren Eigenarten und Vergangenheiten. Und so ist dieser Comic eben auch ein überaus ansehnliches Stück über Freundschaft, Opfer und Tapferkeit. Dass dies allzu pathetisch inszeniert sein könnte, verhindert wiederum das zugrunde liegende Pulpkonzept, das nach ruhigen Phasen immer wieder in den Vordergrund drängt.

Die stilistische Mischung stimmt bei diesem Band zweifelsohne. Dazu kommen die brillanten Zeichnungen von Peter Snejbjerg, die zu diesem Comic wie die Faust aufs Auge passen. Stimmiger Einsatz von Schwarzflächen bei detailreicher Ausarbeitung, flankiert von Bjarne Hansens gekonnter Kolorierung. Keine Frage, allein die grafische Seite dieses Werkes ist bereits ein Fest. Wer darüber hinaus mit den Komponenten dieses ungewöhnlichen Plotmixes etwas anzufangen weiß, dem ist ein freudiger Leseabend gewiss. 

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Starke Genremixtur mit noch stärkeren Bildern; Tomasi und Snejbjerg ist ein toller Einzelband geglückt

 

Light Brigade
Cross Cult, September 2014
Text: Peter J. Tomasi
Zeichnungen: Peter Snejbjerg
Übersetzung: Christian Heiss
208 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 22 Euro
ISBN: 978-3-86425-396-6
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Cross Cult

 

Kamingespräch: Superhelden-Overkill im Kino?

Nach längerer Pause lassen wir das COMICGATE-KAMINGESPRÄCH wieder aufleben, die virtuelle Diskussionsrunde, in der mehrere Mitglieder der Comicgate-Redaktion über ein Thema diskutieren.

Der Superheldenfilm ist inzwischen zur festen Größe im Mainstream-Kino geworden. Das Genre ist erfolgreich, die Budgets sind groß und kürzlich haben diverse Studios ihre Pläne für die kommenden Jahre angekündigt. Allein aus den Marvel Studios kommen in den nächsten vier Jahren elf Filme in die Kinos, und auch die Konkurrenz will eher klotzen als kleckern. Man kann sich also die Frage stellen: Gibt es einen Superhelden-Overkill im Kino? Und nützt oder schadet die Flut dieser Verfilmungen den Comics?

altEs diskutieren: Christian Muschweck, Benjamin Vogt, Michel Decomain, Thomas Kögel, Daniel Wüllner und Björn Wederhake. 

 

Christian: Erst mal: Sich über die Flut von Superhelden-Filmen aufzuregen, ist wahrscheinlich so sinnvoll, wie zu beklagen, dass es immer nur von oben nach unten regnet. Hollywood hatte in den letzten Jahrzehnten zunehmend ein Problem mit seinen Blockbustern, die trotz riesiger Budgets baden gingen und dadurch mitunter die Existenz von Studios gefährdeten. Die bekanntesten Fälle sind vermutlich John Carter und Lone Ranger, aber es dürften Dutzende Filme mehr sein, die an der Kasse gefloppt sind.

Da man in Hollywood aber nicht auf Blockbuster verzichten mag, setzt man eben auf die sichere Marke „Superhelden“, gerade durch die Querbezüge der Filme untereinander eine sichere Bank. Ich habe mir zur Einstimmung auf das Gespräch gerade erst den zweiten Spider-Man-Film von Sam Raimi noch einmal angesehen, den ich für einen der besten Marvel-Filme halte. Das beste Argument für Comicfilme ist schließlich gute Qualität. Trotzdem nervt die stetig zunehmende Flut der letzten Jahre. Ich würde gerne wieder richtige, realistische, kernige Typen in Action sehen und nicht immer nur diese komischen Helden in unmöglicher Kleidung, die so komische Sachen machen wie Netzflüssigkeit aus dem Handgelenk verspritzen oder mit einem Hammer durch die Gegend fliegen. Das war mal witzig, jetzt ist es nur noch formelhaft.

Szene aus Spider-Man 2

 

Benjamin: Eine Flut von Superhelden ist nicht von der Hand zu weisen (übrigens nicht nur im Kino, sondern auch im TV). Die Frage ist doch, ob es sich lohnt, diesen Umstand zu beklagen. Schließlich gibt es in Hollywood auch weiterhin noch andere Filme mit großen Budgets, seien es Die Tribute von Panem, Der Hobbit, Interstellar etc. Von daher denke ich, dass der momentane Erfolg von Superheldenstoffen nicht zwangsläufig Filme mit anderen Inhalten verdrängen bzw. ersetzen.

Im Übrigen haben sich doch seit jeher die meisten der richtig gehypten Blockbuster nicht durch einen hohen Realitätsgrad ausgezeichnet. Das wäre für mich also per se kein Argument, Superhelden zu kritisieren. Denn sonst müsste ich auch Lichtschwerter doof finden.

Bedenklicher finde ich da schon eher den Trend hin zur Ideenlosigkeit (oder Mutlosigkeit), der Hollywood allgemein betrifft. Immer mehr Filme bedienen sich aus Vorlagen anderer Medien (Comic, Roman, Videospiele) oder setzen auf Fortsetzungen bereits etablierter Marken. Für meine Begriffe ist das ausufernde Ausnutzen der verlässlichen Marke „Superhelden“ in dieser Hinsicht nur ein weiteres Symptom.

 

Pro und Contra Vermarktungsketten

Christian: Sich aus bestehenden Vorlagen zu bedienen, ist nichts schlimmes. Kritisch sehe ich allerdings, wenn von vorneherein die volle Verwertungskette durchgeplant ist: Roman – Comic – Film – Computerspiel – Spielzeug. Das wirkt zwar dynamisch, bezeugt aber die tatsächliche kreative Erstarrung. Es gibt keine Überraschungen mehr auf Seiten des Mainstreams. Problematischer noch sehe ich allerdings die „All-ager“-Philosophie, mit denen die Produkte vermarktet werden. Dass Erwachsene sich für Jugendbücher interessieren, ist ja per se eine nette Sache. Dieser Umstand verliert aber sehr schnell seine Unschuld, wenn man die Folgen bedenkt, die die mediale Ausschlachtung nach sich zieht. Die Verfilmungen müssen drastisch, gruselig und spannend genug sein, um Erwachsene zu fesseln, gleichzeitig sind aber auch Kinder nach wie vor Zielgruppe. Beim Ansehen des zweiten Spider-Man-Films von 2003 ist mir aufgefallen, wie kindisch die Inszenierung einerseits ist, wie brutal aber die Gewaltszenen wirken. Das mag in diesem Fall als comichafte Überzeichnung durchgehen, ist aber dennoch ein unguter Spagat, der weder den Erzählungen hilft noch den Zuschauern. Auch früher wollten Kinder wie Rocky oder Rambo sein, aber zumindest waren diese Erzählungen klar an ein älteres Publikum gerichtet. Bei Spider-Man ist das nicht so eindeutig. Noch schwieriger sind aber die DC-Verfilmungen einzuordnen: The Dark Knight war düster, krank und ultrabrutal. Die Inszenierung lässt sich wohl am ehesten mit Paul Verhoevens Robocop vergleichen. Aber im Gegensatz zu Verhoevens Reißer ist auch beim Dark Knight die Zielgruppe uneindeutig, selbst wenn so getan wird, als wende man sich an die „erwachsenen“ Zuschauer. Aber gibt es nicht auch schon die Lego-Variante vom Dark Knight?

Zementiert wird diese unschöne Richtung durch das viele Geld, das bereits in diese Projekte geflossen ist. Geld erzeugt Sachzwänge, so dass man diese Entwicklung wohl erst mal nicht mehr stoppen kann. Was im Superheldengenre die nächsten Jahre kommen wird, ist fürs Erste vordefiniert.

 

Michel: In dem, was Christian als Kritikpunkte ausmacht, sehe ich eigentlich eher die Tugenden der modernen Superheldenfilme. Gerade das Offenhalten der Zielgruppen ist ja etwas, womit sich der US-amerikanische Mainstreamcomic jahrelang schwer getan hat und noch immer tut. Die meisten Superheldencomics sind weiterhin auf die Zielgruppe „weiß, männlich, über 18 und Sammler“ zugeschnitten. Durch die exklusive Fokussierung auf dieses „sichere“, aber sehr spezielle Publikum fällt es schwerer, andere Zielgruppen zu erreichen und mit der Kernzielgruppe zu vereinen. Die Verfilmungen hingegen haben ihr Publikum von Anfang an inklusiv verstanden. Fan oder Nicht-Fan, jung oder alt, weiblich oder männlich – alle können mit den Filmen irgendwie was anfangen. Im Wesentlichen setzen gerade die Marvel-Filme da die klassischen Disney-Tugenden fort. Die haben schon verstanden, wie Mainstream funktioniert, und schaffen es trotzdem noch, unterhaltsame Geschichten dabei zu erzählen. Passenderweise hat Marvel ja nun endlich auch mal einen Titel mit einer afroamerikanischen und einen mit einer weiblichen Hauptfigur angekündigt.

Die andere Sache ist die multimediale Vermarktungskette. Wenn du kreative Erstarrung sehen willst, dann schau dir mal an, wie der deutsche Comic in Vermarktungsketten eingebunden ist. Nämlich gar nicht. Als Comic-Schaffender kann ich dir versichern, wir wären heilfroh, wenn die Film-, Game- oder Merchandise-Branche sich mal angucken würde, was die Comicleute hier in Deutschland so treiben. Dass man allein mit Comics hier seinen Lebensunterhalt nicht bestreiten kann, damit haben sich ja mittlerweile alle abgefunden. Dass man die Titel aber auch jenseits der Comicbranche nicht vermarkten kann, weil andere Kreativbereiche zu verbohrt sind, um sie überhaupt wahrzunehmen, ist gerade aus finanzieller Hinsicht schon sehr frustrierend. Vor allem zeigt es, wie gering der Stellenwert von Comics in Deutschland im Kulturbereich wirklich ist, Feuilleton-gesteuerte Graphic-Novel-Lobby hin oder her. Gerade als Manga-Schaffender wirft man da immer wieder wehmütige Blicke nach Japan, wo solche Vermarktungsketten wie selbstverständlich ineinandergreifen.

