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Links der Woche: Mit Splitters E-Comics, Hakenkreuzen und den ersten Jahresbestenlisten

Unsere Links der Woche, Ausgabe 40/2011:

 

Splitter goes digital
Comic-Report, Matthias Hofmann
Demnächst startet der Splitter-Verlag mit einem digitalen Comicangebot. Eine App für Tablets und Smartphones soll in wenigen Wochen für verschiedene Plattformen verfügbar sein. Verantwortlich für das Projekt ist Dominik Madecki, der im Interview Auskunft über die Pläne des Verlags gibt. 

Der etwas andere Comic
Bauerfeind, A. Wagner und B. Leng
Die Sendung Bauerfeind stellt Craig Thompsons Habibi vor und meint es eigentlich gut, greift dann aber doch ziemlich daneben, wenn die besondere Qualität des Comics dadurch betont wird, indem der Rest der Comiclandschaft als „Meer von trivialen Sex- und Gewaltschmierereien“ bezeichnet wird. Auf Twitter gab es prompt ein kleines Shitstörmchen.

Tintin und das Geheimnis des Erfolges
Zündfunk Generator, Markus Metz und Georg Seeßlen
Die öffentlich-rechtlichen können aber auch ganz anders: Zum Beispiel mit diesem knapp 50minütigen Radiofeature über Tim und Struppi, das zwar anlässlich der neuen Spielberg-Verfilmung ausgestrahlt wurde, sich aber hauptsächlich mit Hergés Comics beschäftigt. Direkt zum MP3-Download geht’s hier.

Neurotitan : 50 Jahre super Comics – die Geburtstagsausstellung der Comicverlage REPRODUKT und EDITION MODERNE
neurotitan.de
Ein virtueller Ausstellungsrundgang durch die Jubiläumsausstellung, in dem man im Stil von Google Streetview herumklicken und -zoomen kann. Vorsicht, kann bei unkoordinierten Mausbewegungen zu Schwindelgefühlen führen!

HELP!
KutiKuti
Der finnische Indie- und Avantgarde-Comicverlag KutiKuti (wo u.a. die Comics von Tommi Musturi herauskommen, die Reprodukt nach Deutschland gebracht hat) braucht Geld und versteigert Originale.

Diamond removes swastikas from GLORY and PIGS covers in Previews
The Beat, Heidi MacDonald
In der nächsten Ausgabe des Previews-Katalogs, in dem die vorbestellbaren US-Comics ankündigt, werden zwei Coverabbildungen von Image Comics, die Hakenkreuze enthalten, gepixelt. Als Grund wird angegeben, dass der Katalog auch in Deutschland vertrieben wird, wo das Symbol verboten sei. Diese Meldung und die Kommentare darunter sind ein schönes Beispiel für „gefährliches Halbwissen“. In den Kommentaren melden sich auch deutsche Leser zu Wort, die ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen versuchen.

A House Divided – The Crisis at L’Association (Part 1, Part 2)
The Comics Journal, Matthias Wivel
Die Geschichte von L’Association, dem Verlag, der die französischen Comics in den Neunziger Jahren revolutionierte, ist nicht nur die Geschichte großer Künstler, sondern auch die von sehr großen Egos. Das Comics Journal beschreibt in einer umfangreichen Chronik, wie es zum Beinahe-Zusammenbruch des Verlags kam.

DC Comics Month-to-Month Sales: September 2011
The Beat, Marc-Oliver Frisch
Die monatliche Verkaufszahlenkolumne von Comicgate-Mitarbeiter Marc-Oliver Frisch ist diesmal interessanter denn je – schließlich geht es um jenen Monat, in dem DC Comics seine 52 Neustarts in den Markt gekippt hat. Wie dieser darauf reagiert hat, wird hier analysiert.

Best Books 2011: Comics
Publishers Weekly
Best Books of 2011: Comics & Graphic Novels
amazon.com
Die Jahresbestenlisten kommen! Zwar hat das Jahr noch ein paar Wochen, in denen Comics erscheinen werden, aber weil es bei solchen Listen ja immer auch ein wenig um Geschenkempfehlungen zum Fest geht, trudeln die ersten bereits ein. Hier sind die Top Ten des Verlagsbranchendienstes Publishers Weekly und von amazon.com.

Schlumpfschlumpf darf nicht als Schlumpf geschlumpft werden
Telepolis, Markus Schlumpf
Ein Kommentar zu einer Entscheidung des Bundespatentgerichts.

52 mal berührt: Justice League International #2

DC Comics startet sein komplettes Superhelden-Universum neu. COMICGATE trifft sich zum Speed-Dating mit den Erstausgaben aller 52 Serien. Wird es dabei zu heißen Spätsommer-Flirts kommen? Zu wilden Schlabberzungenküssen? Oder bleibt es doch eher beim Austausch lauer Unverbindlichkeiten? Hier ist alles drin, Freunde der Sonne. Folge 53 von 52: JUSTICE LEAGUE INTERNATIONAL #2 von Dan Jurgens und Aaron Lopresti.

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(Anmerkung: Unser regulärer Co-Kolumnist besucht gerade einen Rezensentenkongress in Neu-Isenburg und fällt daher leider die nächsten Tage aus. Umso mehr freuen wir uns, dass wir als Vertretung den flämischen Naturlyriker Frans Vanderstrack gewinnen konnten. Herr Vanderstrack ist ein langjähriger COMICGATE-Leser, der sich spontan dazu bereit erklärt hat, die „New 52“ für uns poetisch aufzuarbeiten.)

MARC-OLIVER: Ursprünglich hatte ich ja nicht viel von der Serie erwartet, aber das erste Heft bewog mich dann doch dazu, Justice League International ins Abo zu nehmen. Und mein guter Eindruck wird hier bestätigt: Jurgens und Lopresti machen einfach eine solide, unprätentiöse Teamserie traditioneller Prägung. Helden kloppen sich mit Riesenrobotern und streiten untereinander, während sich diverse Nebenstränge entwickeln. Eine altbewährte Formel, die aber immer noch Spaß macht, wenn sie so solide umgesetzt wird wie hier.

