Unsere Links der Woche, Ausgabe 40/2011:
Splitter goes digital
Comic-Report, Matthias Hofmann
Demnächst startet der Splitter-Verlag mit einem digitalen Comicangebot. Eine App für Tablets und Smartphones soll in wenigen Wochen für verschiedene Plattformen verfügbar sein. Verantwortlich für das Projekt ist Dominik Madecki, der im Interview Auskunft über die Pläne des Verlags gibt.
Der etwas andere Comic
Bauerfeind, A. Wagner und B. Leng
Die Sendung Bauerfeind stellt Craig Thompsons Habibi vor und meint es eigentlich gut, greift dann aber doch ziemlich daneben, wenn die besondere Qualität des Comics dadurch betont wird, indem der Rest der Comiclandschaft als „Meer von trivialen Sex- und Gewaltschmierereien“ bezeichnet wird. Auf Twitter gab es prompt ein kleines Shitstörmchen.
Tintin und das Geheimnis des Erfolges
Zündfunk Generator, Markus Metz und Georg Seeßlen
Die öffentlich-rechtlichen können aber auch ganz anders: Zum Beispiel mit diesem knapp 50minütigen Radiofeature über Tim und Struppi, das zwar anlässlich der neuen Spielberg-Verfilmung ausgestrahlt wurde, sich aber hauptsächlich mit Hergés Comics beschäftigt. Direkt zum MP3-Download geht’s hier.
Neurotitan : 50 Jahre super Comics – die Geburtstagsausstellung der Comicverlage REPRODUKT und EDITION MODERNE
neurotitan.de
Ein virtueller Ausstellungsrundgang durch die Jubiläumsausstellung, in dem man im Stil von Google Streetview herumklicken und -zoomen kann. Vorsicht, kann bei unkoordinierten Mausbewegungen zu Schwindelgefühlen führen!
HELP!
KutiKuti
Der finnische Indie- und Avantgarde-Comicverlag KutiKuti (wo u.a. die Comics von Tommi Musturi herauskommen, die Reprodukt nach Deutschland gebracht hat) braucht Geld und versteigert Originale.
Diamond removes swastikas from GLORY and PIGS covers in Previews
The Beat, Heidi MacDonald
In der nächsten Ausgabe des Previews-Katalogs, in dem die vorbestellbaren US-Comics ankündigt, werden zwei Coverabbildungen von Image Comics, die Hakenkreuze enthalten, gepixelt. Als Grund wird angegeben, dass der Katalog auch in Deutschland vertrieben wird, wo das Symbol verboten sei. Diese Meldung und die Kommentare darunter sind ein schönes Beispiel für „gefährliches Halbwissen“. In den Kommentaren melden sich auch deutsche Leser zu Wort, die ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen versuchen.
A House Divided – The Crisis at L’Association (Part 1, Part 2)
The Comics Journal, Matthias Wivel
Die Geschichte von L’Association, dem Verlag, der die französischen Comics in den Neunziger Jahren revolutionierte, ist nicht nur die Geschichte großer Künstler, sondern auch die von sehr großen Egos. Das Comics Journal beschreibt in einer umfangreichen Chronik, wie es zum Beinahe-Zusammenbruch des Verlags kam.
DC Comics Month-to-Month Sales: September 2011
The Beat, Marc-Oliver Frisch
Die monatliche Verkaufszahlenkolumne von Comicgate-Mitarbeiter Marc-Oliver Frisch ist diesmal interessanter denn je – schließlich geht es um jenen Monat, in dem DC Comics seine 52 Neustarts in den Markt gekippt hat. Wie dieser darauf reagiert hat, wird hier analysiert.
Best Books 2011: Comics
Publishers Weekly
Best Books of 2011: Comics & Graphic Novels
amazon.com
Die Jahresbestenlisten kommen! Zwar hat das Jahr noch ein paar Wochen, in denen Comics erscheinen werden, aber weil es bei solchen Listen ja immer auch ein wenig um Geschenkempfehlungen zum Fest geht, trudeln die ersten bereits ein. Hier sind die Top Ten des Verlagsbranchendienstes Publishers Weekly und von amazon.com.
Schlumpfschlumpf darf nicht als Schlumpf geschlumpft werden
Telepolis, Markus Schlumpf
Ein Kommentar zu einer Entscheidung des Bundespatentgerichts.

Alexandro Jodorowsky schickt seinen schrecklichen Papst in die zweite Runde. Giuliano Della Rovere ist nun Papst geworden und nennt sich Julius II. Berauscht von seiner Macht und vor Liebe zu seinem Liebling Aldosi provoziert er seine Familie, die er selbst mit Ämtern und Schätzen ausgestattet hat. Nachdem diese aus Rache Aldosi ermordet, dreht Julius durch. Mit allen Mitteln und ohne Gnade will er Italien einigen. Natürlich unter seiner Herrschaft. Zugleich beauftragt er niemand geringeren als Michelangelo mit dem Bau eines kolossalen Grabmals.