Promo-Artwork für X-Men: Days of Future Past

Wenn man an den Superhelden-Vermarktungsketten etwas kritisieren will, dann eher, dass von den erwirtschafteten Milliarden zu wenig (oft gar nichts) bei den ursprünglichen Comic-Kreativen ankommt (das ist in Japan anders). Zum anderen haben es weder Marvel noch DC bisher geschafft, den Erfolg ihrer Superhelden-Franchises auf den Comic-Bereich mit auszuweiten. Dort regiert weiterhin das exklusiv gedachte Fanboy-Marketing mit Gimmick- und Variant-Covers, alternativen Universen, ständiger Rotation von Kreativen an bestimmten Serien und immer, immer wieder Crossovers. Ich hab ja mal nach den New 52 zwei Jahre lang versucht, DC-Comics zu lesen, und hab’s mittlerweile aufgegeben, weil es einfach unmöglich ist, als GelegenheitsleserIn davon nicht irgendwann völlig frustriert zu sein. Du schaffst keine sechs Ausgaben am Stück ohne Crossover oder ersetztem Kreativteam. Ein bisschen Sorge macht mir, dass Disney und Warner jetzt versuchen, den Shared-Universe-Ansatz auf den Filmkanon zu erweitern. Im Moment funktioniert das noch, weil die bisherigen Titel noch recht übersichtlich sind. Aber wenn ich mir die Marvel-Pläne bis 2020 angucke, kann ich den Punkt schon kommen sehen, an dem das ungeschulte Blockbuster-Publikum den Überblick und damit auch das Interesse verliert. Mal sehen, wie lange das gut geht.

 

Benjamin: Wenn du von funktionierenden Vermarktungsketten sprichst, dann habe ich aber, gerade was die US-Verlage betrifft, das Gefühl, dass die Superheldenfilme zwar multimedial und massentauglich sind, aber das ursprüngliche Comicgeschäft davon kaum tangiert wird. Weder inhaltlich kann man in Bezug auf die Comics größere Berührungspunkte ausmachen, noch bekommen Künstler gesteigerte Aufmerksamkeit oder die Verkaufszahlen springen bei der Serie von Held XY nach oben, weil gerade dessen Film im Kino läuft.

Und das ist angesichts des riesigen Aufwands und des enormen Erfolges aktueller Superheldenfilme doch sehr erstaunlich. Aber das liegt wohl tatsächlich an dem bereits erwähnten Versuch der Studios, eine möglichst breite Zielgruppe ins Kino zu locken. Und von dieser liest wahrscheinlich eine große Mehrheit gar keine Comics und ein noch kleinerer Teil liest Superheldencomics im Speziellen. Übrig bleibt der feste Kern der Zuschauer, die ohnehin Superheldencomics zuvor auch schon regelmäßig gelesen haben und der sich nicht merklich verändert. 90 Minuten einen grünem Koloss, einem Typ in einer Rüstung und einem Gott dabei zuzusehen, wie sie New York in Schutt und Asche legen, scheint halt doch von viel mehr Menschen als kurzfristige, massentaugliche Unterhaltung akzeptiert zu sein, als ähnliche Szenarien mit den gleichen Figuren in einem Comic zu lesen. Das sind dann doch irgendwie noch zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe.

 

Das Wagnis des „shared universe“

Thomas: Wenn wir von einem Superhelden-Overkill im Kino sprechen, bin ich zwiegespalten: Was Marvel mit seinem „Cinematic Universe“ macht, finde ich tatsächlich hochinteressant und spannend, nicht als Comicleser, sondern vor allem als Filmfan. Diesen aus den Comics übernommenen Ansatz, dass unterschiedliche Filme in der gleichen Welt spielen und sich ineinander verschränken können, gab es in Film und Fernsehen in dieser Form bisher nicht. Was Marvel hier versucht hat, war ein Wagnis, und das Risiko scheint sich gelohnt zu haben. Ohne die Vorarbeit, die mit Thor, Iron Man, Captain America und Avengers geleistet wurde, wäre Guardians of the Galaxy nie ein solch großer Erfolg geworden. Das Marvel-Logo ist mittlerweile zur Kino-Marke geworden, die allein als Auslöser dienen kann, einen Film sehen zu wollen. Man braucht dann weder einen prominenten (und teuren) Hauptdarsteller noch eine berühmte Figur als Zugpferd, sondern kann auch von einer Truppe galaktischer Misfits erzählen, zu denen ein Waschbär und ein Baum gehören, und die bis zum ersten Trailer kaum jemand gekannt hat.

Dass Marvel und seine Konzernmutter Disney diesen Pfad weiter beschreiten und ausbauen wollen, ist nur logisch, und natürlich steckt darin auch das Risiko, dass man das Publikum damit früher oder später überfordert  sei es durch die schiere Menge an Filmen, sei es durch immer mehr und immer kompliziertere Querverweise zwischen den Filmen. Dass eine zu starke Verknüpfung von Serien, verbunden mit dem Primat der Continuity, auf Dauer eher schädlich und ein Riesenhindernis für Neueinsteiger sein kann, ist an den Comic-Universen ja sehr gut zu beobachten. Mal sehen, wie lange das Publikum mitmacht  dass der Boom früher oder später in einen Abschwung münden wird, ist fast unvermeidbar.

Marvels Filmboss Kevin Feige präsentiert die

Was einen Überdruss beim Zuschauer sehr wahrscheinlich befördern wird, ist die Tatsache, dass auch die anderen Studios auf den Trend des „shared universe“ aufspringen und auch dort ganze Serien von Filmen geplant sind, die ineinander greifen sollen. Da ist natürlich DC mit Batman, Superman und der Justice League, aber auch Sony mit Spider-Man und den Fantastic Four oder Fox mit den X-Men. Und auf ganz ähnliche Weise sollen ja auch andere Franchises wie Star Wars oder Harry Potter ausgebaut werden. Wenn aber kein großer Film mehr allein für sich selbst stehen kann, sondern stets gleich auf den nächsten und übernächsten mitverweist, droht auf Dauer ein inhaltlicher Einheitsbrei. Die Richtlinienkompetenz der Studios, die das „große Ganze“ im Auge behalten, steht über der Kreativität von einzelnen Regisseuren und Autoren. Bestes Beispiel dafür ist Marvels Ant Man-Film, der eigentlich von Edgar Wright (Scott Pilgrim, Shaun of the Dead) gedreht werden sollte. Dessen unkonventionelle  Ideen hätten womöglich nicht gut genug zur großen Marvel-Linie gepasst, so dass man ihn mittlerweile durch Peyton Reed ersetzt hat. Dass dessen bislang letzter Film den Titel „Der Ja-Sager“ trägt, ist möglicherweise kein Zufall.

Wie auch immer, ich als Kinogänger würde mir wünschen, dass Marvel sein „Cinematic Universe“-Experiment erfolgreich weiterführt und nebenbei auch Raum für Filme lässt, die abseits dieser Leitlinie liegen (Ant Man hätte so etwas sein können). Auf die angekündigten „Wir machen das jetzt auch so“-Projekte der Konkurrenz will bei mir jedoch so gar keine Vorfreude aufkommen. Erst recht nicht auf die von DC, die mit ihrem Hyperrealismus und dem Zwang, möglichst düster und ernsthaft rüberzukommen, offensichtlich einen Gegenpol zu den bunten Popcorn-Spektakeln von Marvel setzen wollen. Aus meiner Sicht der falsche Weg, denn kaum ein Genre braucht Augenzwinkern und ein wenig ironischen Abstand so dringend wie der Superhelden-Actionfilm.

 

Daniel: Die Liste der kreativen Köpfe, die sich der bekannten Figuren annehmen, muss neben den bereits genannten Regisseuren Christopher Nolan (Batman) und Sam Raimi (Spider-Man) noch um Joss Whedon erweitert werden. Für mich hat Marvels „Cinematic Universe“ eigentlich erst mit dem Avengers-Film begonnen. Das liegt nicht daran, dass ich ein Crossover für eine sonderlich einfallsreiche Erzählform halte. Im Gegenteil: Eine ausgewogene Geschichte mit so vielen Charakteren überzeugend zu erzählen, ging in den meisten Comics schief. Man verlässt sich allein auf den großen Knalleffekt, die möglichst große Schnittmenge von Fans verschiedenster Helden. Es knallt gewaltig bei den Avengers, aber das macht nicht den Reiz des Films aus. Der Spagat, der Whedon gelingt, findet fernab von all der Action statt. Er liegt in seinem Talent, multiple Charaktere sinnvoll weiterzudenken und interagieren zu lassen – wie echte Menschen, nun ja, wie echte Superhelden. Dadurch beweist Whedon sich als Kenner der Figuren, aber auch als Erneuerer. Aus eben solchen erneuernden Kräften wurden die besten Comicgeschichten geboren, nicht aus der musterhafen Serie. Es würde mich wirklich interessieren, inwieweit er an der Hinführung zum Avengers-Film mitgearbeitet hat.

Promo-Artwork für The Avengers

Wenn Marvels „Cinematic Universe“ mit The Avengers geboren wurde, so stirbt es auch mit The Avengers. Denn der Erfolg zieht, wie so oft, Gewinnerwartungen nach sich. Das Interessante muss gesteigert werden, muss von New York in die ganze Galaxie verfrachtet werden, nur um sich 2019 zweiteilig im Unendlichen zu ergehen. Und den entsprechenden Handschuh gibt es auch schon. Und woran erinnert uns dieses Muster? An die Welt der amerikanischen Comics, die von zwei großen Verlagen beherrscht werden. Comicserien werden bis ins Unendliche fortgeschrieben und tauchen immer dann in der öffentlichen Wahrnehmung auf, wenn sich Erneuerer anschicken, mit bekannten Figuren neue Geschichten zu fabulieren. Die begründete Angst vor der vorauseilenden Planung bis ins Jahr 2019, der dritten Phase des Marvel’schen Filmuniversums, hat meines Erachtens nach wenig mit Superhelden oder Superheldenverfilmungen zu tun. Sie liegt in der Angst vor dem Altbekannten, den langweiligen und immer wiederkehrenden Crossovern der Comicwelt. Wenn Marvel und DC nun das Medium erfolgreich wechseln, werden wir uns aller Wahrscheinlichkeit nach auf viel Gleichförmiges einstellen müssen. Der jüngste Fall, die Meinungsverschiedenheiten zwischen Marvel und Edgar Wright, den Thomas schon beschrieben hat, deutet in diese düstere Zukunft.