Das Alphamännchen-Dreieck bestehend aus Booster Gold, Batman und Guy Gardner verspricht für die nächsten Hefte beste Unterhaltung, die anderen Figuren bleiben vorerst noch mehr oder weniger Beiwerk. Loprestis Zeichnungen gefallen mir hier sogar noch besser als letzten Monat, sowohl stilistisch als auch erzähltechnisch. Die Seiten sehen schick aus, trotz der sehr konventionellen Layouts.

Okay, die teils doch arg stereotypen Figuren (der Russe, der Chinese, die Britin, etc. pp.) gehen einem bisweilen gewaltig auf den Zeiger, und wenn das englische Superweib Godiva sich ungebremst an Booster Gold ranschmeißt, bleibt das Augenrollen nicht aus. Wer besondere Originalität sucht, der ist hier wohl auch eher fehl am Platze.

Trotzdem merkt man jeder Seite des Hefts an, dass Autor und Künstler hier ihren Spaß haben. Vor allem: Jurgens ist selbstbewusst genug als Autor, um sich verzweifelte Anbiederei zu sparen. Auf Blut und Gedärme, Genozid, sexuelle Gewalt oder ähnlich verkrampfte Mätzchen trifft man hier zur Abwechslung mal nicht.

Insgesamt: unterhaltsame, passabel gemachte zweite Ausgabe. Das ist ein Comic, wie er heute nicht mehr oft gemacht wird, und das meine ich ausnahmsweise mal positiv.

Ich bleibe weiter dran.

ZOOM-FAKTOR: 6 von 10!


 

FRANS VANDERSTRACK: Nun gut. Es zeichnet sich dies Bilderwerk aus durch sanftes Spiel mit Heldenmündern. Ein zarter Strich. Ein starker Strich. Ein europäischer Strich. Lang ist’s her! Doch aus Italien stammt er ursprünglich. Das verrät uns der Name: Lopresti.

Liebkosend wie die Sonne im Meer zu Capri umspielt Loprestis filigrane Feder pittoreske Baumwipfel wie entlegene Raumzipfel von wonniger pangalaktischer Pracht. Sind es die Wipfel Guys? Guy Gardner! Der Gärtner! Im grünen Wams! Doch: Heldenmünder! Heldenmünder reden. Heldenmünder schweigen. Heldenmünder sprechen immer zu uns. „Hollerdiho“, rufen sie. „Hollerdiho dihollerdilatrio!“

Sprechblasen verbergen Ungesagtes. Doch die lieblich leicht gewölbten Winkel der Heldenmünder verraten … alles! Wären nicht aufreizend austarierte Kästchen voll geometrischer Genialität der bebenden Seiten stützender Halt, wir neigten uns, kippten, fielen. Aus den Latschen. Aus den Socken. Aus allen Wolken.

Schweigen ist Gold: Booster Gold. Wahnsinn.

ZOOM-FAKTOR: 8 von 10!


 

 

Bereits im Juni hatte COMICGATE alle 52 neuen DC-Serien vorurteilslos begutachtet und eingeordnet: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4.

Alle Folgen von „52 mal berührt“

Der schreckliche Papst 2 – Julius II.

Cover Der schreckliche Papst 2Alexandro Jodorowsky schickt seinen schrecklichen Papst in die zweite Runde. Giuliano Della Rovere ist nun Papst geworden und nennt sich Julius II. Berauscht von seiner Macht und vor Liebe zu seinem Liebling Aldosi provoziert er seine Familie, die er selbst mit Ämtern und Schätzen ausgestattet hat. Nachdem diese aus Rache Aldosi ermordet, dreht Julius durch. Mit allen Mitteln und ohne Gnade will er Italien einigen. Natürlich unter seiner Herrschaft. Zugleich beauftragt er niemand geringeren als Michelangelo mit dem Bau eines kolossalen Grabmals.

Das ist aus historischer Perspektive interessant zu lesen und auch übersichtlich, da sich das Personal in Grenzen hält. Inwieweit es mit den Fakten übereinstimmt, kann hier nicht beurteilt werden. Bei manchen Übertreibungen und dem offenen Umgang mit Sexualität kommen aber Zweifel auf. Die Vergewaltigung Michelangelos kann man noch im Bereich des Glaubwürdigen einordnen. Aber dass die Schweizergarde gleichzeitig der Harem des Papstes ist? Das ist zwar eine nette satirische Idee, aber ob es sich hier um eine solche handelt, wird nicht so richtig klar. Gegenüber dem ersten Band, der im Grunde eine Krimistory um die Papstwahl erzählte, ist der zweite eher ein andauernder Wahn.

Seite aus Der schreckliche Papst 2Merkwürdigerweise gibt es keine einheitliche Erzählperspektive. Der erste Teil wird von Machiavelli himself erzählt, danach gibt es keinen identifizierbaren Erzähler mehr, was dem Band mehrere Brüche verleiht. Zudem existiert kein richtiger Spannungsbogen, weil dramaturgisch gesehen im Grunde kein Ziel verfolgt wird. Vielmehr jagt ein Exzess den anderen und ein Wahnsinn folgt dem nächsten. Anstatt durch eine raffinierte Story bleibt der Leser durch seine Sensationslust am Ball. Aber wo soll das hinführen? Ist das ein satirisches Portrait? Ist das eine Kritik an der dekadenten Kirche der damaligen Zeit? Ist das gar Kritik an Homosexualität und ein Plädoyer dafür, dass Homosexuelle keinen Einfluss haben sollen? Vielleicht wird das im dritten Band deutlicher. Jedenfalls besteht zwischen dem ersten und dem zweiten Teil der Serie ein erheblicher dramaturgischer Bruch.

Seite aus Der schreckliche Papst 2Zeichner Theo hingegen hat sich ganz schön gemausert. Während seine Zeichnungen in Der tönerne Thron (ebenfalls bei Splitter erschienen) noch sehr glatt und wenig differenziert gehalten sind, bannte er seine Illustrationen im ersten Band von Der schreckliche Papst bereits in große Panels, welche die ganze historische Wucht einzufangen vermochten – aber manche Hintergründe wurden nicht weiter ausgestaltet. Dieses kleine Manko wurde jetzt behoben und Theos Strich wird von Band zu Band sicherer. Leider neigt er zu Übertreibungen. Augen sind groß aufgerissen, glänzen vor Wahn und Verschlagenheit und neigen zu einer operettenhaften Stimmung. Subtilität in der Mimik wird man hier vergebens suchen. Die Hintergründe zwar sehr viel detaillierter, aber die Gesichter rutschen in eine persiflierende Richtung. War eine Satire auf Macht und Religion etwa wirklich das Ziel? Dafür sind die inhaltlichen Bezüge einfach zu undeutlich. Immerhin ist die Lichtgestaltung in der Kolorierung von Florent Bossard immer noch herausragend.

