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Die Geißel der Götter 4-6

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Cover von Band 4Wie konnte ich diese Serie nur so lange übersehen? Bereits in den Jahren 2002 bis 2003 erschienen die ersten drei Alben von Die Geißel der Götter beim Carlsen Verlag, die Serie wurde dann jedoch in den kommenden Jahren nicht mehr weitergeführt. Erst vor kurzem, genau gesagt ab Ende 2010, übernahm Finix die darbende Serie und legte innerhalb weniger Monate die zweite Hälfte der Reihe vor.

Band 4 mit dem Titel „Vae victis“ war für mich demnach der Einstiegspunkt in ein anfangs sehr befremdliches Paralleluniversum. In einer gigantischen Weltraumschlacht erwehrt sich dort das römische Reich der Angriffe des Hunnenkönigs Attila, es handelt sich um ein aus historischen Fakten gesponnenes Sci-Fi-Getümmel.

Es mag komisch klingen, aber die Kombination aus antiker Politik und Konfrontation im Weltraum funktioniert hervorragend (und man findet sich auch ohne Vorwissen aus den ersten drei Alben gut zurecht). Die Geißel der Götter verbirgt aber viel mehr als nur den Krieg in einer parallelen Welt. Die Serie spielt im weiteren Verlauf mit den realen Rollen der historischen Persönlichkeiten, ändert sie, legt sie neu aus. Selbst die römischen Gottheiten existieren hier, aber auch bei diesen bleibt es spannend zu erfahren, inwieweit sie denen in unseren Geschichtsbüchern nahe kommen.

Seite aus Band 5Szenaristin Valérie Mangin fabuliert in meisterhafter Weise über Ehre, Tod und Leben. Im letzten Drittel des sechsteiligen Epos mündet dieses Vorhaben in einer übersteigerten metaphysischen Ebene, die rückwirkend den Blickwinkel auf die gesamte Story ändert. Damit beweist sie eindrucksvoll, dass es sich bei diesem Comicprojekt von Anfang an um ein durchdachtes Gesamtbild handelte, welches durch überraschende Enthüllungen und Wendungen erst nach und nach offensichtlich werden sollte.

Einfach als eine wahre Pracht muss man wohl die Arbeit von Aleksa Gajic bezeichnen, der mit ganz feinen Outlines und einer zurückhaltenden Kolorierung viel zur einnehmenden Stimmung des Comics beisteuert. Selten gab es ein so schön gezeichnetes Science-Fiction-Universum.

Cover von Band 6

Am Ende von Band 6 hat Finix erfreulicherweise einen 16 Seiten umfassenden Bonuspart abgedruckt. Valérie Mangin führt den Leser darin durch den Entstehungsprozess der Serie und erläutert Hintergründe zu allen Alben, auch sogar zu den ersten drei, die seinerzeit bei Carlsen erschienen waren. Zudem werden nochmal alle Schauplätze und Personen und ihre Beziehung zu den realen Vorbildern zusammengefasst und erklärt. Alles in allem Zusatzinformationen also, die bei einer kompexen Reihe wie Die Geissel der Götter wirklich Sinn machen.

Im Übrigen verfasste Mangin mittlerweile eine zweite, ebenfalls sechsteilige Comicreihe, die im selben Universum wie Die Geißel der Götter angesiedelt ist. Diese spielt vor dem Angriff der Hunnen und behandelt die Zeit der Gründung des galaktischen römischen Reiches. Es wäre absolut wünschenswert, dass es diese Serie auch nach Deutschland schafft.

 

Wertung9 von 10 Punkten

Eine innovative Kombination der Genres, grandiose Bilder, ein brillantes Comicwerk

 

Die Geissel der Götter 4-6
Finix Comics, September 2010-März 2011
Text: Valerie Mangin
Zeichnungen: Aleksa Gajic
farbig, Softcover

Band 4: Vae victis
48 Seiten, 11,80 Euro

ISBN: 978-3-941236-30-1
Leseprobe

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Band 5: Dei ex machina
48 Seiten, 11,80 Euro

ISBN: 978-3-941236-31-8
Leseprobe

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Band 6: Exit
64 Seiten, 12,80 Euro

ISBN: 978-3-941236-32-5
Leseprobe

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Abbildungen © Aleksa Gajic/Soleil, der dt. Ausgabe: Finix Comics

Links der Woche: Mit Comics in Leipzig und Karikaturisten in München

Unsere Links der Woche, Ausgabe 11/2011:

 

Interest: Morning, Evening Manga Creators Draw for Quake Victims
Anime News Network
Die Katastrophe in Japan findet natürlich auch ihr Echo in der Manga- und Animeszene. Einige große Veranstaltungen entfallen oder werden verschoben. Zahlreiche Künstler in Ost und West starten Benefiz-Projekte, japanische Zeichner drücken ihr Mitgefühl mit den Betroffenen durch eigens angefertigte Bilder aus, wie die im obigen Link verlinkten Künstler des Manga-Magazins Morning oder der Mangaka Takehiko Inoue (Vagabond), der via Twitter eine ganze Bilderserie mit dem Titel „Smile“ postet.  

Jens Harder im Interview: … ich bin ja nicht der Meinung der Kritiker…
Comic Radio Show, Markus Gruber
Im Interview mit der Comic Radio Show reagiert Jens Harder unter anderem auch auf die Plagiatsvorwürfe, die ihm nach der Veröffentlichung von Alpha … Directions entgegenschlugen (wir berichteten): „In solchen Fällen muß eine Herangehensweise wie die meine möglich sein, sonst beschneidet sich das Medium Comic selbst massiv.“

Kein Spaß
Süddeutsche Zeitung, Sabine Buchwald
Bei einer Podiumsdiskussion zum „Stand der Karikatur“ in München kam es zwischen den Diskutanten zu einem kleinen Eklat, der auf einen Generationenkonflikt zwischen Bildwitz-Produzenten hindeutet: SZ-Karikaturist Dieter Hanitzsch warf Marcus Weimer, Teil des Cartoonisten-Duos Rattelschneck, auf dem Podium vor, dessen Zeichnungen seien „grottenschlecht“.

Comics in Leipzig – erfolgreicher Messe-Schwerpunkt
Deutsche Welle, Antje Hoffmann
Noch bis morgen läuft die Buchmesse in Leipzig, deren Schwerpunkt „Comics in Leipzig“ seit Jahren ein wichtiger und fester Bestandteil ist, welcher sich allerdings überwiegend um Manga dreht. Der Artikel der Deutschen Welle nähert sich dem Thema über die lokale Comicszene in Leipzig, die mit „Comics in Leipzig“ eher unzufrieden ist: „Junge Nachwuchszeichner außerhalb des Mangas, anspruchsvolle Comic-Romane und Comic-Reportagen fänden in Leipzig viel zu wenig statt.“  

„Leipzig ist ein fast 100-prozentiges Manga-Event“
Buchreport, Lucy Kivelip
ICOM-Vorsitzender Burkhard Ihme sieht das im Interview mit dem Buchhandels-Branchenblatt Buchreport ähnlich. Ein Interview übrigens, das auf interessante Weise scheitert, indem es in nur sechs Fragen versucht, den kompletten Stand des Comics in Deutschland zu erörtern. 

Graphic Novels auf der Leipziger Buchmesse
graphic-novel.info, Christian Maiwald
Dass die Buchmesse jedoch sehr wohl auch Comics jenseits von Manga zu bieten hat (wenn auch an anderen Stellen als im Bereich „Comics in Leipzig“), zeigt der Überblick bei graphic-novel.info und ein Blick ins Veranstaltungsprogramm

The Web of ‘Spider-Man’
The New York Times
Über den absolut desaströsen Werdegang des Spider-Man-Musicals Turn Off The Dark am Broadway ist seit Monaten immer wieder zu lesen. Die New York Times bietet nun eine interaktive Timeline, auf der sich die unrühmliche Geschichte (beginnend im Oktober 2005) chronologisch nachvollziehen lässt: 

Preis für Webcomics: Lebensfenster

Update 20.04.2011: Bekanntgabe der Shortlist

Der zunehmenden Qualität und Quantität der deutschsprachigen Webcomics wird in diesem Jahr erstmalig ein eigener Preis gerecht:

Lebensfenster – Der Kurt-Schalker-Preis für Grafisches Blogen

Klaus Schikowski stellte letztes Jahr Kurt Schalker, der seine ganz eigene Schreibweise des Bloggens eingeführt hat, in diesem Comicgate-Artikel näher vor.

 

Der Preis ist mit 100,- Euro dotiert, an einer Lebensfenster-Trophäe wird gerade gearbeitet. Laut den Organisatoren soll sich der Preis etablieren, so dass nicht von einer einmaligen Aktion auszugehen ist.

