Alle Artikel in: Rezensionen

In dieser Rubrik finden sich alle Arten von Comic-Besprechungen, von den Kurzrezensionen im „Kri-Ticker“ bis hin zu ausführlicheren Einzelvorstellungen bestimmter Titel.

Jonah Hex 1 – Zeit zu sterben

Jonah Hex ist ein Muss für jeden Western-Fan. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern. Das Cover von Tim Bradstreet sieht schon einmal klasse aus. Und fix durchgeblättert: Ja, alles ist da! Rauchende Colts und Falschspieler, Indianer und Explosionen. Die Zeichnungen im Innenteil sehen irgendwie ganz okay aus, die Kolorierung ist durchschnittlicher Mist, aber egal, das kann in den USA eh kaum einer, warum also bei Jonah Hex damit anfangen? Portemonnaie raus, eine Handvoll Dollars für den Comickeeper – und rein ins Regal damit! Lesen sollte man das Ding aber besser nicht. Sicherlich, Jonah Hex gibt es schon seit den Siebzigern, eine durch und durch tragische Gestalt, ein einsamer Revolverheld, dessen linke Gesichtshälfte wie Frikassee aussieht. Und auch innerlich wurde der sympathische Unsympath durch den Wolf gedreht. Ein Kopfgeldjäger, ein brutaler Herumtreiber, woah! Ja, das ist cool, das macht Kasse. Zumal bald der Kinofilm  auf der Matte steht. Im Juni 2010 soll es soweit sein. Es ist natürlich keinem Verlag – weder Panini noch DC – zu verübeln, im Fahrwasser eines solchen Leinwandspektakels noch ein paar …

Cosa Nostra 4 – Die Hetzjagd

 In der Comicadaption der Geschichte der Cosa Nostra Amerikas der Zwanziger und Dreißiger Jahre wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. 1931: Lucky Luciano hat es geschafft. Er ist jetzt einer der mächtigsten Männer New Yorks. Nicht nur hat er seine Konkurrenten ausgeschaltet, er ist auch in der Riege der Bosse respektiert. Seine Ratschläge, um anderen aus Problemen herauszuhelfen und somit Verbündete zu gewinnen, sind dort durchwegs willkommen. Nach der Ermordung eines einflussreichen Konkurrenten ist er in die hohen Ränge der Cosa Nostra aufgestiegen und beginnt seinen Einflussbereich auszudehnen. Das verschafft ihm allerdings mit dem Boss der Bosse, Maranzano, einen gefährlichen Gegner. 

Solomon Kane – Schloss des Teufels

 Graphic Novels hier, Graphic Novels da. Die deutsche Comicbranche scheint ihre persönliche Messlatte allein nach diesen anspruchsvollen Comics für junge Erwachsene ausgerichtet zu haben. Obwohl dies natürlich nicht gesagt wird, so wird doch impliziert, dass alle restlichen Comics Trivialliteratur sind – kurz, sie sind Schund. Doch die Historie der Comics und ihrer Vorväter ist nur so gepflastert von diesem herrlichen Schund, der uns für ein paar Minuten die realitätsnahen Autobiografien und Comicreportagen vergessen lässt. Bestes Beispiel dafür ist der gerade bei Panini erschienene Comic Solomon Kane: Schloss des Teufels. Die Comicadaption von einem Meister des Schunds, Robert E. Howard, Schöpfer von Conan, gibt uns zwar nichts Tiefgründiges, dafür aber Lesefreude und jede Menge Trash.

Marvel Zombies Collection

 Wenn sich im Weltall zwei Superhelden, der eine ohne Beine und der andere ohne Schädeldecke, über die Gesangskünste des ersteren unterhalten, dann befindet man sich mit großer Sicherheit im Marvel-Universum. Dann muss man schon ein echter Marvel-Zombie sein, ein bekennender Fan des Hauses der Ideen, um den entsprechenden Comic nicht aus der Hand zu legen. Doch wenn man mit diesen Helden genauso vertraut ist, wie Autor Robert Kirkman (The Walking Dead), dann wird man sich nicht nur über den Sammelband Marvel Zombies Collection freuen, sondern den parodistischen Zombies sein Herz schenken, und dazu seine Gedärme, sein Hirn und seine abgetrennten Gliedmaßen.

Siegfried 2 – Die Walküre

So ungemein augenbetörend und bildgewaltig wie der Vorgängerband ist auch der zweite Akt von Alex Alices ganz eigenem epischem Gemenge aus Wagners Ring und den unterschiedlichen Siegfried-Sagen. Es donnert, wogt und stürmt dem Leser geradezu von den Seiten entgegen, wenn er Siegfried auf seinem gefahrvollen Weg zum Hort des Drachen Fafnir begleitet und am Schicksal jener titelgebenden Walküre teilnimmt, die sich gegen den Befehl des Göttervaters Odin wendet und in die Geschicke des Recken eingreift. Ein gelinder Störfaktor dabei sind jedoch die Versuche des Künstlers, das sich entfaltende Drama zuweilen etwas aufzulockern. Die Slapstickeinlagen von Siegfrieds Ziehvater, dem Zwerg (und Muppet-Lookalike) Mime, wollen sich nicht so recht in den Rest einfügen und lösen eher leichtes Befremden aus. Comic relief steht halt nicht jedem Stoff. Aber letztendlich ist dies vollkommen verzeihlich angesichts der dargebotenen optischen Feinkost, welche die Geschichte immer wieder über das konventionelle Runtererzählen hinaus in mythische Dimensionen hebt. Das Aufgehen der zuvor von Odin zurückgehaltenen Sonne, Siegfrieds erhabener Ritt auf dem fliegenden Walkürenross, sein Eindringen in die unterirdische Sphäre der Seherin Völva oder die …

