Alle Artikel in: Rezensionen

In dieser Rubrik finden sich alle Arten von Comic-Besprechungen, von den Kurzrezensionen im „Kri-Ticker“ bis hin zu ausführlicheren Einzelvorstellungen bestimmter Titel.

Wäscher – Pionier der Comics

Hansrudi Wäscher kommt in hohem Alter zu seinen Ehren. Für sein Lebenswerk erhielt er letztes Jahr einen Max-und-Moritz-Preis und dieses Jahr mit mittlerweile 81 Jahren den PENG!-Preis auf dem Comicfestival München; beide nahm er persönlich entgegen. Aus Anlass der letzteren Auszeichnung hatte Festivalleiter Gerhard Schlegel 42 der momentan erfolgreichsten deutschsprachigen Zeichner versammelt, um dem „Pionier der Comics“ in Deutschland Tribut zu zollen. Der Katalog zur Ausstellung enthält neben den Exponaten Vorworte von Gerhard Schlegel und Gerhard Förster (Wäschers Laudator beim PENG!) sowie ein Nachwort von Wäschers neuem Verleger Hartmut Becker. Seine vielen großen Momente hat dieser Katalog, wenn sich die Zeichner von liebevoll über verspielt bis neckisch mit Wäschers Werk auseinandersetzen, seine Figuren neu interpretieren oder aber auf die Bedeutung eingehen, die seine Comics damals für die Kinder hatten. Dies führt jeweils zu sehr schönen und abwechslungsreichen Beiträgen. Des öfteren wurde auch das Konterfei oder gar komplett der Geehrte selber in die Zeichnungen eingebaut. Allerdings irritierten mich einige wenige Beiträge, die auf mich entweder uninspiriert oder für eine Hommage unpassend erschienen. Ein insgesamt aber wunderbares, …

Paradise

 Im Splitter-Verlag macht man sich seit kurzem auch abseits des bewährten Programmes Gedanken und veröffentlicht jetzt auch abgeschlossene Serien im verkleinerten Format als sogenannte „Splitter-Books“ mit Hardcover und Schutzumschlag. Ob Zufall oder gewollt, das Vorhaben kommt einem doch bekannt vor, denn vermehrt setzen auch andere Verlage wie Ehapa mit den „All-in-one“-Editionen, Carlsen mit ihrer „Graphic Novel“-Abteilung oder aber auch Cross Cult auf abgeschlossene Einzelbände oder Gesamtausgaben kurzer Reihen in einem einzigen Band. Man wird abwarten müssen, ob auch diese Zweitschiene neben dem sehr gut etablierten Albenprogramm für Splitter zum Erfolg wird. Eine der ersten dieser Books heißt Paradise und ist eine ursprünglich vierteilige, französische Comicserie.

 

Die Legende vom Changeling 1

 Mit dem englischen Wort „Changeling“ bezeichnet die europäische Mythologie ein sogenanntes Wechselbalg, ein Baby also, das den Eltern ohne deren Wissen untergeschoben wird, während Elfen oder Geister das eigentliche Kind rauben. Ein solcher Changeling ist auch der kleine Peter Jobson, auch Scrubby genannt, von dem Pierre Dubois und Xavier Fourquemin in ihrem Comic erzählen.

Der kleine Christian

 Gleich mit zwei bemerkenswerten Bänden stürmt der französische Künstler Blutch (alias Christian Hincker) parallel die deutsche Comiclandschaft. Auffallend dabei ist die inhaltliche Annäherung von Blutchs Figuren zu seiner eigenen Biografie. So präsentiert sich in Blotch – Der König von Paris (erschienen im Avant-Verlag) ein überzeichnetes Alter Ego  des Franzosen, in Der kleine Christian, das bei Reprodukt erschien, finden Anekdoten aus Blutchs Vergangenheit ihren Platz.

DC Premium 60: Joker

Es ist ja in Zeiten, da Comicverfilmungen boomen, keine Seltenheit, dass etablierte Figuren quasi ein Neudesign erhalten und sich auch im Comic der Kinoversion anpassen. Meistens beschränkt sich dies jedoch auf das Äußere – man denke an die X-Men in schwarzen Latexkostümen oder den neuen Dr. Octopus ohne Topfschnittfrisur. Und meist wird solch eine Änderung auch schnell wieder rückgängig gemacht und das altbewährte Design kehrt schleichend zurück. Im Falle von Brian Azzarellos und Lee Bermejos Comic mit dem schlichten Titel Joker, für das der Erzfeind Batmans das aus The Dark Knight bekannte Aussehen erstmalig auch in Comicform verpasst bekommt, fragt man sich eher: Warum hat man im Comic nicht schon immer auch diesen Joker verwendet? Denn Azzarello gelingt es tatsächlich, den Wahnsinn des psychopathischen Verbrechers so in seine Geschichte zu transportieren, wie ihn Heath Ledger im Kino verkörpert hat. Die Story kommt fast komplett ohne Batman aus. Aus der Perspektive von Jokers neuestem Handlanger wird erzählt, wie der aus Arkham entlassene Clown sich seine Stadt zurückerobern will. Gestik, Mimik, die ganze unberechenbare Irrationalität der Figur …