 

Wertung: 6 von 10 Punkten

Sensationslust treibt den Leser von einer Seite zur anderen, aber ansonsten ist der Band recht ziellos und uneindeutig.

Der schreckliche Papst 2 – Julius II.
Splitter Verlag, Oktober 2011
Text: Alexandro Jodorowsky
Zeichnungen: Theo
56 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 13,80 Euro
ISBN: 978-3-86869-162-7
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Splitter Verlag

52 mal berührt: Flash #1

DC Comics startet sein komplettes Superhelden-Universum neu. COMICGATE trifft sich zum Speed-Dating mit den Erstausgaben aller 52 Serien. Wird es dabei zu heißen Spätsommer-Flirts kommen? Zu wilden Schlabberzungenküssen? Oder bleibt es doch eher beim Austausch lauer Unverbindlichkeiten? Hier ist alles drin, Freunde der Sonne. Folge 52 von 52: FLASH #1 von Francis Manapul und Brian Buccellato.

flash

MARC-OLIVER: altDas Beste zum Schluss? Wenn das ganze Heft so gut wäre wie die ersten fünf Seiten, hätte ich ohne zu zögern die Höchstnote gezückt. Da ist alles drin: zwei Seiten knappe aber effektive, noch dazu verdammt schick anzusehende Einführung des Helden in Zivil plus zweier Nebenfiguren; es folgt prompt die erste Krise, Angriff der Schurken: Barry Allen verwandelt sich in den Flash, während er zwischen den „eingeblendeten“ Credits auf den Leser zurast; und dann eine wunderbare Doppelseite, die nicht nur den ganzen „Vorspann“ und den Titel der Story enthält, sondern auch den Flash in Action zeigt. Chapeau, die Herren – J.H. Williams III hätte das auch nicht besser gekonnt.

Leider wird’s danach so schön nicht mehr. Der Rest des Comics ist zwar beileibe nicht schlecht und liegt vor allem von der Optik her noch meilenweit überm Schnitt, aber man gewinnt schnell den Eindruck, dass Manapul (der schreibt und zeichnet) und Buccellato (der schreibt und koloriert) ihr ganz spezielles Spezialpulver größtenteils in der Anfangssequenz verschossen haben.

Nun gibt’s natürlich weitaus Schlechteres als einen Comic, der zu einem Viertel überragend und zu drei Vierteln gut bis okay ist. Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, dass Manapul und Buccellato als Autoren vielleicht noch ein, zwei Briketts mehr aufs Feuer legen könnten, als Erzähler und Künstler aber einen sehr, sehr positiven Eindruck hinterlassen.

Flash macht unerwartet viel Spaß – und Lust auf mehr.

Das nennt man jetzt, glaube ich, ein Happy End.

ZOOM-FAKTOR: 8 von 10!


 

BJÖRN: In der Tat. Wenn ihm nicht dieser verflixte J.H. Williams III mit Batwoman einen Strich durch die Rechnung machen würde, dann wäre das hier der bestaussehendste Comic der neuen 52. Meine Güte, was für ein unheimlich schickes Design. Das geht schon mit dem schlichten aber eleganten Titelbild los, setzt sich auf der von dir erwähnten Doppelseite fort und erlebt für mich den Höhepunkt auf der Seite, auf der Flash und ein Schurke in die Tiefe stürzen und Flash den Kerl in ein Gebäude wirft, während er selbst in die Kanalisation kracht. Das ist ein so großartiges Layout, da gehen Geschichte und Artwork so Hand in Hand (dafür schreibt und zeichnet Manapul ja auch), dass ich geradezu ins Schwärmen gerate. Ab da nimmt sich der Comic etwas zurück, sieht aber weiterhin toll aus und hat immer noch gekonnte Momente, z.B. die Seite, auf der Barry Allen daheim arbeitet.

Die Geschichte selbst fühlt sich stark nach Silver Age an, was gewollt sein dürfte. Die Vorgeschichte des Helden in 45 Worten nur am Rande zu erwähnen, hat für Lee, Kirby und Ditko funktioniert, und bei Manapul wirkt es auch. Auch die Sache mit der Dreiecksbeziehung und dass Barrys Freundin vom Flash gerettet wird und denkt, der feige Barry habe sich versteckt, ist schon sehr offensichtlich dem Silberzeitalter entlehnt. Was heraussticht aus der Flut an New-52-Titeln, die monoton das Image-Zeitalter emulieren.

Und irgendwie mag ich es, dass man hier einfach nur eine Superheldengeschichte ohne großes Brimborium, ohne viel Jargon, Rechtfertigungsdruck und übertriebene Gewalt präsentiert: Der Flash kann schnell rennen, ist ein Held, weil er an das Gute glaubt, und die Leute in Central City mögen ihn, weil er halt ein Held ist. Da wird das Superheldenrad beileibe nicht neu erfunden, aber da wird Altbewährtes in so schicker Verpackung präsentiert, dass ich gar nicht anders kann als Flash zu mögen.

Nach all den „soliden“ Superheldencomics ist das hier ein richtig guter Superheldencomic, der verspricht, das zu machen, was Superheldencomics am besten machen sollten: Spaß!

ZOOM-FAKTOR: 8 von 10!


 

Bereits im Juni hatte COMICGATE alle 52 neuen DC-Serien vorurteilslos begutachtet und eingeordnet: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4.

Alle Folgen von „52 mal berührt“

Deadpool: Wade Wilson’s War (US)

Cover Deadpool: Wade Wilson's WarWer das Gefühl hat, dass er mit dem Original-Deadpool, dem MAX-Deadpool, dem Pulp-Deadpool und dem Ultimate-Deadpool seine größtmögliche Deadpool-Dosis noch nicht bekommt, der darf drei Kreuze machen; denn dank Duane Swierczynski gibt es jetzt endlich auch die Marvel-Knights-Interpretation von Deadpool.

