Rezensionen

Bouncer 7 – Doppelherz

 Der Western ist im frankobelgischen Raum tief verwurzelt. Setzen die Amerikaner ihre ureigene Geschichte erstaunlich selten in Comics um, machen es ihre Kollegen in Frankreich und Belgien umso öfter. Und mit Erfolg. Wenn sich auf der einen Seite John Wayne als Übervater präsentiert, ist das Äquivalent zu ihm Leutnant Blueberry (auch wenn er Jean-Paul Belmondo nachempfunden ist). Sucht Clint Eastwood seinen Gegenpart, so ist das der Bouncer (mal abgesehen von Yves Swolfs' Protagonist „Durango“ aus der gleichnamigen Comicserie, der nicht nur äußerlich an Eastwood erinnert, sondern auch dessen Italowesternzeit repräsentiert). Äußerliche Ähnlichkeiten sind zwar nicht vorhanden, aber beide schießen dem Gegner auch in den Rücken.

Von dem nichtssagenden Cover sollte man sich nicht täuschen lassen – was hier geboten wird, ist eine packende Story in einer hervorragenden graphischen Umsetzung.

Seite aus der frz. Originalausgabe Der Bouncer ist in die Dorflehrerin verliebt und macht sich auf den Weg zu ihrer Schwester Carolyn, um Frieden zu schließen. Diese versucht mit allen Mitteln, an das Grundstück von Bouncers Neffen zu gelangen. Notfalls mit Gewalt. Im Gespräch mit Carolyn wird der Bouncer durch erotische Verlockungen zunächst auf ihre Seite gezogen, um dann allerdings, nach einem missglückten Mordanschlag, zur Waffe zu greifen. Zum Schluss erweist sich der Titel „Doppelherz“ als doppeldeutig, wenn ein schockierendes Geheimnis gelüftet wird.

Die Grundzüge der Story sind soweit bekannt und schon in vielen Western behandelt worden. Sie wird durch den Meisterautor Jodorowsky, der unter anderem John Difool (mit Moebius), Die Metabarone und Borgia (mit Manara) geschrieben hat, mit Zynismus und Brutalität vorangetrieben. Man kann nie sicher sein, was einen erwartet. Diese Seite von Jodorowsky kann aber auch durchaus komisch sein. Einer der Schurken hat den Rest einer Axt im Kopf (heißt sinnigerweise auch „Axehead“) und schickt seine Kinder „zum Unterricht“, indem er sie eine Postkutsche überfallen lässt. Aber auch die Kinder entgehen nicht ihrem Schicksal. Geradezu vor Zynismus triefend ist der Dialog auf Seite 62: „Was ist passiert?“ „Ach, nichts Besonderes. Da wurde nur ein Kind von einem Hund totgebissen!“ Ein weiteres Beispiel für Jodorowskys humorvolle Seite ist der Dialog über Sex auf den ersten Seiten (“Sein Kirschbaum ist nie in meinem zarten Tal erblüht“).

Seite aus der frz. Originalausgabe Die Farben sind von Florent Bossard und Francois Boucq durchweg schön und satt gestaltet und der Landschaft und Stimmung der Figuren angemessen. Richtig fantastisch gestaltet sind die Seiten 8 und 9: Man muss schon genau hinsehen, wie sich die erotischen Gedanken des Bouncers als Spiegelung in der Landschaft wiederfinden. Hervorragend.


Bouncer 7 – Doppelherz
Ehapa Comic Collection, Februar 2010
Text: Alexandro Jodorowsky
Zeichnungen: Francois Boucq
64 Seiten, Hardcover, farbig; 12,- Euro
ISBN: 9783770433223

Hervorragend!

Ein weiteres Kapitel der harten Westernsaga, sehr gut umgesetzt.
Hervorragende graphische Ideen in einer packenden Story.

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Abbildungen © Ehapa Comic Collection / Les Humanoïdes Associés