Autor: Thomas Kögel

Struwwelpeter – Das große Buch der Störenfriede & Struwwelpeter – Die Rückkehr

 Vor 200 Jahren wurde Heinrich Hoffmann geboren, der Frankfurter Arzt, Psychiater, Schriftsteller und Zeichner, dessen berühmtestes Werk Der Struwwelpeter ist. 1845 erstmals erschienen, wurde das Kinderbuch ein weltbekannter Bestseller, der aus heutiger Sicht vor allem durch seine brachiale Pädagogik beeindruckt. Der Struwwelpeter ist ein Reigen unartiger Kinder, die alle als schlechte Beispiele präsentiert werden. Die Kinder sollten sehen, mit welch schlimmen Konsequenzen zu rechnen ist, wenn man nicht brav und folgsam ist und beispielsweise ständig herumzappelt, am Daumen lutscht oder seine Suppe nicht aufisst.

Das Wolkenvolk 2: Seide und Schwert – Mondkind

Mit dem Album Mondkind ist die erste von insgesamt drei Romanadaptionen abgeschlossen, die zusammen den Wolkenvolk-Zyklus von Kai Meyer bilden. Die Splitter-Eigenproduktion, an der neben Zeichner Ralf Schlüter und Szenarist Yann Krehl auch die Verlagseigner Horst Gotta (Tusche) und Dirk Schulz (Farben) aktiv beteiligt sind, setzt konsequent fort, was im ersten Teil begonnen wurde. Die Reise des jungen Niccolo auf der Suche nach den Drachen geht weiter, er findet neue Begleiter, stellt sich neuen Gegnern und lernt neue Schauplätze kennen. Graphisch besonders gelungen ist dabei die vulkanische Welt der Lavatürme, die mit satten Rottönen von Kolorist Dirk Schulz sehr stimmungsvoll umgesetzt wurde. Der Leser hat nun zwei Möglichkeiten, sich dieses Fantasy-Epos zu Gemüte zu führen. Neben der Alben-Ausgabe im Großformat und mit beiliegendem Kunstdruck gibt es eine preisgünstige Variante im Buchformat (genannt „SplitterBooks“), die den Inhalt von zwei Alben enthält. Beide Ausgaben enthalten als Bonus einen kleinen Anhang, der hinter die Kulissen des Projekts blicken lässt. Ein künstlerisches Meisterwerk, mit dem man Preise gewinnt, ist das sicher nicht. Wohl aber ein durch und durch solider, …

Lenore 1: Noogies

 Seine erste Lenore-Geschichte zeichnete Roman Dirge bereits im Jahr 1992, der vorliegende Sammelband erschien 1999 in den USA. Weitere zehn Jahre später liegen die Comics vom „süßen kleinen toten Mädchen“ auch auf Deutsch vor. Dies besorgt der kleine Verlag UBooks, der unkonventionelle Literatur verlegt, u.a. auch Vampir-Romane, Gothic-Bildbände und die norwegische Comicserie Nemi.

Frank 2

Das erste Heft der vierteiligen österreichischen Comicserie begann noch als grundsolider Noir-Krimi, nahm aber gegen Ende bereits eine Wendung hin zum Übernatürlichen. Dies setzt sich nun im zweiten Teil konsequent fort: Autor Christian Schreiner und Zeichner Erik R. Andara machen einen bewusst sperrigen Comic. In dieser Ausgabe gibt es verschiedene Erzähl-,  Zeit- und Realitätsebenen ebenso wie Anspielungen auf Western, südamerikanische Mythologie und Tausendundeine Nacht. Und Schmetterlinge, viele Schmetterlinge (die offensichtlich als wichtiges Symbol für irgendwas dienen sollen). Das schwarz-weiße Artwork von Erik R. Andara ist im Vergleich zur ersten Nummer noch stilsicherer und besser geworden. Es passt vorzüglich zum Inhalt, ist es doch genauso sperrig und anti-mainstreamig wie die Geschichte. Allerdings muss man sich als Leser schon arg anstrengen, um hier noch eine Geschichte zu erkennen. Der eigentliche Plot vom (zu Unrecht?) unter Mordverdacht stehenden Detektiv Frank kommt kaum voran, stattdessen sind Schreiner und Andara vor allem damit beschäftigt, eine verstörende, David-Lyncheske Atmosphäre aufzubauen. Frank steckt zweifellos voller interessanter Ideen – allerdings wäre weniger wohl mehr gewesen. Etwas weniger surreale Elemente zugunsten einer geradlinigeren Handlung …