Das Marvel-Knights-Signet – von dem ich felsenfest glaubte, es wäre Mitte der 2000er aufgegeben worden – nutzt Swierczynski, um seine Geschichte völlig aus der regulären Marvel-Continuity herauszunehmen. Deadpool stellt sich in Wade Wilson’s War einem Kongress-Ausschuss, der herausfinden soll, was es mit einem von Deadpool verursachten Massaker in Mexiko auf sich hatte. Die Frage, die der Comic dabei aufwirft: Ist Deadpool ein mit Superkräften ausgestatteter Eliteagent, den seine eigene Regierung hintergeht oder nur ein armer Irrer, den ein misslungenes Experiment über den Rand des Wahnsinns hinausgetrieben hat und der sich nun für einen Superhelden hält?

Seite aus Deadpool: Wade Wilson's WarWade Wilson’s War zeigt dabei ein Problem auf, das ich bei Deadpool-Geschichten inzwischen öfter erlebte: Für ein paar coole Momente und ein wenig metatextuelle Spielerei verzichten die Autoren gerne mal auf eine stringente Erzählung.

Der Comic wirkt über weite Strecken völlig fragmentarisch: Deadpools Erzählungen von alten Missionen in Nicaragua und Afghanistan haben unterhaltsame Momente, verpuffen aber weitgehend wirkungslos, weil sie nicht in ein größeres Gebilde eingebunden sind. Die Idee, eine Geschichte aus der Perspektive Deadpools und der Perspektive eines Regierungsagenten gleichzeitig zu erzählen, die Rashōmon-Technik also, ist nicht mehr so neu oder unterhaltsam, dass sie eine volle Ausgabe tragen würde; auch wenn sie den ein oder anderen lustigen Moment erzeugt. Ob man derweil den finalen Twist kreativ findet, hängt stark davon ab, ob man Brazil gesehen hat und mochte.

Seite aus Deadpool: Wade Wilson's WarSofern einem ein paar lustige Momente und einige, von Jason Pearson im Stile von Jocks The Losers gut umgesetzte Actionszenen ausreichen, um unterhalten zu werden, ist Wade Wilson’s War einen Blick wert. Mir wäre eine ordentliche Geschichte aber deutlich lieber als eine solche Nummernrevue.

 

Wertung: 3 von 10 Punkten

Fragmentarische Nummernrevue statt stringenter Erzählung


Deadpool: Wade Wilson’s War
Marvel Comics, Juni 2011
Text: Duane Swierczynski
Zeichnungen: Jason Pearson
112 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 14,99 US-Dollar
ISBN: 978-0785147138

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Abbildungen: © Marvel Comics

52 mal berührt: Batman: The Dark Knight #1

DC Comics startet sein komplettes Superhelden-Universum neu. COMICGATE trifft sich zum Speed-Dating mit den Erstausgaben aller 52 Serien. Wird es dabei zu heißen Spätsommer-Flirts kommen? Zu wilden Schlabberzungenküssen? Oder bleibt es doch eher beim Austausch lauer Unverbindlichkeiten? Hier ist alles drin, Freunde der Sonne. Folge 51 von 52: BATMAN: THE DARK KNIGHT #1 von David Finch und Paul Jenkins.

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MARC-OLIVER: altPuh, ist es noch weit?

David Finch zeichnet hier, Paul Jenkins ist irgendwann zu weit vorgerückter Stunde als Autor dazugestoßen, den Plot hat man sich angeblich trotzdem noch irgendwie zusammen ausgedacht. Und, naja, der Comic soll – wie man sich anhand des Titels schon ableiten kann – wohl die Leute ansprechen, die den gleichnamigen Film gut fanden und jetzt mehr wollen. Soweit die Theorie.

Bei der Umsetzung macht sich dann das eine oder andere déjà-vu bemerkbar – nicht etwa, weil man sich zu nah am Film bewegen würde, sondern eher, weil sich die Geschichte aus unerfindlichen Gründen fast wie eine schlechtere Version von Batman #1 liest, das eine Woche vorher erschienen ist: Wayne hat ’nen großen Auftritt in Gotham City, Batman prügelt sich durch die versammelten Insassen der Arkham-Anstalt.

Äh, ich find’s ja prinzipiell gut, wenn Autoren ihr eigenes Ding machen können und sich nicht erst untereinander absprechen müssen. Aber wenn der Neustart innerhalb einer Woche zwei sehr ähnliche Batman-Szenarien ausspuckt, sollte man sich vielleicht Gedanken machen, ob man für die Serie nicht besser jemanden angerufen hätte, der andere Ideen hat. Oder ob man drei Serien macht, statt vier. Verschärft wird das Ganze noch dadurch, dass Finch, ebenso wie Batman-Zeichner Greg Capullo, einen Stil hat, der sowohl von Jim Lee als auch von Todd McFarlane nachhaltig inspiriert worden ist. Der Redakteur ist jedenfalls derselbe, an mangelnder Kommunikation kann’s also nicht gelegen haben. Kurios.

Von den Oberflächlichkeiten abgesehen, haben die beiden Serien aber zum Glück dann doch sehr unterschiedliche Herangehensweisen. Wo Snyder und Capullo akribische Filigrantechniker sind, packen Jenkins und Finch erzähltechnisch gerne mal die dicke Holzkeule aus. The Dark Knight ist mal mehr, mal weniger robuste Genre-Kost mit Zeichnungen, die oft nur aus dem Augenwinkel gekonnt aussehen.

Das Heft ist bei weitem nicht so grottenschlecht wie die Erstausgabe von Detective Comics, und ich finde es insgesamt sogar einen Tick gelungener als Batman and Robin. Wenn man kurz zuvor aber Batman gelesen hat, braucht diesen Comic kein Mensch. Dann merkt man nämlich erst, wie gut Snyder und Capullo im Vergleich zu ihren Kollegen sind – weder Finch noch Jenkins können handwerklich auch nur entfernt dagegen anstinken.

ZOOM-FAKTOR: 4 von 10!


 

BJÖRN: Die Ähnlichkeiten zu Batman #1 sind tatsächlich frappierend, was für Jenkins und Finch nur ein zusätzlicher Albatross um den Hals ist, weil hier nichts auch nur im Ansatz so gelungen ist wie in Snyders und Capullos Titel. Klar, es ist auch nichts so schlecht wie in Detective Comics, aber wie du mir bei meiner Besprechung von Batman and Robin an den Kopf warfst: Das heißt nichts.