Vergeben wird „Lebensfenster“ auf dem diesjährigen Comicfestival München (23.-26. Juni) im Rahmen der Verleihung des ICOM Independent-Comic-Preises.

 

Hier die Pressemitteilung des Kurt-Schalker-Komitees (KSK), dem Felix Görmann (Flix), Johannes Kretzschmar (beetlebum), Ulf Salzmann (Flausen) und Klaus Schikowski angehören:

„Dieses Internetz scheint mir wie eine Laune der Natur. Es beherbergt katastrophale, unsinnige Dinge, aber auch ganz wunderbar funkelnde Preziosen. Zu diesen gehören die Blog-Comics, digitale Comicstrips regelmäßig veröffentlicht. Die Zeichner sprechen über sich selbst und über ihren Alltag oder erfinden Geschichten, und es scheint wie im richtigen Leben: Mal hört man ihnen gerne zu, mal schläft man fast dabei ein.“
– Kurt Schalker

Logo_KurtSchalkerPreisIm Internet hat sich eine neue Form des Comics ausgeprägt. Viele Zeichner veröffentlichen regelmäßig und mit wachsender Beliebtheit in der digitalen Welt neue Comicstrips oder Teile einer großen Erzählung. Um dieser Form gerecht zu werden, wird ab 2011 ein regelmäßiger Comic-Preis für den besten Onlinecomic vergeben: Lebensfenster – Der Kurt Schalker-Preis für Grafisches Blogen“

 

Der Preis wird zu Ehren des Bloger-Urgesteins Kurt Schalker vergeben, einem der großen Pioniere des Tagebuchcomics. Wie die Legende besagt, veröffentlichte Kurt Schalker bereits ab 1956 seine „Lebensfenster“, in denen der gebürtige Gelsenkirchner Alltägliches aus der Nachkriegszeit zur Schau stellte.

Ob Kunstfigur oder nicht, Kurt Schalker ist zu einem wichtigen Vorbild der Bewegung der Comic-Bloger geworden, und aus diesem Grunde hat sich das Kurt-Schalker-Komitee (KSK) zusammengefunden, um den besten Online-Strip des Jahres zu küren. Der Preis wird im Rahmen der ICOM-Preisverleihung in diesem Jahr auf dem Münchner Comic-Festival vergeben. Der Gewinner erhält ein Preisgeld von 100 Euro und die Trophäe „Lebensfenster“.

 

Die Nominierten für 2011 sind:

 

Flix: Webcomics und LebensfensterDas KSK besteht aus:

  • Felix Görmann (Flix) – Comic-Zeichner und Max-und-Moritz-Preisträger
  • Johannes Kretzschmar (beetlebum) – Comic-Zeichner, Sondermann-Gewinner und Herausgeber (Seelenstrips)
  • Ulf Salzmann (Flausen) – Comic-Zeichner und Herausgeber (Seelenstrips)
  • Klaus Schikowski – Comic-Aktivist und -Publizist

 

Das KSK möchte darauf hinweisen, dass es um einen Dienst an der Sache geht und dass jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen nicht beabsichtigt ist. Da die Existenz von Kurt Schalker immer noch angezweifelt wird, möchte das KSK diese Zweifel auch nicht beseitigen.

Facebookgruppe

Über Kurt Schalker: http://www.comicgate.de/Artikel/kurt-schalker-der-vater-des-modernen-online-strips.html

Kontakt: lebensfenster (at) gmx.de

(Ende Pressemitteilung)

Mitorganisator Ulf Salzmann erklärt das genauere Vorgehen im Comicforum: „Wir haben zehn Webcomiczeichner in Form einer Longlist nominiert.Im weiteren Verfahren werden wir durch Abstimmung im KSK aus der Longlist fünf Nominierte für die Shortlist auswählen. Aus dieser Shortlist küren wir den Sieger, welcher dann die mit 100,- Euro dotierten „Lebensfenster“ und den gleichnamigen Pokal bekommt.“


Update 20.04.2011: Shortlist

Die Longlist wurde anstatt auf fünf bereits auf vier Webcomics zusammengekürzt und im Comicforum bekannt gegeben.

Aus folgender Shortlist wird der Sieger auf dem Comicfestival München ermittelt:

Frisch aus der Druckerei: Februar 2011

Unser monatlicher Rückblick auf die aktuellen Comic-Novitäten: Diesmal mit den Veteranen Will Eisner und Alex Toth, mit Kindercomic-Klassikern aus Frankobelgien, mit Jesusgeschichten als Manga und dem modernen Klassiker All Star Superman.

HIGHLIGHT DES MONATS

Es ist nicht leicht, in der Flut von Superheldenserien, die die beiden Verlage Marvel und DC Woche für Woche in den Markt spülen, die wirklichen Leuchttürme auszumachen. Jene Comics, die deutlich über den Durchschnitt herausragen und auch in mehreren Jahren noch als Meilensteine des Genres gelten dürfen. Eine 12-teilige Maxiserie, auf die dies zutrifft, ist All Star Superman von Grant Morrison und Frank Quitely (in den USA zwischen 2005 und 2008 erschienen). Abseits der strengen Continuity des DC-Universums entspannte Morrison hier eine zeitlose Geschichte, die sowohl Superman-Einsteiger als auch -Spezialisten begeisterte, und auf die sich vom eingefleischten Superheldenfan bis zum anspruchsvollen Kritiker fast alle einigen konnten. Bei den Eisner Awards und anderen Preisverleihungen war die Serie ebenso präsent wie in zahlreichen Jahres- und Jahrzehnts-Bestenlisten. In Deutschland brachte Panini das Werk zunächst in Form von sechs Heften heraus (2006 bis 2009). Jetzt gibt es die komplette Reihe erstmals in einem dicken Sammelband, somit liegt endlich einer der wichtigsten amerikanischen Mainstream-Comics der letzten Jahre in Buchform vor. Die deutsche Presse ignoriert dies erwartungsgemäß komplett. Über Superhelden schreibt man dort eben nur, wenn mal wieder neue Rekordpreise für Erstausgaben erzielt werden oder ein Musical-Fiasko am Broadway droht. (Leseprobe bei myComics)

EIGENPRODUKTIONEN

Der Saarländer Bestsellerautor Markus Heitz (Die Zwerge) kaufte vor ein paar Jahren die Rechte an dem amerikanischen Science-Fiction-Rollenspiel Justifiers und begann, dieses Universum in verschiedenen Medien zum Leben zu erwecken. Den Auftakt zu dem Projekt bildete der Roman Collector, der wiederum von Jörg Krismann (Szenario), Hannes Radke (Zeichnungen) und Christian Turk (Farben) als Comic adaptiert wurde. Die ersten Kapitel von Justifiers: Collector erschienen letztes Jahr im Magazin Comix, nun gibt es den ersten von drei Bänden beim Comicstars-Label von Droemer Knaur. Eine Leseprobe gibt es hier.

AUS DEN USA

Bei Carlsen Comics ist nach einiger Verzögerung jetzt der zweite Teil der dreiteiligen „Will Eisner Bibliothek“ erschienen. New York versammelt vier Einzelwerke aus den Jahren 1986 bis 1993, in denen jeweils die Großstadt und ihre Bewohner im Mittelpunkt stehen.

Dass Panini für die lose Reihe „Vertigo Select“ ausgerechnet eine Miniserie aus dem Jahr 1994 ausgegraben hat, verwundert ein bisschen. Meines Wissens hat Vamps, eine Story um vier weibliche, motorradfahrende Vampire, in den USA keinen besonders nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Weder ist eine Verfilmung in Sicht noch sind Autorin (Elaine Lee) oder Zeichner (William Simpson) bekannte Namen. Auch das Artwork wirkt bereits etwas angestaubt. Bleibt als wahrscheinlichstes Motiv also, dass man eben einen weiteren Comic zum aktuellen Trendthema Vampire ins Programm nehmen wollte. Eine Kostprobe gibt’s bei myComics.

Auf das große DC-Event Blackest Night folgt, wie es im bekannten Abzählreim der Green Lantern vorgesehen ist, der Brightest Day. Das Autorenteam Geoff Johns und Peter Tomasi erzählt von zwölf Helden und Schurken, die in Blackest Night gestorben und am Ende wiederauferstanden sind und nun eine bestimmte Aufgabe erfüllen müssen, um weiterleben zu dürfen. Die 25-teilige Heftserie erscheint bei DC im 14-Tage-Rhythmus, Paninis deutsche Ausgabe wird in Form von sechs Paperbacks alle zwei Monate veröffentlicht. Bei myComics gibt’s die ersten 24 Seiten zu lesen.

