Alle Artikel in: Rezensionen

In dieser Rubrik finden sich alle Arten von Comic-Besprechungen, von den Kurzrezensionen im „Kri-Ticker“ bis hin zu ausführlicheren Einzelvorstellungen bestimmter Titel.

Buddy Longway 20 – Legende

Der Start des Western-Epos Buddy Longway liegt nun mittlerweile gut 30 Jahre zurück (Band 1 erschien 1981 bei Carlsen). Die Geschichte um einen Trapper in den Rocky Mountains, der sich in eine Squaw verliebt, findet im 20. Album schließlich seinen Abschluss. Ein von vornherein geplantes Ende, wie Derib selbst sagt. Und in eben jenem wird nochmal die ganze Gefühlspalette bedient. In der Tat halten sich im Finale schöne und traurige Momente die Waage, zusätzlich sorgt ein mit rohen Bleistftilinien gezeichneter und durch seichte Aquarellfarben unterlegter Epilog  dafür, dass der große Zyklus um Buddy Longway als runde Sache erscheint. Ein großes Lob gebührt den Jungs von Finix Comics, dem als vierter deutscher Verlag im Bunde die Ehre zuteil wurde, die Erzählung über die Jahre hinweg fortzusetzen. Neben dem überraschenden Finale, das wohl nicht jedem langjährigen Leser gefallen wird, lassen sich im Extrateil des Hardcoverbandes noch weitere Highlights entdecken: Sowohl ein mehrseitiges Portrait des verantwortlichen Künstlers Derib als auch ein Interview mit diesem findet man im Anhang. Da spürt man einfach den redaktionellen Aufwand für eine Serie, …

RIA – Die Lichtclan-Chroniken 1

 DOPPELREZENSION
Die Überraschung beim Comic-Salon war RIA Die Lichtclan-Chroniken. Da taucht aus dem Nichts ein Album auf, das einen erstmal umhaut und begeistert. Stilistisch erinnert es an einen Trickfilm; aufwendige, gemalte Hintergründe und Figuren in einem klaren Strich ohne Schraffuren oder Schwarzflächen. Die Panels sind bis ins Detail liebevoll ausgezeichnet, eine tolle Farbgebung und pointiert eingesetzte Computereffekte. Höchstes zeichnerisches Niveau, das an Barbucci erinnert, begeistert und zum Spontankauf verleitet. Freudig beginnt man zu lesen – und ist schnell ernüchtert.

Die Plastikmadonna

 Die französischen Künstler Pascal Rabaté und David Prudhomme sind spätestens seit diesem Jahr dem deutschsprachigen Comicleser nicht mehr unbekannt. Von beiden wurde unlängst je ein Werk bei Reprodukt veröffentlicht, zum einen Rabatés Bäche und Flüsse, zum anderen Prudhommes Rembetiko. Die Plastikmadonna, eine Kollaboration, erschien nun bei Carlsen unter dem großzügig bedientem Graphic-Novel-Label.

Die Reise mit Bill

 Wie aus dem Nichts meldet sich nach langer Comicabstinenz einer der, auch international, renommiertesten deutschen Comicschaffenden eindrucksvoll zurück. Die Rede ist von Matthias Schultheiss, der vor allen in den 80ern seine große Zeit hatte und mit Alben wie Trucker, Die Haie von Lagos oder Die Wahrheit über Shelby für Furore sorgte. Sein fast 300 Seiten starkes Comeback, das als Splitter Book erschienene Album Die Reise mit Bill, wirkt wie ein Paukenschlag.

Predators

 Gerade erst startete der dritte Predator-Streifen in den deutschen Kinos, schon gibt es bereits die „offizielle Vorgeschichte“ exklusiv in Comicform. Eine in den letzten Monaten und Jahren bei US-Verlagen beliebte Praxis, wie auch ein Rückblick auf die die ebenfalls hierzulande veröffentlichten Comicprologe zu den Filmen Star Trek, 28 Days Later oder The Hills Have Eyes beweist. Im Gegensatz zu den aufgezählten Beispielen versucht der zweigeteilte Predators-Prolog nicht, krampfhaft die filmische Kontinuität mit wichtigen Fakten zu erweitern oder auszuschmücken.