Die inneren Monologe sind Beispiele beeindruckend missratener Prosa („Fear is a cannibal.“ Ist klar. Und „Love is a battlefield.“), David Finchs Gesichter scheinen auf einigen Panels völlig zu schmelzen (außer, das hier wird noch ein Batman/Cthulhu-Crossover, dann hat der fischäugige, dicklippige Bruce Wayne sicher Verwandte in Innsmouth), die präsentierte Romanze für Bruce Wayne ist eine 08/15-Exotin, so wie auch der Ausbruch aus Arkham völlig 08/15 ist. Der Humor in Bruce Waynes Rede ist komplett gezwungen, wenn auch nicht so gezwungen wie die tagesaktuellen Referenzen im folgenden Dialog (Wirtschaftskrise + China). Und die Art, wie die schmachtenden Frauen an Bruce Wayne hängen? Heiliger Bimbam! Dagegen ist ja jedes Barbarengemälde von Frank Frazetta eine feministische Fingerübung. Was auch die Frage aufwirft: Die Dame in Arkham? War das Dumb Bunny von den Inferior Five? Und ist der Buttshot dann automatisch eine ironische Brechung?

Ach ja, statt einfach Arsch zu treten, muss Batman sich bei der Polizei vor dem Arkham Asylum erstmal einen dramatischen Auftritt verschaffen und einen Klugscheißerspruch vom Stapel lassen.

Spätestens als auf der letzten Seite Two-Face in der neuen Hardcoreversion auftritt, über zwei Meter groß und mit mehr Muskeln bestückt als eine Wrestlinggroßveranstaltung, wurde mir klar, dass das hier DCs Antwort auf die erfolgreichen Image-Comics der Jahre 1993 und 1994 ist. Nur, warum es 17 Jahre gebraucht hat, um diese Antwort rauszukloppen, das verstehe ich noch nicht ganz.

Batman and Robin hat wenigstens Spaß gemacht, The Dark Knight erscheint – besonders nach Batman #1  – einfach nur völlig überflüssig.

ZOOM-FAKTOR: 2 von 10!


 

Bereits im Juni hatte COMICGATE alle 52 neuen DC-Serien vorurteilslos begutachtet und eingeordnet: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4.

Alle Folgen von „52 mal berührt“

Code Word: Geronimo (US)

Cover Code Word: GeronimoIn der Nacht vom 1. zum 2. Mai 2011 tötete ein Spezialkommando der US Army den Staatsfeind Nummer 1, Al-Qaida-Führer Osama Bin Laden, der bis dahin in einem Haus im pakistanischen Abbottabat gelebt hatte. Nur wenige Wochen später kündigte der Verlag IDW Publishing eine „Graphic Novel“ an, die das Geschehen dieser Nacht in Comicform nacherzählt. Im September ist das Buch nun erschienen – passend zu den Gedenkfeiern zum zehnten Jahrestag der Anschläge vom 11. September, die den Terroristen Bin Laden endgültig zum obersten Feindbild der USA gemacht hatten.

Mit dem Funkspruch „Geronimo“ verkündete der Leiter des Einsatzes den erfolgreichen Abschluss der Aktion. Dieses Codewort (dessen Bedeutung im Buch auch erklärt wird) gab dem Comic seinen Titel. Geschrieben wurde er von Dale Dye, einem ehemaligen Captain des US Marine Corps, und seiner Frau Julia. Beide arbeiten für Charlie Foxtrot Entertainment, eine Firma, die Hollywoodstudios und andere Produzenten von Unterhaltung bei militärischen Themen berät. Man hat es also mit Profis in Sachen Militär-Propaganda zu tun.

Seite aus Code Word: GeronimoUnd Code Word: Geronimo macht auch keinen Hehl daraus, ein Stück Propaganda zu sein. Formal handelt es sich um das, was man im Fernsehen ein Doku-Drama nennen würde: eng angelehnt an reale Ereignisse, aber in Teilen fiktionialisiert. Es tauchen authentische Personen (wie Präsident Obama und Außenministerin Clinton) auf, aber in den Reihen der Soldaten gibt es auch Figuren, bei denen zumindest die Namen geändert wurden. Teilweise erlaubten sich die Autoren auch erzählerische Freiheiten im Ablauf der Geschichte – wohl notgedrungen, da die genauen Details der „Operation Neptune’s Spear“ der Geheimhaltung unterliegen.

Dale Dye verzichtet auf lange Einleitungen und steigt direkt ein, nur wenige Stunden vor Beginn der Aktion. Wir beobachten Mitglieder der Navy SEALs bei den Vorbereitungen, internen Lagebesprechungen und Videokonferenzen mit Washington. Dazwischen wird immer wieder militärisches Equipment wie Hubschrauber in Szene gesetzt – schicke Gerätschaften einer tollen, gut ausgestatteten Armee. Die zweite Hälfte des Comics gehört dann dem eigentlichen Einsatz – hier dominiert eindeutig die Action: Osamas Wohnhaus wird gestürmt, es wird ein bisschen geballert, bis am Ende der Al-Qaida-Chef erledigt ist. Zum Schluss gibt es Lob aus dem Weißen Haus und, in einer pathostriefenden Schlussszene, Freudentränen auf den Straßen New Yorks. Fazit: Unsere Jungs haben ganze Arbeit geleistet, mit dem Tod eines der „Bösen“ ist die Welt wieder ein Stückchen besser geworden.

Seite aus Code Word: GeronimoDieses simple Weltbild setzt sich im anschließenden Textanhang fort, wo der Autor in einfachen Worten die Hintergründe von Bin Laden, Al Qaida und der „Operation Neptune’s Spear“ erklärt. Für kritisches Hinterfragen der Aktion und ihrer politischen Hintergründe bleibt hier keine Zeit. Die deutliche Kritik der amerikanischen Ureinwohner am Codewort „Geronimo“, die nach dem Einsatz laut wurde, wird zwar kurz erwähnt, jedoch nur um die Benutzung des Namens des legendären Indianerhäuptlings zum ehrenhaften Tribut an einen „großen, mutigen Mann“ umzudeuten. Mehr noch als der eigentliche Comic liest sich der Anhang wie eine Werbebroschüre aus dem Rekrutierungsbüro der US Army: Willst du auch einer dieser tapferen Helden sein? Willst du den „Spirit of Duty, Honor and Country“ spüren? Komm zu uns!