Palästina

teaser_palaestina.jpgStichwort Palästina? Da zieht vor dem inneren Auge des durchschnittlichen Mediennutzers höchstwahrscheinlich eine Bilderflut von zerstörten Gebäuden, weinenden Frauen und verstümmelten Kindern, aufgebrachten Menschenmengen vor frisch ausgehobenen Gräbern, hohen Betonmauern und Stacheldrahtzäunen, Selbstmordattentätern, vermummten Milizen, Grenzposten mit Geschütztürmen und Elendsvierteln vorbei. Dem Journalisten und Comiczeichner Joe Sacco reichte das nicht, und so enstand sein ehrgeiziges Ziel: Die Palästinenser selbst kennenzulernen und die Ursachen des anhaltenden Konflikts mit den Israelis auf ihrer Seite zu erforschen.

Codex Angélique – Kompendium der Engel

 Alles in allem verstörend. So oder so ähnlich würde ich jemandem antworten, der mich nach einer Beschreibung zu Codex Angélique fragen würde. Die im französischen Original in drei Alben veröffentlichte Serie liegt in der Ehapa Comic Collection als All-in-One-Edition vor. Wie bei einigen dieser Ausgaben zuvor gibt es auch bei dieser Licht und Schatten zu konstatieren. Leider wird man des anfänglich recht interessanten Settings recht schnell überdrüssig, spätestens wenn sich die Handlung komplett in den Wirren von Mystik und Übersinnlichem verstrickt.

Rapture 1-6 (US)

Ich bin geheilt! Ich habe soeben mein letztes amerikanisches Comicheft, das ich beim Comicladen meines Vertrauens im Abo hatte, gelesen. Die Lektüre der endlich abgeschlossenen Miniserie Rapture hat mich dazu gebracht, auch keine weiteren amerikanischen Heftchen mehr zu bestellen, geschweige denn zu kaufen. Was auf den ersten Blick nach einem guten Deal aussah, verwandelte sich in nur sechs Ausgaben zu einem postapokalyptischen Fiasko. Autorin Taki Soma und Zeichner Michael Avon Oeming (Powers) schienen etwas falsch verstanden zu haben: Sie sollten  von einer Katastrophe erzählen und nicht die Erzählung zur Katastrophe machen: Dass die Superhelden die Erde verlassen und deshalb Chaos ausbricht, geht in Ordnung. Dass die Liebe zweier Teenager zu Bruch geht, ist auch okay. Doch was diese beiden Ereignisse jetzt zwingend miteinander verbindet, bleibt das Geheimnis des mysteriösen Superhelden, der die Protagonistin mit einem magischen Speer ausstattet und sie auf die Reise schickt. Eine bedingt epische Reise, die sowohl die Welt als auch die Figuren, die darin leben, komplett vernachlässigt. Hinzu kommt dann noch eine unmotivierte Parallelhandlung mit Kannibalen. Doch auch die Menschenfresser retten …

Bone Complete Edition

 Vor ungefähr 18 Jahren hatte Jeff Smith die Idee für einen Comic, den er erst 13 Jahre und 55 einzelne Comichefte später beenden sollte. Um dieser Odyssee Rechnung zu tragen, hat Smith sein Magnum Opus Bone in Amerika als einzelnen Band veröffentlicht. Die schwarz-weiße Bone Complete Edition ist nun auch auf Deutsch bei Tokyopop erschienen. Ein einziger Comic erzählt die gesamte Geschichte der cartoonigen Helden von ihren ersten unsicheren Schritten bis hin zur finalen Schlacht. Alles in einem einzigen monströsen Ziegelstein von aberwitzigen 1332 Seiten vereint, der nur von einer simplen Klebebindung zusammengehalten wird, auf die später noch genauer eingegangen werden soll.

Monsieur Mardi-Gras – Unter Knochen 1-4

 Im Sommer letzten Jahres schloss der Splitter-Verlag ein Comicprojekt ab, dessen erste Schritte bereits sieben Jahre zuvor gemacht wurden: Damals erschienen beim Label Speed XXL die ersten zwei Bände der Albenreihe Unter Knochen von Éric Liberge, zunächst noch in Schwarz-Weiß. Mittlerweile ist Speed längst Geschichte, die ersten zwei Alben erschienen in Frankreich in einer zweiten, diesmal kolorierten Fassung, und die Serie wurde mit zwei weiteren Ausgaben abgeschlossen. Bei Splitter liegt inzwischen die komplette Reihe in Farbe unter dem Titel Monsieur Mardi-Gras – Unter Knochen vor.