Human Target, ein altes DC-Konzept aus den siebziger Jahren, wurde 1999 von Peter Milligan für das Vertigo-Label wiederbelebt. Seine Serie über einen Bodyguard, der die Identität der von ihm beschützten Personen annimmt, war kein großer Bestseller, wurde aber von Lesern und Kritikern hochgelobt. Im Herbst 2010 startete der Fernsehsender Fox eine gleichnamige Actionserie, die lose auf dem Human-Target-Konzept basiert. Parallel dazu brachte DC Comics eine neue Miniserie gleichen Namens, geschrieben von Len Wein, der die Figur des Christopher Chance seinerzeit erfunden hatte. Diese bringt Panini nun auf Deutsch in einem Band, passend zur Ausstrahlung der TV-Serie bei Pro Sieben. Das erste Kapitel gibt es bei myComics.

In Paninis Marvel-Ecke gab’s im Februar zahlreiche Neuheiten: In Das Marvel-Universum gegen den Punisher darf sich der Mann mit dem Totenkopf-T-Shirt mal wieder mit allen anderen anlegen. Mehrere Jahre nachdem Garth Ennis diese Idee schonmal in einem Einzelheft durchgespielt hat, tun es nun Jonathan Maberry und Goran Parlov in einer Miniserie, die Panini komplett in einem Paperback vorlegt. Das erste Viertel davon steht bei myComics zur Verfügung.

Im Januar wurde eine eigene Heftserie für Deadpool gestartet, aber es gibt so viel Material, dass auch noch für Sonderbände was übrig ist. Der Deadpool Sonderband 1: Weiber, Wummen & Wade Wilson! enthält die Miniserie Wade Wilson’s War von Duane Swierczynski und Jason Pearson, in der der „Söldner mit der großen Klappe“ auf seine eigenen Anfänge zurückblickt (US-Preview).

Der Italiener Gabriele Dell’Otto schwang den Pinsel für den Comic mit dem dezenten Titel X-Force: Sex + Violence, geschrieben von Craig Kyle. Panini bringt die Story mit den Hauptdarstellern Wolverine und Domini in dem albenähnlichen Format „Marvel Graphic Novels“ (myComics-Leseprobe)

Spacig wird es dagegen bei Realm of Kings. Dieses Marvel-Event, das bei Panini in Form von vier Sammelbänden erscheint, dreht sich um den „kosmischen“ Teil des Marvel-Universums, der seit einigen Jahren vom Autorenteam Dan Abnett und Andy Lanning gehegt und gepflegt wird, die auch den Vorläufer War of Kings schrieben, an den sich diese neue Reihe anschließt. Eine US-Vorschau gibt’s hier.

Für Freunde des Nostalgischen bringt der Torsten Lehmann Verlag unter dem Label „Classic Heroes“ die Serie Zorro – Die Abenteuer des schwarzen Reiters heraus. Die dort abgedruckten Zorro-Comics stammen aus den späten 50er und frühen 60er Jahren und sind vor allem deswegen bemerkenswert, weil sie von Alex Toth gezeichnet wurden. Dem inzwischen verstorbenen Künstler gelang nie der richtig große Durchbruch, er genießt jedoch als „artist’s artist“ in Fachkreisen hohes Ansehen und wird von vielen als einer der ganz großen Zeichner neben Eisner, Kirby und anderen Legenden genannt. Die Neuausgabe der alten Geschichten, die vor Jahren bereits von Ehapa veröffentlicht wurden, erscheint mit neuer Kolorierung und neuer Übersetzung. Eine Kostprobe ist hier zu sehen.

AUS GROSSBRITANNIEN

The Manga Jesus heißt der Band in der britischen Originalausgabe, die Ehapa Comic Collection nennt ihn schlicht Jesus. Der Künstler Siku, von dem auch das ähnlich gelagerte Werk Die Bibel stammt, adaptiert hier Szenen aus dem neuen Testament im Manga-Stil.

AUS FRANKREICH UND BELGIEN

Yakari von Dérib, bei uns erstmals 1978 bei Carlsen erschienen, läuft mittlerweile erfolgreich als Zeichentrickserie im KiKa, auch die Hardcover-Ausgabe der Comics bei Salleck scheint gut zu laufen, so dass man bei Ehapa nun eine gute Gelegenheit für eine preisgünstige Albenausgabe im Softcover sieht. Die Alben um den kleinen Indianderjungen, der mit Tieren sprechen kann, erscheinen monatlich und kosten schlanke 4,99 Euro.

Und noch ein Klassiker, der sich eher an Kinder richtet und lange nicht auf dem deutschen Comicmarkt präsent war: Die Schlümpfe sind zurück! Das Splitter-Label Toonfish veröffentlicht in schneller Folge sowohl die klassischen Alben aus der Feder von Peyo als auch die neueren Produktionen, die nach dessen Tod im Jahr 1992 von seinem Sohn produziert wurden. Im Februar erschien die Nummer 1 („Blauschlümpfe und Schwarzschlümpfe“) gemeinsam mit dem aktuellsten Album, Nummer 28 („Schlumpfine greift ein“). In den nächsten Monaten folgen jeweils zwei weitere Bände nach dem gleichen Prinzip. Die Reihe wird also chronologisch von beiden Enden aufgerollt, bis man sich in der Mitte trifft. Leseproben gibt es auf toonfish-verlag.eu.

Ebenfalls jüngere Leser im Visier hat Tokyopop mit dem Label Ankama: Neben der Serie Wakfu Heroes erscheinen dort nun auch Die Chroniken von Wakfu. In dieser Albenreihe werden launige Kurzgeschichten von diversen Zeichnern gesammelt, die alle in der Welt des Online-Rollenspiels Wakfu spielen, zu der auch eine Zeichentrickserie im Fernsehen läuft. Eine Leseprobe steht hier.

Auch für die ältere Kundschaft gab es im Februar viel neuen Stoff aus Frankreich: Bei Salleck erschien Der Buddha des Himmels, das bisher letzte Werk des Westschweizers Cosey (Jonathan). Im Original 2005 und 2006 in zwei Alben erschienen, kommt die deutsche Ausgabe in einem Komplettband. Der Comic erzählt von einem Engländer, den es in den 50er Jahren nach Tibet verschlägt, wo er sich in eine Einheimische verliebt. Seiten aus der französischen Ausgabe sind bei dupuis.com zu sehen.

Bei Epsilon erschien der erste Band von Antares. Mit dieser Reihe setzt Zeichner und Autor Leo sein Science-Fiction-Epos fort, dass er mit Aldebaran und Betelgeuze begonnen hat. Ein paar Seiten daraus sind hier zu sehen.

Gleich vier neue Albenreihen starteten zuletzt beim Splitter-Verlag. Benoit Sokal (Inspektor Canardo) widmet sich im Zweiteiler Kraa der Freundschaft zwischen einem Indianderjungen und einem riesigen Adler (Leseprobe). Ein klassischer Western à la Blueberry ist dagegen die sechsteilige Serie Wanted von Rocca und Girod, die sich um einen einsamen Kopfgeldjäger dreht, den alle nur unter dem Namen „Wanted“ kennen (Leseprobe). Die Kriegerinnen von Troy ist ein Spin-Off aus Chrisophe Arlestons Troy-Universum, gezeichnet von Dany, der auch hier seinen erotisch angehauchten Semi-Funny-Stil einbringt (Leseprobe). Und Clockwerx (angelegt auf zwei Teile) ist ein Krimi für Steampunk-Fans, der im London des 19. Jahrhunderts spielt, wo plötzlich riesenhafte Maschinen, quasi viktorianische Transformers, auftauchen (Leseprobe).

Die Ehapa Comic Collection führt das stetig anwachsende Comicwerk von Alejandro Jodorowsky weiter und bringt mit dem ersten Band von Sang Royal ein wüstes und blutiges mittelalterliches Schlachtenepos. Auf der französischen Seite des Verlags Glénat gibt es eine Leseprobe (rechts auf „Planches“ klicken), Jons Marek Schiemann hat das Album für uns besprochen.

Bei Schreiber & Leser gibt es einen weiteren Comic, der unter dem Label „noir“ erscheint: Die Straße nach Selma von Philippe Berthet und Tome, ein Südstaatenkrimi, der um das Thema Rassismus kreist, ist die Neuauflage eines Albums, das vor 16 Jahren schonmal bei Carlsen erschien und damals den Titel Zufällige Nähe trug. Zur Leseprobe geht’s hier.

