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Die Toten und ich 1: Das Konzept

 

So macht man einen Comic – Werkstattbericht: Die Toten und ich

 

So entsteht ein Comic – Werkstattbericht

Teil 1: Psst! Willst Du einen Zombie-Comic schreiben? / Das Konzept

Christopher Bünte, Autor von 'Kleiner Vogel Rot'Anno 2009. Comicfestival München. Wir befinden uns auf der Release-Party von Kleiner Vogel Rot. Ich bin irgendwie zu platt oder zu erkältet oder beides, um ordentlich feiern zu können. Deshalb halte ich mich von lauter Musik und dem schattigen Garten im Hinterhof fern. Stattdessen sitze ich bei Véros Mappe mit den Originalseiten, passe am Verkaufstisch auf, trinke Coke und versuche, die Feier irgendwie auf ruhigem Wege zu genießen. Ab und zu verkaufe ich einen Band. Hin und wieder kommt jemand und wir plaudern. Der Tag klingt aus.

Einer, der auch vorbeischaut, ist Stefan Dinter. Ihm ist es maßgeblich zu verdanken, dass Véro und ich unser Debüt beim Zwerchfell Verlag herausbringen konnten. Er nähert sich im Plauderton, doch er ist nicht nur zum Plaudern gekommen. Ich bin etwas eingelullt, der Tag war lang. Ich höre schlecht zu und beschäftige mich heimlich die ganze Zeit mit der Frage, wann ich aufbrechen und ins Bett verschwinden kann. Viel geht heute nicht mehr, soviel ist klar.

Dann zieht Stefan mich zur Seite – wie dieser Typ aus der Sesamstraße, obwohl er keinen Trenchcoat trägt. Statt „Psst! Willst Du ein E kaufen?“ fragt er mich: „Psst! Willst Du einen Zombie-Comic schreiben?“ Die Verbindung der Worte Zombie und Comic übt eine magische Anziehungskraft auf mich aus. Stefan hat das wahrscheinlich geahnt. Ich kann mal wieder nicht Nein sagen.  Die Monate verstreichen.

Ausschnitt aus dem Konzept zur Comicserie 'Die Toten'Das Comicfestival München ist zu Ende, ich bin auf Sommerarbeit unterwegs. Irgendwann trudelt eine E-Mail ein. Ich glaube, sie kommt von Piwi, dem zweiten Kopf der Zwerchfell-Doppelspitze. Im Attachement: Das Konzept für die neue Zwerchfell-Serie Die Toten. Die Grundidee: Zombies in Deutschland, in kurzen Episoden erzählt. Stefan und Piwi haben ihre Idee unter Comic-Leute getragen, und das Feedback war gut. Die E-Mail ging an eine Gruppe von Schreiber- und Zeichnerlingen, die Interesse geäußert haben und jetzt bei Die Toten mitmachen möchten. Wir sind der erste Kern, der innere Zirkel des geplanten Projekts. Ich finde eine Mischung aus alten Hasen und Grünschnäbeln im Adresskopf der Rundmail. Ich gehöre zu Letzteren und fühle mich geehrt, dabei zu sein. Die Spannung steigt, als ich das angehängte PDF anklicke.

Ausschnitt aus dem Konzept zur Comicserie 'Die Toten' Das Konzept umfasst elf Seiten, wenig Bilder, hauptsächlich Text, der dem geplanten Projekt eine Form geben soll. Stefan und Piwi haben es verfasst, zwecks Orientierung für das Team von Die Toten. Denn ein paar Fragen müssen im Vorfeld geklärt sein:

Sind die Zombies schnell oder langsam? Wie lange dauert es, bis ein Toter wieder aufsteht? Wie schnell geht es mit der Zivilisation den Bach runter? Welche Teile des Landes sind als erstes betroffen? Neben solch inhaltlichen Dingen gibt es Formales: Welche Seitenanzahl soll jede Episode haben? Welches Format? Schwarz-weiß oder Farbe? Erscheinungsweise? Und – im Falle eines finanziellen Erfolges (denn alle Beteiligten machen von Anfang an aus Spaß mit und arbeiten ohne Bezahlung) – wie werden die Kröten verteilt?

Das Konzept wurde mit der Bitte um Feedback verschickt. Beim Lesen fängt es an, in meinem Kopf zu rattern. Ein seltsames Gefühl. Erste Bilder tauchen auf und verschwinden wieder. Ja, ich bin dabei, es kann losgehen!

 

Christopher Bünte ist in Sachen Comics nicht nur als Redakteur bei Comicgate und fudder.de tätig – er schreibt auch selber welche, wie er bereits mit Kleiner Vogel Rot (gezeichnet von Véro), veröffentlicht vom Zwerchfell Verlag, gezeigt hat.

Im selben Verlag erscheint die Zombieserie Die Toten, von der bald die dritte Ausgabe erscheint. In jedem Band sind von unterschiedlichen Autoren und Zeichnern drei Geschichten enthalten, die in verschiedenen deutschen Städten spielen.

Christopher ist momentan für zwei Beiträge als Autor eingeplant. Anhand dieser Beispiele erzählt er, wie so ein Comic überhaupt entsteht – vom eigentlichen Konzept über Ideen und die Zusammenarbeit mit den Zeichnern bis hin zu den fertigen Seiten. Natürlich ist die von ihm beschriebene Herangehensweise nur eine von vielen möglichen.

Tramp 9 – Das Gold des Chinesen

Bei einer Schatzsuche muss man unweigerlich an Piraten oder eine Insel denken. Nicht so im Fall des neuesten Tramp-Abenteuers. Hier spielt sich die Jagd nach dem heiß begehrtem Edelmetall vor einer exotischen Geschichtskulisse ab.

Es gibt inzwischen drei abgeschlossene Zyklen von Tramp. Der erste Zyklus (vier Bände) ist seinerzeit bei Carlsen und Phoenix erschienen, der zweite (zwei Bände) und dritte Zyklus (drei Bände) werden von comicplus+ verlegt. Nach „Der Geist des Vaters“ und „Schmutziger Krieg“ geht Tramp mit „Das Gold des Chinesen“ in die neunte Runde.