Die Zeichnungen von Gerry Kissell und Amin Amat sind solides, unaufregendes Handwerk: technische Gerätschaften, Häuser und Umgebungszeichnungen gelingen ihnen besser als die stets recht statisch wirkenden Gesichter. Der Seitenaufbau bleibt durchgehend einfach und geradlinig, was durchaus sinnvoll ist, da man hier sicher nicht nur eingefleischte Comicleser ansprechen will.

Als ernsthaften, politischen Sach- oder Reportagecomic kann man dieses Werk sicher nicht bezeichnen, dazu ist es zu einseitig, zu einfach und zu einfältig. Ist das ein Problem? Comics sind schon lange ein beliebtes Medium, um Soldaten und solche, die es vielleicht werden wollen, zu erreichen. Dass Regierungen und Militärs dieses Mittel einsetzen, um ihre Botschaften zu vermitteln, ist auch völlig legitim. Fragwürdig wird es allerdings dann, wenn sich ein etablierter Comicverlag wie IDW vor den Karren der Propaganda spannen lässt und einen Comic wie Code Word: Geronimo als ganz normalen Teil seines Programms anbietet, wo sich zwischen Transfomers, G.I. Joe und der Star Trek-Besatzung nun eben auch echte Soldaten tummeln dürfen.

 

Wertung: 2 von 10 Punkten

Pflichtkauf für jede Forschungsbibliothek zum Thema Propaganda. Für alle anderen nicht.


Code Word: Geronimo
IDW Publishing, September 2011
Text: Captain Dale Dye, Julia Dye
Zeichnungen: Gerry Kissell, Amin Amat
88 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 15,99 US-Dollar
ISBN: 9781613770979

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Abbildungen: © IDW Publishing, Charlie Foxtrot Entertainment

52 mal berührt: Justice League Dark #1

DC Comics startet sein komplettes Superhelden-Universum neu. COMICGATE trifft sich zum Speed-Dating mit den Erstausgaben aller 52 Serien. Wird es dabei zu heißen Spätsommer-Flirts kommen? Zu wilden Schlabberzungenküssen? Oder bleibt es doch eher beim Austausch lauer Unverbindlichkeiten? Hier ist alles drin, Freunde der Sonne. Folge 50 von 52: JUSTICE LEAGUE DARK #1 von Peter Milligan und Mikel Janin.

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MARC-OLIVER: Theoretisch ist Justice League Dark genau die Art von konzeptioneller Flanke vors Tor, die Milligan oft sicher verwandelt: eine „düstere“ Version der Justice League, auf übernatürliche Phänomene spezialisiert, die zwar lose mit Batman, Superman und Co. verbandelt ist, im Zweifelsfall aber ihr eigenes Süppchen kocht. Unter anderem mit dabei: alte Bekannte Milligans wie Shade oder John Constantine. In der Praxis kommt die Serie mit ihrem Debüt aber leider noch nicht einmal aus der eigenen Spielfeldhälfte heraus.

Teilweise liegt das an Zeichner Mikel Janin. Der erzählt zwar objektiv betrachtet die Geschichte, ohne dass sich Verständnislücken oder sonstige Defizite bemerkbar machen. Die im besten Sinn grausige Doppelseite mit der Autobahn ist sogar richtig originell und gut gemacht. Aber leider sieht man seinen Figuren in fast jedem Kästchen an, dass er viel mit dem Computer arbeitet. Das wirkt durchgängig alles recht steif und steril und mindestens einen Schritt entfernt von lebenden, atmenden Figuren, die es dem Leser erlauben, wirklich in die Geschichte eintauchen zu können.

In erster Linie muss sich Milligan aber an die eigene Nase fassen, denn auch dies ist eine Debütausgabe, in der zwar viel passiert, aber wenig interessiert oder berührt. Vieles erscheint routiniert, der Cliffhanger sogar etwas platt, und insgesamt hätte man sich gewünscht, dass Milligan vielleicht an einer Figur dranbleibt und sie entwickelt, statt alle ein, zwei Seiten zum nächsten neuen, meist konfusen Schauplatz mit neuen, meist unbekannten Figuren weiterzuzappen, die man dann auch wieder nicht richtig kennenlernt. Die erste Szene mit Shade hat immerhin kurz mein Interesse geweckt, läuft dann aber auch ins Leere. Am Ende gibt’s nochmal einen hohen Ball in den gegnerischen Strafraum, der aber auch keinen Abnehmer mehr findet.

Eher enttäuschender Start.

ZOOM-FAKTOR: 4 von 10!


 

BJÖRN: Ja, das größte Problem von Justice League Dark ist, dass das ganze Heft an Strukturmangel leidet. Milligan bringt zwar alle Figuren aufs Papier, stellt aber niemanden so richtig vor. Einzelne gute Momente (die von dir erwähnte Autobahnseite; die Seite davor, wenn die Frau merkt, dass sie nicht ist, was sie zu sein glaubt; die Seite, auf der Shade seine selbst geschaffene Freundin vernichtet) halten sich nicht die Waage mit den konfusen restlichen Geschehnissen. Ich verstehe zwar, wohin Milligan das alles steuert, aber der Comic hätte – gerade für Neuleser, die John Constantine, Zatanna und Co. noch nicht kennen – eine deutlich straffere Rahmenhandlung vertragen.

Auch in seinen Mono- und Dialogen erscheint mir Milligan viel zu bemüht: Die Erzählung von Madame Xanadu ist komplettes „Tales from the Crypt“-Sprech, während der Austausch zwischen Superman, Wonder Woman und Cyborg über Wissenschaft und Magie völlig gestelzt und unglaubwürdig in ihrer Situation wirkt. Und das ist noch bevor Wonder Woman anfängt, einen laufenden Kommentar von dem abzugeben, was wir auf der Seite sehen. („Superman. You’re being cut to ribbons.“)

Die Starrheit der Janin’schen Figuren hast du ja bereits erwähnt, da nicke ich also nur weise und wiederhole einfach mal dein Fazit: Eher enttäuschender Start.

ZOOM-FAKTOR: 4 von 10!


 

Bereits im Juni hatte COMICGATE alle 52 neuen DC-Serien vorurteilslos begutachtet und eingeordnet: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4.