AUS ASIEN

Aus dem umfangreichen Werk von Jiro Taniguchi erscheint bei Carlsen eine Literaturadaption: Mit Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß hat Taniguchi einen Roman der Schriftstellerin Hiromi Kawakami (auf Deutsch bei Hanser erschienen) als Manga umgesetzt. Erzählt wird eine Liebesgeschichte zwischen einer nicht mehr ganz jungen Frau und einem alten Mann, ihrem ehemaligen Japanischlehrer. Der Verlag bringt das Werk als zweibändige Ausgabe unter seinem „Graphic Novel“-Label. Eine Seite daraus ist auf graphic-novel.info zu sehen.

Vampirromanzen sind immer noch im Trend, auch bei Planet Manga: Dort erscheint die dreiteilige Serie Honey Blood von Miko Mitsuki. Die ersten 18 Seiten gibt’s bei myComics zu lesen.

An gleicher Stelle findet sich eine Leseprobe des ersten Bandes von Spice & Wolf. Die vierteilige Reihe von Isuna Hasekura und Keito Koume ist eine leicht erotisch angehauchte Fantasystory, die auf der gleichnamigen Light-Novel-Serie basiert, welche auch als Anime adaptiert wurde.

Viel Action und eine Menge Haut bekommt man in dem Zweiteiler Yakuza Girl (ebenfalls Planet Manga) zu sehen, ein Manga, der sich in die Schublade „Ecchi“ einordnen lässt. Auch hierzu hat myComics eine Leseprobe.

Und bei EMA erschienen zwei One-Shots für alle, die gerne romantische Geschichten mit vielen hübschen Jungs lesen: I Care For You von Ayano Saijo und die Boys-Love-Fantasy-Geschichte Blüten im Sand von Azumi Moka.

SEKUNDÄRLITERATUR

Das ultimative Werk zum 75. Jubiläum von DC Comics ist mit Paul Levitz‘ 75 Jahre DC Comics: The Art Of Modern Mythmaking ja schon länger auf dem Markt. Wem die 150 Euro zu viel sind, könnte sich vielleicht für Die DC Comics Chronik interessieren, deren deutsche Ausgabe bei Panini erschienen ist. Hier wird die Verlagsgeschichte chronologisch abgearbeitet, die Abbildungen sind längst nicht so üppig wie bei Levitz, aber auch sehr zahlreich. Einen Blick ins Buch gibt es hier zu sehen.

Dédé 1 – Sind Sie tot, Madame?

dede1Erik ist ein deutschsprachiger Künstler, der vielen vielleicht bereits bekannt ist durch seine Zeitreise-Historien-Epos Deae Ex Machina, das er ursprünglich als Webcomic gestartet hat (und auch bis heute weiterführt), das aber seit geraumer Zeit ebenso fester Bestandteil des Magazins Comix ist, wo die Geschichte als Fortsetzungscomic erstmals in gedruckter Form erscheint. Neben diesem bereits beeindruckenden Mammutprojekt (für mich regelmäßig das Highlight des Comix-Magazins), legte der fleißige Saarländer unlängst sein erstes richtiges Comicalbum bei Epsilon vor.

Vom Stil her erinnert Eriks Arbeit ohnehin an den frankobelgischen Comic, weshalb es auch nicht unbedingt verwundert, dass der Protagonist seines neuesten Werkes ein Pariser Privatdetektiv ist. Als klassischer Ermittler im Trenchcoat stolpert er nach einem geheimnisvollen Anruf über eine Reihe toter Frauen.

So ganz bierernst nimmt weder Detektiv Deschamps sich selbst („Nennen Sie mich Dédé“) noch Autor Erik die von einer Mordserie dominierte Handlung des Comics.

„Sind Sie tot, Madame?“ bewegt sich völlig unverkrampft zwischen spannendem Kriminalfall und einer humorvollen Einlagen. Das gelingt dem Künstler sowohl auf zeichnerischer als auch auf erzählerischer Ebene dermaßen gut, dass man das vorliegende Album nicht für das Debüt-Album eines deutschsprachigen Comiczeichners hält, sondern es eher einem etablierten französischen Comicstar zuordnen würde.

Es wäre demnach wünschenswert, wenn auch Eriks anderes Werk Deae Ex Machina in gesammelter Form und adäquater Aufmachung eine erneute Printveröffentlichung (kapitelweise oder als Komplettausgabe) zuteil werden würde. Man muss allerdings abwarten, ob dies aufgrund des Umfangs so bald geschehen wird. [Anmerkung: Kurz nach dem Verfassen dieser Rezension kündigte Erik auf seinem Blog eine Albenausgabe von Deae Ex Machina an.]

Bis dahin bleibt nur die Vorfreude darauf, dass es in Kürze noch weitere Fälle für Detektiv Deschamps zu lösen gibt (Band 2 ist für Mai 2011 angekündigt). Denn daran merkt man, dass Erik ein faszinierender Künstler ist, der die von großen Vorbildern der Comicszene geprägten Genres nicht einfach kopiert, sondern mit Leichtigkeit selbst zu definieren weiß.

 

Wertung8 von 10 Punkten

Hervorragender Detektivcomic, makaber wie witzig

 

Dédé 1: Sind Sie tot, Madame? 
Epsilon, Mai 2010

Text und Zeichnungen: Erik
48 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 12,50 Euro
ISBN: 978-3-86693-074-2

Leseprobe

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Abbildungen: © Erik

Links der Woche: Mit 10 Jahre Zuckerfisch, alten „Helden“ und Charlie Sheen

Unsere Links der Woche, Ausgabe 10/2011:

 

Wie jetz…10 Jahre?!?
Zuckerfisch News, Naomi Fearn
Seit genau 10 Jahren veröffentlicht die Stuttgarter Zeitung jede Woche einen Zuckerfisch-Strip von Naomi Fearn. Aus diesem Anlass blickt sie zurück, zeigt nochmal ihre allerersten Strips und präsentiert eine Reihe von Jubiläums-Coverversionen, die sie von anderen Künstlern (den Anfang macht Lapinot) zum Zehnjährigen geschenkt bekommen hat. Wir gratulieren ganz herzlich!

Von Sigurd, Superman und Graphic Novels
swr.de, Henning Hooss
Comics sind längst nicht mehr nur was für Kinder, es gibt inzwischen auch ernsthafte und anspruchsvolle Stoffe, undsoweiter. Alles nichts neues – eben ein typischer Mainstream-Medien-Artikel für ein allgemeines Publikum. Müssten wir hier nicht verlinken, wenn SWR-Redakteur Henning Hoos sich bei der Recherche nicht an unsere very own Frauke gewandt hätte. Die traf sich mit ihm auf einer Mannheimer Comic-Börse, auf der er dann auch die unterschiedlichen Gruppen des Comicpublikums kennenlernt, vom nostalgischen Sammler bis zum neugierigen Leser. 

Welcome to the New Comics Journal
The Comics Journal, Tim Hodler
Großer Neustart beim Comics Journal: Das renommierte amerikanische Fachmagazin hat sich vor einem guten Jahr entschlossen, nur noch einmal pro Jahr als gedruckte Ausgabe zu erscheinen, und ansonsten online aktiv zu sein. Die TCJ-Website war allerdings ein sehr unübersichtliches, schwer zu durchschauendes und nicht sehr ansehnliches Gebilde. Jetzt hat man einen klaren Schnitt gemacht: Man trennte sich von angeschlossenen Blogs und heuerte Dan Nadel und Tim Hodler als Chefredakteure für die Online-Ausgabe an. Die machten bisher das Magazin Comics Comics und gelten als angesehene Fachleute, die genug Erfahrung im Web haben, um das Comics Journal auch online zur ersten Adresse für seriöse und tiefergehende Auseinandersetzung mit Comics zu machen. Die ersten Schritte wirken vielversprechend: Neues Layout, klare Navigation, zahlreiche Kolumnen, viel Archivmaterial aus der Geschichte des Journal und ausführliche Artikel, z.B. über die Geschichte des autobiografischen Comics. Ein Interview mit den neuen Chefs gibt es beim Comics Reporter von Tom Spurgeon, selbst ein ehemaliger TCJ-Autor.

Nicht nur bei der Bahn wird gestreikt
faz.net, Andreas Platthaus
Im Comic-Blog der FAZ beschreibt Andreas Platthaus die aktuelle Lage beim Verlag L’Association, dem Aushängeschild der französischen Comic-Avantgarde, und versucht auch die Ursachen zu ergründen: „Zu wagemutig ist Menus Publikationspolitik, die alles Geld sofort wieder in neue Projekte steckt.“ 

Online-Comics der Ideenschmiede Paul & Paul
ipp-comics.de
Zur Zeit des großen Heftchen-Booms der Neunziger Jahre war die Fantasy-Serie Helden von Ralf Paul einer der erfolgreichsten deutschen Comics. Nun veröffentlicht die Ideenschmiede Paul & Paul sowohl Helden als auch die unvollendete Nachfolgereihe Dorn als Webcomic in deutscher und englischer Sprache, wobei zweimal pro Woche je eine neue Seite dazu kommt. 