Ernest und Antoine Durand, beides Polizisten, gehen davon aus, dass sich Hatu auf der Plantage von Arnaud de Frontessac verbirgt. Die einstige Mätresse von Pierre-Yves Calec soll den Weg und den Ort eines Versteckes kennen, wo sich ein Goldschatz befindet. Die skrupellosen Durands, die sich mit dem Gold absetzen wollen, suchen die Plantage auf. Dort überraschen sie Kapitän Calec, der kurz zuvor in Erfahrung gebracht hat, welches Schicksal seinem Vater Pierre-Yves widerfahren ist. Calec gerät immer stärker in den Sog der Ereignisse um das Gold des Chinesen.

Jean Charles Kraehn inszeniert eine Geschichtsstunde auf unterhaltsame Weise: Vor einem politisch-historischen Hintergrund – Indochina zu Beginn der Fünfziger – entwirft der Autor eine Schatzsuche. Er meistert dabei den Grat zwischen historischer Authentizität und fiktionaler Stilsierung gekonnt. Der dritte Zyklus schließt damit den Rückblick auf die letzten Jahre von Calecs Vater, einer örtlichen Berühmtheit, dessen Leben zum großen Teil im Verborgenen blieb. Im grafischen Retro-Stil – braun, weiß und schwarz – blenden die Autoren immer wieder gekonnt zurück auf die Vergangenheit Pierre-Yves‘.

Patrick Juseaume, der neben Band 8 „Schmutziger Krieg“ gleichzeitig auch beim comicplus+-Titel Die Hüter des Blutes mitgewirkt hat, zeichnet die Abenteuergeschichte in einem klassisch franko-belgischen Strich. Die Bilder sind detailliert und flächig koloriert. Die Atmosphäre der komplexen Geschichte wird ansprechend bebildert.

Tramp ist ein grundsolider Abenteuer-Thriller, der gründlich recherchiert und stimmungsvoll illustriert wurde. Allerdings konnte ich nur schwer in die komplexe Geschichte von „Das Gold des Chinesen“ eintauchen. Vorwissen – zumindest aus den beiden Bänden des dritten Zyklus – ist daher zwingend ratsam.


Wertung
7 von 10 Punkte

Solide Zeichnungen und komplexe Schatzsuche vor historischer Kulisse


Tramp 9 – Das Gold des Chinesen
comicplus+, Juni 2010
Text: Jean-Charles Kraehn
Zeichnungen: Patrick Juseaume
48 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 13 Euro
ISBN: 978-3894742027

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: comicplus+

Teaservideos zu Thor und Captain America vom Superbowl

Beim gestrigen Superbowl-Event wurden jede Menge neuer Werbespots präsentiert, darunter zwei Teaservideos zu Comicverfilmungen: Thor und Captain America – The First Avenger. Thor startet in den USA am 06.05.2011 (Deutschland früher: 28.04.2011), Captain America am 22.07.2011 (Deutschland: 18.08.2011).

Während ich mir momentan unter Thor zumindest kurzweilige oberflächliche Unterhaltung ausmale (außerdem führt Kenneth Branagh Regie und der Darsteller ist recht ansprechend :), spricht mich beim glattgespülten Captain America gerade so gar nix an. Bin ich die Einzige, der es so geht?

 

Teaservideo zu Thor vom Superbowl 2011:

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Teaservideo zu Captain America vom Superbowl 2011:

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Weitere Superbowl-Spots zu kommenden Kinofilmen bei Yahoo Movies.

 

Und zum Schluss noch der bereits bekannte Trailer zu Thor:

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Leo Roa

Der Splitter Verlag setzt seine gelungene Veröffentlichungspolitik fort, indem er die beiden Abenteuer des „Journalisten der Zukunft“ Leo Roa in einem einzigen Band veröffentlicht. Im Gegensatz zu den Splitter-Books kommt dieser als Album im Großformat.

Der Autor und Zeichner Juan Giménez ist ja nun beileibe kein Unbekannter mehr. Nicht nur ist er seit langem schon aktiv, sondern er erfreut sich auch großer Beliebtheit. Nicht zuletzt hat er sich schon oft im Bereich der Science-Fiction getummelt. Zusammen mit Autor Alejandro Jodorowsky erzählte er die Geschichte der Kaste der Meta-Barone weiter, und bereits eines seiner ersten Werke, Müll, war ein Science-Fiction-Abenteuer mit starker Sozialkritik. Auch dieses hatte er selber getextet, Leo Roa ist also nicht sein Debüt als Autor.

Zwar verläuft die Story nicht immer sonderlich glatt und holpert an einigen Stellen, doch ist das Format des Doppelalbums gut gewählt. Indem die beiden Abenteuer zusammen veröffentlicht werden, kann man gut die Entwicklung des Helden beobachten und nachvollziehen. Zu Beginn ist er nämlich alles andere als ein Held, sondern ziemlich unbedarft und stolpert in sein Abenteuer hinein, ohne wirklich die Initiative ergreifen zu können.

Es beginnt damit, dass der als Archivar in einem Medienbetrieb angestellte Leo Roa von mehreren Männern gejagt wird (ohne dass er es zu Beginn überhaupt merkt), da er bei Recherchen herausgefunden hat, wessen Identität sich hinter einem berüchtigten Weltraumpiraten verbirgt. Das sorgt immerhin für ein gehöriges Maß Komik. Später, mit gewachsenem Selbstbewusstsein, weil er endlich als Journalist arbeiten kann, nutzt er mehr seine Möglichkeiten, ohne in brenzligen Situationen angstfrei zu sein.

