Autor: Thomas Kögel

Onkel Dagobert ist preiswürdig

Seit 2007 vergibt der Verein Wikimedia Deutschland, der die deutsche Version des Online-Lexikons Wikipedia betreibt, jedes Jahr die Zedler-Medaille für besonders gute neue Lexikonbeiträge. Letzten Freitag wurden die Medaillen in Frankfurt verliehen – der Preis für den besten Beitrag im Bereich Geisteswissenschaften ging an dabei an den Jurastudenten Tobias Lutzi, der den Wikipedia-Eintrag über Dagobert Duck verfasst hat. Natürlich nicht allein, schließlich ist Wikipedia ein kollaboratives Lexikon, an dem jeder mitschreiben kann. Wie man jedoch an der Versionsgeschichte des Artikels sehen kann, erstellte Lutz im Sommer 2010 eine vollständige Überarbeitung des Artikels, der seitdem wesentlich ausführlicher und mit umfangreichen Belegen versehen ist. Der Preis ist mit 2.000 Euro dotiert, was Onkel Dagobert bestimmt gefreut hätte. Ebenfalls von Tobias Lutz stammt der Eintrag über Don Rosa, der neben Carl Barks wohl am meisten Einfluss auf die Figur des Onkel Dagobrt hatte und hat. Dieser gehört schon seit Herbst 2009 zur Liste der „Exzellenten Artikel“ der Wikipedia.

Angoulême 2011: Ulli Lust ist nominiert!

Das Comicfestival von Angoulême, das mit seinen Prix Palmares die wohl renommiertesten Comicpreise des europäischen Raums vergibt, hat heute seine „Sélection Officielle“ vorgestellt. Aus einer Sammlung von 58 Comictiteln des letzten Jahres wird die Jury jene Comics ermitteln, die im Januar 2011 den begehrten Preis bekommen werden. Geleitet wird die Jury vom Preisträger des Grand Prix des Vorjahres, dem Künstler Baru. Aus deutscher (und selbstverständlich auch aus österreichischer) Sicht besonders erfreulich: Unter den Nominierten ist auch Trop n’est pas assez, die französische Version von Ulli Lusts Graphic Novel Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens. Dieser Comic räumte schon in der Heimat sowohl den ICOM Independent-Preis als auch einen Max-und-Moritz-Preis ab Die wörtliche Übersetzung des französischen Titels lautet „Zuviel ist nicht genug“. Vielleicht gilt das ja auch für Preise? Wir drücken jedenfalls die Daumen! Unter den nominierten Comics sind ansonsten nur ganz wenige Titel, die in Deutschland bereits auf dem Markt sind: Logicomix von Apostolos Doxiadis, Christos Papadimitriou, Alecos Papadatos und Annie di Donna (Atrium), Les Noceurs von Brecht Evens (Am falschen Ort, Reprodukt), …

Infohäppchen aus Hollywood

Die nächsten Comicverfilmungen werfen ihre Schatten voraus. In den letzten Tagen schwirrten unter anderem folgende Nichtig- und Neuigkeiten durchs Internet: Grüner wird’s nicht Letzte Nacht veröffentlichte Warner Brothers den ersten Trailer zum großen DC-Superheldenfilm des kommenden Sommers: Green Lantern unter der Regie von Martin Campbell (Casino Royale) wird in den USA am 17. Juni 2011 starten. Den Trailer gibt es bei apple.com zu sehen. Sagen wir mal so: für Leute, die keine Filme mit viel CGI-Effekten mögen, ist das nichts. Wolverine bekommt einen Artikel Der nächste Wolverine-Film wird nicht X-Men Origins: Wolverine 2 heißen, sondern The Wolverine. Das berichtet hitfix.com. Möglicherweise will man sich damit vom Vorgängerfilm abgrenzen, der ja nicht gerade das Gelbe vom Ei war. Regie wird übrigens Darren Aronofsky (The Wrestler) führen, was schonmal eine sehr interessante Wahl ist. Echtes Popcornkino hat dieser, eher dem Indie- und Kunstkino zugewandte Filmemacher bisher nicht gemacht.   Christopher Nolan über seinen dritten Batman Regisseur Christopher Nolan hat der Los Angeles Times ein Interview gegeben, in dem er über seinen dritten und letzten Batman-Film spricht. Der Titel wird …

Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt

 Eins gleich vorweg: sorry, das wird keine ausgewogene Filmkritik. Ich bin Fan der·Scott Pilgrim-Comics von Bryan Lee O’Malley, seit ich im Jahr 2004 den ersten Band gelesen habe, das komplette 6-bändige Epos habe ich inzwischen mehrfach gelesen. Normalerweise verspürt man, wenn man eine Vorlage sehr, sehr gerne mag, bei einer Verfilmung eher Angst als Vorfreude. Das gilt nicht bei diesem Film, denn ich bin auch Fan von Regisseur Edgar Wright, der zuvor Shaun of the Dead und·Hot Fuzz gemacht hat. Dass ihm dieses Projekt anvertraut wurde, erschien mir von Anfang an völlig richtig und schlüssig. Und tatsächlich: Er hat die Erwartungen nicht enttäuscht.


