Bouncer 7 – Doppelherz
Der Western ist im frankobelgischen Raum tief verwurzelt. Setzen die Amerikaner ihre ureigene Geschichte erstaunlich selten in Comics um, machen es ihre Kollegen in Frankreich und Belgien umso öfter. Und mit Erfolg. Wenn sich auf der einen Seite John Wayne als Übervater präsentiert, ist das Äquivalent zu ihm Leutnant Blueberry (auch wenn er Jean-Paul Belmondo nachempfunden ist). Sucht Clint Eastwood seinen Gegenpart, so ist das der Bouncer (mal abgesehen von Yves Swolfs' Protagonist „Durango“ aus der gleichnamigen Comicserie, der nicht nur äußerlich an Eastwood erinnert, sondern auch dessen Italowesternzeit repräsentiert). Äußerliche Ähnlichkeiten sind zwar nicht vorhanden, aber beide schießen dem Gegner auch in den Rücken.

Die Britin Posy Simmonds, deren Name bei uns bisher kaum bekannt war, kennt man in England vor allem durch ihre Tätigkeit als Cartoonistin für die Tageszeitung The Guardian, wo ihre Arbeiten seit den 70er Jahren erscheinen. Auch Tamara Drewe, ihre zweite lange Comicgeschichte (und die erste, die nun in Deutschland veröffentlicht wird) erschien zunächst als Fortsetzungs-Story im Guardian. Sie erzählt darin von einer ländlich-bürgerlichen Idylle im kleinen englischen Nest Stonefield, die eines Tages gründlich durcheinandergerät, als eine junge, sehr attraktive Frau im Dorf einzieht.
Diese Dame verwirrt einem wirklich die Sinne. Sieht man das schön gestaltete Cover mit einer verführerischen Frau und dem Titel Sukkubus, geht man von einer erotisch gestalteten Mysteryserie aus. Ein „Sukkubus“ ist schließlich ein weiblicher Dämon, der durch sexuelle Verführung die Seelen von Männern einfängt. Das ist in diesem Comic aber nicht der Fall. Stattdessen liegt ein ziemlich verwirrender Historiencomic vor, der sich einem nicht so schnell erschließt. Jedenfalls könnte der Leser auch eine Eule als Vogel der Weisheit, der in dem Album häufig vorkommt, gebrauchen.
In der Comicadaption der Geschichte der Cosa Nostra Amerikas der Zwanziger und Dreißiger Jahre wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. 1931: Lucky Luciano hat es geschafft. Er ist jetzt einer der mächtigsten Männer New Yorks. Nicht nur hat er seine Konkurrenten ausgeschaltet, er ist auch in der Riege der Bosse respektiert. Seine Ratschläge, um anderen aus Problemen herauszuhelfen und somit Verbündete zu gewinnen, sind dort durchwegs willkommen. Nach der Ermordung eines einflussreichen Konkurrenten ist er in die hohen Ränge der Cosa Nostra aufgestiegen und beginnt seinen Einflussbereich auszudehnen. Das verschafft ihm allerdings mit dem Boss der Bosse, Maranzano, einen gefährlichen Gegner.
Im Sommer letzten Jahres schloss der Splitter-Verlag ein Comicprojekt ab, dessen erste Schritte bereits sieben Jahre zuvor gemacht wurden: Damals erschienen beim Label Speed XXL die ersten zwei Bände der Albenreihe Unter Knochen von Éric Liberge, zunächst noch in Schwarz-Weiß. Mittlerweile ist Speed längst Geschichte, die ersten zwei Alben erschienen in Frankreich in einer zweiten, diesmal kolorierten Fassung, und die Serie wurde mit zwei weiteren Ausgaben abgeschlossen. Bei Splitter liegt inzwischen die komplette Reihe in Farbe unter dem Titel Monsieur Mardi-Gras – Unter Knochen vor.
In dem neuesten Band der Daredevil-Reihe ist Matt Murdock als Daredevil wieder ganz unten und muss sich erstmal berappeln. Murdocks Frau ist in einer Nervenheilanstalt und Matt Murdock kommt mit der Trennung gar nicht zurecht. Seine überentwickelten Sinne nehmen Spuren seiner Frau überall wahr. Während seine Freunde und Verbündeten vergeblich versuchen, ihn wieder auf die Spur zu bringen, versinkt Murdock in Selbstmitleid und lässt seine Frustration mit brutaler Gewalt an den Kriminellen seines Viertels aus.
Der Fernsehserie Lost wird gerne nachgesagt, dass für jedes mysterlöse Rätsel, das darin aufgelöst wird, mindestens zwei neue Fragen aufgeworfen werden. Ob man das nun als Vorwurf oder als Lob versteht, kommt ganz auf den Standpunkt an. Ähnlich verhält es sich mit dem Comic Die Welt von Lucie, den der Splitter-Verlag als Zweiteiler im Buchformat veröffentlicht.
Eine definitive Comic-Bestenliste für das Jahr 2009 zu erstellen, wollen wir uns nicht anmaßen. Schließlich hat niemand von uns alle interessanten Neuerscheinungen gelesen, und Geschmäcker und Interessen sind bekanntlich sehr verschieden. Stattdessen stellen an dieser Stelle Comicgate-Redakteure ihre ganz persönlichen Lieblingscomics des vergangenen Jahres vor. Subjektiv und ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit – hier sind unsere Topcomics 2009!
Es ist 1984, Ulli ist gerade 17 geworden und lebt mit ihrer älteren Schwester in Wien, wo sie sich vor allem in der Punk-Szene bewegt. Auf Schule und Ausbildung hat sie gerade keine Lust, sie will experimentieren und das Leben möglichst spontan kennenlernen. Kein langes, rationales Abwägen, „Jetzt oder nie“ heißt die Devise. Das gilt auch, als ihre neue Bekanntschaft, die ein Jahr ältere Edi, vorschlägt, man könne doch einfach mal nach Italien fahren. Und zwar ohne Geld, ohne Gepäck und ohne Papiere. Was folgt, ist ein zweimonatiger Trip, der mit dem Wort „Abenteuer“ nur unzureichend beschrieben ist. Mehr als 20 Jahre später hat Ulli Lust aus ihren Erlebnissen von damals eine autobiographische Comicerzählung geformt, die den Leser in mehrfacher Hinsicht zum Staunen bringt.