 

Benjamin: Schaut man sich mal den Fahrplan allein der großen zwei, Marvel und DC (wobei ich da die Fox- und Sony-Lizenz mit einschließe), für die kommenden Jahre an, kommt man im ersten Moment nicht umhin zu denken, dass auf absehbare Zeit eine Übersättigung eintreten könnte, gerade auch wenn es um die Helden aus der zweiten Reihe geht (etwa Black Panther oder Shazam). Auf der anderen Seite bin ich da ganz bei Thomas: Die Planung eines verbundenen Filmuniversums, das langfristige Denken in Phasen, das ist ein wirklich interessantes Projekt. Und anders als im Comicuniversum scheinen Gelegenheitsfans von dieser inhaltlichen Verschränkung nicht überfordert oder genervt zu sein.

Als regelmäßiger, eifriger Leser von Superheldencomics freue ich mich über vor allem über die hohe Qualität der Filme. Für die Zukunft bleiben aus meiner Sicht drei große Fragen:

1. Wird es DC nach einer erfolgreichen Dark Knight-Trilogie gelingen, eine ähnliche Begeisterung der Fans hinüberzuretten in ihren ambitionierten Gegenentwurf zu Marvels „Cinematic Universe“? Jeder freut sich wohl auf einen Justice League-Film, aber Batman v Superman wird wohl der Prüfstein dafür, ob die ersten Helden für dieses Unterfangen beim Publikum Anklang finden.

2. Was kommt nach Marvels Phase 3? Man muss davon ausgehen, dass einige Schauspieler dann womöglich nicht mehr zur Verfügung stehen wollen. Vielleicht kommt dann (analog zu den Comics) ein Reboot mit neuen Darstellern und Regisseuren. Oder kommt dann der Versuch, ein Crossover mit bzw. einen Lizenz-Rückkauf von Spider-Man und X-Men durchzusetzen?

3. Wie wird sich der TV-Serienmarkt entwickeln? Während DC Arrow, Flash und Constantine abseits des Kinouniversums plant, gibt es bei Marvels Agents of S.H.I.E.L.D. erste Berührungspunkte mit Captain America oder Avengers. Und auch Daredevil und die weiteren Netflix-Serien sind nicht nur inhaltlich verzahnt, sondern spielen auch im gleichen Universum wie die Leinwandhelden. Das könnte bei gegenseitigen Gastauftritten beispielsweise noch eine weitere Dimension darstellen.

Szene aus der TV-Serie The Flash

 

Comics und Filme – zwei Paar Stiefel

Björn: Wir haben jetzt seit dem Beginn des Jahrtausends einen Boom an Superheldenfilmen und -serien, keine Lois and Clarks, die das Superheldenelement etwas verschämt zur Seite schieben, sondern Filme und Serien, die offen und breitbeinig dazu stehen, dass sie eine Superheldenthematik umsetzen. Hey, Blink aus Age of Apocalype ist jetzt ein Begriff (und vermutlich mehr Leuten, als sie es über die Comics je war oder sein würde). Aber wenn wir in den letzten fünfzehn Jahren auch etwas gesehen haben: Die Schnittmenge zwischen Film und Comic ist so marginal, dass sie ignoriert werden kann. Wer als Kind die Teen Titans-TV-Serie gesehen hat, ist inzwischen so 16 bis 20 Jahre alt. Warum überaltert der Superheldenmarkt dann weiter? Warum gibt’s keine riesigen Verkaufszahlen, wenn ein Film richtig erfolgreich ist? Iron Man ist ein Franchise geworden, das viel erfolgreicher ist, als man je geglaubt hätte. Ich meine, hey, es ist Iron Man, for fuck’s sake. Aber hat das irgendeinen Einfluss auf die aktuellen Comics und deren Leserschaft?

Wenn’s hochkommt, dann helfen die Filme dabei, ein paar Klassiker in etwas größerer Stückzahl zu verkaufen (Millers Batman-Comics, Moores Watchmen, so herausstechende Spider-Man-Comics wie Kraven’s Last Hunt). Und sie helfen dem Wiedererkennungswert der Figuren. Das war’s aber auch schon.

Ich glaube, die Frage zäumt das Pferd ohnehin von der falschen Seite auf: News Flash  Warner Brothers und Disney sind die Comic-Abteilungen von Marvel und DC schnurzpiepegal. Die sind ein Bruchteil des Budgets und haben eine primäre Funktion: IPs zu liefern, aus denen man dann Filme, Serien, T-Shirts, Kaffeebecher und Häkelpullover stricken kann, mit denen man tatsächlich die Kohle verdient. Ob nun gerade Doctor Octopus Peter Parker ist oder ob Thor gerade ’ne Frau, ein Frosch oder ein Pferd ist? Who cares? Das hat keinerlei Einfluss auf irgendetwas, das in den Filmabteilungen passiert. Und das ist auch völlig okay so.

Die Filmversionen haben sich ein breites Publikum erschlossen, das weit, weit, weit über die Comicleserschaft hinaus geht und das in viel attraktivere Zielgruppen hineinstößt (jugendliche Mädels zum Beispiel, die sonst fest im Manga-Markt daheim sind). Klar, der Markt wird derzeit massiv geflutet und jede Welle klingt irgendwann ab, aber hey  das haben wir auch schon 2008 geglaubt, dass die Welle bald brechen und zurückrollen müsste; und die Zombieflut, die 2004 vom Remake von Dawn of the Dead losgetreten wurde, hat ihre Halbwertszeit auch längst überschritten, schlurft aber  Achtung, Mörderanalogie  immer noch als Untoter durch die Medienlandschaft. In Zeiten fragmentiert-tribalisierter Kultur, die das Internet befördert, klingen Wellen vielleicht langsamer ab als noch zuvor. Das goldene Zeitalter der Spaghettiwestern ab 1965 hielt nur gute acht Jahre, die steroidstrotzenden Muskelbomberactionkracher der Achtziger gab es auch nur für weniger als ein Jahrzehnt. Und beide Genres waren ähnlich überflutet wie die Superheldenverfilmung. Allerdings gab es da auch die B-Verwertung in Form von DVDs, Blu-Rays, iTunes, etc. nicht, die dafür gesorgt hat, dass heute kaum noch ein Film ein finanzielles Minus bedeutet, zumindest langfristig.

Szene aus Guardians of the Galaxy

So lange die Leute mitziehen, so lange sich Marvel nicht mit der oben beschriebenen inneren Verstrickung seiner Filme selbst stranguliert, weil alles zuviel Interkonnektivität hat, wird der Superheldenfilm weiterleben. Und sobald die Leute aufhören, Superheldenfilme zu gucken, werden sie nicht mehr gedreht werden, oder zumindest nicht mehr in dieser Menge. Der Punkt ist natürlich auch, dass wir Dinge als „Superhelden“-Verfilmungen ansehen, die es de facto nicht sind und so nicht wahrgenommen werden. Guardians of the Galaxy war ein spaßiges Science-Fiction-Gerumpel, Constantine ist Mystery, Daredevil war eine tiefsinnige Abhandlung über die Verachtung gegenüber dem Gesetz, die Anwälte tatsächlich empfinden. Und Comic-Verfilmung ist als Begriff eh exakt so hanebüchen, wie es der Begriff Buch-Verfilmung wäre. Als wenn auch nur ein Bruchteil der (wenigen) Zuschauer wusste, dass Snowpiercer auf ’nem Comic basierte.

Was ich derzeit tatsächlich als Problem sehe, ist, dass die Qualität vieler Superheldenfilme nachlässt. Gigantische SFX-Spektakel und Vehikel, die zunehmend aus einer Aneinanderreihung cooler Szenen bestehen, die aber höchstens rudimentär durch so etwas wie ’nen stringenten Plot verbunden sind (Guardians of the Galaxy, ich gucke in deine Richtung). Ich bin aber auch zu alt und snobistisch, um als Zielgruppe zu gelten, und wenn man den Kindern nur früh genug beipuhlt, dass das die Art ist, wie Filme im Sommer zu sein haben, dann akzeptieren die das auch. Und, Kulturpessimismus olé, das scheint ja eh ein generelles Problem in einer Welt zu sein, in der sich ein stumpfsinniger Unsinn wie Elysium oder District 9 als intelligentes Kino verkaufen darf.

Und jetzt noch einmal in „zu lang, tat’s nicht lesen“: So lange genug Leute in die Filme reingehen und die sich nicht gegenseitig das Wasser abgraben, gibt es keinen Overkill. Und die Filme haben exakt soviel Auswirkungen auf die Comics wie Rezensionen auf die Verkaufszahlen: annähernd Null.

 

Christian: Ich denke, die Auswirkungen der Verfilmungen auf die Comics werden eher marginaler Natur sein, so wie in den 1970er Jahren in der französischen Fliegerreihe Tanguy und Laverdure das Aussehen der Figuren auch schon den Schauspielern der gleichnamigen Fernsehserie zum Comic angepasst worden ist. Ich höre immer wieder Menschen erzählen, sie mögen Comics, die sich mit ihrer Aussage ausschließlich auf die Verfilmungen beziehen und noch nie ein Heft gelesen haben. Die Comics sind in diesen großen Franchises nur noch Randerscheinungen und im Grunde weitaus untoter als das Zombie-Genre. Es gibt im Superheldensektor nichts mehr zu erzählen  man kann die Hefte aber auch schlecht abschaffen, sie sind eben Selbstläufer mit hohen Selbsterhaltungskräften. Es gibt nur noch die Möglichkeit, die Erzählungen zu variieren und da ist der Sprung in ein anderes Medium folgerichtig. Was im Comic auch im neuesten Relaunch ein alter Hut ist, wirkt im Film derzeit noch neu.

