Autor: Thomas Kögel

Jenseits

 Zuerst sieht alles ganz putzig aus: Eine junge Frau empfängt einen jungen Herrn, einen Prinzen, und bei einer Tasse Kakao findet eine zarte Annäherung statt. Die Figuren sehen niedlich aus, als wären sie Märchenbüchern für Kinder entsprungen, sie sind in fröhlichen Farben koloriert. Doch bald löst sich der Raum um sie herum auf, sie müssen fliehen und ein großes Splashpanel zeigt dem Leser, in welcher Behausung die netten Wesen gelebt haben: Sie sind winzig kleine Gestalten, und sie kommen aus dem Körper eines kleinen toten Mädchens gekrochen. Wie Gulliver liegt dieses Mädchen am Boden, im Vergleich zu den kleinen Lebewesen wirkt es wie ein Riese.

Arsenicum Album

 In dem neuesten Band von Jan-Michael Richter (kurz Jamiri), Arsenicum Album, behandelt der Zeichner in ganzseitigen Cartoons die Tücken des Alltags, der Technik und das Leben in der Großstadt. Die meisten Cartoons gewinnen ihren Witz normalerweise durch graphische Aussparungen: der Dialog oder die Situation wird zumeist erst in der detaillierteren Zeichnung des letzten Panels aufgelöst und liefert so die Pointe. Dieses Prinzip ist vor allem in den Cartoonserien zu finden, die ursprünglich in Zeitungen abgedruckt wurden, wie z.B. bei Garfield, Hägar und auch bei den Peanuts.

 

Goldene Böhmische Märchen

 Die Märchen des Dichters und Volkskundlers Karel Jaromír Erben gelten als das tschechische Pendant zum Werk der Gebrüder Grimm. Die tschechische Comickünstlerin Lucie Lomová hat fünf böhmische Märchen von Erben als Comic adaptiert: „Der Lange, der Breite und der Scharfsichtige“, „Verstand und Glück“, „Zwillinge“, „Knüppel rühr dich“ und „Der Nimmersatt“.

Comicgeschenkideen 2009

 Nicht mehr lange, dann ist schon wieder Weihnachten! Und für comicbegeisterte Menschen bietet es sich natürlich an, den Beschenkten möglichst viele Comics unter den Gabentisch zu legen. Die Comicgate-Redaktion hat wieder Ideen für diesen Zweck gesammelt: Hier sind unsere 21 Geschenktipps, ordentlich nach Zielgruppe sortiert von A wie Ärzte bis W wie Westernfans.

Selbstverständlich sind sind all diese Geschenke auch geeignet für den eigenen Wunschzettel.
(Illustration: Walter Fröhlich)

Elender Krieg: 1914 – 1915 – 1916

 Jacques Tardi ist vor allem für seine Kriminalgeschichten bekannt. Daneben hat er sich aber auch immer wieder historischen Themen gewidmet. Zuletzt hat er in seiner vierbändigen Arbeit über den Aufstand der Pariser Kommunarden von 1871 (Die Macht des Volkes) die Genres Detektivgeschichte und Historie in kunstvoller Art und Weise verbunden. Außerdem hat Tardi in seinen Arbeiten Soldat Verlot (zusammen mit Didier Daeninckx) und Grabenkrieg bereits Antikriegscomics vorgelegt, in denen er die Erlebnisse seines Großvaters in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs verarbeitete. Auch die auf zwei Alben angelegte Zusammenarbeit mit dem Historiker Jean-Pierre Verney stellt eine kritische Auseinandersetzung mit dem Ersten Weltkrieg dar: Elender Krieg 1 befasst sich mit den Kriegsjahren 1914 – 1915 – 1916 und der zweite Band, der 2010 erscheinen soll, wird die Jahre 1917 – 1918 – 1919 abdecken.

Robert Crumbs Genesis

 Wenn Robert Crumb, Comiclegende und Urvater der Underground-Comix, nach jahrelanger Funkstille wieder ein neues Werk vorlegt, ist das schon etwas Besonderes. So besonders, dass das Album praktisch gleichzeitig auf Englisch, Französisch und Deutsch erscheint. Das könnte freilich auch damit zu tun haben, dass man hier keine eigene Übersetzung anfertigen musste. Der Text liegt schließlich längst vor: Es handelt sich um das Buch Genesis, die ersten 50 Kapitel des Alten Testaments.