Der Planwagen des Thespis 2

 Bei Der Planwagen des Thespis handelt es sich um eine Western-Reihe aus dem Frühwerk Christian Rossis. Über zwanzig Jahre hat die Serie inzwischen auf dem Buckel. Was die Serie durch eine altbackene Grafik eingebüßt hat, kann sie mühelos durch den für das Western-Genre anspruchsvollen Inhalt wieder wettmachen. Frei von Pathos und Klischees vermag Rossi dieses Genre um einige Facetten zu erweitern. Und das schafft der Comickünstler, der in den ersten beiden Bänden noch selbst für das Szenario verantwortlich ist, indem er mehrdimensionale Figuren beschreibt, die durch differenzierte Haltungen und philosophische Dialoge auffallen.

Marvel Noir – Wolverine

 Dies ist der dritte Band der Marvel-Noir-Reihe. Nach Spider-Man und den X-Men wird diesmal Wolverine in die Welt des Noir-Genres adaptiert. Autor Stuart Moore hat sich hierfür mit dem Zeichner C. P. Smith zusammengetan. Nachdem der Spider-Man-Band aufgrund seiner bunten Ästhetik nicht auf ganzer Linie überzeugen, jedoch X-Men wegen dessen konsequenter Noir-Umsetzung umso mehr begeistern konnte, sind die Erwartungen an Wolverine hoch.

Gift

 Serienmörder und ihre Taten üben eine eigenartige Faszination auf uns aus. Verbrechen, die Jahrzehnte, manchmal gar Jahrhunderte zurückliegen, werden nicht vergessen und zu den Akten gelegt, sondern immer wieder thematisiert – und durch die Verarbeitung in Kino, Fernsehen oder Kriminalroman auch zu einem Stück Popkultur. Dass sich historische Serienmorde auch als Thema für Comics eignen, will der Autor Peer Meter beweisen, indem er gleich drei solche Stoffe zur Graphic Novels verarbeitet. Der erste davon erschien kürzlich bei Reprodukt: In Gift geht es um eine Frau namens Gesche Gottfried, die in den 1920er Jahren in Bremen insgesamt 15 Menschen vergiftet hatte und 1831 hingerichtet wurde.

Officer Downe (US)

Die erste Textbox im ersten Panel auf der ersten Seite gibt uns eine Ortsangabe: „Motherfuckin' L.A.“ – und setzt damit ganz nebenbei auch noch den Ton für diesen Comic. In Officer Downe drehen Autor Joe Casey und Zeichner Chris Burnham alle Regler auf 11 und präsentieren eine völlig irrsinnige Story, in der ein Über-Polizist gegen mehrere Über-Verbrecher antritt und nur ein Ziel kennt: Aufräumen, aber richtig. Officer Terrence Downe ist der beste und härteste Cop, den das L.A.P.D. hat. Wenn er mal im Einsatz tödlich verletzt wird, kann er in kurzer Zeit zusammengeflickt und wiederbelebt werden (wie das funktioniert, wird auf nette Weise erklärt, tut aber eigentlich nichts zur Sache). In dieser Geschichte mit dem treffenden Titel „Tough Shit“ bekommt er es mit dem Schurken Zen Master Flash zu tun. Casey und Burnham wollen nicht viel mehr als einfach die Sau rauslassen und, vor allem in Sachen Gewalt, alle Geschmacks- und Jugendschutzgrenzen überschreiten. Das erinnert ein bisschen an den Punisher, vor allem aber an Hard Boiled von Frank Miller und Geoff Darrow, was wohl auch zeichnerisch …

Heiligtum 1 – USS Nebraska

 Christophe Bec lässt es scheinbar ganz schön krachen. Denn mit dem ersten Heiligtum-Band „USS Nebraska“ ist bei Splitter nach Prometheus und Carthago seine dritte Albumserie gestartet. Doch bei dieser Science-Fiction-Mystery hat er das Schreiben an seinen Kollegen Xavier Dorison abgegeben. Splitter hat die etwas ältere Zusammenarbeit der beiden Franzosen aus dem Jahr 2001 anscheinend neu für sich entdeckt und nun für den deutschen Markt herausgebracht.