Ich sehe ja auch hier in der Diskussion, dass mit Neugier bzw. Unruhe das entstehende „shared universe“ wahrgenommen wird. In den Comics begeistert sich darüber keiner mehr, vielmehr sorgen die ständigen editorischen Vorgaben für Frust unter den Künstlern. Die Sache mit Edgar Wright und seinem Ant Man ist ja bisher ein Einzelfall und sticht unter anderen kreativen Zerwürfnissen im Filmbereich noch nicht sonderlich hervor. Es ist aber auch ein Unterschied, ob ich, wie bei DC, ein „shared universe“ mit 52+ Serien habe, oder ein doch trotz aller Ambitionen überschaubares Filmuniversum wie bei Marvel 3.0. Was die Filmlandschaft in Zukunft belasten wird, ist nicht das Marvel-Universum, sondern ein Overkill an parallel ebenfalls entstehenden Universen. Spontan fällt mir das DC-Universe ein, das Hobbit-Universum, von dem ich nicht annehme, das es sich nach dem sechsten Tolkien-Film beruhigen wird, das Harry-Potter-Universum etc.

Promo-Artwork für The Dark Knight Rises

 Aber gab’s diese Universen nicht in anderem Gewand schon immer? Man hat das Kino sicher schon in den 60ern für kreativ tot erklärt, als fast nur deutscher Klamauk, britische Hammer-Productions und italienische Western liefen. Die Ära der Easy Riders und Raging Bulls blühte auf, als die amerikanischen Studios nichts mehr auf die Reihe kriegten und seit den 80ern dominiert eben das Blockbuster-Kino, das derzeit mit seiner Überspezialisierung sicher seine besten Zeiten hinter sich hat. Es gibt keinen Grund, diese zwangsläufige Evolution zu bedauern. Ebenso könnte man das Aussterben der Dinosaurier beweinen.

 

Besteht „Comics“ nur aus Comics?

Michel: Das Aussterben der Dinosaurier beweine ich ja tatsächlich noch. Aber einen anderen Punkt bei dir möchte ich nochmal zur Diskussion stellen, und zwar die Leute, die erzählen, sie mögen Comics, aber tatsächlich die Hefte gar nicht kennen. Bei dir klingt das ja ein bisschen abwertend, und ohne jetzt auf die Problematik von verwandten Mythen wie dem „fake geek girl“ eingehen zu wollen, mal nachgefragt: Was ist denn daran so schlimm? Führen wir uns nicht selbst aufs Glatteis, wenn wir den Begriff „Comic“ weiter so formalistisch auf eine bestimmte visuelle Kommunikationsform mit Panels und Sprechblasen eingrenzen und nicht vielleicht stärker auf das gucken, was da eigentlich erzählt, ja gar gelebt wird? Im Manga führt es beispielsweise zu kurz, den Begriff als Comic-Spielart aufzufassen, weil eine ganze kulturelle Praxis und zahlreiche mediale Spielarten da mit dran hängen. Oder, ein anderes Beispiel: Sind Game of Thrones-Fans erst Game of Thrones-Fans, wenn sie auch die Bücher gelesen haben? Oder können sie sich nicht viel einfacher unter dem „Fantasy“-Fandom die Patsche reichen? Vielleicht sollte man angesichts der aktuellen Lage den Begriff Comic eben auch weniger stark auf klassische Medienvorstellungen einschränken und eher als eine Art kulturelles Imago auffassen, unter dem sich verschiedene populäre Erzählformen und Narrative ansammeln.

Ich weiß nicht, ob es wirklich so nutzbringend ist, sich jetzt als Front alteingebrachter Comic-Apostel hinzustellen und die Superheldenfilme-Fans damit anzugehen, dass das alles ja eigentlich gar nichts mit den richtigen Comics zu tun hat. Denn schließlich scheint ja derzeit ein Großteil der Menschheit davon überzeugt zu sein, dass Comics irgendwie cool und angesagt sind, auch wenn sie vielleicht selbst aktuell gar keine lesen. Und, zumindest für mich viel entscheidender: Es scheint sich als allgemeiner Konsens zu etablieren, dass Comic-Narrative das Potenzial für große wirtschaftliche Erfolge haben  etwas, das die Graphic-Novel-Lobby trotz anhaltender Bemühungen bis heute nicht wirklich zu vermitteln vermochte.

 

Björn: Kokolores. ’n Comic is’n Comic. Wenn ich Star Wars– oder Indiana Jones-Spiele töfte finde und deshalb behaupte, ich sei ein Filmfan, dann ist das auch Humbug. Ich kann Fan von Superheldenfilmen sein, ich kann sogar Fan von Comicverfilmungen sein (trotz der Abstrusität des Begriffs, siehe oben). Aber ein Comicfan, der keine Comics liest, hat das Prinzip nicht begriffen.

Und zur Abgrenzung: Du grenzt doch in deiner Antwort auch wieder zwischen Comics und Graphic Novels ab. Wobei das ja eh ein totgeprügeltes Pferd ist, auf dem will ich jetzt gar nicht weiter rumspringen. Aber dass das, was du als „Comic“ bezeichnest (also „Popkultur“) im Kino mehr Leute anlockt als das, was du als „Graphic Novel“ verortest („Hochkultur“), das liegt doch in der Natur der Sache. Kinos sind voll, Theater werden subventioniert. U-Musik-Konzerte füllen Stadien, E-Musik füllt kleine Säle. Die Verfilmung vom Herrn der Ringe lockt mehr Leute ins Kino als die Verfilmung von ’nem Dostojewski. Und ein Film über ’nen unflätigen Waschbären lockt halt automatisch eine größere Zuschauerzahl ins Kino als das Persepolis tut oder ’ne Fun Home-Verfilmung tun würde. Da gelten für „Comics“ und „Graphic Novels“ die gleichen Marktregeln wie für alle anderen Kulturprodukte auch.

 

Michel: Dazu nur ganz kurz: Um eine Distinktion zwischen Comics und Graphic Novels ging es mir nicht. Ich finde nur, dass sich Comics produktiver im Filmsektor weiter vermarkten lassen als auf dem Belletristikmarkt, denn für mich stehen Comics dem Film deutlich näher als der Literatur, besonders, wenn man mal Entwicklungsstufen wie Storyboards mit in Betracht zieht. Das hat auch weniger etwas mit Kommerzialität zu tun. Die Graphic-Novel-Verlage täten wahrscheinlich auf lange Sicht auch besser daran, Film- und TV-Produzenten von sich zu überzeugen als ahnungslose Buchhändler. Diese ganzen Literatur-Dünkel sind eine ziemliche Sackgasse, wenn man es darauf abgesehen hat, Comics in die breite Öffentlichkeit zu tragen. Aus dieser Hinsicht betrachtet tun die Superheldenfilme da sehr viel mehr für die Breitenakzeptanz von Comics.

 

Expansion in andere Medien – was bringt’s?

Christian: Wenn ein Freund von mir sich als Comicfan bezeichnet, nur weil ihm die Filme Sin City und 300  gefallen, dann habe ich damit kein Problem. Das sehe ich völlig wertneutral und gönne ihm seinen Spaß. Ich sehe allerdings an dem Superhelden-Filmboom nichts Positives, geschweige denn Wegweisendes. Der Gedanke, dass die Expansion der Comics in weitere Medien die Zukunft ist, ist nichts anderes als der Glaube an grenzenloses Wachstum. Natürlich ist finanzielle Sicherheit wünschenswert und die Nutzung von Synergie-Effekten ist ja nicht verwerflich, gerade das ist aber bei den Marvel- und DC-Filmen nicht der Fall. Hier geht es nur um die Maximierung von Profit und Einfluss. Die von Michel erwähnten Comic-Narrative sind in vielen Fällen einfach nur hochgezüchtete Franchises, in etwa so attraktiv wie das Essen bei McDonald’s und Burger King. Dafür bin ich kein Comic-Aktivist. Und daran ändert auch die durchaus existierende Qualität mancher Superheldenfilme nichts. Aber natürlich interessiert auch mich, was ein Ausnahmetalent wie Joss Whedon aus den Avengers macht, und auch ich sehe Schauspieler wie Hugh Jackman, Ian McKellen oder Simon Pegg gerne in Aktion, auch wenn sie sich für Superhelden-Franchises hergeben. Aber ich sehe es mit der meiner Meinung nach angebrachten Distanz zum Gegenstand.

Und Michel, ich fürchte, wir müssen weiterhin Überzeugungsarbeit bei ahnungslosen Buchhändlern betreiben. Was bringt es, einen Comic zu einem Drehbuch für Film oder Anime umzuarbeiten? Ich finde, gerade beim Comic wird doch sehr deutlich, dass die Form der Darbietung wichtiger ist als der Inhalt. Und wo sollen die Studios herkommen, die solche Produktionen angehen? Vielleicht sollte man den Spieß umdrehen und bestehende Filme um Comicserien erweitern? Vielleicht sollte Rochus Hahn über die Folgejahre des Wunders von Bern eine Comicserie schreiben? Wenn ich mir’s recht überlege, ist das gar kein so unattraktiver Gedanke. Aber wir schweifen ab.

 

Michel: Was es bringt, einen Comic verfilmt zu wissen? Das fragst du mich als Comic-Schaffenden? Nun ja, zum Beispiel, dass ich mit einer Story statt dreitausend Leuten vielleicht drei Millionen erreiche und dadurch irgendwie davon leben kann … Die Synergieeffekte, die beispielsweise eine Anime-Adaption auf die ursprünglichen Manga haben, sind gewaltig. Manga ist in Deutschland überhaupt erst dadurch groß geworden, dass Sailor Moon und Dragonball damals im Fernsehen liefen. Wie Attack on Titan zum internationalen Phänomen wurde, hatte viel mit der Anime-Umsetzung zu tun. Das sind alles Optionen, die uns mit originären Titeln in Deutschland gar nicht zur Verfügung stehen, was natürlich unsere Perspektiven (und damit auch unser Schaffen) erheblich einschränkt. Wie wichtig Mehrfachverwertungen für das Überleben von Comic-Schaffenden sind, zeigt sich ja gerade in der Diskussion über das Einstellen der Comicbeiträge in der FAZ.