Die Toten 1

 Die lebenden Toten, besser bekannt als „Zombies“, sind zur Zeit ein höchst populäres Thema, mit dem sich etliche Comicserien befassen. Dass die fleischhungrigen Wesen mit dem ungesunden Teint auch auf deutschem Boden ihr Unwesen treiben, ist allerdings neu. Eine massive Zombie-Epidemie sähe hierzulande sicher anders aus als etwa in den USA, zum Beispiel weil bei uns viel weniger Menschen eine Schusswaffe im Kofferraum oder im Nachttisch liegen haben. 

Sky Doll Lacrima Christi Collection

Dieses Album ist nach der Spaceship Collection bereits der zweite Band mit Kurzgeschichten aus dem Sky Doll-Universum von Alessandro Barbucci und Barbara Canepa. Wie beim Vorgänger handelt es sich auch hier um sechs Kurzgeschichten von jeweils acht Seiten Länge, geschrieben von den beiden Sky-Doll-Schöpfern und gezeichnet von hochkarätigen Zeichnern aus fünf verschiedenen Ländern (darunter u.a. der Chinese Benjamin, der Serbe Gradimir Smudja und der Franzose Mikael Borgouin). Im Mittelpunkt aller Geschichten stehen diesmal die beiden Päpstinnen Ludowika und Agape, die in der eigentlichen Serie einen erbitterten Konkurrenzkampf austragen. Die kurzen Episoden sind inhaltlich zum Teil ziemlich krude und verwirrend – selbst wenn man mit Sky Doll vertraut ist, blickt man manchmal nur schwer durch. Wer die Hauptserie dagegen nicht kennt, wird vermutlich erst recht keine Chance haben, diese Stories zu verstehen. Rein äußerlich sind die Beiträge eine Augenweide. Der spezielle Sky Doll-Mix aus religiöser Ikonographie, futuristischer Science-Fiction und einer großen Portion Erotik scheint für die beteiligten Zeichner sehr anregend zu sein. Die Lacrima Christi Collection bietet pures Eye Candy, nicht nur in den Kurzgeschichten, sondern …

Die Korsaren der Alkibiades 1 – Geheime Eliten

 Die große Kunst bei der Schaffung von Comics liegt darin, Lücken zu füllen. Und damit sind die Lücken zwischen den Bildern gemeint. Erst durch den Lesefluss des Betrachters werden die Bilder inhaltlich miteinander verknüpft und im Kopf des Lesers entsteht nicht nur eine zusammenhängende Story, sondern auch eine Dynamik, die im Kopf einen Film ablaufen lässt. Die Kunst der Schöpfer besteht unter anderem darin, Story und Dynamik adäquat zu gliedern. Warum diese allgemeine These, die eher zu einer theoretischen Abhandlung zu Comics gehört, hier in einer Rezension steht? Weil diese Lücken im ersten Band der Reihe  Die Korsaren der Alkibiades einen Tick zu groß geworden sind. Es holpert und stolpert an allen Ecken und Enden, wie eine Dampflok, die zu wenig Holz als Antrieb zu fressen bekommt.

Die Herberge am Ende der Welt

 Betrachtet man das ziemlich nichtssagende Cover, weiß man zunächst gar nicht, was einen erwarten mag. Die etwas altertümlich gekleidete junge Frau deutet auf eine historische Geschichte. Und da eine junge Frau das Cover beherrscht, liegt der Schluss nahe, dass auch Liebe eine nicht unerhebliche Rolle spielen wird. Nur was macht die Eule da?

Comicmovie Datenbank: Adèle und das Geheimnis des Pharaos

 34 Jahre nach Erscheinen des ersten Albums von Jacques Tardis Comicreihe Adeles ungewöhnliche Abenteuer, die hierzulande leider längst nicht so populär ist wie in Frankreich, läuft nun der Film Adèle und das Geheimnis des Pharaos in den Kinos. Für Drehbuch und Regie ist Luc Besson (Léon der Profi, Das fünfte Element) verantwortlich, der damit nach längerer Pause wieder als Spielfilmregisseur zurückkehrt.

Wir besprechen den Film in unserer Comicmovie Datenbank.

Marvel Noir – Daredevil

 Seit einiger Zeit produziert Marvel Comics diverse Miniserien, in denen die bekanntesten Figuren des Verlags, wie Spider-Man oder Wolverine, in ein alternatives Setting versetzt werden. Hier sind sie keine Superhelden oder Mutanten, sondern Charaktere in Noir-Krimis, die die klassischen Zutaten der schwarzen Serie enthalten: düstere, dreckige Städte, gebrochene Helden, undurchschaubare Frauen und Verbrecher, die dem Gesetz immer einen Schritt voraus zu sein scheinen.