Auffällig sind die starken Frauenfiguren, die hier die Entwicklungen, und nicht nur die, anstoßen. Auch sind sie die sexuell aktiveren, was insbesondere die Herren in dem Band ziemlich verunsichert. Gimenez scheint ein Faible für starke Frauen zu haben. Schon eine seiner ersten Heldinnen, aus Müll, war die charakterlich stärkste Person und auch in der Saga der Meta-Barone sind die Frauen alles andere als hübsches Beiwerk. Dabei versteht es Giménez wie kaum ein anderer, die Frauen so schön zu zeichnen.

Leo Roa ist sehr charmant erzählt. Das Augenmerk liegt auf der parodistischen Komik, ohne auf Schenkelklopfer zu setzen. Ironie ist der bevorzugte Erzählstil von Giménez. Dass das Werk, erstmals Ende der 80er Jahre erschienen, aus seiner Anfangszeit stammt, ist an den Zeichnungen zu erkennen, die weniger glatt gehalten sind als etwa in Die Kaste der Meta-Barone. Einige Passagen, sowohl die zeichnerische Gestaltung der Aliens als auch einige Storyelemente, erinnern stark an die Serie Burton und Cyb von Ortiz und Segura.

Es gibt aber auch einige andere schöne Anspielungen (vor allem auf das Piratengenre) und Ideen, die viele gesellschaftliche Aspekte aufgreifen, wie das Journalistengewerbe, Werbung, Musik und ethnische Konflikte. Das wirkt aber niemals plakativ, sondern eher wie eine humoristische Mischung aus Sillage, Luc Orient und dem schon erwähnten Burton und Cyb. Aber das Angenehmste an dem Band: Er nimmt sich selbst nicht ernst, und man merkt Giménez die Schaffensfreude an.

 

Wertung7 von 10 Punkten

SF-Abenteuer mit gehöriger Portion (Selbst-)Ironie, das leichtfüßig die Entwicklung eines unbedarften Helden erzählt

 

Leo Roa
enthält „Die wahrhaftige Geschichte von Leo Roa“ und „Die Odyssee widriger Umstände“

Splitter Verlag, Januar 2011
Text und Zeichnungen: Juan Giménez
112 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 19,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-208-2
Leseprobe

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Abbildungen © Juan Giménez, der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

The Goon 6 – Böses Blut

The Goon 6: Böses BlutMit The Goon 6: Böses Blut macht Eric Powell genau dort weiter, wo er mit den vorherigen Ausgaben (eins, zwei, drei, vier, fünf) seiner kruden tour de force aufgehört hat: Ein Verwirrspiel mit dem Genre, eine Hommage an alle Horrorfilme und ein lustiger Comic in einem. Sinnvollerweise ist der Comic mit einer Altersempfehlung „16+“ ausgeschildert, obwohl er eigentlich für eben jene männlichen Teenager gedacht ist, die den Comic heimlich unter der Bettdecke lesen.

Grafische CharakterisierungenGrafisch ist Böses Blut eine Augenweide. Powell versteht geschickt mit seinem Werkzeug umzugehen. Er weiß, wann er zu tuschen hat und wann eine Traumsequenz nach einer Kreuzschraffur schreit. Während andere Comickünstler ihren Figuren nur durch Handlungen und Dialoge Persönlichkeit verleihen, nutzt Powell seine grafischen Fähigkeiten, um seine (Anti-)Helden zu charakterisieren. So konversieren cartoonige Figuren, wie Goons durchgeknallter Sidekick Franky, mit gemalten, zwielichtigen Mafia-Unterhändlern im selben Panel. An anderer Stelle grinst der namenlose Zombiepriester, wie ein Alter Ego des Mad Hatter, aus dem Panel heraus.

Die Haupthandlung ist schnell zusammengefasst: Der nicht enden wollende Kampf um die Vorherrschaft in der Stadt setzt sich in gewohnter witziger The Goon-Manier fort. Gerade als der Goon und seine Männer die Zombieplage in den Griff bekommen zu haben scheinen, dreht sich das Untotenkarusell weiter. Leider franst das freundliche DIN-A5 Comic aus dem Hause Cross Cult nach der offiziellen Handlung aus. Obgleich die ergänzenden Kurzgeschichten und der Prolog zum Skandalheft „Satan’s Sodomy Baby“ für den Sammler eine sinnvolle Ergänzung sein mögen, besitzen die Kurzgeschichten weder das grafische noch das erzählerische Potential der Hauptgeschichte.

Satan's Sodomy BabyDie Ergänzung des einmalig in Amerika aufgelegten Heftes „Satan’s Sodomy Baby“ erinnert stark an die sagenumwobene Zimmer-Frei-Folge mit Cherno Jobatey, die erst durch ihre Nichtausstrahlung Aufsehen erregte. Beim Anschauen erwies sich das „Chernobyl“ – basierend auf der Legasthenie des Moderators – als große Luftnummer. Obwohl man sich bei Cross Cult Mühe gegeben hat, die Story hinter dem Skandal in Worte zu fassen, liest sich Powells pervers-komisch gemeinte Pointengala wie eine fade Aneinanderreihung von obszönen Kalauern. Ist es hier doch gerade die unterhaltsame Rahmenhandlung, inklusive der öffentlichen Empörung und der Leserbriefe, die das Ganze erst witzig gemacht haben.

Während die Haupthandlung von The Goon die Stärken von Eric Powell deutlich aufzeigt, so ist der Rest des Bandes doch eher ein Kessel Buntes, der heißer gekocht wurde, als er serviert wird. Aufsehen erregt Eric Powell dieser Tage aber eher mit seinen Statements zur amerikanischen Comicindustrie.