Szene aus dem Anime Attack on Titan

Gerade aus japanischen Vermarktungsketten kann man dagegen lernen, wie gut sich die Narrative auch in anderen Medien machen, bis hin zum Realfilm. Und ich denke, auch die amerikanischen Superheldenfilme schaffen es, natürlich mal mehr und mal weniger gut, die ursprünglichen Comic-Narrative erfolgreich in ein anderes Medium zu übersetzen. In Deutschland fehlen uns aber eben diese ineinander fußenden Vermarktungsmöglichkeiten. Filmstudios haben wir, die Games-Branche boomt, Kohle ist auch genug da. Aber die einzelnen Bereiche sind überhaupt nicht untereinander vernetzt, die nehmen sich gar nicht wahr. Gerade die verkrusteten Strukturen in der Filmindustrie mit all den Förderanträgen verhindert da jegliche Aufbruchstimmung. Ironischerweise liefen deutsche Comicverfilmungen dabei ja vor zwanzig Jahren mal sehr erfolgreich in den Kinos …

Comicadaptionen von anderen Medien sind dagegen definitiv der falsche Weg. Damit reduzierst du Comics zum Zweitverwertungsmedium, zum Gimmick zu erfolgreichen Titeln anderer medialer Formen, das sich nur in deren Abhängigkeit behaupten kann. Dafür transportieren Comics einfach nicht genug Schaffenshöhe und Aufmerksamkeit, um sich damit populär zu machen und Ursprungstexte vielleicht sogar zu überflügeln. Game of Thrones ist als TV-Serie ein Überhit. Als Comic interessiert sich keine Sau dafür dafür. Genau aus den Gründen machst du mit Literaturadaptionen den Comic nicht als Kreativmedium stark  noch so ein Fehlschuss aus der GraNo-Bewegung. Erst wenn eigene Inhalte generiert werden, die die Kraft haben, andere mediale Bereiche erfolgreich zu durchdringen, kann Comic sich als kreative Kraft in der Kulturindustrie bewähren. Die US-Superheldenwelle in den Kinos hat dahingehend ziemlich viel gerissen. Aktuell werden immer mehr und obskurere Titel in Erwähnung für Adaptionen gezogen. Hätte es vor 15 Jahren schon einen Deadpool-Film geben können? Einige amerikanische AutorInnen müssen sich ja mittlerweile schon den Vorwurf gefallen lassen, sie würden Comics nur noch als Pitch für Filmproduzenten entwerfen. Das kann man sicherlich kritisieren, aber ich wünschte, hierzulande hätten wir überhaupt die Möglichkeit dafür.

 

Links der Woche 33/14: No money for nothing, for Woofy and me

Unsere Links der Woche, Ausgabe 33/2014:

 

Comiczeichner Flix im Interview: „Die deutsche Comic-Szene sollte mehr Haltung zeigen!“
Wired, Elisabeth Rank
Der kürzlich ganz neu gestartete deutsche Ableger des US-Magazins Wired interviewt Flix, der in der Comicausstellung “Kinderland – Kindheit und Jugend in der DDR“ mit seinen Da war mal was…-Comics vertreten ist. Das Zitat aus der Artikelüberschrift fällt im Interviewtext nicht, aber Flix stellt fest: “Wir stecken hier noch sehr im Autobiographischen fest. […] Der Underground der Franzosen und Amerikaner traut sich da politisch viel mehr.”

Wuffwuffs Veteranen und ihre Abenteuer
Krautreporter, Hans Hütt und Josefina Capelle
Das ebenfalls noch sehr frische Projekt Krautreporter, das versucht, mit Mitgliedsbeiträgen von Lesern qualitativ hochwertigen Journalismus im Netz anzubieten und auch neue Formate auszuprobieren, startet eine Serie namens “Kynästhesie. Eine Graphic Novel”. Gemeinsam mit der argentinischen Zeichnerin Josefina Capelle erzählt Journalist Hans Hütt von fünf traumatisierten Hunden, die alle als Spürhunde gearbeitet haben und sich nun in der Obhut eines menschlichen Therapeuten befinden. Die Reihe ist das bislang seltsamste Format der Krautreporter – im Einleitungstext schreibt Hütt, die Graphic Novel sei für ihn “eine Form, die das Enigmatische des Erzählens bewahrt”. Die ersten Leserkommentare äußern sich überwiegend irritiert. Und auch für Comicleser dürfte das in mehrfacher Hinsicht gewöhnungsbedürftig sein.

eComics
YouTube, BlinkenTV
Ein optisch sehr schön gestalteter Beitrag aus der ZDF.info-Sendereihe Elektrischer Reporter über digitale Comics, der wie so oft bei diesem Thema daran krankt, dass unterschiedliche Dinge (digitale Versionen von gedruckten Comics, Motion Comics, Webcomics …) in einen Topf geschmissen werden. Zu Wort kommen Michael Scheuerl (netwars), Michael Groenewald von Reprodukt und Lars von Törne vom Tagesspiegel.

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Großväterland. Graphic Novel about WW2 in Germany
IndieGoGo, Markus Freise, Alex Kahl und Christian Hardinghaus
Ein deutsches Team sucht per Crowdfunding internationale Unterstützung für ein zweisprachiges Comicprojekt. Darin sollen Geschichten aus dem Zweiten Weltkrieg erzählt werden, die auf Augenzeugenberichten basieren. Inititiator Markus Freise hat bereits Crowdfunding-Erfahrung mit seinem Projekt ONE gemacht. Reichlich Infos zur neuen Unternehmung gibt es unter grossvaeterland.de.

Lichtenstein’s Theft and the Artists Left Behind
BoingBoing, Russ Heath
Ein kurzer Comic von Russ Heath, heute 84-jähriger Comiczeichner, der vor allem für seine Kriegscomics der 1950er Jahre bei DC bekannt ist. Aus einem seiner Panels machte Pop-Art-Künstler Roy Lichtenstein 1962 das Gemälde “Blam”, das er für vier Millionen Dollar verkaufte. Heath sah davon nichts und lebt heute von Sozialhilfe. Man muss vielleicht nicht so weit gehen wie der begleitende Text auf BoingBoing, der Heath als “Opfer” von Lichtenstein bezeichnet, aber, um es mit den Worten von Heath zu sagen: “Lichtenstein schuldet mir wenigstens einen Drink”. Der Kurzcomic entstand für die Hero Initiative, die Geld für bedürftige Comickünstler sammelt.

The Sponsor
The Nib, James Sturm
Ein Kurzcomic vom renommierten Comicautor, -zeichner und -lehrer James Sturm, in dem ein junger Comiczeichner einem Mentor sein Leid klagt, dass er keinen Erfolg habe, während eine jüngere Kollegin erfolgreich Geld bei Kickstarter sammelt und einen Deal mit einem Verlag hat. Der Beitrag sorgte schnell für erregte Diskussionen, da er sich so lesen lässt, dass hier zwei weiße Männer über den Erfolg von jungen Frauen in ihrer Branche klagen. Und damit herzlich willkommen in der Genderdebatte. Lesenswerte Kommentare zu dem Stück gibt es z.B. bei Heidi MacDonald (“I think Sturm’s satire—and it is a satire, not an autobiographical comic—was based on the image of two white guys fretting over the success of a younger female cartoonist. That was kinda the POINT.”), Sarah Horrocks (“The central crisis at the core of this story is white males inability to cope with a woman who is more successful than them in their field. That is literally what is in the text. You can’t BRING a gendered reading to the text, because the text IS gendered.”) oder auch bei Brandon Graham, der direkt in Form eines Comics geantwortet hat.

Letter to a Young Cartoonist
The Comics Journal, Matthew Thurber
Indie-Comiczeichner Matthew Thurber (1-800-MICE), 36 Jahre alt, schreibt einen langen, provokanten offenen Brief an junge Comiczeichner, die mit dem Internet aufgewachsen sind. Er rät davon ab, all seine Arbeit online zu stellen und über soziale Netzwerke zu verbreiten, ohne dafür bezahlt zu werden, denn die einzigen, die damit dann Geld verdienten, seien die “Big Tech”-Konzerne. Stattdessen rät er zum Self-Publishing und dazu, sich als künstlerische Avantgarde zu verstehen, die gute Chancen hat, auf dem Kunstmarkt ordentliches Geld zu verdienen. Interessanten Gegenwind dazu gibt es in den Kommentaren zum Artikel, dieser hier von einem 19-jährigen Zeichner aus Malaysia sei besonders empfohlen.

Constantine (TV-Serie)

 

 constantine tv header

 

„I am a nasty piece of work. Ask anybody.“

NBC strahlt die erste Staffel der Fernsehserie Constantine aus.

 

Am 24. Oktober 2014 startete beim großen amerikanischen Fernsehsender NBC (National Broadcasting Company) die Serie Constantine, welche auf den beliebten Comicserien Hellblazer (DC Vertigo) bzw. Constantine (DC-Comics) beruht. Die bisherigen drei Folgen kann man sich auf der Constantine-Unterseite von NBC anschauen. Der Sender NBC ist eine altehrwürdige amerikanische Institution und künstlerisch sicher weniger radikal als beispielsweise der Bezahlsender HBO, was nicht bedeutet, dass NBC in seiner Geschichte nicht auch teilweise recht moderne und heftige Serien produziert hat, unter anderem auch die Hannibal-Lecter-Fernsehserie Hannibal.

