Alle Artikel in: Rezensionen

Insel Bourbon 1730

 Hört man das Stichwort Piraten, so fallen einem entweder die aktuellen Ereignisse vor der Küste Somalias ein, oder jene Piraten, die wir aus dem Kino kennen: die verwegenen Freibeuter der Meere, nur echt mit Augenklappe, Holzbein und Papagei auf der Schulter. Die Piraten, von denen Lewis Trondheim in seinem neuen Comicroman Insel Bourbon 1730 erzählt, gehören weder zur einen noch zur anderen Fraktion. Gemeinsam mit dem Szenaristen Appollo versucht er ein realistisches Bild von der Zeit zu zeichnen, als die große Ära der Piraterie zu Ende ging.

Hard Boiled

 Nach Sin City und 300 legt Cross Cult nun also auch Hard Boiled, ein weiteres Werk von Frank Miller, als edle Gesamtausgabe neu auf. Die ursprünglich dreiteilige US-Serie lässt sich am ehesten als eine überbordende, pompös inszenierte Kurzgeschichte begreifen, in der ausgefeiltes Storytelling und tiefgehende Dialoge bewusst in den Hintergrund gerückt sind und Miller viel über großflächige, spektakuläre Szenen mit dem Leser kommuniziert.

B.U.A.P. 6 – Garten der Seelen

 Die Behörde mit dem komischen Namen ist wieder zurück. Wer es noch nicht weiß: B.U.A.P. steht für: Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen. Der Hauptsitz der Organisation wider die bösen Mächte liegt in Colorado, das prominenteste Mitglied ist Hellboy. Der ist jedoch inzwischen ausgestiegen und untergetaucht. Er geht seine eigenen Wege. Zuletzt wurde er mit der Hexe Babajaga in der Zwischenwelt gesehen. Ohne ihn bleiben zum Böse-Monster-Verkloppen: der Fischmensch Abe Sapien, die Feuerteufelin Liz Sherman, der Untote Captain Daimo, Dr. Kate Corrigan und die Ektoplasma-Projektion Johann Kraus. Früher gab es noch den Homunkulus Roger, aber der ist mittlerweile passé, ausgeschieden ins Totenreich, wenn es denn solch einen Ort für künstliche Lebensformen überhaupt gibt.

12 Gründe, dich zu lieben

 Jamie S. Rich war fünf Jahre lang Chefredakteur bei Oni Press, einem kleinen aber sehr feinen Independent-Comicverlag, und hatte zuvor auch als Redakteur bei Dark Horse und anderen US-Verlagen gearbeitet. Gelegentlich tritt er auch als Autor in Erscheinung. Der erste seiner Comics, der auf deutsch erscheint, ist 12 Gründe, dich zu lieben. Wie der Titel schon andeutet, handelt es sich um eine romantische Liebesgeschichte. Wer aber eine kitschige Schnulze erwartet, liegt weit daneben …

Sonne und Mond 1-3

 Es beginnt mit einem Arschloch. Gleich im allerersten Panel dieses Manhwas bekommen wir den Hinterausgang eines Pferdes zu sehen sowie das, was dort rauskommt. Ein bezeichnender Auftakt, denn Kwan Gaya schert sich einen Dreck um Konventionen. Sein Epos Sonne und Mond, das in drei Teilen bei Shodoku, dem Asien-Label von Schreiber & Leser, erschienen ist, passt in keine Schublade. Es verwendet zwar reichlich Klischees und Versatzstücke aus diversen Genres, setzt diese aber so dreist zusammen, dass etwas völlig Eigenständiges entsteht.

Träume von Glück

 Träume von Glück stammt aus der Schaffenszeit, in der Jiro Taniguchi hauptsächlich alltägliche Themen aufgreift und sie in einem ruhigen Erzählstil darbietet. Inhaltlich fasst Träume von Glück fünf recht unterschiedliche Kurzgeschichten zusammen. Die ersten vier Kurzgeschichten handeln von einer Familie und ihrem Umgang zuerst mit einem Hund, dann mit Katzen und später einer Verwandten, wobei in dieser letzten Geschichte die Katzen kaum noch eine Rolle spielen.

Ich bin Legion

 Der Comic-Verlag Cross Cult schaltete sich diesen November in den internationalen Dialog zwischen Frankreich und Amerika ein und brachte mit Ich bin Legion einen äußerst blutigen Weltkriegscomic auf den deutschen Markt. Gestützt wird Fabien Nurys Erzählung über politische Intrigen und übernatürliche Phänomene während des Zweiten Weltkrieges durch den hyperrealistischen Zeichenstil des zweifachen Eisner-Award-Gewinners („Bester Zeichner/Tuscher“ 2004 und 2005) John Cassaday.

 

We Are The Strange (DVD)

 Die Zukunft des digitalen Animationsfilms war gestern! Für alle, die diesen Schritt verpasst haben, gibt es jetzt We are the Strange als Doppel-DVD bei Rough Trade. Während der experimentierfreudige Autor und Produzent des Films, M dot Strange, sein fertiges Produkt komplett auf YouTube zur Schau bietet, lohnt sich die Anschaffung dieser Spezialausgabe allein wegen der scharfen Bildqualität, dem überragenden Soundtrack und dem umfangreichen Bonusmaterial (Making of, sechs alternative Soundtracks, unbekanntes Material von M dot Strange). Warum We are the Strange Teil der offiziellen Auswahl beim Sundance Film Festival 2007 war und wieso diese Perle des Animationsfilms erst bei genauerem Hinsehen ihr volles Potenzial entwickelt, verrät euch diese Besprechung.

Havanna – Eine kubanische Reise

 Reinhard Kleist zählt wohl zu den bedeutendsten deutschsprachigen Comiczeichnern derzeit. Ncht zuletzt dank seiner Biografie über die Musiklegende Johnny Cash, Cash – I See a Darkness, fand Kleists über die Jahre stetig verbesserter Stil in letzter Zeit viel Beachtung. Für seinen aktuellen Comicband Havanna nahm sich Kleist vor, Kuba nach dem kürzlichen Rückzug Fidel Castros zu porträtieren und in Comicform aufzubereiten.