100% Marvel 40: Die Zwölf 1

So muss eine gut erzählte Superheldenstory sein. J.M. Straczynski (Rising Stars, Thor) und Chris Weston (The Invisibles, The Filth) erwecken eine Gruppe von zwölf Superhelden des Golden Age erneut zum Leben und das gleich im wahrsten Sinne des Wortes, denn die unbekannten Kostümträger wurden von Nazis während des Zweiten Weltkrieges tiefgefroren und jetzt, 60 Jahre später werden sie von der US-Regierung aufgetaut und erneut in den Kampf um ihr Vaterland geschickt. Dass hierfür frische, unverbrauchte, teils skurrile Charaktere zu Tage gefördert wurden, tut dem Zwölfteiler, dessen erste Hälfte in diesem Band abgedruckt ist, durchaus gut, denn die Erforschung der einzelnen Gruppenmitglieder, ihrer Psychosen, Einstellungen und Hintergründe macht einfach Spaß und wird einem von Straczynski eindrucksvoll nähergebracht. Zudem zeichnen sich Westons Bilder sowohl durch Detailtreue als auch durch einen nostalgischen Charme aus. Alles in allem ein Zweiteiler, der aus der aktuellen Marvelschiene herausragt. Auf die Fortsetzung wird man allerdings noch warten müssen, da die Serie in den USA nach dem neunten Heft für unbestimmte Zeit pausieren musste. 100% Marvel 40: Die Zwölf 1 Panini Comics, Februar …

Violetta 3 & 4

 Die ersten beiden Alben der französichen Serie Violetta erschienen 2003 beim Carlsen Verlag, danach war erstmal Schluss, obwohl im Original inzwischen fünf Bände vorliegen. Ein Fall für den Finix Comic Club, der genau zu diesem Zweck gegründet wurde: Comicreihen, die in Deutschland nicht fortgeführt wurden, abzuschließen. Neben einigen ernsthafteren und „erwachseneren“ Stoffen, die Finix veröffentlicht, ist Violetta im Funny-Stil gehalten und richtet sich (auch) an jüngere Leser.

Charlatan Ball (US)

Mit US-Autor Joe Casey und mir ist das so eine Sache. Ich mag seine Comics sehr, aber ich bin auch der erste, der zugibt, dass diese oft nicht besonders gut und manchmal sogar schlecht sind. Charlatan Ball, gezeichnet von Andy Suriano, ist auch wieder so ein schwieriger Fall. Qualitativ liegt der Comic insgesamt im oberen Mittelmaß, aber ich finde ihn trotzdem klasse. Die Hauptfigur ist Chuck Amok, ein glückloser Zauberkünstler, der durch mysteriöse Umstände plötzlich von einer kosmischen Instanz auf eine Reise über mehrere Dimensionen geschickt wird. Grund: Chuck, der es bisher nicht einmal fertig bringt, ein ordentliches Karnickel aus dem Hut zu ziehen, soll an einem Wettstreit der Zauberer teilnehmen. Stilistisch ist das ganze Gødland, einer weiteren Casey-Eigenschöpfung die zurzeit bei Image erscheint, nicht unähnlich: Auch Surianos Zeichnungen erinnern stark an die Jack Kirbys. Und die Erzählweise steht der von Gødland in Sachen Wahnwitz in nichts nach. Charlatan Ball, könnte man sagen, ist sowas Steve Ditkos „Doctor Strange“ auf Anabolika, gemischt mit Alice im Wunderland auf LSD, oder umgekehrt. Ein übergroßer, gebildeter aber latent gewalttätiger …

Bis in den Himmel

 Ein Verkehrsunfall zwischen einem Lieferwagen und einem Motorrad. Beide Fahrer landen schwer verletzt im Krankenhaus. Der Fahrer des Lieferwagens, ein Mann um die 40, stirbt an den Unfallfolgen. Der Motorradfahrer, erst 17 Jahre alt, überlebt. Doch als er aus dem Koma erwacht, stellt sich heraus: Er weiß nicht mehr, wer er ist. Seine Erinnerungen sind die des Unfallgegners.

Der Schimpansenkomplex 3 – Zivilisation

Was könnte ich noch über den Abschlussband dieser hochwertigen, dreiteiligen Reihe sagen, was ich nicht bereits erwähnt habe (Rezension Band 1, Band 2)? Nun, vielleicht soviel: Das Mysterium, das Astronautin Helen Freeman in den Weiten des Weltalls aufzudecken versucht, wird auch zum Ende hin nicht gänzlich fassbar. So viel Spannung wie dieser Comic aus seinem Mystery-Charakter bezieht, so verwirrt lässt er den Leser dann zurück. Darüber kann man aber auch nicht wirklich traurig sein, denn alle drei Bände verfolgen jeweils eine leichte veränderte Ausrichtung, so dass es einem selbst überbleibt, wie man die Teile zusammenfügt. Lieber einige offen Fragen nach der Lektüre als eine enttäuschende Auflösung, das scheint durchaus Sinn zu ergeben. Das Szenario von Richard Marazano und die Zeichnungen von Jean-Michel Ponzio sind schlichtweg brillant. Jetzt, da alle drei Bände vorliegen, kann ich wirklich sagen, dass Der Schimpansenkomplex eine der wenigen Comicreihen in den letzten Jahren ist, bei deren Lesen ich von Anfang bis Ende begeistert und gespannt die nächste Seite aufgeschlagen habe. Ist es nicht die beklemmende Weltraumatmosphäre, dann sind es spätestens die …