Szene aus der ersten Folge von Constantine

Gibt man bei Google derzeit das Wort „Constantine“ und die Lettern „doe“ ein, wird bereits die Ergänzung „Constantine doesn’t smoke“ vorgeschlagen, was deutlich macht, welche Wellen die Entscheidung der Produzenten schlägt, John Constantine nicht rauchen zu lassen. Während im modernen US-amerikanischen Fernsehen gerade Sadismus und Splatter durchaus recht bizarre Blüten treiben, ist das Thema Rauchen unverändert problematisch. Aber NBC wird für eine Reihe wie Constantine sicher nicht seine Statuten ändern; und wahrscheinlich beugt man mit dieser Art von Nichtraucherschutz auch einer späteren Klage des Hauptdarstellers gegen den Sender vor. Wer könne schon widerlegen, dass NBC den Darsteller nicht gezwungen habe, für seine Rolle bewusst seine Gesundheit zu ruinieren? Im Gegensatz zur klar künstlichen Gewaltdarstellung muss eben immer noch echt geraucht werden, selbst im Zeitalter der CGIs. Nun bedeutet das nicht zwingend, dass John damit Nichtraucher ist, er wird nur eben nicht beim Rauchen gezeigt werden (beim Toilettengang übrigens auch nicht). Zu diesem Thema meinte Matt Ryan in einem Fernsehinterview augenzwinkernd, er sehe es als Herausforderung, hier und da eine Zigarette ins Bild zu schmuggeln. Dass er in der Pilotfolge ein Zippo verwendet, deutet immerhin an, dass er es off-screen vielleicht auch zum Rauchen missbraucht, statt wie jeder ordentliche Christ nur Dämonen damit anzuzünden. Das Promo-Foto mit der E-Zigarette dürfte jedenfalls nur ein Gag gewesen sein. Wenn John raucht, dann richtig.

Der Engel Manny in der ersten Folge von Constantine

Christliche Symbolik prägte stets den Hellblazer-Mythos, und natürlich spielt auch die Fernsehserie mit dem Spannungsverhältnis zwischen Himmel und Hölle. Bereits in der Pilotfolge erscheint ein Engel, der John offenbart, dass für ihn ein Platz in der Hölle reserviert sei, schließlich handelt er mit der Anwendung von Magie eindeutig gegen die Schöpfung. Dieser Grundkonflikt entstammt den bereits 1989 von Garth Ennis geschriebenen Hellblazer-Heften. Deutlich stärker als in den Heften wird angedeutet, dass Johns Kampf um die Rettung seiner Seele wohl ein zentrales Plot-Element der Serie sein wird. Wie im Comic begehrt John gegen die strengen Regeln eines Gottes auf, der Leid zulässt, dessen Schöpfung sich dagegen aber kaum wehren kann. Erwähnenswert scheint mir in diesem Zusammenhang, dass gerade der Engel Manny, der in der Pilotfolge bereits zwei Auftritte hat, aus ähnlichem Material gestrickt zu sein scheint wie das weit verbreitete Klischeebild eines schurkischen CIA-Agenten. Kein Zweifel, dass es hier noch zu dem einen oder anderen Schlagabtausch kommen wird.

Austreibung eines Dämonen in der ersten Folge von Constantine

Die eigentlichen Gegenspieler sind aber natürlich die Dämonen. Johns größtes Trauma, die gescheiterte Rettung des Mädchens Astra vor dem Dämon Nergal, wurde aus den Comics nahezu unverändert übernommen. Wie im Comic verschlägt es Constantine nach diesem Schicksalsschlag in die Nervenheilanstalt Ravenscar, allerdings sucht Constantine im Gegensatz zum Comic die Anstalt aus eigenem Antrieb auf. Dadurch verliert der Ravenscar-Aufenthalt an Drama und Drastik, doch verleiht es John einen gewissen Sinn für Selbstironie; ein Charakterzug, den man sicherlich bewusst eingeführt hat. John als wehrloses und traumatisiertes Opfer der Behandlung durch Ravenscar darzustellen, wie es in den Comics der Fall ist, wäre sicher ein mutiger Ansatz gewesen, aber die vorliegende Lösung ist nachvollziehbar – man will ihn als Player einführen, der sein Leben in Griff hat.

TRAILER:

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40 Minuten Sendezeit sind nicht viel für eine Pilotfolge, und die erste Constantine-Episode gerät durchaus zeitweise holprig. Viele Schlüsselszenen lassen Grundkonflikte anklingen, die im weiteren Verlauf der Reihe sicher wieder aufgegriffen werden, aber gerade aufgrund dieser straffen Konstruktion ist für die einzelnen Szenen zu wenig Zeit. Eine Doppelfolge hätte hier sicherlich gutgetan. Was man bisher zu sehen bekam, ist ein etwas mechanisch wirkender Reigen aus klassischen Horrorklischees, der erst in der zweiten Hälfte der Episode seinen Rhythmus findet und dann auch schon in einem kleinen Showdown mündet. Das Ende des Piloten gerät dann auch etwas läppisch und mühelos für den Helden, was aber für eine Pilotfolge sicherlich statthaft ist – und zumindest werden geschickt Andeutungen kommender Konflikte eingestreut.

John Constantine, Demonologist

Die Spezialeffekte sind ordentlich und die Monster zeitgemäß, wenn auch etwas geisterbahnmäßig inszeniert. Mir sind es zu viele Licht- und Blinkeffekte, aber eine Serie wie Hellblazer so umzusetzen, dass jeder Fan zufrieden ist, dürfte ohnehin ein Ding der Unmöglichkeit sein. In der gelungensten Szene der Pilotfolge wird die Umgebung durch Zauberkraft eingefroren, während die Akteure sich zwischen den Figuren, die zum Standbild erstarrt sind, bewegen. Das ist kein neuer Effekt, man kennt ihn aus so unterschiedlichen Filmen und Serien wie Angel, Heroes, Matrix oder auch The Hudsucker Proxy, und doch ist es ein effektvolles Element, das gerne noch öfter zum Einsatz kommen darf. Wichtiger als alle Effekte ist jedoch das Casting, und da ist, zumindest was die Hauptfigur betrifft, ein kleines Wunder geschehen: Matt Ryan sieht nicht nur aus wie der echte John Constantine, er ist echter Brite (aus Wales) und spricht die aus dem Comic teils 1:1 übernommenen Oneliner überzeugend, wenn auch vielleicht ein wenig manieriert.

Comiczeichnungen in der ersten Folge von Constantine

Gut möglich, dass Constantine einige Zeit benötigt, bevor die Reihe eine klare Linie findet. Die erste weibliche Hauptperson jedenfalls ist bereits nach der ersten Folge wieder aus der Reihe hinausgeschrieben worden. Ab der zweiten Episode hat John eine neue Begleiterin, die bereits im Vorfeld Ahnungen von ihm hatte und manisch Bilder von ihm malte (ebenfalls ein altbekanntes, aber wirkungsvolles Klischee). Es ist unschwer zu erkennen, dass diese Bilder der Comicserie entlehnt sind. Eine nette kleine Geste gegenüber den Comicfans und auch den Künstlern, wie ich meine.

Ein Großteil der Figurenkonstellation entstammt der richtungsweisenden Hellblazer-Erzählung des Briten Jamie Delano, der in den 80er Jahren allerdings auf eine wesentlich kratzbürstigere Art und Weise erzählte. Aber modernes amerikanisches Fernsehen ist eben ein anderes Tier als eine experimentell angehauchte Comicserie für erwachsene Leser. Man würde sich wünschen, dass die Drehbuchautoren sich nicht nur Delanos Figurenrepertoire angeeignet hätten, sondern auch etwas von dessen sensiblem Gespür für Charakterisierung und menschliche Schwächen. Die derzeitige inhaltliche Ausrichtung, das zeigt sich noch deutlicher in der zweiten Folge, entspricht aber eher einer Dramaturgie, wie sie in amerikanischen Gruselcomics der 70er Jahre zu finden war. Aber es ist zu früh, sich ein abschließendes Urteil zu bilden.

 

Mein vorläufiges Fazit: Sicherlich hätte die Reihe deutlich mehr Schwierigkeiten, Aufmerksamkeit zu erzeugen, wäre Constantine nicht bereits eine voll etablierte Kultfigur. Andererseits ist der Erwartungsdruck an die Serie durch die Fans auch ein Hemmschuh, von dem sich die Serie erst mal freischwimmen muss. Der charismatische Hauptdarsteller und der offensichtliche Elan der Beteiligten lassen mich hoffen, dass sich das Projekt zu einer gesunden und langjährigen Serie entwickeln wird. Mir macht sie derzeit jedenfalls mehr Spaß als die neue Constantine-Reihe der New 52.

 

[Christian Muschweck ist unser Hellblazer-Experte. Wer mehr über die Comicserie erfahren möchte, dem sei seine ausführliche Dossier-Reihe zu den Epochen von Hellblazer empfohlen. Übersicht am Ende des verlinkten Artikels.]

 

Constantine Folge 1 bei NBC anschauen (Tipp: mit dem CC-Button lassen sich die Untertitel einblenden)

Constantine Folge 2 bei NBC anschauen

Constantine Folge 3 bei NBC anschauen

 

Abbildungen © NBC

Obdachlosigkeit im Comic: Interview mit Christopher Burgholz

Das COMIC!-Jahrbuch 2015, das kommende Woche erscheint, enthält einen Beitrag von Stefan Svik über Comics in Straßenzeitschriften, also Heften wie Asphalt oder Hinz und Kunzt, mit denen Obdachlose und andere sozial Benachteiligte eine Chance bekommen, auf würdevollere Weise als durch Bettelei etwas Geld zu verdienen. Im Rahmen der Recherche für diesen Beitrag entstand auch das Interview mit Christopher Burgholz, das wir hier veröffentlichen. Burgholz ist Zeichner und Illustrator und lebt in Münster, wo er Design an der örtlichen Fachhochschule studiert. 2013 nahm er mit dem Comic Penner an dem Comicwettbewerb „Gramic Award“ des Evangelischen Presseverbands teil, dessen Thema „Toleranz“ lautete. Die Jury kürte Penner zum Sieger des Wettbewerbs. Die Buchversion des Comics ist im Jaja Verlag erschienen.

 

Christopher Burgholz (Foto: privat)Comicgate: Herzlichen Glückwunsch zum Gramic Award 2013 für Penner! Du bist Student, Jahrgang 1988 und dieser Comic ist dein Debüt. Was hat dich zu den Comics gebracht?

Christopher Burgholz: Ich habe schon immer gerne gezeichnet, auch Comics. Im Rahmen meines Illustrationsstudiums an der Fachhochschule Münster habe ich mich weiter mit dem Thema Comics auseinandergesetzt und mich schließlich entschlossen, einen Comic als Abschlussarbeit zu machen.

