Rezensionen

Solomon Kane – Schloss des Teufels

Solomon Kane: Schloss des TeufelsGraphic Novels hier, Graphic Novels da. Die deutsche Comicbranche scheint ihre persönliche Messlatte allein nach diesen anspruchsvollen Comics für junge Erwachsene ausgerichtet zu haben. Obwohl dies natürlich nicht gesagt wird, so wird doch impliziert, dass alle restlichen Comics Trivialliteratur sind – kurz, sie sind Schund. Doch die Historie der Comics und ihrer Vorväter ist nur so gepflastert von diesem herrlichen Schund, der uns für ein paar Minuten die realitätsnahen Autobiografien und Comicreportagen vergessen lässt. Bestes Beispiel dafür ist der gerade bei Panini erschienene Comic Solomon Kane: Schloss des Teufels. Die Comicadaption von einem Meister des Schunds, Robert E. Howard, Schöpfer von Conan, gibt uns zwar nichts Tiefgründiges, dafür aber Lesefreude und jede Menge Trash. .

Die zarteste VersuchungIm Jahr 1928, drei Jahre vor der ersten Veröffentlichung von Conan, erschuf der Autor Robert E. Howard für das Pulp-Magazin Wierd Tales die Figur des Solomon Kane, eines düsteren Puritaners. Statt in einer getexten Welt auf dem billigen Papier der Pulps erscheint Gottes dunkler Vollstrecker nun in farbigen Hochglanzbildern. Geblieben sind aber die herrlich skurrilen Geschichten über Helden, Dämonen und fernöstliche Prinzessinnen. Bereits in den 1970ern und 1980er veröffentlichte Marvel Comics mit dem Puritaner. Doch erst Solomon Kane: Schloss des Teufels, auf Englisch bei Dark Horse erschienen, führt den in Vergessenheit geraten Helden wieder in unsere Populärkultur ein.

Jede Menge Voice-OverNicht so bekannt und muskelbepackt wie Howards schwertschwingender Barbar Conan kommt Solomon Kane inklusive reichhaltigem Arsenal an Waffen und festen Glauben daher. Mit Schwertern und Pistolen predigt der Einzelgänger den Menschen des 16. Jahrhunderts äußerst überzeugend eine gottesfürchtige Lebensweise. Ebenso zielgerichtet wie sein Protagonist  präsentiert Autor Scott Allie (The Devil’s Footprints) die Comicadaption der ersten Solomon Kane-Geschichte. Doch nicht nur die Pulp-Tradition mit ihren Monstern und Dämonen findet sich im Comic wieder: Die Verwendung von vielen Textbalken mag auf den ersten Blick nervig wirken, doch erinnern diese Texte bei näherem Hinsehen an das Voice-Over aus Filmen des Film Noir. Diese Beschreibungen aus der dritten Person heraus geben dem Comic  diesen gewissen Touch von Hard-Boiled-Fiction.

Wie ZuckerwatteLässig wie eine gläubige Planierraupe wütet Solomon Kane unter den intrigierenden Dämonen, den skrupellosen Dieben und den hörigen Gefolgsleuten. Die Zeichnungen des Mexikaners Mario Guevara (The Lone Ranger and Tonto) sind nicht unbedingt großartig, doch sie unterstreichen gut die düstere Stimmung des Comics. Die starken Schraffuren in den Gesichtern der Figuren und die vielen Faltenwürfe ihrer Gewänder verschleiern perfekt ihre böse Machenschaften. Was aber den grafischen Schund ausmacht, ist die maßlose Übertreibung: Wie mit einem Stock durch Zuckerwatte fährt der Stahl des Puritaners durch Dämonen und Diebe, einfach gnadenlos durch jeden, der gesündigt hat. Guevara lässt an den richtigen Stellen gezielt Blut und Gedärme durch die Luft fliegen. Auch wenn die Kampfszenen im Mittelteil etwas statisch wirken und erst gegen Ende wieder mehr Dynamik aufnehmen, so ist die Darstellung im Comic auf eine perfide Weise unterhaltsam. Schund eben.

Solomon Kane ist sicherlich keine Graphic Novel. Solomon Kane bietet auch nicht viel Tiefgründiges oder gar überraschende Wendungen in der Handlung. Howards gläubiger Held wird aber durch diese Veröffentlichung aus dem Reich der Toten, der Wierd Tales, zurückgeholt, um uns zu unterhalten. Diese Aufgabe erfüllt er sehr gewissenhaft. Man muss sich sicherlich nicht schämen, wenn man die Graphic Novel bei Seite legt und sich etwas derben Schund zu Gemüte führt.

Solomon Kane: Schloss des Teufels
Panini Comics, Januar 2010
Text: Scott
Allie
Zeichnungen: Mario Guevara
Softcover, farbig; 16,95 Euro
ISBN: 978-3866078901
Ganz okay
Gelungene Wiederbelebung eines Pulp-Helden

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Abbildungen © Mario Guevara/Panini Comics