 

Wertung: 6 von 10 Punkten

Vorzügliches Bouquet, aber leider fad im Abgang


The Goon 6 – Böses Blut
Cross Cult, Dezember 2010
Text und Zeichnungen: Eric Powell
144 Seiten, farbig, DIN A5 Hardcover
Preis: 19,80 Euro
ISBN: 978-3-941248-25-0

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Abbildungen © Eric Powell, der dt. Ausgabe: Cross Cult

Links der Woche: Mit Impressionen aus Angoulême, Zahlen aus Frankreich und Peer Steinbrück

Unsere Links der Woche, Ausgabe 5/2011:


„Onkel Dagobert war definitiv kein Spekulant“
Der Tagesspiegel, Moritz Honert, Lars von Törne
Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück ist schon länger als Comicliebhaber bekannt. Jetzt gab er dem Tagesspiegel ein Interview, in dem es nur um dieses Thema geht. Dabei outet er sich nicht nur als großer Prinz Eisenherz-Fan, sondern auch als Kenner, der besonders die Werke von Hugo Pratt, Jacques Tardi, Enki Bilal und Enrique Breccia schätzt.

Berichte über Comicfestival Angoulême in der deutschsprachigen Presse
graphic-novel.info
Wäre Angoulême ein Filmfestival, hätten alle großen Zeitungen und Magazine ihre Korrespondenten hingeschickt und umfangreiche Berichterstattung betrieben. Beim Thema Comic beschränken sich die meisten auf kurze Notizen. Immerhin die Neue Zürcher Zeitung und die Website des Tagesspiegel bringen ausführlichere Berichte vom Festival. Alle kurzen und langen Beiträge sind im Überblick auf graphic-novel.info verlinkt.

Arte Journal in Angoulême
arte.tv
Wie bereits letzte Woche verlinkt, berichtete Arte im Fernsehen relativ umfangreich aus Angoulême. Alle gezeigten Beiträge sind nach wie vor auf der Arte-Website abrufbar. Den Beitrag über die Preisträger 2011 könnt ihr euch gleich hier ansehen:

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Die Bilderbuch-Blase platzt
Die Welt, Gesche Wüpper
Anlässlich des Festivals berichtet Die Welt im Wirtschaftsteil über die Lage der französischen Comicbranche. Während die Titelzahl weiter anwächst, gehen die Verkäufe zurück. Der Artikel zitiert darin Gilles Ratier, den Chef des Comicjournalistenverbands ACDB, der von einer ungesunden Überproduktion spricht und ein zu schnelles Rotieren der Neuerscheinungen beklagt: „Bis auf die Blockbuster bleiben die Titel selten mehr als ein oder zwei Wochen im Angebot der Buchhandlungen. Das benachteiligt die kleinen Verleger.“

Le palmarès des auteurs de bande dessinée
Le Figaro, Lena Lutaud
Die französische Tageszeitung Le Figaro bringt ein Ranking der erfolgreichsten Comickünstler 2010 auf dem französischen Markt. Dabei werden die Verkaufszahlen aller Alben eines Autors oder Zeichners zusammengefasst. Spitzenreiter ist Christophe Arleston, der auf 1,5 Millionen verkaufte Alben kommt, wofür vor allem die Troy-Serien verantwortlich sind.

Bild Rewrites William And Kate Comic
Bleeding Cool, Rich Johnston
Kuriosum der Woche: Die Bild-Zeitung greift den demnächst in England erscheinenden Comic Kate & William – A Very Public Love Story auf und präsentiert ihn auf einer halben Seite, betätigt sich dabei aber sehr „kreativ“: Einzelne Panels aus dem Comic wurden neu zusammenmontiert und mit Bild-eigenen, sensationell doofen Sprechblasentexten versehen. Autor Rich Johnston dokumentiert das Ergebnis auf seinem Blog.

The Webcomic List Awards 2010
thewebcomiclist.com, diverse Künstler
Die Community der großen Übersichtsseite The Webcomic List vergibt zum zweiten Mal die „Webcomic List Awards“ in neun Kategorien. Die Preisverleihungs-Zeremonie wurde passend zum Thema als Webcomic gestaltet, an dem zahlreiche Webcomic-Macher mitgewirkt haben. Als „Bester Comic“ wurde Red’s Planet von Eddie Pittman ausgezeichnet.

Der Schwarze Mann

Paris, zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Ein Phantom mit schrecklicher Fratze sucht die derschwarzemannMetropole heim. Das von der Bevölkerung und der Presse als „Der Schwarze Mann“ betitelte Wesen erscheint nachts gewissen Personen, darunter Schriftsteller, Journalisten oder Politiker, um deren Karrieren in die richtige Bahn zu lenken. Die Identität des Besuchers ist dabei ebenso mysteriös wie sein Motiv.

Schnell wird der düstere Antagonist der Erzählung zum Ziel polizeilicher Ermittlungen, doch die wahren Hintergründe sind schwerer aufzudecken als es den Anschein hat. Denn mittlerweile feiert eine Romanreihe über den Schwarzen Mann große Erfolge und es ergibt sich unweigerlich die Frage, in welchem Zusammenhang diese mit dem realen Terror zu tun hat, von dem Paris heimgesucht wird.

Zudem wird von einer anderen Seite das Auftauchen des Schwarzen Mannes zu einem ganz anderen Zweck instrumentalisiert. Denn unter dem Deckmantel dessen Präsenz geschehen Morde, die ihm womöglich zu Unrecht angelastet werden.

Im Zentrum all dieser Machenschaften steht natürlich die Frage nach der Identität, deren Auflösung man auch tatsächlich am Ende erhält. So richtig schlüssig erscheint diese zwar nicht, aber spätestens nach dem ersten Kapitel dürfte man auch nicht mehr erwartet haben. Die Spannung bezieht dieser Comic vom französischen Künstlerduo Antoine Maurel und Hamo vor allem aus der völligen Ahnungslosigkeit, mit der sich der Leser zu Beginn konfrontiert sieht: Ist der Schwarze Mann ein Verbrecher? Der Teufel, der einem ins Gewissen redet? Oder gar reine Einbildung, die Manifestation einer Romanfigur (eine Idee, die bereits im empfehlenswerten Comicalbum Mit fremder Feder auftaucht)?