In der Buchausgabe von Penner steht, dass du der Zeichner bist. Aber du bist auch der Autor, oder?

Ja. „Zeichner/ Autor“ klang aber irgendwie doof. Letztendlich sehe ich mich eher als Zeichner, der seine eigenen Geschichten schreibt und nicht als Autor, der seine Geschichten zeichnet.

Wer hat dich zeichnerisch und erzählerisch zu Penner inspiriert?

Ich kann gar nicht genau sagen, wer mich zu dem Comic inspiriert hat. Viele meiner Lieblingszeichner wie Joe Matt oder K.C. Green machen eigentlich andere Arten von Comics, die oft eher lustig sind.

Wie hast du recherchiert? Welche Berührungspunkte hast du zu Arbeitslosen, Hartz-IV-Empfängern und Obdachlosen?

Das Obdachlosenmagazin draußen hier in Münster hat mich netterweise bei meinen Recherchen unterstützt. Generell ist Obdachlosigkeit hier in Münster sehr präsent, auch wenn es in anderen Städten sicherlich problematischer ist. Es ist leicht, mit den Betroffenen direkt in Kontakt zu treten. Ich habe aber auch versucht, über die Literatur der sozialen Arbeit einen wissenschaftlichen Einblick zu gewinnen, um das Thema besser zu begreifen.

Ist Münster der Schauplatz von Penner oder irgendeine x-beliebige Stadt? Würde der Ort einen Unterschied machen?

Der Ort der Geschichte wird absichtlich nicht genannt, da sie in jeder Stadt stattfinden kann. Städte gehen teilweise verschieden mit dem Thema Obdachlosigkeit um, dennoch kann ein Schicksal, wie es in Penner beschrieben wird, überall in Deutschland entstehen. Teilweise sind die Szenerien in der Geschichte allerdings von meinen Eindrücken in Münster inspiriert.

Seite aus PennerWieso hast du dich für diese Farbgebung entschieden? Was soll sie bezwecken? Warum nicht Schwarz-Weiß?

Ich fand die Farbpalette einfach etwas stimmungsvoller als Schwarz-Weiß. Wobei die Geschichte sicherlich auch in Schwarz-Weiß funktioniert hätte.

Du bist noch ziemlich jung. Als Student ist es normal, wenig Geld zu haben, sehr einfach zu wohnen. Teilweise wird das Leben auf der Straße romantisiert und idealisiert. In Ulli Lusts Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens wird Armut in Italien als viel erträglicher als in Deutschland oder Österreich gezeigt. The Walking Dead greift die Sehnsucht von Menschen auf, die den Überfluss leid sind und nochmal neu anfangen, unter freiem Himmel schlafen und frei sind – unfreiwillig und von Zombies verfolgt. Dennoch: siehst du so eine Idealisierung eines ganz einfachen Lebens auch als Teil unseres Blicks auf Obdachlosigkeit?

Es ist leicht, von einem Leben in großer Einfachheit zu träumen, wenn man selbst nicht betroffen ist. Ein Leben in wirklicher Armut ist allerdings nicht einfach, sondern stellt einen stressigen und deprimierenden Zustand dar. So wollte ich das Thema auch in meinem Comic darstellen. Es mag anders sein, wenn der Lebensstil selbst gewählt ist, dies trifft jedoch auf Obdachlose in der Regel nicht zu. Das romantische Bild des Landstreichers verschwindet, denke ich, auch aus unseren Köpfen. Es passt einfach nicht in unsere heutige Gesellschaft. Sicherlich sehnen sich viele manchmal nach einer Art Postmaterialismus, der unser Leben unkomplizierter und stressfreier machen soll. Einen Schritt in diese Richtung gehen allerdings die Wenigsten. Wir sind viel zu abhängig von unserer Konsumlust und unserem Lebensstandard.

Warum hast du das Thema Obdachlosigkeit gewählt?

Ich habe das Thema gewählt, weil es hier vor Ort sehr präsent ist und darüber hinaus jeder eine Meinung dazu zu haben scheint. Ich wollte mich näher mit dem Thema beschäftigen, um es selbst besser begreifen zu können und zu verstehen, warum in einem Sozialstaat Menschen auf der Straße leben.

Cover PennerAlkohol, Einsamkeit, rasanter sozialer Abstieg und ganz überwiegend Männer als Betroffene – diese Themen finden sich immer wieder, wenn es um Obdachlose geht. Sind das die zentralen Gründe?

Die Schicksale der Betroffenen sind sehr individuell. Dennoch sind die Aspekte, die in der Geschichte aufgegriffen werden, in der Obdachlosigkeit sehr weit verbreitet. Häufig gibt es ein Scheitern, einen Verlust oder Ähnliches im Leben der Betroffenen, von dem sie sich einfach nicht erholen können. Hinzu kommt die Selbstbetäubung und schließlich das Unvermögen oder die Angst davor, zurück in die Gesellschaft zu finden. Erschwert wird dies häufig durch die Behörden, die nicht selten unfähig sind, den Menschen wirklich zu helfen, was symptomatisch ist für tiefer liegende politische aber auch gesellschaftliche Schieflagen.

Wird die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland größer, haben wir noch eine soziale Marktwirtschaft?

Es ist ja nicht alles verkehrt in Deutschland. Aber vor dem Hintergrund, dass wir wirtschaftlich international eigentlich sehr gut dastehen, ist es traurig, dass Reichtum in Deutschland so ungleichmäßig verteilt ist. Ich denke, da müssen wir noch dazulernen. Wir haben gegenüber den Schwachen in unserer Gesellschaft eine Verantwortung, die seitens des Staats teilweise nur auf dem Papier oder gar nicht wahrgenommen wird. Das sind Fehler, die korrigiert werden müssen. Zumal an anderer Stelle Überschüsse da sind. Es hat also schon mit einer falschen Verteilung zu tun.

Seite aus PennerDu musstest keinen Wehr- oder Zivildienst leisten, oder? Deine Generation wird auf Turbo-Abi, zielgerichtetes, schnelles Studium und Wirtschaftlichkeit gedrillt, mehr noch als vorherige Generationen. Oder ist das zu überspitzt formuliert? Darfst du dich etwa beim Jaja-Verlag langsam entwickeln oder werden sofort bestimmte Verkaufszahlen erwartet?

Den Zivildienst hätte ich tatsächlich noch leisten müssen, wenn ich nicht ausgemustert worden wäre. Es stimmt, dass in unserer Generation alles ziemlich kompakt und fokussiert zugehen soll. Gleichzeitig soll jeder studieren und Praktika machen und dann sitzt man nämlich doch eine Weile da, bis man seinen Kram mal fertig hat. Und am Ende merken manche, dass es doch nicht funktioniert und machen nochmal was komplett anderes. Insofern glaube ich, dass schon eine Menge von unserer Generation erwartet wird. Gleichzeitig haben viele von uns aber auch eine große Freiheit dahingehend, in welche Richtung sie gehen möchten. Dass ich als Illustrator arbeite und Penner gezeichnet habe, sehe ich als große Freiheit. Wie sich ein solches Comicprojekt letztendlich entwickelt, darüber kann allerdings weder ich noch der Verlag bestimmen. Ich wollte die Geschichte so erzählen und der Jaja-Verlag hat mich gelassen. Alles Weitere liegt nicht in meiner Hand.

Was denkst du über das Comic-Manifest, ein Bedingungsloses Grundeinkomnen und staatliche Förderung? Wie siehst du deiner Zukunft als Comiczeichner und Comicautor entgegen?

Staatliche Förderung halte ich schon für wichtig. Wenn es die nicht gibt, kommen viele gute und wichtige kulturelle und soziale Projekte nicht zu Stande. Das Comic-Manifest finde richtig, da es darauf hinweist, dass für den Comic der gleiche Maßstab angesetzt werden muss wie für andere kulturelle Aspekte unserer Gesellschaft. Er ist ein genauso wichtiges künstlerisches Medium wie andere auch und sollte auch dementsprechend gefördert werden.

Ich weiß nicht, wie meine Zukunft in Bezug auf Comics aussehen wird. Comics werde ich weiterhin machen, auch wenn sie nicht das einzige sein werden, woran ich als Illustrator arbeite.

Ist ein zweiter Comic von dir in Arbeit?

Da ist etwas in Arbeit, aber alles noch ganz früh und geheim.

Gilt für dich „ernster Comic – ernster Mensch“ oder bist du privat nicht der stille, nachdenkliche Beobachter, wie der Comic vermuten lässt? Wahrscheinlich gibt es da nicht nur Schwarz-Weiß?

Ernst bin ich überhaupt nicht, auch wenn die Geschichte eine ernste ist. Dass ich meistens aber lieber andere Leute anschaue, als selbst angeschaut zu werden, stimmt schon.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Zur Rezension von Penner geht es hier.
Mehr von und über Christopher Burgholz auf christopher-burgholz.com

 

Abbildungen: © Christopher Burgholz/Jaja Verlag  

Penner

Cover PennerObdachlosigkeit bleibt uns wahrscheinlich sehr fremd, bis wir selbst direkt davon betroffen sind. Es gibt fast keine obdachlosen Comickünstler und so schreibt und zeichnet auch Newcomer Christopher Burgholz (Jahrgang 1988) letztlich, trotz Recherche vor Ort in seinem Wohnort Münster, eine Geschichte aus zweiter Hand – ist diese Distanz Manko oder Chance?

Statt „Penner“ könnte der Comic auch „Säufer“ heißen, denn genau das ist Hauptfigur Walter. Seinen Nachnamen erfahren wir nicht und auch der Name seiner Stadt wird nicht erwähnt – es könnte Münster sein, aber genau so gut Berlin oder jede andere Stadt in Deutschland.

