Rezensionen

Süße Versuchung

Cover Süße VersuchungDas Cover dieses Comics ist bereits eine Zusammenfassung dessen, was man inhaltlich erwarten kann: Zusammen mit dem Titel ist dieses junge hübsche Mädchen mit seinen Rehaugen wahrlich eine süße Versuchung, ohne anrüchig zu erscheinen. Vielmehr liegt hier schon eine Kombination aus Unwissenheit um die eigenen Reize und einem Hauch von Berechnung vor, welche auch die Geschichte von Autor Jim (Sonnenfinsternis, Die Einladung, Eine Nacht in Rom) und Zeichner Grelin definiert.

Calista ist eine junge Studentin, die ihren Lebensunterhalt nebenbei als Verkäuferin und als Babysitterin verdient. Ihre Freundin Anna ist sehr extrovertiert und als sie einmal Calista unerwartet bei ihrem Babysitter-Job besucht, ist sie beeindruckt von der Wohnung der auftraggebenden Eltern. Beide Frauen entwickeln einen Plan: die Ehefrau zu verdrängen, sich den Mann zu angeln und sich in das gemachte Nest zu setzen. Zudem schließen sie eine Wette ab, wer von ihnen den Mann als erste verführt.

Seite aus Süße VersuchungSo wie das Cover, das fasziniert ohne sonderlich spektakulär zu sein, bannen einen als erstes die Zeichnungen, die sehr glatt und gefällig, aber gleichzeitig sehr charmant und sexy sind und einen gewissen Einfluss von Mangas erkennen lassen, ohne sich deren typischen Stils zu bedienen. Jedenfalls sorgen die graphischen Elemente für Leichtigkeit und Witz, der allerdings durch den Ton und die Handlung konterkariert wird. Es geht hier insgesamt um den Widerspruch zwischen Schein und Sein: um das hübsche, glatte Äußere von Körper und Gesicht sowie die Fassade, die man anderen gegenüber aufbaut. Das machen die Zeichnungen ebenso wie die Story, denn diese hat es in sich.

Alles wirkt graphisch leicht – wie in der Story das Leben der Figuren – und ist es doch nicht, da alle Taten Konsequenzen haben und das Spiel mit Gefühlen gefährlich werden kann. Es ist schon sehr geschickt, wie der Leser und die Figuren hintertrieben werden. Die Erotik ist dabei zart und dezent, aber in ihrer Realitätsnähe sehr wirksam. Ebenso kann hier auf physische Gewalt verzichtet werden; es gibt keinen Showdown im klassischen Sinne. Es geht hier nicht um Thriller und Krimielemente, sondern um ein Drama.

Auch wenn der Beginn (Babysitterin will Vater verführen) recht klischeehaft wirkt, ist Süße Versuchung auch eine Reflektion über das „sich jung fühlen“, jung sein und wie sich die Figuren gegenseitig spiegeln – denn die einen wollen nicht nur das haben, was der andere materiell besitzt, sondern die Älteren wollen eben auch das biologische Alter bzw. die Unbekümmertheit der Jugend wieder haben. Im Grunde begehren also alle das, was jeweils die anderen haben und wissen nicht zu schätzen, was sie schon besitzen und erlangt haben. Und das kann nicht gut ausgehen. Jedenfalls für die Figuren, für die Leser allerdings schon, wenn sie diesen Band lesen.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Auf den ersten Blick ein harmloses Drama, was es aber in sich hat.

 

Süße Versuchung
Splitter Verlag, August 2014
Text: Jim 
Zeichnungen: Grelin
Übersetzung: Resel Rebiersch
160 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 22,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-756-8
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

 

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