Die Auflösung ist recht profan und wird zu alledem auch noch unplausibel und wenig kreativ präsentiert. Auch insgesamt mangelt die Handlung, die sich über drei französische Originalalben erstreckt, deutlich an Spannungsmomenten. Der Reiz, das Rätsel um die Identität des mysteriösen Hauptcharakters unbedingt erfahren zu wollen, ist spätestens nach 20 bis 30 Seiten verschwunden. Zu oft wiederholen sich die Auftritte des Schwarzgekleideteten und zu häufig echauffiert sich dieser in pseudoklugen Weisheiten, ohne wirklich etwas Wichtiges zu sagen. Dazu passt auch, dass Hamos Bilder sehr austauschbar wirken. Mit einer genialen Story würde man die eine oder andere Szene sicher in Erinnerung behalten, mit der vorliegenden seichten Erzählung dürfte auch die solide Zeichenkunst des Bandes schnell in Vergessenheit geraten.

 

Wertung: 4 von 10 Punkten

Vor diesem Schwarzen Mann braucht die Konkurrenz auf dem Comicmarkt keine Angst zu haben, die knapp 35 Euro kann man vermutlich anderweitig besser investieren

 

Der Schwarze Mann
Ehapa Comic Collection, Januar 2011

Text: Antoine Maurel
Zeichnungen: Hamo
144 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 34,95 Euro
ISBN: 978-3-7704-3425-1

Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Ehapa Comic Collection

Caroline Baldwin 11 – Grenzgänger

Gute Krimis liefern in den besten Fällen gleich Milieustudien der Gegenwart in unterhaltsamer Form mit. Die TV-Serie Tatort ist ein Paradebeispiel dafür, wie man knifflige Fälle mit Sozialkritik kombiniert. Auch im Comicbereich gibt es Beispiele für gehobene Thriller. Caroline Baldwin ist ein solches. Die franko-belgische Serie um eine indianische Detektivin erscheint seit elf Ausgaben bei comicplus+.

Caroline Baldwin ist Detektivin. Eine ausgezeichnete Detektivin, die nur leider Job und Privatleben nicht trennen kann. Der aktuelle Band „Grenzgänger“ zeigt, wie Caro und Gary soeben ihr neues Zuhause eingeweiht haben, als Gary von seinem Brotgeber, dem FBI, zur Pflicht gerufen wird. Fast unmittelbar darauf steht unverhofft und völlig überraschend Caros Cousine Rachel vor der Tür. Sie vermisst nun schon länger ihren 15-jährigen Sohn Jeremy, der in militant-revolutionäre Kreise zu schlittern droht. Die kanadischen Indianer planen den großen Indianer-Aufstand, die sogenannte OKA-Krise, von 1990 zu wiederholen. Und dann nervt auch noch Nohad Yared, die ihren verschollen Vater auf Biegen und Brechen wiederfinden will.

Caroline Baldwin ist ein geradliniger, schnörkelloser Thriller mit interessanten Inhalten. Der Belgier André Taymans ist hierzulande nur durch die comicplus+-Serie ein Begriff. Für Glénat zeichnet André Taymans seit 1999 den Krimi Les filles d’Aphrodite nach einem Szenario von C. Jamar. In Brüssel veröffentlichte er schon 1990 bei Lefrancq sein Debüt Les compagnons de la peur. Er arbeitete auch schon für diverse namhafte Verlage wie Dupuis (Munro) und Alpen (Sam Griffith).

In „Grenzgänger“ veranschaulicht der belgische Autor auf raffinierte Weise soziale und kulturelle Probleme der kanadischen Indianer. Die Orientierungslosigkeit der Jugendlichen mündet hier beispielhaft in einer terroristischen Gruppierung. Caroline verkörpert dabei die perfekte Detektivin, die in einer Mischung aus Engagement, Neugier und Hartnäckigkeit den Rätseln auf den Grund geht.

Die Zeichnungen sind grundsolide, aber nicht das, was man als filigran bezeichnet. Auch die flächige Kolorierung ist gelungen, aber nicht meisterhaft. Dennoch gelingt Taymans ein stimmungsvolles Artwork, was in erster Linie an den Film-mäßigen Einstellungen liegt. Darin liegt die große Stärke der Serie, die in diesem Punkt mit dem Kino mithalten kann. Immer wieder wechseln die Ansichten und Perspektiven, was für viel Abwechslung und Dynamik sorgt.

Auch ohne Vorwissen aus den ersten zehn Bänden konnte ich „Grenzgänger“ problemlos lesen. Ein Einstieg ist also auch jetzt noch möglich, wenn man nicht gleich die gesamte Serie kaufen will. Jedoch handelt es sich bei „Grenzgänger“ um keine abgeschlossene Geschichte, denn das Ende bleibt offen. So bleibt Caroline Baldwin auch weiterhin spannend und Band zwölf „Der König des Nordens“ steht seit wenigen Tagen ebenfalls in den Comicläden.


Wertung
7 von 10 Punkte

Solide Zeichnungen und interessante Story: für Genre-Liebhaber und die, die es werden wollen


Caroline Baldwin 11 – Grenzgänger
comicplus+, Februar 2010
Text und Zeichnungen: André Taymans
48 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 13 Euro
ISBN: 978-3894741983

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: comicplus+

Superman – Die Welt von New Krypton 1+2

alt

altSuperman-Gelegenheitsleser dürften beim Blick in die aktuellen Comics mindestens eine Augenbraue heben, denn in der Welt des Stählernen hat sich in letzter Zeit einiges getan: Hunderttausend superstarke Kryptonier inklusive Supermans Tante Alura haben einen frisch gebastelten Planeten unweit der Erde bezogen; Superman hat seine Rolle als oberster Pfadfinder der Erde aufgegeben und dient nun in der kryptonischen Militärgilde, die vom durchtriebenen General Zod kontrolliert wird; den Beschützer von Supermans Adoptivheimat spielt währenddessen der Daxamiter Mon-El …

Der aktuelle Status Quo hat wirklich seinen Reiz. Und was machen die Autoren – das schwergewichtige Team aus James Robinson und Greg Rucka – daraus? In Band 1 eine durchaus gefällige Geschichte, die aber allzu sehr den Standardregeln folgt. Die Handlung konzentriert sich positiver Weise ausschließlich auf die neue Heimat der Kryptonier, bleibt aber, wenn es um die Kultur dieses außerirdischen Volks geht, leider recht oberflächlich. Superman, der unter Seinesgleichen nur als Kal-El firmiert, schmeckt die gewaltbereite und kompromisslose Vorgehensart der anderen, nun ebenfalls über Superkräfte verfügenden Kryptonier nicht und versucht sie auf typische Superman-Art zu ändern: indem er ein gutes Vorbild ist … Gähn!