Rotkäppchen

Dass man in alten Märchen und Sagen, zum Beispiel in den von den Gebrüdern Grimm überlieferten, jede Menge sexuelle Untertöne entdecken kann, ist keine ganz neue Erkenntnis. Ob diese nun bewusst oder unbewusst dort hineingelangten, man kann sie zweifellos finden. Wer heute die Grimm'schen Texte liest, braucht nicht besonders viel Fantasie, um sie als Sex-and-Crime-Geschichten zu interpretieren. Diesen Ansatz verfolgt Mart Klein in seiner Comic-Version von Rotkäppchen konsequent. Das Ergebnis ist eine mehr oder weniger pornographische Exploitation-Story.

Die Legende vom Changeling 1

 Mit dem englischen Wort „Changeling“ bezeichnet die europäische Mythologie ein sogenanntes Wechselbalg, ein Baby also, das den Eltern ohne deren Wissen untergeschoben wird, während Elfen oder Geister das eigentliche Kind rauben. Ein solcher Changeling ist auch der kleine Peter Jobson, auch Scrubby genannt, von dem Pierre Dubois und Xavier Fourquemin in ihrem Comic erzählen.

Comicgate gewinnt ICOM Independent-Comic-Preis

 Eine freudige Nachricht! Am Samstag wurde auf dem Münchner Comicfestival zum 16. Mal der ICOM Independent-Comic-Preis verliehen, der vom Interessenverband Comics vergeben wird. Wir hatten bei der Jury wie in den Vorjahren auch das aktuelle Comicgate-Magazin eingereicht und gewannen mit der dritten Ausgabe den Preis in der Kategorie Sonderpreis der Jury für eine besondere Leistung oder Publikation. Zitat: „[…] den Sonderpreis erhält Comicgate in erster Linie für seine Nachwuchsförderung.“
Wir sind überrascht, stolz und glücklich über diesen Preis, den wir auch als Anerkennung für die mittlerweile neunjährige Existenz unseres Online-Magazins verstehen und als Ansporn, dieses fortzusetzen. Vielen Dank – insbesondere an unsere Redakteure und alle teilnehmenden Künstler im Print und Web, ohne die wir die Comicgate-Magazine und die Website nicht mit Leben füllen könnten!

Hier die Laudatio der Jury im Wortlaut:

Comicgate auf dem Comicfestival München

 Von Donnerstag, dem 11. Juni bis Sonntag, dem 14. Juni, findet wieder das alle zwei Jahre veranstaltete Comicfestival in München statt, direkt im Herzen der Stadt: im alten Rathaus am Marienplatz (und ein paar anderen Locations in der Nähe). Seit dem vorletzten Festival 2005 ist eine Verlagsmesse das Herzstück der Veranstaltung, wo zahlreiche größere, kleinere und winzige Verlage ihre neuesten Comics vorstellen und ihre Zeichner signieren lassen. Dazu gibt’s Ausstellungen, Vorträge undsoweiter. Comicgate ist mit einem eigenen Stand auf der Messe vertreten und bringt druckfrisch das neue Comicgate-Magazin Nr. 4 mit. Außerdem berichten wir vom Festival und experimentieren dabei mit dem aktuellen Hype der Stunde: mit Twitter.

Violetta 3 & 4

 Die ersten beiden Alben der französichen Serie Violetta erschienen 2003 beim Carlsen Verlag, danach war erstmal Schluss, obwohl im Original inzwischen fünf Bände vorliegen. Ein Fall für den Finix Comic Club, der genau zu diesem Zweck gegründet wurde: Comicreihen, die in Deutschland nicht fortgeführt wurden, abzuschließen. Neben einigen ernsthafteren und „erwachseneren“ Stoffen, die Finix veröffentlicht, ist Violetta im Funny-Stil gehalten und richtet sich (auch) an jüngere Leser.