Alle Folgen von „52 mal berührt“

52 mal berührt: The Fury of Firestorm #1

DC Comics startet sein komplettes Superhelden-Universum neu. COMICGATE trifft sich zum Speed-Dating mit den Erstausgaben aller 52 Serien. Wird es dabei zu heißen Spätsommer-Flirts kommen? Zu wilden Schlabberzungenküssen? Oder bleibt es doch eher beim Austausch lauer Unverbindlichkeiten? Hier ist alles drin, Freunde der Sonne. Folge 49 von 52: THE FURY OF FIRESTORM: THE NUCLEAR MEN #1 von Ethan Van Sciver, Gail Simone und Yildiray Cinar.

firestorm

MARC-OLIVER: Firestorm gehört zu den Neustarts, die mich positiv überrascht haben, wenn auch mit Abstrichen. Die Konstellation der beiden Hauptfiguren – der weiße Footballstar und der schwarze Außenseiter – finde ich einerseits prinzipiell interessant, gerade auch, weil die unterschiedliche Hautfarbe thematisiert statt nur als Klischee verwendet wird. Auch das Firestorm-Konzept wird hier ganz ordentlich eingeführt. Und die Art, wie man die Wut der beiden Helden, die so ziemlich das einzige ist, was sie gemeinsam haben, als Verbindung herausarbeitet und in den Superheldenaspekt mit einbezieht, ist vielversprechend.

Der Zeichenstil von Yildiray Cinar hat zwar keinen hohen Wiedererkennungswert, sieht aber ganz schön aus. Cinar beherrscht Alltagsszenarien ebenso wie großspurige Superhelden-Momente und bringt die Geschichte allgemein gut rüber.

Negativ fällt zunächst – mal wieder – die Grausamkeit einiger Szenen auf. Die Bösen sind hier keine Kostümierten, sondern skrupellose und sadistische Profisöldner, die gerne und viel foltern und morden. Die entsprechenden Szenen sind hier zumindest gekonnt und überzeugend umgesetzt, was aber nichts daran ändert, dass sie in der Geschichte wie Fremdkörper wirken. Zur Erinnerung: Es geht um Firestorm, eine gelb-rot-orange gefärbte Figur, die bei vielen in erster Linie für ihre Flanellflatterärmel bekannt ist. Es drängt sich auch hier wieder der Verdacht auf, dass Van Sciver und Simone mit der übertriebenen Gewaltdarstellung vielleicht irgendetwas überkompensieren.

Der nächste Pferdefuß sind die inneren Monologe der beiden Protagonisten. Die sind nicht nur vollkommen überflüssig, sondern auch schlecht geschrieben. Wenn Ronnie Raymond etwa mitten im Spiel den Football in die Hand bekommt, dann wird er innerlich wohl kaum ausgedehnte philosophische Überlegungen zu seiner generellen Lebenssituation anstellen – außer vielleicht, er verfügt über die geheime Superkraft, die Zeit anhalten zu können. Und wenn er später bei seiner Mutter am Tisch sitzt und sich so denkt, „She’s raising me on hope and gravy“, dann klingt das nicht nach einem Highschool-Fottballhelden, der sich beim Abendessen Gedanken macht, sondern nach einer Comicfigur, der man schlimm geschwollene Prosa in den Kasten geschrieben hat. Schlicht gesagt: Der Comic liest sich besser, wenn man die gelben und orangenen Kästchen einfach ignoriert.

Die Charakterisierung der beiden Figuren klappt sonst zwar ganz gut, flacht aber in der zweiten Hälfte des Hefts merklich ab und droht doch noch, sie auf Klischees zu reduzieren. Auch die Handlung gerät leider etwas aus den Fugen. Was sich nach dem großen Knall auf den letzten sechs Seiten abspielt, bessert zwar die Action-Quote auf, ist aber an und für sich wenig interessant.

Trotz der Kritikpunkte ist Firestorm aber prinzipiell solide gemacht und hat Potenzial. (Laut Impressum heißt die Serie übrigens The Fury of the Firestorms. Ich muss gestehen, einen Comic über eine Familie namens „Die Feuersturms“, etwa die Eheleute Günther und Elke Feuersturm und ihren Sohn Ulf aus Wanne-Eickel, würde ich sogar noch lieber lesen als den hier.)

ZOOM-FAKTOR: 5 von 10!


 

BJÖRN: Die Hautfarben nicht nur als Klischee? Den Moment, in dem beim Abendessen gefragt wird, warum man keine schwarzen Freunde habe, fand ich schon ziemlich geholzhämmert. So wie mir auch die ganze Jocks-gegen-Nerds-Baggage wie ein brutaler Rücksturz in die 1980er vorkam. Ich nehme ja Gail Simone ab, dass sie das ernst meint, aber galant geht anders.

Was Fury of the Firestorm: The Nuclear Men (oder kurz: FotFTNM … und jetzt alle zusammen, es macht Spaß, das auszusprechen: FotFTNM) zeigt, ist, dass Gail Simone ihr Handwerk versteht. Als erste Ausgabe geht das Heft die Sache nämlich richtig an: Gefahr präsentieren, Hauptfiguren vorstellen, Kräfte verteilen, Kräfte andeuten und Erzfeind für die Zukunft aufstellen. Eine grundsolide Origin-Geschichte, die Neuleser wirklich da abholt, wo sie stehen. So weit, so gut.

Und ich mag die Art, wie Simone mit ihren zwei gegensätzlichen Fokuscharakteren spielt. Szenen auf derselben Seite zu kontrastieren ist eine altbewährte Erzähltechnik, die immer noch funktioniert. Und von einer Sekunde zur nächsten den Fokuscharakter zu wechseln ist auch eine gute Weise, um dem Leser klar zu machen, wie unterschiedlich Ronny und Raymond die Welt sehen. Darüber hinaus wird im ersten Auftreten der beiden Feuerstürmler deutlich, wie groß ihre Kraft ist. Da leistet Yildiray Cinar gute Arbeit.

Abgesehen davon enttäuscht mich FotFTNM aber leider sehr, da sind zu viele Momente, in denen Simone schlicht zu bemüht ist: Das geht schon mit dem angewandten Phlebotinum los. Eine Seite technopalavriges Bladibla über das Higgs Boson und Quantengelöt, um die Kräfte von Firestorm zu begründen. Und Simone sollte besser in den folgenden Heften erklären, warum Dr. Stein (das Genie hinter diesen Entdeckungen) der Meinung war, dass eine Thermoskanne voll unglaublich mächtiger Higgs-Boson-Suppe, die ausreicht um ganze Städte zu plätten, im Schließfach eines High-School-Nerds besonders sicher aufgehoben ist. Egal wie smart der Junge sein mag, das erschien mir schon mit der Brechstange in den Plot gehebelt.