Nett geraten ist immerhin der Auftritt der Green Lanterns Hal Jordan, John Stewart und Sodam Yat, die zu einem von Misstrauen bestimmten Antrittsbesuch auf der neuen Welt im Solsystem erscheinen. Und der Cliffhanger am Ende ist auf jeden Fall einer von der besseren Sorte. Wie so oft, war hier jedoch die Vorgeschichte (in Superman – New Krypton 1+2) verheißungsvoller als die Fortführung des Ganzen.

Auch Pete Woods‘ Zeichnungen veranlassen nicht gerade zu Jubelstürmen. Sie funktionieren, auch auf den mit vielen Bildern und Dialogen voll gepackten Seiten, aber lassen einen in ihrer Durchschnittlichkeit letztendlich relativ kalt. Andere Künstler hätten wohl mehr aus Szenerie und Szenario rausgeholt. Aber schnell und verlässlich scheint der gute Mann zu sein, sind doch alle Teile der „Welt von New Krypton“-Saga in diesem Band komplett von Woods gezeichnet und getuscht, was für eine angenehme, (in Superheldencomics) nicht immer selbstverständliche Lese-Kontinuität sorgt.

altIn Band 2 wird das Tempo wohltuend angezogen. Ein von New Krypton geflohener Attentäter führt auch Superman zur Erde zurück, wo er zusammen mit den übrigen kryptonischen Helden Supergirl, Nightwing und Flamebird ein Opfer von General Lanes perfide geplanter Rufmord-Operation wird, die zum Ziel hat, die Menschheit gegen ihre neuen Nachbarn aufzubringen. Und eine wichtige Figur aus Supermans Umfeld stirbt ziemlich unerwartet – aber anstatt geschockt zu sein, fragt man sich eher, wann und wie sie wohl wieder auferstehen wird. Derlei ist man einfach schon zu sehr gewohnt.

Die Zeichner-Brigade aus Bernard Chang, Pete Woods, Jamal Igle, Julián Lopez und anderen macht ihre Sache ordentlich, ohne große, qualitative Ausreißer nach unten oder oben. Schlecht geschrieben ist die Verschwörungshatz mit Actioneinlagen, die das Gespann Rucka und Robinson, unterstützt von Supergirl-Schreiber Sterling Gates, bietet, keinesfalls. Das Besondere, das die wohlklingenden Autorennamen versprechen, fehlt hier jedoch ebenso wie im ersten Band. Zugegeben, man will schon wissen, wie es weitergeht mit den Kryptoniern (der abschließende dritte Band erscheint im Sommer 2011). Aber um dem Titel „Die größte Superman-Saga seit 15 Jahren“ (Verlagswerbung) gerecht zu werden, muss die „New Krypton“-Storyline noch deutlich zulegen.


Wertung
: 5 von 10 Punkten

Ordentlich gemachtes Superheldendrama, von den hochkarätigen Autoren hätte man jedoch mehr erwartet

 

Superman Sonderband 39 und 40: Die Welt von New Krypton 1+2
Panini Comics, September/November 2010
Text: James Robinson, Greg Rucka, Sterling Gates
Zeichnungen: Pete Woods, Bernard Chang, Jamal Igle Julián Lopez u.a.
148 Seiten (Band 1), 140 Seiten (Band 2), farbig, Softcover
Preis: je 16,95 Euro 

 

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Abbildungen © Panini Comics

US-Markt: Aufbegehren gegen Dominanz der Superheldencomics

The Goon von Eric PowellIn der Blogger- und Twitterszene von US-Comickünstlern gibt es – getragen von Eric Powell (Video weiter unten), Steve Niles und Skottie Young (beide mit ambitionierten Blogeinträgen und Aktionen) – seit etwa zwei Wochen eine Art Bewegung, um auf „creator-owned comics“ (Autorencomics) aufmerksam zu machen. „Creator owned“ heißt, dass die Künstler die Rechte an ihren – selbst erschaffenen – Figuren und Geschichten haben. Der Gegensatz dazu sind Auftragsarbeiten, hauptsächlich für die DC- und Marvel-Superheldenserien („work for hire“, „company owned“).

Dies  mag uns, die wir genug Comics abseits der Superhelden im Comicladen finden, erstmal etwas seltsam erscheinen. Klarer wird das Ganze, wenn man sich die Verkaufszahlen und Hitlisten auf dem US-Comicmarkt anschaut; dabei ist zu beachten, dass es sich hier nur um die Zahlen des Diamond-Vertriebs, also des Comichandels, handelt; der Pressemarkt ist dabei nicht erfasst (jede Menge Zahlen und Daten außerdem bei comichron.com zu finden):

  • Unter den 500 meistverkauften Comicheften aus dem Jahr 2010 befinden sich sieben (z. B. True Blood 1 von IDW auf Platz 299; Buffy, the Vampire Slayer 32 von Dark Horse Comics auf Platz 304), die nicht bei Marvel Comics oder DC Comics veröffentlicht wurden. Keiner davon ist creator owned. (Quelle, Auswertung durch Eric Powell)
  • Von den 300 meistverkauften Comics des letzten Jahrzehnts handelten zwölf nicht von Superhelden; davon war einer creator owned.
  • Marvel Comics und DC Comics haben einen gemeinsamen Marktanteil von 69 % (Umsatz) bzw. 77 % (Veröffentlichungen). Als nächstes folgt Dark Horse Comics mit gerade mal 5 % (Umsatz) bzw. 4 % (Veröffentlichungen). (Quelle)