Deadpool Team-Up: Charlie Sheen!
The Independents, Ben Christian und Cory Smith
Um Charlie Sheen kommt man derzeit nicht herum, auch wir nicht. Dessen exzentrische Tour durch sämtliche Talkshows bot reichlich Material für Spötter aller Art, wobei natürlich auch Comics entstanden. Marvels Chefredateur Axel Alonso twitterte letzte Woche im Scherz. „Wollt ihr ein Team-Up mit Deadpool und Charlie Sheen?“ Und kurz darauf hatten zwei Nachwuchs-Comicmacher eine entsprechende Seite fertig. 

One Minute Puberty
vimeo, bitteschön.tv
In einer Minnute durch die Pubertät: Schöne Animation von Alex Gellner, der 2008 im Comicgate-Magazin Nr. 3 vertreten war und auch dessen Cover gestaltet hatte.

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<iframe src=“http://player.vimeo.com/video/20793651″ width=“590″ height=“332″ frameborder=“0″></iframe><p><a href=“http://vimeo.com/20793651″>One Minute Puberty</a> from <a href=“http://vimeo.com/bitteschoentv“>bitteschön.tv</a> on <a href=“http://vimeo.com“>Vimeo</a>
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Sang Royal 1 – Gottlose Hochzeit

Altmeister Jodorowsky hat wieder zugeschlagen. Man fragt sich glatt, ob der Mann noch etwas anderes tut, als zu schreiben. Gerade in letzter Zeit hat er einen so hohen Output (Der schreckliche Papst, Borgia), dass man befürchten könnte, ihm würden bald die Ideen ausgehen.

Auf den ersten Blick scheint der erste Band der neuen Serie Sang Royal auch nicht allzu viel herzugeben: der König eines fiktiven Landes wird in einer Schlacht verwundet. Damit seine Männer nicht entmutigt werden, trägt er seinem Cousin, der ihm sehr ähnlich sieht, auf, an seiner Statt in die Schlacht zurückzukehren. Doch der Cousin lässt den König sterbend zurück und ergreift die Macht. Der König überlebt, verliert aber sein Gedächtnis und verbringt die nächsten Jahre bei einer entstellten Schäferin. Als er sein Gedächtnis wieder erlangt, macht er sich auf den Weg, seinen Thron zurück zu fordern.

So weit, so alt, so bekannt aus tausenden Mythen, Legenden, Märchen, Filmen, Büchern, etc. Bereits die ersten Innenblätter geben noch vor den ersten Bildern an, wohin es geht: rot wie Blut und schwarz wie die Seelen der Figuren. Und so ist auch der Band: blutig und düster, voller expliziter Brutalität, Liebe, Verrat, Inzest, Vergewaltigung, Nekrophilie, Folter und Hass. Allein schon die ersten Panels stimmen den Leser ein, wenn ein Krieger durch ein Schwert halbiert wird. Taucht auf den ersten Seiten der Verdacht auf, dass hier ein uraltes Thema durch Sex und Brutalität „aufgepeppt“ werden soll, so zeigt sich aber bald, dass Jodorowsky etwas gänzlich anderes beabsichtigt hat und dieses hervorragend umsetzt.

Ohne jetzt allzu viel zu verraten, wird alles, was der Leser anhand des Stoffes erwartet, schon in der ersten Hälfte erfüllt, also nicht Thema der Serie sein. Vielmehr geht es Jodorowsky um das Königtum, beziehungsweise den Adel an sich. Der Titel Sang Royal, also königliches Blut, spricht dem Inhalt Hohn, denn hier geschieht eher eine Demystifizierung des Adels. Königlich ist gar nichts an diesem Blut, es ist vielmehr schwarz wie die Hölle. Alle Fantasy-, History- oder Königsklischees werden von Jodorowsky zerstört. Edel ist hier nichts. Alles was zählt, sind Macht und die Symbole, Charaktere und Personen sind unwichtig. An einer Stelle sagt die Königin, die mit dem Thronräuber lebt und jetzt ihren richtigen Mann erkennt: „Alfred [der Cousin] wurde Alvar [der rechtmäßige König], wie es jeder Mann geworden wäre, der als Monarch gewandet und vom Volk geheiligt zu mir gekommen wäre. Groß oder klein, hager oder fett, blond oder braun, er hätte mich zur seinen gehabt. Ich bin keine Frau. Ich bin eine Königin!“ Dieser kurze Monolog fasst das zusammen, worum es Jodorowsky hier geht: das ganze Leben als Symbol. Um den daraus entstehenden Druck ventilieren zu können, unterdrücken die Adligen das Volk. Wahrlich „königliches Blut“.

Die Bilder sind ebenso faszinierend wie die inhaltliche Ebene. Ost trifft West. Der Zeichenstil von Dongzi Liu ist eindeutig vom Manga beeinflusst, was besonders deutlich bei den Actionszenen und bei den Figuren ist. Dennoch zeigen sich ebenso viele frankobelgische Einflüsse im Aufbau der Zeichnungen und der Panels. Manchmal gibt es aber gerade in den Actionszenen leichte perspektivische Fehler und Ungenauigkeiten. Die Farben sind aber hervorragend und unterstützen in ihrer naturalistischen Tönung die düstere Stimmung des Bandes. So wird der Leser in das Setting gezogen und die Verbindung zwischen Manga und westlicher Tradition ist sehr gelungen.

Was manche Leser, abgesehen von der Brutalität und der expliziten Erotik, noch abschrecken mag, ist, dass keine der Figuren sympathisch rüberkommt. Normalerweise würde der Leser seine Sympathien dem entmachteten König schenken, aber auch der ist ein Schurke. Hier gibt es keinen Kampf Gut gegen Böse, sondern nur den Konflikt zwischen Schwarzschattierungen. Und damit ist der Band eher an die klassische antike Tragödie angelehnt als an Klischees der Populärkultur.

 

Wertung: 9 von 10 Punkten

Auf den ersten Blick eine uralte Story, aufgepeppt mit viel Blut und Sex, die sich als vielschichtiger und verstörender Comic entpuppt. Ein kleines Meisterwerk eines großen Autors.

 

Sang Royal 1 – Gottlose Hochzeit
Ehapa Comic Collection, Februar 2011 

Text: Alexandro Jodorowsky
Zeichnungen: Dongzi Liu
55 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 13,95 Euro
ISBN: 978-3-7704-3418-3

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Abbildungen © Dongzi Liu/Glénat, der dt. Ausgabe: Ehapa Comic Collection

Interview mit Rob Guillory (OmU)

Rob Guillory, SelbstporträtZum Start der deutschen Ausgabe von Chew sprachen wir nicht nur mit John Layman, dem Autor und Erfinder der Serie, sondern auch mit Rob Guillory, dem Zeichner. Im Gespräch, das Thomas Kögel per Instant Messenger führte, erzählt Rob, wie er zu dem Job kam, wie eine Chew-Ausgabe entsteht und warum er „creator owned“-Comics so viel besser findet als die Mainstream-Superheldenware der Großverlage.

Wir veröffentlichen das Interview sowohl in einer deutschen Übersetzung als auch in der englischen Originalfassung.

Click here for the ENGLISH VERSION!

 

Comicgate: Rob, die meisten Comicleser (mich eingeschlossen) haben deinen Namen wohl zum ersten Mal im Zusammenhang mit Chew gehört. Vorher warst du für viele ein Unbekannter. Was hattest du für eine Ausbildung und wie verlief deine Karriere vor Chew?

Rob Guillory: Ich zeichne Comics von Kindesbeinen an. Ich wuchs in Lafayette, Louisiana auf – Comiczeichner erscheint einem dort nicht als echte Berufsperspektive. Also schrieb ich mich für fünf Jahre an der University of Louisiana ein und legte den Schwerpunkt auf Malerei. Währenddessen war ich „Senior Cartoonist“ bei der Hochschulzeitung, The Vermillion. Ich habe dort fünf Jahre lang zwei wöchentliche Strips gezeichnet, was eine super Übung war. Da hab ich wirklich gelernt, mit Deadlines umzugehen. Außerdem besuchte ich regelmäßig Comic-Conventions, etwa zweimal im Jahr. Dort traf ich Comicprofis und baute mir ein Netzwerk auf, um nach dem Uni-Abschluss an Aufträge zu kommen. 2005 machte ich den Abschluss und ein Jahr später nahm ich die ersten (spärlich) bezahlten Aufträge an.

