Alle Artikel in: Rezensionen

In dieser Rubrik finden sich alle Arten von Comic-Besprechungen, von den Kurzrezensionen im „Kri-Ticker“ bis hin zu ausführlicheren Einzelvorstellungen bestimmter Titel.

Comic-Analyse

 Die Geschichte der Comic-Wissenschaft ist eine Geschichte vieler Missverständnisse. Sicherlich verdient jede Bemühung, diese Missverständnisse aufzuklären, zunächst einmal unser Lob, ohne dabei auf Onomatopoesie im Titel („Pow! Peng! Die Welt der Comics“) zurückzugreifen. Jabok F. Dittmar hat gerade einen solchen Versuch mit dem simplen Titel Comic-Analyse bei der UVK Verlagsgesellschaft veröffentlicht. Bereits auf dem Klappentext verspricht der Verlag „eine Systematisierung des Blicks auf den Comic“, was ja im Prinzip eine gute Sache ist, doch leider vollzieht Dittmar diesen Blick nicht ganz so systematisch wie angekündigt.

The Goon 1 – Krudes Zeug

 Lange musste man hierzulande auf die Veröffentlichung der US-Kultreihe The Goon warten, nun liegt der erste Sammelband der bereits fünffach mit dem Eisner Award ausgezeichneten Serie auf Deutsch und in gewohnter Cross Cult-Aufmachung im A5-Hardcover vor.

Auch wenn Autor und Zeichner Eric Powell in seinem Vorwort darauf verweist, dass er mit der hier abgedruckten Story, quasi dem Frühstadium seiner Arbeit an The Goon, wenig zufrieden ist, so hält bereits Band 1 eine Menge abgedrehte Ideen und ein durchaus respektables Niveau bereit.

Das Selbstexperiment

 Matthias Gnehms neuester Comicband ist ganz und gar nicht einfach zu goutieren, und noch schwerer ist es dann, das darin Enthaltene angemessen zu beschreiben. Denn der Züricher Autor und Zeichner hat sich mit Das Selbstexperiment ein immens vielschichtiges Verwirrspiel erdacht, mit dem er die Konzentration des Lesers aufs höchste fordert.

Das Wolkenvolk 1: Seide und Schwert – Wisperwind

 Mit dem ersten Band von Seide und Schwert betritt der vor zwei Jahren ins Leben gerufene Splitter Verlag Neuland: Nach vielen Lizenzausgaben französischer Comics legt er erstmals eine Eigenproduktion vor und folgt gleichzeitig dem aktuellen Trend, Stoffe zu adaptieren, die bereits als Roman erfolgreich waren. In diesem Fall handelt es sich um eine Adaption der Romantrilogie Das Wolkenvolk von Kai Meyer, einer Fantasygeschichte, die im mittelalterlichen China spielt.

Pitt Pistol Gesamtausgabe

 Mit der Pitt Pistol-Gesamtausgabe bietet sich Comiclesern jetzt die Gelegenheit, sich einen echten Klassiker in einem sehr schön gestalteten Buch komplett zuzulegen. Pitt Pistol ist die Comicserie, die die erste längere Zusammenarbeit von René Goscinny und Albert Uderzo – einige Jahre, bevor die beiden den legendären Kulthit Asterix entwickelten und über lange Zeit betreuen sollten.

Muchacho

 Um es gleich vorweg zu sagen: Eine erstklassige Graphic Novel! Emmanuel Lepage hat nicht nur ein außergewöhnliches Thema aufgegriffen, sondern auch eine fantastische Erzählweise gefunden. Muchacho erzählt die Geschichte des jungen angehenden Priesters Gabriel im revolutionären Nicaragua von 1976, kurz vor dem Umsturz der Diktatur des Familienclans der Somozas und dem Sieg der Sandinisten 1979. Gabriel de la Serna stammt selber aus einer der Familien, die dem Somoza-Regime nahe stehen. In ein Dorf geschickt, um in der dortigen Kirche ein Wandbild zu malen, wird er mit dem prallen Leben der einfachen Menschen konfrontiert: verführerische Frauen, Träume und Hoffnungen der Dorfbewohner, Repression durch die Guardia Somozas und die heimliche Organisation des gewaltsamen Widerstands.

WildC.A.T.S 2: Bandenkrieg

 Wer Comics liest, kennt Alan Moore. Der Großmeister mit dem Vollbart und dem lilafarbenen Zylinder verfasste Meilensteine der Comic-Literatur wie z. B. From Hell, Watchmen oder Lost Girls. Zwischendurch hat er auch im WildStorm-Universum mitgemischt. Bei Panini erschienen in diesem Jahr zwei Bände, die schon etwas älter sind und auf das Konto der britischen Comic-Legende gehen.

Adeles ungewöhnliche Abenteuer 10: Das teuflische Labyrinth

 In Deutschland darf man sich auf einen neuen Ausschnitt aus Jacques Tardis wundersamen Erzählkosmos freuen, denn mit „Das teuflische Labyrinth“ erschien gerade der vorletzte Teil von Adeles ungewöhnlichen Abenteuern bei Edition Moderne. Wie bereits bei den vorangegangen Bänden (“Ende der Hoffnung“ oder auch „Alles Monster“) wurde der Titel des zehnten Albums wieder einmal sehr treffend gewählt, da sich die Geschichte selbst wie ein Irrgarten liest.

Zur Lage der Nation: Die letzte Rede des George W. Busch

 An und für sich sind die Bayern ja oft ein Grund zur Freude, aber manchmal ärgert man sich auch über sie – in meiner neuen Stammkneipe in Idaho zum Beispiel. Bin ich den ganzen Weg hierher gekommen, um dann Anfang Oktober plötzlich mit lautstarker Blasmusik vom Fass beschallt und von Kellnern in Lederhosen belästigt zu werden, die mir zudem noch Bratwurst und Sauerkraut andrehen wollen? Doch eher nicht. Teil meines Marschgepäcks aus der Heimat war – pflichtbewusster Rezensent, der ich nun einmal bin – der neue Comic von Moritz Reischl, alias Mosbichler, und der ist leider auch so ein Fall.

Der alltägliche Kampf 3: Kostbarkeiten

 “Dies ist die Geschichte eines trauernden Fotografen, einer Werkstatt voller Erinnerungen, eines wichtigen Buches und vom lieben Augustin…“ Passende Klappentexte sind eine Kunst für sich, und im Falle von „Kostbarkeiten“ darf man das Unternehmen einmal als gelungen betrachten. Der dritte Band der Reihe Le combat ordinaire von Emmanuel Larcenet hat tatsächlich einiges zu bieten. Um Väter und Söhne geht es, um die Natur und ums Erwachsenwerden, den Preis des Krieges, Sinn und Unsinn der Psychoanalyse, Mütter und Brüder, Eulen und Hackbraten und Dockarbeiter und Korken und Beziehungen und … na ja, den lieben Augustin eben.