Damit ist klar: Das US-Comicgeschäft wird beherrscht von zum größten Teil Jahrzehnte alten Figuren, den Superhelden, die immer wieder in neue Szenarien und Universen gesteckt werden, Tode erleiden und auferstehen, bei denen aber im Grunde immer wieder nur die altbekannte Grundstruktur aufgewärmt wird. Von frischem Blut kann im Großen und Ganzen keine Rede sein. Und weil die Superheldenverlage so einen großen Marktanteil aufweisen, haben US-Comichändler kaum andere Comics im Programm: Anders als bei uns ist es für sie ein größeres Risiko, sich unbekannte Comics in den Laden zu stellen, da sie sie meistens nicht remittieren, also an den Vertrieb/Verlag zurückgeben, können und somit gegebenenfalls auf der Ware sitzen bleiben. Dadurch wiederum weiß die Mehrzahl der Leser gar nicht von der Vielfalt, die es eigentlich auch auf dem US-Comicmarkt gibt. Die Künstler sind also auf Eigenwerbung und Mundpropaganda angewiesen – was sie momentan versuchen anzuschieben. (Als Alternative/Ergänzung wird der Direktverkauf von digitalen Comics diskutiert.) Zuerst muss aber überhaupt erst die Problematik bekannt gemacht werden. Man ist sich einig, dass sich jede Menge guter creator-owned comics auf dem Markt befänden – sie seien nur zu unbekannt. Auch gehe es nicht darum, Superheldencomics schlecht zu machen oder zu verdrängen, sondern einfach nur eine breitere Auswahl an Genres auf dem Markt zu etablieren. Auf die Frage, wer schlussendlich an der Misere schuld ist – die ignoranten Leser, die sich mit den Superheldencomics zufrieden geben, die vorsichtigen Comichändler, die zu leisen Künstler und kleinen Verlage oder alle zusammen -, hat man in der US-Comicszene aber keine übereinstimmende Antwort.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Marvel mit dem Unterlabel Icon Comics ausgewählten Künstlern eine Plattform für creator-owned comics bietet (dazu gehören zum Beispiel Mark Millar und John Romita, Jr. mit Kick-Ass, Matt Fraction, Gabriel Bá und Fábio Moon mit Casanova, Ed Brubaker und Sean Phillips mit Criminal und Incognito). Auch DC hat mit Vertigo (u.a.diverse Serien von Neil Gaiman wie The Sandman, Brian Azzarello und Eduardo Risso mit 100 Bullets, Bill Willingham mit Fables), bei dem seit 1993 auch Geschichten aus dem DC-Universum (wie The Swamp Thing) erschienen, seit letztem Jahr ein reines Label für Autorencomics (alle Protagonisten aus dem DC-Universum werden zukünftig unter dem Hauptlabel DC Comics veröffentlicht).

Um Euch einen Überblick über die Aussagen, Gedanken und Meinungen zu dieser Thematik zu geben, haben wir einige Tweets chronologisch zusammengestellt:

  • Steve Niles (Autor von u. a. 30 Days of Night), 19.01.2011: „Support diversity in comics and buy a creator-owned comic today!“ (Quelle)
  • Eric Powell (Schöpfer von The Goon), 20.01.2011: „Comics can be anything we want them to be. To have one genre dominate the art form is just sad. Too much originality & talent out there.“ (Quelle)
  • Eric Powell, 25.01.2011: „Think killing off a character to bring them back six issues later was a lame plot device last decade? Support original content in comics.“ (Quelle)
  • Eric Powell stellt am 28.01.2011 klar: „my bitches ain’t aimed toward the guys [Anm. d. Red.: creators] working at Marvel. I begrudge no one making a living. Just wish they could get paid as well doing their own content.“ (Quelle)
  • Ron Marz (Autor von u. a. Green Lantern), 28.01.2011: „I don’t think anybody wants old favorites to go away. We just want more room for new and different.“ (Quelle)

  • Eric Powell, 28.01.2011: „Creator owned should be mainstream. JK Rowling would be waiting tables right now if she made Harry Potter a comic instead of a novel.“ (Quelle)
  • Ed Brubaker (Autor von u. a. Criminal), 28.01.2011: „Everyone should go to the comic shop today and buy something new they’ve heard good things about. No one will regret this.“ (Quelle) und
    „I would recommend books like Locke and Key, Casanova, The Killer, Chew, and lots I’m not thinking of (and my own books, obviously).“ (Quelle)
  • Skottie Young (Zeichner von u. a. Marvels The Wonderful Wizard of Oz), 28.01.2011: [Anm. d. Red: It would help] „If you were to write detailed blogs about said books and why you like them I and probably others would retweet. Exposing people“ (Quelle)

  • Steve Niles, 29.01.2011: „I was told today for the zillionth time that comics are going to die. Not if we make them ourselves.“ (Quelle) und
    „People of Comics! We don’t have to tear things down to build ourselves up. Support ALL comics. In the end, we all benefit.“ (Quelle)
  • Ron Marz, 29.01.2011:“I would say it’s everyone’s responsibility — publisher, creator, retailer, consumer — since the relationships are reciprocal.“ (Quelle) und
    But seems like a LOT of people are talking about creator-owned books right now. Feels like a groundswell. We have to continue it.“ (Quelle)

  • Tim Seeley (Schöpfer von Hack/Slash), 29.01.2011: „Here’s the reality. There’s been some great manifestos about comics & diversity. But it begins and ends with readers, not creators.“ (Quelle) und
    No matter how smart and right @goonguy, @RobertKirkman are with their statements, word of mouth from fellow readers is best.“ (Quelle)
  • The Comic Vault (Comicladen), 29.01.2011: „Creators need to be better publicists and retailers need to be better salesmen.“ (Quelle)