Wir begleiten Walter einige Tage durch seinen Alltag, der trist und voller Routine ist und gleichzeitig eine Vielzahl von Problemen zeigt, die Obdachlose plagen: die Suche nach einem Schlafplatz für die Nacht, Konflikte mit der Polizei, das Auftreiben von Geld, vor allem durch Pfandflaschensammeln aus Mülltonnen und das Eintauschen des Geldes in Alkohol. Ein Sozialarbeiter versucht Walter zu helfen, aber das ist diesem eher lästig. Erst gegen Ende des sehr kurzen Comics werfen wir einen Blick zurück in Walters altes, bürgerliches Leben, bevor er durch den Suff erst seinen Job und dann seine Familie verlor. Ob es das für ihn gewesen ist oder ob es ein Zurück gibt, nachdem er so tief gestürzt ist?

Seite aus PennerZeichnerisch ist dieser Comic mit dem zumindest auf mich unsensibel wirkenden Titel „Penner“ völlig in Ordnung. Das ist solide Graphic-Novel-Qualität mit genügend Details und handwerklich gelungenen Bildern. Für gänzlich missraten halte ich die Kolorierung: Wieso hat sich Burgholz nicht für Schwarz-Weiß entschieden? Der furchtbare Orangeton tat mir beim Lesen permanent in den Augen weh und verleidet mir den ganzen Comic. Ich verstehe nicht, was das bezwecken soll!

Inhaltlich erinnert die Geschichte ein wenig an die Schullektüre Hau ab du Flasche von Ann Ladiges – dort geht es darum, vor den Gefahren des Alkoholismus zu warnen, ein gutes und richtiges Anliegen, das ohne Schnörkel auskommt und bei dem Humor auch eher deplatziert wäre. Burgholz sendet eine positive Botschaft und behandelt das Thema Obdachlosigkeit würdevoll und mit offensichtlich glaubhaftem Interesse. Aber es kommt keine rechte Bindung zum Protagonisten zustande. Erst gegen Ende kommt Mitgefühl auf – hätte es mehr Rückblenden in sein altes Leben gegeben, wäre Walter nicht irgendwer, sondern jemand, an dem den Lesern etwas liegt.

Penner saufen, sind schweigsam und insgesamt ist das Thema furchtbar trost- und hoffnungslos. Christopher Burgholz hat dem Thema Obdachlosigkeit leider keinerlei neue Perspektiven hinzufügen können und so ist sein Comic weder besonders unterhaltsam noch wirklich berührend. Aber das Handwerkszeug hat er, und wenn es dem jungen Münsteraner in Zukunft gelingt, intensivere Geschichten zu erzählen und sie mit mit weniger schablonenhaften Figuren auszustatten, kann man sich auf seine nächsten Comics sehr freuen.

  

Wertung: 6 von 10 Punkten

Ein solides Debüt, das in Schwarz-Weiß und mit mehr Identifikation mit dem Protagonisten noch besser wäre

 

Penner
Jaja Verlag, Juni 2014
Text & Zeichnungen: Christopher Burgholz
ISBN: 978-3-943417-56-2
68 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 14 Euro
ISBN: 978-3-943417-56-2
Leseprobe und Direktbestellung beim Verlag 

 

Zum Interview mit Christopher Burgholz geht es hier.

 

Abbildungen: © Christopher Burgholz/Jaja Verlag 

 

Doppelgänger

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Cover DoppelgängerGermain Maltret hatte zuletzt keine sonderlich innige Beziehung zu seiner Mutter. So zeigt er sich von der Nachricht über deren Tod auch nicht besonders berührt. Als er sich jedoch zur Beerdigung einfindet, bemerkt er einen stillen Beobachter, der haargenau so aussieht wie er selbst. Einquartiert in einer nahgelegenen Pension kümmert sich Germain in der Folge um den Nachlass der Mutter, worunter auch ein etwas verkommenes Gutshaus fällt.

Dieses soll später noch von zentraler Bedeutung sein, ebenso wie zwei Personen, die Germain vor Ort kennenlernt: zum einen eine junge Frau, die ihm wie zufällig mehrmals über den Weg läuft und eine besondere Verbindung zu ihm zu besitzen scheint; zum anderen ein geheimnisvoller Mann, der früher als Medium gearbeitet hat. Zusammen versuchen die drei hinter das Rätsel von Germains Doppelgängern zu kommen und befördern dabei so manches Vergangene zutage, das besser verborgen geblieben wäre.

Doppelgänger ist eine zweiteilige Geschichte von Eric Corbeyran (Schmetterlingsnetzwerk, Metronom, Die Opalverschwörung) und Christophe Bec (Heiligtum, Prometheus, Bunker), die von Splitter komplett in einem Band veröffentlicht wurde. Die beiden Stammkünstler des Verlages kollaborierten hierbei für einen Mysterythriller, der insgesamt doch ziemlich enttäuscht.

Die durchaus spannende Grundidee, die Frage nach der Identität des Doppelgängers, verkommt sehr schnell zu einem uninspiriertem Schauermärchen mit langweiligen und unausgegorenen Figuren. Dabei bleibt Germain als Hauptprotagonist reichlich blass, obwohl der Autor bemüht ist, dessen psychische Verfassung und emotionales Innenleben darzustellen; das Gleiche gilt für Victor, das Medium mit dem entstellten Gesicht. Wie sich der Leser denken kann, haben dessen äußerliche Narben mit einem Geheimnis aus seiner Vergangenheit zu tun. Aber auch diese Enthüllung lässt einen kalt. Zu konstruiert ist das Aufeinandertreffen des im Mittelpunkt stehenden Trios. Zu durchschaubar dessen Ermittlungen in Sachen übernatürlicher Phänomene.

Seite aus DoppelgängerHinzu kommt, dass Christophe Bec, eigentlich ein Garant für solide Genrekost, mit Doppelgänger als Zeichner eine seiner schwächeren Arbeiten abliefert. Das mag auch daran liegen, dass er sich zuoberst im dezidierten Fantasy- bzw. Science-Fiction-Bereich verdingt, es im vorliegenden Fall auf grafischer Ebene jedoch mit einem bodenständigen Titel zu tun hatte. In einer düsteren Untersee- oder Weltraumwelt kann man kleine zeichnerische Unsicherheiten eher übersehen als bei der realistischen Inszenierung einer Cabriofahrt durchs sonnige Frankreich.

Letztlich liegt die große Enttäuschung aber nicht im Zeichenstil begründet, sondern am wenig packenden Plot und den langweiligen Auflösungen. Und dies ist für einen Mysterycomic denkbar ungünstig.

 

Wertung: wertung5

Uninspiriertes Gruselstück; aus dieser Idee hätte man deutlich mehr herausholen können

 

Doppelgänger
Splitter Verlag, August 2014
Text: Eric Corbreyan
Zeichnungen: Christophe Bec
Übersetzung: Swantje Baumgart
96 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 19,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-745-2
Leseprobe

Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

Links der Woche 32/14: Of our elaborate plans, the end

Unsere Links der Woche, Ausgabe 32/2014:

 

Comic-Strips in der FAZ am Ende
Der Tagesspiegel, Martin Jurgeit
Seit dem Jahr 2000 sind im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen regelmäßig Comic-Strips erschienen, die direkt von der Zeitung beauftragt und bezahlt wurden. Neben der langlebigen Serie Strizz von Volker Reiche wurden dort unter anderem Comics von Flix, Reinhard Kleist, Ulf K., Ralf König und Nicolas Mahler abgedruckt. Doch in der FAZ herrscht, wie in vielen Zeitungsverlagen, ein massiver Spardruck, so dass die Tradition des FAZ-Comics in der nächsten Woche zu Ende geht. “Damit geht jetzt eine Institution unter,” schreibt Martin Jurgeit, “deren Bedeutung für die deutschsprachige Comic-Szene kaum zu überschätzen ist.” Auch andere Zeitungen, die in den letzten Jahren Strips von deutschen Zeichnern veröffentlichten, haben diese Plätze gestrichen, so dass hiermit eine wichtige Publikationsplattform mehr und mehr verschwindet.

Comics als Tafelbild 2.0: Ein neuer Trend im Konferenzraum
LVZ online (u.v.a.) Nadia Al-Massalmeh
Ein Artikel der dpa über “Graphic Recording”, der in zahlreichen Zeitungen und Websites veröffentlicht wurde: Zeichnerinnen wie Anja Weiss halten bei Konferenzen, Tagungen und Workshops die Ergebnisse in einem comic-ähnlichen, grafischen Protokoll fest.

JAZAM! Vol. 10 – Jetzt mitmachen!
Jazam! Tumblr, Adrian vom Baur
Jazam!, das von zahlreichen jungen Comiczeichnern in Eigenregie gestemmte Anthologieprojekt, geht in die zehnte Runde. Das Thema für die kommende Ausgabe, die im Sommer 2015 erscheinent, lautet “X”. Erstmals soll das Buch komplett in Farbe gedruckt werden. Wer mitmachen möchte, findet alle Infos auf der verlinkten Seite.

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Al Jazeera America, Michael Keller und Josh Neufeld
Der Nachrichtensender Al Jazeera America präsentiert auf seiner Website ein Sachcomic-Projekt über die Welt der “Big Data”, in der wir uns als User von Diensten wie Google, Facebook und Co. befinden. Den 46-seitigen Comic gibt es zum Durchklicken im Browser, aber auch als kostenlosen Download in verschiedenen Formaten.

Tezuka Fans Talk Back About Digital Manga Kickstarter Campaign
Manga Comics Manga, Deb Aoki
Die Möglichkeit des Crowdfunding für Comicprojekte wird mittlerweile auch von etablierten Verlagen genutzt. Der US-Verlag Digital Manga Publishing hat über Kickstarter bereits mehrere Übersetzungen von Manga aus der Feder von Osamu Tezuka vorfinanziert bekommen. Derzeit läuft eine weitere Kampagne, mit deren Hilfe DMP sechs weitere Tezuka-Serien mit insgesamt 31 Bänden finanzieren will. Dazu sollen 380.000 US-Dollar eingesammelt werden – und diesmal scheint das Vorhaben zu scheitern. Im Web gibt es fundierte und ausführliche Kritik an dem Projekt, der Verlag sah sich gezwungen, nachzubessern und die Hintergründe genauer zu erläutern. Der hier verlinkte Beitrag fasst den aktuellen Stand zusammen und enthält etliche weiterführende Links.