Alle Artikel in: Rezensionen

Text+Kritik „Comics, Mangas, Graphic Novels“

 Für den Sonderband „Comics, Mangas, Graphic Novels“ der Reihe Text+Kritik erforschten die Wissenschaftler, angeführt von Gastherausgeber Andreas C. Knigge, die Werke von Comic-Künstlern wie Robert Crumb, Will Eisner, Jacques Tardi und auch von eher comicfremden Künstlern wie dem argentinischen Autor Julio Cortázar. Leider scheint dabei die  Graphic Novel, die Blaue Blume des Comics, nicht nur Rechtfertigung für ein solches Projekt zu sein; sie ist immer auch des Pudels Kern, denn fast kein Wissenschaftler kann an ihr vorbeigehen, ohne sie zu würdigen.

Reddition 49/50

 Zum 25. Jubiläum feiert die Reddition, Deutschlands Zeitschrift für Graphische Literatur,  sich selbst und das Medium „Comic“ mit einer fast hundert Seiten starken Doppelausgabe (Band 49 und 50) und dem Titelthema „Comics und Literatur“. Seit 1984 liefert dieses ambitionierte Projekt ausführliche Porträts und Dossiers über europäische, amerikanische und auch japanische Comics und deren Künstler. Dabei lag der Schwerpunkt der Publikation stets auf der exakt aufgearbeiteten Präsentation von historischen Fakten über Comics, interessanten Hintergrundinformationen über Künstler und original Bildmaterial der entsprechenden Publikationen. Zum Jubiläum versuchte man in gewohnter Qualität nachzulegen und auch endlich dem Untertitel der Zeitschrift für Graphische Literatur mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Lenore 1: Noogies

 Seine erste Lenore-Geschichte zeichnete Roman Dirge bereits im Jahr 1992, der vorliegende Sammelband erschien 1999 in den USA. Weitere zehn Jahre später liegen die Comics vom „süßen kleinen toten Mädchen“ auch auf Deutsch vor. Dies besorgt der kleine Verlag UBooks, der unkonventionelle Literatur verlegt, u.a. auch Vampir-Romane, Gothic-Bildbände und die norwegische Comicserie Nemi.

Miss Tschörmänie

 Passend zum Wahljahr 2009 hat der Eichborn Verlag mit Miss Tschörmänie den ersten  Comic über die Kanzlerin vorgelegt. Auf 64 Seiten bemühen sich der Karikaturist Heiko Sakurai und die Politik-Redakteurin Miriam Hollstein, nicht nur die politische Karriere von Angela Merkel ins rechte Licht zu rücken, sondern verweisen, stets mit einem Augenzwinkern, auf den gesamten Werdegang der ersten deutschen Kanzlerin.

FreakAngels 1 (US)

 Der von mir allein schon wegen Transmetropolitan geschätzte Autor Warren Ellis startete im Februar 2008 den kostenlosen Webcomic FreakAngels. Jede Woche erscheinen sechs neue, kolorierte Seiten, die jeweils eine Episode darstellen. Zentrales Thema sind zwölf junge Erwachsene, die telepathische Fähigkeiten besitzen und anscheinend in ihrer Pubertät derart Mist gebaut haben, das sich die Welt grundlegend geändert hat.

Der Herr der Finsternis

 Die fantasiereiche Welt von Dyfed steht vor einer unheimlichen Bedrohung: Fedath, der Herr der Finsternis, stürzt mit einer enorm großen Armee von Orks und anderen bösen Gestalten die Länder in den Krieg. Verbündete Menschen, Elfen und Zwerge stellen sich dem übermächtigen Gegner in den Weg und verteidigen ihre Gebiete in großen Schlachten. An ihrer Seite kämpft auch Bran, ein weiser Magier, der  letzte der Ravenfelds. Dieser begibt sich auf die Suche nach einem mysteriösen Buch, das den Schlüssel zum Sieg gegen Fedath beinhalten soll.

India Dreams

 India Dreams ist laut Klappentext „eine grandiose Familiensaga im exotischen Indien“. Erzählt wird die Familiengeschichte vor allem von Emily Harrison, die allerdings eng mit ihrer Mutter und ihrer Tochter verbunden ist, so dass man Indien durch die Erfahrungen und Augen dreier Generationen von Frauen sehen lernt und so nach und nach die Lebens- und Liebesgeschichten der Frauen nachvollziehen kann. In der deutschen Ausgabe werden die vier Einzelalben zu einer Gesamtausgabe zusammengebunden.

Rotkäppchen

Dass man in alten Märchen und Sagen, zum Beispiel in den von den Gebrüdern Grimm überlieferten, jede Menge sexuelle Untertöne entdecken kann, ist keine ganz neue Erkenntnis. Ob diese nun bewusst oder unbewusst dort hineingelangten, man kann sie zweifellos finden. Wer heute die Grimm'schen Texte liest, braucht nicht besonders viel Fantasie, um sie als Sex-and-Crime-Geschichten zu interpretieren. Diesen Ansatz verfolgt Mart Klein in seiner Comic-Version von Rotkäppchen konsequent. Das Ergebnis ist eine mehr oder weniger pornographische Exploitation-Story.

Affentheater

 Eines vorweg: Affentheater ist einer der unkonventionellsten aber brillantesten Comicbände der jüngsten Vergangenheit. Und er ist vor allem eines: Geschmackssache. Mir jedenfalls hat er extrem viel Spaß gemacht, weshalb ich jedem nur empfehlen kann, sich unbedingt selbst ein Bild zu verschaffen.

Donjon 6: Der verlorene Sohn

 Vor mehr als zehn Jahren wurde in Frankreich die Idee eines äußerst ungewöhnlichen und dennoch sehr erfolgreichen Comics geboren, der in drei unterschiedlichen Epochen spielen sollte, der an seinem Ende über 300 Ausgaben zählen sollte und dessen Figuren als blutrünstige aber dämliche Monster und (un)heldenhafte Enten konzipiert waren. Seit diesem ursprünglichen Grundgedanken hat sich der Comic zu einer regelrechten Hydra entwickelt, der mit jeder neuen Veröffentlichung ein weiterer, grotesker Kopf wächst und so jeglicher Konzeption der Serie trotzt. Die Väter dieser Idee waren die französischen Comic-Künstler Lewis Trondheim und Joann Sfar und ihr Titel lautete Donjon. Im Hause Reprodukt erschien nun mit Donjon 6: „Der verlorene Sohn“ der neuste Spross in der Donjon-Familie.