Ich habe ein paar Indie-Sachen gezeichnet, die kein Mensch kennt, und es gibt über 100 Seiten von einem „creator owned“-Projekt, das nie veröffentlicht wurde. Für Ape Entertainment habe ich Teddy Scares gezeichnet, dann ein bisschen was für Random House UK und etwas für Tokyopop USA, das auch nie veröffentlicht wurde. Stimmt schon, Chew ist das erste größere Ding, bei dem ich dabei bin.

CG: Über das Tokyopop-Projekt bist du mit (Chew-Autor) John Layman zusammengekommen…

RG: Ja, für Tokyopop habe ich mit dem Autor Brandon Jerwa zusammengearbeitet, der ein guter Freund von Layman ist. Und als John einen Zeichner suchte, hat mich Brandon empfohlen.

CG: John erzählte mir, dass die ersten Skripte schon fertig waren, als du an Bord kamst. Wie sieht es mit den Figurendesigns aus? Gab es da auch schon was oder stammt das alles von dir?

RG: John hatte nur die ersten drei Skripte vorliegen, sonst nichts. Von dieser Basis aus habe ich das Design gemacht. Und John fand, dass meine „Sprache“ in den Zeichnungen so stark zum Ausdruck kommt, dass er mich zum „Co-Creator“ gemacht hat, obwohl er sich Chew schon vorher ausgedacht hatte. Sehr schmeichelhaft.

Cover Chew #12CG: Ich finde, er hat recht. Das Artwork ist schließlich so ein wesentlicher Teil von Chew. Wenn du eine neue Figur gestaltest, ob nun für Chew oder für andere Projekte, wie gehst du dabei vor?

RG: Bei Chew habe ich John gefragt, ob er Schauspieler im Kopf hätte, und die hatte er. Zum Beispiel Orson Welles als Vorbild für Mason Savoy. Das nahm ich als Ausgangspunkt, von dem aus ich dann mittels Verzerrung und Überzeichnung die Figurendesigns entwickelte.

CG: Chew ist ja ein recht wilder Ritt. Da werden viele Genres angerissen, es ist gleichzeitig witzig und spannend, manchmal auch eklig. Gibt es irgendwas, was du nicht zeichnen würdest, weil es einfach zu schlimm wäre?

RG: Ich habe schon Grenzen, die ich nicht überschreite. Zum Glück hat John in etwa die gleichen und ist überraschend feinfühlig, wenn’s darum geht, was in den Comic reinkommt. Eindeutige Sexszenen wird es nicht geben. Und die ganzen ekligen Szenen dienen der Geschichte. Wir wollen nicht übertreiben um der Übertreibung willen.

CG: Welche Aspekte oder Figuren der Geschichte zeichnest du am liebsten, und welche würdest du lieber vermeiden?

RG: Tony, Savoy und Colby machen mir immer viel Spaß, weil das sehr ausdrucksstarke Typen sind. Alles, was mit Action zu tun hat, ist toll, und John gibt mir eine Menge davon. Es gibt eigentlich nichts an dem Comic, was ich wirklich ungern zeichne. Ich sehe jede Seite als ein Problem, das es zu lösen gilt. Seiten mit sehr viel Dialog sind anstrengend und ein bisschen langweilig. Aber das ist das Schlimmste, was mir einfällt.

CG: Was mir an Chew am besten gefällt, ist das coole, originelle Storytelling, vor allem die Seitenlayouts und wie der Leser von Panel zu Panel geführt wird. Steht das schon so als Vorgabe in Johns Skripten oder sind das deine Ideen?

RG: Sowohl als auch. John hat einen sehr guten Sinn für Design, ihm fallen ständig tolle Layout-Ideen ein. Aber wenn ich meine, eine bessere Idee zu haben, ist er immer offen dafür. In seinen Skripten spricht er mich persönlich an, da steht dann meistens sowas wie „ich stelle mir die Szene so und so vor, Rob, aber wenn dir was besseres einfällt, nur zu“.

Seite mit Vorzeichnungen und TuscheFarbseparationCG: Zu eurer Zusammenarbeit: John schickt dir also ein Skript für eine neue Chew-Ausgabe. Wie geht’s dann weiter? Kannst du uns mal Schritt für Schritt durch die Entstehung einer Ausgabe führen?

RG: Wir brauchen ungefähr fünf Wochen für jedes Heft. Das Skript bekomme ich schon mehrere Monate im Voraus. Das lese ich mir dann ein paarmal durch und teile mir jede Seite in einzelne Puzzleteile auf. Jede Seite wird anders aufgeteilt, je nachdem, welchen Raum die einzelnen Panels benötigen. Dann skizziere ich grobe Thumbnails von jeder Seite. Ungefähr 90 Prozent aller Designprobleme werden bereits bei diesem Schritt gelöst. Dann folgen rohe Skizzen, die ich mit rotem Bleistift auf Bristol-Board-Papier mache. Diese Skizzen sind wirklich sehr locker und undetailliert gehalten. Anschließend verfeinere ich sie, füge kleine Details hinzu und so weiter. Danach tusche ich sie, wobei ich sowohl Feder als auch Pinsel verwende. Und nach dem Tuschen kommen meistens noch ein paar kleine versteckte Extras auf die Seite. Ein kleiner Bonus für aufmerksame Leser. Gags, Cameos und ähnliches.

Dann scanne ich die Seite ein, bringe sie auf das Format der Vorlagen von Image Comics und kümmere mich im Groben um Schatten- und Lichteffekte. Dann geht die Seite an Steven Struble, der nach meinen Vorgaben die Farbseparation macht. Der schickt sie dann wieder zurück an mich, und ich mache dann das Feintuning bei Schatten, Licht und Farbeffekten. Auf diese Weise brauchen wir für jede Seite sechs bis acht Stunden für die Zeichnungen und nochmal drei bis vier für die Farben. Das fertige Artwork geht dann wieder an John und er macht das Lettering. Zum Schluss schickt er es an Image und dann kann’s gedruckt werden [siehe dazu auch die beiden Beiträge Process Junkie und Process Junkie: Coloring CHEW auf Robs Blog, von dort stammen die beiden Abbildungen].

Cover Chew #13CG: In meinem Interview mit John meinte er: „Rob ist der Stille, Professionelle, Seriöse und Freundliche – ich bin wohl eher der sture Saufkopp.“ Hat er Recht?

RG: Haha. Manchmal. John ist viel zu streng mit sich. Meine Frau und ich haben letztes Jahr eine Woche mit ihm in Italien verbracht, er ist ein wahnsinnig netter und freundlicher Typ. Die Tatsache, dass er meinen Anteil an Chew anerkannt und mich nachträglich zum Co-Creator gemacht hat, spricht für seine Integrität. Ich kenne keinen anderen Comicmacher, der so integer ist. Ich will am liebsten immer nur mit ihm arbeiten.

CG: Zur Zeit liest man ja wieder viel zum Thema „creator owned“ gegen „company owned“, Eric Powell und Steve Niles haben da eine neue Debatte angestoßen [siehe auch unseren Artikel Aufbegehren gegen die Dominanz der Superheldencomics]. Wie stehst du zu dem Thema?

RG: Ich respektiere Mainstream-Comics. Mit denen bin ich aufgewachsen, sie haben ihre Berechtigung. Sie interessieren mich nur überhaupt nicht. Und ich glaube, so geht es zur Zeit immer mehr Leuten. Denn die Comics von den „Big Two“ [Marvel und DC] haben keine Relevanz. Das sind überhypte Serien, bei denen selbst die Fans wissen, dass es irgendwann einen Reboot gibt und der Inhalt nicht mehr zählt. Sie verschwenden die Zeit und das Geld der Leser. Und deshalb zieht es die Leute hin zu Autorencomics. Da findet Bewegung statt. Figuren verändern sich, sie sterben, und sie bleiben tot. Diese Geschichten haben ein Gewicht, das die von den Big Two nicht haben. Außerdem beleidigen wir die Leser nicht mit Sprüchen wie: „Das ist das größte Comic-Event aller Zeiten … Das größte seit dem letzten Event, mit dem wir euch enttäuscht haben.“ Ich war ja lange genug als Fan dabei. Ich habe alle Hefte der verdammten „Death of Superman“-Storyline gesammelt. Und dann kam er zurück und ich verstand: „Sie haben mich ausgetrickst, es geht wieder von vorn los. Nur dass sie jetzt meine Kohle haben.“ So, Ende der Tirade, bevor ich mich noch richtig aufrege. Haha.

CG: Dann gehen wir es doch mal von der positiven Seite heran: Hast du Comic-Empfehlungen für uns? Was sollte jeder gelesen haben?