Skydoll Spaceship Collection

Vor einigen Jahren feierte das italienische Duo Alessandro Barbucci und Barbara Canepa mit seinem Comic Sky Doll große Erfolge. Die Albenserie überzeugte mit einem originellen SF-Setting, das laszive Ausschweifungen und strenge religiöse Kulte miteinander verschränkte, vor allem aber mit einem sehr modernen graphischen Stil, der europäische Elemente sehr elegant mit Manga-Stilmitteln vermischte. Auf eine Fortsetzung der noch nicht abgeschlossenen Reihe wartet man leider schon viel zu lange (Band 3 erschien 2006 bei Carlsen). Immerhin gibt es ein Projekt, das die Wartezeit für Sky Doll-Fans verkürzt: Die Skydoll Spaceship Collection ist eine Sammlung von sechs jeweils achtseitigen Kurzgeschichten, jeweils mit der Sky Doll-Hauptfigur Noa im Mittelpunkt, aber chronologisch außerhalb der Hauptserie angesiedelt. Barbucci und Canepa schrieben die Szenarien und zeichneten eine Story, der Rest kommt von italienischen und französischen Gastzeichnern (alle bisher bei uns eher unbekannt). Wie so oft bei Kurzgeschichtensammlungen, gibt es Höhen und Tiefen. Nicht jede Story überzeugt, aber dem Album gelingt es, das Sky Doll-Universum weiter zu definieren und ihm neue Facetten zu verleihen. Insofern ist der Comic den Fans der Hauptserie unbedingt …

Archetyp

 In Prototyp präsentierte Ralf König seine Version der Schöpfungsgeschichte. Nun gibt es die Fortsetzung: Archetyp dreht sich um Noah und sein berühmtes Schiff, das er baut, um der Sintflut zu entgehen. Der Comic erschien zunächst als täglicher Strip in der Frankfurter Allgemeinen, die Buchausgabe im Rowohlt Verlag ist jedoch mehr als ein bloßer Nachdruck des Zeitungscomics. Für das Hardcover entwarf König neue Seitenlayouts, überarbeitete manche Panels und nicht zuletzt ist diese Ausgabe (fast) durchgehend farbig statt schwarz-weiß.

Die Legende vom Changeling 2

Die Fortsetzung der Legende vom Changeling beginnt direkt mit einem Höhepunkt: Nachdem am Ende des ersten Bandes bereits  Scrubbys Vater ums Leben kommt, verliert er nun auch noch seine Mutter. Mit Trauerarbeit aber will sich die Geschichte nicht lange aufhalten, stattdessen macht sie einen Zeitsprung um mehrere Jahre. Scrubby ist inzwischen 12 Jahre alt, sieht aber wesentlich jünger aus, weil er nicht mehr wächst. Um Geld zu verdienen, heuert er bei einem Bergwerk an und fährt als Arbeiter unter Tage. Dort, in den Tiefen einer Mine, kommt wieder seine besondere Fähigkeit zum Tragen: Scrubby kann die „Knockers“ sehen, die kleinen Wesen, die dort leben und von allen anderen für Fabelwesen gehalten werden. Die Knockers führen Scrubby an entlegene Stellen tief unter der Erdoberfläche. Währenddessen planen die anderen Minenarbeiter einen Streik, um gegen ihre schlechten Arbeitsbedingungen zu protestieren. Natürlich will der skrupellose Minenbesitzer (jener „Schwarze Mann“, der dieser Episode den Titel gab) diesen Streik beenden, und dazu ist ihm jedes Mittel recht … Wie schon im ersten Teil gelingt Pierre Dubois wieder eine ansprechende und originelle …

Locke & Key 1: Willkommen in Lovecraft

 Das Horror-Genre ist in den letzten Jahren im Comicbereich immer beliebter geworden. Wirklich guten  und überzeugenden Horror findet man jedoch eher selten. Eine willkommene Ausnahme im Genre-Einheitsbrei ist die Serie Locke & Key von Joe Hill, die nun erstmals auch auf Deutsch erscheint. In Form einer Dialog-Rezension besprechen Christopher Bünte und Thomas Kögel den ersten Band der Reihe.