Merkwürdigerweise gibt es keine einheitliche Erzählperspektive. Der erste Teil wird von Machiavelli himself erzählt, danach gibt es keinen identifizierbaren Erzähler mehr, was dem Band mehrere Brüche verleiht. Zudem existiert kein richtiger Spannungsbogen, weil dramaturgisch gesehen im Grunde kein Ziel verfolgt wird. Vielmehr jagt ein Exzess den anderen und ein Wahnsinn folgt dem nächsten. Anstatt durch eine raffinierte Story bleibt der Leser durch seine Sensationslust am Ball. Aber wo soll das hinführen? Ist das ein satirisches Portrait? Ist das eine Kritik an der dekadenten Kirche der damaligen Zeit? Ist das gar Kritik an Homosexualität und ein Plädoyer dafür, dass Homosexuelle keinen Einfluss haben sollen? Vielleicht wird das im dritten Band deutlicher. Jedenfalls besteht zwischen dem ersten und dem zweiten Teil der Serie ein erheblicher dramaturgischer Bruch.
Zeichner Theo hingegen hat sich ganz schön gemausert. Während seine Zeichnungen in Der tönerne Thron (ebenfalls bei Splitter erschienen) noch sehr glatt und wenig differenziert gehalten sind, bannte er seine Illustrationen im ersten Band von Der schreckliche Papst bereits in große Panels, welche die ganze historische Wucht einzufangen vermochten – aber manche Hintergründe wurden nicht weiter ausgestaltet. Dieses kleine Manko wurde jetzt behoben und Theos Strich wird von Band zu Band sicherer. Leider neigt er zu Übertreibungen. Augen sind groß aufgerissen, glänzen vor Wahn und Verschlagenheit und neigen zu einer operettenhaften Stimmung. Subtilität in der Mimik wird man hier vergebens suchen. Die Hintergründe zwar sehr viel detaillierter, aber die Gesichter rutschen in eine persiflierende Richtung. War eine Satire auf Macht und Religion etwa wirklich das Ziel? Dafür sind die inhaltlichen Bezüge einfach zu undeutlich. Immerhin ist die Lichtgestaltung in der Kolorierung von Florent Bossard immer noch herausragend.
Wer das Gefühl hat, dass er mit dem Original-Deadpool, dem MAX-Deadpool, dem Pulp-Deadpool und dem Ultimate-Deadpool seine größtmögliche Deadpool-Dosis noch nicht bekommt, der darf drei Kreuze machen; denn dank Duane Swierczynski gibt es jetzt endlich auch die Marvel-Knights-Interpretation von Deadpool.
Wade Wilson’s War zeigt dabei ein Problem auf, das ich bei Deadpool-Geschichten inzwischen öfter erlebte: Für ein paar coole Momente und ein wenig metatextuelle Spielerei verzichten die Autoren gerne mal auf eine stringente Erzählung.
Sofern einem ein paar lustige Momente und einige, von Jason Pearson im Stile von Jocks The Losers gut umgesetzte Actionszenen ausreichen, um unterhalten zu werden, ist Wade Wilson’s War einen Blick wert. Mir wäre eine ordentliche Geschichte aber deutlich lieber als eine solche Nummernrevue.
In der Nacht vom 1. zum 2. Mai 2011 tötete ein Spezialkommando der US Army den Staatsfeind Nummer 1, Al-Qaida-Führer Osama Bin Laden, der bis dahin in einem Haus im pakistanischen Abbottabat gelebt hatte. Nur wenige Wochen später kündigte der Verlag IDW Publishing eine „Graphic Novel“ an, die das Geschehen dieser Nacht in Comicform nacherzählt. Im September ist das Buch nun erschienen – passend zu den Gedenkfeiern zum zehnten Jahrestag der Anschläge vom 11. September, die den Terroristen Bin Laden endgültig zum obersten Feindbild der USA gemacht hatten.
Und Code Word: Geronimo macht auch keinen Hehl daraus, ein Stück Propaganda zu sein. Formal handelt es sich um das, was man im Fernsehen ein Doku-Drama nennen würde: eng angelehnt an reale Ereignisse, aber in Teilen fiktionialisiert. Es tauchen authentische Personen (wie Präsident Obama und Außenministerin Clinton) auf, aber in den Reihen der Soldaten gibt es auch Figuren, bei denen zumindest die Namen geändert wurden. Teilweise erlaubten sich die Autoren auch erzählerische Freiheiten im Ablauf der Geschichte – wohl notgedrungen, da die genauen Details der „Operation Neptune’s Spear“ der Geheimhaltung unterliegen.
Dieses simple Weltbild setzt sich im anschließenden Textanhang fort, wo der Autor in einfachen Worten die Hintergründe von Bin Laden, Al Qaida und der „Operation Neptune’s Spear“ erklärt. Für kritisches Hinterfragen der Aktion und ihrer politischen Hintergründe bleibt hier keine Zeit. Die deutliche Kritik der amerikanischen Ureinwohner am Codewort „Geronimo“, die nach dem Einsatz laut wurde, wird zwar kurz erwähnt, jedoch nur um die Benutzung des Namens des legendären Indianerhäuptlings zum ehrenhaften Tribut an einen „großen, mutigen Mann“ umzudeuten. Mehr noch als der eigentliche Comic liest sich der Anhang wie eine Werbebroschüre aus dem Rekrutierungsbüro der US Army: Willst du auch einer dieser tapferen Helden sein? Willst du den „Spirit of Duty, Honor and Country“ spüren? Komm zu uns!