RG: The Walking Dead ist ein perfektes Beispiel für eine gute Geschichte, die den Leser respektiert. Das ist eine Erzählung, die wächst und wo Veränderungen Gewicht und Konsequenzen haben. Auch Scalped ist ein brillanter Comic, den ich gerade erst entdecke. Invincible ist der beste Superheldencomic – Punkt. Und Preacher, das ist schon älter, aber ich liebe es immer noch total.

Cover Chew #8CG: Nochmal zum Thema „creator owned“: Image Comics hat ja ein recht spezielles Geschäftsmodell. Wie funktioniert das im Fall von Chew?

RG: Image hält sich weitgehend raus, was manche Künstler wahnsinnig macht, aber für uns gut funktioniert. Image ist praktisch die Bande, über die wir den Ball spielen. Wir schaffen unseren Comic ohne redaktionelle Eingriffe, schicken das fertige Ding zum Verlag und die pappen nur noch ihr Logo drauf. So einfach ist das. Unser Verhältnis beschränkt sich weitgehend darauf, über Marketing-Ideen und ähnliches zu sprechen. Zum Beispiel, als wir ein Heft mit „Rubbel-und-Riech“-Cover machen wollten. Da haben wir den Verlag per Mail gefragt, wie man das umsetzten könnte. Sie haben recherchiert und uns die Konditionen genannt. Aber die Entscheidung blieb uns überlassen. Die Identität der Serie und ihr Erfolg verdankt sich allein John und mir, ihren Schöpfern. Hat das deine Frage beantwortet?

CG: Im Grunde schon. Aber eigentlich wollte ich eher auf die finanzielle Seite hinaus …

RG: Kurz gesagt läuft das so: Als Zeichner oder Autor zahlt man dem Verlag nichts im Voraus, Image behält eine feste Summe vom Verkaufserlös ein. Nachdem die abgezogen ist, gehört der Rest den Künstlern. Man kann also als Comicmacher bei Image wesentlich mehr Geld verdienen. Klar, das Risiko ist größer, aber der Ertrag kann dafür viel, viel größer sein.

CG: Die deutsche Ausgabe des ersten Bandes von Chew ist ja kürzlich erschienen und sieht etwas anders aus als das Original. Hast du sie schon gesehen?

RG: Ja, sieht toll aus. Hoffentlich ist es so erfolgreich, dass die komplette Serie veröffentlicht wird. Ich gehe davon aus, sie werkeln ja schon am zweiten Band.

CG: Damit wäre ich mit meinen Fragen durch. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast!

RG: Kein Problem, ich hoffe, es war informativ für die Leser.

 

Rezension zu Chew 1
CHEW – Das offizielle Blog zur Serie
robguillory.com – Rob Guillorys Blog
Chew bei Cross Cult

Abbildungen: © Cross Cult, John Layman, Rob Guillory

Interview with Rob Guillory

Rob Guillory, SelbstporträtCoinciding with the german release of Chew, we did not only chat with writer John Layman, but also with artist and co-creator Rob Guillory. Talking to Thomas Koegel via Instant Messenger, Rob told us how he got the job, how an issue of Chew is made and why he likes creator-owned comics so much more than company-owned superhero books.

[Hier geht’s zur deutschen Version.]

CG: Rob, for most comics readers (including myself), the first time they saw any of your work, was the first issue of Chew. Can you tell us a little bit about your education and your career before Chew?

RG: Yeah. I’ve been drawing comics since I was a kid, and growing up in Lafayette, Louisianna, it didn’t seem like a „real job“ that you could aspire to attain. So I enrolled in the University of Louisiana for five years, focusing on a painting degree. And during that time, I was the senior cartoonist at the school’s newspaper, The Vermilion. I did two weekly strips for five years, which was a great exercise. It taught me to work within a deadline. And on top of that, I was going to comic conventions fairly regularly, about twice a year. I was meeting pros and building a network, so that when I graduated I would have something to go to. I graduated in 2005, and started getting (barely) paying work a year later.

I did a bunch of indie stuff that no one’s heard of. 100+ pages of a creator-owned collaboration that’ll never be published. Teddy Scares for Ape Entertainment. Some work for Randomhouse UK. And some unpublished stuff at Tokyopop. But yeah, Chew’s the first major thing that I’ve done.

CG: And that Tokyopop project brought you together with John Layman somehow …

RG: Yeah. I worked with a writer named Brandon Jerwa at Tokyopop, who’s a good friend of Layman’s. So when John was looking for an artist, Jerwa referred me.

CG: John told me that the first scripts were already written when you came on board. What about character designs? Did anything exist before or was it all done by you?

RG: All John had were the first three scripts. So I designed everything from there. In fact, John felt that my voice was so obvious in the art design that he made me co-creator despite the fact that he’d conceived of Chew before me. Very flattering.

Cover Chew #12CG: I think he’s right. The artwork is such an integral part of Chew. When you design a new character, be it for Chew or anything else, what’s your way of doing that?

RG: With Chew, I asked if John had actors in mind, and he did. For example, Orson Welles as Savoy. That gave me a starting point with which to twist and exaggerate the character design.

CG: Chew is a pretty wild ride. It touches a lot of genres, it is funny and creepy and thrilling at the same time, and sometimes a little gross or disgusting. Can you imagine anything you wouldn’t draw because it’s just too much?

RG: Yeah, I have lines that I won’t cross. Thankfully, John has many of the same lines and has been surprisingly sensitive about what gets into the book. Explicit sexual stuff won’t get in. All gross stuff in the book serves the story. We’re not excessive for the sake of being excessive.

CG: What aspects of (or characters in) Chew are your favorite ones to draw, and which ones would you rather avoid?

RG: Tony, Savoy and Colby are always really fun to illustrate, because they’re very expressive characters. Any action stuff is always a blast, and John gives me a lot of it. I can’t really think of anything that I explicitly hate doing in the book. I look at every page as a problem to be solved. I guess pages with heavy, heavy dialogue are a pain, and a bit boring. But that’s the worst I can come up with.

CG: What I really love about Chew are the cool and original ideas in the way the story is told, especially the page layouts and the way the reader is guided from panel to panel. Is that already in John’s scripts or are these your ideas?

RG: Both. John’s got great design sense, so he comes up with great layout ideas all the time. But he’s always open to my ideas if I feel that I have a better way of telling it. His scripts literally talk directly to me and they usually say „I picture this scene like this, Rob, but if you have a better idea, go for it.“

Seite mit Vorzeichnungen und TuscheFarbseparationCG: As for your collaboration: John sends you the script for a new issue of Chew – what happens next? Can you guide us through the process of creating an issue of the series?

RG: We’re roughly on a five-week rotation for each issue. He shoots me a script months before I even start the issue. I read it a handful of times, then start breaking each page down into puzzle pieces, basically. I divide up each page depending on what each panel needs. From there, I do rough thumbnail sketches of each page. I solve about 90% of the design problems at this stage. Then, I do rough pencils with red graphite on 11×17 bristol board. My pencils tend to be really loose and gestural, more than tight and detailed. From there, I tighten them up, add little details and whatnot. Then I ink using a combination of pens and brushes. And after inks, I usually add a bunch of little Easter eggs to each page. Just a little extra level of interaction for the reader. Jokes, cameos or whatever. 

From there, I scan the page in, format it to the Image Comics template, and roughly draw out shadows and lighting. Then I send it to Steven Struble, who color-separates each page according to my guides. After that, he sends the page back to me, and I fine-tune shadows, lighting and effects. So each page takes about six to eight hours from pencils to inks. Another three to four for colors. Then, I send the finished art to John, and he letters the work. Then he shoots it off to Image and that’s it.

Cover Chew #13CG: When I chatted with John, he said: „Rob is the quiet, professional, straight-edged friendly one. I am the hard-drinking, overly opinionated jackass.“ Is he right?

RG: HA. Sometimes. John is way harder on himself than he should be. My wife and I hung with John for a week in Italy last year, and he’s an amazingly kind and considerate guy. The fact that he recognized my contribution and made me co-creator after the fact points to his integrity. I don’t know ANY other creator with that level of integrity. That’s why he’s the only guy I ever want to work with.

CG: „Creator owned“ vs. „company owned comics“ is quite a hot topic at the moment. I’m sure you heard about the new initiative spearheaded by Eric Powell. What do you think about this subject?

