Alle Artikel in: Rezensionen

In dieser Rubrik finden sich alle Arten von Comic-Besprechungen, von den Kurzrezensionen im „Kri-Ticker“ bis hin zu ausführlicheren Einzelvorstellungen bestimmter Titel.

Vampire 1 & 2

 Im Jahr 2006 entstand in Frankreich Sable Noir, ein gemeinsames Projekt des Buchverlags J'ai Lu, der Spartensender Jimmy und CinéCinéma und der Produktionsfirma Cartel. Eine Reihe von Schriftstellern wurde beauftragt, kurze Horror- oder Mystery-Geschichten zu schreiben, die alle in dem kleinen Dorf Sable Noir spielen sollten, welches einmal im Jahr von einem bösen Fluch belegt wird. Diese Novellen wurden als Buch veröffentlicht und parallel als Miniserie fürs Fernsehen umgesetzt. Das Experiment war erfolgreich, ein paar Jahre später kam die Fortsetzung Vampyres: Sable Noir, bei der Vampire eine tragende Rolle spielen sollten. Diesmal nahm man als drittes Medium den Comic mit ins Boot: Die sechs Vampir-Novellen wurden nicht nur als halbstündige Filme fürs Fernsehen, sondern auch als 24-seitige Comics umgesetzt.

7 Jahre mit Garg

 Garg, das ist ein kleines, hellbläuliches Monster-Mädchen. Es wohnt beim erfolglosen Schriftsteller Benni, der Garg irgendwann einfach vor seiner Haustür fand. Das Zusammenleben des bücherverschlingenden, abenteuerlustigen Wesens mit seinem inoffiziellen Adoptivpapa schildert das kreative Duo ASP (dahinter verbirgt sich Alexander F. Spreng, Autor und Sänger der gleichnamigen Gothic-Band) und Ingo Römling, der als Zeichner auch unter der Pseudonym „monozelle“ unterwegs ist (Übrigens ist das nicht das erste Comicprojekt der beiden, denn 2006 erschien bereits ihre Kollaboration Varieté Obscur als Printcomic).

Mouse Guard – Winter 1152

 Kaum ist der stürmische Herbst vorbei, hat auch bereits der harte Winter die Mäuseterritorien fest im Griff. Völlig eingeschneit und ohne ausreichend Nahrung und Medikamente entsendet das Städtchen Lockhaven fünf unerschrockene Mitglieder der Mäusewache aus. Auf ihrem Weg zu nahegelegenen Mäusestädten ist die eisige Kälte jedoch nicht die einzige Gefahr …

Batman – Was wurde aus dem Dunklen Ritter?

Batman ist tot, lang lebe Batman! Mit dem Sammelband Batman – Was wurde aus dem Dunklen Ritter? schlägt Panini zwei Fliegen mit einer Klappe. Primo: Die erste Episode im Band ist zugleich die längste. Auf 60 Seiten breitet sich da Batman: Whatever Happened to the Caped Crusader? aus, eine Zäsur im Batman-Universum; das US-Original erschien im April 2009, die Beerdigung des Fledermaus-Helden, stilecht mit Kostüm und Sarg auf einer Doppelseite. Ähnliches kannte man bereits von Superman, wohl wissend, dass zugkräftige Flagschiffe der Verlage niemals wirklich sterben, sondern immer wieder aus der Asche neugeboren werden. Kubert zeichnet wie ein junger Gott, und Gaiman hebt an zu einer reflektierten, metaphysischen Betrachtung, ohne den Leser allzu sehr mit Prügeleien oder anderen banalen Ereignissen zu belästigen. Manch einem könnte das zu abgehoben sein. Secundo: Der Sammelband enthält noch vier weitere, wesentlich kürzere und ältere Batman-Stories von Gaiman, A Black and White World (1996), Pavane (1989), Original Sins (1989), When is a Door not a Door? (1989), alle ganz gut zu lesen, alle mehr als gewalttätige Ereignisketten, sondern oft interessante …

Carthago 2 – Die Challenger-Tiefe

 Die Natur schlägt zurück! Zumindest in Christophe Becs und Eric Henninots zweitem Teil der sechsteiligen Serie Carthago. In „Die Challenger-Tiefe“ bieten die beiden erneut eine konfuse Mischung aus Mystery, Öko-Thriller und Science-Fiction. Wie in Becs anderen Splitter-Arbeiten (Prometheus, Heiligtum) verknüpft der Autor eine Blockbuster-Ästhetik mit einer rasant erzählten Geschichte, die durch Zeit- und Ortssprünge gekennzeichnet ist. Bereits der Auftaktband von Carthago hatte enttäuscht und konnte dem wenig hinzufügen.

Der Geschmack von Chlor

 26 Jahre ist der Franzose Bastien Vivès erst alt, hat aber bereits etliche eigene Comics veröffentlicht. Einer davon, Le Goût du chlore, bekam 2009 beim Festival von Angoulême den Prix Révélation als bestes Werk eines Nachwuchskünstlers. Bei Reprodukt erscheint mit diesem Buch nun erstmals ein Comic von Vivès auf Deutsch. Sehr viel Übersetzungsarbeit musste der Verlag hier nicht investieren, denn mit Dialogen hält sich der Künstler sehr zurück.

Die Packard Gang

 Der Münchner Verlag Schreiber & Leser veröffenlicht thematisch düstere Comics seit Neuestem unter einem eigenen Noir-Label. Allerdings nicht im Albenformat, sondern als kleinformatige Bücher, ähnlich den Splitter Books oder den Comics der Graphic-Novel-Schiene von Carlsen. Einer von drei Bänden, die hierfür den Anfang bilden, ist der hervorragende französische Comic Die Packard Gang.

Prince of Persia – Vor dem Sandsturm

Im Zuge der Verfilmung des Videospielklassikers Prince of Persia erschien unlängst der begleitende Comicband „Vor dem Sandsturm“, der laut Cover die Vorgeschichte zum Kino-Hit enthalten soll (was so viel bedeutet wie: irgendwas zwischen „wichtige Ergänzung“ und „billige Abzocke“). Zudem ist der Comic logischerweise ein Disney-Produkt; und zwar eines, das mit der Beteiligung von Spawn-Schöpfer Todd McFarlane wirbt. Grund genug also, dieser Publikation eine Chance zu geben und unvoreingenommen an die Sache zu gehen (dazu muss ich sagen, dass ich den Film bislang noch nicht kenne). Ungewöhnlich ist der Comic sicherlich deswegen, weil die eigentliche Hauptfigur, der von Jake Gyllenhall verkörperte Dastan – Prinz von Persien -, nicht sonderlich oft auftaucht. Eingeteilt in kurzen Episoden, die aus der Sicht alter Weggefährten oder ehemaliger Bekanntschaften Dastans geschildert werden, hangelt sich der Hauptplot nur sehr müde voran. Von einer wirklichen Vorgeschichte würde ich in diesem Zusammenhang jedenfalls nicht sprechen, auch wenn der Sand der Zeit thematisiert wird. Die Arbeit von Todd McFarlane beschränkt sich gerade mal auf eine lustlos wirkende Coverzeichnung. „Vor dem Sandsturm“ beinhaltet ein paar seichte …