Rezensionen

Carthago 2 – Die Challenger-Tiefe


Cover von Carthago 2Die Natur schlägt zurück! Zumindest in Christophe Becs und Eric Henninots zweitem Teil der sechsteiligen Serie Carthago. In „Die Challenger-Tiefe“ bieten die beiden erneut eine konfuse Mischung aus Mystery, Öko-Thriller und Science-Fiction. Wie in Becs anderen Splitter-Arbeiten (Prometheus, Heiligtum) verknüpft der Autor eine Blockbuster-Ästhetik mit einer rasant erzählten Geschichte, die durch Zeit- und Ortssprünge gekennzeichnet ist. Bereits der Auftaktband von Carthago hatte enttäuscht und konnte dem wenig hinzufügen.

Anstatt ein wenig Klarheit in die Handlung zu bringen, überfordert Bec den Leser zu Beginn von „Die Challenger-Tiefe“, indem er noch einmal neue Zeit- und Ortsebenen einführt. Auch ein weiterer furchteinflößender prähistorischer Meeresriese wird präsentiert. Wozu – das wird nicht verraten. Sicherlich ging es Bec eher um die effektvolle Inszenierung eines Unterseeboots im Zweiten Weltkrieg, das von einem Kronosaurus Queenslandicus – einer Kreuzung aus Krokokil und Walfisch – angegriffen wird.

Dann folgt ein Sprung nach Tibet von 1987, wo ein prähistorischer Riesenaffe Jagd auf den mysteriöser Drahtzieher, den Bec im ersten Band eingeführt hatte, macht. Wissenschaftler debattieren im Hier und Heute über das rätselhafte globale Stranden von Walen, die nicht mehr ins Wasser zurück wollen; und da die Tochter von Melville durch den vermögenden Mysteriösen, der sich als „Hundertjähriger aus den Karpaten“ ausgibt, entführt wurde, wird sie gezwungen, für diesen zu arbeiten.

Dieser Karpate entpuppt sich als Wolfgang Feiersinger und ähnelt dem faustschen Wissenschaftlertyp aus zahlreichen Jules-Verne-Romanen. Nicht ohne Zufall kommt da einem Das Karpatenschloss in den Sinn. Ansonsten erinnert Feiersinger auch stark an Kapitän Nemo aus Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer. Und tatsächlich hat sich der „Hundertjährige“ ähnlich wie Nemo mit seiner Nautilus ein technisches Wunderfahrzeug geschaffen: Die Leviathan. Der Name des Unterseeboots verweist auf die jüdisch-christliche Mythologie, in der ein Seeungeheuer beschrieben ist, das einem Krokodil, einer Schlange oder einem Drachen ähnelt. Wie die Nautilus beherbergt auch die Leviathan eine umfangreiche und geräumige Bibliothek mit Jalousien-artigen Fenstern, die den Blick auf die Unterwasserwelt freigeben können. Freisinger hat sich wie Nemo von der Welt unabhängig gemacht. Was sich Bec hätte sparen können, ist die Andeutung der leichten Frauen an Bord der Leviathan.

Der Gipfel der Verwirrung ist schließlich gegen Ende von „Die Challenger-Tiefe“ erreicht, als plötzlich auch noch von Atlantis die Rede ist. Es ist ja nicht so, dass die mythologischen Versatzstücke uninteressant wären, nein, ganz im Gegenteil. Der Ausflug zu Platons Schilderung der versunkenen Stadt, die einst von den Griechen bekämpft wurde hat durchaus seinen Reiz. Aber worauf das Ganze hinaus will, bleibt schleierhaft und ist in der Summe mit den vielen Handlungssträngen und Schauplätzen einfach zu viel des Guten.

Beispielseite aus Carthago 2Zu Henninots Zeichnungen kann man dagegen nichts Negatives sagen. Im Gegensatz zu Bec, der ja auch zeichnet, findet man bei ihm keinen starren, hölzern wirkenden Zeichenstil. Klar, auch Henninot legt viel Wert auf auf eine möglichst realistische Ästhetik, aber ihm gelingt es noch, durch Mimik und Gestik Leben in die Figuren zu hauchen. Die Zeichnungen werden durch eine flächige Kolorierung ergänzt, die schlicht, klar und angenehm wirkt.

Das übergeordnete Thema von Carthago ist die Rache der Natur an der Menschheit. Das typische Motiv aus der Science-Fiction oder aus dem Kino (z.B. Der weiße Hai) wird mit mythologischen und wissenschaftlichen Aspekten ergänzt, et voilà – heraus kommt ein Blockbuster à la Roland Emmerich oder Steven Spielberg in Comicversion.

Carthago 2 – Die Challenger-Tiefe
Splitter, Juli 2010
Text: Christophe Bec
Zeichnungen: Eric Henninot
Hardcover, 56 Seiten, farbig; 13,80 Euro
ISBN: 9783868691016

Das war nix

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Abbildungen © Eric Henninot, der dt. Ausgabe Splitter

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