Rezensionen

Prometheus 2 – Blue Beam Project

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Cover von Prometheus 2Christophe Bec macht in seiner Fortsetzung von Prometheus genau da weiter, wo er im Auftaktband „Atlantis“ (Rezension) aufgehört hatte. So vermischt der Autor auch in „Blue Beam Project“ Versatzstücke aus der griechischen Mythologie – der Titel verrät es bereits – mit einer kinoverdächtigen Blockbusterästhetik zu einer reißerischen Endzeit-Science-Fiction. Wer sich bei der Lektüre der Serie unweigerlich an die Filme von Roland Emmerich (Independence Day, 2012) oder James Cameron (Titanic) erinnert fühlt, hat die „Vor-Bilder“ der Serie bereits entlarvt.

Die mysteriösen Ereignisse des ersten Bandes verdichten und wiederholen sich: Erst stürzen sämtliche Flugzeuge – natürlich um 13.13 Uhr – und am darauffolgenden Tag sämtliche Satelliten vom Himmel auf die Erde. Im Fernsehen geben dazu der obligatorische Flugzeugexperte und ein Verschwörungstheoretiker ihren Senf ab. So bietet Bec einen Komplott der NASA an, die mittels High-Tech die Welt in vier Phasen kulturell, politisch und sozial auf den Kopf stellen will. Dafür planen die Verschwörer im „Blue Beam Project“ durch Hologramme und Spezialeffekte unter anderem eine Invasion von Außerirdischen zu simulieren.

Weshalb die Nachrichtensprecherin sich unterdessen trotz Wirtschaftskrise von ihrem spießigen Assistentinnen-Look verabschieden will und zur neuen „Miss Nachrichten“ aufsteigen will, kapiert wahrscheinlich nicht mal Bec selbst. Oder was soll das mit den Außerirdischen, die der Menschheit unter Wasser und im Orbit inzwischen bedrohlich auf den Pelz zu rücken beginnen, zu tun haben? Auch die Verbindung zum Prometheus-Mythos bleibt im zweiten Band lediglich auf eine Andeutung (Gemälde und Skulptur) im Weißen Haus beschränkt.

Mit der Offenbarung, dass auf dem Mond eine außerirdische Kultur gelebt hat und nun unmittelbar vor einer Invasion steht, bedient sich Bec darüber hinaus auch noch freizügig in der klassischen Science-Fiction-Literatur und rührt das Ganze zu einem effektheischenden Brei. So stand der Ahnherr der modernen Science-Fiction H.G. Wells mit seinen Klassikern Die ersten Menschen auf dem Mond und Krieg der Welten Pate für die Ereignisse aus „Blue Beam Project“. Genau wie im ersten Band jagt Bec auch in diesem zweiten Band von einem Schauplatz zum nächsten, nur um einer der zahlreichen, oberflächlich skizzierten Figuren kurz über die Schulter zu schauen.

Beispielseite aus Prometheus 2Die starr wirkenden fotorealistischen Zeichnungen, dynamischen Schnitte und bombastischen Panels unterstreichen die fehlende Tiefe der Story nur noch mehr. Der Größenwahn des Autors ist jedenfalls dann erreicht, wenn er sich selbst zu loben beginnt: „Unglaublich. James Cameron kann einpacken“, stellt ein Namenloser bei der Untersuchung der Titanic fest. Ohne den Regisseur verteidigen oder auf den Vergleich eingehen zu wollen, klingt das doch recht anmaßend. Bleibt nur die vage Hoffnung, dass Bec das nicht ernst gemeint hat.

Bec konnte mit seinem zweiten Band dieser Trilogie im Vergleich zum Auftakt keinen Platz gut machen. Oder man liest das anders: Bec will mit seiner Story den Leser genauso täuschen wie die NASA die Menschheit und das nur, um neue Werte zu schaffen. Die Erschütterung bestehender wissenschaftlicher Erkenntnisse scheint sich jedenfalls wie ein roter Faden durch Becs Werk zu ziehen – so weist ebenfalls der Science-Fiction-Blockbuster um einen urzeitlichen Riesenhai Carthago (auch Splitter) die gleichen Zutaten auf. In diesem Fall bliebe Bec seiner Leserschaft noch schuldig, welche Weltanschauung oder Werte das sein sollen.

 

Prometheus 2 – Blue Beam Project
Splitter, März 2010
Text und Zeichnungen: Christophe Bec
Hardcover, 48 Seiten, farbig; 13,80€
ISBN: 978-3868690842 

Leseprobe auf der Verlagsseite
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Abbildungen ©Splitter Verlag