  • Jill Thompson (Schöpferin von u. a. Scary Godmother), 29.01.2011: „I think we all love comix as a storytelling medium-it’s just that creator owned stuff needs a push to be seen! Support great storytelling!“ (Quelle)
  • Becky Cloonan (Zeichnerin von u. a. Demo), 29.01.2011: „It’s sad that there is no money in creator owned work. everyone does it out of love, but maybe that’s why so much is great!“ (Quelle)

 

Steve Niles widmete dem Thema einen Blogeintrag (22.01.2011): „What’s all this Creator-Owned Talk?“

First off, this is in no way an anti-Marvel or anti-DC thing. […] All I’m doing lately is attempting to call attention to creator-owned books.  I think plain and simple, things are going to get even tougher out there and we have to find our place. Personally I believe there is severe lack of cooperation among creators. There’s a very dog-eat-dog mentality in comics sometimes and I think all we harm in the end is ourselves. My simplistic solution right now is to support as many of my fellow creators as possible. We just don’t have access to publicity budgets, so simple grassroots networking can help us all a great deal. […] It’s not going to be easy. We have to figure out new ways to get material out to the public, learn new ways to reach and sell directly to fans. We’re going to have to be creative, supportive and very DIY sometimes, but I think it will be worth it. Things are changing. We can adapt or fade away. I think we can not only adapt but survive and thrive. […]“

Dieser Artikel erhielt eine starke Resonanz; die Reaktionen sowie die Anregungen und Aktionen, die sich daraus ergeben, fasste Steve Niles gestern zusammen: „Creator-Owned Comics: Not Whining Yields Results“

[…] I do not fault any creator or blog/site that doesn’t get behind all this DIY, grassroots talk, but man, some show of support would really help. There are some well-established creators who could really help rally the troops so to speak, certainly more than me. I hope they’ll come to the table at some point.

There were a couple hilarious comments. The most telling was and I’m paraphrasing here was, “Why would you want to help your competitors?!”

Yes, why would we? Well, for one, I don’t view Eric Powell as a competitor or Mike Mignola or Terry Moore. I don’t have to take from someone else to gain something. That’s a very twisted way of thinking in my book. We’re all fighting the same fight. Sure, we’re all going for a slice of the same pie, but believe me, there’s plenty for everybody, and if we work together we can actually make the pie bigger again, like it used to be.If there’s one thing I learned from my minor roll in the DC music scene was this; you CAN do it all yourself. […]“

 

 

The Wonderful Wizard of Oz von Skottie Young bei MarvelAuch Skottie Young, mit einem Exklusivvertrag an Marvel gebunden (er zeichnete für Marvel den prämierten The Wonderful Wizard of Oz , eine der wenigen Ausnahmen vom Superheldengenre), schrieb einen Blogeintrag zum Thema: Nur jammern bringe nichts, es müsse nach vorne geschaut werden. Deshalb ruft er die Leser dazu auf, in ihren Netzwerken konkret Comics zu nennen und zu beschreiben, die ihnen gefallen haben. Er selber kündigt an, jeden Montag einen seiner Favoriten auf seinem Blog vorzustellen (28.01.2011): Spread the Word of the Comics You Love“

„[…] There seems to be an anger that superheroes dominate the comics landscape and that there is a wider variety out there to be read. That’s a more than fair statement. But instead of doing a weekly soap box session telling me about this problem over and over, be pro active. […] Tell me why I would love the main character, or how the plot will blow my mind, or or or. You get the point. Sell me. It’s that easy. Blog about it, tweet about it. Spread the word of the actual books we love not just the general „problem“ that you may see. […] As comic creators, we’re lucky to have our fans, and in the day of instant social networking we have their ears on stand-by. So I’ll put out the call for everyone who has a blog or twitter account. Spread the word on the books you read and enjoy that may not get the attention you think they deserve. It’s not about dissing the books that get attention, its about propping up the ones that need more. […]“

 

Der bisherige Höhepunkt dieser Bewegung ist das sechsminütige Video von Eric Powell („ The Creator’s Front for Diversity in Comics! Viva la revolution!“), das gestern online ging; übrigens mit Robert Kirkman (als Autor von The Walking Dead ist er für den erfolgreichsten aktuellen Autorencomic verantwortlich) in einer Gastrolle als fieser Verlagsangestellter. Nicht gerade subtil anhand einer kleinen Geschichte und deutlich aggressiver als Niles zeigt Powell, was er vom Markt beherrschenden Superheldengenre hält („Dass es in diesem Business vor Inzucht nur so wimmelt, ist noch freundlich formuliert“; „Wenn in der Musikszene ähnliche Zustände herrschten, dann würde es nur Discomusik geben und Jack White müsste ABBA covern, um seinen Lebensunterhalt verdienen zu können“) und zählt die Fakten auf. Außerdem stellt er die Zukunft von gedruckten Comics an sich in Frage, da zwei Riesenunternehmen hinter Marvel (Disney) und DC (Warner Bros.) stünden, die vermutlich ihre Helden viel lieber auf Bettwäsche denn in Druckerzeugnissen sehen würden:

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 Es gibt seiner Meinung nach also nicht nur eine Lösung, wie man dieser thematischen Armut des US-Comicmarktes begegnen kann. Er twittert: „There’s a reason at the end of the video it says, Buy, Stock, Sell, Read, Create, Collect, Publish. C’mon, people. There’s not one fix.“ (Quelle)

Schlussendlich noch weiterführende Links:

Eine Facebook-Fanseite „creator-owned comics“ wurde ins Leben gerufen, die zum gleichnamigen Blog gehört, auf dem ab nun regelmäßig über interessante Eigenschöpfungen informiert werden soll (entstanden aus diesem Blog).

 

Ergänzung am 31.01.2011: Informationen zu Icon Comics und Vertigo

Ergänzung am 01.02.2011: Klarstellung Diamond-Zahlen