Zudem: Wir haben Teenager als Protagonisten, darum muss wohl wieder viel Gewalt und Folter auf den Seiten geschehen. Rückwirkend war ich vielleicht zu hart zu Static Shock. Der Comic war dröge, aber wenigstens hat er nicht versucht, sich über ganz viel bierernste Brutalität zu rechtfertigen.

Es ist eine solide Origin und der Plot kommt auf 20 Seiten ziemlich gut voran, aber es ist das zweite Heft dieses Neustarts, in dem Gail Simone für mich deutlich hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt. (Und falls das mit „Die Feuersturms“ nichts wird, kann ich dir sicher noch ein paar alte Fury-Comics beschaffen.)

ZOOM-FAKTOR: 4 von 10!


 

Bereits im Juni hatte COMICGATE alle 52 neuen DC-Serien vorurteilslos begutachtet und eingeordnet: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4.

Alle Folgen von „52 mal berührt“

Links der Woche: Mit Charlie Hebdo, Gedanken zur Comic-Kritik und einem Incal-Trailer

Unsere Links der Woche, Ausgabe 39/2011:

 

Molotow-Cocktail zum Apéro
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Jürg Altwegg
Krass, ohne Angst – und unter Polizeischutz
Spiegel Online, Carsten Volkery
Zierfische der Pressefreiheit
Süddeutsche Zeitung, Joseph Hanimann
Das Thema der Woche ist sicher der Brandanschlag auf die Redaktion des Pariser Satireblatts Charlie Hebdo. Die Zeitschrift brachte letzte Woche eine bewusst provokante Ausgabe unter dem Titel Sharia Hebdo, mit dem Propheten Mohammed als Chefredakteur. Dass sich radikale Islamisten über diese Aktion aufregen würden, überrascht nicht und war wohl auch einkalkuliert. Dass aber am Erscheinungstag des Heftes die Redaktionsräume durch ein Molotov-Cocktail völlig ausbrannten, gehörte sicher nicht zum Plan. Außerdem wurde die Website des Magazins gehackt. Wer diese Attacken ausübte, ist bislang nicht bekannt. Die französischen Medien reagierten mit Solidaritätsbekundungen. Die Zeitung Libération nimmt die obdachlose Charlie Hebdo-Redaktion vorübergehend bei sich auf, in der Donnerstagsausgabe erschien auch eine gemeinsam produzierte Sonderbeilage.

Tintin in the Congo not racist, says Belgian judicial adviser
The Guardian, Reuters
Die Klage des Kongolesen Bienvenu Mbutu Mondondo gegen den belgischen Verleger von Tintin au Congo (Tim im Kongo), die ein Verkaufsverbot des Comics zum Ziel hat, wird wahrscheinlich abgewiesen. Ein offizielles Gutachten empfiehlt die Einstellung des Verfahrens. Die Darstellungen der Afrikaner in dem Comic aus dem Jahr 1931 sei kein Ausdruck von Rassenhass, sondern müssten im Kontext ihrer Entstehungszeit gesehen werden.

Comics und „Graphic Novels“ im Literaturbetrieb
Texturen, Bernd Villhauer
Ein interessanter und kundiger Artikel beschreibt, wie Comics es mühevoll geschafft haben, sich im Buchhandel zu etablieren: „Interessanterweise findet dieser Durchbruch statt in einer Zeit, in der der Buchhandel ebenso Probleme hat wie das comicproduzierende Gewerbe.“

Gib dem Kind einen neuen Namen
buchreport, Christina Reinke
Interview mit Comichändler Michael Grimm (X-tra-BooX, Frankfurt) zur Frage, ob sich die Situation von Comics in Deutschland durch den Graphic-Novel-Boom verändert.

aufgezeichnet.tv, 3. Sendung
aufgezeichnet.tv
Die dritte Ausgabe der Online-Comicsendung befasst sich unter anderem mit „20 Jahre Manga in Deutschland“ und dem Themenschwerpunkt „Fantasy made in Germany“, der direkt hier zu sehen ist:

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My Digital Comics Mainfesto
iFanboy, Mike Romo
Comicleser Mike Romo hat sich ein iPad gekauft und ist großflächig auf digitale Comics umgestiegen. Hier erklärt er, warum er von diesem Format begeistert ist. Interessante Pro- und Contra-Argumente auch in den Kommentaren unter dem Artikel. 

The Comic Book Pirate Interviews, Part II
The Comic Book Pirate Interviews, Part III
iFanboy, Jim Mroczkowski
Teil 2 und 3 der Interviewreihe mit anonymen Comic-Raubkopierern (und -Innen!). Teil 1 hatten wir schon in der letzten Ausgabe der Links der Woche. 

Critiques, Criticism, Reviews And Jokes: Why Do You Talk About Comics?
Robot 6, Michael May
Der dritte und letzte Beitrag in einer kleinen Reihe von Blogpostings zum Thema Comic-Kritik (hier Teil 1 und Teil 2). Michael May macht sich Gedanken darüber, dass im Prinzip jeder, der (in welchem Rahmen auch immer) über Comics spricht, ein Kritiker ist, und welche unterschiedlichen Formen von Kritik daraus entstehen können.

Tips on How to Conduct an Interview with a Comics Creator
Comixology, Kristy Valenti
Worauf sollte ein Interviewer achten, wenn er mit einem Comickünstler spricht? 

THE INCAL movie trailer
YouTube, Pascal Blais
In den frühen 80er Jahren produzierte das kanadische Animationsstudio Pascal Blais mit ein paar Trickfilmzeichnern, die am Heavy Metal-Film mitgearbeitet hatten, einen Trailer zu einer Zeichtrickverfilmung des SF-Comic-Klassikers Der Incal von Moebius und Jodorowsky. Aus dem Film selbst ist nie was geworden, aber nun hat Blais den Trailer noch einmal mit neuer digitaler Technik aufbereitet. Und man muss sagen, das sieht wirklick schick aus:

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