RG: I respect mainstream comics. I grew up on them, and they have a place. I just don’t care about them at all. And I think less and less people are caring these days. Because the comics that the Big 2 guys [Marvel and DC] are putting out don’t matter. They’re over-hyped serials that even the fans know will inevitably get undone and rebooted. They’re wasting people’s time and money. And that’s why people are gravitating to creator-owned comics. We have forward-movement. Characters change, die and stay dead. There is weight to the story being told that the Big 2 don’t have.
And we don’t insult the reader by saying „This is the biggest thing in Comics EVER … Since the last big thing that disappointed you.“ I’ve been there as a fan. I collected the whole friggin „Death of Superman“-thing. And then they brought him back and I realized „I just got suckered, and we’re back to square one. Except they have my money.“ End rant. Before I really get started. HA.

CG: So, to take it to the positive side: Any comic book suggestions? A book everyone should read?

RG: Walking Dead is really one example of a story done right that respects the reader. There’s a growing, changing narrative that has weight and consequence. Scalped is another brilliant comic that I’m just discovering. Invincible is the best superhero comic, period. And Preacher is a comic that’s been out a while, but I still absolutely love it.

Cover Chew #8CG: Another question related to the creator-owned thingy: As far as I know, Image Comics has a rather unique business model. Can you tell us how it works in the case of Chew?

RG: Image is very hands-off, which drives some creators insane, but works for us. Basically, Image is the wall that we bounce things off of. We create our comic without editorial reins. Then, we send them the finished thing and they slap a logo on it. It’s really that simple. Our relationship is mostly made up of tossing around marketing ideas and whatnot. Example: We wanted to do a „Scratch n‘ Sniff“-issue. So we emailed them for info into how that’d be made possible. They did the research and got back to us. But it’s up to us. The identity of the book and its success is fully on John and me as creators. Does that answer your question? It really is that simple.

CG: Basically, yes. I don’t know if you can/want to talk about the financial side of the model …

RG: In short, Image takes a flat fee on the backend. Creators don’t pay anything up front. After that fee is paid, everything else is pure creator profit. So creators stand to make way more at Image, really. It’s a bigger risk, yes. But way, way bigger reward.

CG: I’d like to finish with  a question about the German edition of Chew Vol. 1, which came out a few weeks ago. Have you seen it yet? It looks a little different from the original collection.

RG: Yeah, it looks great. Let’s hope it will be successful here so that we can get the whole story. I think so. They’re already working on Volume 2, so I’m sure it’ll get there.

CG: So, I think I’m through with my questions … Thanks again for your time and giving me the opportunity to ask them.

RG: No problem. Thanks for having me. Hope it was informative.

 

Images: © Cross Cult, John Layman, Rob Guillory

Chew 1 – Leichenschmaus

chew_coverAls Autor John Layman mit seiner Idee von einem Cop, der mittels einer außergewöhnlichen Geschmacksbegabung die Geschichte und Herkunft einer jeden Speise erfahren kann, in der amerikanischen Comicverlagslandschaft hausieren ging, lehnten alle Redakteure naserümpfend ab. Die Zurückweisung kam dem ehemaligen Wildstorm-Redakteur jedoch letztendlich zugute: Nachdem er den Start der Serie Chew 2009 auf eigene Faust finanziert und sie für den Vertrieb bei Image Comics untergebracht hatte, kam sie derart gut bei den Lesern an, dass die ersten Ausgaben mehrmals nachgedruckt werden mussten. Obendrauf gab es 2010 noch einen Eisner Award, zwei Harvey Awards und zwei Nominierungen für die britischen Eagle Awards. Da musste so mancher Redakteur, der Layman zuvor davongescheucht hatte, wahrscheinlich ein paar Mal sehr tief in eine Papiertüte atmen.

Was Chew vor allen Dingen auszeichnet ist Originalität, denn hier wurde äußerst mutig eine Menge sehr unterschiedlicher Aspekte verquirlt: Die brandheißen Thematiken Ernährung und Lebensmittelindustrie mit harten Krimigeschichten und Verschwörungs-Arien a la Akte X, dazu tiefschwarzer Humor, abstruse Pulp-Ideen und Over-the-top-Actioneinlagen. Mittelpunkt des Ganzen ist der Polizeibeamte Tony Chu, der aufgrund der oben erwähnten Besonderheit seiner Geschmacksknospen zur US-Lebensmittelbehörde FDA versetzt wird, welche nach einer furchtbar um sich wütenden Vogelgrippenpandemie zur mächtigsten Behörde der Vereinigten Staaten aufgestiegen ist. Chus von ihm selbst verfluchtes Talent als „Cibopath“ macht ihn aus der zynisch-praktischen Sicht seiner Vorgesetzten zum perfekten Ermittler – in Sachen Morde, die im Zusammenhang mit Essen und Kannibalismus stehen. Denn Tonys Gabe beschränkt sich natürlich nicht auf pflanzliche Nahrung und tierisches Fleisch. Diese perfekte Grundlage für kulinarische Schock- und Ekelszenen nutzt Layman dann auch mit perfidem Spaß.

Zusammen mit seinem ebenfalls cibopathiebegabten Partner Mason Savoy, einem hinreißend klobig gezeichneten, Monokel tragenden Gentleman-Agenten, taucht Chu immer tiefer in die Abgründe einer Gesellschaft, in der Hühnchenfleisch schärfer verboten ist als Kokain, illegale Restaurants im Stil der geheimen Kneipen der Prohibitionszeit existieren und für Essen wieder gemordet wird. Trotz der stark dazu verlockenden Thematik widersteht Layman dabei jedweder moralinsauren Predigt wie auch allzu aufklärender Sachlichkeit. Nicht, dass ein aufrüttelnder Comic über die dimensionsmäßig völlig aus dem Ruder laufende Massentierhaltung und die immer bizarreren Praktiken der Lebensmittelindustrie so falsch wäre. Aber diesen Part möchte Chew nicht übernehmen. Dieser Comic ist klar ein Stück Unterhaltungskunst, kein Comicessay über Ermährung, sondern vornehmlich ein makabrer Krimithriller mit einem paranormalen und dystopischen Einschlag. Die Essensthematik dient – jedenfalls im vorliegenden Sammelband 1 mit den ersten fünf Heften – mehr als dicht ausgearbeiteter Hintergrund für Chus bizarre Fälle als FDA-Agent.

Der offensichtliche Spaß des Autors Layman an dieser Art von Erzählung und dem vergnüglichen Spiel mit zahlreichen Tabus springt durch Rob Guillorys einnehmenden Zeichenstil auch auf den Leser über. Sein Mix aus sympathischer Indie-Ästhetik und ansprechender Mainstream-Optik, gezielter anatomischer Übertreibung und ausdrucksstarken Gesichtern trägt einen nicht unbedeutenden Anteil dazu bei, dass Chew so gut als Leseerlebnis funktioniert. Beispielhaft sei hier nur auf ein Panel verwiesen, in dem Tony Chu eine massive Ladung Erbrochenes ins Gesicht fliegt, und das zugleich erfolgreich romantische Glückseligkeit(!) zu transportieren vermag. Ein entschiedenes optisches Manko des Comics geht dabei nicht auf Guillorys Konto, sondern auf das des deutschen Verlages Cross Cult: Einen derart textstarken und detailfreudigen Comic auf das zwar angenehm handliche, doch hier etwas zu gedrängt erscheinende A5-Hausformat zu schrumpfen, ist nicht ganz nachvollziehbar. Gerade weil im Fall anderer Comics wie z.B. The Surrogates ebenfalls ein größeres Format drin war. Dass sich Chew aber auch in dieser Form noch gut lesen läßt, ist vor allem Rob Guillorys ausdruckstarken Bildern und gekonntem Panellayout zu verdanken.

Wie auch Laymans Scriptvorlage ist Guillorys zeichnerische Umsetzung ein gutes Stück entfernt vom Comic-Mainstream, das Ergebnis besitzt aber paradoxerweise eine Menge Massenappeal. „Leichenschmaus“ ist ganz klar einer der Comics, den man Nicht-Comiclesern unter die Nase halten muss. Doch am besten nicht gerade beim Essen. 

 

Wertung9 von 10 Punkten

Eigensinnig, pulpig, schwarzhumorig und extrem unterhaltsam: ein Indie-Krimicomic mit viel Massenappeal

 

Chew – Bulle mit Biss 1: „Leichenschmaus
Cross Cult, Dezember 2010
Text: John Layman
Zeichnungen: Rob Guillory
128 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 16,80 Euro
ISBN: 978-3-942649-18-6
Leseprobe

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Interview mit John Layman
Interview mit Rob Guillory

Abbildungen © John Layman , der dt. Ausgabe: Cross Cult

Disclosure/Klarstellung: Die deutsche Ausgabe von Chew 1 wurde von den CG-Redakteuren Marc-Oliver Frisch und Frauke Pfeiffer übersetzt bzw. lektoriert.