Robert Crumbs Genesis
Wenn Robert Crumb, Comiclegende und Urvater der Underground-Comix, nach jahrelanger Funkstille wieder ein neues Werk vorlegt, ist das schon etwas Besonderes. So besonders, dass das Album praktisch gleichzeitig auf Englisch, Französisch und Deutsch erscheint. Das könnte freilich auch damit zu tun haben, dass man hier keine eigene Übersetzung anfertigen musste. Der Text liegt schließlich längst vor: Es handelt sich um das Buch Genesis, die ersten 50 Kapitel des Alten Testaments.


Ein Buch über Comics zu verfassen, ist ein genauso großer Drahtseilakt wie die Adaption einer literarischen Vorlage für die große Leinwand. Ständig wird man zwischen künstlerischer Eigenständigkeit und Werktreue balancieren müssen, um sich selbst, dem Publikum und dem Markt gerecht zu werden. Obwohl die perfekte Besänftigung all dieser Gruppen einem Wunschtraum gleichkommt, hat sich Comicredakteur Klaus Schikowski mit Die großen Künstler des Comics (im Edel Verlag erschienen) einer solchen Aufgabe gestellt. Als Gegenstand und auch als Unterstützung für das Projekt hat sich Schikowski 34 große Comic-Künstler von Rudolph Dirks bis hin zu Marjane Satrapi mit aufs Drahtseil geholt.
In Prototyp präsentierte Ralf König seine Version der Schöpfungsgeschichte. Nun gibt es die Fortsetzung: Archetyp dreht sich um Noah und sein berühmtes Schiff, das er baut, um der Sintflut zu entgehen. Der Comic erschien zunächst als täglicher Strip in der Frankfurter Allgemeinen, die Buchausgabe im Rowohlt Verlag ist jedoch mehr als ein bloßer Nachdruck des Zeitungscomics. Für das Hardcover entwarf König neue Seitenlayouts, überarbeitete manche Panels und nicht zuletzt ist diese Ausgabe (fast) durchgehend farbig statt schwarz-weiß. 

Das Horror-Genre ist in den letzten Jahren im Comicbereich immer beliebter geworden. Wirklich guten und überzeugenden Horror findet man jedoch eher selten. Eine willkommene Ausnahme im Genre-Einheitsbrei ist die Serie Locke & Key von Joe Hill, die nun erstmals auch auf Deutsch erscheint. In Form einer Dialog-Rezension besprechen Christopher Bünte und Thomas Kögel den ersten Band der Reihe.
Das neue Jahrhundert hat seine erste Dekade fast verbraucht und schon zeichnen sich zwei Trends ab: Zum einen befinden wir uns im Zeitalter der konstanten Beschleunigung, in dem Informationen immer schneller durch unsere Computer gejagt werden. Zum anderen erzeugt diese wahnwitzige Geschwindigkeit einen unstillbaren Durst nach immer mehr Informationen. Jede Minute trudelt eine neue Eilmeldung per RSS-Feed herein, die wir auf keinen Fall verpassen dürfen; jede Sekunde zwitschert man seinen Followers eine Nachricht zu und stillt doch nur kurz die Gier nach Neuem. Nur manchmal gelingt es, einen Moment inne zuhalten, zurückzublicken und zu genießen.
Mit Dark Entries legt DC den ersten Band seines neuen Sub-Imprints Vertigo Crime vor. Die unter dem Crime-Signet erscheinenden Comics sind kleine Hardcoverbände in Schwarz-Weiß, die für sich allein stehende Geschichten von unterschiedlichen Autor-/Zeichnerteams erzählen. Mit Ian Rankin hat man, das muss man Vertigo zugestehen, direkt einen ziemlich renommierten Krimiautor für den Start der Reihe gewinnen können. So weit klingt das alles ganz gut. Und damit: Kommen wir zum 'Aber'.
Sein Lebenslauf klingt wie der Traum eines jeden Popkultur-Nerds: Jean-Christophe Derrien hat sein Studium mit einer Arbeit über Twin Peaks abgeschlossen, war Fanzine-Chefredakteur und Drehbuchautor für Zeichentrickadaptionen von Comic-Klassikern wie Blake und Mortimer oder Spirou und Fantasio. Heute arbeitet er als Filmkritiker und als Szenarist für seine eigenen Comics. Einer davon ist die zweiteilige Albenreihe Miss Endicott, die in Frankreich 2007 erschien und nun beim Piredda Verlag auf Deutsch herauskommt.